Logo weiterlesen.de
Nathalie

Inhaltsverzeichnis

#1 Alles wie immer

#2 Der Besuch bei Oma

#3 Blumen für Mama

#4 Faaahradfahren

#5 Kapitel fünf

#6 Einkaufen ist ein Klacks

#7 Backe backe Kekse

#8 Neue Wege erkunden

#9 Spontane Verabredung

#10 Der Anruf

#1 Alles wie immer

Mein Name ist Nathalie, ich bin neun Jahre alt und wohne mit meiner Familie in einem kleinen Vorort am Bergsee. Hier habe ich meine Freunde, gehe zur Schule und zum Turnen in der Freizeit. Meine beste Freundin Mia und ich verbringen fast die meiste freie Zeit miteinander. Dann gehen wir spazieren, pflücken dabei Blumensträuße für unsere Mamas oder spielen daheim bei ihr oder bei mir. Mia ist so alt wie ich und geht in meine Klasse. Zur Schule gehen können wir nicht gemeinsam, denn Mia wohnt ein Stück weiter in der Stadt und während ich zu Fuß das Stück zur Schule laufen kann, so muss sie mit dem Bus fahren. Das mit dem Bus habe ich nie richtig verstanden – sie hat eine Karte, mit der sie kostenlos fahren kann, aber diese muss sie jeden Monat neu bekommen. Dazu geht sie oft ins Lehrerzimmer und redet mit unserer Lehrerin. Das würde ich mich nie trauen. Zum Glück muss ich nicht Bus fahren!

Im Unterricht sitzen wir nebeneinander. Mia ist nicht so gut in der Schule und bekommt oft schlechte Noten. Vor allem in Rechnen und Biologie. Deshalb macht ihr Schule keinen großen Spaß und immer öfter malt sie mir kleine Bildchen in meine Schulhefte oder schreibt mir Briefnachrichten. Ich habe angefangen, ihr zu antworten, weil sie meine Freundin ist und ich nicht will, dass sie böse auf mich wird, wenn ich nicht zurückschreibe. Leider verpasse ich so immer wieder Teile des Unterrichts und unsere Lehrerin, Frau Schmatz, schaut mich mittlerweile des Öfteren missbilligend an. Ich fühle mich nicht gut dabei, aber habe ja keine andere Wahl.

Nach Schulschluss gehe ich nach Hause. Meine Eltern warten schon mit dem Essen auf mich. Es gibt Linsen mit Spätzle und Saitenwürsten. Wir sitzen zusammen und essen. Mama fragt mich, was ich in der Schule gelernt habe und ich erzähle ihr von unserem Deutschaufsatz. Alles wie immer.

Als wir mit dem Essen fertig sind, gehe ich mit unserem Hund Betty Gassi. Betty kennt die Strecke, die wir gehen, schon in- und auswendig. Manchmal denke ich mir, dass sie den Weg auch ohne mich laufen könnte, ohne Leine und ohne Führung. Sie würde an den gleichen Steinen und Zäunen schnuppern und ihr Geschäft an den gleichen Stellen verrichten. Wie immer. Jeden Tag starten wir hinterm Haus, gehen eine Seitenstraße hinunter, um die Wiese mit den vielen Obstbäumen herum und beenden unsere kleine Runde am Ortsrand entlang zurück nach Hause. In dieser Zeit denke ich an meine Hausaufgaben, was ich mit Mia später spielen will und wie ich Mama dazu bringe, dass ich heute nicht so früh nach Hause kommen muss. Und in der ganzen Zeit beachtet mich Betty kein bisschen. Sie geht ihre Runde, befolgt ihre Rituale und schaut sich kein einziges Mal dabei nach mir um. Wir gehen den Weg zwar gemeinsam, befinden uns jedoch beide jeweils in einer eigenen Welt. Zwanzig Minuten später bin ich wieder zuhause. Ich setze mich in mein Zimmer und erledige halbherzig meine Hausaufgaben. Alle Aufgaben mache ich nicht, dazu fehlt mir die Lust und die Lehrerin schaut sie sich eh nicht alle an. Hauptsache ich habe überhaupt etwas geschrieben – das genügt. Dann bekomme ich keinen Ärger von meiner Lehrerin und verschwende auch nicht den ganzen Mittag damit. Schließlich weiß ich mit meiner Zeit Besseres anzufangen.

