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Mission Sternenstaub

Mission Sternenstaub

Jo Zybell

Published by Cassiopeiapress/Alfredbooks, 2018.

Inhaltsverzeichnis

Title Page

Mission Sternenstaub | SF-Roman von Jo Zybell

Copyright

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Further Reading: Commander Reilly #1 - Ferne Mission: Chronik der Sternenkrieger

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Mission Sternenstaub

SF-Roman von Jo Zybell

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Der Umfang dieses Buchs entspricht 226 Taschenbuchseiten.

Seit Tausenden von Jahren bekämpfen sich zwei Völker, ohne dass ein nennenswerter Vorteil für eine Seite erlangt werden kann. Erst als durch Zufall ein Raumschiff des Kelradan-Imperiums auftaucht, eskaliert die Lage, denn das Schiff wird von einer automatischen Station beschossen und zur Notlandung gezwungen. Die Kelradan versuchen die Station zu erobern und finden Alien-Technik. Die Kämpfe alarmieren auch das Raumschiff Sternenstaub unter Ryan Whittaker. Aus dem kleinen begrenzten Konflikt droht eine intergalaktische Auseinandersetzung zu werden, denn die Kelradan wollen nicht einfach abziehen. Die Menschen müssen nicht nur gegen die Außerirdischen kämpfen, sondern auch die Yuparen retten, denen im wahrsten Sinne des Wortes der Himmel auf den Kopf zu fallen droht.

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1.

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Er hieß Tanka. Er war gut, und er wusste, dass er gut war. Viele hielten ihn sogar für den Besten. Auch das wusste er. Doch was spielte das für eine Rolle in einem Augenblick wie diesem? Heute kam es darauf an zu beweisen, dass er der Beste war. Heute kam es darauf an, seinem Lebenswerk die Krone e aufzusetzen.

Er fuhr die Augen weit aus und spähte in das Gelände. Es stieg sanft an. Morgendunst wallte über dem rötlich grünen Farnteppich, der den Hang bis hinauf zu dem lichten Silberbaumwäldchen bedeckte. Rötlicher Nebel schwebte zwischen deren hohen, dünnen Stämmen und hing in ihren Wipfeln. Rötlicher Nebel hüllte auch den Gittersockel des Werkes ein. Dort oben lag die größte Hochebene des Kontinentalplateaus. Dort oben erstreckte sich über zweitausend und mehr Kilometer die Seenplatte von Muntarion, dem nördlichsten Nutzlandplateau von Korsky.

Dort oben hatte sich der Feind verschanzt.

Von den Bleichköpfen und ihren Maschinen sah er nicht einmal eine Antenne. Das würde sich ändern. Nicht mehr lange, und er würde seine Späher hinaufschicken. Dann würde der ganze fade Stolz der Bleichköpfe wie ein Geschwür im grellen Scheinwerferlicht eines Chirurgen vor ihm liegen: ihre Maschinen, ihre mobilen Stellungen, ihre Zentrumsgenerator, ihre Flugschweberen und ihre Festungsanlagen. Bald; sehr bald.

Sie hatten die gesamte Hochebene besetzt, an die vier Millionen Quadratkilometer. Das ganze Gebiet, das schon die Urväter den »Brunnen von Korsky« genannt hatten. Rund um das Fundament des Werkes verlief die Front; und damit rund um den Hauptsee und die Brennstofffabrik an seinem Westufer. Seit Langem schon; viel zu lange schon.

Heute würde sie zusammenbrechen. Er hatte hart dafür gearbeitet, viele Umläufe lang.

Er zog die Augen ein, klappte die Schutzgläser vom Stirnhelm über sie und drehte sich um. Bis zur Hälfte hatte die rote Sonne sich bereits hinter dem Horizont in den Himmel geschoben. Die Wolken schienen zu brennen. Er nickte zufrieden.

Ein letzter Rundblick in die Umgebung: In jeweils zweihundert Meter Entfernung standen die beiden Flugschweberen bereit. Aus ihren Türmen lehnten schwarze Gestalten mit roten Helmen und in roten Kampfanzügen: Lankok und Hintor, seine beiden Strategieberechner. Sie warteten auf den Einsatzbefehl.

Und hinter ihnen Tankas Zentrumsgenerator. In einer fast fünf Kilometer langen Reihe ragten seine Panzerbrecher und wölbten sich seine neuen Multikämpfer aus dem Farn. 1200 Multikämpfer und 3900 Panzerbrecher würden er und seine beiden Strategieberechner an diesem Morgen in die Schlacht führen. Dazu die 3900 Späher; jeder Panzerbrecher führte eine dieser faustgroßen Kleinstraketen mit sich. Die Hälfte von ihnen würde als Geschosse dienen, wenn sie ihre Aufklärungsarbeit erledigt hatten.

Und gut getarnt im Hinterland, keine dreißig Kilometer entfernt, wartete die riesige Armee des Generals darauf, durch das Tor zu stürmen, das er heute aufstoßen würde.

Tanka winkte zu Lankok und Hintor auf ihren Flugschweberen hinüber. Ein letzter Blick auf die Sonne – fast den zehnten Teil des Himmels füllte sie inzwischen aus –, dann stieg er in seinen Zentrumsgenerator hinunter, klappte die Schutzgläser hoch und zog die Turmluke zu.

