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Mark Hellmann - Folge 15

Inhalt

  1. Cover
  2. Über diese Serie
  3. Über diese Folge
  4. Über den Autor
  5. Impressum
  6. Die Werwolfsbrut von Weimar
  7. In der nächsten Folge

Mark Hellmann – Der Dämonenjäger

In einer uralten Prophezeiung heißt es:

Wenn der Teufel über Weimar dahinreitet, bricht eine Zeit des Schreckens an: Plagen kommen über die Stadt und die Toten stehen auf aus ihren Gräbern. Wehe der Stadt - und wehe dem, der dem Herrn des Schreckens begegnet! - Nur einer ist fähig, sich der Finsternis zu stellen und das Böse zu bannen. Ein Sohn unserer Stadt, der Kämpfer des Rings. Doch sollte jener versagen, wird sich von Weimar aus Finsternis über das Land ausbreiten. Dann beginnt die Herrschaft des Satans.

Sein Name ist Mark Hellmann. Er ist Dämonenjäger und Kämpfer des Rings. Und Versagen ist keine Option.

Im Osten ist die Hölle los – und nur einer kann es mit der Finsternis aufnehmen: Mark Hellmann – Dämonenjäger, Kämpfer des Rings und Zeitreisender.

Über diese Folge

Das siebenzackige Mal auf meiner Brust juckte. Etwas Dämonisches musste in der Luft liegen, aber ich konnte mir nicht erklären, was es war. Um einen klaren Kopf zu bekommen, ging ich joggen. Erst quer durch die Stadt, dann im Park an der Ilm. Das Knurren hörte ich noch, da sprang mir plötzlich eine riesige Wolfsbestie mit einem gewaltigen Fünf-Meter-Satz direkt an die Kehle! Viel schlimmer konnte es nicht kommen, dachte ich mir. – Doch da hatte ich auch noch keine Zeit gehabt, mich zu wundern, warum mich mein verdammter magischer Ring nicht gewarnt hatte …


Im Osten ist die Hölle los – und nur einer kann es mit der Finsternis aufnehmen:
Mark Hellmann – Dämonenjäger, Kämpfer des Rings und Zeitreisender.

Über den Autor

C. W. Bach ist 1938 in Weimar geboren. An der Universität in Erfurt studierte er unter anderem Germanistik und Neuere Geschichte, ehe er viele Jahre als freier Journalist sowie als Autor für Theater und Film gearbeitet hat. Schon seit seiner frühen Kindheit liebte er es, schauerliche Horrorgeschichten zu erzählen und diese Vorliebe blieb ihm bis heute erhalten. Heute lebt er mit seiner Frau und ihrem gemeinsamen Kind in einem kleinen Vorort von Berlin.

Die Werwolfsbrut von Weimar

7. Februar 1998: Fünfzigtausend Zuschauer bevölkerten das Minami-Stadion in Nagano, vor der schneebedeckten Kulisse der japanischen Alpen. Beobachtet von einem blutrünstigen Werwolf, der hechelnd aus dem Fenster eines der höchsten Gebäude der Olympiastadt schaute.

Japans Tenno eröffnete feierlich die 18. Olympischen Winterspiele. Midori Ito, die Eiskunstlauf-Weltmeisterin 1989, in die farbenprächtige Tracht einer japanischen Priesterin gekleidet, entzündete das olympische Feuer.

Der Werwolf bleckte die Zähne, als das Feuer im Bronzebecken aufflammte und die olympische Hymne erklang. Ihm war alles andere als feierlich zumute. Er spürte nur fressenden Hass, den Ausbruch der kommenden Gewalt und Blutdurst in seinem Innern.

Er war der Werwolf-Samurai. Ein großer Coup noch, und er würde den Zenit seiner Laufbahn erleben.

***

Carl Wittstock und Tamara Hösch, 22 und 19, aus Halle und Berlin, waren eins der deutschen Eistanzpaare, die in Nagano ums Olympische Gold kämpfen sollten. Sie waren hochmotiviert und konnten gegen die Weltbesten durchaus bestehen.

Tamara, der kleine, schwarzhaarige Wirbelwind, fegte in ihrer Lieblingsfarbe Rosé über das Eis. Zeigte artistisches Können, gepaart mit Grazie und Charme, was die Herzen der Zuschauer höherschlagen ließ. Der dunkelblonde, lockige Carl Wittstock und Tamara waren ein Traumpaar.

Nach den anstrengenden Eröffnungsfeierlichkeiten und einem Bankett brachte Carl seine Partnerin zu ihrem Quartier im Olympischen Dorf. Tamara trug einen Weißfuchsmantel über dem Abendkleid. Der Eistänzer Carl, mehr als einen Kopf größer als sie, hatte einen Anorak über dem Smoking.

»Ich gehe noch mal raus«, sagte er und schickte sich an, das Hotel zu verlassen. »Nach dem ganzen Rummel muss ich mir die Füße vertreten.«

»Geh nicht zu spät ins Bett. Wir müssen morgen fit sein.«

Carl Wittstock winkte ab. »Du weißt, dass ich Nerven wie Drahtseile habe und der Diszipliniertere von uns beiden bin.«

Die bildhübsche Tamara reckte sich auf die Zehenspitzen und drückte ihm einen freundschaftlichen Kuss auf die Lippen. Die Tür schloss sich hinter ihr.

Carl Wittstock fuhr im Lift in die pompöse Hotelhalle. Eine finnische Delegation begegnete ihm. Er hörte alle möglichen Sprachen. Nagano war in diesen Tagen der Nabel der Welt, auf den alle schauten. Jeden Tag lieferten die Medien rund um die Uhr die Berichte. Glanzvolle Tage standen bevor, Wettkämpfe der Nationen. Hoffnungen würden sich erfüllen oder zerschlagen, persönliche Triumphe und Tragödien entstehen.

Einzelne Namen würden im glanzvollen Ruhm, Olympiasieger geworden zu sein, erstrahlen. Carl hoffte, seiner würde dabeisein.

Der Page riss ihm die Hoteltür weit auf. Der junge Japaner schaute den Olympiateilnehmer an wie ein Idol und wünschte ihm einen guten Abend.

Carl Wittstock antwortete ihm in der Landessprache, von der er ein paar Brocken gelernt hatte. Er ging vom Hotel weg und strebte ruhigeren Gassen des Olympischen Dorfs zu.

Milliarden würden die Spiele kosten. Ein paar Tausend Aktive standen einer Milliarde Zuschauer gegenüber!

Carl Wittstock kannte die Zahlen. Sie interessierten den Chemiestudenten aus Halle weder besonders, noch beeindruckten sie ihn. Für ihn zählte die persönliche Note. Bisher empfand er die Japaner als sehr herzlich und aufgeschlossen. Der ungeheure Rummel, der um die Spiele gemacht wurde, irritierte ihn, was er sich jedoch nicht anmerken ließ.

Der schlanke Eistänzer verspürte das Verlangen nach einer Zigarette. Gelegentlich genehmigte er sich eine. Er war auch einem Drink nicht abgeneigt und hatte eine Freundin, jedoch nicht Tamara, mit der ihn nur sportliche Interessen verbanden.

Askese, davon war Carl überzeugt, schadete mehr, als sie nutzte. Sie erzeugte nur unnötige innere Spannungen. Der Sportler aus Halle war lebensfroh und genoss seine Popularität.

Während er durch das Olympische Dorf in eine stillere Region ging, malte er sich aus, wie sehr sich eine Olympiamedaille für ihn auszahlen würde. Das Olympische Metall würde ihn und Tamara zu Millionären machen. Durch Werbeverträge und unzählige öffentliche Auftritte.

Dann zahlten sich das harte Training von Kind auf aus; die Entbehrungen, die ungeheure Mühe, die Selbstdisziplin.

Carl schaute zu den schneebedeckten Gipfeln der Hidakette nördlich von Nagano. Das Mondlicht beschien sie. Ehern und ewig ragten die Berge auf, wuchtige, grandiose Monumente. Ihr Anblick beruhigte den jungen Olympioniken nach dem Betrieb und dem Rummel.

Seit seiner Ankunft in Nagano City vor zwei Tagen hatte er kaum eine ruhige Minute gehabt. Jetzt dagegen atmete er tief durch.

Carl sah einen Schnellzug nach Tokio in einiger Entfernung vorbeirasen. Auf dem Joshinetsu Expressway fuhren Autos. Die Scheinwerfer, die Carl von seinem erhöhten Standpunkt an der Nordseite des Olympischen Dorfs aus sah, wirkten wie Lichterketten.

Nagano City war hell erleuchtet. Der junge Deutsche würde sich auch nach Jahren noch nicht an die japanischen Schriftzeichen gewöhnen. Er wusste es. Er befand sich bei aller Weltläufigkeit und internationalem Rummel in einer anderen Welt.

Carl stellte sich in den Schatten am Zaun, der das Olympische Dorf umgab. Fingerte das Zigarettenpäckchen aus der Tasche und zündete sich eine an. Einen Glimmstengel wollte er sich gönnen, ob er nun damit dem Idealbild des enthaltsamen Sportlers entsprach oder nicht.

Tief sog Carl Wittstock den Rauch ein. Dabei war ihm, als ob ihn ein kalter Hauch streifte. Seine Nackenhärchen sträubten sich. Er spürte etwas Unheimliches, die drohende, auf ihn lauernde Gefahr.

Blitzschnell wirbelte er herum. Doch was auf ihn zulief, war nur ein magerer Hund mit struppigem Fell. Der Deutsche lachte über seinen Schreck.

»Wie kommst du denn ins Olympische Dorf?«, fragte er. »Leider habe ich keinen Knochen für dich.«

Der Hund blieb vor Carl Wittstock stehen. Der Eistänzer bückte sich, um ihn zu streicheln.

»Braver Hund. Oder verstehst du nur Japanisch?«

Der Hund, eine Art Huskie, knurrte grollend und tief. Das warnte Carl. Das Knurren schien tief aus dem Innern der Erde zu dringen. Es war viel lauter und drohender, als man es einem Hund zutrauen sollte, der nur halb so groß war wie ein Schäferhund.

»Was ist los mit dir?«, fragte Carl.

Der Hund begann plötzlich zu leuchten. Fahles, fluoreszierendes Licht umloderte ihn. Seine Augen glühten. Der Vierbeiner begann zu wachsen und zeigte plötzlich fingerlange Reißzähne.

Eiskalter Schweiß brach Carl Wittstock aus. Sein Herz hämmerte plötzlich. Er ließ die Zigarette fallen und wich an den Zaun zurück. Die rotglühenden Augen des unheimlichen Hundes fixierten ihn.

»Ich bin Ikyu«, hörte Carl eine Stimme in seinem Kopf. »Werwolf und Samurai.«

Japanische Worte folgten. Carl fragte sich, ob er träumte oder wachte. Da sprang ihn die Bestie an! Zwei, drei scharfe Bisse zerfetzten Carls Anorak und drangen ihm in die Schulter, den Arm und den Oberschenkel.

Er rang mit dem Hund. Der war jedoch viel schwerer, als es seiner Größe entsprach, und entwickelte ungeheure Kräfte. Der durchtrainierte Eistänzer trat mit aller Kraft in den Bauch des Werwolfs, der sich auf die Hinterbeine aufgerichtet hatte.

Ein heftiger Schmerz verriet Carl, dass er sich den Fuß verstaucht hatte. Es war, als ob er mit voller Wucht gegen ein steinernes Denkmal getreten hätte.

Hechelnd und knurrend schüttelte ihn der Werwolf. In Todesangst schrie der Deutsche gellend um Hilfe. Carl war alles andere als feige. Doch jetzt wusste er sich keinen anderen Rat.

Als Sicherheitskräfte herbeieilten, ließ der Höllenhund endlich von Carl ab und hetzte mit langen Sprüngen davon. Er verschwand hinter ein paar Wohnbaracken.

Carl saß im Schnee, als fünf Sicherheitsmänner ihn fanden. Brennende Schmerzen strahlten von seinen blutenden Wunden durch seinen ganzen Körper aus.

In Englisch berichtete er den Security Guards, alles Japanern, von dem unheimlichen Hund, der ihn angefallen und gebissen hatte. Ein Sicherheitsdienstler sprach sofort in sein Walkie-talkie und forderte einen Krankenwagen an.

Dieser erschien ohne Blaulicht und Sirenengeheul, um kein Aufsehen zu erregen. Nach fünf Minuten schon war er da. Inzwischen hatten die Security Guards, alle im olivgrünen Dress mit Armbinde, Carl bereits Erste Hilfe geleistet.

Er stieg in die Ambulanz ein, die sofort losraste. Im Hospital erhielt der Deutsche eine Spritze gegen Tollwut. Seine Bisswunden wurden gereinigt, desinfiziert und verbunden. Inzwischen rätselte der Chef des Sicherheitsdienstes, der das Olympische Dorf abschirmte, wie hier ein anscheinend tollwütiger Hund hereingelangen und einen Olympiateilnehmer anfallen konnte.

Der Chef vom Dienst gab von der Zentrale des Sicherheitsdienstes aus Alarm an seine Leute; sie sollten das Tier zur Strecke bringen. Die Presse sollte nach Möglichkeit außen vor gehalten werden, um Negativmeldungen zu vermeiden. Wegen dieses Zwischenfalls würden Köpfe rollen. Es war einfach unglaublich, dass eine solche Panne hatte passieren können.

Carl Wittstock musste im Hospital bleiben. Er hatte hohes Fieber und stand unter Schockwirkung. Er fantasierte immer wieder von Werwölfen, Samurais und einem dunklen Shinto-Schrein, aus dem Unheil hervorbrechen würde.

»Rashomon«, stammelte er fieberglühend in seinem Einzelzimmer. »Das große Tor wird sich öffnen. Ikyus Schar bricht hervor. Wehe der Menschheit, und wehe uns allen.«

Eine Krankenschwester, die sich mit einer besonderen Art von Legende auskannte, lief schreiend davon. Carl Wittstock musste im Bett bleiben. Er versäumte die Vorausscheidungen und fiel damit für diese Olympiade aus.

Damit war auch Tamara Hösch, seine Eistanz-Partnerin, bereits ausgeschieden. Sie konnte ja schlecht beim Paartanz allein auftreten.

Die schöne Tamara weinte bittere Tränen, als sie den Paarlauf von Pascha Gritschuk und Jewgeni Platow, Mandy Wötzel und Ingo Steuer, Jayne Tovril und Christofer Dean und wie sie alle hießen, nur als Zuschauerin miterleben durfte.

Carl Wittstock hatte die Klinik bereits nach drei Tagen wieder verlassen, doch seine Verletzungen heilten schlecht. Er war still und in sich gekehrt, und in seinen Augen glühte ein seltsames Licht.

»Spielt denn das eine Rolle?«, stellte er die Gegenfrage, als ihn Tamara Hösch bei der Medaillenverleihung im Paarlauf fragte, wie er sich fühlen würde. »Es gibt Wichtigeres als Medaillen auf der Welt.«

Tamara schaute verblüfft. Sie selbst war erschüttert, dass sie das Siegerfeld kampflos anderen überlassen musste. Und maßlos enttäuscht. Dass Carl kaltschnäuzig darüber hinwegging, interpretierte sie als eine Schutzbehauptung, hinter der er seine wahren Gefühle verbarg.

Der Zwischenfall war von den Medien heruntergespielt worden. Dafür war besonders Carl Wittstock selbst verantwortlich. Er hatte, als er im Hospital aus dem Fieberwahn erwachte, eine ganz andere Version von den Attacken gegeben als gleich nach dem Vorfall.

»Da war ein kleiner Hund, den ich füttern wollte«, sagte er, als ihn Reporter befragten. »Ich habe ihn hochgehoben. Dabei wurde ich gebissen. Ich bin selbst daran schuld. Die Hundebisse waren allerdings nicht der Grund für meine Erkrankung. Das ist eine Lebensmittelvergiftung gewesen.«

Diese Erklärung im Pressepavillon erstaunte selbst die Offiziellen der Olympischen Spiele. Carl Wittstock verhinderte aber durch diese unverfängliche Version einen Riesenskandal. Keiner fragte mehr weiter nach.

Die Siege und ihre Sensationen zogen alle Aufmerksamkeit auf sich. Sie lenkten die Reporter davon ab, Carl Wittstock weitere, tiefschürfende Fragen zu stellen. Wie ein kleiner Hund ihm derart tiefe und klaffende Bisswunden hatte beibringen können, zum Beispiel. Die Version mit der Lebensmittelvergiftung wurde aufgegriffen und über die Medien verbreitet.

Insider in Nagano meinten, Yoshiaku Tsutsumi, der Initiator und Drahtzieher der Olympischen Spiele in Nagano, hätte Carl Wittstock bestochen, einen Skandal zu vermeiden. Der 64jährige Tsutsumi galt mit einem Privatvermögen von unvorstellbaren 22 Milliarden Dollar als der reichste Mann der Welt und war an einem tadellosen Image »seiner« Olympiade sehr interessiert.

Ins tadellose Bild hätte schlecht gepaßt, dass in Nagano riesige tollwütige Hunde frei im Olympischen Dorf herumliefen und die Sportler anfielen.

Am Ende der Olympischen Winterfestspiele flog Carl Wittstock mit den deutschen Teilnehmern von Tokio zurück nach Hause.

»Bei der nächsten Olympiade sind wir wieder dabei«, sagte Tamara, die neben ihm saß, um ihn aufzumuntern. »Dann gewinnen wir bestimmt eine Medaille. So ein verdammtes Pech, dass dieser Hund dich gebissen hat. Wie ist er überhaupt ins Olympische Dorf gekommen?«

Carl antwortete einsilbig: »Keine Ahnung.«

Niemand wusste es. Der Hund war nie wieder aufgetaucht, obwohl ihn die Sicherheitskräfte und viele andere fieberhaft gesucht hatten. Er schien vom Erdboden verschluckt worden zu sein.

***

Recht frohgemut fuhr ich an diesem trüben Novembertag vom Wimaria-Stadion aus ins Zentrum, um Tessa überraschend zu besuchen. Ich hatte mal wieder kräftig trainiert, Zehnkampf, worin ich während meiner Studentenzeit Landesmeister gewesen war.

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