Nach den Hausaufgaben fährt Mama mich zu meiner Freundin Mia. Oder Mia wird von ihrer Mama zu mir gefahren; das wechselt ab. Heute sind wir bei ihr und ich schlage meine Schulbücher zu, um nach unten zu gehen und nach meiner Mama zu schauen. Mama bemerkt mich und fragt mich, ob ich los wolle.

„Ja, ich bin soweit,“ entgegne ich und ziehe mir meine Schuhe an. Automatisch tut Mama es mir gleich, zieht sich ebenfalls ihre Schuhe an und sucht nach den Autoschlüsseln, die sie verlegt hat. Typisch – wie immer!

Die Fahrt ist kurz; fünf Minuten später klingle ich an der Nummer 72 beim Namen „Hertinger“. Mama fährt mit unserem Kombi wieder nach Hause, sobald ich mit Ertönen des Türsummers das Haus betrete.

Es wohnen mehrere Familien in Nummer 72. Anfangs bereitete es mir enorme Schwierigkeiten, die richtige Wohnung zu finden, denn es ist ein großer und verwinkelter Gebäudekomplex mit einer großen Anzahl an Mietwohnungen. Einmal war ich versehentlich im falschen Stockwerk gelandet und bin den Flur auf- und abgelaufen auf der Suche nach dem richten Namen an einer der Türen. Das war mir richtig peinlich gewesen – zum Glück hat mich niemand dabei beobachtet!

Mittlerweile jedoch kenne ich den Weg in- und auswendig. Mit dem Aufzug fahre ich gemütlich in den dritten Stock und biege dann nach rechts in einen Gang ab. Bei der vierten Tür auf der linken Seite bin ich am Ziel angelangt. Das merke ich auch schon daran, dass Mia im Gang vor der Wohnungstür auf mich wartet und mich breit angrinst. Ich kann mir ein Grinsen auch nicht verkneifen und zur Begrüßung drücken wir uns einmal ganz fest.

Nun geht es daran, ganz vorsichtig in die Wohnung zu gelangen, denn „Panther“, Mias grau gemusteter Kater, darf nicht aus der Wohnung entwischen. Er ist ein Stubenkater, doch probiert er jedes Mal, wenn sich die Wohnungstür öffnet und er in der Nähe herumlungert, nach draußen zu gelangen. Ob er es eines Tages schaffen wird? Mia und ich haben jedoch mittlerweile eine so ausgefuchste Technik entwickelt, durch einen winzigen Spalt zwischen Tür und Rahmen hindurchzuhuschen, dass Panther keine Chance bei uns hat, eine Lücke für sich zur Flucht in die Freiheit zu finden. Wir finden das super – können wir doch gleich eine Runde mit ihm spielen. Sein Lieblingsspielzeug ist ein Wollball, der an einer Schnur baumelt. Damit jagen wir ihn durch die Wohnung oder er dem Wollball hinterher. Das macht mir wie immer großen Spaß und ich lache mal wieder so richtig aus dem Bauch heraus, als Panther den Ball geschnappt hat und sich damit ulkig auf dem Boden herumwälzt.

Doch heute ist etwas anders als sonst. Die Stimmung ist gedrückt, Mia lacht gar nicht so mit wie sonst. Warum, das erfahre ich kurz darauf von Mias Mama. Sie erzählt mir von deren bevorstehendem Urlaub in den Ferien nächste Woche. Die Familie fährt weg ans Meer, das heißt: Mia, Mias Mama, ihre zwei jüngeren Halbbrüder und ihr Stiefpapa verreisen. Für die ganze kommende Woche, am Sonntag schon wollen sie los, ganz früh. Heute ist Mittwoch und ich muss erst einmal kräftig schlucken. Okay, zwei Tage sehen wir uns also noch und dann? Dann sind Schulferien und ich weiß nicht, was ich den ganzen Tag tun soll. Mia und ich sehen uns beinahe jeden Tag – zumindest in den Ferien verbingen wir meist die ganze freie Zeit miteinander. So ist das bei uns. Ganz normal. Wie immer. Ich hatte vor, in den Ferien wieder besonders viel Zeit mir ihr zu verbringen und länger zu spielen als sonst. Jetzt weiß ich nicht, was ich stattdessen tun soll. Meine ganze Ferienplanung entgleist gerade. Ich bin durcheinander und fühle mich unwohl.