Wie geplant würden sie die Sonne im Rücken haben. Nicht dass die Bleichköpfe keine optischen Geräte besessen hätten, die gegen das grelle Blendlicht immun waren. Das schon. Die verdammten Bleichköpfe konnten auf fast alle technischen Geräte zurückgreifen, über die auch die Darak verfügten. Anders hätten sich diese Schmarotzer niemals so lange dort oben am Fundament des Werkes halten können.

Über fast alle – das war der entscheidende Begriff.

Entscheidend war einer wie Tanka.

Mindestens drei der Neuentwicklungen, die er heute in die Schlacht werfen würde, hatten die Bleichschädel nicht. Die Multikämpfer. Vor allem sie würden Furcht und Schrecken unter den Strategen der verdammten Schmarotzer vom Mond verbreiten. Und ihre beiden stärksten Waffen erst recht: der Lumenator und der Neutronenwerfer. Beides Neuentwicklungen aus Tankas Denkschmiede. Der Lumenator arbeitete mit Sonnenlicht. Auch fünfhundert Panzerbrecher hatte Tanka mit der neuen Waffe aufgerüstet.

Tankas Großvater hatte einst die Armeen der Darak in die verlustreiche Schlacht geführt, bei der 104 Umläufe zuvor das Fundament des Werkes und der Hauptsee verlorengegangen waren; oder besser: wieder verlorengegangen waren. Denn im Laufe des immerwährenden Krieges hatte Tankas Volk die Bleichschädel wohl hundertmal von dort oben vertrieben und war wohl hundertmal von den Bleichschädeln wieder von dort oben vertrieben worden.

Tankas Großvater war damals gefallen, und seit 104 Umläufen kontrollierten die verdammten Bleichschädel nun schon wieder den Wasserabfluss vom Hauptsee hinunter in die Siedlungsgebiete der Darak. Sie ließen gerade genug Wasser abfließen, dass die Darak in dieser Gegend Trinkwasser hatten; aber viel zu wenig, um daraus ausreichend Brennstoff zu gewinnen. Die acht feingliedrigen Finger seiner Rechten tanzten über die Armaturentafel. Tanka sandte einen UKW-Impuls an das mobile Hauptquartier aus. Hinter ihm begann der Reaktor zu summen. Unter ihrer transparenten Verblendung leuchtete die Rechenspirale auf. Wie aus dem Nichts flammte über ihr der Sichtschirm auf. Und in ihm nahm das Gesicht des Oberbefehlshabers Konturen an. Die Augenstiele weit ausgefahren, musterte er Tanka.

»Ich grüße meinen Oberbefehlshaber Jupanthor, General der Darak!« Tanka deutete eine Verneigung an. »Ich bin bereit zum Angriff und erwarte Ihren Befehl, General Jupanthor.«

Genau wie Tanka – genau wie alle reinrassigen Darak – war Jupanthor schwarz. Nicht dunkelgrau, nicht braun, nicht dunkelbraun, nicht anthrazitfarben, sondern schwarz. So schwarz wie eine Srygork-Nacht niemals sein konnte, denn selbst während der kurzen Nächte auf dem innersten Planeten der roten Sonne Luut glühten noch Spuren ihres Lichtes in der Atmosphäre. Um die Schwärze der Haut eines Darak vor Augen zu haben, müsste man sämtliche Luken eines Zentrumsgenerators schließen, die Rechenspirale ausschalten und den Reaktor deaktivieren, damit auch die schwächste Bereitschaftsleuchte erlosch. So etwas aber kam niemals vor, denn die Darak von Korsky und die Schirins vom Mond Lauan führten praktisch ununterbrochen Krieg. Und das seit über zehntausend Umläufen. So konnte man von der Hautfarbe der Darak eigentlich nur soviel sagen: Sie war unvergleichlich schwarz.

Die verfluchten Bleichschädel, die Schirins, waren nicht halb so schwarz – nicht halb so edel. Geschmeiß halt.

»Und ich grüße meinen Ersten Vordenker Tanka. Es ist ein großer Tag. Das Volk der Darak schaut auf seinen Helden, schaut auf Sie. Von unseren Spionen weiß ich, dass General Labtor und seine Streitkräfte zittern, seit sie erfahren haben, dass der große Vordenker Tanka persönlich die Schlacht lenken wird! Der Scheinangriff am Westhang der Hochebene hat soeben begonnen. Wie wir hören, hat der Feind dort seine stärksten Kräfte massiert. Es läuft also alles nach Plan. Hiermit befehle ich nun den Hauptangriff! Heute holen wir uns den Brunnen von Korsky zurück! Heute noch erobern wir die Brennstofffabrik! Eine frohe Schlacht! Mögen die Götter mit Ihnen sein!«

»Danke, mein General.« Wieder deutete Tanka eine Verneigung an, wieder tanzten seine sechzehn Finger über die Armaturen. Jupanthors Konterfei verblasste.

Der General war ein Pathetiker und ein Frömmler dazu. Er redete zu gern und zu viel, und vermutlich glaubte er sogar noch an jene lächerlichen Mythen, nach denen die seit Jahrzehntausenden währende Ausdehnung der roten Sonne Luut eine Strafe für irgendeine Erbsünde der Urväter sei. Und nicht nur die Sonnenexpansion, sogar das prachtvolle Schwarz darakischer Haut führten diese Mythen auf eine Strafe der weißen Götter zurück; und die, welche solche kindischen Mythen seit Neuestem wieder für salonfähig hielten, ebenfalls.

Eine Strafe welcher Götter? Und für welche »Erbsünde«? Tanka schnitt eine verächtliche Miene und schüttelte den schwarzen Schädel. Er würde niemals begreifen, weshalb der Glaube an die weißen Götter vor allem unter der Elite auf Korsky wieder modern werden konnte.

»Erster Vordenker an Strategieberechner – setzen Sie Ihre Maschinen in Bewegung. Und hinaus mit den Spähern!«

Lankok und Hintor bestätigten nacheinander. Jeder von ihnen steuerte eine Hälfte der Panzerbrecher; selbstverständlich würde Tanka ihre Arbeit über seine Rechenspirale kontrollieren. Seine neuartigen Multikämpfer persönlich zu steuern ließ er sich nicht nehmen. Er sandte den Programmimpuls aus.

Der Zentrumsgenerator rollte an, die Vorstoßmeldungen der Flugschweberen gingen ein. Umgeben von drei Ringeskorten aus je achtzehn Panzerbrechern würden die drei gepanzerten Amphibienfahrzeuge sich immer drei bis zehn Kilometer hinter der dritten und letzten Angriffswelle bewegen.

Auf der oberen Hälfte des Sichtschirms glitt rasend schnell der farnbedeckte Hang vorbei – das war die Perspektive der Späher. Schon kamen die ersten Geschütztürme der Bleichschädel in Sicht.

Auf der unteren Hälfte des Schirms sah Tanka die vorderste Angriffswelle seiner Maschinen. Die Panzerbrecher hatten ihre Späher ausgeschleust und pflügten nun, auf der Vorderseite liegend und die Gehstelzen zusammengelegt, wie mehrgliedrige Röhren durch den Farn. Ihre kleinen Kettenschuhe wühlten Blattwerk und Erde in die Luft. Die Brennkreise ihrer Kleinstdüsen leuchteten grell. Manche zogen einen Schweif aus Funken hinter sich her.

Dazwischen die etwa zwei Meter durchmessenden und zu etwa einem Meter hohen Kuppeln gewölbten Körper der Multikämpfer. Sie erinnerten Tanka an stählerne Panzerechsen, wie sie da auf ihren sechzehn achtgliedrigen Beinen den Hang hinaufrasten. Unwillkürlich klatschte Tanka in die Hände. »Wunderbar!«, rief er. »Einfach wunderbar!«

Feine grelle Strahlen lösten sich aus einigen Multikämpfern. Feindberührung, endlich! In der oberen Sichtschirmhälfte konnte Tanka beobachten, wie das gebündelte Licht in die Tarnnetze zweier mobiler Stellungen der Schirins eindrang. Im Zickzackkurs rasten die feindlichen Fahrzeuge in den Silberbaumwald. Ihre Navigationssysteme waren ausgefallen! Es gab gar keinen Zweifel mehr – die Waffe wirkte! Ein Späher schlug in eine der mobilen Stellungen ein. Eine Feuerkugel blähte sich auf, dann ein Rauchpilz. Ein paar Bäume brannten. Schade, aber nicht zu ändern.

»Es geht los!« Tanka schrie vor Begeisterung. »Jawohl! Es geht los!« Es war erst der Anfang. Seine Finger tanzten über die Armaturen – er gab den Neutronenwerfer frei.

*

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»WEIßT DU, WIE ICH mich fühle?« Sergej Grigoff stapfte durch die Hallen des Raumjägerdepots. Überall Wartungsroboter, überall Reinigungsmaschinen, überall Aufräumkolonnen. »Nackt fühle ich mich, vollkommen nackt!« Makrod antwortete nicht.

Grigoff bückte sich nach einem zusammengeknüllten weißen Etwas und hob es mit spitzen Fingern auf. Eine Einmalwindel. Sie stank entsetzlich. Grigoff verzog das Gesicht und schleuderte das Ekelteil in Richtung eines Abfallbehälters, den zwei Roboter in der Nähe vorbeizogen. Er verfehlte den Behälter und traf den vorderen Roboter. Der blieb stehen und richtete seine Optik auf den Raumjägerpiloten.

Der winkte ab. »Tut mir leid, Blechmann. Weitermachen!« Und dann wieder an Makrods Adresse: »Ja, nackt fühle ich mich, verdammt noch mal!« Er entdeckte eine Plastikflasche, nahm Anlauf und trat sie in den Abfallbehälter. Diesmal traf er, und der Roboter, der gerade die zusammengeknüllte Windel aufhob, fuhr hoch und beäugte den Menschen. Fast hätte man meinen können, er fühlte sich von Grigoff provoziert.

Mark Makrod, der einzige Raumjägerpilot in Hörweite, war damit beschäftigt, einen Trupp Wartungsroboter beim Abbau einer der zahlreichen Zeltbahnen zu dirigieren. Jetzt drehte er sich um und runzelte die Stirn. »Sagtest du, du fühlst dich nackt?«

»Ja, das sagte ich, Mann! Und das meine ich auch! Oder wie soll man sich fühlen als Raumjägerpilot in einem Raumjägerdepot ohne einen einzigen Raumjäger?« Er drehte sich ein paarmal um sich selbst und wies mit ausgebreiteten Armen auf die leeren Beibootbuchten. »Na, wie soll man sich fühlen? Sag es mir, Mark! Los!«

Makrod grinste. »Keine Ahnung!« Die pathetische Art seines Kollegen amüsierte ihn. Hin und wieder ging einfach sein ukrainisches Temperament mit Grigoff durch. So war er eben.

»Ich glaube, ich fühle mich ein wenig wie im Urlaub.« Makrod trat ein paar Schritte zurück, damit die Roboter die nächste Zeltbahn lösen und umlegen konnten. »Ja, Sergej! Fühl dich doch einfach wie im Urlaub. Du bist Raumjägerpilot, es sind keine Raumjäger an Bord, also bekommst du in absehbarer Zeit keinen Einsatzbefehl. Daher bist du in Urlaub. Los, fühl dich wie im Urlaub!« Makrod winkte den Kollegen zu sich. »Komm her, pack mit an! Wenn du was zu tun hast, musst du nicht darüber nachdenken, wie du dich fühlst.«

Die Zeltbahn fiel, Staubflocken stiegen vom Boden hoch. Grigoff hustete, wedelte mit den Armen und bückte sich nach einem Ende der Bahn, um sie gemeinsam mit Makrod glattzuziehen.

»Ich hätte aber gern einen Einsatzbefehl, kapierst du das? Urlaub mache ich, wenn wir auf Terra gelandet sind. Dann geht’s in die Transmitterstation und ab nach Paradise, das schwöre ich dir.« Gemeinsam wickelten sie die Zeltbahn auf. »Ich weiß gar nicht, wie du von Urlaub sprechen kannst, während wir hier den Dreck all dieser Leute wegräumen müssen.« Er hob den Kopf, schnüffelte und rümpfte die Nase. »Und dieser Mief, den sie hinterlassen haben! Könnte man nicht endlich mal lüften hier?«

»Nein«, sagte Makrod trocken. »Das tun wir besser erst, wenn wir gelandet sind.« Er griff in die Zeltbahn und zog ein großes Blatt Papier ab, das jemand mit Klebstreifen daran befestigt hatte. Eine Zeichnung, von einem Kind gemalt. »Wie niedlich!«

Grigoff beugte sich über seine Schulter. Gemeinsam betrachteten sie das Kinderbild: ein gebogener Horizont, eine Sonne, drei Strichmännchen. Zweien davon, einem der beiden großen und dem kleinen, standen stachelartige Haare von den runden Köpfen ab. Über dem Bild hatte jemand mit krakeliger Kinderschrift geschrieben: Mama + Papa + Marie.

»Da hat ein kleines Mädchen seine Landung auf Yolnur gemalt. Was machen wir damit?«

»Keine Ahnung.« Grigoff klopfte sich die Hände am Overall ab. Mürrisch blickte er auf einen Stapel Gerümpel, den ein Roboter in seiner Nähe mit einem breiten Besen zusammenschob: Plastikflaschen, leere Pappkartons, Verpackungsmaterial, ein Schnuller, eine angebrochene und vergessene Packung Kondome, ein paar leere Konservendosen.

»Wenn man bedenkt, dass es auf dem ganzen Schiff solche Dreckhaufen gibt ...« Grigoff rümpfte die Nase und schüttelte den Kopf.

»Es werden doch von Minute zu Minute weniger.« Makrod faltete das Kinderbild zusammen und steckte es in eine Beintasche seiner Bordkombi. »Sieh es doch positiv, Sergej – es ist vorbei.«

Vorbei war die größte Evakuierungsaktion in der Geschichte der Menschheit. Die Sternenstaub hatte sich daran beteiligt. Gleich nach dem tragischen Verschwinden der Seithnys in den Weiten des Kosmos hatte sich das Schiff von Commander Ryan Whittaker in die konzertierte Rettungsmission der Terranischen Flotte, der verbündeten Luhr und der Flotte von Paradise eingeklinkt.

Die Enttäuschung war maßlos gewesen – hatten sie doch gehofft, die geheimnisvollen Energiewesen, die Seithnys, würden die heimatliche Sonne so lange mit neuem Wasserstoff versorgen, bis sie wieder die Masse erreichen würde, die sie vor dem heimtückischen Angriff der Gracker gehabt hatte. Die Besatzung der Sternenstaub und ihr Kommandant hatten ihre Frustration einfach in Arbeit erstickt. Monatelang war der Diskusraumer zwischen Yolnur und der Erde gependelt. Zweitausend Menschen hatten sie bei jedem Flug nach Yolnur an Bord gehabt.

Waren sie fünfzehnmal geflogen? Oder zwanzigmal? Grigoff hatte irgendwann aufgehört zu zählen. Schon möglich, dass insgesamt fünfzigtausend Leute an Bord gewesen waren in den letzten Monaten. Fünfzigtausend Menschen machten eine Menge Dreck. Die Evakuierungsaktion war vorbei. Aufräumen und Saubermachen war angesagt.

»Positiv soll ich das sehen?« Ein paar Schritte weiter warf ein Roboter einen Arm voll Kunststoffflaschen in einen Abfallbehälter. Ein anderer kippte einen Karton mit Konservendosen dazu. Eine Reinigungsmaschine rollte mit aktiviertem Staubsauger vorbei. »Berauschender Tipp«, knurrte Grigoff.

Er und Makrod standen auf. Das Verschnüren und den Abtransport der Zeltbahnen überließen sie den Robotern. Mit den Planen hatten sie im Raumjägerdepot und auf den Gängen der Sternenstaub kleinere Räume voneinander abgegrenzt, um den Evakuierten während der tagelangen Reise nach Yolnur wenigstens eine Andeutung von Intimsphäre zu schaffen.

»Ist doch so!«, sagte Makrod. »Die ganze verdammte Evakuierung ist vorbei.« Er bückte sich nach einer Tüte mit gebrauchten Trinkbechern und schleuderte sie im Vorübergehen in einen Abfallbehälter. »Jetzt machen wir sauber. Gleichzeitig fliegen wir zurück nach Terra. Dann machen wir Urlaub auf Paradise, und wenn wir anschließend wieder an Bord kommen, ist hier wieder alles blitzblank und vor allem: voll mit unseren Raumjäger.« Er boxte Grigoff gegen die Schulter. »He, Sergej! Freu dich! In Ordnung?«

Eines der kleinen Hologramme im Zugangsbogen einer Raumjägerbucht flammte auf. Grigoff und Makrod erkannten die Gesichtszüge ihres Chefs.

»Nun, meine Herren? Kommen Sie voran?« Ryan Whittaker lächelte. »Haben Sie ein paar Breschen in das Chaos schlagen können?«

»Sagen wir lieber so, Commander«, antwortete Grigoff. »Wir geben uns dem Chaos nicht geschlagen.«

»Hören Sie nicht auf ihn, Whittaker«, sagte Makrod. »Sergej hat seinen bescheidenen Tag heute. Wir kommen schneller voran als erwartet. Morgen um diese Zeit finden Sie hier keine Spur mehr von Evakuierungslagern.«

»Gut zu hören.« Whittaker nickte anerkennend. »Dann müssen Sie noch neun Tage ohne Ihre geliebten Raumjäger durchhalten, was? Aber auch das geht vorüber. In neun Tagen liegen Ihre Prachtstücke wieder in den Buchten. Darauf können Sie sich freuen.«

»Das tun wir, Commander!« Grigoff nickte und bedachte seinen Kollegen mit einem grimmigen Seitenblick. »Da können Sie sich drauf verlassen. Wir sind schon ganz wild vor lauter Vorfreude auf unsere geliebten Blechbüchsen!«

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TANKA SICHTETE DIE Aufnahmen aus dem mobilen Hauptquartier. Es waren Bilder von Spähern, die den Scheinangriff beobachteten: Luftwaffengeschwader und schwere Panzerverbände der Bleichschädel gingen auf die zwölftausend Altmaschinen los, die vierhundert Kilometer weiter westlich den dort ziemlich steilen Hang zur Hochebene hinaufmarschierten. Dort war der Weg vom Rand der Hochebene zum Fundament des Werks, zum Hauptsee und zur Brennstofffabrik am kürzesten. Dort erwartete der Feind den Angriff seit langem. Jupanthor und Tanka wussten es von ihren Spionen.

Der Erste Vordenker triumphierte. Hatten die Bleichschädel also tatsächlich ihre Befestigungsanlagen dort oben in der Hügelschneise vor der Hochebene ihres stärksten Schutzschildes beraubt! Hatten sie tatsächlich ihre Panzer und Luftkämpfer nach Westen verlegt! Genau so, wie Jupanthor und er es erwartet hatten!

»Wunderbar!« Tanka jubelte. »Erster Vordenker an Strategieberechner – die Hauptstreitmacht des Feindes kämpft im Westen gegen unsere ausgemusterten Roboter! Der Weg ist frei! Schalten wir die Festungen aus! Führen Sie Ihre Maschinen nach vorn, Lankok! Vernichten Sie Festung Zwei! Wir geben Ihnen Feuerschutz!« Die Bestätigungen gingen ein.

Hinter seiner dritten Angriffswelle raste Tanka den Hang hinauf. Auf dem Sichtschirm sah er, wie Lankoks Flugschweber Fahrt aufnahm, abhob und über die dritte Angriffswelle hinweg den Hang hinaufschwebte. Der Flugpanzer gewann rasch an Geschwindigkeit und verschwand kurz darauf hinter dem Horizont. Lankok verlegte seine Steuerzentrale an die Spitze der ersten Angriffswelle.

Wenn die drei Festungen dort geknackt waren, konnte nichts mehr die im Hinterland wartenden Kampfverbände der Darak unter General Jupanthor aufhalten – dann war der Weg zu den Fundamenten des Werkes und zum Hauptsee frei! Dann konnte die Front der feindlichen Roboterarmeen von hinten aufgerieben werden! Und selbst die schwierige Eroberung der Brennstofffabrik war dann nur noch eine Frage von Stunden!

Tankas erste Angriffswelle war längst auf der Hochebene verschwunden. Die rötlichen Nebel dort oben leuchteten von Explosionsblitzen, Laserstrahlen und den Reflexen der Lumenatoren. Die zweite Angriffswelle hatte die Hälfte des Hanges bereits hinter sich und tobte dem brennenden Silberbaumwäldchen entgegen. Tankas Zentrumsgenerator und Hintors Flugschweber folgten ihr in einem Abstand von knapp siebenhundert Metern.

Auf dem Sichtfeld verfolgte der Erste Vordenker der Darak die Vorstöße seiner vorderen Angriffslinie. Die mobilen Einheiten der Bleichköpfe standen auf verlorenem Posten. Die Lumenatoren der Panzerbrecher und der Multikämpfer legten ihre Navigationssysteme lahm, und die Neutronenwerfer schalteten ihre Elektronik aus. Eine feindliche mobile Einheit nach der anderen explodierte.

»Sehr gut!« Tanka schrie seine wilde Freude hinaus. »Das ist einfach wunderbar!« Seine langen schwarzen Finger rauschten über die Armaturen. Noch gab er seine Steuerbefehle über die Tasten ein. »Erster Vordenker an Strategieberechner!« Die Verbindungsbestätigungen folgten sofort. »Sehen Sie das? Ist das nicht wunderbar? Was glauben Sie, was geschieht, wenn die Multikämpfer erst einmal die Festungen erreichen!?«

»Das gibt ein Freudenfeuer, wie Korsky es noch nie gesehen hat!«, rief Hintors Stimme aus dem Funk.

»Ihre Panzerverbände brauchen sechs Stunden bis hierher!« Lankoks Stimme überschlug sich vor freudiger Erregung. »Falls sie den Trick mit den Schrottrobotern überhaupt sofort durchschauen! Wenn uns ihre Luftwaffe noch eine halbe Stunde gibt, sind wir so gut wie durch!«

»So ist es!« Tanka klatschte in die Hände. »Ist es nicht wunderbar?!«

Dieser Tag würde als Tag seines Ruhmes in die Geschichte der Yuparen eingehen. Dieser Tag würde die Schmach der Niederlage seines Großvaters tilgen! »Weiter so, Lankok! Weiter so, Hintor! Immer weiter so!«

Dass der Weg zu den Seen und zum Werkfundament kein Spaziergang werden würde, begriff Tanka zwei Minuten später: Die Festungen hatten titanische Panzerroboter ausgeschleust, 190 Einheiten insgesamt. Die Panzerbrecher stürzten sich sofort auf sie. Doch ihre Laserstrahlen glitten an ihren verspiegelten Außenhüllen ab, und die Lumenatoren konnten ihren Navigationssystemen nichts anhaben; vermutlich, weil der Nebel dort oben immer dichter wurde.

Das schmeckte Tanka ganz und gar nicht. Seine Finger hieben auf die Tastenfelder der Armaturentafel ein. Sofort konzentrierten sich 140 Multikämpfer auf die Panzerroboter. Verstärkte Ladungen der Neutronenwerfer trafen die Maschinentitanen und beraubten sie ihres Spiegelschirms. Gleich beim ersten Angriff explodierten zwei Dutzend feindlicher Panzerroboter. Dann, in kurzen zeitlichen Intervallen, einer nach dem anderen. Der Detonationslärm drang sogar durch die schallgeschützte Innenglocke von Tankas Zentrumsgenerator. Immer zwei Multikämpfer nahmen einen Titan-Panzerroboter in die Zange. Mit ihrem Neutronenwerfer raubten sie ihnen den Spiegelschutz, mit ihren Granatwerfern oder Mikroraketen zerstörten sie die Maschinen.

Es ging Tanka wie ein Stich durchs Herz, als irgendwann der erste Multikämpfer explodierte. Zwei feindliche Panzerroboter hatten ihn gerammt, ein dritter einen Laserstrahl in sein elektronisches Hirn geschossen. Ein solch finaler Angriff aktivierte augenblicklich das Selbstzerstörungsprogramm. Keine dieser neuartigen Maschinen durfte den Bleichschädeln jemals in die gierigen Hände fallen. Diese verdammten Schmarotzer würden sie innerhalb weniger Umläufe nachbauen!

Jetzt verschwand auch die dritte Angriffswelle hinter dem Rand der Hochebene. Die Kämpfe hatten sich mittlerweile auf drei Brennpunkte konzentriert: Im Silberbaumwald, vor der ersten Festung und vor den Verbänden der feindlichen Panzerroboter wogte die Schlacht. Die Titanen traten aber bereits den Rückzug an.

Lankoks Flugschweber hatte bereits die erste Festung inmitten von etwa zweihundert Multikämpfern und dreihundert Panzerbrechern passiert. Die darakische Angriffsspitze nahm jetzt Kurs auf die achtzehn Kilometer entfernte zweite Festung. Grimmige Freude erfüllte Tanka, als er sah, wie geschickt sein Strategieberechner seine Einheiten koordinierte.

Plötzlich eröffnete Festung 1 das Feuer mit Raketenwerfern und aus schweren Artilleriegeschützen. Gleich sieben Multikämpfer und fast zwanzig Panzerbrecher explodierten. Tanka fluchte laut, beruhigte sich aber gleich wieder, denn nur Sekunden später brachen das Abwehrfeuer und die Schutzspiegelung der Festung unter dem unsichtbaren, aber wirkungsvollen Beschuss der Neutronenwerfer zusammen.

An die hundertzwanzig Späher stürzten sich in einem dichten Geschwader auf die Kuppeln und Türme der Festung. Zahllose Explosionen erfolgten, Feuertürme schossen an zwei Stellen aus der Festung, Rauchkaskaden stiegen in den Himmel. Tanka meldete die Zerstörung der ersten Festung an das mobile Hauptquartier.

»General Jupanthor an Ersten Vordenker! Bin auf dem Laufenden! Sehr gute Arbeit! Den Göttern sei Dank! Ganz Korsky jubelt! Ich setze jetzt meine Haupttruppen in Bewegung! Gratuliere! Nur noch eine Frage von Minuten, bis der Weg frei ist! Wir marschieren los!«

Tanka bestätigte. Ein wenig wunderte es ihn, dass General Jupanthor nicht wenigstens die Zerstörung von Festung 2 abwarten wollte. Andererseits – da die Bleichschädel ihre Hauptstreitmacht vierhundert Kilometer entfernt auf einen Haufen Altmaschinen geworfen hatten, war der Kampf hier, an der Pforte zur Seenplatte von Muntarion, so gut wie entschieden.

Wieder explodierten zwei Multikämpfer, und die Bilder von Flammen und Trümmern auf dem Sichtschirm taten Tanka körperlich weh. Doch er zwang sich, kühlen Kopf zu bewahren: Bei den Multikämpfern hatte er zwanzig Prozent Verluste eingeplant, bei den Panzerbrechern sogar fünfzig. Gerade mal zwei Prozent Verluste zeigte das Diagramm der Rechenspirale für die Multikämpfer an und vier Prozent für die Panzerbrecher.

Jetzt erreichten auch Tankas Zentrumsgenerator und Hintors Flugschweber die Hochebene. Der Erste Vordenker starrte auf das Sichtfeld – was war das? Drei Flugobjekte, die ihm die Späher nicht gezeigt hatten? Verfügten die verdammten Bleichschädel etwa über neue Ortungsschutzmöglichkeiten?

»Strategieberechner Lankok an Ersten Vordenker – sie greifen mit Düsenluftschiffen an!«

Tanka, der seine Rechenspirale angewiesen hatte, die Aufnahmen ihrer Außenkameras zu vergrößern, sah es jetzt selbst: drei torpedoförmige Luftschiffe. Sie nahmen Kurs auf die Stoßspitzen seiner ersten beiden Angriffswellen. Normalerweise benutzten die verdammten Schirins solche Luftschiffe zum Transport von Maschinen und Soldaten. Was, wenn sie die Dinger heute mit Sprengstoff vollgepackt hatten?

Tanka stöhnte. Bloß nicht daran denken! Er verfluchte die Festungen. Was würden sie noch für Überraschungen bereithalten? Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte man die Festungen mit drei kleinen taktischen Nuklearsprengsätzen ausgeschaltet und Ende. Aber Nuklearbomben waren ja böse, waren ja Sünde, und der fromme Jupanthor musste fürchten, von seinen weißen Göttern in noch tieferes Schwarz gefärbt zu werden, wenn er den Einsatz von Nuklearbomben überhaupt nur in Erwägung zog!

Mit grimmiger Miene hieb Tanka auf die Tasten seiner Armaturentafel ein. Er programmierte drei Gruppen von jeweils zwanzig Multikämpfern zu einem koordinierten Neutronenwerferangriff auf die Luftschiffe.

Fakt war folgendes: Es existierten und galten uralte Verträge mit den Bleichschädeln, nach denen der Krieg zwischen beiden Yuparenvölkern die Umwelt von Korsky und Lauan so wenig wie möglich belasten durfte. Der brennende Silberbaumwald zum Beispiel, durch den sein Zentrumsgenerator gerade der dritten Angriffswelle hinterherpflügte, hätte für weniger prominente Kämpfer, als er es war, schon ein Disziplinarverfahren zur Folge gehabt.

Auch die Menge des Wassers, das die jeweiligen Besitzer der Seenplatte den jeweiligen Verlierern der Hochebene zu überlassen hatte, regelten die uralten Abkommen.

Dann aber der Kern der Verträge: Nuklearwaffen waren strengstens verboten. Dieses Verbot hing einmal mit der Pflicht zur Schonung der Umwelt zusammen und zum anderen mit der schlichten Tatsache, dass der Krieg im Laufe der Jahrtausende die Bevölkerung der Darak und der Schirins erheblich dezimiert hatte; und das, obwohl er hauptsächlich mit Robotern geführt wurde. Und der wichtigste Grund des Verbotes: Die Kämpfe durften unter keinen Umständen das Werk und sein Fundament beschädigen. Denn das würde mit hoher Wahrscheinlichkeit den Untergang sowohl Lauans als auch Korskys zur Folge haben.

Tanka hielt diese Verträge für überholt. Er war nicht aus Versehen Erster Vordenker der Darak geworden, er war es geworden, weil er scharf und logisch denken konnte wie kaum ein anderer Yupare auf beiden Seiten der Front. Und sein legendärer Verstand sagte ihm, dass ein einziger Einsatz von Nuklearwaffen – nur einer! – dem seit zehntausend Umläufen währenden Krieg ein Ende setzen würde und mit ihm auch dem alarmierenden Rückgang der Bevölkerungszahlen auf beiden Seiten der Front.

Aber gut – er würde sich hüten, den Einsatz von Kernwaffen vorzuschlagen. Atombomben am Rande des Brunnens von Korsky? Atombomben vor den Fundamenten des Werkes? Eine Stunde, nachdem er diesen Vorschlag gemacht hätte, säße er bereits im Straflager von Genneza oder sonst einer Salzwüste zwischen den Kontinenten von Korsky.

Plötzlich sah er, wie eines der Luftschiffe abstürzte. Natürlich, es musste abstürzen – schließlich hatte es mehrere Breitseiten aus Neutronenwerfern abbekommen! Doch es stürzte nicht einfach so herunter, sondern steuerte im Sturzflug die Angriffsspitze seiner Truppen an. Die trennte nur noch drei Kilometer von Festung 2.

»Vorsicht, Lankok! Schalten Sie das Objekt aus ...!«

Das Luftschiff schlug auf, und Tanka schloss die Augen, so grell war der Explosionsblitz. Er glaubte zu spüren, wie sein Zentrumsgenerator vibrierte, was vollkommen ausgeschlossen war. Als er die Augen aufriss und die Augenstiele ausfuhr, blinkten auf den Anzeigen der Rechenspirale die Verlustzahlen: 370 Panzerbrecher und 111 Multikämpfer.

Er schrie auf, als hätte ihn jemand in die Nieren getreten. Doch schon im nächsten Moment hatte er sich wieder unter Kontrolle. »Erster Vordenker an Strategieberechner Lankok!«, rief er in den UKW-Funk, während seine Finger über die Tasten jagten. Nichts. »Zentrumsgenerator an Flugschweber Eins!« Keine Antwort.

»Die Explosion hat seinen Flugschweber zerstört«, tönte Hintors Stimme aus dem Funk. »Er ist tot!«

Tanka erstarrte. Für einen Moment spielte er mit dem Gedanken, General Jupanthor anzufunken und die nachrückenden Truppen aufzuhalten. Doch wirklich nur für einen Moment, dann gewann sein Selbstvertrauen wieder die Oberhand, und sein Entschluss stand fest. »Erster Vordenker an Strategieberechner: Weiter geht es! Geben Sie Ihre Maschinen frei!«

Er schaltete die Rechenspirale in den Verbalmodus und aktivierte das Mikrophon seines Helms. »Panzerbrechereinheiten siebzehn bis vierhundert – Angriff auf die beiden anderen Luftschiffe! Alle anderen: Sturm auf die Festungen!«

In den heißen Phasen einer Schlacht benutzte er den Sprachmodus. In diesem Modus konnte man den Maschinen zwar immer noch strategische Befehle geben und ihre Vorstöße zumindest in groben Linien korrigieren. Zugleich jedoch gewährte man ihnen einen großen Spielraum, die eingehenden Daten selbständig zu verarbeiten, und den Kampf autark und mit der ihnen eigenen technischen Intelligenz zu führen.

Plötzlich schrillte der Ortungsalarm. Tanka blickte auf den Sichtschirm. Die feindliche Luftwaffe! Der Schreck fuhr ihm in alle Glieder. Wie konnte es sein, dass die Flugroboter der Bleichschädel in so kurzer Zeit vom Ort des Scheinangriffs hierher geflogen waren? Hatte Labtor, der General der verdammten Schirins, die Strategie durchschaut? Hatte er sie etwa von Anfang an durchschaut?

Sie flogen von der Westseite in drei Angriffswellen aus dem Nebel heran, etwa neunhundert Flugkämpfer pro Welle. Schon ging ein Stakkato von Laserstrahlen auf Tankas Maschinenheer nieder, Dutzende von Panzerbrechern explodierten, und sogar drei seiner neuen Multikämpfer gingen verloren. Die Laserstrahlen der eigenen Einheiten verpufften wirkungslos an der verspiegelten Außenhaut der feindlichen Luftwaffeneinheiten. Und die Mikrogranaten der Multikämpfer? Tanka traute seinen Augen kaum: Sie gerieten gleich nach Abschuss in einen Schlingerkurs und verfehlten ihre Ziele.

»Neutronenwerfer!«, schrie der Erste Vordenker von Korsky. »Höchste Stufe!«

Seine Multikämpfer beschossen die Flugroboter jetzt mit den unsichtbaren Strahlen der Neutronenwerfer, und sofort drangen ...

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