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Mailverkehr für Fortgeschrittene

Mailverkehr: Ein erotisches Abenteuer in drei Teilen …

Mailverkehr für Fortgeschrittene:

Was als Recherche für einen Roman begann, wird sehr schnell zu einem leidenschaftlichen Rausch. Nach ihren ersten Erfahrungen taucht Hannah immer tiefer in die neue, ihr zuvor unbekannte Welt der vollkommenen Hingabe ein. Auf der Suche nach der gelungenen Kombination von Leidenschaft und Schmerz streift sie durch die Bars und Clubs Berlins. Dabei wird sie von einem geheimnisvollen Fremden beobachtet, der sie augenblicklich fasziniert – und der ihr seltsam bekannt vorkommt …

Über die Autorin:

Mela Wolff war lange als Buchhändlerin tätig, bis sie beschloss, Bücher nicht nur zu verkaufen, sondern auch zu schreiben. Sie lebt in Berlin und hat unter ihrem bürgerlichen Namen bereits mehrere Kurzgeschichten und einen Roman veröffentlicht. Mit Mailverkehr gibt sie ihr Debüt im Erotikgenre. Weitere Informationen unter: melawolff.wordpress.com

Mela Wolff bei LYX:

Mailverkehr für Anfänger

Mailverkehr für Fortgeschrittene

Mailverkehr für Liebende

Betrifft: Spielerei

Von: H. Zimmermann

Datum: 18. 11. 2012 19:53

Hallo Mike,

heute war ich im Kino. Irgend so eine Hollywoodkomödie über einen dicken Zoowärter, dem sprechende Tiere helfen, seine Angebetete für sich zu gewinnen. Natürlich gibt es allerhand Katastrophen und sogar ein paar richtig gelungene, witzige Szenen. Eine ist mir jedoch besonders im Gedächtnis geblieben: Besagter Zoowärter verfolgt eine Gruppe Radfahrer, weil sein Rivale darunter ist. Der Zoowärter klaut einem Jungen sein Fahrrad, das hinten mit einem bunten Wimpel an einer langen Plastikstange geschmückt ist. Der Rivale reißt dem Dicken diese Plastikstange samt Wimpel vom Rad und drischt damit auf ihn ein (alles bei voller Fahrt, versteht sich). Und während sich das Publikum totlachte, hörte ich nur das Durch-die-Luft-Zischen der Plastikstange – und wurde sofort scharf … Dachte an die Reitpeitsche und rutschte unruhig auf meinem Kinosessel hin und her … nass, erregt … und konnte mir ein Grinsen im Dunkeln nicht verkneifen. :-)

Ich frage mich immer noch, wo das alles herkommt. Bisher hatte ich immer nur ganz normalen Sex. Und das war völlig in Ordnung, ich habe es gemocht. Sehr sogar. Keiner meiner Männer hat mich je geschlagen. Ich glaube, das wäre ihm auch nicht gut bekommen.

Meine Kindheit und Jugend war absolut durchschnittlich. Niemand hat mir je den Hintern versohlt, und ich habe mich nicht geprügelt. Was das Fesseln anbelangt … Nun ja. Ich erinnere mich an eine Sache. Da muss ich so ungefähr elf oder zwölf Jahre alt gewesen sein. Die Jungs spielten Cowboy und Indianer im Garten, und ich, als einziges Mädchen, durfte die Squaw sein. Das stank mir gewaltig. Lieber hätte ich versucht, mit Pfeil und Bogen den hässlichen Schäferhund von nebenan zu ärgern, der ein ekelhafter Wadenbeißer war. Doch dann wurde ich von den Cowboys geraubt und an einen Baum gefesselt. Ab da wurde es richtig interessant. Denn dieses Gefesseltsein fand ich wirklich gut. So gut, dass ich dem Indianerhäuptling, der mich befreien kam, einen Tritt vor das Schienbein gab. Ich wollte nicht befreit werden. Ich wollte weiterhin gefesselt am Baum stehen. Ich bin mir ganz sicher, dass ich in diesem Moment zum ersten Mal ein merkwürdiges, heißes Gefühl zwischen den Beinen verspürte. Ein Kribbeln und Prickeln, von dem ich nicht wollte, dass es aufhörte. Leider erschien dann die Mutter des Indianerhäuptlings, missverstand die Situation gründlich, ohrfeigte ihren Sohn, entschuldigte sich und befreite mich. Ich glaube wirklich, dass diese kleine Episode meine erste SM-Erfahrung war. Und wenn Du jemals darüber lachen oder Scherze machen solltest, werde ich meine Reitpeitsche an Dir ausprobieren. Wer weiß, vielleicht bin ich ja auch ein Switcher, und es steckt noch eine echte Domina in mir.

Kann es aber gerade nicht ausprobieren, es ist merkwürdig ruhig geworden um mich herum. Meine Männer sind nicht mehr in Berlin, und im Internet gibt es nichts, was mich auch nur im Geringsten interessieren würde.

Ich bin unruhig. Ich bin neugierig. Was gibt es noch? Was könnte mir gefallen?

Ich werde mich am Donnerstag zum Schnupperabend ins Gargoyle wagen. Du hast es ja schließlich empfohlen. Mal sehen, was da los ist.

Hannah

Betrifft: Fight Club

Von: Gruber Bestattungen

Datum: 18. 11. 2012 20:25

Hannah,

als ich klein war, habe ich Soldat gespielt. Und Gefangene gemacht. Vor allem das kleine blonde Mädchen von nebenan. :-)

Die fand das jedoch alles andere als komisch. Und ruhig stehen geblieben ist sie auch nicht, als ich sie gefesselt habe. Doch ich erinnere mich immer noch an den Geruch ihrer Haare: Apfelshampoo. Zum Anbeißen.

Ansonsten stehe ich, was Filme anbelangt, eher auf solche Sachen wie »Fight Club«.

Meine Lieblingszitate daraus:

1. »Die Dinge, die Du besitzt, werden letztendlich Dich besitzen.«

2. »Du bist nicht Dein Job. Du bist nicht Dein Bankkonto. Du bist nicht Dein Auto. Du bist nicht der Inhalt Deiner Brieftasche.«

Erinnerst Du Dich an den sonnenstudiogebräunten Managertypen mit dem Herzinfarkt? Er fühlte sich betrogen. Keiner hatte ihm das gesagt.

Mach weiter, Hannah.

Aber denk dran: Du kannst alles tun, was Du willst, aber Du musst bereit sein, die Konsequenzen zu tragen.

Auch die weniger lustigen.

Mike

PS: Das Lied des Abends kommt heute von den Nine Inch Nails: »I hurt myself today«

Betrifft: Deeper in the woods

Von: H. Zimmermann

Datum: 18. 11. 2012 21:34

Hallo Mike,

immer noch bei der Arbeit? Und was soll das Gerede von Konsequenzen? Du hörst Dich irgendwie anders an. So nachdenklich. Man sollte fast meinen, Dir läge etwas an mir. Lächerlich, ich weiß. Schließlich bilde ich mir nicht ein, in Dein Jagdschema zu passen.

Deine bevorzugte Version von »I hurt myself today« ist leider grauenhaft. Der Sänger behauptet den Schmerz nur, er fühlt ihn nicht. Ich ziehe Johnny Cash vor. Nicht nur, dass der richtig singen kann. Nein, man merkt auch bei jedem Ton, dass er es mit Herzblut macht. Schau es Dir mal im Internet an. Hör gut zu, wenn er singt:

»Ich konzentriere mich auf die Schmerzen, das Einzige, das wirklich ist.«

Das ist es, was dann mit mir passiert: Wirklichkeit.

Schläge, Schmerzen, sie schalten mein Hirn aus. Nein, falsch. Nicht ganz aus. Es fokussiert sich. Auf einen Punkt. Kein Grübeln mehr, kein Bedauern, kein Hoffen, kein Wünschen. Nur noch brennende, gleißende, bissige Gegenwart.

Ausgeliefert. Einem Fremden. Nur noch Gefühl sein, nur noch Aufgabe. Hingabe.

Kein drängendes, peinigendes Ich, das mich nervt. Ich verliere mich und finde mich wieder.

Hört sich das merkwürdig an? Ich weiß. Kann es ja selbst kaum begreifen. Was ist es, was mich antreibt? Jetzt, nachdem ich angefangen habe und einfach nicht mehr aufhören kann? Was habe ich geweckt, das bisher in mir drin so unruhig geschlummert hat? Komme mir vor wie Frau Jekyll und Fräulein Hyde.

Gier nach Haut, nach Küssen, nach Schlägen. Aufhören zu denken und nur noch fühlen … sich verlieren, sich auflösen vor Lust. Sex, Eros, Libido?

Ich war wieder in der Bibliothek und habe ein paar Sachen zusammengetragen. Die Bibliothekarin hat mir zugezwinkert. Vielleicht doch eine alte Kollegin von Birgit?

Diesmal hat es mich in die Psychologie-Abteilung verschlagen, und natürlich habe ich mir Sigmund, den Altmeister und seine Schüler vorgenommen.

Für Freud war alles Libido, alles Sex, was uns antreibt. Auch die Kultur.

C. G. Jung dagegen hat Libido als psychische Energie gesehen. Ein kontinuierlicher Lebenstrieb, ein »Streben nach Etwas«, das sich sowohl auf Affekt, Liebe, Sexualität, Hunger als auch auf Religion und geistige Vorstellungen beziehen kann.

Hunger. Lebenshunger. Damit kann ich schon eher was anfangen.

Wonach also strebe ich, was suche ich? Meine Grenzen? Immer mehr, immer härter, bis es nicht mehr geht? Und wo bin ich dann? Habe ich mich dann verloren im Wald des Bösen? Bin gestolpert über Ketten – und jetzt gefangen?

Was passiert mit meiner Seele, während mein Po blaue Flecken bekommt? In letzter Zeit fühle ich mich so merkwürdig … leer. Befriedigt, ja. Erschöpft. Heiser von meinen eigenen Schreien. Doch, während ich meine Striemen am Hintern mit Melkfett bestreiche (die Variante mit Ringelblumen ist besonders gut), ist mir die ganze Zeit, als könnte ich irgendwo ein Kind leise weinen hören. Sonntagabend und ich werde sentimental. Der Tag in der Woche, an dem ich mich besonders einsam fühle. Da hilft auch Kater kraulen nicht weiter.

Jung hat übrigens auch von »Persona« und »Schatten« gesprochen. Persona, das ist die Maske, die Du aufsetzt, mit der Du jeden Tag Deiner Umwelt gegenübertrittst, mit der Du funktionierst. Und der Schatten, das ist all das Wilde, Dunkle in Dir, das Du annehmen musst, wenn Du ganz sein willst. Dieses Annehmen ist ein vorwiegend moralisches Problem, das von jedem Menschen beträchtliche seelische Anpassungsleistungen erfordert …

Oha.

Ich versuche es. Ich will »ganz« sein. Nicht, dass ich viele Wahlmöglichkeiten hätte. Etwas treibt mich vorwärts, unerbittlich.

Ich will Schmerzen, um mich zu verlieren. Die Männer im »Fight Club« müssen sich beweisen, dass sie lebendig sind. Ja, ich kenne den Film. Sie halten sich für Revolutionäre, die gegen den Konsum kämpfen, und dabei sind sie doch nur ihren eigenen Trugbildern aufgesessen. Glauben, ein Kerl wäre nur dann ein Kerl, wenn er sich regelmäßig prügelt.

Und ich? Was glaube ich? Was will ich?

Am Ende alles: body and soul.

Kennst Du das Lied »The man in the long black coat« von Bob Dylan? Stell Dir vor: eine kleine Stadt, ein schweigsamer Fremder im langen schwarzen Mantel. Eine Frau, die alles hinschmeißt und einfach mit ihm geht. Ohne sich zu verabschieden. Wer ist er? Der Teufel? Das Abenteuer? Die Liebe? Der Tod? Alles, wirklich alles, scheint besser für diese Frau gewesen zu sein, als das langsame Verrotten in dem kleinen Kaff.

Der verflixte Mythos vom schweigsamen, attraktiven Fremden. Der Mythos vom Mann, der die einsame Frau rettet. Vor sich selbst?

Früher war ich mal in Zorro verliebt, den coolen Mann mit der schwarzen Maske. Fand ich toll. Meine Liebesromane quellen nur so über von rettungswilligen Damen und den entsprechenden Herren, die ihnen bereitwillig zu Hilfe eilen.

Ich habe das Warten satt. Ich gehe da raus und hole mir, was ich brauche.

Oder wie Woody Allen sinngemäß bemerkte: Liebe ist die Antwort. Doch während ich auf die Antwort warte, stellt Sex ein paar verdammt gute Fragen.

Nur manchmal, so wie heute Nacht, habe ich Angst mich unterwegs zu verlaufen …

Hannah

PS: Noch was Witziges zum Schluss: Bei mir in der Markthalle gibt es einen kleinen Tierfutterladen, der auch Zubehör anbietet. Bin stehen geblieben, als ich die Hundeleinen sah … Befühlte schwarzes Leder und versuchte, das Pochen in meinem Schoß zu ignorieren. Und dann fand ich das schwarze Hundehalsband, Marke Chagrin (Schmerz).

Oh là là, la vie en rose … ;-)

Betrifft: Nachtschicht

Von: Gruber Bestattungen

Datum: 18. 11. 2012 22:12

Guten Abend, Hannah,

ja, ich habe mal wieder Nachtschicht. Die Toten kümmern sich nicht um Uhrzeiten.

Ich brauche keine Schläge, um mich daran zu erinnern, dass ich lebe. Ich muss nur mal runter in die Kühlkammer gehen und eines der Schubfächer aufziehen. Da liegen sie, kalt und tot. Ohne Maske. Nur noch eine leere Hülle.

Manchen muss ich wieder ein Gesicht aufmalen. Eine Maske anlegen, damit sich ihre lieben Hinterbliebenen am offenen Sarg nicht erschrecken. Den Tod maskieren.

Du lebst. Und setzt eine Maske auf, um Dich zu vergnügen. Die »Kaktusblüte« erlaubt Dir, eine Andere zu sein. Deine dunklen Anteile auszuleben. Nur zu! Aber lass die Maske nicht auf Deinem Gesicht festwachsen. Und überlege Dir, was Du wirklich willst.

Was macht Dein Roman? Hast Du schon mit dem Schreiben begonnen? Deine Recherchen sind zugegebenermaßen sehr anregend, aber ich bin neugierig, wie Du sie schriftlich umsetzen willst.

Habe ich erwähnt, dass auch ich hin und wieder mal ein Buch lese? Im »Steppenwolf« von Hermann Hesse kämpft ein Mann mit sich selbst. Da ist das Tier in ihm, der Wolf, der fressen, saufen, morden will. Ganz Trieb und Gelüste. Und da ist der Mensch, der denken und dabei Mozart hören will.

Schließlich entdeckt der Held, dass es zwei Möglichkeiten gibt, damit fertig zu werden. Entweder sich aufzuhängen oder aber es mit Humor zu nehmen.

Bestialische Grüße

Mike

PS: Du willst Dich also auf allen vieren an der Leine umherführen lassen? Anregende Vorstellung …

Muss jetzt los, einen neuen Kunden abholen. Gute Nacht.

Betrifft: Kundschaft

Von: H. Zimmermann

Datum: 18. 11. 2012 22:34

Mike, Du hast recht. Wird Zeit, dass ich loslege. Habe ...

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