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Maddrax 0561 - Science-Fiction-Serie

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet »Christopher-Floyd« – in Wahrheit eine Arche Außerirdischer – die Erde. Ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die degenerierte Menschheit befindet sich im Krieg mit den Daa'muren, die als Gestaltwandler ein leichtes Spiel haben. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, »Maddrax« genannt, dessen Staffel durch einen Zeitstrahl vom Mars ins Jahr 2516 versetzt wird. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula erkundet er diese ihm fremde Erde, und es gelingt ihm, die lebende Arche, den »Wandler«, gegen dessen kosmischen Feind zu verteidigen, woraufhin sich der Wandler mit den Daa'muren ins All zurückzieht...

Während es Matt und Aruula in ein anderes Sonnensystem verschlägt, hat der Kampf gegen den Streiter dramatische Folgen: Der Mond nähert sich der Erde! Als Matt und Aruula endlich einen Weg in die Heimat finden, gelingt es mit außerirdischer Hilfe, den Mond in seine Umlaufbahn zurückzuversetzen, doch dies verursacht eine Schwächung des Raum-Zeit-Kontinuums, das in der Folge an besonderen Punkten aufbricht – dort wo die Nachfahren der Menschheit, die Archivare, in der Zeit zurückgereist sind, um Artefakte der Vergangenheit zu sammeln. Nun tauchen an den Bruchstellen Areale verschiedener Parallelwelten auf.

Zusammen mit dem Pflanzenwesen GRÜN gelingt es unseren Helden, mittels eines Tachyon-Prionen-Organismus die Risse zu versiegeln – bis eine Bruchstelle kollabiert, die nicht auf die Archivare zurückgeht, GRÜN und den Organismus beinahe tötet und ein gewaltiges Areal um den Victoriasee in die Gegenwart versetzt. Kaiser Pilâtre de Rozier, der dort regiert, hat den Austausch beobachtet – und dass das Luftschiff seines Sohnes Victorius darin verschwand, während der See durch eine gewaltige Stadt ersetzt wurde. Matt und Aruula stellen fest, dass die Menschen aus dem Areal einen »bösen Keim« verbreiten; dieselbe Kraft, mit der sich auch Aruula über den Kontakt mit GRÜN infiziert hat. Als der Anführer der Dunklen, Shadar, ihr die telepathischen Kräfte rauben will, befreit er sie ungewollt von dem Keim.

Nun wollen Matt und Aruula den Tachyonen-Organismus einsetzen, um das Portal zu öffnen, doch das Wesen ist aus der Stasiskugel verschwunden! Sie vermuten Colonel Kormak dahinter, doch der kann die Schuld auf seine Assistentin Vasraa abwälzen und sie anschließend »entsorgen»... so denkt er jedenfalls. In Wahrheit überlebt sie aber und sinnt auf Rache.

Inzwischen wird die Wolkenstadt Château-à-l'Hauteur von den Dunklen angegriffen; nur Pilâtre entkommt mit einer Roziere. Da treffen die befreundeten Daa'muren Grao und Ira ein. Sie haben durch das Portal den Todesschrei eines Wandlers empfangen und machten sich auf die gefahrvolle Reise nach Afra.

Ira hat unterwegs eine Präsenz des Wandlers gespürt, der sie nun nachgehen und auf einen Daa'muren treffen, der einen Kristall mit dem Geist seines Sohnes hütet. Beim Kampf mit einem Dunklen zerbricht der Kristall – und sie stellen fest, dass die Splitter den Dunklen Keim aus einem Infizierten saugen können! Pilâtre will nun schnellstens hinüber in die Parallelwelt, doch er muss sich gedulden; erst gilt es, mehr Kristalle zu bergen. Dazu fliegen Matt, Aruula und die Daa'muren zum Kratersee, wo sie etliche Kristalle bergen können. Mit ihnen kehren sie zum Victoriasee zurück. In der Zwischenzeit versucht de Rozier seinen Sohn zurückzuholen, scheitert aber.

Kampf um die Wolkenstadt

von Stefan Hensch

Orléans-à-l'Hauteur, vor fünfzehn Jahren

Marie de Rozier lag in ihrem Bett. Sie fühlte sich etwas besser als in den letzten Tagen; das Fieber war leicht gesunken. Wahrscheinlich lag das an dem Medikament, das ihr Doktor Akintola verabreicht hatte. Ein gutes Zeichen. Hoffentlich war die Besserung von Dauer.

Marie spürte die Bewegung in ihrem Bauch und musste lächeln. Laut Akintola ging es dem Baby gut. Die Prinzessin kannte ihren Leibarzt seit Jahrzehnten und vertraute seinem Fachwissen als Mediziner. »Warum muss es nur so heiß sein?«, murmelte sie und schlug die Seidendecke zurück.

Vom offenen Fenster her wehte ein angenehm kühler Luftzug. Sie hatte ihrem Arzt versprochen, das Bett nur für den Toilettengang zu verlassen, um sich nicht zu überanstrengen.

In den letzten Tagen war ihr Verstand durch das Fieber vernebelt gewesen. Die Prinzessin war von Albträumen heimgesucht worden. Immer wieder hatte sie sich im Kampf gegen die Gruh* wiedergefunden, einer prägenden Zeit ihres Lebens und vielleicht der größten Belastungsprobe des Kaiserreichs überhaupt.

Marie setzte sich auf und griff nach einem silbernen Becher auf dem Nachttisch. Silber ist gut gegen Infektionen, glaubte sie Akintola sagen zu hören. Ihre Lippen waren verkrustet und ihr Mund total ausgedörrt. Es war das reinste Feuerwerk für ihre Sinne, das klare Wasser auf der Zunge zu schmecken.

Marie stellte den Becher zurück auf den Nachttisch. Auf dem Ziffernblatt der goldenen Comtoise-Uhr erkannte sie, dass es halb vier am Morgen war. Ihre Bediensteten schliefen größtenteils, dennoch war sie nicht allein. Rund um die Uhr wachten zwei Gardisten an der Tür ihrer Gemächer. Außerdem konnte sie mit der Klingel am Seitenrand ihres Bettes nach ihrer Zofe Nahla klingeln, wenn sie Hilfe benötigte.

Unwillkürlich musste sie lächeln. Wenn das mal nicht die perfekte Definition eines goldenen Käfigs ist, dachte sie.

Tief in ihrem Inneren fühlte sie sich trotz alledem einsam. Ihr Mann, Alfons Croiseur, hatte geschäftlich in der Wolkenstadt Lamarre-à-l'Hauteur zu tun. Bisher hatte er sie nie allein gelassen, aber ausgerechnet kurz vor der Niederkunft hatte ihn der Kaiser mit einem Auftrag entsandt.

Mein werter Herr Vater, dachte Marie. Jean-François Pilâtre de Rozier.

Es war keine Boshaftigkeit und auch keine Herzlosigkeit gewesen, sondern purer Sachzwang. Eine dringende Angelegenheit musste erledigt werden, also schickte Pilâtre seinen Schwiegersohn. Dass dieser in Kürze die Geburt seines ersten Kindes erwartete, verkam zu einer Randnotiz. Marie hoffte inständig, dass Alfons rechtzeitig zurückkommen würde.

Mit einem Mal war die Benommenheit wieder da. Ein dumpfer Druck breitete sich von ihrem Nacken her aus, und ihr Schädel fühlte sich an, als wolle er zerbersten.

Marie stöhnte. Das Zimmer begann sich um die Prinzessin zu drehen und ihr Bewusstsein schien in einen tiefen Brunnenschacht zu stürzen.

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Doktor Akintolas Herz raste. Der Dienstbote in seiner Begleitung hatte ihn während der Untersuchung eines Patienten gestört. Zuerst hatte der Arzt den jungen Mann aus der Praxis werfen wollen, bis er erfuhr, in wessen Auftrag er kam.

Zähneknirschend hatte Akintola die Untersuchung abgebrochen, nach seiner Arzttasche gegriffen und war dem Diener in den Palast zu Prinzessin Marie de Rozier gefolgt. Zuerst hatte er geglaubt, die Niederkunft ihrer Hoheit stünde kurz bevor. Aber dafür wirkte der Höfling, aus dem nichts herauszubekommen war, deutlich zu angespannt. Außerdem war es dafür noch etwa zwei Wochen zu früh.

Endlich erreichten sie die Gemächer der Prinzessin. Zwei grimmig wirkende Gardisten flankierten die Tür, traten beiseite und gaben den Durchgang für den Dienstboten und seinen Begleiter frei.

Als der Leibarzt in das Schlafzimmer trat, überkam ihn eine Gänsehaut. Marie de Rozier lag mit geschlossenen Augen auf dem Bett. Ein dünner Schweißfilm stand auf ihrem Gesicht, ihre Brust hob und senkte sich sichtbar.

