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Midnight Liaisons – Zur Unsterblichkeit geboren

Inhalt

  1. Cover
  2. Über die Autorin
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Kapitel eins
  6. Kapitel zwei
  7. Kapitel drei
  8. Kapitel vier
  9. Kapitel fünf
  10. Kapitel sechs
  11. Kapitel sieben
  12. Kapitel acht
  13. Kapitel neun
  14. Kapitel zehn
  15. Kapitel elf
  16. Kapitel zwölf
  17. Kapitel dreizehn
  18. Kapitel vierzehn
  19. Kapitel fünfzehn
  20. Kapitel sechzehn
  21. Kapitel siebzehn
  22. Epilog
  23. Leseprobe

Über die Autorin

Jessica Sims ist das Pseudonym der Bestsellerautorin Jessica Clare. Sie lebt mit ihrem Mann in Texas. Ihre freie Zeit verbringt sie mit Schreiben, Lesen, Schreiben, Videospielen und noch mehr Schreiben. Ihre Serie Perfect Passion erschien auf den Bestseller-Listen der New York Times und der USA Today.

Jessica Clare

schreibt als Jessica Sims

Midnight Liaisons

Zur Unsterblichkeit geboren

Aus dem amerikanischen Englisch von
Melike Karamustafa

Kapitel eins

Als Kind ließ mich mein Vater an Samstagabenden länger aufbleiben, um mit ihm einen Film im Fernsehen anzusehen. Er hatte einen unglaublich schlechten Filmgeschmack. Sein Favorit? Godzilla versus Mothra.

Ich erinnerte mich, dass ich wahnsinnige Angst vor den riesigen wilden Kreaturen hatte, die wütend brüllend und schreiend durch Tokio walzten.

Das dunkle Toben und die unmenschlichen Schreie hatten ein wenig so wie das geklungen, was in diesem Moment aus dem Konferenzraum von Midnight Liaisons zu hören war. Zwar schossen hier keine Laser aus glühenden Augen, aber das wütende Knurren reichte aus, um jeden Menschen vor Angst erzittern zu lassen.

Meine Chefin, Bathsheba Russell, saß auf der Kante meines Schreibtischs, rang die Hände und starrte in Richtung Eingangstür. Eine Situation, die es mir unmöglich machte zu arbeiten, also schob ich meinen Notizblock unter einen Stapel Papier und sah sie fragend an. »Kann ich dir mit irgendwas behilflich sein, Bath?«

Überrascht wandte sie sich halb zu mir um, bevor sie langsam den Kopf schüttelte. Im selben Moment ertönte eine weitere Salve von Knurr- und Brülllauten aus dem Nebenraum. Als sich spitze Schreie dazugesellten, zuckte Bathsheba zusammen. »Nein. Ich bin mir sicher, dass sie bald hier sein werden.«

Mist, das war frustrierend, und vor allem bedeutete es nichts Gutes für meine eigenen Pläne. Möglichst unauffällig warf ich meiner Kollegin Ryder einen Blick zu. Doch die riss nur die Augen auf und zuckte hilflos mit den Schultern, als wollte sie sagen: Was soll man machen?

Schon klar, dass es Ryder nicht sonderlich interessierte, ob unsere Chefin heute ein, zwei Stunden länger in der Agentur herumhing. Immerhin war es mein Abend, der hier auf dem Spiel stand, und nicht ihrer.

Und ich brauchte diesen Abend.

Um genau zu sein, brauchte ich jeden einzelnen Tag, der mir noch blieb. Wenn man wusste, dass man sterben würde, neigte man schon mal dazu, sich wegen verschwendeter Zeit ein wenig mehr aufzuregen als andere.

Die Eingangstür wurde aufgestoßen, und wie aus dem Nichts erstarb der Geräuschpegel im Konferenzraum. Ich konnte mir bildlich vorstellen, wie sie alle ihre Gestaltwandlerohren spitzten, um herauszufinden, wer gerade die Agentur betreten hatte.

Ein schlaksiger, hoch aufgeschossener und ziemlich finster dreinblickender Kerl betrat das Büro mit einer ziemlich hübschen, aber ängstlich wirkenden Rothaarigen an der Hand. Die junge Frau starrte mich aus weit aufgerissenen Augen an, dann zuckte ihr Blick zu Bathsheba, als hätte sie Angst, meine Chefin könnte sich jeden Augenblick auf sie stürzen.

»Wir sind menschlich«, sagte Bath trocken. »Diejenigen, vor denen du Angst haben solltest, sind da drin.« Sie gestikulierte in Richtung des viel zu stillen Konferenzraums.

Der Mann straffte die Schultern und zog die Frau beschützend an sich. Sie schien vollkommen willenlos zu sein, ihr Gesicht war erschreckend bleich. Das arme Ding. Gemeinsam gingen sie auf den Konferenzraum zu.

»Die beiden sehen aus, als wären sie auf dem Weg zu ihrer eigenen Beerdigung«, flüsterte ich Bath zu.

»Vielleicht sind sie das ja auch«, wisperte sie zurück. »Vic will ihn umbringen.« Sie wurde rot, als der Typ sich zu ihr umdrehte.

Als sich die Türen zum Konferenzraum wie durch Geisterhand öffneten, schwiegen wir.

Die beiden traten ein, und die Tür schloss sich hinter ihnen.

Stille – bevor das Temperament der Gestaltwandler ein weiteres Mal mit ihnen durchgehen würde.

»Was fällt dir ein, einen Menschen zu verwandeln?«, erhob sich das wütende Brüllen des Tiger-Alphas Vic über die Stimmen der anderen. »Was, verdammt noch mal, hast du dir dabei gedacht?«

»Wir haben sonst niemand«, schrie der Mann zurück. »Es gibt keine Frauen in meinem Alter. Überhaupt keine Frauen. Ende der Geschichte!«

»Dann hättest du den Service dieser gottverdammten Agentur in Anspruch nehmen und dir ein Date vermitteln lassen sollen.«

»Ich denke, wir sollten jetzt erst mal alle ein wenig runterkommen«, war Beaus autoritäre Stimme zu hören. Der Anführer der Allianz, ein Werpuma und Bathshebas Ehemann, war normalerweise wahnsinnig cool und vermittelte den Eindruck, jede Situation unter Kontrolle zu haben, doch heute klang er alles andere als ruhig.

Als Vic ein weiteres markerschütterndes Brüllen ausstieß, begann die Frau zu schluchzen.

»Sie denkt noch immer wie ein Mensch, und sie benimmt sich auch so«, sagte Bath verärgert und rutschte von der Schreibtischkante. »Sie werden sie noch zu Tode ängstigen. Ich gehe da jetzt rein.«

Während Bath in Richtung Konferenzraum lief, nahm ich meine Brille ab und tat so, als würde ich die Gläser sauber reiben.

Ganz ruhig. Alles wird gut. Kein Problem.

Aber mein Herz begann, so heftig zu schlagen, dass ich Angst hatte, es könnte mir jeden Moment aus der Brust springen. Ein pochender Schmerz breitete sich hinter meinen Schläfen aus, während das Adrenalin durch meine Adern schoss. Doch ich ignorierte beides genau so, wie ich es mit jedem anderen physischen Symptom in der letzten Zeit tat.

Ryder deutete stumm auf ihren Bildschirm, um mir zu signalisieren, dass sie mir eine Nachricht via Instant-Messenger schicken würde.

Ich zog meinen Laptop zu mir heran, klappte ihn auf und starrte auf das Display.

Du lieber Himmel, hört sich so an, als würden die noch eine ganze Weile da drinbleiben.

Schnell tippte ich eine Antwort. Was genau ist eigentlich los? Hat der Typ die Frau echt verwandelt?

Yep. Als ich heute in die Agentur gekommen bin, haben sie gerade Sara hier rausgeschafft. Du weißt ja, wie B sie immer beschützen will. Genau wie Ramsey.

Sara war Bath’ zurückhaltende, zierliche jüngere Schwester. Sie arbeitete ebenfalls in der Agentur. Abends wurde sie meist von ihrem Partner Ramsey, einem Werbär, abgeholt. Wenn ich das richtig verstanden hatte, war Sara selbst ein Werwolf. Eine Tatsache, die jedem außer mir klar gewesen zu sein schien. Menschen waren in dieser Agentur immer die Letzten, die etwas mitbekamen. Aber da ich nun mal für eine Agentur arbeitete, deren Service exklusiv übernatürlichen Kunden zur Verfügung stand, machte es vermutlich Sinn, dass zumindest eine meiner Kolleginnen selbst dem paranormalen Lager angehörte.

Ich warf wieder einen Blick zu Ryder hinüber. Mehr als eine Kollegin. Sara hatte sich gerade erst geoutet, Ryder dagegen verbarg noch etwas.

Ich begann wieder zu tippen.

Weißt du, was genau passiert ist?

Na jaaaa … Nach allem, was ich mitbekommen habe, klingt es so, als hätte sich der gute Johnny verliebt, und Onkel Vic war nicht sonderlich begeistert davon. Also hat sich Johnny entschieden, seine Freundin zu verwandeln und erst hinterher um Erlaubnis dafür zu bitten. Wenn’s stimmt.

Das klang nicht gut. Ganz und gar nicht gut. Die Gesellschaft der Übernatürlichen blieb unter sich. Menschen durften nichts von ihnen wissen, zumindest nicht, solange man ihnen nicht zuerst erlaubt hatte, der Allianz beizutreten. Und jedes menschliche Wesen, dem bisher Zutritt zur Allianz gewährt worden war, befand sich in diesem Moment in den Agenturräumlichkeiten von Midnight Liaisons: ich, Ryder und Bathsheba.

