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Mark Hellmann - Folge 14

Inhalt

  1. Cover
  2. Über diese Serie
  3. Über diese Folge
  4. Über den Autor
  5. Impressum
  6. Stratophanus
  7. In der nächsten Folge

Mark Hellmann – Der Dämonenjäger

In einer uralten Prophezeiung heißt es:

Wenn der Teufel über Weimar dahinreitet, bricht eine Zeit des Schreckens an: Plagen kommen über die Stadt und die Toten stehen auf aus ihren Gräbern. Wehe der Stadt - und wehe dem, der dem Herrn des Schreckens begegnet! - Nur einer ist fähig, sich der Finsternis zu stellen und das Böse zu bannen. Ein Sohn unserer Stadt, der Kämpfer des Rings. Doch sollte jener versagen, wird sich von Weimar aus Finsternis über das Land ausbreiten. Dann beginnt die Herrschaft des Satans.

Sein Name ist Mark Hellmann. Er ist Dämonenjäger und Kämpfer des Rings. Und Versagen ist keine Option.

Im Osten ist die Hölle los – und nur einer kann es mit der Finsternis aufnehmen: Mark Hellmann – Dämonenjäger, Kämpfer des Rings und Zeitreisender.

Über diese Folge

»Wir durchfliegen gerade den Luftraum des Bermuda-Dreiecks«, sagte der Kapitän zu seinem Kollegen im Cockpit. »Gleich werden wir alle verschlungen!« Drei der vier Crew-Mitglieder lachten über die Bemerkung des erfahrenen Flugkapitäns, die sie als Scherz auffassten – doch das Schicksal der vierhundert Menschen in der Boeing 747 war längst besiegelt. Erst spielte der Kompass verrückt, dann streikte das Bordradar, und bald fielen sämtliche Computer aus …


Im Osten ist die Hölle los – und nur einer kann es mit der Finsternis aufnehmen:
Mark Hellmann – Dämonenjäger, Kämpfer des Rings und Zeitreisender.

Über den Autor

C. W. Bach ist 1938 in Weimar geboren. An der Universität in Erfurt studierte er unter anderem Germanistik und Neuere Geschichte, ehe er viele Jahre als freier Journalist sowie als Autor für Theater und Film gearbeitet hat. Schon seit seiner frühen Kindheit liebte er es, schauerliche Horrorgeschichten zu erzählen und diese Vorliebe blieb ihm bis heute erhalten. Heute lebt er mit seiner Frau und ihrem gemeinsamen Kind in einem kleinen Vorort von Berlin.

Stratophanus

»Wir durchfliegen gerade den Luftraum des Bermuda-Dreiecks«, sagte Kapitän George C. Everett zu seinem Kollegen im Cockpit. »Wenn wir Pech haben, werden wir alle gleich von außerirdischen Monstren gekidnappt …«

Drei der vier Crew-Mitglieder lachten über die Bemerkung des erfahrenen Flugkapitäns, die sie als Scherz auffassten. Besatzung und Passagiere zusammengerechnet, flogen in dem Giganten der Lüfte vierhundert Menschen mit.

Captain Everett, in tadelloser Uniform, ein hochgewachsener, dunkelhaariger Mann, hatte gerade ausgesprochen, als sämtliche Instrumente verrückt spielten. Der Kompass zeigte alle möglichen Richtungen an. Das Bordradar streikte. Der Höhenmesser machte in kurzen Abständen unterschiedlichste Angaben, die niemals zutreffen konnten. Die Treibstoffanzeige irritierte den Kapitän mit rasch wechselnden Informationen. Und dann fielen sämtliche Computer aus …

Captain Everett hatte bereits die Lichter der Stadt Miami in Südflorida vor sich gesehen. Jetzt erstreckte sich vor der Boeing eine riesige Nebelbank, in die sie hineinflog. Selbst das Geräusch der vier mächtigen Triebwerke veränderte sich und wurde zu einem hohen und schrillen Singen.

Der Funker hatte die Maschine – QUAm Flug 1088 New York-Miami – bereits über Funk beim Miami International Airport angemeldet.

»An Bord alles okay«, hatte er durchgegeben. »Erbitten Landeerlaubnis …«

Dann riss der Kontakt ab. Der Funker erhielt keine Antwort mehr vom Tower in Miami. Er drückte sämtliche Tasten herum, schaltete um; alles vergeblich. Captain Everett versuchte, vom Autopiloten auf manuelle Steuerung zu wechseln. Es klappte nicht. Das Steuerhorn bewegte sich selbstständig. Eine fremde Macht hatte die Kontrolle über die Boeing 747 übernommen!

»Gott sei uns gnädig«, flüsterte der Co-Pilot. »Im Bermuda-Dreieck sind schon Hunderte von Schiffen und Flugzeugen spurlos verschwunden. Jetzt sind wir an der Reihe. Wir wollen aber nicht sterben …«

Captain Everett fuhr ihn barsch von der Seite an: »Halt den Mund, Ed!« Und gleichzeitig versuchte Everett alle Manöver und Tricks, die ihm aus unzähligen Schulungen und jahrelanger Praxis bekannt waren.

Plötzlich tippte ihm eine eiskalte Hand auf die Schulter.

Als sich der Captain umschaute, sah er die Horrorgestalt vor sich! Hochgewachsen, mit schwarzem Schlapphut, unter dem sich eine Kreuzung zwischen Skelettfratze und Clownsgesicht befand. Mit glühenden Augen, rot geschminktem Mund und langen, spitzen Vampirzähnen. Der Unheimliche trug ein schwarzes Cape um die eckigen Schultern. Er hatte Skeletthände, aus denen rasiermesserscharfe Klingen hervorschnellten.

Mörderische Waffen! Der Skelettmann trug dunkle Hosen und hatte einen enganliegenden Pullover aus hellblauem Material mit einem kreisenden Digitalzeichen auf der Brust. Es stellte eine Spirale dar, aus der eine pechschwarze Klauenhand ragte. Irgendwelche Waffen, von seinen Scherenhänden abgesehen, waren bei dem Skelettmann nicht zu erkennen.

»Wie kommt der hierher?«, polterte der Kapitän.

»Der stand plötzlich da«, antwortete der Navigator mit bebender Stimme. »Wie aus dem Nichts aufgetaucht.«

Der Skelettmann schien zu grinsen. Er trug massive Metallschuhe und einen Metallgürtel. Der »Körper« füllte die Kleidung aus, aber es war nicht festzustellen, ob sich nur Knochen oder eine kompakte Gestalt darunter befanden.

»Ich bin Stratophanus, ein Streamer«, sagte er mit hohler, geisterhafter Stimme. »Ich reite mit den Jet-Streams.« Das waren die Höhenwinde, die rund um den Globus bliesen und die Reisezeit eines Flugzeugs ganz erheblich beeinflussen konnten. »Ihr werdet mich jetzt in mein Reich begleiten.«

»Was soll dieser Mummenschanz?«, rief Captain Everett. »Was bilden Sie sich eigentlich ein?«

Stratophanus’ Skeletthand zuckte blitzschnell vor. Die fünfzehn Zentimeter langen Klingen durchtrennten die Kehle des Flugkapitäns in Sekundenbruchteilen! Blut spritzte durchs Cockpit. Sterbend sank Everett im Pilotensitz nieder, und das Lebenslicht in seinen Augen erlosch.

»Ist noch jemand da, der meint, es wäre Mummenschanz?«, fragte Stratophanus gefährlich leise.

Alle Crew-Mitglieder schüttelten den Kopf. Der geschockte Funker sprach ins Mikro. Verzweifelt versuchte er, eine Meldung abzusetzen. Es gelang, und Sie wurde im Tower des Miami International Airports empfangen, während in dem Jumbo kein Funkspruch mehr einging.

»Hier QUAm-Flug 1088«, gab der Funker durch. »Haben Hijacker an Bord! Unbekannte Person tötet Chefpiloten und befiehlt Kursänderung! Bordinstrumente spielen verrückt. Sicht gleich null. Fliegen in weißem Nebel. – QUAm 1088 – Notruf. Wurden gekidnappt. Bermuda-Dreieck …«

Im Tower des Miami International Airports, wo seine Meldung einging, waren die Männer der Flugsicherung wie elektrisiert.

Atmosphärische Störungen zerhackten den Notruf. Einzelne Silben gingen unter, ließen sich jedoch aus dem Gesamtzusammenhang heraus ergänzen. »Totenkopfgesichter, Schlapphüte und glühende Augen. Messerhände und Trikots mit Digital-Spiralemblem auf der Brust. Die eine Person ist weiblich. – Was sind das für Ungeheuer? Der Himmel möge uns retten! – Ist das das Geheimnis des Bermuda-Dreiecks? Wir …«

Jäh brach der Funkkontakt ab, diesmal endgültig. Nur noch ein Rauschen war zu hören.

Einer im Tower wetterte: »Diese Crew ist mit Drogen vollgepumpt! Die sind alle high und haben Halluzinationen!«

Die gläsernen Wände boten eine Rundumsicht. Das Ausschlaggebende verfolgten die Flutlotsen jedoch am Radarbildschirm. Es war Abend, die Dämmerung schon hereingebrochen, das Flughafengelände wie die Millionenstadt Miami hell erleuchtet.

»Ich habe die Maschine nicht mehr auf dem Radarschirm«, rief der zuständige Controller Sekunden später in die Runde. »Sie war plötzlich weg.«

»Ist sie ins Meer gestürzt?«

»Nein. Von einem Moment zum andern verschwunden.«

Die Fluglotsen schauten sich ratlos und entsetzt an.

Dann erklärte ein Controller tonlos: »Das Bermuda-Dreieck hat sie verschlungen. Wie viele andere vor ihnen. Ein vollbesetzter Jumbo-Jet – das ist eine Katastrophe!«

Die Diensthabenden verständigten die Flughafenleitung, den Katastrophendienst und die Seenotrettung … Von Fort Lauderdale stiegen innerhalb weniger Minuten Jagdflieger auf, um nach dem Verbleib der Boeing 747 zu forschen. Schnellboote von Marine und Küstenwache preschten mit Höchstgeschwindigkeit in das vermutete Absturzgebiet.

Dort wollte man nach Wrackteilen und nach Leichen suchen. Dass es bei einem Absturz aus fünftausend Metern Höhe Überlebende gab, konnte sich niemand vorstellen.

 

Die Jagdfliegerstaffel blieb bei ihrer Suche genauso erfolglos wie die übrigen Einheiten. Die Boeing 747 war nicht zu lokalisieren, nicht mal ein Wrackteil oder Ölfleck zu entdecken. Kein Kabinensitz, keine Rettungsweste, kein Gepäckstück, nichts.

Die Medien standen kopf bei der Sensationsnachricht, die sich über die Nachrichtenagenturen weltweit im Nu verbreitete: Jumbo-Jet mit vierhundert Menschen an Bord im Bermuda-Dreieck verschollen.«

***

Um 22 Uhr saß ich in der »Sonntagabend-Revue« des RIAS-Berlin, von wo aus live übertragen wurde. Ich hatte mich modisch angezogen, ohne Krawatte allerdings; die mir seit jeher wie eine Henkersschlinge vorkam. Um 21 Uhr hatte die Talk-Show begonnen, die von Linda Ronstadt, dem aufsteigenden Stern am Talkmasterhimmel, moderiert wurde. Außer mir – Mark Hellmann – waren ein Geschichtsprofessor, der sich der Störtebeker-Forschung verschrieben hatte, ein hoher Beamter der McPomm-Behörde für Denkmalsschutz und ein passionierter Schatzsucher geladen. Außerdem die Sprecherin der Störtebeker-Gesellschaft, der Okkultist »Mysterion« sowie ein Universitätsdozent, der bereits mehrere Fachbücher über versunkene Schätze sowie einen hanebüchenen Störtebeker-Roman verfasst hatte.

Der leicht stotternde Autor hatte sich zudem intensiv mit der Hanse befasst. In ihren Glanzzeiten hatte dieser bekannte Kaufmannsbund des Mittelalters über tausend Kontore, Höfe und Niederlassungen in fast allen Ecken der Welt unterhalten.

Meine Entdeckung des Störtebeker-Schatzes im Norden der Insel Usedom war eine Sensation gewesen. Nach der Bergung war ich nach Weimar zurückgekehrt und hatte dort keine ruhige Minute mehr gehabt. Die Medien suchten mich heim. Max Unruh, der Chefredakteur der »Weimarer Rundschau«, verlangte einen ausführlichen Bericht über die Schatzsuche. Ich lieferte eine Fortsetzungsgeschichte und wurde fair honoriert. Tja, es ging wohl aufwärts mit meinem Kontostand. Hoffentlich hielt diese Entwicklung an. Andere Zeitungen und sogar das Fernsehen standen mit mehreren Teams bei mir auf der Matte. Ich ließ mich interviewen – und kassierte …

Auf Usedom, wo ich mit der Kontrolle des Schatzes beschäftigt gewesen war, den die Mecklenburg-Vorpommersche Landesregierung zuerst einmal unter Verwahrung nahm, hatte ich es aushalten können. In Weimar jedoch wurde mir der Medienrummel lästig. Auch besannen sich alle möglichen und unmöglichen Leute auf mich; alte Freunde, gute Bekannte, die meinten, ich sei nun stinkreich geworden und könne mit ihnen teilen.

»Mark«, hörte ich öfter, »man hört wegen des Störtebeker-Schatzes von riesigen Summen. Da das alles dir gehört, kannst du mir sicher aufgrund unserer alten Freundschaft mit ein paar tausend Mark unter die Arme greifen. Ich hatte so verdammtes Pech …«

Manche von diesen alten Freunden und guten Bekannten hauten fürchterlich auf die Kacke. Ein Schulkamerad, der als Volkspolizist und Stasi-Spitzel Karriere gemacht hatte und den heutzutage viele nicht mal mehr mit dem Hinterteil ansahen, jammerte mir fürchterlich einen vor.

»Denk an unsere Schulfreundschaft, Mark«, lamentierte er. »Wir haben zusammen Fußball gespielt und sind im selben Sportverein gewesen. Gemeinsam sind wir zur Jugendweihe gegangen.«

»Damals hatte ich mich schon von dir abgewendet, weil du deine eigenen Eltern bei der Stasi verpfiffen hattest«, sagte ich ihm auf der Weimarer Kulturmeile. »Weil sie Westfernsehen geschaut haben. »Wie viele hast du nach Bautzen gebracht? In dieses berüchtigte Zuchthaus. Wem hast du alles die Firma Schleich und Horch auf den Hals gehetzt?« So hatte im DDR-Jargon der Staatssicherheitsdienst geheißen, mit Zentrale in Berlin und mit Mielke als oberstem Chef. »Wie viele Menschen hast du ins Unglück gestürzt und auf dem Gewissen? Falls du weißt, was das ist.«

»Ich habe es für den Sozialismus getan«, behauptete der Schulkamerad.

»Dann marschier hin zum Sozialismus und pumpe den an. Und geh mir aus den Augen. Mir wird übel, wenn ich dich sehe. Viele haben an den Sozialismus geglaubt. Doch es ist immer eine Frage der Menschlichkeit und des Charakters, wie sich jemand verhält, gleich unter welchem System. Dir hat es Spaß gemacht, Leute zu bespitzeln und ans Messer zu liefern. Du hast die Macht genossen, die dir deine Stellung verlieh, und sie weidlich ausgekostet. Die Quittung dafür hast du gekriegt.«

Der Schulfreund versuchte sich zu verteidigen: »Es hat größere Verbrecher als mich gegeben. Von mir stammt der Schießbefehl an der Mauer nicht!«

»Stimmt, der größte Verbrecher warst du nicht. Aber ein mieses, kleines Schwein, das Mitmenschen in den Ruin, ins Zuchthaus und sogar in den Selbstmord getrieben hat.«

An diese Begegnung dachte ich, als ich im Fernsehstudio vor den laufenden Kameras saß. Ich war prominent geworden, und ich sonnte mich sogar etwas in dem Ruhm.

Finderlohn hatte ich noch keinen gekriegt. Das einzige, was ich bisher erhalten hatte, das hatte ich einfach nicht hergegeben, war Klaus Störtebekers Schwert. Damit hatte ich den Teufel vom Nil, Seth-Suchos, hoffentlich endgültig getötet. Außerdem seinen Butler, den Riesenkraken Destry.[1] Auf der »Titanic« war ich zuerst auf die beiden gestoßen.[2] Die Landesregierung von McPomm wollte zuerst einmal feststellen lassen, ob der von mir auf Usedom gefundene Schatz tatsächlich von dem Seeräuber Störtebeker stammte, wie die Rechtslage war, ob es noch andere gab, die Anspruch auf den Schatz erheben konnten, welchen Wert er exakt hatte … Die Gutachten würden dauern und viel kosten …

Ich hatte mich umgehorcht. Auf zehn Prozent Finderlohn hatte ich angeblich Anspruch, wenn es sich tatsächlich um den Störtebeker-Schatz handelte. In Gedanken kaufte ich meinem hinterhältigen Vermieter bereits über einen Mittelsmann die Bude ab und setzte den kleinen Sachsen, der mich schon viel zu lange schikanierte, vor die Tür …

Den Finderlohn konnte ich gut gebrauchen. Seit ich als Träger des Rings gegen die Mächte der Finsternis und das Böse kämpfte, hatte ich kein regelmäßiges Einkommen als Reporter mehr. Zwar hatte ich Honorare erhalten, von der Sippe des Earl of Dundee in Schottland,[3] von der Berliner Kripo eine Aufwandsentschädigung für mein Auftreten bei der Vernehmung des aus dem 12. Jahrhundert gekommenen arabischen Kriegers Nasreddin al Mansur im Berliner Polizeipräsidium[4] sowie vom Senat der Stadt Berlin, auf Umwegen über einen Sonderfonds, wegen meines Eingreifens im Kampf gegen Brutus Kasput, den König der Ghule, der mit seiner Tochter Medusa zusammen unter den Straßen der Hauptstadt sein Unwesen getrieben hatte.[5] Doch keiner dieser Beträge war so hoch wie die aktuelle Honorarflut, die ich vorhin gerade angesprochen habe. Gern ließ ich mich von ihr überrollen …

Tessa Hayden, meine Dauerfreundin, war trotzdem der Meinung, ich würde mich für meine mehr als lebensgefährliche Arbeit mit viel zu wenig Geld abspeisen lassen.

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