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Maddrax - Folge 414

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Hilfreiche Links
  4. Was bisher geschah …
  5. Hort der Gestrandeten
  6. Leserseite
  7. Cartoon
  8. Zeittafel
  9. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ – in Wahrheit eine Arche Außerirdischer – die Erde. Ihre Achse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 versetzt wird. Nach dem Absturz retten ihn Barbaren, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula erkundet er diese für ihn fremde Erde. Bis sie durch ein Wurmloch, das sich im Forschungszentrum CERN auftut, auf einen von zwanzig Monden um einen Ringplaneten versetzt werden.

Sie finden sich auf dem Mond Terminus in der Stadt Toxx wieder, wo ein Psi-Feld alle Sprachen übersetzt – und sie gleichzeitig ihr früheres Leben vergessen lässt! Die Wurmloch-Anzüge schützen vor dieser Strahlung; das erfahren die beiden, als sie Kra’rarr treffen, die Xaanas Anzug besitzt. Das Wolfsmädchen überlässt Aruula einen neugeborenen Schnurrer.

Immer wieder werden Bewohner von den „Friedenswahrern“, die in einem Turm im Zentrum der Millionenstadt residieren, abgeholt und „resettet“. Matt will mehr erfahren und ahnt nicht, dass sie ausspioniert werden – von „Hochwürden“. Der Religionsgründer hat dem Schnurrer einen Spionage-Chip implantiert. Als er erfährt, dass die Tauchergilde eine tödliche Falle für die Menschen vorbereitet, hilft er ihnen, indem er mit einem „Zeitgift“ Aruula und sich selbst stark beschleunigt. Er unterhält sich mit ihr über den Wudanglauben.

Auf einem unterirdischen Fluss geraten Matt und Aruula in einen Kerker, wo das mächtige Volk der Saven eingesperrt wurde. Sie selbst können entkommen und treffen an der Oberfläche auf Hochwürden, der den Wudanglauben mit seiner Apos-Religion verknüpft hat. Aruula ist empört – und nicht die Einzige, die dem falschen Propheten das Handwerk legen will. Am Ende wird Hochwürden von den Herren als Mörder einkassiert.

Sie gelangen mit Hilfe des Zeitgifts endlich in den Turm – wo sie alle Erinnerungen an die Erde verlieren. Die Saven hatten einen „Maulwurf“ in Aruula platziert, der auf einen Friedenswahrer überspringt und den Kerker der allmächtigen Rasse öffnet. Zum Dank schickt er Matt und Aruula angeblich zurück zur Erde – doch sie landen auf dem Wassermond Aquus und machen sich mit dem Probanden Mi-Ruut zum Südpol auf, wo es eine Station der Friedenswahrer geben soll. Überraschenderweise treffen sie unterwegs auf Hydree, eine Rasse, die es früher auf dem Mars gab und deren Nachkommen, die Hydriten, heute auf der Erde leben. Es handelt sich um einen Stamm, der – wie die Mars-Hydree – das All durchreiste und hier eine Heimat fand. Matt und Aruula beherrschen deren Sprache und die Fischwesen geben ihnen ihre Erinnerungen wieder, die von den Friedenswahrer nur blockiert wurden. Mit dem Hinweis auf eine Insel, wo sie neuen Proviant aufnehmen können, reist die Gruppe weiter.

Hort der Gestrandeten

von Ansgar Back

„Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?“

„Weiß nicht. Hab nie drüber nachgedacht.“

„Du lügst.“

„Wieso sollte ich lügen?“

Khalin wandte sich Sorkar zu. „Weil du den Tod vor Augen hast. Genau wie wir alle. Jeden verdammten Tag.“

Sein Stellvertreter ließ einen Moment verstreichen. Er blinzelte in die Nachmittagsgestirne, die den Ozean in aquamarine Farben tauchten. Glitzernde Gischt umschäumte das Floß. „Vielleicht hast du recht, Khalin“, sagte er dann. „Aber vielleicht belüge ich mich vor allem selbst.“

Khalin nickte. Er stützte sich an der Reling ab und starrte aufs offene Meer. Eine Brise streichelte das Narbengewebe, das er sein Gesicht nannte. So sehr er das Wasser auch hasste, den Wind mochte er.

„Ich für meinen Teil“, sagte Khalin, „glaube vor allem an ein Leben vor dem Tod. Und ich glaube, wenn dieses Leben endet, dass dann das Sterben unsere wahre Bestimmung ist. Nur im Tod sind alle Wesen gleich, Sorkar. Im Leben nicht. Deshalb ist das Leben auch nicht gerecht. Der Tod aber ist gerecht.“

Sorkar drehte den Kopf und sah ihn an. Khalin blickte in Augen, die das Tageslicht blutrot reflektierten. Selbst in den seltenen mondlosen Nächten konnte sein Stellvertreter hervorragend damit sehen.

Sorkar war ein Hüne von einem Kerl. Er hatte einen gewaltigen Nacken und Muskeln wie Taue. Die monströsen Hörner, die gedreht aus seiner breiten Stirn wuchsen, verströmten einen hornigen Geruch, seine Haut wirkte wie mit Ruß eingerieben.

Khalin entdeckte frische Kratzspuren an Sorkars Armen und Schenkeln. Er wusste um die Erinnerung, die seinen Stellvertreter quälte. Mit seinen Zweifeln und seiner Zerrissenheit glich Sorkar den Wogen, die auf dem Meer hin und her gepeitscht wurden.

Khalin nickte versonnen. „Sterben ist unser aller Bestimmung. Von Geburt an sind wir dazu verdammt und tragen das Stigma des Todes auf unserer Stirn. Aber damit dieser Prozess nicht zu früh eintritt, müssen wir etwas dagegen unternehmen.“

„Natürlich. Wir müssen kämpfen.“

„Auch das, Sorkar, auch das. Und vor allem müssen wir essen, sonst verhungern wir. Das Leben ist zwar freier, aber nicht einfacher geworden, seit wir uns vom Nordpol abgelöst haben und dieses endlose Gewässer bereisen.“ Er wandte sich ab und schlenderte zur Pontonbrücke, die hinüber zum Hauptfloß führte. Sorkar folgte ihm, den Kopf gesenkt und die Fäuste geballt. Khalin wusste genau, was in ihm vorging.

Sie nahmen die Brücke. Die Segel blähten sich in der Brise, ein leiser Duft nach Tran lag in der Luft. Khalin und Sorkar schritten nebeneinander über ihre schwimmende Insel. Sie bestand aus großen Ponton-Flößen, die durch Brücken, Seile und Stämme miteinander verbunden waren und eine Siedlung bildeten, „Ghaaf“ genannt. Ihre Besatzung bestand hauptsächlich aus Polatai, wie auch Khalin einer war.

Zufrieden sah er dabei zu, wie seine Leute den Fangturm bedienten. Der lange stählerne Mast schwenkte knarrend herum. Die aus Fischdärmen gefertigten Schnüre sirrten in Spulen, die am überdimensionalen Rutenhalter hingen. Mit diesem Fangturm zogen sie die Beute auf ihre schwimmende Insel – sofern der Köder stimmte.

Im Pferch der Lollops kam Unruhe auf. Sorkar hob eine Braue. „Du gehst auf Whelgs?“, fragte er vorsichtig.

„So ist es“, bestätigte Khalin. „Wir befinden uns in einer verhältnismäßig warmen Strömung. Außerdem folgt uns seit geraumer Zeit ein Schwarm Marangofische.“

Sorkar streckte sich und warf einen Blick übers Meer. Khalin wusste, was er sah: Fischschwärme, die in Wolken leuchtender Schuppen hinter Ghaaf herschwammen. Marangos folgten gerne schwimmenden Konstrukten und hofften auf Essensabfälle. Whelgs wiederum, diese graublauen, stromlinienförmigen Giganten, schnappten gerne nach Marangos.

Was sie aber noch mehr liebten, waren Lollops. Sie hatten die pelzigen Gesellen sozusagen zum Fressen gern. Sorkar hatte in einem Anfall von Humor gemutmaßt, sie würden sich mit ihnen die Zähne putzen, bevor sie sie verschlangen.

„Ich frage mich immer wieder: Sind diese riesigen Tiere überhaupt Fische?“, sinnierte Khalin. „Manche sagen, sie wären Lungenatmer, genau wie wir. Es heißt, Whelgs kämen ab und zu an die Oberfläche, um zu atmen. Ich sah sie bisher nur über Wasser, wenn sie ihr Blut für uns vergossen haben. Oder wenn sie nach Beutefischen und Lollops schnappten.“ Er kratzte sich am Nacken. „Was mich zu dem Schluss kommen lässt, dass diese Viecher nicht nur gewaltig, sondern auch unglaublich dämlich sind. Und du scheinst ihnen nachzueifern!“

„Was meinst du damit?“, fragte Sorkar, sichtlich erschreckt über die plötzliche Wendung im Verlauf des Gesprächs.

„Dass unsere Vorräte zur Neige gehen!“, herrschte Khalin ihn an. „Und dir, Sorkar, hatte ich die Aufgabe übertragen, dich darum zu kümmern!“

Sorkar schnaubte unwillig, aber auch etwas erleichtert. „Gut möglich, dass ich in den letzten Tagen etwas nachlässig war“, antwortete er, „aber ich kann ja nicht überall zugleich sein und an alles denken! Und dann dieses verdammte Wasser … immer nur Wasser rings um uns herum! Das macht mich langsam verrückt. Ich fiebere dem Tag entgegen, an dem wir endlich Assala erreichen. Das wird doch hoffentlich nicht mehr so lange dauern, oder?“

„Ich hoffe nicht.“ Khalin nickte bedächtig. „Nun, ich verstehe deine Abscheu gegen die Wellen und das Meer, mein Freund, glaub mir. Aber es ist nicht das Wasser, das dich quält. Es ist deine Erinnerung.“

Sorkar bedachte seinen Befehlshaber mit einem trotzigen Blick. „Und was ist mit dir? Hast du keine Erinnerungen, die dich quälen? An Toxx vielleicht? Oder an die Pfähle?“

„Ich habe meine Erinnerungen begraben, Sorkar. Seit meinem ersten Tag in Freiheit! Ich habe die Wurzeln meiner Erinnerungen aus mir herausgerissen und dem Meer überlassen!“

Sorkar stieß den Atem aus. „Ich glaube, manches ist so tief in uns verwurzelt, dass nur der Tod uns davon befreien kann.“

Khalin nickte abermals. „Ich sehe, wir verstehen uns.“ Er beobachtete, wie der flugrostübersäte Mast des Fangturms sich hob. Whelg-Fleisch war zart, ließ sich gut und schnell verarbeiten, und ein einziger Whelg sorgte für einen Vorrat, der drei Runden vorhielt. Die Meeresriesen waren für die Kos’maros, wie die Bewohner der Siedlung sich nannten, die Hauptnahrungsquelle.

Ein schmalgesichtiger Polatai näherte sich dem Pferch der Lollops. Er hatte helle Augen und einen ockerfarbenen Flossensaum, der vom Nacken bis zum rudimentären Schwanzansatz reichte. Vor dem Gatter hielt er inne und sah abwartend herüber. In seiner Hand hielt er den Pferchschlüssel.

„Llewyn wartet“, sagte Sorkar.

„Dann sollten wir ihn nicht warten lassen.“

Sie näherten sich dem Pferch. Mahorbas, ein kahlköpfiger Bulle von einem Polatai, wies einige Kos’maros an, sich am Fangturm bereitzuhalten. Sein ewig seltsames Lächeln begleitete ihn dabei.

Vom Pferch her roch es nach Mist. Die Lollops verteilten sich. Khalin und seine Leute hatten sie einst von Terminus hierher geschmuggelt, um sie auf Ghaaf zur Zucht zu verwenden. Es gab keine besseren Whelg-Köder, jedenfalls nicht auf Aquus.

„Welchen nehmen wir?“, fragte Llewyn.

Khalin ließ seinen Blick durch den Pferch schweifen und rieb sich das wulstige Kinn. Sein Blick fiel auf den Lollop mit dem roten Fell, dessen Gesichtsausdruck stets teilnahmslos war und der nie zusammenzuckte, wenn er eine Peitsche knallen hörte. Er wirkte auf merkwürdige Art und Weise apathisch und stolz zugleich. Aus diesem Grund hatten ihm die Kos’maros den Namen Anmuth gegeben.

Anmuth kratzte sich am Hintern. Als er Khalins Blick bemerkte, hörte er damit auf und sah ihn ausdruckslos an. Der gelbe Lollop neben ihm verdrehte seinen Rüssel und zog einen Kussmund. Er machte ständig Kunststückchen, bettelte auf diese Art und Weise um sein erbärmliches Leben. Die Kos’maros nannten ihn deshalb Jokus.

„Jokus macht wieder Faxen“, sagte Llewyn und grinste. Eine der Wachen auf den Harpunentürmen kicherte meckernd. Jokus war beliebt.

„Spießt ihn auf“, sagte Khalin.

„Was?“ Llewyn schaute ungläubig drein.

„Welchen Teil von ‚Spießt ihn auf‘ hast du nicht verstanden?“

Llewyn grinste bösartig. „Na gut“, sagte er und steckte den Schlüssel ins Schloss. „Mir soll’s recht sein. Konnt’ eh nie so recht über seine Faxen lachen.“

„Ich weiß“, sagte Khalin. „Du hattest schon immer eine ganz besondere Art von Humor, Llewyn.“

Llewyn überhörte den ironischen Unterton. „Ja, Herr“, bestätigte er. „Schon immer.“ Er entriegelte den Pferch und zog die Tür auf. Als er sich mit zwei weiteren Kos’maros hineinbegab, wuselten die Lollops verzweifelt umher. Einige wollten sich unter den Behältern verstecken, einer sprang in den Futtertrog, ein weiterer kroch darunter. Zwei Lollops versuchten an den Maschen des Zauns hochzuklettern, doch dafür waren ihre Bäuche zu rund und ihre Finger zu schwach. Einer fiel zu Boden, der andere konnte sich noch einen Moment festhalten. Er baumelte umher und stieß mit den Beinen mehrfach gegen den Draht, sodass der ganze Zaun schepperte.

Llewyn und die Wachen zogen den quiekenden Jokus aus dem Pferch. Sorkar schloss hinter ihnen ab und behielt den Schlüssel ein. Der Lollop bockte und stieß kreischende Laute aus, doch ein paar Schläge ins Genick machten aus ihm ein zitterndes Fellknäuel. Jokus sah Khalin flehend an. Ein leises Fiepen drang aus Mund und Rüssel.

Khalin beobachtete Anmuth, der auf allen Vieren zum Zaun kroch und dort die Maschen umklammerte. Er rümpfte den Rüssel, gab aber keinen Laut von sich. Sein Blick galt Jokus. Der zitterte am ganzen Leib. Er streckte Khalin eine Hand entgegen und kassierte den nächsten Schlag. Jokus ging zu Boden. Ein dünnes Rinnsal Blut lief aus seinem Rüssel. Er machte ein Geräusch, das einem Niesen glich, und erhob sich mühsam.

Anmuth grunzte und umklammerte die Maschen, dass die Haut über seinen Knöcheln die Farbe verlor. Auch alle anderen Lollops saßen da und verfolgten stumm das Schauspiel; einige zitterten fast so sehr wie Jokus.

Llewyn hob erneut die Faust zum Schlag, wurde aber von Khalin gestoppt. „Das reicht“, gebot er ihm. „Er schmeckt sonst zu sauer und das könnte die Beute abschrecken.“

Sorkar gab den Befehl, die Kurbel zu bedienen. Die Seilwinden quietschten und die Zahnräder knatterten, als das Gestänge ausfuhr.

Der Schwenkarm glich einer überdimensionalen Angel. Ein Stahlseil hing an seinem Ende, an dem ein eiserner Haken befestigt war. Sorkar hatte die Arme vor der Brust verschränkt und beobachtete das Geschehen.

Khalin dachte derweil über sein ureigenes Geheimnis nach, angeregt von der Frage seines Stellvertreters, wann sie denn endlich bei Assala ankämen. Nach dem Angelausflug wurde es Zeit für eine neue „Behandlung“ seines Informanten. Er musste wissen, ob die eingeschlagene Richtung noch stimmte. Da ihre Siedlung den Winden und Strömungen unterworfen war, konnte man den Kurs schlecht abschätzen. Und wenn es zu lange dauerte, würde er einen Aufstand riskieren. Viele der Männer murrten schon. Hoffentlich würde ein anbeißender Whelg die Insel nicht in die falsche Richtung ziehen.

Ein lautes Kreischen riss ihn aus seinen Gedanken. Seine Leute zerrten Jokus zum Haken. Die anderen Lollops sahen reglos und schweigend zu. Anmuths Rüssel zitterte.

„Der schreit wie am Spieß!“, beschwerte sich Llewyn.

Khalin hob eine Braue. „Also gib dir und ihm einen Ruck und beende das Theater.“

„Sofort, Herr …“ Llewyn packte Jokus an Schulter und Taille und spießte ihn auf den Haken. Blut spritzte aufs Deck und färbte den Haken rot. Jokus stieß noch ein hohes Fiepen aus und verstummte jäh. Wie ein blutgetränkter Sack hing er am Haken.

Khalin hob die Hand. „Hochziehen und ins Meer mit ihm!“ Das Seil surrte unter schnell knackenden Zahnrädern nach oben. Der Arm bewegte sich, federte auf und ab, dann wickelte das Seil sich wieder ab und der tote Jokus klatschte ins Wasser. Eine rote Lache breitete sich aus und zerfaserte.

Khalin ging zu Sorkar und klopfte ihm auf die Schulter. Sie suchten sich einen guten Platz, von wo sie sowohl den Fangturm als auch den Pferch im Auge hatten.

Die Marangofische umschwammen neugierig den Kadaver. In schnellen Bewegungen pickten und zupften sie am Fell.

„Glaubst du, es wird wieder so lange dauern wie beim letzten Mal?“, fragte Sorkar.

Khalin verneinte. „Siehst du den neuen Marango-Schwarm, der dort herankommt?“

Sorkar folgte Khalins Fingerzeig. „Den hatte ich übersehen.“

„Ja, weil du trotz deiner guten Augen nicht bei der Sache bist, im Gegensatz zu Mahorbas. Unser alter verrückter Freund hat mich schon heute Morgen auf den neuen Schwarm aufmerksam gemacht. Wenn derartige Schwärme von Beutefischen auftauchen, ist damit zu rechnen, dass sich auch ein Whelg blicken lässt.“

Er hatte den Satz kaum beendet, als eine der Turmwachen aufschrie und aufs Meer hinauszeigte. Alle Köpfe ruckten herum.

Ein heißer Schauer fuhr durch Khalin. Ein Whelg erhob sich aus den Tiefen des Ozeans. Was für ein majestätischer Anblick! Der graue Koloss, mit einem Maul so breit wie ein Ponton, durchbrach die Wasseroberfläche. Seine Augen wirkten wie faustdicke Steine.

Khalin blickte hinüber zum Pferch. Die Lollops waren wie erstarrt. Selbst Anmuth rührte keinen Finger mehr, starrte nur auf den Fleck, wo Jokus aufgespießt worden war. Selbst als der Whelg kurz darauf zuschnappte, das Ghaaf-Konstrukt ins Wanken brachte und Llewyn Wasser auf die sirrenden, dampfenden Spulen schüttete, weil sie heiß liefen, rührte Anmuth keinen Muskel.

Mit dem Whelg am Haken wurde die ganze Floßinsel durchgeschüttelt. Die Männer hatten alle Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Sorkar klammerte sich an einem Balken fest und wandte sich Khalin zu. „Sag mal“, fragte er gedehnt, „warum hast du Jokus ausgewählt?“

„Wieso? Weil ich seine Späße nicht leiden konnte“, sagte Khalin knapp, während seine Leute ihre Harpunen und Lanzen in den Whelg jagten.

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Der Bug der Jacht schob sich in schneller Fahrt durch die Wellen. Das Wasser teilte sich, wurde seitlich des Bootes schäumend hochgespült und kräuselte zurück ins offene Meer.

Matthew Drax steuerte schnurgeradeaus Richtung Südpol. Sein Blick galt dem offenen Meer. Die Dämmerung war schnell vorüber gewesen, die Monde schimmerten am Nachthimmel wie phosphorne Scheiben und der Ringplanet sah aus, als hätte jemand Honig darüber gekippt.

Hinter Matts Stirn verbargen sich Sorgen. Aruula hatte ihn schon gestern darauf aufmerksam gemacht, dass das Trinkwasser zur Neige ging. Der restliche Proviant würde sicherlich noch eine Weile vorhalten, das wenige Wasser allerdings nicht.

Angestrengt starrte Matthew nach vorn. So viel Wasser um uns herum, dachte er, und im Vergleich dazu nur wenige Tropfen zum Trinken. Bei ihrer Begegnung mit den Hydree vor drei Tagen hatten diese nur wenige Liter entsalzen können. So sparsam sie mit dem Wasser auch umgingen – es wurde Zeit, dass die Insel Assala, auf der sie ihre Vorräte aufstocken sollten, endlich in Sicht kam.

Aruula näherte sich ihm. Wie er trug sie wieder ihre Stoffkleidung aus Toxx. Die Anzüge hatten sie in einer Truhe unter Deck verstaut. „Glaubst du, wir finden die Insel bald?“ Ihr Ton war säuerlich. Und Matt wusste, warum.

„Ich hoffe es“, sagte er. „Vor allem aber hoffe ich, dass wir die Insel nicht schon verpasst haben.“

„Das wäre verheerend.“

„Wo sind eigentlich Mi-Ruut und der Schnurrer?“, erkundigte er sich, um dem Thema auszuweichen. Dabei gab es wahrlich nicht viele Möglichkeiten an Bord, wo sie stecken konnten. Bei Mi-Ruuts Namen verzog die Kriegerin das Gesicht, als hätte sie in einen faulen Apfel gebissen. Und auch dafür kannte Matt den Grund.

Als hätte der Dreen gelauscht, kam er durch die Tür, die in die Kajüte am Bug führte. Er trug wie immer seinen grüngrauen Einteiler und seine Fliegermütze. Der Schnurrer wand sich zwischen seinen Füßen hindurch und sprang auf Aruula zu. Die nahm ihn in die Armbeuge und hob ihn hoch. Mi-Ruut machte einen Bogen um sie herum.

Matt unterdrückte ein Schmunzeln und konzentrierte sich auf die Fahrt. Er wusste, woher Aruulas Missstimmung kam, und er wusste auch, dass sie sich nicht gegen ihn richtete. Sondern gegen Mi-Ruut. Der Dreen sprach nur ungern, hatte aber das Talent, bei diesen seltenen Gelegenheiten zu Aruula genau das Falsche zu sagen. Was es diesmal gewesen war, wusste Matt nicht. Meist ging es um den ...

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