„Ich hab' euch eine Portion Lasagne gemacht“, reißt Mias Mama mich aus meinen Gedanken. „Setzt euch zum Essen bitte an den Tisch.“

„Au ja,“, ruft Mia aus und flitzt schon in Richtung Essbereich. Ich folge ihr ein wenig langsamer als sonst nach, freue mich aber tatsächlich schon auf die Lasagne.

„Mmh, die riecht so gut“, staune ich. Bei uns zuhause gibt es nie Lasagne. Wir langen ordentlich zu und schlagen uns den Bauch voll. Danach rollen wir uns in Mias Kinderzimmer und legen uns auf ihr Bett.

„Lass uns 'Quappo' spielen, Nat'“, schlägt Mia vor. Sie steht auf und holt die Spielschachtel aus ihrem Regal zu uns aufs Bett. Während wir spielen denke ich nicht mehr an nächste Woche. Ich bin so vertieft in das Spiel, dass ich alles andere um ich herum vergesse. Mia und ich liegen noch so auf dem Bett, als es an der Tür klingelt, weil meine Mama mich abholen kommt.

„Ooh, schon so spät!“, ruft Mia aus. „Schade, dass du nicht länger bleiben kannst.“

So ist das immer zwischen uns. „Ja, ich muss los. Meine Mama wartet unten auf mich. Wir sehen uns ja morgen“, erwidere ich. Morgen. Hmm, morgen noch und dann übermorgen und dann? Melancholische Gedanken überfluten mich, als ich meine Schuhe im Eingangsbereich anziehe.

„Ciao, machs gut,“ sagt Mia und drückt mich fest zum Abschied. Ich husche durch die Tür und bemerke Panthers Blick am Ende des Flurs, dem wieder eine Fluchtgelegenheit durch die Lappen gegangen ist. 'Ha!', denke ich, 'Ich bin viel flinker als du.“ Dann eile ich durchs Treppenhaus hinab zu meiner Mama und mit dem Auto fahren wir heim.

Zuhause angekommen schauen wir fern. Nichts Besonderes. So vergehen auch die kommenden beiden Tage. Wie immer. Wir befolgen unsere tägliche Routine und die Routine beherrscht unseren Alltag.

Schließlich ist Wochenende. Ich stehe am Samstag um kurz vor 9 Uhr auf, weil die Sonne in mein Zimmer scheint und mich blendet.

Im Schlafanzug schlappe ich die Treppe hinunter ins Erdgeschoss und in die Küche. Meine Mama ist schon fleißig und holt die Milch für mein Frühstück aus dem Kühlschrank, als sie mich sieht.

„Guten Morgen, Nathalie Schatz. Hast du gut geschlafen?“

„Jaa“, murmle ich, noch nicht ganz fit.

Mama stellt mir eine Müslischale auf den Tisch, an den ich mich setze, leert die Milch hinein und reicht mir die Cornflakes-Packung dazu. Ich frühstücke jeden Morgen das Gleiche. Cornflakes sind schnell zubereitet und Mama hat meist alles schon hergerichtet, wenn ich aus meinem Zimmer herunterkomme.

„Magst du heute mit mir in die Stadt gehen? Ich brauche neue Schuhe und für dich finden wir sicher auch etwas Schönes. Vielleicht ein neues Kleid für den Sommer. Was meinst du?“

Mama schaut mich erwartungsvoll an. Das ist immer so. Aber ich kenne das. Wenn sie Einkaufen gehen will, dann soll ich mit. Doch Spaß macht mir das keinen. Kleider habe ich so viele in meinem Schrank, die ich nicht anziehe. Mein rotes mit den weißen Blümchen mag ich am liebsten. Die restlichen trage ich kaum und noch mehr brauche ich wirklich nicht. Ich entscheide mich heute daher dagegen. „Nein, Mama, ich will in mein Zimmer gehen und mir überlegen, was ich nächste Woche unternehmen will“, erwidere ich und tapse aus der Küche. Denn eins ist sicher: Ein Plan muss her!

In meinem Zimmer setze ich mich mit einem Stift und einem Blatt Papier auf den Boden und will eine Liste schreiben.

Mir fällt nichts ein.

Gar nichts.

Mein Kopf ist leer und ich habe keine Ideen oder gute Einfälle.

Ich schalte mein Radio an, lehne mich zurück, bis ich auf dem Rücken liege und schaue an die Decke. So lausche ich eine Weile den Gesängen und langweiligen Ansagen der Moderatoren.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Nathalie" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen