Logo weiterlesen.de
Mailverkehr für Anfänger

Mailverkehr: Ein erotisches Abenteuer in drei Teilen …

Mailverkehr für Anfänger:

Die Autorin Hannah Zimmermann ist empört, als auf der Beerdigung ihrer Freundin Birgit das Lied Highway to Hell gespielt wird. In einer E-Mail teilt sie dem zuständigen Bestatter Mike Gruber mit, dass sie sich weigert, die Rechnung zu bezahlen. Doch Mike durchschaut schnell, dass sich hinter Hannahs stolzer Fassade eine Frau verbirgt, in deren Leben schon lange nichts mehr so läuft, wie es laufen soll. Und so schlägt er ihr einen verheißungsvollen Deal vor: Er lässt die Rechnung fallen, wenn Hannah den Rat ihrer Agentin befolgt, einen Erotikroman verfasst und ihn als Probeleser akzeptiert. Doch nie hätte Hannah geglaubt, dass die Welt, in die sie daraufhin eintaucht, so faszinierend, so fesselnd und so gefährlich sein könnte. Lust, Schmerz und Leidenschaft überwältigen sie – und in ihren E-Mails lässt sie Mike an ihren Erfahrungen teilhaben …

Über die Autorin:

Mela Wolff war lange als Buchhändlerin tätig, bis sie beschloss, Bücher nicht nur zu verkaufen, sondern auch zu schreiben. Sie lebt in Berlin und hat unter ihrem bürgerlichen Namen bereits mehrere Kurzgeschichten und einen Roman veröffentlicht. Mit Mailverkehr gibt sie ihr Debüt im Erotikgenre. Weitere Informationen unter: melawolff.wordpress.com

Mela Wolff bei LYX:

Mailverkehr für Anfänger

Mailverkehr für Fortgeschrittene

Mailverkehr für Liebende

To H. M.

I wanted to steal your heart

All I could do was steal your words

Betrifft: Die Beerdigung von Frau Stiller, Rechnungsnummer 13498

Von: H. Zimmermann

Datum: 22.10.2012 10:16

Sehr geehrter Herr Gruber,

ich habe Ihnen ausdrücklich untersagt, bei der Trauerfeier das Lied »Highway to Hell« von AC/DC spielen zu lassen. Frau Stiller stand unter dem Einfluss schmerzlindernder Medikamente, als sie mit Ihnen ihre Wünsche besprach. Birgit ist eine gute alte Freundin von mir und hätte niemals die Trauergemeinde so schockieren wollen. Vor allem, weil diese überwiegend aus Kollegen bestand. Bibliothekare sind nicht bekannt für ihren progressiven Musikgeschmack. Von diesem Ausrutscher einmal abgesehen, ist die Abschiednahme jedoch würdig verlaufen und ich zahle gerne die Rechnung, wie bereits mit Ihnen besprochen. Natürlich nur unter Abzug des Postens »Musik«.

Mit freundlichen Grüßen

H. Zimmermann

Betrifft: Rechnungsnummer 13498

Von: Gruber Bestattungen

Datum: 23.10.2012 08:23

Sehr geehrte Frau Zimmermann,

Frau Stiller hat mir unmissverständliche Anweisungen gegeben, wie sie ihre eigene Abschiednahme gestalten wollte. Das von Ihnen beanstandete Lied war für sie ein Symbol für Lebenslust und Freude. Ich richte mich nach den Wünschen meiner Klienten, auch und vor allem wenn sie tot sind. Ich berücksichtige ebenfalls die Wünsche der Hinterbliebenen. Selbst wenn es sich um heimlich in den Sarg gelegte, potentiell gefährliche Grabbeigaben handelt. Zuverlässigkeit und Diskretion. Sie machen den Erfolg meines Institutes aus.

Bitte zahlen Sie die Rechnung komplett.

Mit freundlichen Grüßen

M. Gruber

Betrifft: Rechnungsnummer 13498

Von: H. Zimmermann

Datum: 23.10.2012 23:11

Sehr geehrter Herr Gruber,

ist es bei Ihnen üblich, in den Särgen von Toten herumzuwühlen? Ich war ja gleich misstrauisch, als Birgit so von Ihnen schwärmte. Von wegen alternative Beerdigungen. Bunt bemalte Särge, Lesungen, verrückte Musik. Dazu ein Bestatter, der aussieht wie ein zugekiffter Filmstar.