Die Regeln verboten es Übernatürlichen, Menschen gegenüber ihre wahre Identität zu offenbaren. Wenn einer von ihnen also zuerst die eine Grenze überschritt und diesen Menschen dann auch noch verwandelte, war das schlimmer als schlimm. Und vor allem zog es jede Menge Probleme nach sich. Was, wenn sich ein solches Paar zu einem späteren Zeitpunkt wieder trennte? Was sollten die Eltern eines zuvor menschlichen Wesens mit ihrer Tochter anfangen, die sich plötzlich in einen Wertiger verwandelte? Wer sollte ihnen erklären, warum ihre süße kleine Lola plötzlich einen Kratzbaum brauchte und verrücktspielte, wenn die Katzenminze blühte?

Indem er seine wahre Natur offenbart hatte, hatte Johnny jedes Mitglied der Allianz in große Gefahr gebracht. Das Netzwerk baute auf einer dünnen Vertrauensbasis anderen Spezies gegenüber auf, und jetzt war dieses Vertrauen erschüttert.

Und das brachte auch meine eigenen Pläne durcheinander.

Als das Brüllen und Toben im Konferenzraum wieder zunahm, zog ich meinen Notizblock unter dem Stapel Papier hervor und betrachtete die Liste, an der ich gearbeitet hatte.

Potenzielle Übernatürliche

Wer-Irgendwas

Vampire

Ich runzelte die Stirn, unzufrieden mit der mageren Ausbeute. Hatte ich irgendeine Gruppe vergessen?

»Hey, Ryder?«

»Mhm?« Ryder riss sich vom Anblick der Tür des Konferenzraums los, hinter der es auf einmal wieder unheimlich still geworden war.

Nachdenklich tippte ich mit der Bleistiftspitze auf den Schreibtisch, während ich auf meine Liste starrte. »Welche Übernatürlichen, die jemand verwandeln können, fallen dir ein?«

»Jemand verwandeln?«

»Ja. Ver-wan-deln«, wiederholte ich und betonte dabei jede einzelne Silbe. Als sie mich noch immer misstrauisch beäugte, deutete ich in Richtung Konferenzraum, aus dem jetzt eine hitzige Diskussion zwischen zwei Männern zu hören war. Nur ab und zu unterbrochen von einer deutlich höheren Tonlage. Vermutlich Bathsheba, die versuchte, die Stimme der Vernunft in der ganzen Angelegenheit zu übernehmen.

Ryder schüttelte den Kopf. »Kein guter Zeitpunkt«, formte sie so leise mit den Lippen, dass sie kaum zu verstehen war. »Lass lieber die Finger davon.«

Aber ich konnte es mir nicht leisten, die Finger davon zu lassen. Nachdenklich starrte ich wieder auf meine mehr als kurze Liste.

»Das Ganze ist abnormal. Widerlich!«, brüllte Vic. »Eine Schande!«

Das Wort »abnormal« ließ mich aus irgendeinem Grund an einen Yeti denken. Weryeti? Ich schrieb es auf und versah es mit einem Fragezeichen. Dann strich ich es wieder durch. Niemand, der einigermaßen bei Sinnen war, wollte in einen Yeti verwandelt werden. Das war einfach undenkbar.

Ich kaute auf dem Radiergummi herum. Dachte nach. Feen? Sie wurden geboren, nicht verwandelt; außerdem waren sie ziemlich verschlossen und geheimnistuerisch. Vielleicht wussten sie irgendetwas …

Das Klingeln der kleinen Glocke über der Eingangstür riss mich aus meinen Gedanken.

Ich sah auf, lächelte und … stöhnte genervt auf, als ich den Mann erkannte, der mit lässigem Gang die Agentur betrat. Joshua Russell. Der Klient, den ich am wenigsten zu meinen Favoriten zählte.

»Hey, Josh«, sagte ich so gelangweilt wie möglich.

Grinsend steuerte er geradewegs auf mich zu.

Verdammt.

Ich seufzte und schob den Notizblock wieder unter den Papierstapel, bevor ich meine Aufmerksamkeit auf den großen, sexy Typ richtete, der vor meinem Schreibtisch stehen geblieben war. Mein Blick befand sich genau auf Höhe seines Schritts, was es nicht gerade einfacher machte, ihn zu ignorieren.

Eine rote Rose erschien unter meiner Nase. »Für dich, meine Schöne.«

Ich schlug seine Hand beiseite. Manche Dinge änderten sich nie. »Netter Versuch, Josh. Aber ich bin menschlich, erinnerst du dich?«

»Na und, du gehörst trotzdem zur Allianz. Das ist was anderes«, antwortete er mit einem fatalen Grinsen, dass jeder Werkatze im Umkreis von einem Kilometer das Höschen ausgezogen hätte. »Und ›anderes‹ ist gut.«

»Ich habe eine Pollenallergie«, sagte ich steif und warf einen demonstrativen Blick auf die Rose in seiner Hand.

Er stieß ein ergebenes Seufzen aus und schlenderte zu Ryder hinüber, um ihr die Rose zu schenken.

Sie sah von ihren Unterlagen auf, grinste und nahm ihm die Blume mit einem Augenzwinkern aus der Hand.

Gut. Vielleicht würde er mich dafür jetzt in Ruhe lassen.

Wie alle anderen Großkatzen, für die sein Clan berühmt-berüchtigt war, strahlte Joshua Russell einen Mix aus Kraft und Verspieltheit aus. Während er sich mit Ryder unterhielt, musterte ich ihn verstohlen. Seine braunen Haare unter dem Russell-Security-Baseballcap sahen immer zerzaust aus. Seinen kantigen Kiefer zierte ein dunkler Bartschatten, als hätte er am Morgen vergessen, sich zu rasieren. Wie alle Werpumas, die dem Russell-Clan angehörten, waren seine männlichen Gesichtszüge stark ausgeprägt. Doch wo die Miene seiner Brüder häufig hart und unnachgiebig wirkte, schien Joshuas zum Lachen gemacht zu sein. In einer Wange blitzte immer wieder ein albernes Grübchen auf, und seine blauen Augen waren von dichten Wimpern umgeben, die jede Frau vor Neid erblassen ließen. Seine Schultern waren breit und muskulös, und wenn er ein eng anliegendes Shirt trug – so wie heute – konnte man darunter die Umrisse seiner definierten Brustmuskeln und die Rundungen seiner Bizepse erkennen. Doch das alles schien noch überstrahlt zu werden von seinem verlockend strammen Po, den er mir in diesem Moment zugewandt hatte. Ich starrte darauf. Was für eine Schande, dass ein so hübsches Stück Fleisch ausgerechnet zu einem so offensichtlichen Playboy gehören musste.

Dummerweise warf ebenjener Playboy genau in diesem Moment einen Blick über die Schulter, um mich dabei zu erwischen, wie ich auf seinen Hintern starrte.

Ich wurde rot und sah schnell auf meinen Schreibtisch, doch nicht, ohne sein Grinsen zu bemerken.

Verdammt!

Ich stieß einen frustrierten Seufzer aus, als er wieder zu mir herüberkam und sich auf den Besuchersessel fallen ließ, der mir gegenüber vor dem Schreibtisch stand.

»Kann ich dir mit irgendetwas behilflich sein?«

»Wenn mich nicht alles täuscht, habe ich dich gerade dabei erwischt, wie du mich abgescannt hast, Marie.«

»Da musst du dich getäuscht haben.«

»Es ist okay, wenn du es nicht zugeben willst.« Er beugte sich über den Schreibtisch und fügte im Flüsterton hinzu: »Wie man hört, soll mein Arsch durchaus einen Biss wert sein.«

Ich beugte mich ebenfalls vor und sah ihm dabei fest in die Augen. »Die Meinung deiner Mom zählt nicht.«

Josh grinste, bevor er schnuppernd die Luft einsog und meinen Notizblock unter dem Stapel Papier hervorzog.

Woher, zum Teufel, wusste er, dass ich ihn dort hingeschoben hatte? Ich versuchte, ihm den Block aus den Händen zu ziehen, war aber viel zu langsam.

Josh hielt ihn über seinen Kopf, bevor er aufstand und laut vorlas: »Potenzielle Übernatürliche. Wer-Irgendwas, Vampire, Yeti, Feen?« Er sah auf mich herab. »Deine Einkaufsliste?«

»Ich helfe einer Kundin dabei, sich zu entscheiden, mit wem sie ausgehen möchte«, sagte ich streng und streckte auffordernd die Hand nach dem Notizblock aus.

»Du scheinst ja nicht besonders wählerisch vorzugehen, was die Einschränkung der Präferenzen deiner Klientin angeht. Wer-irgendwas?«

»Gib mir einfach die Liste zurück«, zischte ich. »Und sag mir endlich, warum du hier bist, damit ich dich möglichst schnell abfertigen und mit meinem Leben weitermachen kann. Willst du vielleicht ein Date? Das wäre eine schockierende Neuigkeit …«

»Ein Date …« Josh warf den Notizblock vor mir auf den Schreibtisch und ließ sich wieder in den Sessel fallen, bevor er mich nachdenklich betrachtete. Seine langen, dichten Wimpern über den wunderschönen Augen verliehen ihm ein leicht verschlafenes Aussehen. Oder ein sexy Aussehen. Oder vielleicht auch beides. Sein Blick war intensiv, aber das Lächeln dazu nahm ihm jegliche Ernsthaftigkeit. »Meinst du, ich sollte mich mal wieder verabreden? Ich versuche immer noch, meinem letzten Date aus dem Weg zu gehen.«

Ein verächtliches Schnauben kam mir über die Lippen. Die letzte Frau, mit der Joshua ausgegangen war, war alles andere als begeistert gewesen, als er sich nach ihrem Treffen nie wieder bei ihr gemeldet hatte. Jetzt war ich diejenige, die sie mit ihren Anrufen grillte, da ich die beiden miteinander verkuppelt oder es zumindest versucht hatte.