Neben einer jungen Zofe befanden sich noch zwei Männer im Schlafzimmer. Beide schienen im gleichen Alter zu sein – ein Trugschluss. Akintola wusste, wie es sich wirklich verhielt: Alfons Croiseur war deutlich jünger als der Mann, neben dem er stand, denn es handelte sich um keinen anderen als Kaiser Pilâtre de Rozier, den Mann, der nicht alterte.

»Dites moi, qu'est-il arrivé?«, fragte der Arzt ernst. Sagen Sie mir bitte, was geschehen ist.

Die beiden Männer tauschten einen kurzen Blick. »Die Zofe fand meine Frau vor einer halben Stunde in diesem Zustand«, sagte Croiseur dann. »Mehr wissen wir auch nicht. Mon dieu, Sie sind der Arzt! Also sagen Sie: Was fehlt der Prinzessin?«

Akintola ließ sich von der Schärfe in der Stimme des Mannes nicht aus der Ruhe bringen. »Ich werde die Prinzessin untersuchen.« Er nickte in Richtung der Tür. »Ungestört, wenn es recht ist.«

Widerstrebend wandten sich die Anwesenden zum Gehen, doch der Arzt hielt die Zofe zurück. »Bleiben Sie bitte«, sagte er. »Sie können mir assistieren.«

Routiniert tastete der Mediziner nach dem Puls der Prinzessin. Ihre Haut war feucht, das Handgelenk merkwürdig angeschwollen. Akintola runzelte die Stirn. Als seine Fingerkuppen den Puls ertasteten, zog sich sein Magen zusammen. Das Herz pumpte viel zu schnell. »Die Blutdruckmanschette, Mademoiselle«, zischte er scharf.

Mit fliegenden Fingern nahm er die Manschette entgegen und wand sie um den linken Oberarm der Patientin. Anschließend legte er das Stethoskop an und ließ langsam die Luft aus einem Ventil entweichen. Schon nach kurzer Zeit hörte er das Pumpen des Herzens über die Membran. Der Blutdruck war viel zu hoch. »C'est tout simplement impossible«, sagte er atemlos. »Wie konnte ich das übersehen?«

Hektisch schlug Akintola die Decke zurück, um sich die Fußgelenke seiner Patientin anzusehen. Schon auf den ersten Blick sah er die Flüssigkeitsansammlungen über beiden Gelenken. Sein Blick wanderte zur Zofe, dann zur Tür, gleichzeitig überschlugen sich seine Gedanken. »Kommen Sie wieder herein, meine Herren!«, rief er. »Schnell!«

Eine Sekunde später flog die Tür auf und der Kaiser erschien mit seinem Schwiegersohn. »Was fehlt Marie?«, wollte Pilâtre wissen.

»Ihre Tochter hat neben dem fiebrigen Infekt eine Gestose entwickelt. Ihr Kreislaufsystem ist durch die Schwangerschaft völlig entgleist. Ich muss sofort handeln; uns läuft die Zeit davon!«

Alfons Croiseur war bleich geworden. »Was schlagen Sie vor?«

Akintola klappte seine Tasche auseinander und zog einen Beutel aus Schweinsleder heraus. Fein säuberlich waren darin die unterschiedlichsten chirurgischen Instrumente untergebracht. »Ich muss umgehend eine Schnittentbindung durchführen, sonst verlieren wir Mutter und Kind!«

Während Alfons Croiseur wortlos mit offenem Mund dastand, übernahm das Oberhaupt des Kaiserreichs die Verantwortung für seine Tochter: »Tun Sie alles, was nötig ist, Doktor Akintola!«

Der Arzt nickte und begann mit den Vorbereitungen. In seiner langen Laufbahn hatte er unzählige Operationen durchgeführt. Immer war er dabei geschickt und gewissenhaft vorgegangen.

Er setzte das Messer an und durchtrennte die Bauchdecke der Prinzessin. Doch der Körper von Marie de Rozier war schon zu geschwächt – ihr Herz blieb stehen! Doktor Kayo Akintola musste blitzschnell eine Entscheidung treffen, denn er konnte nicht Mutter und Kind retten.

Angesichts der schlechten Verfassung der Prinzessin entschied sich der Mediziner für das Leben des Babys. Was er nicht ahnte, war, dass die Infektion dessen Lungen bereits stark geschädigt hatte. Es war nicht lebensfähig und starb drei Tage nach der Geburt.

Im ganzen Kaiserreich wurde eine Woche lang um Prinzessin Marie de Rozier und ihre Tochter Julie getrauert. Und Alfons Croiseur übernahm die Führung von Orléans-à-l'Hauteur.

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Orléans-à-l'Hauteur, Gegenwart

Matthew Drax befand sich mit Aruula, den beiden Daa'muren Grao'sil'aana und Gal'hal'ira sowie dem Oberhaupt der Wolkenstadt, Alfons Croiseur, und Kaiser Jean-François Pilâtre de Rozier in einem großzügigen Konferenzsaal. Pilâtre saß am Ende des wuchtigen Tischs, während Croiseur am anderen Ende Platz genommen hatte.

Matt saß neben Aruula und damit den beiden Daa'muren gegenüber. Gerade hatte er Bericht über die Ereignisse am Hort des Wissens erstattet.

Croiseur und Pilâtre hatten den Schilderungen über die Begegnung mit der holografischen Chandra vom Mars aufmerksam verfolgt. »Momentan wissen wir noch nicht, ob eine Allianz mit Wang'kul möglich wäre«, führte Matt aus. »Und ob er von Mars aus überhaupt etwas für uns tun kann. Ich denke nicht, dass wir bei der Bekämpfung der Dunklen auf ihn zählen können. Aber ich habe die Hoffnung, dass es ihm vielleicht gelingt, Kontakt zum Ringplanetensystem herzustellen. Schließlich stammt er selbst von dort.«

Pilâtre nickte abwesend. »Schön«, sagte er knapp.

Der Zeitreisende wirkte merkwürdig distanziert, als würde ihn etwas beschäftigen, über das er nicht reden wollte. Den Blickkontakt mit Matt hielt der Aristokrat nicht lange durch.

Irgendetwas stimmte hier nicht, das spürte der Ex-Commander; dazu brauchte er nicht einmal Aruulas Lauschsinn. Hatte der französische Flugpionier etwas zu verbergen? Er nahm sich vor, dieser Sache zu gegebener Zeit auf den Grund gehen. Jetzt waren andere Dinge dringlicher.

»Die ganze Situation erinnert mich sehr an die Bedrohung durch das Gruh-Virus, und vielleicht ist die Lage sogar noch schlimmer«, sagte Alfons Croiseur und räusperte sich. »Erst taucht diese düstere Gigantopole auf, dann verlieren wir die Kaiserstadt an diese Dunklen. Und was die Situation auf der anderen Seite angeht...«

Er verstummte und sah Pilâtre an. Matt war irritiert. Noch wussten sie wenig über die Parallelwelt, in die der Victoriasee samt seiner Inseln, Randgebiete und auch Pilâtres Sohn Victorius verschwunden war. Oder etwa doch...?

Das Minenspiel des Zeitreisenden sprach Bände. Das Oberhaupt des Kaiserreichs wirkte mit einem Mal noch unsicherer, was so gar nicht seinem Stand und Naturell entsprach. Matt wusste, was geschehen war, noch ehe Croiseur oder Pilâtre es aussprachen.

»Es gibt etwas, das ich euch zu berichten habe«, begann de Rozier und sah dabei auf seine manikürten Finger.

Im Raum wurde es leise; die Anwesenden richteten ihre Blicke auf den Kaiser. Sekunden vergingen, in denen Pilâtre nach den richtigen Worten suchte, dann räusperte er sich. »Es ist so...«, begann er und verstummte wieder.

Der Mann aus dem Frankreich des siebzehnten Jahrhunderts straffte seine Schultern und drückte die Wirbelsäule durch. Sein Blick begegnete dem von Matthew Drax, und dieses Mal wich er nicht aus. »Während eurer Reise zum Kratersee habe ich mit einer Roziere das Portal in die Parallelwelt durchquert«, sagte er. »Ich musste es tun, denn ich ertrug die quälende Ungewissheit über Victorius' Schicksal nicht mehr.«*

Für Sekunden herrschte angespanntes Schweigen.

»Das war abzusehen«, meinte Grao dann nüchtern. »Menschliches Verhalten wird von irrationalen Emotionen dominiert.«

Matt zog scharf die Luft ein, während Wut in ihm aufstieg. Sie hatten vor ihrem Aufbruch genau über dieses Thema gesprochen. Pilâtre hatte versichert, eingesehen zu haben, dass die Passage durch das Portal zum jetzigen Zeitpunkt ein unkalkulierbares Risiko darstellte.

»Das war unglaublich... leichtsinnig«, sagte Matt mühsam beherrscht und darum bemüht, Worte wie »dumm« und »verantwortungslos« nicht auszusprechen. Dies hier war immer noch Pilâtres Reich, und auch wenn sie befreundet waren, würde er sich von ihm nicht wie ein kleiner Junge zurechtweisen lassen.

»Würdest du nicht auch jede Chance nutzen, wenn Aruulas oder Xaanas Schicksal auf dem Spiel stünde?«, verteidigte sich der Monarch.

Matt schluckte und spürte, wie Aruula ihre Hand beruhigend auf sein Knie legte. Einen Moment spielte er mit dem Gedanken, sie wegzuwischen, aber natürlich tat er das nicht. Stattdessen presste er die Lippen zusammen. Die Expansion der Dunklen duldete keine Streitereien. Und immerhin hatte es Pilâtre lebend zurückgeschafft.

»Konntest du Victorius aufspüren?«, unterbrach Ira mit warmer Stimme die angespannte Stimmung.

Der Kaiser sah die Daa'murin an. »Ja, ich habe meinen Sohn gefunden, aber die Situation war... deutlich komplexer als gedacht.« Pilâtre berichtete von den Geschehnissen in der Parallelwelt, über die Infiltration der Wolkenstadt Troisième-Port-du-Cièl durch die Dunklen und von seiner Begegnung mit Victorius.

Die ganze Zeit über spürte Matt die innere Zerrissenheit des Kaisers. Dann, als er auf den Zustand seines Sohnes einging, fühlte es sich an, als würde sich eine eiskalte Klaue um sein Herz legen.

»Victorius ist freiwillig in der Parallelwelt geblieben?«, fragte Ira ungläubig.

Pilâtre nickte. »Er ist vom Dunklen Keim infiziert – und zugleich auch nicht. Wie soll ich es erklären?... So weit ich verstanden habe, teilt er sein Bewusstsein mit einer Entität namens Umbusi, mit der er eine Form von Koexistenz führt.« Er schluckte hart. »Ich habe meinen Sohn nicht zur Rückkehr bewegen können, aber er scheint zu glauben, endlich seinen Platz gefunden zu haben. Das muss ich momentan akzeptieren. Vielleicht kann er eines Tages die Oberhand über Umbusi gewinnen und zu einem wertvollen Verbündeten werden.«

In der nachfolgenden Stille klopfte es an der Tür des Saals. Sie wurde geöffnet und Pilou, der Enkel des Kaisers und Victorius' Sohn, trat ein.

»Je suis désolé grand-père«, entschuldigte er sich. »Wir haben länger mit den Aufräumarbeiten gebraucht als geplant«, fügte er hinzu.

Ein Lächeln flog über das Gesicht des Kaisers, und er bedeutete seinem Enkel, Platz zu nehmen.

Matt musterte Pilou, der als erster Infizierter durch den Einsatz der Kristallsplitter vom Dunklen Keim geheilt worden war. »Wie geht es dir, Pilou?«, fragte er. »Spürst du noch Nachwirkungen deiner Erkrankung?«

Der junge Mann schüttelte den Kopf. »Keine. Ich bin wieder ganz ich selbst.«

Die Daa'murenkristalle sogen den Keim quasi aus den Menschen vollständig heraus, zumindest, wenn sie erst kurz davon befallen waren und es sich nicht um »echte« Dunkle aus der Parallelwelt handelte.

Die Behandlung mit den Kristallsplittern war der bis dato wichtigste Schritt im Kampf gegen den unheimlichen Feind. Leider konnte das Verfahren nur einmal pro Kristall angewendet werden, danach war er schwarz gefärbt und unbrauchbar.

»Wir haben die Splitter von vierundfünfzig erloschenen Kristallen vom Kratersee mitgebracht, das sind tausende Splitter, mit denen wir die Befallenen heilen können«, sagte Matt. »Das Problem ist nur, wie wir ihrer habhaft werden sollen. Die Befallenen von Château-à-l'Hauteur werden sich mit aller Macht zur Wehr setzen, wenn wir versuchen, sie außer Gefecht zu setzen. Und es nutzt ja nichts, wenn wir sie bei einem Angriff auf die Wolkenstadt töten.«

»Ich glaube, da kann ich eine Lösung anbieten.« Pilâtre de Rozier schien sich von dem Anflug eines schlechten Gewissens schon wieder vollständig erholt zu haben und ließ ein geheimnisvolles Lächeln sehen. »Ich habe mir Gedanken über den weiteren Kampf gegen die Dunklen gemacht. Dabei bin ich letztlich bei dem angelangt, worauf unser Kaiserreich basiert.«

Matt sah den Kaiser verwirrt an. »Und das wäre?«

»Gas, mon cher ami«, sagte Pilâtre ernst.

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