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Mailverkehr für Liebende

Mailverkehr: Ein erotisches Abenteuer in drei Teilen …

Mailverkehr für Liebende:

Noch immer erzählt Hannah in ihren E-Mails an Mike von ihren überwältigenden Erfahrungen – Erfahrungen, die immer ausgefallener, immer wilder werden und die sie immer häufiger an ihre Grenzen treiben. Ist das wirklich noch das, was sie will? Auch Mike, der sie bisher stets dazu ermuntert hatte, ihre Lust auszuleben, wird in seinen Mails immer zurückhaltender. Hannah beschließt, sich auf ein letztes Spiel einzulassen. Doch sie ahnt nicht, dass dieses riskanter ist als alles, was sie zuvor probiert hat …

Über die Autorin:

Mela Wolff war lange als Buchhändlerin tätig, bis sie beschloss, Bücher nicht nur zu verkaufen, sondern auch zu schreiben. Sie lebt in Berlin und hat unter ihrem bürgerlichen Namen bereits mehrere Kurzgeschichten und einen Roman veröffentlicht. Mit Mailverkehr gibt sie ihr Debüt im Erotikgenre. Weitere Informationen unter: melawolff.wordpress.com

Mela Wolff bei LYX:

Mailverkehr für Anfänger

Mailverkehr für Fortgeschrittene

Mailverkehr für Liebende

Betrifft: Filmriss

Von: H. Zimmermann

Datum: 11.12.2012 17:14

Mike,

ich habe Kopfschmerzen. Nein, das ist noch zu milde ausgedrückt: Ich habe das Gefühl, als würde eine Horde wild gewordener Elefanten durch mein Hirn stampfen, brüllen, trompeten und alles niederwalzen, was sich ihnen in den Weg stellt. Davon abgesehen bin ich heute Nachmittag in meinem Bett aufgewacht, mit nichts weiter als Unterhose und T-Shirt bekleidet und einem Geschmack im Mund, der an tote Mäuse erinnert.

Was ist passiert?

Kurze Pause: Kaffee und Aspirin. Die Elefantenherde verzieht sich. Langsam, widerstrebend, kommen ein paar Erinnerungsbilder aus dem Gebüsch geschlichen … Oh weh …

Du warst hier. Du warst tatsächlich hier. Ich hab’s ja nicht glauben wollen … Sonst hätte ich mich umgezogen.

Aber es klingelte an der Tür, ich öffnete und da stand ich nun: graue Jogginghose, schwarzes T-Shirt, total verheultes, verquollenes Gesicht. Und Du: schwarzer Anzug, graues Hemd, frisch rasiert, nach irgendwas Holzig-Herbem duftend … Eine Flasche Whisky in der einen Hand und eine Plastiktüte, aus der es durchdringend nach Sojasoße und Ingwer roch, in der anderen. Dazu einen flotten Begrüßungsspruch auf den Lippen: »Wer weder durch Butter noch Whisky geheilt wird, der hat keine Heilung zu erwarten.«

Woher hast Du gewusst, dass ich seit gestern nichts mehr gegessen hatte? Und vor allem, dass ich Chinesisch mag?

Und wie kommt es, dass Du so ruhig geblieben bist, als ich mich augenblicklich an Deine Brust warf und Dir hemmungslos Dein graues Hemd vollheulte? (Hab Dir ja noch nicht mal Zeit gelassen, den Whisky oder die Plastiktüte abzustellen.) Oh ja, ich erinnere mich … Wie gut, dass Du mich gerade nicht sehen kannst. Meine Wangen glühen. Knallrot.

Du hast mich sanft in den Flur geschoben, die Tür hinter uns mit dem Fuß zugekickt und mich erst mal ausheulen lassen. Mike, hiermit nehme ich ganz offiziell alles zurück, was ich jemals über Deine Fähigkeiten, trauernde Hinterbliebene zu trösten, gesagt habe. Allein Deine Gegenwart, ruhig und zuverlässig, hat mich schon ein wenig getröstet. Und vor allem, dass Du mich ernst genommen hast. Keine blöden Sprüche, wie: »Reiß Dich zusammen, Othello war doch nur ein Haustier.« Oder: »Besorg Dir doch einen neuen Kater, gibt genug davon im Tierheim.«

Dann, als ich mich wieder etwas beruhigt hatte, hast Du mich ins Badezimmer geschickt, damit ich mich ein bisschen frisch mache. Welch ein Schreck beim Blick in den Spiegel! Wie gut, dass Du an so etwas gewöhnt bist. Ich badete mein Gesicht in kaltem Wasser, bis es sich ganz taub anfühlte, und schmierte mir etwas Make-up auf die blasse Haut. Nun sah ich aus wie ein Zombie nach einem Solarium-Besuch. Nachdem ich Jogginghose und T-Shirt gegen Jeans und Bluse getauscht hatte, wartete im Wohnzimmer die nächste Überraschung: Othello lag mitten auf dem Parkett, auf einem weißen Leinentuch, umgeben von leise flackernden Teelichtern. Auf dem Couchtisch hattest Du bunte Kartons verteilt, aus denen es köstlich duftete, und aus dem Lautsprecher tönte leise »With or without you« von U2. Neben der Couch standest Du, zwei Gläser in der Hand: »In Irland ist es Sitte, den Toten aufzubahren, ihm mit Gesang, Essen und vor allem Trinken, das Abschiedsgeleit zu geben. Santé!«

Ich war froh, nicht mal im Traum an Wimperntusche gedacht zu haben. Denn ich musste sofort wieder losheulen.

Nach dem ersten Glas, dessen bernsteinfarbener Inhalt rauchig, torfig meine Kehle hinunterlief und in meinem Bauch ein kleines Feuer entzündete, wird meine Erinnerung bruchstückhaft. Huhn, gebratene Nudeln, Garnelen mit Cashewkernen, mein lachhafter Versuch, mit Stäbchen zu essen (Du hingegen hast das sehr gekonnt gehandhabt).

Whisky-selige Erinnerungen an Othellos Jugendstreiche (er hat mal den Dackel der Nachbarin verprügelt) und an die zerfetzte Lieblingsspielmaus, die ich ihm als Grabbeigabe auf das Leinentuch gelegt habe.

Hast Du mir wirklich erzählt, dass in Irland viele Trauernde ihren verstorbenen Angehörigen Handys mit in den Sarg legen – aus Angst, lebendig begraben zu werden? Und dass den Familien, die das machen, nahegelegt wird, es auszuschalten oder den Vibrationsalarm einzustellen? »Denn man will ja schließlich bei einer Beerdigung kein Klingeln aus dem Sarg hören«, hast Du augenzwinkernd hinzugefügt.

Ich habe gekichert, mich verschluckt, und wieder ein bisschen geheult. Glaube ich jedenfalls. Dann hast Du uns beide eingepackt, mich in meinen warmen Mantel, Othello (und Maus) in sein weißes Leinentuch, hast die Kerzen ausgemacht und uns in Dein Auto verfrachtet. Es war bereits dunkel geworden. Wir sind nicht lange gefahren, jedenfalls kam es mir nicht so vor. Aus der Stadt hinaus, bis die Mietskasernen schicken Häusern und Bungalows wichen. Die Gegend sah teuer aus, und als Du schließlich anhieltest, standen wir vor einer stucküberladenen, protzigen Villa.

»Meine Eltern wohnen hier. Aber keine Angst, sie sind nicht da. Den Winter verbringen sie lieber in der ›Dom Rep‹.«

Es war eine klare, nicht allzu kalte Nacht. Die Luft hat nach Herbst geduftet, aber der Winter war schon zu ahnen. Du hattest eine Taschenlampe … Und wir sind durch den makellosen Garten geschlichen, bis zum Schuppen hin. War das der Schuppen aus Deiner Erzählung? Ich hätte zu gerne mal hineingesehen …

Dahinter lag ein kleines Rasenstück, das nicht manikürt aussah. Und mittendrin ein Loch.

»Das hat die Gärtnerin gemacht. Sie heißt Nikki. Ich bin gut mit ihr befreundet.«

Das habe ich Dir sofort geglaubt. Dann hast Du Othello sanft in die Erde gebettet.

»Hier kommen meine Eltern nicht hin. Und Nikki wird gut aufpassen, sie hat es mir versprochen. So wie auf Ernie und Bert – meine Hamster. ›Goodbye my Friend and God Bless you.‹«

Wir haben das Loch zugeschaufelt. Glaube ich jedenfalls.

Und dann bist Du mit mir zu einem Irish Pub gefahren, um eine »anständige Totenfeier« zu zelebrieren.

Woran ich mich erinnern kann: eine vollgestopfte Kneipe. Livemusik, mit Fidel, Gitarre, Gejohle und Gestampfe. Guinness, bitter und dunkel unter süßem Schaum.

Habe ich getanzt? Bitte sage nicht, dass ich getanzt habe. Ich kann nämlich nicht tanzen.

Hast Du irgendwann mal gesagt: »Es lohnt sich nicht, über verschüttetes Guinness zu weinen«?

Und was ist dann geschehen? Habe ich gesungen? Bitte sage nicht, dass ich gesungen habe. Ich kann nämlich nicht singen!

Wie bin ich nach Hause gekommen? Warum hatte ich (so gut wie) nichts an?

Oh Mann, habe ich mich total blamiert?

Haben wir … oder haben wir nicht?

Bitte bring es mir schonend bei,

Hannah

(verkatert)

Betrifft: Filmriss

Von: Gruber Bestattungen

Datum: 11.12.2012 18:41

My dear Irish Rose,

das wundert mich gar nicht. Ich fülle gerne die Lücken in Deiner Erinnerung und werde mich bemühen, dabei schonend vorzugehen.

Deine Mail war bis zu jenem gewissen Zeitpunkt eine akkurate Beschreibung von Othellos Abschiedsnahme. Fühle mich sehr geehrt, dass Du Deine wenig schmeichelhaften Bezeichnungen für meine Tätigkeit revidieren konntest. Zumal das auch für mich eine »Premiere« war. Nein, nicht bezogen auf vollgeheulte Hemden oder angeschickerte Hinterbliebene. Sondern in Bezug auf eine tierische Beerdigung.

Du hast recht, ich nehme Trauer ernst. Kann mich gut erinnern, wie das war, als meine Hamster Ernie und Bert das Zeitliche segneten. Besagte »Sprüche« musste ich mir von meinen liebenden Eltern anhören. Habe die Hamster heimlich unter die Erde gebracht – damals allerdings noch ganz unprofessionell.

Ja, manche Iren legen tatsächlich Handys in den Sarg. Auch hier in Deutschland habe ich das schon erlebt. Vielleicht die Hoffnung auf ein Wunder?

Jedes Leben ist kostbar. Und jeder Tod erinnert uns daran, dass auch wir sterben werden. Also feiern wir das Leben, solange wir können.

Und Du konntest. Lange und ausdauernd. Hut ab.

Ich muss gestehen, dass ich trotz der ausführlichen Beschreibung Deiner Abenteuer immer noch dieses leicht verklemmte, graue Mäuschen im Kopf hatte, das ich damals kennengelernt habe. Du hast Dich verändert.

Lachend gefällst Du mir besser als weinend. Du hast übrigens ein sehr ansteckendes Lachen. Und ein sehr lautes.

Und Dein Vorrat an original englischen, schmutzigen Limericks ist wirklich erstaunlich. An einen kann ich mich noch gut erinnern:

There once was a plumber from Lee,

Who was plumbing his girl by the sea.

She said: »Stop your plumbing,

There’s somebody coming!«

Said the plumber still plumbing: »It’s me!«

(Der Klempner aus Lee,

Er »klempnert« seine Liebste auf See.

Sie sagt: »Achtung, da kommt wer!«

Und, na klar, es ist er …)

Du hattest sehr schnell ein aufmerksames Publikum. Das hat sogar durchgehalten, als Du angefangen hast, »Whiskey in the Jar« zu singen. Nein, singen kannst Du wirklich nicht. Es klang ganz fatal wie das Geheul einer irischen Banshee (Totenfee).

Und dann hat Dich einer zum Tanzen aufgefordert. Da habe ich noch nicht eingegriffen. Ich fand es vielmehr höchst amüsant zuzusehen, wie Du endlich mal aus Dir rausgehst. Du hast übrigens ein sehr gutes Rhythmusgefühl.

Eingegriffen habe ich erst, als Du Anstalten machtest, Dein T-Shirt auszuziehen. Irgendwie hattest Du es Dir in den Kopf gesetzt, es wäre angemessen, besagtes Kleidungsstück über dem Kopf zu schwenken und dazu »Yippey-ay-ey« zu brüllen.

Es war nicht einfach, Dich aus dem sich schnell bildenden Kreis interessiert zuschauender Männer herauszufischen. Ich musste mich regelrecht durchschlagen.

Vielleicht hätte ich nicht zulassen sollen, dass Du zum Guinness noch Whisky trinkst. Aber Du wolltest unbedingt wissen, was ein echter »Single Malt« sei, und so ließ ich Dich probieren. Aber einer hätte gereicht. Oder zwei.

Vielleicht hättest Du Dich auf dem Nachhauseweg dann nicht über meine neuen Stiefel übergeben.

Nun, wie Du bereits erwähntest, ich bin so einiges gewöhnt.

War jedoch sehr froh, als ich Dich endlich in Deiner Wohnung und im Bett hatte. (Bei Gelegenheit solltest Du Dich vielleicht bei den Nachbarn entschuldigen, die Du mit einer sehr lauten und sehr falschen Version von »The Wild Rover«, gesungen im Treppenhaus, aus dem Tiefschlaf geweckt hast.)

Ich schaffte es, Dich aus Deinen Klamotten zu pellen (zumindest Deine Jeans hatten fast ebenso viel abbekommen wie meine Stiefel) und unter die Decken zu verfrachten. Du hast umgehend begonnen, zu schnarchen.

Und nein, wir haben nicht. Ich ziehe es vor, wenn meine Partnerin im Bett bei Bewusstsein ist. Reine Eitelkeit meinerseits. Abgesehen davon habe ich tagtäglich schon genug mit leblosen Körpern zu tun.

Es war auf alle Fälle eine ungewöhnliche Nacht. Dergleichen habe ich bisher noch mit keiner Frau erlebt. Und glaube mir, ich habe schon so einiges erlebt.

Mike

Betrifft: Blamabel

Von: H. Zimmermann

Datum: 11.12.2012 20:23

AAAAARRRGGGHHHHH,

das nennst Du »schonend«? Ich nehme alles zurück, was ich über Deinen nicht vorhandenen Feinsinn gesagt habe.

Warum hast Du nicht besser auf mich aufgepasst? Du hast Dich lieber amüsiert … auf meine Kosten! Schäm Dich! Von alleine hätte ich nie … niemals wäre ich so … Na ja, glaube ich jedenfalls. Ich bin ein braves Mädchen. War.

Ich habe tatsächlich gesungen und getanzt!? Und mein T-Shirt ausgezogen, in einem vollen Pub!? Und Du hast zugesehen?

Verflixt, ich hätte Dir nicht nur Deine Stiefel, sondern auch gleich noch Deinen schicken Anzug ruinieren sollen.

Hannah

Betrifft: Pax

Von: Gruber Bestattungen

Datum: 12.12.2012 10:52

Madame Hannah,

kein Grund zur Aufregung.

Dein Verhalten war ganz einfach menschlich. Punkt.

Ich unterlag dem Eindruck, dass Du Dir etwas Luft machen musstest. Was Du auch getan hast. Es ist nichts wirklich Schlimmes passiert. Dafür hat Papa Mike gesorgt.

Und ja, ich gestehe, es hat mir Spaß gemacht.

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