Als ich nach der Liste greifen wollte, zog er den Block abermals zu sich heran und wackelte mit den Augenbrauen.

Entschlossen stand ich auf, umrundete den Schreibtisch und riss ihm den Block aus den Händen. Ohne ihn aus den Augen zu lassen, setzte ich mich wieder auf meinen Bürostuhl.

»Du solltest versuchen, mehr als nur einmal mit jemandem auszugehen. Nagel mich nicht darauf fest, aber nach allem, was ich gehört habe, führt man auf diese Weise eine Beziehung.«

Mein giftiger Ton schien ihn nicht im Mindesten abzuschrecken oder zu irritieren. »Aha, eine Expertin in Sachen Beziehung. Wie lange bist du denn schon mit deinem Freund zusammen?«

Die Frage würde ich ganz bestimmt nicht beantworten. Weil ich gar keinen Freund hatte. »Ich date nicht.«

»Noch ein Grund mehr, mit mir auszugehen. Ich wette, ich könnte deine Meinung ändern.«

»Und vor allem date ich keine Klienten.«

»Es gibt für alles ein erstes Mal.«

Bon Dieu de merde, fluchte ich stumm in meiner Muttersprache Französisch. Sich mit Joshua zu unterhalten fühlte sich an, wie im Kreis zu rennen.

Genervt wandte ich mich meinem Laptop zu und tippte seine Profilnummer ein. Er kam in letzter Zeit so häufig in die Agentur, dass ich sie inzwischen auswendig konnte. Zumindest redete ich mir ein, dass dies der Grund war.

»Wie wäre es mit einer Werjaguar-Dame?«

»Zu aggressiv. Ich mag Frauen, die ein wenig bissig sind, aber in meinen Armen dahinschmelzen.«

Oh Mann! Ich verdrehte die Augen. »Eine Harpyie?«

»Viel zu dreckiges Mundwerk.«

»Waldnymphe?«

»Die wollen den ganzen Tag nichts anderes machen als wandern. Ich bin mehr der ›Sich vor dem Kamin zusammenkuscheln und dabei kennenlernen‹-Typ.«

Darauf hätte ich meinen Arsch verwettet. »Eine Fee?«

»Zu zierlich. Ich habe gern was zum Anfassen.«

Du bist wirklich ein Schwein! »Vampirin?«

Er tippte sich an die Nase. »Kein Fan von Totengeruch.«

Entnervt lehnte ich mich zurück. »Wieso machen wir es nicht so rum: Du sagst mir, wonach du suchst, und ich prüfe, ob ich ein Profil finden kann, das zu deiner Beschreibung passt?«

Mit einer Fingerspitze beschrieb Josh Kreise auf der Schreibtischplatte. »Ich habe nicht gesagt, dass ich hergekommen bin, um ein Date zu vereinbaren. Außer natürlich, du hast deine Meinung geändert.«

»Warum bist du dann hier?«

Er deutete in Richtung des Konferenzraums, aus dem noch immer wütende Stimmen drangen. »Wie ich gehört habe, ist Vic hier, um ein bisschen Dampf abzulassen. Da dachte ich, ich komme auf dem Weg zur Arbeit kurz vorbei, um meinem Bruder Rückendeckung zu geben.«

Misstrauisch kniff ich die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen. »Warum dann das ganze Gerede über Dates?«

»Sag du es mir, Marie. Schließlich bist du diejenige, die mit allen Mitteln versucht, mich zu verkuppeln.«

Ich knirschte mit den Zähnen. »Hast du nichts Besseres zu tun, als hier rumzusitzen und mich zu nerven?«

Als Josh sein Baseballcap zurechtrückte, erhaschte ich einen weiteren Blick auf seine unglaublich schönen blauen Augen. »Es gibt keinen Ort, an dem ich lieber wäre als hier mit dir, Marie.«

»Hau ab«, sagte ich, vielleicht ein wenig schärfer als beabsichtigt, und wandte mich demonstrativ wieder meinem Laptop zu. »Ich habe zu tun.«

»Mit deiner Liste? Yetis für deine einsame Werfrau auftreiben?«

Ich funkelte ihn wütend an. »Hau. Ab!«

Er lachte und beugte sich erneut vor, sodass seine breiten Schultern Schatten auf meinen Schreibtisch warfen.

Meine Haut begann zu prickeln, so deutlich war ich mir seiner Präsenz bewusst. Abwartend starrte ich ihn an.

Josh blähte die Nasenflügel und legte den Kopf schief, bevor er einen Gesichtsausdruck aufsetzte, der zu sagen schien, dass er zufrieden mit dem war, was er gerochen hatte. Dann erwiderte er meinen Blick. »Wie es aussieht, braucht Beau mich nicht. Die Unterhaltung scheint beendet zu sein.« Er hob drei Finger in die Luft und schloss einen nach dem anderen in seine Faust, als würde er einen Countdown herunterzählen.

Die Tür zum Konferenzsaal wurde von innen aufgestoßen.

Ein Mann mit pechschwarzen Haaren stürmte als Erster heraus. Beau folgte ihm mit einem finsteren Ausdruck im Gesicht. Bathsheba hielt sich dicht an seiner Seite, wobei sie an ihrem weißblonden Pferdeschwanz zupfte. Sie wirkte ungewöhnlich nervös.

Der Anführer des Tiger-Clans schien noch immer außer sich vor Wut zu sein, und ich vermied es, seinem Blick zu begegnen. Seine ganze Erscheinung wirkte Angst einflößend, so wie es für große Raubkatzen vermutlich nicht gerade ungewöhnlich war. Seine Arme erinnerten an Baumstämme, an denen die Muskeln von dicken Venen durchzogen waren. Trotzdem übten seine rohen, brutalen Gesichtszüge eine seltsame Anziehungskraft auf einen aus. Er sah stark aus. Verdammt stark. Und stark war gut.

Unauffällig zog ich meine Liste hervor und schrieb das Wort »Tiger« neben »Wer-Irgendwas«.

»Beruhig dich«, wandte Beau sich an Vic. »Wir sollten die Sache ganz rational angehen.«

»Rational?«, brüllte Vic Merino. Seine Halsschlagader begann zu pulsieren, und er stieß ein wütendes Knurren aus. Mit angespannten Schultern wandte er sich zu Beau um. »Ein Mitglied meines Clans hat einen Menschen verwandelt. Ist dir eigentlich klar, was das heißt? Das heißt, dass ich mich ab sofort mit einer verdammten Menschenfrau abgeben darf, die keine Ahnung hat, wann und wie sie sich in einen Tiger verwandeln soll. Mein Clan hat andere Probleme.«

»Ich bin mir sicher, dass sich das alles regeln wird«, versuchte Bathsheba, ihn zu beruhigen.

Vic richtete seinen sengenden Blick auf sie. »Regeln? Mein Clan wird dafür, das Gesetz gebrochen zu haben, Entschädigungszahlungen an alle anderen Clans zahlen müssen. Sobald die anderen herausfinden, was wir getan haben, werden sie versuchen, uns zu ruinieren. Und abgesehen davon müssen wir ihren Eltern Schweigegeld bezahlen, damit sie die Klappe halten. Wir sind verdammt noch mal am Arsch!« Das Feuer in seinen Augen loderte noch einmal wilder auf als zuvor. »Meine Partnerin ist schwanger, und du willst, dass ich ruhig bleibe und rational diskutiere, während dieser Idiot dafür sorgt, dass meine Liebste bald nichts mehr zu essen hat?«

Beau trat beschützend vor Bath und funkelte Vic wütend an. »Ich verbiete dir, so mit meiner Partnerin zu sprechen, Vic.«

Der große Mann stieß ein weiteres Knurren aus und fletschte die Zähne, wich aber schließlich einen Schritt zurück. »Sorry. Fuck. Ich bin gerade einfach ein bisschen gestresst.«

Schnell strich ich das Wort »Tiger« auf meiner Liste wieder durch. Ich war mir nicht wirklich sicher, ob ich mit dieser Art Temperament umgehen könnte.

Ein Muskel in Beaus Kiefer hatte zu zucken begonnen. »Ich bin genauso verärgert wie du. Aber davon, dass wir uns anbrüllen, wird sie sich auch nicht wieder in einen Menschen zurückverwandeln.«

»Und was soll ich bitte machen? Wir sind, verdammt noch mal, geliefert. Bei wem soll ich mich beschweren?« Er verschränkte die Arme vor der breiten Brust. »Sie hat schon einmal versucht, zur Polizei zu gehen. Wir mussten alle Hebel in Bewegung setzen, um die ganze Sache schnell unter den Teppich zu kehren.«

»Keine menschliche Polizei«, sagte Beau ernst, ohne den beschützenden Posten vor Bathsheba aufzugeben. »Du weißt, was wir tun müssen.«

Vic, der begonnen hatte, aufgebracht in der Agentur auf- und abzulaufen, hielt mitten in der Bewegung inne. »Was schlägst du vor?«

»Das Gesetz wird geändert. Heute. Hier«, sagte Beau und durchschnitt mit der Handkante die Luft. »Erst der ganze Ärger mit Sara und den Wölfen und jetzt das hier. Die Dinge geraten außer Kontrolle, und das bringt uns alle in Gefahr. Vielleicht glauben die meisten, dass sich die Regeln gelockert haben, weil ich selbst eine menschliche Partnerin habe. Aber das ist nicht der Fall. Bathshebas Leben wurde bedroht. Ihre Schwester war andauernden Angriffen ausgesetzt. Das allein ist für mich Beweis genug, dass sich Menschen und Wers nicht mischen sollten.« Seine Miene verfinsterte sich mit jedem Wort mehr. »Von heute an gilt eine Null-Toleranz-Politik. Keine unautorisierten Verwandlungen. Und jeder, der die Regeln bricht, kann sich darauf freuen, seinem frisch verwandelten ›Partner‹ im permanenten Exil Gesellschaft zu leisten.«

Entsetzt sog ich die Luft ein. Permanentes Exil?

»Exil?«, wiederholte Johnny, der in diesem Moment aus dem Konferenzraum trat, die rothaarige Frau dicht hinter sich an der Hand. Er schluckte schwer. »Wir werden verbannt?«

»Das wurde noch nicht entschieden«, knurrte Vic. »Warum zeigst du deiner kleinen Freundin nicht erst mal, wie sie sich richtig verwandelt, damit sie keine weiteren Probleme in der Öffentlichkeit verursacht?«

Das Mädchen lief knallrot an. Johnny machte ein finsteres Gesicht, packte seine Freundin jedoch, ohne ein weiteres Wort zu verlieren, am Arm und zog sie hastig hinter sich her aus der Agentur.

Beau rieb sich müde über das Gesicht. Auf einmal wirkte er um zehn Jahre gealtert. Vic dagegen sah aus, als wollte er sich auf etwas stürzen und es in Fetzen reißen – egal, ob Möbelstück oder lebendiges Wesen.

Beau schüttelte langsam den Kopf. »Wir sollten ein paar Tage darüber nachdenken, bevor wir entscheiden, mit welcher Bestrafung wir auf sein respektloses Verhalten antworten.«

»Und das Mädchen …«

»Wird in seine Strafe mit einbezogen. Wir müssen in dieser Sache entschieden und streng urteilen. Wenn rauskommt, dass irgendwer losgezogen ist und einfach so einen Menschen verwandelt hat, bringt uns das alle in Gefahr. Null Toleranz.«

»Ist das nicht ein wenig heuchlerisch, nachdem du selbst eine menschliche Frau als Partnerin gewählt hast?«, fragte Bathsheba sanft. »Die meisten Männer in den Clans sind ziemlich einsam.«

»Und sie handeln nicht mehr rational. Ich will nicht sie beschützen, sondern dich. Sara. Und jede andere menschliche Frau, die gejagt und in etwas verwandelt werden könnte, das sie nicht versteht, wenn wir dem nicht sofort einen Riegel vorschieben.« Mit ernstem Blick sah er sich in der Runde um.

Niemand sagte ein Wort.

Dann wandte sich Beau wieder Bath zu. »Ich brauche eine Liste mit allen Clans und Rudeln, die einen besonders niedrigen Frauenanteil haben. Wir müssen sicherstellen, dass die Männer irgendwie beschäftigt werden. Das Letzte, was wir wollen, ist eine ganze Reihe menschlicher Frauen, die von Typen verwandelt werden, nur weil sie ihren Schwanz nicht in der Hose lassen konnten.«

Bath sah ihn herausfordernd an. »Entschuldige, aber hast du mich jetzt als deine Frau darum gebeten oder als deine Assistentin?«

Und schon wieder sog ich entsetzt die Luft ein, in der Erwartung, dass Beau jede Sekunde explodieren würde.

Aber der Anführer der Allianz stieß nur ein leises Lachen aus und beugte sich zu Bath hinab, um ihr einen Kuss auf die Wange zu geben. »Es tut mir leid. Könntest du mir bitte dabei helfen? Ich verspreche dir auch, mir die Bewerbungen für eine Assistentin anzusehen, sobald sich die Lage wieder etwas entspannt hat.«

Bath schenkte ihm ein mildes Lächeln und nickte.

Das war eines der Dinge, an die ich mich niemals gewöhnen würde. Gestaltwandler schienen geradezu darauf abzufahren, wenn ihre Frauen ihnen eine freche Antwort gaben.

»Aber …«, merkte Johnny an, der inzwischen wieder hereingekommen war.

»Keine weiteren Ausnahmen«, unterbrach ihn Beau knapp und sah jedem Einzelnen der anwesenden Männer in die Augen, um die Ernsthaftigkeit seiner Worte zu unterstreichen. Als er leicht die Zähne fletschte, wurde mir klar, wie wütend er wirklich war. Trotz seines liebevollen Umgangs mit Bathsheba kochte er innerlich. »Niemand anderes wird verwandelt, sonst werden beide auf der Stelle und für immer verbannt.«

Hastig strich ich »Wer-Irgendwas« auf meiner Liste durch. Was meine Auswahl noch einmal einschränkte. Beträchtlich einschränkte.

Immerhin suchte ich nach jemand, der mich verwandelte.

Kapitel zwei

Meine Mutter starb, als ich achtzehn war. In den Wochen vor ihrem Tod schien sie Tag für Tag ein wenig mehr in sich zusammenzufallen, während die Krankheit, die jeden Mediziner ratlos machte, sie langsam verrückt werden ließ. Ein äußerst seltenes Leiden namens Letale familiäre Insomnie – tödliche familiäre Schlafstörung.

Ich erinnerte mich noch gut daran, dass ich mir nichts dabei gedacht hatte, wenn ich morgens aufstand, um zur Schule zu gehen, und meine Mutter vor dem Fernseher vorfand, wo sie die ganze Nacht Wiederholungen angesehen hatte, weil sie nicht in den Schlaf finden konnte. Wenn ich sie darauf ansprach, lachte sie nur und behauptete, am Nachmittag einfach ein Nickerchen zum Ausgleich zu machen. Niemand in meiner Familie dachte sich zuerst etwas dabei. Doch nach sechs Monaten begann mein Vater, sich ernsthaft um sie zu sorgen. Sie versuchte es mit verschiedenen Schlaftabletten und anderen Medikamenten, aber das schien alles nur noch schlimmer zu machen. Auch die vielen Spezialisten, die sie aufsuchte, schüttelten nur den Kopf und sagten ihr, dass sie ihr nicht helfen könnten. Und als schließlich jemand das finale Urteil sprach – Letale familiäre Insomnie – wurde uns schmerzhaft bewusst, was ihr bevorstand. Sie würde einen langsamen, qualvollen Tod sterben, und es gab nichts, was wir dagegen unternehmen konnten.

Ihr Zustand verschlechterte sich schneller, als wir angenommen hatten. Innerhalb weniger Monate begann sie, Dinge zu sehen. Und als ihre Halluzinationszustände so schlimm wurden, dass sie oft nicht mehr in der Lage war zu unterscheiden, was real war und was nicht, mussten wir sie einweisen lassen. Von diesem Zeitpunkt an ging es noch steiler bergab. Vor Schmerz wie betäubt mussten wir mit ansehen, wie die Krankheit ihr den Verstand raubte und sie in eine wahnsinnige, zerbrechliche, leere Hülle verwandelte, in der einmal eine lebhafte Frau gesteckt hatte. Mein verzweifelter Vater hielt Tag und Nacht an ihrem Bett Wache, streichelte ihre Hand und sah sie unter seinen Augen dahinschwinden.

Wie konnte man daran sterben, einfach nicht zur Ruhe zu kommen? Die Ärzte hatten uns erklärt, dass etwas in ihren Genen meine Mutter daran hinderte, in einen erholsamen Schlaf zu finden, und dass der Schlafentzug langsam, aber sicher ihren Verstand auffressen würde. Zum Schluss war sie verrückt vor Erschöpfung gewesen und hatte mich und meinen Vater nur noch selten erkannt. Es war schrecklich mit anzusehen gewesen.

Da es sich um einen Gendefekt handelte, hatten die Ärzte darauf bestanden, mich ebenfalls zu untersuchen. Natürlich waren sie vor allem aus Forschungszwecken daran interessiert, ich selbst dagegen wollte wissen, ob mir dasselbe Todesurteil drohte wie meiner Mutter.

Auf die Wahrheit war ich nicht vorbereitet gewesen: Bei der Untersuchung meiner DNA stellten die Ärzte fest, dass ich mit demselben Gendefekt geboren worden war. Vielleicht würde die Krankheit bei mir ausbrechen, vielleicht aber auch nicht, teilte man mir mit. Die meisten Menschen spürten keine Symptome, bevor sie vierzig wurden, und bis ich dieses Alter erreicht hätte, so die Ärzte, hätte man sicherlich längst eine Behandlungsmethode gefunden. Sie tätschelten mir den Arm und beruhigten mich, und ich tätschelte wiederum meinem Vater, der noch immer mit dem Verlust meiner Mutter zu kämpfen hatte, den Arm und versuchte, ihn zu beruhigen. Es würde noch viel Zeit vergehen, bis sein einziges Kind vielleicht am selben Leiden erkranken würde. Und darüber hinaus gab es immer noch die Chance, dass die Symptome vielleicht niemals ausbrechen würden.

Doch mir stand mein Schicksal deutlich vor Augen, sobald ich die Untersuchungsergebnisse vor mir sah. Mir war klar, dass auch ich eines Tages einen langsamen, qualvollen Tod sterben würde.