Birgit hatte eindeutig zu viel Morphium im Blut. Die Ärmste. Und was, bitte schön, ist an einem Vibrator gefährlich? Er war, wie Birgit immer gern betont hat, ihr bester Freund. Ich wollte sie nicht ohne ihn gehen lassen. Es bleibt dabei: Ich weigere mich, die Rechnung vollständig zu bezahlen.

Mit freundlichen Grüßen

H. Zimmermann

Betrifft: Rechnungsnummer 13498

Von: Gruber Bestattungen

Datum: 24.10.2012 09:14

Sehr geehrte Frau Zimmermann,

Leichen zu verbrennen ist nicht ganz so einfach, wie der Laie glaubt. Ein Herzschrittmacher kann zum Beispiel explodieren, und ernsthaften Schaden anrichten. Meine Aufgabe als Thanatopraktiker, eine Bezeichnung, die ich dem »Bestatter« vorziehe, ist es, so etwas zu verhindern. Ihre Grabbeigabe erwies sich jedoch bei näherer Inspektion als nicht batteriebetrieben, und deshalb habe ich sie bei der Toten belassen.

Was Ihre Bemerkung angeht, ich sähe aus wie ein zugekiffter Filmstar: Hollywood hat noch nicht angerufen, und im Dienst nehme ich keine verbotenen Substanzen zu mir. Das Institut erfreut sich einer guten Auftragslage, gerade weil wir anders sind als die anderen.

Sind Sie sicher, dass Frau Stiller diese Grabbeigabe nicht lieber in den Händen ihrer besten Freundin gesehen hätte?

Wenn Sie die Rechnung nicht innerhalb der nächsten 14 Tage begleichen, muss ich Verzugszinsen anmahnen.

Mit freundlichen Grüßen

M. Gruber

Betrifft: Rechnungsnummer 13498

Von: H. Zimmermann

Datum: 24.10.2012 22:57

Sehr geehrter Herr Gruber,

Sie schneiden Leichen auf und nehmen Herzschrittmacher heraus? Ich dachte, so was macht man im Krankenhaus? Und Thanatos, das ist griechisch und bedeutet Tod, nicht wahr? Sehr poetisch. Viel zu poetisch für jemanden wie Sie. Leichenfledderer!

Was soll das heißen, Birgit hätte gewollt, dass ich den Vibrator behalte? Hat sie etwa mit Ihnen über mich gesprochen? Was hat sie gesagt? Etwa, ich hätte es mal wieder dringend nötig? Und dass ich Torschlusspanik habe, weil ich auch bald vierzig werde? In vier Jahren! Typisch Birgit.

Ist sogar in ihrem Alter noch mit jungen Kerlen um die Häuser gezogen. Sie wären genau ihr Typ gewesen: dunkle Haare, dunkle Augen, gepflegter Dreitagebart. Und dann noch dieses Tattoo, glauben Sie nur nicht, dass ich das nicht gesehen hätte. Was finden Männer an älteren Frauen? Mutterkomplex?

Hat Birgit auch gesagt, dass ich manchmal zu viel trinke? Dass ich allein lebe, weil »kein Kerl auf Dauer meine spitzen Bemerkungen aushält«? Sie hätten Birgit mehr Morphium verpassen sollen im Krankenhaus …

Aber Krebs ist nicht lustig. Der Tod ist nicht lustig.

Birgit war meine beste Freundin. Und nun ist sie fort. Einfach so.

Es ist still und dunkel. Ich trinke, wann und was ich will. Ich schreibe, was ich will.

Und ich zahle die verflixte Rechnung nie und nimmer!

Mit höchst unfreundlichen Grüßen

H. Zimmermann

Betrifft: Erste Mahnung

Von: Gruber Bestattungen

Datum: 25.10.2012 13:37

Sehr geehrte Frau Zimmermann,

Frau Stiller hat sich nicht zum Thema Torschlusspanik geäußert, wenn ihr auch eine gewisse Besorgnis über das weitere Schicksal ihrer besten Freundin anzumerken war. Unser Gespräch drehte sich jedoch hauptsächlich um die Gestaltung ihrer Abschiednahme. Frau Stiller wollte als lebensbejahend in Erinnerung bleiben. Für eine Bibliothekarin erschien sie mir erstaunlich progressiv.

Bezüglich des »Leichenfledderers« muss ich Ihnen widersprechen: Ich behandele Tote mit Respekt und versuche auch, den Hinterbliebenen entsprechend zu begegnen. Das ist durchaus nicht immer einfach. Milde ausgedrückt.

Was Männer an vergleichsweise älteren Frauen finden? Lebenserfahrung. Intelligenz. Gelassenheit und Humor. Frau Stiller besaß all das, was sie nicht zuletzt in ihrer Musikwahl bewiesen hat.

Die erste Mahnung ist heute an Sie gegangen. Zahlen Sie bitte unverzüglich die Rechnung. Auch ein »Leichenfledderer« muss leben.

Mit freundlichen Grüßen

M. Gruber

Betrifft: L.m.a.A.

Von: H. Zimmermann

Datum: 26.10.2012 01:56

Sehr geehrter Herr Leichenfledderer,

soso, Birgit hatte also Lebenserfahrung. Übersetzt heißt das: Falten! Und auf den ganzen anderen Schnickschnack könnt ihr Männer doch sonst so gut verzichten! Intelligenz sei attraktiv bei einer Frau? Blödsinn! Geheiratet werden doch nur die hübschen Dummchen, die lassen sich besser kontrollieren. Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Und Birgit war kein Kind von Traurigkeit. Progressiv fürwahr! Sie hatte viele Männer, doch nicht einer ist bei ihr geblieben. Abgesehen von einem nicht-batteriebetriebenen Ersatzteil. Am Ende war sie einsam, ohne Familie, ohne Geld. Als Bibliothekarin verdient man eben nicht gerade ein Vermögen. Und ich bin diejenige, die alles regeln muss! Nee, dann doch lieber allein. Ist auch weniger anstrengend. Keine schmutzigen Socken auf dem Fußboden, keine Barthaare im Waschbecken, kein Kerl, der Bier saufend vor dem Fernseher hockt und Fußball glotzt. Klischee? Ach nee. Glauben Sie mir, das gibt es öfter, als Frau lieb ist! Und um mir so ein Prachtexemplar an Land zu ziehen, soll ich auf die Piste gehen? Rumhängen in Bars und Kneipen, surfen durch Internetportale? Und dann die peinlichen ersten (und gleichzeitig letzten) Dates. Nein danke. Nichts für mich. Ich sitze hier gemütlich mit einem guten Buch und kraule meinen Kater.

Sie sehen: Ich besitze ebenfalls Gelassenheit. Vor allem, wenn Mann mich in Ruhe lässt.

Die Beerdigung war sowieso viel zu teuer.

Fleddern sie weiter, von mir bekommen Sie keine müde Made.

H. Zimmermann

Betrifft: Erste Mahnung

Von: Gruber Bestattungen

Datum: 26.10.2012 08:19

Sehr geehrte Frau Zimmermann,

in der Tat hat Frau Stiller von ihrem bewegten Leben gesprochen. Jedoch tat sie das nicht mit Bedauern. Sie bedauerte vielmehr nur, dass ihre beste Freundin ganz alleine zurückbleiben würde und niemanden mehr hätte, der ihr »kräftig in den Arsch treten« würde. Als »zickige alte Jungfer« würde sie sterben, »ganz in Rosa so wie Barbara Cartland, nur ohne die Kohle«.

Ich gebe zu, die letzte Bemerkung habe ich nicht verstanden. Vielleicht doch das Morphium?

Maden sind äußerst nützliche Tiere. Sie verarbeiten uns zu

Kompost, und somit werden wir wieder Teil des ewigen Kreislaufes.

Der Preis für die Beerdigung ist wie vorher mit Ihnen besprochen, und durchaus angemessen. Unser Unternehmen bemüht sich, die Kosten niedrig zu halten, doch es fallen auch Beträge an, auf die wir keinen Einfluss haben. Die Einzelheiten liegen Ihnen bereits vor.

Bitte begleichen Sie umgehend Ihre Rechnung.

Mit freundlichen Grüßen

M. Gruber

Betrifft: Vertrauensbruch

Von: H. Zimmermann

Datum: 27.10.2012 02:56

Herr Gruber!

Ich fasse es nicht! Das hat Birgit tatsächlich gesagt? Einem völlig Fremden gegenüber? Nur weil sie ihn sexy findet (oh ja, ich kenne Birgit, und das habe ich genau gesehen!) und er so tut, als würde er zuhören? Dabei hat er noch nicht mal alles kapiert, weil er noch feucht hinter den Ohren ist! Ich bin Schriftstellerin! Ich schreibe Liebesromane!

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Mailverkehr für Anfänger" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple Books

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen