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Mark Hellmann - Folge 07

Inhalt

  1. Cover
  2. Über diese Serie
  3. Über diese Folge
  4. Über den Autor
  5. Impressum
  6. Der Werwolf von Eisenach
  7. In der nächsten Folge

Mark Hellmann – Der Dämonenjäger

In einer uralten Prophezeiung heißt es:

Wenn der Teufel über Weimar dahinreitet, bricht eine Zeit des Schreckens an: Plagen kommen über die Stadt und die Toten stehen auf aus ihren Gräbern. Wehe der Stadt - und wehe dem, der dem Herrn des Schreckens begegnet! - Nur einer ist fähig, sich der Finsternis zu stellen und das Böse zu bannen. Ein Sohn unserer Stadt, der Kämpfer des Rings. Doch sollte jener versagen, wird sich von Weimar aus Finsternis über das Land ausbreiten. Dann beginnt die Herrschaft des Satans.

Sein Name ist Mark Hellmann. Er ist Dämonenjäger und Kämpfer des Rings. Und Versagen ist keine Option.

Im Osten ist die Hölle los – und nur einer kann es mit der Finsternis aufnehmen: Mark Hellmann – Dämonenjäger, Kämpfer des Rings und Zeitreisender.

Über diese Folge

Ich war in die Zentrale der Gauck Behörde in Berlin bestellt worden, doch den Grund kannte ich nicht. Was konnten die Beamten nur von mir wollen? Unruhig betrat ich das Gebäude, in dem ich bereits erwartet wurde und begleitet von einem Beamten ging es stillschweigend durch lange Kellergänge, bis wir in ein fensterloses Zimmer mit einer Eisentür eintraten. Ich platzte vor Anspannung! Endlich reichten die Beamten mir eine alte Stasi-Akte aus dem Bezirk Eisenach. Sie trug den Namen Werwolf! Und irgendwie war ich auf einem Foto direkt neben der Bestie abgelichtet …


Im Osten ist die Hölle los – und nur einer kann es mit der Finsternis aufnehmen:
Mark Hellmann – Dämonenjäger, Kämpfer des Rings und Zeitreisender.

Über den Autor

C. W. Bach ist 1938 in Weimar geboren. An der Universität in Erfurt studierte er unter anderem Germanistik und Neuere Geschichte, ehe er viele Jahre als freier Journalist sowie als Autor für Theater und Film gearbeitet hat. Schon seit seiner frühen Kindheit liebte er es, schauerliche Horrorgeschichten zu erzählen und diese Vorliebe blieb ihm bis heute erhalten. Heute lebt er mit seiner Frau und ihrem gemeinsamen Kind in einem kleinen Vorort von Berlin.

Der Werwolf von Eisenach

In der folgenden Stunde sollte ich eine der größten Überraschungen erleben, seit ich am 1. Mai 1980 nackt und ohne Erinnerung in der Weimarer Bachgasse aufgegriffen worden war. Bis heute wusste ich nicht, wie ich wirklich hieß und wer meine Eltern waren. Ich war adoptiert worden; meinen Nachnamen hatte ich von meinen Adoptiveltern erhalten. Meine Vornamen waren von den Buchstaben des magischen Rings abgeleitet worden, den ich als einziges Besitztum bei mir getragen hatte.

Ich meldete mich an diesem schönen Tag beim Portier hinter der schusssicheren Rezeption an. Sie war aus gutem Grund so eingerichtet. Die Gauck-Behörde, nach ihrem Leiter benannt, mochte nicht jeder.

Eigentlich hieß das Amt ›Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik‹. Den Zungenbrecher wollte sich jedoch keiner zumuten. Die Gauck-Behörde hatte die umfangreichen Akten und Schriftstücke des ehemaligen ostdeutschen MfS[1] und seines Ablegers, kurz Stasi genannt, aufzuarbeiten. Dabei wurde viel Dreck aufgewühlt, der zahlreichen, angeblich sauberen Bürgern an der Weste klebte. Es war ein sehr schwieriges Kapitel deutscher Geschichte, das zu bewältigen ich niemanden beneidete.

Ein Portier avisierte mich. Ich wurde bereits erwartet und durchschritt eine Kontrollschleuse, wurde elektronisch gecheckt und fuhr dann hinab in den Keller. Dabei fielen mir meine sämtlichen Sünden aus der DDR-Zeit ein, obwohl ich zur Zeit der Wende erst neunzehn gewesen war.

Ich war bei der Wende sehr engagiert gewesen. In Leipzig hatten wir im Dezember ’89, gleich nach dem Fall der Mauer, die ›Runde Ecke‹ am Dittrichring besetzt, die dortige Zentrale des Staatssicherheitsdienstes mit über zweitausend Mitarbeitern.

Für mich waren es große Tage gewesen, besonders die in Berlin, als im November 1989 die Mauer geöffnet wurde, ein Jahrhundertereignis. Das würde ich nie vergessen!

Jetzt war das schon alles Geschichte. Doch ich bin dabeigewesen. Was ich mit dem Begrüßungsgeld der BRD anfing und wie ich den Westberliner Mädchen nachstellte, sei hier nicht weiter erwähnt. Auch die größten geschichtlichen Ereignisse haben ihre persönlichen und intimen Seiten.

Zurück zu meinem Besuch in der Gauck-Behörde. In einen Keller gebeten oder befördert zu werden, erweckte bei mir als ehemaligem DDR-Bürger sehr unangenehme Erinnerungen. Meine Kopfhaut prickelte unter dem blonden Haar. In den Stasi-Kellern hatte sich allerhand abgespielt, und manch einer war mit Zähnen hineingegangen, aber ohne wieder herausgekommen. Heutzutage gab es das nicht mehr, jedenfalls nicht in Deutschland.

Eine schwere Eisentür wurde geöffnet. Ich schaute auf meinen Ring. Keine Gefahr. Also lag kein dämonischer Einfluss vor. Mephisto, von Goethe im Faust treffend beschrieben, traute ich nicht über den Weg. Der Megadämon und Oberteufel konnte sich auch zu Behördenräumen Zutritt verschaffen, wie ich vor nicht allzu langer Zeit im Berliner Polizeipräsidium am Treptower Damm leidvoll erfahren hatte.

Jetzt begrüßte mich ein Mitarbeiter der Gauck-Behörde, ein jüngerer, agiler Mann. Er führte mich in einen modern eingerichteten Arbeitsraum, wo ein weiterer Mitarbeiter der Behörde saß und mich mit Handschlag begrüßte.

»Herr Hellmann«, sagte dieser etwas konservativ gekleidete Mann mittleren Alters, »vielen Dank, dass Sie unserer Einladung unverzüglich gefolgt sind. – Hatten Sie eine gute Fahrt von Weimar herüber?«

»Ja, danke. Können wir gleich zur Sache kommen? Sie werden mir doch hoffentlich nicht unterstellen, ein Stasi-Spitzel gewesen zu sein?«

»Nein. Wir wissen um ihre demokratische Gesinnung. Und sind auch informiert über ihre Einsätze zur Erlangung der Freiheit. Doch nehmen Sie erst einmal Platz. An dem runden Tisch dort.«

Ich setzte mich und schaute mich in dem nüchternen und zweckmäßig eingerichteten, fensterlosen Raum um. Was wollen die hier von mir? überlegte ich.

»Wollen Sie mir einen Orden verleihen?«, fragte ich die beiden gutgekleideten Männer mir gegenüber. »Was soll die Geheimniskrämerei?«

»Das hat nichts zu bedeuten. Hier ist das Archiv. Wir bitten um Ihre Mithilfe, um eine Besonderheit aus der DDR-Zeit aufzuklären. Wir hätten Sie auch in einem der oberen Büros empfangen können. Doch wir sind die Stelle, in der die kuriosesten und geheimnisvollsten Akten des MfS aufgearbeitet werden. Die X-Akten des MfS, möchte ich sagen. Vorfälle der höchsten Geheimhaltungsstufe, die über den Bereich des Normalen hinausgehen.«

»Wollen Sie damit sagen, in der DDr. hätte es Spuk und Geister gegeben?«, fragte ich die beiden Herren. Sie hatten mir ihre Namen genannt: Kuhn und Lewzewski. Kuhn war der Ältere, verbindlich, mit scharfen Augen. Ein Mann, dem man nichts vormachen konnte. »Paranormales? Am Ende noch Meldungen über fliegende Untertassen? Derlei Dinge wurden immer als Ausgeburten kapitalistischer Phantasten abgetan. Laut DDR-Propaganda hatten Hexen, Werwölfe, Vampire und anderes Gelichter im Sozialismus keinen Platz. Vermutlich weil man sie nicht systemkonform einschwören konnte. – Sie passten jedenfalls nicht ins sozialistische Weltbild, in keinen Fünf-Jahres-Plan, und sie wären als Systemabweichler zudem schlecht zu kontrollieren gewesen.«

Der Gauck-Mitarbeiter Kuhn seufzte, was ich von ihm nicht erwartet hätte. »Leider ist dergleichen aber doch vorgekommen«, sagte er. »Hier haben wir nämlich die Akte ›Werwolf‹, angelegt von der Stasi-Bezirkszentrale in Eisenach. Und raten Sie mal, wessen Foto ganz vorne in dieser Akte prangt?«

Ich riet lieber nicht. Ahnte es und sagte: »Zeigen Sie’s mir.«

Kuhn reichte mir die in einem unauffälligen grauen Schnellhefter befindlichen Papiere. Vorn waren säuberlich Name und Kennziffer des Vorgangs sowie ein paar bürokratische Kürzel aufgedruckt. ›MfS – streng geheim‹ las ich den Stempel. Daneben stand ein schwarzes X.

»Unbekannte Materie«, sagte Kuhn und deutete auf das X.

Ich öffnete die Akte, schlug das Anlageblatt um und schaute mir kurz drei Fotos an. Zwei der abgebildeten Personen, beides Männer, kannte ich nicht. Das Schwarzweißfoto der dritten Person versetzte mir einen Schock.

Das war nämlich ich selbst, 1975 aufgenommen, und ich sah so aus, wie ich heute leibte und lebte. Ich musste zweimal hinsehen. 1975 bin ich also in Eisenach fotografiert worden, dachte ich. Mehrmals schon hatte ich mich in die Vergangenheit versetzt. Einmal ins Jahr 1198, einmal ins Jahr 1583 … Von einem Zeitsprung in die jüngere deutsche Vergangenheit war mir bisher nichts bekannt gewesen. Was bedeutete, dass ich diesen Zeitsprung noch vornehmen würde.

Sicherheitshalber fragte ich: »Sie haben sich überzeugt, dass dieses Foto tatsächlich dreiundzwanzig Jahre alt ist? Nicht, dass wir hier über eine Fotomontage reden.«

»Herr Hellmann«, sagte Lewzewski, der zweite Gauck-Mitarbeiter im Raum, »wir sind keine Idioten. Die Akte und das Bild sind über zwanzig Jahre alt. In der Akte finden Sie Ihren Namen: Mark Nikolaus Hellmann. Dabei steht: Herkunft unbekannt, wahrscheinlich Westagent, Agitator. Gefährlichkeitsstufe eins. Die Beschreibung und das Foto sind absolut mit Ihnen identisch.«

Ich setzte mein Pokerface auf. Von meinen Zeitreisen und meiner Funktion als Träger des Rings wollte ich den beiden Männern freiwillig nichts erzählen.

»Wie erklären Sie sich das?«, fragte Kuhn. »Die Akte hat eine ganze Weile hier gelegen. Dann ist jemand von unserer Behörde durch einen Zufall darauf gestoßen, dass es einen Mark Nikolaus Hellmann, wie in der Stasi-Akte erwähnt, im Jahr 1998 tatsächlich gibt.«

»Hängt das mit den Vorfällen neulich im Berliner Polizeipräsidium zusammen?«, fragte ich.

»So könnte man sagen.«

Mephisto war beim Verhör des aus dem Jahr 1198 in die Gegenwart geratenen maurischen Kriegers Nasreddin al-Nasr aufgetaucht und hatte allerhand angerichtet. Seitdem galt ich, was allerdings nicht offiziell war, als Spezialist für übernatürliche Fälle. Ich fragte mich, wo mein Name noch überall gespeichert war, und brachte eine gallige Bemerkung über den Datenabgleich an.

Darauf gingen weder Kuhn noch Lewzewski ein.

»Meine Herren«, sagte ich, »es ist zutreffend, dass ich heutzutage einen gewissen Ruf genieße und bereit bin, heiße Eisen anzupacken. Aber Sie werden zugeben«, fuhr ich fort, »dass ich nicht schon vor dreiundzwanzig Jahren, dazu noch im selben Alter und mit demselben Aussehen wie heute, aktiv gewesen sein kann. Oder meinen Sie, dass ich, wie H. G. Wells in seinem Roman schrieb, eine Zeitmaschine erfunden hätte?«

Lewzewski wurde etwas lauter: »Wollen Sie sich über uns lustig machen?«

»Keineswegs. Aber Sie bestellen mich einfach hierher und veranstalten eine Rätselstunde. – Woher soll ich denn wissen, wie alte Stasi-Akten entstanden sind?«

Kuhn beschwichtigte. »Aber, aber, meine Herren, wir wollen doch miteinander und nicht gegeneinander arbeiten. Für Sie, Herr Hellmann, müsste es doch ebenfalls von enormem Interesse sein, zu erfahren, wie Ihr Name und Ihr Foto in die Stasi-Akte ›Werwolf‹ aus dem Jahr 1975 gelangt sind?«

Ich setzte mein unschuldigstes Gesicht auf und sagte: »Ich kann es mir einfach nicht vorstellen.«

Das hätte mir noch gefehlt, bei einer Behörde zu gestehen, dass ich Zeitreisen unternehmen konnte. Mit meinem magischen Ring. Ich wollte weder ein Studienobjekt werden, noch mich in der Psychiatrie wiederfinden. Die Sensationspresse sollte sich mir nicht auf die Fersen heften. Meist sickerte doch etwas durch. Auch wollte ich meinen Ring nicht an irgendwelche Wissenschaftlichen Institute abgeben, damit sie ihn mit allen möglichen Methoden untersuchten, womöglich bestrahlten und am Ende noch zerstörten. Zumindest seine besonderen Funktionen.

Der Ring war mein bestes Mittel im Kampf gegen Mephisto. Schließlich stand ich ganz oben auf seiner Abschussliste. Mir drohte ein Schicksal, das viel schlimmer war als der Tod. Da riskierte ich lieber nichts.

Die beiden Behörden-Mitarbeiter reagierten enttäuscht, weil sie von mir nichts erfahren konnten.

»Schade«, sagte Kuhn. »Wir hatten gehofft, Sie könnten uns weiterhelfen. Es ist schwer einzusehen, dass Sie damals einen Doppelgänger mit exakt demselben Aussehen und Ihrem Namen gehabt haben sollen.«

»Tja«, sagte ich. »Lassen Sie mich mal die Akte lesen. Vielleicht fällt mir dann etwas ein.«

Ich durfte. Die Eisenacher Stasi hatte wegen gewisser Vorfälle ermittelt und trotz größter Vorbehalte beinhart den Begriff ›Werwolf‹ aufs Tapet gebracht.

Es handelte sich um die Geschichte eines Leutnants der Roten Armee. Er hieß Sergej Nikolajewitsch Kagunin und war in der Nähe von Eisenach stationiert gewesen, zu einer Zeit, als die Mauer ihr vierzehnjähriges Bestehen feierte und der Sozialismus noch in voller Blüte stand. Ich war damals, was ich den Behörden-Mitarbeitern Kuhn und Lewzewski deutlich sagte, fünf Jahre alt gewesen.

***

1975 – Geschichte des Sergej Nikolajewitsch Kagunin: »Geh nicht bei Vollmond in den Wald, moj wnutschkek – mein Enkelchen«, sagte die Großmutter Elisaweta. »Der Wolfspope streift umher. Wenn er dich erwischt, bist du tot. Oder, noch schlimmer, dann wirst du ein Werwolf wie er.«

Sergej Kagunin stand in seiner erdbraunen Uniform mit den Rangabzeichen eines Leutnants der Roten Armee vor der alten Babuschka in ihrer ärmlichen Hütte. Der 27jährige Leutnant, hochgewachsen, dunkelhaarig, mit einem schmalen Oberlippenbart, war ein attraktiver, schneidiger Mann, der Stolz seiner Familie und des ganzen Dörfchens, aus dem er stammte. Es lag am Ufer des Cusavaja-Flusses im mittleren Ural.

Kagunin hatte weit weg, in Kalinin, die Militärakademie absolviert. Seit zwei Jahren war er in der DDr. stationiert, in der Nähe von Eisenach. Dies war sein erster Besuch bei seinen Verwandten in dem Dorf Lubva. Sergej Kagunin hatte inzwischen selbst eine Familie. In Kalinin hatte er die hübsche Tatjana Mitrailowa kennengelernt und zum Abschluss seiner Akademiezeit geheiratet.

Auf der Halbinsel Sachalin, hoch im Norden, gottverlassen, wo Kagunin zuerst stationiert war, wurde ihre Tochter Soja geboren, heute zwei Jahre alt. Sergej Kagunin liebte seine Frau und die kleine Soja sehr. Er war überhaupt ein Mustersoldat, gehorsam, aber ein Draufgänger. Die Riesenentfernungen, über die er jeweils versetzt wurde, waren in der UdSSR, dem größten Land der Erde, normal.

Breschnjew regierte im Kreml. Die atomaren Langstreckenraketen der UdSSR bedrohten die westliche Welt. In den USA hatte Gerald Ford den über die Watergate-Affäre gestolperten Richard Nixon als Präsidenten abgelöst.

Die Vietkong berannten Saigon, und die Weltmacht USA stand vor dem Schock einer schweren militärischen Niederlage. So sah die Welt aus, in der der Leutnant Sergej Kagunin lebte. Er war überzeugter Kommunist und glaubte felsenfest daran, dass die UdSSR, die wie Kuba an viele Krisenherde ihre Militärberater schickte, eines Tages die allein führende Weltmacht sein würde. Die Weltrevolution würde den Kapitalismus zerschlagen.

Dann würden glorreiche Zeiten beginnen.

Kagunin fühlte sich durchaus wohl in der DDr. und nahm seine Aufgabe als russischer Offizier und Besatzungssoldat ernst.

Über die Werwolfwarnung seiner fast blinden Großmutter lachte er nur gutmütig.

»Babuschka – Großmutter«, sagte er zu der alten Frau im derben Leinenkleid, die Holzpantinen an den Füßen trug. »Der Kommunismus hat mit solch abergläubischen Vorstellungen für immer aufgeräumt. – In welcher Zeit lebst du eigentlich? 1918 war die Oktoberrevolution. Zar Nikolaj und der dämonische Mönch Rasputin, zu deren Zeit abergläubische Vorstellungen wie die Deinen gediehen, sind schon lange tot.«

»Damals war ich schon einundzwanzig«, sagte die Großmutter. »Aber das tut nichts zur Sache. Ich weiß, was ich weiß. Ihr meint, weil ihr Kraftwerke baut, Atome spaltet und Raketen ins Weltall schießt, haben die Mächte der Finsternis keine Kraft mehr? – Wisse, Söhnchen, lange bevor die Menschheit entstand, sind die Dämonen der Nacht schon vorhanden gewesen. Sie sind stärker als alle Wissenschaft.«

Kagunin seufzte. Was für eine dumme alte Frau, dachte er. Wenn ihm einer von seinen Soldaten mit solch abergläubischen Sprüchen gekommen wäre, hätte er ihn für mindestens eine Woche in den Bau gesteckt und anschließend zur Umerziehung geschickt.

Der Leutnant liebte jedoch seine Großmutter und vermied jedes böse Wort. Er legte der Babuschka die Hände auf die Wangen und küsste sie auf den faltigen Mund.

»Babuschka Olga, heute nacht gehe ich in den Wald und schieße ein Reh oder einen Hirsch. Wir werden einen Festbraten haben. Du sollst roten Wein und Wodka trinken, fröhlich sein mit mir, deinen anderen Verwandten, den Nachbarn und Freunden. – Der Wolfspope, bah, was für ein Unsinn! Man könnte glauben, Lenin und Marx hätten umsonst gelebt, wenn man dich sprechen hört. – Babuschka, Babuschka, was hast du nur gelernt in den letzten fünfundsechzig Jahren?«

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