Seitdem lebte ich mit dem Geist meines drohenden Endes, der wie ein dunkles Phantom in der hintersten Ecke meines Verstandes lauerte, weiter. Eine stetige, stumme Erinnerung daran, dass die Tage, die ich auf der Erde verbringen würde, begrenzt waren. Begrenzter als die von anderen, gesunden Menschen. Alles, was ich tat, jede Entscheidung wurde von diesem Wissen beeinflusst. So wie es vermutlich jedem Menschen ging, der erfuhr, dass er höchstens vierzig oder zumindest nicht viel älter werden würde.

Ich war bereits als Teenager relativ verschlossen und still gewesen, doch nach dem Tod meiner Mutter und meiner Diagnose zog ich mich noch mehr in mein Schneckenhaus zurück. Nach dem Highschoolabschluss verlor ich den Kontakt zu allen meinen Freunden, und das gesamte Studium über blieb ich für mich. Ich hatte mit angesehen, wie mein Vater gelitten hatte, und schwor mir, dass ich das niemals einem Menschen antun würde, den ich liebte. Jemand ins Herz zu schließen und ihm nahezukommen bedeutete am Ende nur Schmerz. Da war es besser, von Anfang an allein zu bleiben, um niemand zu verletzen.

Das war auch der Grund dafür, dass ich mit niemandem ausging. Mit der Zeit wurde ich immer besser darin, die Aufmerksamkeit von Männern an mir abprallen zu lassen, und ich mied Orte und Ereignisse, an denen man häufig angesprochen wurde – Bars, Klubs, Mädelsabende. Denn was wäre der Sinn gewesen? Ich würde im besten Alter einen schrecklichen Tod sterben. Jedes Mal, wenn ich einem Mann begegnete, der mich hätte interessieren können, musste ich an das Gesicht meines Vaters denken, während er am Bett meiner dahinsiechenden Mutter gesessen hatte. Wollte ich das wirklich jemandem antun? Nein, das wollte ich nicht. Also lehnte ich höflich jede Einladung zum Abendessen oder ins Kino ab.

Wenn ich mich besonders einsam fühlte, hatte ich immerhin noch meinen Vater. Nach Moms Tod wuchsen wir noch enger zusammen, gingen häufig essen, ins Kino oder zu einer Museumseröffnung. Bei einem Urlaub in England besuchten wir Burgen und Schlösser, und ich begleitete ihn zu seinen Pokerabenden mit Freunden. Alles lief bestens. Bis mein einsamer, mit fünfzig immer noch nicht alter Vater Posey kennenlernte.

Ich hasste sie.

Okay, Hass ist ein ziemlich starkes Wort. Ich pflegte eine intensive Abneigung gegen Posey. Sie war der Inbegriff ausgesuchter Südstaaten-Übertreibung. Ihre dicken blonden Haare waren immer zu einer enormen Lockenpracht toupiert. Sie trug Pink. Viel Pink. Sie arbeitete als Avon-Beraterin und zog High Heels zu ihren Caprihosen an. Ihre Ohrringe waren immer auf ihre Handtasche abgestimmt. Sie redete. Laut. Und sie flirtete mit meinem Vater, was das Zeug hielt. Bis er sich in sie verliebte. Bevor ich noch richtig verstand, was da eigentlich gerade passierte, ging er mit ihr aus. Dabei freute ich mich eigentlich für ihn. Er hatte es so sattgehabt, allein zu sein. Und obwohl ich nicht gerade ein Fan der pinkfarbenen lauten Posey war, musste ich zugeben, dass mein Vater sie geradezu verehrte und vor allem nicht länger traurig war. Und das war gut. Ich selbst hatte genug mit meinem neuen Job bei Midnight Liaisons zu tun, den ich angenommen hatte, da mir die Headhunter mit meinem Bachelorabschluss in Französisch nicht gerade die Türen einrannten. Und ich war froh, dass Dad jemand hatte, mit dem er Zeit verbringen konnte.

Erst als die beiden einen gemeinsamen Urlaub in Las Vegas verbrachten, begann ich, mich ausgeschlossen zu fühlen. Dann flogen sie gemeinsam nach Hawaii. Und unternahmen einen Roadtrip quer durchs Land. Die beiden hatten einen Riesenspaß zusammen, und ich fühlte mich isolierter und einsamer als je zuvor. Mit gerade einmal achtundzwanzig Jahren hatte ich das Gefühl, dass das Leben an mir vorbeizog, und ich überlegte, es vielleicht doch mal mit dem Daten zu versuchen.

Doch dann begannen die Schlafprobleme. Zuerst schob ich es auf den Stress durch den neuen Job. Nach einer Woche war mir allerdings klar, was passierte. Genau so hatte es bei meiner Mutter angefangen, und ich trug denselben Defekt in mir wie sie.

Ich starb.

Zuerst versuchte ich, es vor mir selbst zu verleugnen. Ich suchte einen Arzt nach dem anderen auf und ließ mir Schlaftabletten verschreiben, während ich meine Probleme vor meinen Kolleginnen und meinem Dad verbarg und mich in der falschen Sicherheit wiegte, dass ich es unter Kontrolle bekommen könnte. Ich tat alles, was ich konnte, um meine Schlaflosigkeit »in den Griff zu kriegen«. Zuerst kaufte ich mir neue Kissen, dann ein neues Bett. Ich machte eine Meditationstherapie, probierte es mit Hypnose. Akupunktur. Ließ einen Schlaftest nach dem anderen durchführen. Aber nichts funktionierte. Mein Gehirn wollte einfach nicht abschalten. Nicht schlafen. Die letale Insomnie war ausgebrochen.

Ich verfiel in Panik. Ich wollte nicht sterben. Schon gar nicht als anonyme, ungedatete Achtundzwanzigjährige, die noch nicht genug gelebt hatte. Ich war mir sicher gewesen, auf das Unabwendbare vorbereitet zu sein, nur um schließlich festzustellen, dass ich es in keinster Weise war.

Und dann kam mir eine Idee. Vielleicht konnte ich die Agentur nutzen, um mir selbst zu helfen. Sara hatte mich unwissentlich darauf gebracht.

Ich hatte an meinem Schreibtisch gesessen in dem verzweifelten Versuch, mich durch Überstunden davon abzuhalten, angesichts meiner Situation vollkommen durchzudrehen. Und irgendwann hatte Sara lauthals angefangen zu lachen, bevor sie mir ein Profil per Instant-Messenger geschickt hatte.

»Sieh dir das mal an.«

Ich öffnete den Link. Joshua Russell. Verboten gut aussehend; und nach dem Gesichtsausdruck auf seinem Profilfoto zu urteilen, war ihm das nur allzu bewusst.

»Was genau meinst du?«

»Seine Datingliste. Sieh dir mal an, wie lang die ist. Bei der Historie sollte man doch meinen, dass die Frauen ihn durchschauen, aber der Typ scheint sich so ziemlich alles erlauben zu können.«

Ich scrollte durch die Liste mit Dates. Wie es aussah, hatte Sara recht. Joshua schien schon so ziemlich mit jeder Gestaltwandlerin ausgegangen zu sein, die sich in unserer Datenbank befand. »Der Typ leidet vermutlich unter jeder Geschlechtskrankheit, die der Menschheit bekannt ist«, sagte ich trocken.

Sara schnaubte. »Oh Mann, du gehst ja ganz schön hart mit ihm ins Gericht. Und natürlich hat er keine Krankheiten, du Dummerchen. Er ist ein Gestaltwandler.« Sie betonte das letzte Wort, als sollte mir dadurch irgendwie ein Licht aufgehen.

»Ja. Und …?«

»Und Gestaltwandler bekommen keine Krankheiten. Wir haben so ein total verrücktes Immunsystem, das alles von uns fernhält.«

Und einfach so lieferte mir Sara meine Idee.

Ich würde einen Gestaltwandler dazu bringen, mich zu verwandeln. Vielleicht auch einen Vampir, da war ich nicht besonders wählerisch. Ich würde nicht jung sterben. Nicht, solange ich irgendetwas dagegen unternehmen konnte.

Kapitel drei

Natürlich musste ich erst einmal jemand finden, der bereit war, mich zu verwandeln. Ein Unterfangen, das einfacher klang, als es tatsächlich war.

Ich klopfte mit der Spitze meines Bleistifts auf die Schreibtischplatte und starrte auf meine Liste. Wenn Beau es mit der neuen Regel wirklich so ernst meinte, wie er gesagt hatte, dann kam kein Gestaltwandler für die Aufgabe infrage. Aber es gab immer noch Vampire. Sie hatten ihre eigenen Gesetze, und selbst die Untoten, die Mitglieder der Allianz waren, hielten sich nicht zwingend an die Regeln, die für Gestaltwandler galten. Manche von ihnen sahen außerdem gar nicht so schlecht aus. Wenn ich mich richtig erinnerte, war erst vor Kurzem einer in der Agentur gewesen. Ein Typ mit traurigem Blick und wirrem Haar, aber wahnsinnig attraktiv.

»Hey, Ryder«, rief ich quer durch den Raum. »Wer war der Vampir mit der sexy wilden Frisur, der letztens hier war? Einer von deinen Klienten?«

»Valjean«, antwortete sie, ohne von ihrem Laptop aufzusehen.

Ich gab seinen Namen in die Datenbank ein. Vergeben. Das Wort stach mir sofort ins Auge, als ich sein Profil öffnete. Verdammt, die Guten waren immer gleich weg. So viel zu meinem geplanten Date mit einem heißen Vampir. Nachdenklich kaute ich auf meiner Unterlippe, bevor ich die Suchkriterien auf »Vampire« einschränkte und auf Enter drückte.

Ich überflog die Liste mit Profilen, die mir die Datenbank ausspuckte. Vielleicht musste ich es mit jemandem versuchen, der schon etwas verzweifelter war. Immerhin war ich weder gut im Flirten, noch hatte ich irgendwelche überwältigenden Sexpraktiken in petto, mit denen ich einen Mann verführen könnte. Ich war gut im Puzzeln und Bingospielen – keine Talente, mit denen sich ein gut aussehender Mann hinter dem Ofen hervorlocken ließ. Aber wenn ich einen auftun konnte, der wirklich, wirklich verzweifelt auf der Suche war, würde ihm selbst das vermutlich nichts ausmachen. So zumindest meine Prognose.

Ich zog eine Dose mit Kompaktpuder aus meiner Handtasche und betrachtete mich in dem kleinen Spiegel im Deckel. Stumm fragte ich mich, ob dieses Gesicht in irgendeiner Weise attraktiv auf einen Vampir wirken könnte.

»Hey, Ryder? Würdest du sagen, dass ich süß bin?«

Dieses Mal löste Ryder tatsächlich den Blick von ihrem Laptop und sah mich misstrauisch an. »Soll das eine Fangfrage sein? Wieso?«

Ich zuckte betont nachlässig mit den Schultern. »Reine Neugier.«

»Hm, lass mich mal überlegen«, murmelte sie, stand auf und ging zu der kleinen Pantryküche hinüber, um sich einen weiteren Kaffee einzugießen. Ryder gierte nach Koffein wie ein Heroinabhängiger nach dem nächsten Schuss. Vermutlich war das einer der Gründe dafür, dass sie den ganzen Tag wie aufgezogen durch die Gegend hüpfte. »Ich fürchte, ich muss deine Frage mit Nein beantworten.«

Ich machte ein finsteres Gesicht. »Du bist wirklich eine schlechte Freundin, du tête de cochon

»Und damit hätten wir Grund Nummer eins. Mädels mit einem dreckigen Mundwerk sind nie süß. Verwegen, ja. Süß, nein. Das Französisch ist ein nettes Extra, aber nicht genug. Der zweite Grund – solange du weiter diesen Eyeliner trägst, wirst du niemals süß sein.«

Ich musterte ihr perfektes Make-up.

»Ich meine es ernst.« Ryder rührte einen Löffel Zucker in ihren Kaffee. »Schmeiß das billige Zeug weg. Damit siehst du nicht geschminkt aus, sondern so, als hättest du riesige Ringe unter den Augen.«

Die hatte ich tatsächlich, allerdings von meiner Schlaflosigkeit. Ich hatte immer gehofft, dass der Eyeliner ein wenig davon ablenkte. »Dann würdest du also nicht mit mir ausgehen?«

Als ich sie mit großen, traurigen Augen ansah, winkte sie ab. »Geh zum Friseur, damit er irgendwas aus diesen Fransen auf deinem Kopf macht. Lass die Brille weg. Und zieh, verdammt noch mal, was anderes an als immer nur T-Shirt, Jeans und Sneaker. Und zupf dir die Augenbrauen. Danach reden wir noch mal.«

Ich runzelte die Stirn und betrachtete mich wieder im Spiegel. Meiner Meinung nach gab es an meinen Augenbrauen absolut nichts auszusetzen.

»Okay, lass mich das noch mal anders formulieren. Sehe ich süß genug aus, um mit einem verzweifelten Vampir auszugehen?«

Ryder setzte sich wieder hinter ihren Schreibtisch und nippte an ihrem Kaffee. »Keine Ahnung. Du wirkst oft so unnahbar. Was hast du für eine Blutgruppe?«

»Null positiv.«

»Dann ja. Damit bist du für jeden Vampir süß genug.« Wieder verzog sie misstrauisch ihr perfekt geschminktes, hübsches Gesicht. »Und noch einmal: warum?«

Ich zuckte mit den Schultern, traute mich dann aber doch noch, eine Frage zu stellen. Ryder war die einzige Person, der ich in dieser Hinsicht vertraute. »Wenn ich ein Date mit einem Vampir während der Arbeitszeit vereinbare, deckst du mich dann?«

Vor Staunen klappte ihr der Unterkiefer herunter.

»Wegen der ganzen Sonnenlichtsache müssten wir uns abends treffen, also dann, wenn wir beide eigentlich arbeiten …«

»Das ist gegen die Regeln«, zischte sie leise. »Wenn ein Mensch einen Übernatürlichen daten will, müssen wir das mit der Chefin absprechen. Und du hast gehört, was Beau eben über das neue Gesetz für Gestaltwandler gesagt hat.«

»Ich weiß. Darum will ich ja auch mit einem Vampir ausgehen. Ich möchte, dass er mich verwandelt.«

Ryder riss die Augen auf. »Bist du verrückt geworden?«

Langsam begann ich, selbst daran zu glauben.

Trotz Ryders Protest ließ ich mich nicht von meinem Plan abbringen.

Zuerst richtete ich mir ein Fake-Profil auf der Website von Midnight Liaisons ein, das ich möglichst vage hielt. Mein Fake-Name? Minnie Michigo, eine Cousine des Biber-Clans der Michigos. Wenn einer aus dem Clan der Michigos in die Agentur kam und herausfand, dass ein falsches Profil unter ihrem Namen existierte, würde ich mächtig in der Tinte sitzen, aber damit würde ich mich auseinandersetzen, wenn es so weit war.

Laut der Angaben auf ihrer Profilseite liebte Minnie Vampire und Mondlicht, blieb gern bis spät in die Nacht wach und war offen für Neues. Wenn dass die verzweifelten Vampire nicht aus ihren Särgen holte, dann wusste ich es auch nicht.

Und tatsächlich bekam Minnie noch am selben Morgen eine Nachricht von einem Vampir, der fragte, ob sie am folgenden Abend mit ihm ausgehen wolle.

Und wie sie das wollte.

Ob Minnie ein Foto von sich schicken könne?

Verdammt! Ich rannte ins Badezimmer, nahm die Brille ab und warf mich in eine Pose, von der ich hoffte, dass sie in irgendeiner Kategorie als sexy galt. Dann machte ich ein Selfie mit meinem Handy, dass ich an Minnies potenzielles Date schickte.

Er bestätigte die Verabredung.

Das Foto war offensichtlich sexy genug gewesen.

Schnell tippte ich eine Antwort mit einem Vorschlag für ein Restaurant, das nicht auf der Liste der üblichen Hotspots für Mitglieder der Allianz stand.

Bevor ich am nächsten Abend zur Arbeit aufbrach, zog ich zu meiner üblichen Jeans einen Pullover an und trug etwas Lippenstift auf. Damit war ich bereit für mein Date.

In der Agentur erzählte ich Ryder von meiner geplanten Verabredung und flehte sie an, mich zu decken.

»Nein«, sagte sie ernst. »Auf keinen Fall. Nicht, solange hier alle noch total angepisst wegen der neuen Gestaltwandlerin sind. Wenn du wirklich mit einem Vampir ausgehen willst – warum auch immer du das überhaupt möchtest –, dann tu es nächsten Monat, wenn sich die Lage wieder etwas entspannt hat.«

Ich konnte keinen Monat warten. Immerhin wusste ich nicht, wie viel Zeit mir überhaupt noch blieb. Meine Mutter war über ein Jahr dahingesiecht, aber die Krankheit war bei mir auch viel früher ausgebrochen als bei ihr.

Ich faltete die Hände unter dem Kinn und sah Ryder mit traurigem Augenaufschlag an. »Biiiiiiitte!«

»Nein«, fauchte sie.

Manchmal hatte ich das Gefühl, dass ich die einzige Person war, bei der sie ihre scheinbar mühelos aufgesetzte fröhliche Maske fallen ließ. Sie gab nur vor, der ewige Sonnenschein zu sein, weil sie wusste, dass sie das im Leben weiterbrachte. Aber mir gegenüber nahm sie kein Blatt vor den Mund.

»Und jetzt setz dich an deinen Schreibtisch und mach deinen Job. Du weißt schon, diese Sache, der du deinen monatlichen Gehaltsscheck zu verdanken hast.«

»Komm schon, Ryder. Nur dieses eine Mal. Es ist wirklich wichtig. Kuck mal, ich habe sogar Lippenstift benutzt. Du weißt ganz genau, wie viel mir ein Date bedeuten muss, wenn ich dafür sogar Lippenstift trage.«

»Nein.«

Ich seufzte, bevor ich mich entschloss, die schweren Geschütze aufzufahren. »Diese Verabredung bedeutet wirklich alles für mich, Ryder. Weil … weil ich sonst sterben werde.«

Sie verdrehte die Augen.

Okay, das hatte offensichtlich nicht funktioniert. Verstimmt ließ ich mich auf meinen Bürostuhl fallen und starrte auf die Uhr. Noch eine Stunde bis zu meinem Date. Nervös trommelte ich mit den Fingerspitzen auf die Schreibtischplatte und wartete darauf, dass das Telefon klingelte oder eine Mail reinkam, aber die Dienstage waren meist ziemlich ruhig.

Nach einer halben Stunde seufzte Ryder laut und blickte zu mir herüber. »Hast du vor, das die ganze Nacht lang zu machen?«

»Was?« Ich sah auf.

»Mit den Fingern auf die Tischplatte trommeln.«

Ich schenkte ihr einen hoffnungsvollen Blick. »Ja …«

»Na gut«, murmelte sie in genervtem Ton. »Du kannst zu deinem Date gehen. Aber wenn irgendwer fragt, dann bist du Red Bull kaufen, und ich habe keine Ahnung, wo genau du es besorgen wolltest. Verstanden?«

»Du bist die aller-allerbeste Freundin, die ich mir wünschen kann, Ryder«, sagte ich mit einem breiten Grinsen. »Und das meine ich todernst. Damit sind wir die größten BFFs aller Zeiten.«

Sie streckte den kleinen Finger in die Luft, unser traditionelles Signal. »Hey, ich bewahre deine Geheimnisse und du meine.«

Ich stand auf und schlang meinen kleinen Finger um ihren, um den Schwur zu besiegeln. Dann hastete ich zum Schreibtisch zurück, schnappte mir meine Handtasche und stürzte aus der Tür, während ich Ryder über die Schulter zurief: »Sobald ich zurück bin, erzähle ich dir jedes noch so kleine Detail, versprochen.«

»Vielen Dank, aber wenn du mit einem Vampir ausgehst, kann ich auf die Details verzichten.«

Ich beschloss, zu Fuß zum Restaurant zu gehen. Der kleine gemütliche Sushi-Laden lag außerhalb des Datingradius, in dem sich unsere Kunden normalerweise bewegten (zu fischig für ihren empfindlichen Geruchssinn), aber trotzdem nicht weit entfernt von der Agentur.

Die Nacht war pechschwarz. Dunkle Wolken bedeckten den Himmel, sodass weder Sterne noch der Mond zu sehen waren; und es war kühl. Das alles machte mir nichts aus. Ich mochte die Nacht, das war schon immer so gewesen. Mir gefiel die friedliche Stille, wenn die ganze Welt um einen herum zu schlafen schien.

Um Ryders Story zu untermauern, kaufte ich an einem Kiosk auf dem Weg noch schnell ein paar Dosen Red Bull, bevor ich das Sushi-Restaurant betrat. Bis auf einen Tisch in dem taghell erleuchteten Raum waren alle anderen Plätze unbesetzt. Vielleicht doch nicht gerade die geschickteste Wahl für ein Date mit einem Vampir. Aber immerhin gaben mir die fluoreszierenden Lampen die Möglichkeit, ihn schon von der Tür aus genau mustern zu können.

Er war nicht gerade schnuckelig. Womit ich leben konnte. Wählerisch sein war etwas, das ich mir in meiner Situation nicht erlauben konnte. Zwar hatte er mir vorab ebenfalls ein Foto geschickt, doch ich hatte nur einen flüchtigen Blick darauf geworfen. Es spielte keine Rolle, wie er aussah – nicht, solange er in der Lage war, mir mehr Zeit auf dieser Erde zu schenken. Allerdings war die Beschreibung »nicht gerade schnuckelig« noch als wohlwollend zu betrachten. »Onkel Fester« traf es da schon eher. Sollten Vampire nicht wahnsinnig sexy sein? Dieser hier hatte schütteres Haar, eine schwammige Statur und trug eindeutig zu viel Schwarz. Sein Gesicht war blass – was ich erwartet hatte. Während ich langsam durch den Raum auf ihn zuging, nahm er die Serviette von meinem Platz und wischte sich damit über die feuchte Stirn – was ich nicht erwartet hatte.

»Hi«, sagte ich und blieb vor dem Tisch stehen in der Erwartung, dass er aufstehen würde, um mich zu begrüßen. »Ich bin Marie.«

Er zog fragend die Augenbrauen zusammen. »Minnie?«

»Ja, genau, wie ich schon sagte«, beeilte ich mich, ihm zuzustimmen.

Er betrachtete mich für eine Weile. »Du kommst mir irgendwie bekannt vor.«

Beim nächsten Date musste ich unbedingt darauf achten, mein Aussehen ein wenig mehr zu verändern. Offensichtlich hatte er mich schon einmal in der Agentur gesehen. »Das passiert mir häufig. Anscheinend sehe ich vielen Leuten ähnlich«, tat ich seine Bemerkung schnell ab und setzte mich.

Er starrte mich noch einen Augenblick mit gerunzelter Stirn an, bevor er sein Glas hob und einen Schluck durch einen Strohhalm trank. Als er den Mund öffnete, wunderte ich mich, keine markanten Eckzähne zu sehen.

»Bist du dir sicher, dass du ein Vampir bist?«

Er sah mich empört an. »Willst du etwa meine Fänge sehen?«

»Vielleicht?«

»Bitte ich dich darum, deinen Schwanz sehen zu dürfen?«

Okay, der Punkt ging an ihn. Ich schenkte ihm ein verkniffenes Lächeln und streckte die Hand aus. »Lass uns noch mal von vorn anfangen. Hi, ich bin Minnie, dein Date für heute Abend.«

Er schlang seine Finger um meine. Der schlaffeste Händedruck, den ich jemals bekommen hatte. Und schlimmer noch, seine Handflächen waren kalt und feucht. Aber es interessierte mich nicht, wie unattraktiv er war; ich wollte ja nicht mit ihm schlafen. Er sollte mich nur verwandeln, das war alles.

Mir fiel auf, dass ein seltsam betörender Duft von ihm ausging. Angenehm und warm, wie Sonnenschein oder der Geruch frisch gebackener Plätzchen. Er gefiel mir. Nur leider war dies die einzige Sache, die ich nicht abstoßend an ihm fand.

»Und du heißt …?«

»Bert. Der Name steht in meinem Profil.« Er klang beleidigt.

»Hi, Bert«, presste ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. »Ich freue mich, dich kennenzulernen.«

Er musterte mich von oben bis unten, bevor er noch einen Schluck trank.

»Also …«, sagte ich und zwang mich zu einem weiteren Lächeln. »Wie lange bist du schon ein Vampir?«

»Lange genug«, antwortete er und starrte mich verärgert an. »Okay, hör mir zu, solange du nicht willst, dass ich dein Blut trinke, bin ich mir nicht sicher, ob diese Sache hier funktionieren kann.«

Es war kaum zu glauben. Unser Date dauerte noch keine fünf Minuten, und er gab mir bereits den Laufpass?

»Entschuldige, wie bitte?«

»Es tut mir leid, dir das so direkt sagen zu müssen, Minnie, aber du bist nicht wirklich mein Typ. Auf dem Foto sahst du sehr viel attraktiver aus.«

Ich starrte ihn an. Zu überrascht, um irgendetwas zu erwidern. Es war unfassbar. Dieser unattraktive Idiot gab mir einen Korb. War das sein Ernst?

»Ich denke also«, er ließ den Strohhalm in seinem Glas kreisen, sodass die Eiswürfel klackernd gegeneinanderstießen, »dass wir den Small Talk überspringen können. Wenn du auf einen One-Night-Stand mit einem Vampir aus bist, dann bin ich der Richtige. Im Moment bin ich so durstig, dass ich alles trinken würde, was durch diese Tür da kommt.« Und als ob er seinen Worten noch einmal Nachdruck verleihen wollte, erschienen seine Fangzähne.

Entsetzt beobachtete ich, wie sie hinter seinen leicht geöffneten Lippen hervorblitzten, bevor sie wieder verschwanden.

Oh. Igitt.

»Falls du eine Beziehung suchst, sind wir nicht kompatibel.«

»Ich habe mich gerade erst hingesetzt«, protestierte ich. »Woher willst du wissen, dass wir nicht kompatibel sind?« Und warum zum Teufel ließ ich mich überhaupt darauf ein, meine Attraktivität mit dieser ekelhaften Kreatur zu diskutieren?

»Ich bin ein visueller Genießer, Minnie«, erklärte er ernsthaft. »Und du weist einige Merkmale auf, die eindeutig gegen dich sprechen. Diese Augenbrauen. Diese Brille. Und ich mag Frauen mit gewissen körperlichen Vorzügen. Du hast für meinen Geschmack eindeutig zu wenig Rundungen hintenrum. Wenn du verstehst, was ich meine …«

»Du meinst, dass ich nicht genug Arsch in der Hose habe?« Ich hatte so laut gesprochen, dass der Sushi-Meister mit einem Stirnrunzeln zu uns herübersah.

Bert zuckte mit den Schultern. »Jeder Mann hat nun mal seine Bedürfnisse. Manche mögen Brüste, andere Beine oder Hälse. Ich bin ein Liebhaber großer Hintern.«

Igitt.

Vielleicht war ich doch nicht so verzweifelt, wie ich geglaubt hatte. Doch eine Frage musste ich ihm trotzdem noch stellen. »Bevor ich gehe, kannst du mir sagen, was du davon halten würdest, deine Partnerin zu verwandeln?«

Er schnaubte. »Nichts. Dich würde ich nicht mal zum Vampir machen, wenn du mich dafür bezahlen würdest.«

»Und damit wäre ich hier wohl mehr als fertig. Auf Wiedersehen, Bert.«

Nur wenige Minuten später betrat ich die Agentur, knallte eine Dose Red Bull auf Ryders Schreibtisch und ließ mich schwer auf meinen Bürostuhl fallen.

»Dann ist das Date also gut gelaufen?«, fragte Ryder mit einem ironischen Grinsen.

»Er hat mir sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass ich nicht sein Typ bin«, knurrte ich wütend. »Zu viel Brille und Augenbrauen. Und nicht genug Rundungen. Hintenrum

»Wirklich?« Sie öffnete die Dose Red Bull und goss etwas davon in ihren Kaffeebecher. »Du solltest in seiner Akte vermerken, dass er auf Ärsche steht.«

Ich schnaubte. »Ein Arschloch, das auf Ärsche steht.«

»Ha ha, sehr witzig. Dann bist du jetzt also mit dem Thema durch?« Sie sah mich hoffnungsvoll an.

»Nein«, sagte ich entschlossen. »Nur weil der Erste ein Idiot und ein Schwein war, heißt das nicht, dass sie das alle sind.«

»Marie, Süße, wenn sie selbst in der Lage wären, eine Frau dazu zu bringen, mit ihnen auszugehen, bräuchten sie die Agentur nicht, oder? Du wirst auf der Website nichts anderes finden als weitere Schweine.«

Aber ich war noch nicht bereit aufzugeben. Ich weigerte mich schlicht und ergreifend.

Trotzig öffnete ich die Datenbank und begann meine Suche von vorn. Ich würde jemand finden, der mich verwandelte. Ich musste ganz einfach.

Kapitel vier

Immerhin zupfte ich mir die Augenbrauen. Selbst ich war nicht vollkommen beratungsresistent.

Als ich am nächsten Abend die Agentur betrat, winkte mir Sara von ihrem Schreibtisch aus zu, wo sie auf dem massiven Oberschenkel ihres Partners, Ramsey Bjorn, saß – dem größten und Angst einflößendsten Mann, dem ich jemals begegnet war. Die beiden zusammen zu sehen irritierte mich noch immer, aber sie schien sich von ihm nicht in der geringsten Weise eingeschüchtert zu fühlen.

Der Werbär hielt einen Gamecontroller in seiner riesigen Hand. Als ich an den beiden vorbeiging, riss Sara das Ding an sich. »Lass mich mal. Du fuchtelst viel zu viel mit den Daumen rum.«

Er knurrte.

Sie knurrte zurück. Ein dunkler Ton, der tief aus ihrer Kehle aufzusteigen schien.

Ich stellte die Handtasche auf meinem Schreibtisch ab und setzte mich, bemüht, die beiden möglichst zu ignorieren. Gestaltwandler waren einfach merkwürdig, und vermutlich war es gar nicht mal so schlecht, dass sie durch das neue Gesetz für mich außer Reichweite gerückt waren. Denn ich war mir alles andere als sicher, ob ich Lust darauf hatte, den ganzen Tag vor mich hinzuknurren und zu brummen, und außerdem hatte ich eine ausgeprägte Aversion gegen Flöhe. Trotzdem ließ mich der Blick, mit dem Ramsey Sara betrachtete – hungrig, besitzergreifend, verliebt –, ein wenig sehnsüchtig werden. Dagegen musste ich mit Bert, dem widerlichen Vampir, ausgehen, der auch noch der Meinung war, dass ich nicht genug Arsch in der Hose hatte.

»Oh, gut, dass du da bist«, begrüßte Ryder mich fröhlich und kam zu mir herüber, um mir einen Stapel Akten auf den Tisch zu knallen. »Hübsche Augenbrauen.«

»Halt die Klappe«, zwitscherte ich in ebenso fröhlichem Ton zurück.

Sara sah zu uns hinüber. »Das hätte ich fast vergessen, dir zu erzählen: Bath hat ein neues Projekt, an dem wir arbeiten sollen.«

Ich unterdrückte ein Stöhnen. Wann hatte Bath mal nicht die Idee zu einem neuen Projekt? Ich hatte keine Zeit für solche Sachen, immerhin war ich schwer damit beschäftigt, den richtigen Vampir für mich zu finden.

»Oh, toll«, antwortete ich, bemüht, wenigstens ein bisschen Begeisterung vorzutäuschen. »Was für ein Projekt denn?«

»Du und ich«, antwortete Ryder an Saras Stelle und ließ einen weiteren Stapel Akten auf meinen Tisch fallen, »werden nach der Reihe alle Klienten anrufen, bei denen es länger als ein Jahr her ist, dass sie den Service von Midnight Liaison in Anspruch genommen haben, und sie bitten, sich doch mal wieder auf unserer Seite umzusehen. Um sich selbst zu überzeugen, was für eine großartige Auswahl an interessanten Datingpartnern wir inzwischen in unserer Datenbank haben.«

Ich nahm eine Akte in die Hand und warf einen Blick hinein.

Kein Vampir. Uninteressant.

»Dann sollen wir sie also anlügen?«

Ramsey schnaubte laut.

»Nicht wirklich anlügen«, erklärte Sara, fuhr ihren Laptop herunter und warf den Controller in das Postfach auf ihrem Schreibtisch. »Sagen wir mal, wir strapazieren die Wahrheit ein wenig, um die Geschäfte wieder ins Rollen zu bringen.«

»Ich dachte, es läuft ganz gut.«

»Warum sollten wir uns mit ganz gut zufriedengeben, wenn wir noch mehr rausholen können? Das ist Bath’ neues Motto.« Sara stand auf und griff nach Ramseys riesiger Hand, um ihn ebenfalls auf die Füße zu ziehen. »Wir möchten, dass der Laden so richtig brummt.«

Mir gefiel es eigentlich ganz gut, wenn es ein wenig ruhiger zuging. »Und wir sollen jetzt auf magische Weise all die weiblichen Gestaltwandler herbeizaubern, die händeringend ein Date suchen, und sie davon überzeugen, dass sie dabei auf unseren Service angewiesen sind?«

»So in etwa, ja.«

Die Türglocke läutete, und eine Sekunde später betrat meine Nemesis die Agentur. Joshua Russell.

Ich warf die Akte zurück auf den Stapel. »Problem gelöst«, bemerkte ich trocken. »Wir lassen einfach alle mit Josh ausgehen.«

Ryder kicherte.

Als Josh, sexy und lästig wie immer, mir zublinzelte, ignorierte ich ihn. Insgeheim hoffte ich darauf, dass er, wenn ich es mir nur fest genug wünschte, irgendwann einfach vom Erdboden verschluckt und für immer verschwinden würde. Doch bisher war mein frommer Wunsch noch ungehört geblieben.

»Wie ich sehe, ist meine umwerfende Marie mal wieder begeistert, mich zu sehen«, sagte er und zog den Stuhl zu sich heran, auf dem eben noch Sara und Ramsey gekuschelt hatten, um sich rittlings darauf zu setzen. Sein Grinsen war so breit, dass sich um seine hübschen Augen kleine Lachfalten bildeten. »Nehmt ihre harten Worte bloß nicht zu ernst. Ich weiß, dass sie tief in ihrem Herzen einen Platz für mich hat. Vielleicht ist es euch noch nicht aufgefallen, aber jedes Mal, wenn ich hier auftauche, schenkt sie mir ganz besonders viel Aufmerksamkeit.«

Sara kicherte.

Ich hasste diesen Mann. »Crétin! Ich wünschte, du würdest auf dem Absatz wieder kehrtmachen.«

»Falsch. Das tust du nicht.«

»Oh doch.«

»Wenn du wirklich willst, dass ich gehe, solltest du damit aufhören, mir all dieses sexy Französisch um die Ohren zu hauen.«

»Ich beschimpfe dich, tête de cochon

»Oh, das kommt mir bekannt vor! Ich glaube, sie hat dich gerade einen Dickschädel genannt«, bemerkte Ryder mit einem frechen Grinsen. »Damit hat sich mich letztens auch verflucht.«

Das alles schien Josh nicht in der geringsten Weise zu entmutigen. »Anderen Leuten unanständige französische Wörter an den Kopf zu werfen, ist Maries Art des Vorspiels. Deswegen weiß ich ganz genau, wie sehr sie mich mag.«

Am liebsten hätte ich vor Frustration meinen Kopf auf die Tischplatte gehauen. »Bitte. Bitte, verschwinde einfach.«

»Marie«, sagte er gedehnt, »wenn du wirklich möchtest, dass ich ’nen Abgang mache, warum hast du dich dann heute extra für mich zurechtgemacht? Du siehst verdammt hübsch aus.«

Ich lief rot an. Mist! Hatte er etwa wirklich bemerkt, dass ich mich für mein Date heute Abend geschminkt hatte? In Zukunft musste ich noch besser aufpassen.

Vorsichtshalber vermied ich es, Sara anzusehen. Wenn sie herausfand, was ich tat, würde sie Bathsheba davon erzählen. Und sobald meine Chefin erfuhr, dass ich den Agenturservice ohne Erlaubnis und auch noch während meiner Schichten nutzte, würde ich schneller auf der Straße sitzen, als ich »Vampir« sagen konnte. Vielleicht hatte sie das irgendwann mal nicht so eng gesehen, und ich hätte sie sogar fragen können, ob es okay für sie wäre, wenn ich mit dem ein oder anderen Kunden ausging. Immerhin hatte sie selbst die Website genutzt, um sich mit Beau zu treffen. Aber mit all den Problemen, die es zurzeit gab, würde sie keine Gnade kennen. Vor allem nicht vor dem Hintergrund, dass ich mich während der Arbeitszeit verabredete. Da war es das Beste, sie gar nicht erst zu fragen.

Als ich einen Blick zu Ryder hinüberwarf, fiel mir auf, dass auch sie plötzlich ein wenig nervös wirkte.

»Vielleicht hatte Marie heute einfach nur Lust, sich hübsch zu machen«, sagte Sara leichthin. »Ich glaube nicht, dass das irgendwas mit dir zu tun hat, Josh.«

»Da wäre ich mir nicht so sicher, Sara. Es hat immer was mit mir zu tun. Du weißt doch, alle Frauen wollen ein Stück von mir abhaben.« Er wackelte übertrieben mit den Augenbrauen, doch als Ramsey ihm einen bösen Blick zuwarf, beeilte er sich hinzuzufügen: »Fast alle Frauen.«

Sara grinste und schlang einen Arm um Ramseys Taille. »Wir sind für heute weg. Bath hat gesagt, dass ihr sie anrufen sollt, wenn ihr Fragen zum neuen Projekt habt. Ansonsten erwartet sie morgen Früh euren ersten Report.«

»Bis dahin«,

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