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Mark Hellmann - Folge 19

Inhalt

  1. Cover
  2. Über diese Serie
  3. Über diese Folge
  4. Über den Autor
  5. Impressum
  6. Dracomars Rückkehr
  7. In der nächsten Folge

Mark Hellmann – Der Dämonenjäger

In einer uralten Prophezeiung heißt es:

Wenn der Teufel über Weimar dahinreitet, bricht eine Zeit des Schreckens an: Plagen kommen über die Stadt und die Toten stehen auf aus ihren Gräbern. Wehe der Stadt - und wehe dem, der dem Herrn des Schreckens begegnet! - Nur einer ist fähig, sich der Finsternis zu stellen und das Böse zu bannen. Ein Sohn unserer Stadt, der Kämpfer des Rings. Doch sollte jener versagen, wird sich von Weimar aus Finsternis über das Land ausbreiten. Dann beginnt die Herrschaft des Satans.

Sein Name ist Mark Hellmann. Er ist Dämonenjäger und Kämpfer des Rings. Und Versagen ist keine Option.

Im Osten ist die Hölle los – und nur einer kann es mit der Finsternis aufnehmen: Mark Hellmann – Dämonenjäger, Kämpfer des Rings und Zeitreisender.

Über diese Folge

»Ich bin Dracomar, der mächtige Blutdruide!«, rief der Entstellte und schlug sich mit seiner dürren Faust an die halbzerfetzte Brust. Mit Schlapphut und schwarzem Umhang hatte er wieder seine gewohnte Gestalt angenommen. »O Mephisto! Generationen von Menschenwürmern haben vor mir gezittert! Und trotzdem hältst du mich seit dieser Geschichte in Weimar gefangen wie einen Sklaven. Warum nur?«

Unsichtbar und unzerstörbar waren die Ketten, die Dracomar banden und endlich war die Nummer drei der Hölle wieder frei!


Im Osten ist die Hölle los – und nur einer kann es mit der Finsternis aufnehmen:
Mark Hellmann – Dämonenjäger, Kämpfer des Rings und Zeitreisender.

Über den Autor

C. W. Bach ist 1938 in Weimar geboren. An der Universität in Erfurt studierte er unter anderem Germanistik und Neuere Geschichte, ehe er viele Jahre als freier Journalist sowie als Autor für Theater und Film gearbeitet hat. Schon seit seiner frühen Kindheit liebte er es, schauerliche Horrorgeschichten zu erzählen und diese Vorliebe blieb ihm bis heute erhalten. Heute lebt er mit seiner Frau und ihrem gemeinsamen Kind in einem kleinen Vorort von Berlin.

Dracomars Rückkehr

»Der König muss sterben!« Mephistos Worte übertönten das Geschrei der Kinderschänder und Vergewaltiger, die gerade von seinen Unterteufeln entsetzlich gequält wurden. Knietief standen die Verdammten in kochender Lava, manche seit tausenden von Jahren! Mephisto konnte sich dennoch nicht so richtig freuen; er war in Gedanken versunken und schaute erst auf, als im Höllenfeuer einer seiner Getreuen wiederholte »Ja, der König muss sterben!«

Höllenherrscher Mephisto blickte in eine schaurig entstellte Fratze, die von Säure zerfressen schien. Doch es war Weihwasser gewesen. Und die vampirische Kreatur hatte nicht vergessen, wem sie diese Schmach zu verdanken hatte: Mark Hellmann!

»Ich bin Dracomar!«, rief der Entstellte und schlug sich mit seiner dürren Faust an seine halbzerfetzte Brust. Mit Schlapphut und schwarzem Umhang hatte er wieder seine gewohnte Gestalt angenommen. »Der mächtige Blutdruide! Generationen von Menschenwürmern haben vor mir gezittert! Aber du hältst mich seit dieser Geschichte in Weimar[1] hier in der untersten Hölle gefangen wie einen Sklaven. Warum nur, o mächtiger Mephisto?«

Aus tückischen gelben Augen warf der Höllenherrscher einen Seitenblick auf den klagenden Blutdruiden. Mephisto konnte jede beliebige Wesensform annehmen. An diesem Tag zeigte er sich wieder als ein mittelalterlicher Jäger. Im Wams, eine Samtkappe mit Feder auf dem Schädel. Die Beine steckten in hohen Stiefeln und Pumphosen. Sein dreieckiges, unendlich bösartiges Gesicht wurde von einem roten Spitzbart umrahmt.

Mephisto deutete mit seinem Zeigefinger auf Dracomar. Ein feuerroter Blitz zischte aus der Hand des Megadämons. Mitten in das Gesicht des Blutdruiden. Dracomar jaulte vor Schmerzen auf. Der Blitz hatte ihn in sein gesundes Auge getroffen. Das andere war seinerzeit durch Hellmanns Weihwasser-Angriff zerstört worden.

»Das ist die Strafe«, meinte Mephisto tückisch. »Ich kann es nicht leiden, wenn meine Weisheit infrage gestellt wird. Kapiert?«

»J … ja, Meister.« Dracomar war ein blutgieriges Monstrum, eine wahre Bestie. Aber er wusste, dass er gegen die überlegene Magie von Mephisto keine Chance hatte. Außerdem verdankte er ihm seine untote Existenz. Solche Gefühle wie Dankbarkeit gab es in der Hölle nicht. Aber Mephisto kramte trotzdem noch einmal die alte Geschichte aus Weimar hervor.

»Hältst du mich für einen Idioten, Dracomar? Natürlich musstest du erst mal auf ›Tauchstation‹ gehen. Hast du schon vergessen, was in dem Luftschutzbunker bei der Kaiserlinde passiert ist? Dieser selbsternannte Dämonenjäger Mark Hellmann hat dir einen Eichenpflock ins Herz gejagt!«

Für einen Moment nahm Mephisto die Gestalt von Mark Hellmann an. Er liebte solche Spielchen. Er fuchtelte mit seinem Satansdolch herum und tat so, als wollte er sich auf Dracomar stürzen. Unwillkürlich wich der Alte des Schreckens zurück. Der Kampf gegen den jungen Mann aus Weimar war ihm immer noch in unguter Erinnerung.

Einen Wimpernschlag später war der Mega-Dämon wieder in seinem Jäger-Kostüm zu sehen. Er lachte höhnisch über die Reaktion des Blutdruiden.

»Siehst du, Dracomar? Selbst Hellmanns Anblick lässt dir das Herz in die Hose rutschen. Wenn du ein Herz hättest, hehehe … Als dir der Weimarer damals den Pflock ins Herz treiben wollte, habe ich dich in letzter Sekunde hierhergeholt. Hellmann wurde durch eines meiner magischen Trugbilder getäuscht. Er glaubt jetzt, dich vernichtet zu haben. Er ist sogar fest überzeugt davon. Denn er hat gesehen, wie du dich in ein Häufchen Staub aufgelöst hast. Ich wollte ihn in Sicherheit wiegen. Damit du deine Chance zur Rache bekommst.«

Dracomars entstelltes Gesicht verzerrte sich zu einer noch widerwärtigeren Fratze. »Gib mir diese Chance, o Meister des Bösen! Ich werde dir beweisen, dass ich nicht feige bin. Ich werde Hellmann jeden Knochen einzeln brechen! Ich reiße ihm den Kopf vom Leib! Ich nehme sein Herz und …«

»Ich habe schon meine Pläne gemacht«, versicherte Mephisto und rieb sich die Hände. »Der König wird sterben – und Hellmann wird sterben. Und beides zusammen wird ein grandioser Sieg der Hölle sein!«

***

»Ich grüße die Werktätigen unserer sozialistischen Republik!«

Erich Honecker winkte mit der rechten Hand. Das Parteiabzeichen an seinem Sechziger-Jahre-Anzug blitzte. Der Saal tobte. Applaus und Gelächter sorgten für eine höllische Lärmkulisse.

Ich blinzelte ungläubig angesichts der perfekten Show. Natürlich stand dort oben auf der Bühne der Mehrzweckhalle am Rande Weimars nicht der echte »Staatsrats- und Parteivorsitzende« der DDr. Old Erich war ja schon länger nicht mehr existent. Genau wie der Staat, den er verkörpert hatte.

Ich, Mark Hellmann, befand mich in dieser Nacht auf einer ›Ostalgie-Party‹. Einer Fete, bei der der Alltag der ehemaligen DDr. noch einmal lebendig wird. Zwischen Warnemünde und Zwickau waren solche ›Zeitreisen‹ in die Vergangenheit der Renner. Ich war eigentlich eher widerwillig mitgegangen. Meine Freundin Tessa Hayden hatte mich hierher geschleppt. Sie meinte, wir müssten unbedingt mal wieder zusammen ausgehen.

Die Veranstalter hatten sich wirklich Mühe gegeben. Schon am Eingang wurde man von Türstehern in den Uniformen der DDR-Grenztruppen empfangen. Vorbei an einem Meer von Partei- und FDJ-Fahnen gelangte man zu einer Bar, die sich ›Getränkestützpunkt‹ nannte. Dort gab es selbstverständlich nur Ostgetränkemarken. Viele Gäste hatten sich verkleidet. Sie trugen DDR-Chic von damals. Oder gleich ihr altes FDJ-Uniformhemd. Und aus den Boxen dröhnte ehemals ›volkseigener‹ Rock von den Puhdys, von Karat und von City. Hunderte von Kids bewegten sich auf der Tanzfläche, nachdem sie von dem Honecker-Double so stilgerecht begrüßt worden waren. Wie ich hörte, hatten die Veranstalter auch noch Doppelgänger von Erich Mielke und Schalk-Golodkowski in der Hinterhand …

Ich nahm einen Schluck von meinem Thüringer Bier. Gegen den Tresen gelehnt versuchte ich, in Partystimmung zu kommen. Aber so recht wollte es mir nicht gelingen. Vielleicht lag es daran, dass ich schon echte Zeitreisen gemacht hatte. Und zwar, ohne mir dafür ein FDJ-Hemd anziehen zu müssen.

Mein Blick blieb an dem Siegelring hängen, den ich an der rechten Hand trug. Mit Hilfe dieses geheimnisvollen Kleinods konnte ich in die Vergangenheit reisen. Das hatte ich herausgefunden. Aber ich wusste nicht, warum ich diesen Ring besaß. Er hing an einem Lederband um meinen Hals, als ich im Alter von etwa zehn Jahren nach der Walpurgisnacht in Weimar gefunden wurde. An die Zeit vorher habe ich keine Erinnerung.

»Mark! Du Langweiler!«

Die schnippische Bemerkung riss mich aus meinen Grübeleien. Meine Freundin Tessa stand plötzlich vor mir, wie aus dem Boden gewachsen. Sie reicht mir nur bis zum Kinn. Aber ich bin ja auch einsneunzig groß. Die Polizistin mit der kecken braunen Kurzhaarfrisur trug in dieser Nacht ihre grünen Kontaktlinsen, mit denen sie ihre haselnussbraunen Augen manchmal tarnt. Das gab ihrem Blick etwas Katzenhaftes. Empört hatte sie die Hände in ihre schmalen Hüften gestemmt. Ihre Figur ist eher sportlich als üppig. Ihr Job bringt es eben mit sich, dass sie kein Kilo zuviel mit sich rumschleppte.

Tessa hatte sich wirklich Mühe gegeben, den passenden Ostalgie-Touch zu bekommen. Sie trug eine dünne Bluse aus der Kunstfaser Dederon. Eine DDR-Eigenentwicklung. Und auch ihr Super-Minirock stammte garantiert aus einem der ehemaligen VEBs.

»Halt dich hier nicht an deinem dämlichen Bier fest! Tanz lieber mit mir!«

Sie versuchte, mich mit beiden Händen auf die Zappelfläche zu ziehen. Seufzend strich ich mir durch mein Haar. Und trottete hinterher. Ich wollte ihr ja den Spaß nicht verderben. Schließlich hatten wir beide in letzter Zeit viele üble Dinge erlebt. Immer wieder versuchten die Mächte der Finsternis, mich zu vernichten. Es war meine Bestimmung, als Kämpfer des Rings für das Gute in der Welt einzutreten. Und die Menschen vor dämonischen Gefahren zu beschützen. Soviel hatte ich inzwischen herausbekommen. Mephisto war der stärkste und mächtigste meiner Feinde. Er hatte es ganz besonders auf mich abgesehen.

Vielleicht war das der Grund, weshalb ich mich bei dieser Ostalgie-Party nicht wirklich amüsieren konnte.

Den ganzen Abend hatte ich schon das Gefühl, verfolgt zu werden. Seit wir vor meiner Wohnung in der Florian-Geyer-Straße in meinen stahlblauen BMW gestiegen waren …

***

Bei einem langsamen Stück presste Tessa ihren schlanken Körper an mich. Ich spürte, wie ich augenblicklich scharf auf sie wurde. Sie war schon ein tolles Mädchen. Wenn da bloß nicht ihre krankhafte Eifersucht gewesen wäre …

Als hätte der Teufel die Hand im Spiel, fing ich in diesem Moment den Blick einer üppigen Blondine auf. Sie drehte sich ein Stück weit entfernt von uns mit einem bulligen Schnauzbarttypen. Die Brüste der Blonden schienen die FDJ-Bluse jeden Augenblick sprengen zu wollen.

Das nächste Lied war wieder etwas schneller. ›King vom Prenzlauer Berg.‹ Das hatten wir schon zu DDR-Zeiten auf jeder Schulfete gehört. Nach meinem rätselhaften Auftauchen war ich als Zehnjähriger von dem Ehepaar Ulrich und Lydia Hellmann adoptiert worden. Ich liebte sie wie meine richtigen Eltern, die ich ja nicht kannte. Die Initialen meines Siegelrings MN regten die Hellmanns dazu an, mich Markus Nikolaus zu taufen. Doch allgemein werde ich nur Mark genannt. Zum Glück, denn der Nikolaus und ich hatten ja nichts gemein.

»Mark!«

Aus Tessas Mund klang mein Name eher wie eine Verwünschung. Nun war das geschehen, was ich schon seit Minuten befürchtet hatte. Meine Freundin hatte spitzgekriegt, dass mir die vollbusige Blonde schöne Augen machte.

Ich hatte wirklich versucht, nicht zurückzuflirten. Ehrlich. Aber so unschuldig konnte ich überhaupt nicht sein, dass Tessa nicht zur Furie wurde. Sie fletschte die Zähne. Warf mir einen vernichtenden Blick zu. Und ließ mich dann mitten auf der Tanzfläche stehen.

Einige Partyvögel lachten. Sie hatten die Szene mitbekommen. Ich sah, wie Tessas Gestalt in der Menge verschwand. Es mussten mindestens zwölfhundert Leute auf dieser Ostalgie-Fete sein. Halb Weimar schien sich auf die Socken gemacht zu haben. Inzwischen ging es auf Mitternacht zu.

Ich war erst mal restlos bedient. Mit den Ellenbogen bahnte ich mir den Weg zur Theke. Doch dort standen die durstigen Trinker schon in Dreierreihen, um ein Bier zu ergattern. Inzwischen war die Luft zum Schneiden. Die Klimaanlage rebellierte gegen die Wolken von Zigarettenqualm. Natürlich ganz ostalgisch von Lungentorpedo-Marken wie »Club« und »Karo.« Aber ich war schon zu DDR-Zeiten Nichtraucher gewesen. Als durchtrainierter Ex-Zehnkämpfer hatte ich dem Tabak noch nie etwas abgewinnen können.

Mein Kopf glühte. Ich wollte nur noch raus.

In der Nähe des Ausgangs gab es einen »Souvenirstand«. Dort konnte man Volksarmee-Mützen, Porträtfotos von Erich Honecker und Aschenbecher mit Hammer und Zirkel erwerben. Der Ex-DDR-Kitsch kannte keine Grenzen. Hier waren es vor allem Wessis, die sich mit dem Kram eindeckten. Wer wie ich in der DDr. aufgewachsen war, hatte noch genug davon auf dem Speicher rumliegen.

Endlich war ich draußen. An der klaren und kalten Herbstluft ging es mir sofort besser. Ich machte ein paar Schritte über den halb im Dunkel liegenden Parkplatz. Irgendwo dort rechts vor mir musste ich den BMW geparkt haben. Ich hatte nicht übel Lust, einfach ohne Tessa abzudampfen. Warum musste sie mir immer wieder eine Szene machen? Okay, manchmal hatte ich ihr dafür schon Anlass gegeben. Aber diesmal war ich so unschuldig wie ein gerade geborenes Baby. Ich hatte wirklich versucht, den Blick der Blonden nicht zu erwidern, verdammt noch mal!

Ich begann mich zu fragen, ob es wirklich so weitergehen konnte mit Tessa und mir. Doch dann verlor ich den Gedankenfaden.

Denn jemand warf von hinten ein schwarzes Tuch über mich!

***

Der Zorn rauschte wie eine Droge durch die Blutbahnen von Tessa Hayden. Sie verzog sich erst einmal auf die Damentoilette, um sich zu beruhigen. Aber wollte sie sich überhaupt wieder einkriegen? Je länger sie darüber nachdachte, desto stärker steigerte sie sich in ihre Eifersucht hinein.

Es war aber auch wirklich zum Mäusemelken! Egal, wo sie mit Mark Hellmann auftauchte. Irgendein Weibsstück gab es immer, das auf ihn flog. Kunststück, sagte sich die brünette Polizistin. Sie wusste, dass ihr Freund ein wahrer Modellathlet war. Man schien ihm anzusehen, dass er vor nicht allzu langer Zeit ein sehr erfolgreicher Zehnkämpfer gewesen war. Nein, Mark wirkte nicht wie ein wissenschaftlicher Assistent im Museum für Völkerkunde. Vielleicht war das ja mit ein Grund dafür, warum er diesen sicheren Job nach so kurzer Zeit hingeworfen hatte. Und sich jetzt als freier Journalist durchs Leben schlug.

Tessa hatte sich auf diesen Abend gefreut. Nach den Abenteuern der letzten Zeit war sie der Meinung gewesen, dass Mark und sie selbst mal ein wenig Spaß brauchten. Die ständige Bedrohung durch die höllischen Legionen von Mephisto und anderen Dämonen war sonst einfach zu nervenaufreibend.

Die Polizistin war anfangs sehr skeptisch gewesen. Früher hatte sie nie an übersinnliche Dinge geglaubt.

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