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Maries Zorn

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Für meine gute Freundin Essia

R.I.P.

Für dich und alle Mädchen die
missbraucht wurden

Kapitel 1 - Hund

In irgendeiner Stadt im Süden, im Norden, im Westen oder im Osten. Deutschland. Mittlerweile bin ich sicher, nich nur die Städte sin austauschbar, auch Länder, Staaten, Kontinente und sogar das Jahrhundert. Einzig die Drogen, Waffen und die Kleidung lassen einen Unterschied erkenn‘. Ansonsten spieln wa imma dat gleiche Spiel. Überall derselbe Mist. Derselbe Mist, den wir Leben nennen. Mein Leben is n Haufen Scheiße. Stinkend. Ekelhaft. Verrottet tropft es aus dem Arsch der Welt und rinnt wie Durchfall am Oberschenkel der großen fetten Hure in die Gosse. Ich steh im Regen und warte. Is Nacht. Zu ner Zeit zu der anständige Menschen schlafen sollten. Jedenfalls Menschen die etwas aus ihrem Leben gemacht ham. Keine Versager. Doch wo sind die? Ich höre die Stadt, wie nur ich se hören kann. Vielleicht liegt es daran, dass ich drauf bin und mich nich mehr erinnern kann, wann ichs letzte Mal clean war.

Es tropft. Es plätschert. Regen fällt auf mich herab. Strömender Regen. Erst auf mich und dann von meiner durchnässten Kleidung auf den Asphalt, in dem sich das Licht der Laternen spiegelt. Genauso wie das der Scheinwerfer, der ab und an vorbeifahrenden Autos. Mal Gelb mal blau, wechseln sich die Reflexionen ab, wie die Fabrikate. Ein Zerrspiel von Farben und Effekten. Kleckse aus einem Topf Wasserfarben, die man auf den nassen Boden gegossen hat. Gelb, die Loser. Blau die Gewinner. Die blauen, halten sich für was Besseres, alleine nur wegen des Farbtons, den das Licht ihrer Scheinwerfer abstrahlt. Gleißend blau, manchmal schon fast weiß, gehören sie zur Oberliga. Laser-Blau kommt es mir entgegen. Früher spürte ich mal, wie in solchen Momenten der Adrenalinspiegel anstieg. Jetzt steigt nix mehr. Leere kann ich es nennen, die mich umgibt, sobald der letzte Schuss schon eine Weile zurückliegt. Kann‘s kaum erwarten, den Job zu erledigen, damit ich mir endlich wieder einen ballern kann. Sind schon Stunden vergangen. High fühle ich mich nich mehr, dazu bin ich schon zu lange drauf. Es geht nur noch darum, zu funktionieren, klar denken zu können und das Zittern, die Fahrigkeit und die Entzugserscheinungen fernzuhalten. Erst leichte Paranoia, dann heftige Paranoia gemischt mit irrationaler Panik, ehe mit leichter Übelkeit, die Zahnschmerzen beginnen und sich auf Kiefer und Augenhöhlen ausbreiten. Wie n scheiß Schokokuss, den de in de Mikrowelle stellst. Erst bläht er sich ganz langsam auf, dann explodiert er. Paranoide Panik und Angstattacken, treiben mich dann in den Wahnsinn, ehe es die Schokoschaumbombe zerreißt. Doch soweit bin ich noch nich. Einmal, vor einem Job, hab ich‘s probiert, voll high zu arbeiten, doch der Zorn will dann nicht recht entstehen. Ich brauch den Zorn, der wie von selbst entsteht, wenn ich zu lange auf Entzug bin. Den Zorn auf den Scheißkerl, der sich zwischen mich und meinen Schuss stellt. Der Grund warum ich nachts im Regen stehe.

Der Wagen mit den Laser-Blauen Scheinwerfern wird immer langsamer, biegt wie in Zeitlupe in die Einfahrt der schicken, renovierten Altbau-Villa in einer der besseren Gegenden. Hier, wo der Abschaum wohnt. Der Kriminelle Bodensatz einer jeden Gesellschaft. Sie haben die besten Jobs, Titel, Hobbys und Laster. Letzteres ist es, was sie verbindet. Das Laster aller Laster: Gier. Erst nach Geld, dann nach Macht.

Manche haben Kinder, eine Geliebte, ein Boot oder sogar ein Rennpferd. Andere haben auch nur einen Hund und sind einfach nur Arschlöcher. Die meisten sind einfach nur dumm und naiv. Warum? Weil sie denken, sie gehören zur besseren Gesellschaft und würden etwas Gutes tun. Ihren Beitrag leisten. Ein guter Staatsbürger sein und manche halten sich sogar für besonders wichtig.

Der Wagen, ein Audi A8, wartet gerade, während sich im gleißenden Licht Regentropfen in funkelnde Glitzerkugeln verwandeln und sich ein hölzernes Tor wie von selbst öffnet. Die Verheißung einer besseren Welt. Deren Welt. Das Tor nach Babylon. Luxus, Einfluss, Geld und letztlich Macht. Hinter Toren und hohen Mauern schotten sie sich ab, von solchen wie mir und noch viel schlimmeren. Endlich in Sicherheit, in Geborgenheit und Zuflucht vor den Gefahren der Stadt. Im Wageninnern kann ich zwei Köpfe erkennen. Das Nummernschild passt. Der Wagen setzt sich mit dem sonoren schnurren einer großen Maschine in Bewegung, genau wie ich. Beinahe zeitgleich legen wir eine ähnliche Distanz zurück. Der Wagen hält vor der Doppelgarage, deren Tor sich ebenfalls automatisch öffnet. Es schiebt sich nach oben, während sich das Hoftor hinter mir wieder schließt. In der Garage steigen die Insassen aus. Sie sehen mich nicht. Ich sehe sie. Die Frau ist so schön, wie der Mann reich ist. Die Regentropfen prasseln immer heftiger auf mich ein, als ich mich meines Plans nochmal vergewissere. Mitten in der Einfahrt steh ich und seh noch, wie der Typ mit seinem Zeigefinger übern Lack des schnittigen Sportwagens des gleichen Herstellers streicht. Im Blick der Frau sehe ich ihre Sehnsucht, so berührt zu werden. »Fahr mir mal so übern Rücken«, kommt ihr aber nicht über die Lippen. Volle rote Lippen, für die ich schon Verwendung hätte. Das Tor schließt sich und ich beobachte die beiden weiter, nur anhand der Lichtspur die sie erzeugen.

Durchgang von der Garage zur Küche, ganz amerikanisch. Küche und Wohnzimmer im Erdgeschoss. Die Wege der beiden trennen sich. Der Mann geht ins Wohnzimmer, schaltet Licht, Fernseher und Stereoanlage ein und gießt sich einen Glenmorangie ein, ohne Eis. Die Frau geht nich nach oben, sondern sie schreitet. Ihre ausladenden Hüften, sorgen für ein Zucken in meinem Schwanz. Im Schlafzimmer, streift sie sich ihr Abendkleid vom durchtrainierten Karrierekörper. Bequemer gekleidet, verschwindet sie im Bad.

Das Haus kenne ich innen wie außen. Is nich mein erster Besuch. Ich mach keine halben Sachen. Wenn der Boss mich von der Kette lässt, is alles zu spät. Solche Jobs müssen reibungslos erledigt werden. Ich bin Profi. Skrupellos musste sein. Skrupellos, sonst nichts.

Die Frau kommt aus dem Schlafzimmer, geht im ersten Stock ins Büro, holt sich einen Stapel Akten und geht nach unten. Ihr Gatte hat sich mittlerweile seine Krawatte abgestreift, das Hemd aufgeknöpft und sich auf die bequem aussehende Couch geworfen. Sein linker Fuß wippt über der Kante hängend. Er nippt Zuckerbergmäßig, also wie ein scheiß Antimensch, Androidenhaft an seinem billigen Whiskey und glotzt ein tägliches Talkformat im TV, ohne Ton. Begleitet von so einer Art Lounge-Jazz-Gedudel. Fahrstuhlmusik. Ein Mann ohne jeden Geschmack. Zugegeben, die Frau und die Autos lassen mich daran zweifeln. Die geschmackvolle Einrichtung stammt von ihr. Ich weiß es. Wie ich sehr viel weiß, von dem Paar, das gerade vereint auf der Couch sitzt. Die Kramers. Der Kerl gestikuliert etwas, dabei auf den Fernseher deutend, was seine Frau nicht zu interessieren scheint. Die Kramers sind beide Mitglieder einer Partei. Der Partei, die schon seit langem die Regierung stellt und deren Angehörige für sich Sonderstatus beanspruchen. Sogar enge Freunde des Ministerpräsidenten, hört man. Stimmt aber nich. Sie sin nur gleich. Sin Abschaum.

Die Frau steht auf, holt sich aus der Küche ein paar Snacks und öffnet eine Flasche Rotwein. Für eine vierzigjährige sieht se wirklich Klasse aus. Ein Körper wie Monika Belucci und ein Gesicht, das mich an Famke Jansen vor zwanzig Jahren erinnert. Ich liebte das alte Kino von früher. Die hier, Frau Kramer ist genau vierzig, geht täglich morgens um sechs eine Stunde Joggen, fährt danach nochmal eine Stunde ins Fitnessstudio, geht zusätzlich dreimal die Woche rudern und am Wochenende unternimmt sie ausgedehnte Radtouren mit ihrer Mädels-Clique. Mit ihrem Arsch wüsste ich so einiges anzustellen. Unter ihren engen Leggins, die sie nur zu Hause trägt, zeichnet er sich ganz besonders deutlich ab.

Mittlerweile bin ich schon dicht vor ihrem Fenster. Die große Glasfront des Wohnzimmers, stellt das einzige Hindernis zwischen uns dar. Uns trennen lediglich drei Meter. Hätten sie nicht immer ihre Festbeleuchtung an, könnten sie mich sogar sehen. Für einen Augenblick wünschte ich mir, »Monica« hätte sich noch n bisschen mehr vorn übergebeugt, während se sich auf die Couch setzt und sich wieder ihrer Akte zuwendet. Der Akte. Beinahe hätte ich einen Blick auf ihre fantastischen Titten ergattern können. Belucci-Titten, deren halbsteife Nippel sich durch den dünnen Stoff ihres Hemdchens abzeichnen. Zuhause trägt se nie n BH. Wäre ich er, würde ich auf den billigen Fusel und das Gedudel scheißen, und »Monica« auf dem Sofa durchficken, als gäbe es kein Morgen. Doch der schwule Snob lässt sich lieber von einem neunzehnjährigen Praktikanten aus seiner Firma ficken. Don't fuck the office, du Arsch. Gibt nur Ärger. Doch »Monica«, se heißt eigentlich Petra, ist das anscheinend egal. Karrierefrau, die scheinbar nichts zu kennen scheint außer ihrem Job, den Sport und ihren gesellschaftlichen Status. Die beiden haben nur des Status wegen geheiratet und um einem klischeehaften Bild eines Traumpaars zu entsprechen, das man in deren Kreisen aufrecht zu halten hat, um nicht in den Klatschspalten der Magazine zu landen. Ich bin sicher, »Monica« hofft sich in ihrem Job für eine politische Karriere zu empfehlen.

Wenn ich nicht so n scheiß penibler Typ wäre, der seine selbst aufgestellten Regeln ernst nimmt, würde ich die geile Petra heute die ganze Nacht durchnehmen. Manchmal könnte ich mich selbst Ohrfeigen. »Don’t fuck the ofice!«

Langsam wird es Zeit. Ich sollte endlich beginnen, denn wer weiß wie lange der Regen noch anhält. Ich mag, wenns regnet.

Ohne mich zu beeilen, entferne ich mich ein paar Schritte von der Glasfront. Gute zehn Meter von den beiden entfernt, bewege ich mich Richtung Garage, gehe um sie herum und komme zu einer Tür, die von der Waschküche zum Garten führt. Das Ehepaar Kramer ist reich und bedeutend, doch kommen sie nicht auf die Idee, jemals ihre Alarmanlage zu aktivieren. Für zu bedeutend halten sie sich, als dass Abschaum wie ich es je wagen würde, ihnen auch nur etwas zu stehlen. Womit sie vermutlich auch Recht haben. Ihresgleichen wird in dieser Stadt nicht zu Opfern. Doch Monica hat ihre Nase in Dinge gesteckt, die sie nichts angehen. Seit Tagen beobachte ich die beiden und wartete nur auf den Regen. Die Akte solle ich holen. Die Akte. Mit einer Betonung als würde der Untergang des Abendlandes davon abhängen. Die Akte, deren Inhalt so brisant sein muss, dass man mich schickt, sie zu beschaffen. Ich würde sie schon erkennen, hieß es. »Sie hat sie, also die, ständig bei sich. In großen roten Buchstaben steht VERTRAULICH darauf.«

Im Büro meines Chefs komme ich mir immer vor wie ein Schuljunge, der zum Rapport beim Rektor aufschlägt und sich seine Strafe in Form eines Verweises abholt. Nur dass ich meinen Rektor früher tatsächlich fürchtete. Der Schlaffsack, in dessen Mundwinkeln sich immer so ein weißer Schleim bildet, der wie Kaugummi Fäden zieht, wenn er zu viel redet, macht mir keine Angst. Der alte Sack könnte mir nicht mal mit einer Knarre etwas antun. Selbst mit auf den Rücken gebundenen Armen, würde ich ihn ohne Mühe kalt machen können. Da er aber in der Hierarchie weit über mir steht, muss ich mich unterordnen. Während er seine Ansprache hielt, zog er in einer Pause, den Schleim aus seinem Rachen hoch, fasste unter den Tisch, holte den Papierkorb hervor und spuckte hinein. »Verkacks diesmal nich wieder. Verstanden Ralfi?« Ralfi! Wenn er mich schon Ralfi nannte, könnte ich ihn allein dafür schon abknallen. Die dumme Sau. Nein, ich würde es nich »verkacken« du Pisser und worauf er anspielte, war nich meine Schuld, doch das interessierte keinen derer, für die ich arbeite. »Ralfi, Ralfi« stammle ich vor mich hin und der Zorn wird immer stärker.

Ich ziehe den Schlüssel aus meiner Tasche und sperre die Tür auf. Alles klappt reibungslos wie immer. »Ralfi«. Kein Alarm, kein Krach, kein Ärger. Vorsichtig streife ich den gewachsten Militärparka ab und lasse ihn zu Boden gleiten. Von der Waschmaschine nehme ich ein Handtuch. Das lass ich zu Boden fallen und steige mit meinen Stiefeln drauf. Die Gummisohlen könnten sonst auf dem gefliesten Fußboden im Erdgeschoss quietschen. Ich möchte unter keinen Umständen ein Geräusch verursachen. Kramers sollen nich hören, wie ich mich anschleiche. »Schnell muss gehen. Lass et wie n Raub aussehen. Schnapp dir irgendwas, was du findest und verschwinde, Ralfi. Keine Mätzchen und lass die Frau ja in Ruhe. Keine Vergewaltigung, keine Folter und auch sonst keine Sperenzchen. Verstanden, Ralfi?« höre ich die Stimme vom Boss ganz klar, als wäre ich nur ein Pennäler, dem man erklären müsste, wie es läuft. Ganz so als hätte ich so einen Auftrag schon jemals durch so unprofessionelles Verhalten aufs Spiel gesetzt. »Ralfi«.

Handschuhe trage ich schon die ganze Zeit. Keine billigen aus Latex, sondern aus echtem Leder, schwarz. Latex reißt zu leicht, wenn es zu Komplikationen kommen sollte. Eine Minute wird es höchstens dauern, bis ich mich versichere, dass meine Schuhe trocken sind. Ich fasse unter den Parker. Aus dem Schulterholster ziehe ich eine Heckler & Koch USP im Kaliber .45ACP. Die Patronen dafür sind Unterschall-Patronen mit einer besonders schwachen Ladung und Hohlspitz- Projektilen, die schwere Wunden reißen. Aus einer Innentasche, die in meine Cargo-Hosen eingenäht is, ziehe ich nen Schalldämpfer. Das Gewinde am Lauf der Waffe und auch das am Gegenstück des Dämpfers hab ich erst vor ein paar Stunden geölt, damits ja nich quietscht, wenn ich die beiden verheirate. Kurz mit dem Laser, der unter dem Lauf befestigt is, in die Handfläche der linken Hand geleuchtet, bin ich bereit. Nachdem ich die Tür zur Küche öffne, höre ich den Jazz, der immer lauter wird, je näher ich den beiden im Wohnzimmer komme. Fünf Meter noch, dann kommen sie in Sicht. Manfred, so heißt Herr Kramer, war eingeschlafen, »Monica« mit ihrer Akte beschäftigt. Der Jazz ist so laut, dass sie gar nicht merkt wie ihres Gatten Blut aus dem Schädel übers Sofa und die dahinterliegende Wand mit dem Gemälde spritzt. Jetzt könnte man es für nen Pollock halten. Zwei Schritte in ihre Richtung wage ich noch. Sie gefällt mir, diese Petra. Ich kann nicht genug davon bekommen, sie anzusehen. Es fällt mir normal nie schwer, doch bei ihr schon. Wenn ich könnte, würde ich sie am Leben lassen. Sie bekam wohl doch einen Blutspritzer ihres Mannes ab. Petra fasst sich in den Nacken, als würde sie etwas irritieren. Ein Pickel, eine Mücke? Ohne von der Akte aufzublicken, fasst sie an die Stelle. In dem Moment als sie bemerkt, dass ihre Fingerkuppe nass ist, blickt sie darauf und ist verwundert, warum sie blutet. Die Frau kommt nicht mal auf die Idee, nach ihrem Mann zu sehen oder etwas zu vermuten. Sie wirkt so, als würde sie genervt sein, dass sie jetzt aufstehen müsste, um zu einem Spiegel zu gehen. Ihre Akte, die Akte, die noch auf ihrem Schoss liegt, schiebt sie beiseite, greift das vor ihr auf dem Tisch stehende Weinglas und nimmt noch einen Schluck, schon im Begriff aufzustehen. Erst in dem Moment als sie ihren Kopf ein wenig in den Nacken legt, erblickt sie mich. Gerade noch kann ich einen fragenden Ausdruck in ihren Augen erkennen. Dieser Ausdruck, der erhalten bleibt, als das Projektil erst das Glas und dann ihr Gesicht zerreißt. Jetzt ist sie keine Monica, Famke oder Petra mehr, sondern nur noch ein Klumpen Fleisch und Blut, der auf einem ansprechenden Körper sitzt. Alles Schöne war auf einmal ausgelöscht, zerstört, kaputt, tot.

Auslöschung. Zerstörung. Tod. »Ralfi«.

Einen kurzen Augenblick zögere ich. Ich habe die Akte, den Schlüssel zum Bernsteinzimmer, die Karte nach Atlantis oder was auch immer es damit auf sich haben muss schon unter meinem Arm, doch ich kann mir nicht helfen. Mit dem Schalldämpfer schiebe ich ihr Hemdchen soweit zur Seite, bis ich einen Blick auf ihre üppigen Titten werfen kann. Wunderschön. Wie gern hätte ich solche Brüste doch liebkost, sie einfach nur berührt, sie geküsst, daran geleckt und mich damit amüsiert. Doch für so etwas ist hier kein Platz, nich heut Nacht.

Da es wie ein Raub aussehen muss, gehe ich in den ersten Stock, ins Arbeitszimmer. Darin präsentiert, steht ein Halter, neben einigen anderen, in denen Uhren stecken. Eine davon hatte ich schon vor ein paar Tagen entdeckt, als ich hier war, um die Lage auszubaldowern. Ein ganz spezielles Stück. Einen Augenblick stehe ich einfach nur da und bewunderte dieses schöne Stück. Die schönste von allen. Seit dem abfeuern der ersten Patrone bis jetzt, waren höchstens zwei Minuten vergangen. Ich versuche alles so zu belassen wie es ist. Man soll ruhig denken, dass Profis einzig und allein die Uhren haben wollten. Nochmal zwei Minuten später bin ich wieder in der Waschküche.

Draußen vor der Tür, durch die ich gekommen war, legte ich bei meinem letzten Besuch, vor nicht Mal einem Tag, ein Stemmeisen in die Stauden. Draußen vor der Tür, sperre ich wieder ab, nehme das Einbruchswerkzeug, stemme die Tür auf und zerschlage die Scheibe. Wieder in der Waschküche, greife ich mir meinen Parka, zusammen mit den Schlüsseln des R8 und gehe in die Garage.

Explosionsartig springt der Wagen an, die Scheinwerfer Flammen auf. Automatisch, ohne etwas zu drücken, öffnet sich das Garagentor und ich setze rückwärts hinaus. Im geräumigen Hof drehe ich um, erfreue mich an dem Geruch des Neuwagens und fahre langsam durch den Regen, auf das Hoftor zu, das sich ebenfalls automatisch zu öffnen beginnt. Im Regen taste ich mich auf den Asphalt, halte Ausschau nach Verkehr und dann gebe ich Gas. Es beginnt ein infernalisches Stakkato aus unbeschreiblichem Fauchen, Röhren und Brüllen. Im unteren Drehzahlbereich, brüllt das Aggregat wie ein Löwe, während es oben heraus kreischt wie eine Kreissäge, um schlussendlich, die letzten dreihundert Umdrehungen zu trompeten wie ein Elefant. Die Reifen suchen nach Grip, die Geschwindigkeit steigt, die Scheibenwischer kommen kaum nach und ich peitsche über die leergefegten Straßen der Stadt.

Kapitel 2 - Wolf

Endlich. Der ersehnte Tag. Fünf Jahre, sieben Monate, elf Tage, acht Stunden und einundvierzig Minuten. Jetzt Zweiundvierzig.

Frei.

Jeder, egal was sie auch behaupten, hat eine Hitlist. Fressen, Saufen und Vögeln werden neunundneunzig Prozent sagen. Ich nicht. »Rache!« Der Gedanke daran, mich zu rächen ist das einzige, was mich die letzten zweitausendsechsundvierzig Tage durchhalten ließ. zweitausendsechsundvierzig Tage, an denen ich vierundzwanzigsieben nur an eins dachte: Rache! Endlich hier raus und wieder selbst über mein Leben bestimmen.

Was hörte ich in dieser Zeit Männer davon schwafeln, was sie bald für Dinger drehen würden, wie sie diese Zeit doch einfach so absitzen würden. Doch nachts, da hörst du sie schreien und weinen. Mein Zellenkollege, rief nachts im Schlaf immer nach seiner Mama. Tagsüber markierte er den harten und piesackte die ältesten und schwächsten auf dem Flur. Probierte es auch bei mir, als ich am ersten Tag in die Zelle trat. Zur Begrüßung schlug ich ihm drei Zähne aus. Brachte mir nicht mal Karzer oder Bunker. Ganoven beschweren sich nicht bei den Wachen. Zwei Tage später pisste er mir ins Bett. Abends nach dem Einschluss trat ich ihm in den Sack, brach ihm den Arm am Ellenbogen, so dass er sich in der falschen Richtung knicken ließ und fesselte ihn an den Bettpfosten, deckte ihn mit meiner vollgepissten Bettwäsche zu und ging schlafen. Seine Schmerzen waren so unerträglich, dass er es melden musste. Drei Wochen Krankenstation für ihn. Drei Wochen Einzelzelle für mich. Das musste ich ihm lassen, er hielt immer sein Maul. Obwohl mir das egal gewesen wäre, denn ich verachte den kriminellen Abschaum hier drin, mit dem ich eingesperrt war. Nicht alle sind schlecht, doch es macht eben einen Unterschied, ob man wegen einem Drogendelikt eingesperrt wird oder weil man Rentner ausnimmt, Tankstellen ausraubt, vergewaltigt oder mordet.

Wegen Drogenhandel unter Mitführen von Schusswaffen hatten sie mich dran gekriegt, obwohl es keinerlei Beweise dafür gab. Sie wollten es, sie bekamen es. So läuft es im Rechtsstaat. Die dreckigen scheiß Bullen, der Anwalt, der mich ein Vermögen kostete, die Richterin, genauso wie die Fotze von Staatsanwältin standen alle auf derselben Seite. Nicht meiner. Konnten es nicht ertragen, dass ich zu clever für sie war. Also verknackten sie mich und fabrizierten Beweise, die gar nicht existierten. Meine Frau lief zu weiteren Anwälten, doch die wollten nichts mit der Sache zu tun haben. Zu viel Schiss. Jeder wusste, wem ich auf den Schlips getreten war. Das ich ungeschriebenes Gesetz gebrochen hatte.

In meiner Stadt machen die Ratten, was sie wollen. Keiner kann sie aufhalten und normale Bürger, die meinen, es herrsche Recht und Ordnung, wissen einen Scheiß. Hier herrscht: Korruption und Verbrechen. Der dreckige Saubulle, der mir die Scheiße einbrockte, ist selbst ein Junkie. Drückt sich Heroin und erledigt für die Ratten die Drecksarbeit. Ich ließ im großen Stil Gras anbauen und verkaufte es. Die Einstiegsdroge. Aber nur für Gangster. Damit fängt man an und verdient die Kohle, die man braucht um ins dicke Geschäft einzusteigen. Kokain. Sie konnten mir nur nichts beweisen, weil sie dumm sind.

In unserem Rattensystem kommt es nicht darauf an, dass man Drogen verkauft, sondern nur wer sie verkauft und wen man dafür schmiert. Pharmakonzerne, Tabak- und Alkoholindustrie stehen ganz oben in der Hierarchie. Weiter unten die Dealer der Ratten und dann der Rest. Die ersten bezahlen Steuern und schmieren korrupte Politiker. Die zweiten bezahlen Schutzgeld, alle anderen sind Freiwild.

Ich leite immer noch ein Familienunternehmen. Meine Frau, ihre Brüder und so ziemlich alle Verwandten. Meine beiden Cousins und eine Cousine sind ebenfalls mit von der Partie. In dutzenden Wohnungen und Häusern bauen wir Gras an und verkaufen es ausschließlich an Großhändler, also Leute die an Dealer verkaufen. Ein sicheres und lukratives Geschäft. Die dummen Bullen stießen nur durch einen saudummen Zufall auf mich. Eines Tages, ich war nicht da, brach man bei mir ein. Die Nachbarn riefen die Bullen und erwischten zwei Rumänen dabei, wie sie Bargeld, eine wertvolle Uhr, Waffen und zwei Kilo Gras zum Eigenbedarf aus meiner Bude schleppten. Das dumme dabei war nur, dass sie dann eben auch meine »Plantage« entdeckten. Ein Reiheneckhaus, sehr konservativ, unauffällig und normal. Die Bullen staunten nicht schlecht. Von mir und meiner Familie hatten sie noch nie gehört.

Man buchtete mich sofort ein. Elf Monate U-Haft, dann der Prozess. »Das meiste von dem Dope waren Pflanzenteile: Wurzeln, Blätter, Stängel«, protestierte ich beim Haftprüpfungstermin. »Cannabis ist Cannabis«, grinste mich das dumme Schwein von Richter süffisant an.

Keine Zeugen, außer zwei so saudummen Bullen, die nur mutmaßten, spekulierten und vermuteten, ich würde Wurzeln, Blätter und Stängel verkaufen. Meine Frau brauchte nicht auszusagen und von ihrer Verwandtschaft, genau wie von meiner, wussten sie nichts. Dabei baute meine Crew nur während ich in U-Haft saß, gute achtzig Kilo Gras an und verkaufte weiterhin, als wäre nichts geschehen. Auf meinen Bankkonten, in Schließfächern und in Verstecken im Ausland bunkerte ich Millionen. In Kalabrien, der Heimat meiner Frau, besitzen wir ein Hotel, das bis heute gute Gewinne abwirft. Außerdem ein Privathaus und ein dutzend Wohnungen, die wir vermieten. Nichts davon haben die Bullen gefunden.

Die Ratten wollen jedes und alles für sich. Funkst du dazwischen, machen sie dich fertig. Scheiß Pack. Doch nicht mit mir. Ich saß meine Strafe ab und während manche aus dem Knast kommen und schon froh sind, sich ein Taxi zur Wohnung der Ex oder ins Obdachlosenasyl leisten zu können, weiß ich, dass meine Frau schon mit meinem Lamborghini auf mich wartet. Natürlich nahmen sie mir den Führerschein, obwohl ich kein Verkehrsdelikt begangen hatte, doch ich werde trotzdem fahren. Da gehst du fast sechs Jahre in den Bau und die Idioten nehmen einem noch den Führerschein. Begründung: Mann würde die anderen Verkehrsteilnehmer gefährden. Leckt mich doch ihr dreckiges Pack. Was wollt ihr machen, mich einbuchten? Fickt euch! Bewährung hatte ich abgelehnt. Von denen will ich nichts. Wollte die Sache abgeschlossen wissen. Jetzt bin ich gleich frei ohne Wenn und Aber.

Meine Sachen sind gepackt und es kann sich nur noch um Stunden handeln, bis man mich hinausbegleitet. Außer ein paar Klamotten, einigen Fotos und Unterlagen besitze ich nicht viel. Alles passt in eine einzige Sporttasche. Alles andere, was man so ansammelt, in erster Linie um zu tauschen, Tabak, Kaffee, Lebensmittel, habe ich schon verkauft. Im Knast blüht der Schwarzmarkt, und was nicht von Verwandten, Drohnen oder sonst wie herein geschmuggelt wird, bringen Wärter mit rein. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich einen florierenden Handel beginnen können. Doch warum schlafende Hunde und Begehrlichkeiten wecken?

Ich höre Schlüssel klimpern, die Tür wird aufgesperrt. »Sworer, mitkommen. Für Sie ist es soweit. Kommen Sie, wir gehen«. Ich folge dem Wärter. Hie und da hört man Häftlinge etwas rufen, je nachdem ob sie einem freundlich gesinnt sind oder nicht. »Mach's gut. Bis bald! Steck einen für mich mit weg. Alles Gute. Fahr zur Hölle. Meine Kumpel finden dich schon!« Die ganze Palette eben. Doch das meiste war nur Geschwätz, nichts worauf man etwas geben müsste, das gehört hier drin irgendwie mit dazu.

Durch die Gänge, über die Flure, Treppen rauf und runter, durch Türen, immer wieder Sicherheitsschleusen ehe man endlich in einen Bereich kommt, in dem es nur noch Personal gibt, keine Gefangenen mehr. Der Bereich des Knasts, den ich noch nie zuvor betreten hatte. Wahrscheinlich als man mich einlieferte, doch daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Noch ein paar Mal saudumme Fragen beantworten, ein paar dumme Sprüche vom Personal, eine Unterschrift hier und nochmal weiter unten, dann gehen wir durch die letzte Schleuse und ich kann sie schon schmecken, die Freiheit. Und zwar die wirkliche Freiheit. Keine Bewährung, Führungsaufsicht oder so einen Scheißdreck, nur die pure Freiheit.

Jetzt würde mich der Drecksstaat erst richtig kennenlernen, denn jetzt war ich ein anderer geworden, als damals, vor fünf Jahren, sieben Monaten und elf Tagen, als sie mich einsperrten. Damals war ich einfach nur ein Dealer mit Ahnung von Waffen und einem profunden Wissen über die Wirtschaft und Geld. Jetzt war ich ein Schwerverbrecher mit Diplom, Auszeichnung und Doktortitel. Da drin lernte ich Dinge, die du dir als normaler Bürger nicht einmal vorzustellen wagst. Leb wohl Alma Mata.

Die letzte Tür öffnet sich und ein Wärter, der mir sympathisch war und mich immer mit Respekt und Anstand behandelte, war extra gekommen, um mir die Hand zu schütteln und mich zu verabschieden. Ein anständiger Kerl, das wusste ich. Einer der wenigen hier drin. Die meisten der Justizvollzugsbeamten sind genauso kriminelles Pack, wie dass, das sie bewachen. Wer sonst schmuggelt die Maße der Drogen, Handys und manchmal auch Waffen hier rein?

Ich kann es kaum fassen, als ich tatsächlich meinen Fuß über die Schwelle setze und wieder ein freier Mann bin. Nachdem ich mich beeile, schnellstmöglich vom Grundstück des Knasts zu kommen, bleibe ich auf dem Gehsteig stehen, werfe meine Sporttasche in den nächstbesten Mülleimer, atme tief ein und schließe die Augen. Endlich bin ich diesen widerlichen Geruch los. Diesen ganz besonderen Knastgeruch von Schweiß, Pisse, Zitronen-Bio-Reinigungsmittel und Trostlosigkeit gepaart mit Langeweile. Ich weiß das klingt verrückt, doch man kann Langeweile riechen.

Vielleicht eine Minute dauert es, ehe ich die Augen öffne, meine Lungen mit frischer Luft fülle und schnurstracks auf meine Hübsche zusteuere, die wie besprochen tatsächlich in ihrem heißen Sommerkleid am Kotflügel meines weißen Lamborghini Gallardo Roadster lehnt, dessen Verdeck natürlich geöffnet ist, obwohl die Temperaturen es eigentlich nicht hergeben, doch das ist mir egal. Ich will so viel frische Luft wie möglich tanken, ehe ich Zuhause ankomme und mich daran mache, meinen Racheplan in die Tat umzusetzen. Meiner Frau drücke ich einen zärtlichen Kuss auf die Wange, wir blicken uns in die Augen und sie sagt: »Schön das du wieder da bist mein Wolf«.

Kapitel 3 - Marie

Jetzt ist es wieder soweit. Der Fahrer holt mich gleich ab. Eine dieser großen Limousinen, in denen man Politiker, Minister und Superwichtigtuerpromivolk spottet. Ich bin Marie. Ich bin fünfzehn. Wie ich zur Hure wurde, könnte der Aufsatz lauten, den ich nach den Ferien schreiben würde. Wenn ich doch nur wieder in die Schule gehen dürfte. Ich habe die Schule immer geliebt. Manchmal kommt es mir so vor. Ja manchmal hoffte ich die schlimmsten Ferien meines Lebens wären endlich vorbei. Vielleicht ist es auch nur ein Traum und wenn ich meine Augen nur fest genug schließe, geht er weg. Heute ist so ein Tag. Ich schließe meine Augen ganz fest.

Alles fing ganz harmlos an. Meine Eltern sind schon lange Tod. Früher wohnte ich bei meiner Tante, doch die wurde Eifersüchtig und jagte mich davon. Ich würde nur den ganzen Tag mit dem Arsch wackeln und dem alten meine Titten ins Gesicht halten, grunzte sie. Okay, ich geb‘s ja zu. Ihr Mann war ein geiler alter Bock und meine Tante eine fette Sau. Ja, war sie. Ne Megafette Walroßfrau mit nem Body wie Willy der Orca. Eine echt fette Sau, potthässlich und dumm. Kein Wunder das der Alte bei der keinen mehr hochbekam. Mit dreizehn begannen meine Titten fett zu wachsen. Ich wurde eine Frau und Männer wurden geil. Ich bin ja nicht blöd. Ich merkte doch, wie mich die Klassenkameraden anglancten und wie Männer im Bus tuschelten und mir Blicke zuwarfen. Der Alte war echt nett. Ich mochte ihn. Natürlich hätte ich ihm nicht meine Jungfräulichkeit geschenkt, obvious oder? Aber er nahm mich vor meiner Tante immer in Schutz. Dabei hatte ich mehr Angst davor, dass sie mich überrollt, als mich zu schlagen. Er brachte mir die Magazine, Limo, Süßigkeiten und Kaugummi mit, die alle Teenies mögen. Fast alles was mich anturnte, kaufte er mir. Mein erstes Smartphone hatte ich nur ihm zu verdanken. Sugardaddy, ja. Aber nur anfassen. Hab doch gemerkt, wie er mir immer auf die Titten glancte. Meine Tante war ein Drachen und nahm mich nur auf, weil sie dafür Geld vom Amt bekam.

Eines Tages überraschte ich den Alten. Er und ich waren allein Zuhause. Dabei dachte er wohl, ich würde schlafen. Ich erwischte ihn, wie er im Wohnzimmer vor der Glotze stand. Seine Hosen hingen in den Kniekehlen. Die weißen Schiesser hatte er die Oberschenkel runtergeschoben. Zu einer Porno- DVD war er am wichsen. »Wilde Hengste, nasse Stuten.« Der alte kannte höchstens Youtube aber kein Youporn. Ich stand damals mehr auf Pornhub. Ein paar Minuten beobachtete ich ihn. Ich spürte die Hitze im Schritt, wie es da unten feucht und ich fahrig wurde. So als könnte es gleich passieren. Wenn die Knie weich werden und es im Bauch kribbelt, der Puls beschleunigt und man schwer atmet. Die Augenblicke kurz davor, waren immer die geilsten. Nicht wie beim wichsen im Bett, dabei an einen Jungen denken oder Porno als Wichsvorlage gucken. Nein, sondern richtig geil werden. So wie es sich anfühlt, kurz bevor er eindringt. Jedenfalls stellte ich es mir so vor. Ich hätte nur zu ihm gehen müssen. Hätte ich ihn angefasst, wäre er bestimmt gleich auf mir explodiert. Es lag nur an mir, was geschehen würde. Gut aussehend war er nicht, aber gut bestückt. Ahmna, dachte ich, so groß kann so ein Ding werden? Damals der erste und größte, den ich je in Real-Life gesehen hatte. Ich fasste mir selbst an die Möse. Dabei machte ich absichtlich Geräusche. I don’t know. Vermutlich wollte ich erwischt werden. Ja das gibt’s und es turnt tierisch an. Hab ja auch schon getropft. Wie, wenn was nicht stimmen würde, drehte er sich um und entdeckte mich. Erst war er erschrocken, doch mein Blick signalisierte ihm, er könne sich an mir aufgeilen. So ging’s los mit mir, dem Sex und dem Alten.

Mir gefiel es, von erwachsenen Männern begafft zu werden. Wie ihre Blicke meinen Body scannten. Im Bus, ganz unauffällig, was Kerls eben meinen, was unauffällig ist. Ich, im Sommer immer voll Basic Instinct. Für ein so n Kerl, vielleicht um die dreißig, hab ich in der letzten Schulstunde, das Höschen ausgezogen. Im Bus saß er wie meistens, schräg gegenüber. Alle Fenster waren offen und genau als er voll am glancen war, wehte es den Stoff hoch. Zusammen mit Jessica, meiner Schulkameradin, ebenfalls ner Bitch, machten wir ne Challenge: wer es schafft, dass die Kerle von uns nen Steifen kriegten. Der dreißiger legte sich sofort sein Rucksack auf n Schoss. »Katsching!«, klingelte die Kasse and I got Five on it. Wenn sie sich an mir aufgeilten und ich sehen konnte, was nur der Anblick meines Teeny Körpers mit ihnen anstellte, gefiel mir das. Wie sie regelrecht begannen zu sabbern und geifern. Echt Kek. Ihre Augen quollen über und ihre Blicke bohrten sich in meinen Körper, als wären es ihre Schwänze.

Dem Alten sein Ding, wurde Knüppelhart und begann zu pochen und zucken, als ich begann meine Beine zu spreizen und es mir heftig mit den Fingern besorgte. So ging das Wochenlang. Irgendwann erlaubte ich ihm, meine Brüste zu berühren, während wir nebeneinander auf der Couch saßen und er es sich selbst machte, während Pornos liefen. Ich verlangte nichts von ihm. Er forderte nichts von mir. Es machte mir einfach Spaß. Keine Frage, ihm auch. Nach einer Weile wurde es zu einem Ritual. Immer wenn der Orca im Gemeindezentrum war, um in der Bibliothek zu putzen, verbrachten wir den Nachmittag zusammen beim wichsen. Der Alte kaufte mir sogar einen Dildo. Das Teil war der Wahnsinn und ich explodierte förmlich, wenn ich ihn mir reinschob. Er konnte die Heftigkeit der Vibration über eine Fernbedienung steuern und ich verlangte immer mehr. Ich liebte es zu kommen, einmal, zweimal, zehnmal. Dabei knetete der alte meine vollen, von durchschimmernden, schon fast violetten Adern, gesprenkelten, milchigen Brüste mit seiner linken und mit der rechten rieb er sich seinen Schwanz, bis es auch ihm kam und er mich vollspritzte. Weißer Regen. Damals liebte ich das.

Eines Tages kam meine Tante unerwartet nach Hause und erwischte uns. Sie prügelte mich grün und blau. Ausgerechnet mit dem Latexdildo. Der Alte konnte mich nicht schützen. Sogar wenn er gewollt hätte. Sie schlug ihm den Dildo mindestens einmal so heftig in den Sack, das er zu Boden ging und ihm die Luft wegblieb. Meine Tante wog mindestens doppelt so viel wie er. Der Alte war außerdem nach einem Unfall halbseitig gelähmt. Einmal im Suff, sagte sie, sie wäre nur mit ihm zusammen, wegen seiner Rente. Der Alte tat mir leid. Sie schlug mich, bis ich bewusstlos wurde. Dachte echt, sie killt mich. An jenem Tag verlor ich zwei Zähne und konnte eine Woche nicht aus dem Haus, weil ich so schlimm aussah. Sogar, eine Woche später sahen mich in der Schule alle komisch an. »Vorn Bus gelaufen was?« »Halt bloß die Fresse Spasti«, blökte ich den dummen Streuselkuchen an. Den ganzen Spasti-Schädel voll Pickel, aber das Maul aufreißen, wie ich aussehe.

Die fette Sau hätte mich niemals zum Arzt gebracht, auch nicht zum Zahnarzt, das hätte ja was kosten können. Der Alte, dem sie die Eier zerrmatscht hatte, nachdem sie mich verdroschen hatte, brachte mich in einem günstigen Moment zum Zahnarzt, dann zu einem Hausarzt. Wenigstens konnten die wackelnden Zähne befestigt werden. Ausgerechnet vorne. Wie hätte ich sonst ausgesehen. Cringe. Beim Hausarzt bekam ich ein paar Tabletten und eine Salbe für die Abschürfungen. Einige Tage später, am ersten Tag der Sommerferien brachte mich Tante Schweinswal weg. Ich glaube nicht, dass der Alte wusste, zu wem sie mich bringen würde. Ich hab ihn nie wieder gesehen.

Ein paar Wochen später hörte ich, der Alte und meine Tante wären bei einem Wohnungsbrand ums Leben gekommen. Tante rauchte auch ständig und überall, sogar im Bett. Damals erschien mir das plausibel, doch heute nicht mehr. Ihr hätte ich nichts anderes wünschen können, doch um den Alten tat es mir leid.

Sie brachte mich nicht zu irgendeinem Mann, sondern zu einem katholischen Pfarrer in dessen Pfarrei. Der Pfarrer hatte ein Herz für Menschen in Not, hieß es. Viele Flüchtlinge waren dort in einer Art Jugendherberge untergebracht. Am Anfang war es auch schön dort, doch es gab weder Männer noch Jungen. Ich dachte mir nichts dabei, doch dahinter steckte Absicht. Keine Frau war älter als 20 Jahre. Einmal bekam ich mit, wie eine Gruppe Flüchtlinge ankam, alle Erwachsen, nur ein Mädchen in meinem Alter war dabei. Man ließ alle ein Dokument unterschreiben, dessen Inhalt die meisten nicht verstanden. Die Gruppe Afrikaner, die alle echt voll strange Gottesfürchtig waren und einen Pfarrer achteten, dachten sich nichts dabei. Pfarrer, dachte ich, die tun ja gerade so, als wäre der Kerl Gott persönlich. Zwei Tage hielten sie sich in einem separaten Bereich der Unterkünfte auf, dann wurden sie abgeholt. Ich blickte einem der Männer in die Augen, als die Polizisten ihn wegzerrten. »Pfarrer uns gelinkt. Pfarrer bös Mann«, schrie er in meine Richtung. Dabei ließ er etwas fallen. Ein zerknülltes Stück Papier. Nachdem alle weg waren, hob ich das Papier auf. Ich nahm es mit in den Garten und setzte mich unter einen alten Baum. Dort war es schön schattig. An dem Tag war es sehr heiß und ich begann zu lesen. Sie hatten ihrer eigenen Abschiebung zugestimmt. Die Flüchtlinge sollten 150 Euro und ein Flugticket in die Heimat bekommen. Sie verzichteten mit ihrer Unterschrift darauf, innerhalb der nächsten zehn Jahre nochmal zu versuchen, nach Deutschland zu kommen. Ich fand dass eine schöne Schweinerei und dann wusste ich, warum der schwarze Mann den Pfarrer böse nannte. Refugees Welcome!

In diesem Sommer, saß ich beinahe täglich auf der Bank und trug ein leichtes, kurzes Sommerkleid. Mir war aufgefallen, dass der Sohn der Haushälterin sich immer hinter dem Brunnen versteckte und mir unter den Rock glotzte. Absichtlich unauffällig setzte ich mich im Schneidersitz auf die Bank – Frauen können das – und genoss seine Blicke, die mich penetrierten. Natürlich trug ich kein Höschen. Wenn ich ihn bemerkte, blieb ich immer noch eine Weile länger, bis er sich einen gehobelt hatte. Manche sagen, ich sei eine Schlampe, ein geiles Stück oder eine Hure. Okay, zugegeben, ne Bitch war ich schon. Ich fand es einfach schön, wenn ich Jungen oder Männer geil machte. Mir gefiel das und ich konnte nichts Schlimmes daran finden. Das hat auch nichts mit Power Play oder so Bullshit zu tun. Ich fand es einfach ein schönes Gefühl, geil zu werden. Männer finden das ganz offensichtlich ja auch schön. Ich verstehe nicht, warum man so ein Gezeter darum macht. Das ist doch Natur.

Ein paar Tage später, der Junge muss natürlich auch irgendwann gemerkt haben, dass ich mir seiner Gegenwart bewusst war, erwischte ihn der Pfarrer und prügelte ihn halb Tod. Ich lief noch zu ihnen. »Lass ihn. Er hat doch nichts gemacht. Das ist doch ganz normal. Natur. Gott hat uns doch so gemacht. Herrje«, schrie ich. FEHLERMELDUNG! Hämmerten die Anschläge einer alten Schreibmaschine vor mein geistiges Auge. Da habe ich wohl das falsche zu den falschen Leuten gesagt. Voll verbuggt. Zusammen mit seinem, wegen dem Geschrei herbeigeilten Messdiener, packte er mich, als ich zu dem Jungen gestürzt war und ihm helfen wollte. Der Pfarrer schlug mir mit der flachen Hand ins Gesicht und schrie: »Metze!« Dabei weiß ich bis heute nicht, was das heißt und was so schlimm an meinen Worten war. »Wenn Gott nicht wollte, dass wir Sex haben, warum hat er uns dann so gemacht, Hä?«, fragte ich noch ganz naiv. Beide schlugen auf mich ein und zerrten mich in den Keller, während der Junge mit runtergelassenen Hosen, verängstigt auf dem Boden kauerte und das Blut aus seinem Gesicht wischte.

An diesem Tag endete die Unschuld. Game Over. Neverland war abgebrannt. Mein Mädchensein war für immer vorbei. An diesem Tag starb die alte, die junge und naive Marie. Dann wurde ich zugeritten.

In dem Keller, von dem ich bis zu jenem Tag nichts wusste, kam niemand hin und keiner kannte diesen Ort außer dem Pfarrer und dem Messdiener. Sie schlugen mich mit Gürteln und Fäusten, bis ich Ohnmächtig war. Einige Stunden später erwachte ich gefesselt und geknebelt, bäuchlings auf einer Bank liegend. Dann kam der Messdiener. Der vergewaltigte mich zur Begrüßung in das neue Leben gleich dreimal. »Ich zeig dir, wofür de macht bis, du geile Sau«, sagte er zu mir, während ich hörte, wie er seinen Reißverschluss öffnete. Alles was ich bis dahin so schön fand am Sex und an Lust empfand, obwohl ich noch Jungfrau war, wurde mir an diesem Tag genommen. Seither war nichts mehr wir vorher und jedes Mal wenn der Messdiener kam, um mich zu missbrauchen, überkam mich Ekel und Abscheu. Meine Kellerhaft bestand aus Schmerz, Wut und Tränen. Ich weiß nicht, wie lange ich in dem Keller eingesperrt war. In der Ecke gab es ein dreckiges Klo und ich bekam nichts zum Anziehen.

Nach dem Messdiener kamen andere Männer, die ich nicht kannte und ich auch nicht kennen wollte. Sie rochen säuerlich, ungewaschen, ungepflegt und ich spürte ihre rauen Zungen auf meinen Brüsten und sah ihre dreckigen Finger in mich eindringen. Am Anfang zählte ich noch, doch dann hörte ich auf und ertrug es einfach. Am Anfang wehrte ich mich, doch das brachte mir nur noch mehr Schläge und noch weniger zu Essen, als das bisschen Brot und Wasser das sie mir in meinen Verschlag brachten. Mit der zugeschwollenen Fresse muss ich ausgesehen haben, wie Rocky nachdem Mr. T mit ihm fertig war. Grün, blau, schwarz und gelb blickte mich ein Mädchen mit zugeschwollenem Gesicht aus der Metallschiene am Fensterrahmen an. War das Marie? Nein, das ist ein Traum, ich kann das nicht sein. Doch das ist Marie. Nach einer Weile, wusste ich nichts mehr, nicht mal wer ich war und wie ich aussah. Ich war pures Fleisch geworden. Fickfleisch. Lediglich zum Waschen, kam eine Nonne mit einem Eimer. Sie sprach nie. Sie war sehr grob mit mir und mein ganzer Körper zitterte, wenn ich ihren Schlüssel auf dem Gang rasseln hörte. Ich musste wohl sauber sein, für die Dreckschweine die mich missbrauchten. Die Nonne wusch mich immer ganz besonders intensiv an meiner Möse. Dabei funkelten ihre Augen und ihre feuchten Lippen glänzten. Perverse Alte. Immer wieder, ich weiß nicht, wie oft, kamen sie mit Tabletten, die ich nehmen musste. Heute weiß ich, es war die Pille, die normale und manchmal auch die danach. Einmal musste auch ein Arzt kommen, jedenfalls stellte er sich als solcher vor. Es juckte mich unten ganz heftig und ein paar Tage bekam ich keinen Besuch.

Irgendwann begriff ich, je fügsamer ich war und je williger ich mich gebrauchen ließ, umso weniger schlimm wurde ich behandelt und das Essen wurde immer mehr. Sie dachten, sie hätten mich gebrochen. Doch mich bricht Mann nicht. Niemals. Manchmal brachten sie mir auch Kuchen und Cola und einmal eine ganze Tafel Schokolade, eine ganz große von Milka: Knusperkeks. Wow, dachte ich damals, das ist dein Highlight der Woche, in nem abgefuckten Keller gefangen gehalten und von so ekligen geilen Böcken ohne Gummi gefickt werden. Aber Milka, Sheesh. Das war’s dann. Hier liegt Marie, die Hure. Todgefickt. Nackt auf den Müll geworfen, bis sie zu stinken begann. Niemand vermisst sie und ihr Erbe, eine angefangene Tafel Milka Knusperkeks hinterlässt sie den zwei Kerlen, die das Loch zuschaufeln, in dem sie mich verscharren. So würde ich enden und das würde auf dem Pappkarton stehen, bis zum ersten Regen. Krähen und Spatzen wüssten wenigstens, wer in der hintersten Ecke des Friedhofs, gleich neben dem Komposthaufen liegen würde und irgendwann hätte sich die Erinnerung an mich aufgelöst wie der Fetzen Karton. What A life.

Einem der Freier fiel mal ein Schweizer Offiziersmesser aus der Hose, ohne das er es gemerkt hat. Spät in der Nacht saß ich in meiner Ecke, alle Tränen eines ganzen Lebens vergossen, zitterte meine Hand über der Innenseite meines gegenüberliegenden Handgelenks. Ich zitterte immer mehr, als das Metall die Haut berührte. Egal, wie sehr ich mich anstrengte, ich brachte es nicht übers Herz. Ich warf das Messer ins Klo. Feige Bitch!

Woran man so denkt, während man wartet, bis man wieder gefickt wird. Würde ich wieder in die Schule gehen und den Aufsatz vorlegen, würden sie mich bestimmt Psycho nennen.

Ich weiß natürlich, wem der Wagen gehört, in dessen Fond ich nun sitze – viele Wörter musste ich lernen, die ich noch nie gehört habe –. Die Heckscheiben sind getönt und auf dem Sitz liegt ein Halsband mit einer Hundeleine daran. Bevor man mich in den Wagen setzt, zogen sie mir schon die Schuluniform an, wie eine der Töchter des Freiers sie trägt. Jedoch ohne BH und ohne Höschen. Der Wagen wird langsamer, bleibt stehen.

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