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New York Affair

Zu diesem Buch

Anna Kirby hat das mit der Liebe aufgegeben. Viel zu oft wurde ihr bereits das Herz gebrochen, und inzwischen hat sie sich damit abgefunden, dass sie mit Männern, die nicht länger als eine Nacht bleiben, besser dran ist. Als ihre Freundin vorschlägt, sie für eine Woche auf eine Geschäftsreise nach New York zu begleiten, ist das die perfekte Gelegenheit, sich von ihrer letzten Trennung abzulenken und ihrem Leben in London wenigstens für kurze Zeit zu entkommen. Und als sie in einer Bar den attraktiven Geschäftsmann Ethan Scott kennenlernt, gibt es von Anfang an klare Regeln: keine Vergangenheit, keine Nummern, keine echten Namen. Nie hätte Anna gedacht, dass die leidenschaftliche Nacht, die sie miteinander verbringen, ihr Leben für immer verändern könnte. Denn Ethans neue Regel Nummer eins lautet, in nur einer Woche jede einzelne von Annas Regeln zu brechen …

1. Kapitel

Anna

»Hat er versucht, Kontakt mit dir aufzunehmen?«

Durch die dröhnenden Bässe hindurch konnte ich Leah kaum verstehen. Wir saßen auf Hockern in einer megacoolen Bar in Tribeca und mussten uns einander entgegenbeugen, um hören zu können, was die andere sagte. Ob ihre Worte Sinn ergeben hätten, wenn ich sie denn verstanden hätte, wusste ich nicht – wir waren bereits beim dritten Cocktail. Aber ich begriff, dass sie von Ben sprach – in letzter Zeit redete sie kaum noch von etwas anderem.

Leah war meine allerbeste Freundin. Wir hatten uns an der juristischen Fakultät kennengelernt und uns bis vor Kurzem noch eine Wohnung geteilt. Sie war äußerst fürsorglich und beschützend, und ich verhielt mich ihr gegenüber ebenso. Über Männer reden und Cocktails trinken war unsere Hauptbeschäftigung, und wir waren verdammt gut darin. An diesem Abend war Ben der Gegenstand unserer Unterhaltung – mein letzter Ex.

»Das wagt er nicht. Er weiß genau, dass ich ihm die Eier abreißen würde«, sagte ich schulterzuckend und nippte an meinem Manhattan. Wenn ich schon in Manhattan war, musste ich auch Manhattans trinken, oder etwa nicht?

»Ich kann es einfach nicht glauben«, sagte Leah zum siebenundfünfzigsten Mal an diesem Abend.

Erneut zuckte ich mit den Achseln. Ich blickte über Leahs Schultern und sah ein Gesicht in der Dunkelheit, das mich musterte. Er hob sein Glas und nickte mir zu. Kannte ich ihn? Er kam mir jedenfalls bekannt vor. Ich richtete den Blick wieder auf Leah.

»Und es gab keinerlei Anzeichen dafür?«, fragte sie.

»Na ja, er war anders als die Typen, mit denen ich bisher ausgegangen bin. Aber nein, er hat nie erwähnt, dass er in der Klemme steckt und den falschen Leuten Geld schuldet.«

Ben der Biker hatte sich in den Freund aus der Hölle verwandelt – oder Ben das Arschloch, wie Leah ihn inzwischen nannte. Ich hatte ihn immer total süß gefunden. Ich dachte, er wäre anders. Ich dachte, ich hätte endlich mal eine gute Wahl getroffen, nachdem ich mit Männern jahrelang absolut kein Glück gehabt hatte. Aber jemand hatte mir die Augen geöffnet – Ben das Arschloch war ein Arschloch. Die Irren, denen er Geld schuldete, waren in unsere Wohnung eingebrochen und hatten eine völlig abgedrehte Drohung auf den Spiegel über dem Waschbecken in Leahs Zimmer gekritzelt. Mitgenommen hatten sie nichts, was uns ziemlich verwirrte. Ungefähr eine Woche später beichtete Ben mir alles, und ich ging zur Polizei.

Die hatte mich früher am Tag bereits angerufen und bestätigt, dass Ben auch bei ihnen ein Geständnis abgelegt hatte. Die Drohung sollte ihm Angst machen, damit er zurückzahlte, was er schuldig war.

»Und willst du dein Apartment jetzt verkaufen?«

»Ich sage zwar immer noch Wohnung dazu, aber ja, ich werde sie verkaufen«, sagte ich und lächelte ironisch. Kaum waren wir auf dem John F. Kennedy International Airport gelandet, hatte Leah angefangen, ihr Handy ein cell phone zu nennen. Diese Gelegenheit, sie wegen ihrer plötzlichen Amerikanisierung aufzuziehen, konnte ich mir nicht entgehen lassen.

Im Flugzeug hatte ich endgültig beschlossen, meine Wohnung zu verkaufen. Seit dem Einbruch fühlte ich mich dort nicht mehr wohl. Daniel, Leahs Freund und ein rundum perfekter Mann, hatte eine Alarmanlage installieren lassen. Aber Leah war mit ihm zusammengezogen, und ich hasste es, allein zu sein. Obwohl ich wusste, dass die Polizei an der Sache dran war, wollte ich mich nicht mehr in der Wohnung aufhalten. Das erzählte ich Leah nicht, denn sie hätte darauf gedrängt, dass ich zu ihr und Daniel ziehe, aber sosehr ich die beiden auch liebte, wollte ich doch nicht mit ihnen zusammenwohnen und sie beim Sex stören. Vor allem, wenn ich selbst keinen hatte.

Leah konnte es einfach nicht glauben, wie sie mir immer wieder versicherte. Aber ungefähr zur Zeit des Einbruchs hatte Ben aufgehört, sich bei mir zu melden, und darum hatte ich eine seltsame Vorahnung gehabt. Mit Männern hatte ich einfach kein Glück. Es fing immer ganz großartig an, aber nach ungefähr drei Monaten ging jedes Mal irgendetwas schief. Entweder ich verließ ihn oder er wurde zu anhänglich oder aber er war der Grund, warum Irre in meine Wohnung einbrachen. Jedes Mal ein Fiasko.

Als Leah mich bat, ihr auf einer einwöchigen Reise mit Daniel nach New York Gesellschaft zu leisten, packte ich die Gelegenheit beim Schopf. Es war eine Chance, London, meiner Wohnung und allen Komplikationen mit dem männlichen Geschlecht zu entkommen. Daniel arbeitete sehr viel, das war offensichtlich, und wir Mädels würden jede Menge Zeit für uns haben. Und das war genau, was ich brauchte – Zeit für uns. Nach Leahs letzter Trennung waren wir nach Mexiko in Urlaub geflogen. Der Flug nach Westen schien ihr über den Liebeskummer hinwegzuhelfen. Hoffentlich galt dasselbe auch für mich.

Der Barkeeper schob uns noch zwei Drinks zu – einen Manhattan für mich und ein zweites Glas von dem widerlich süßen Mix, den Leah sich schon einmal bestellt hatte. Ich blickte sie fragend an, doch sie zuckte nur mit den Schultern und nahm das Glas von der Theke. Ich berührte ihre Hand, damit sie es wieder abstellte.

»Die haben wir nicht bestellt«, sagte ich zu dem Barkeeper.

Er deutete auf den Mann, der mir so bekannt vorkam. »Eine Aufmerksamkeit des Gentlemans am Ende der Theke.«

In meinem Kopf heulten die Sirenen. Oh nein. Das hier passierte nicht wirklich. Ich wollte keine männliche Aufmerksamkeit. Ich wollte keine Komplikationen. Der Blick des vertrauten Fremden begegnete meinem, und er hob erneut das Glas. Ich verdrehte nur genervt die Augen und lehnte mich auf dem Hocker zurück. Leah blickte mich flehend an.

»Ach, egal«, sagte ich, seufzte und griff nach dem frischen Cocktail. Warum sollte ich ihn nicht trinken? Deshalb musste ich mich noch lange nicht mit dem Typen unterhalten.

»Also, Daniel hat da so einen Freund«, sagte Leah.

»Kein Interesse.«

»Er ist wirklich nett.«

Ich schüttelte den Kopf.

»Mir hast du immer erzählt, dass man am besten über einen Kerl hinwegkommt, indem man sich unter einen anderen legt.«

»So etwas würde ich nie sagen.«

»Oh doch, das hast du, und das weißt du auch genau.«

Ich grinste. Natürlich stammte der Spruch von mir. »Ich will kein Date.«

»Was denn? Nie mehr?«

»Hör mal, ich habe vor Kurzem herausgefunden, dass mein letzter Freund in ziemlich miese Sachen verwickelt war. Ich bin gerade nicht auf dem Markt. Ich brauche eine Auszeit. Mein Männergeschmack ist schockierend schlecht.«

»Absolut nicht.«

»Was ist mit dem Typen, der die Kellnerin aufgerissen hat, als ich nur mal schnell aufs Klo gegangen bin?«

»Ach, der war ein Mistkerl. Aber ein bisschen Spaß kannst du trotzdem gebrauchen.«

»Sie hat recht«, sagte eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich um und sah, dass der vertraut wirkende Fremde auf mich herabblickte.

Leah ließ sich grinsend von ihrem Hocker rutschen. »Ich muss mal kurz ins Bad.«

»Ins Bad? Nicht aufs Klo?«, zog ich sie auf und verdrehte die Augen. Das Manöver war so raffiniert wie ein Holzklotz.

Der Fremde nahm auf ihrem Hocker Platz. Ich spürte, dass er mich musterte, während ich in meinen Drink starrte.

»Bei mir gibt es Regeln«, platzte ich heraus.

Er antwortete nicht, darum blickte ich auf, um mich zu vergewissern, dass er mir zuhörte. Aus hellblauen Augen sah er mich unverwandt an, und ich starrte genervt wieder in mein Glas. Okay, objektiv betrachtet war er attraktiv, einer von der großen, dunklen Sorte, aber er war zweifellos ein absoluter Mistkerl, denn er war hier und redete mit mir, und ich war ein Magnet für Mistkerle.

»Regeln, die mit Spaß zu tun haben?«

Ich nickte. »Regeln für den Fall, dass du heute Abend Sex haben willst.«

»Ich höre«, sagte er, ohne zu zögern.

Hatte ich tatsächlich Regeln dafür aufgestellt? Tja, jetzt musste ich mir wohl welche ausdenken.

»Ich will deinen richtigen Namen nicht wissen. Erfinde einen.«

Er schüttelte den Kopf. »Nein«, sagte er. »Nein, das funktioniert bei mir nicht. Du wirst heute Nacht nicht den Namen eines anderen schreien. Ich heiße Ethan.«

Unsere Blicke begegneten sich, und mir stockte eine Sekunde lang der Atem.

»Hör zu, ich bin es leid, belogen zu werden. Wenn ich nichts von dir erwarte, kann ich auch nicht enttäuscht werden.«

»Ich enttäusche dich nicht. Versprochen.«

Ich zögerte einen Augenblick, dann sagte ich: »Ich will nichts über dich wissen. Und ich sage dir meinen echten Namen nicht.«

»Britinnen scheinen eine ganz eigene Art von Humor zu haben.«

»Wenn’s dir nicht gefällt, kannst du ja einfach verschwinden.« Ich war absolut nicht in der Stimmung, mich noch weiter mit ihm zu beschäftigen.

»Nein, ich bleibe hier. Ich möchte wissen, wie das hier weitergeht.« Er grinste mich an, und ich spürte, dass meine Mundwinkel zuckten. Ich wollte ihn gern hassen. »Jetzt weißt du also, dass ich Ethan heiße. Und ich arbeite auf dem Bau?« Es klang eher wie eine Frage als eine Feststellung.

Die Cayman-Islands-Bräune und die Rolex an seinem linken Handgelenk verrieten überdeutlich, dass er wohl kaum auf dem Bau arbeitete, aber er hatte auf meinen Wunsch hin gelogen, also hatte ich keinen Grund, mich zu beklagen. Ein Schauer lief mir über den Rücken. Das hier würde vielleicht doch noch lustig werden.

»Ich heiße Florence.«

Er schüttelte den Kopf. »Nein. Du heißt nicht Florence.«

»Stimmt, aber meinen richtigen Namen verrate ich dir nicht. Wie gesagt, ich habe meine Grundsätze.«

»Schon okay, aber dein erfundener Name wird nicht Florence sein. Das ist ungefähr so erotisch wie ein alter Schuh, und du bist sexy. Also brauchst du auch einen Namen, der sexy ist.«

Ich musterte ihn mit gerunzelter Stirn. »Okay«, sagte ich zögerlich. »Kate?«

Wieder schüttelte er den Kopf.

»Na gut. Such dir was aus.«

Ich konnte sehen, wie er nachdachte, und war neugierig, was dabei herauskommen würde. Wie sah er mich? »Anna«, sagte er schließlich.

Was?? Kannte er mich? Nein. Wir lebten fünftausend Kilometer voneinander entfernt. Sah ich wie eine Anna aus? Bestimmt handelte es sich nur um einen seltsamen Zufall. Und außerdem, was machte es schon, wenn er meinen richtigen Namen benutzte? Nach dieser Nacht würde ich ihn nie mehr wiedersehen.

In diesem Augenblick kam Leah von der Toilette zurück und verhinderte die Diskussion, die ich möglicherweise mit Ethan über den Namensvorschlag geführt hätte.

Er schüttelte Leah die Hand. »Hi, ich bin Ethan. Wir wollten gerade gehen, aber erst bringen wir dich nach Hause.«

Ich kicherte. Er war sehr von sich überzeugt, so viel war sicher. »Ich wollte nicht …«

»Der Fahrer meines Freundes steht draußen. Ich werde sowieso nach Hause gebracht«, sagte sie und grinste wie eine Idiotin.

»Okay, dann bringen wir dich raus«, sagte Ethan, als wären er und ich ein Paar oder so.

Daniels Fahrer stand vor der Tür und unterhielt sich mit einem Mann, der sich als Ethans Fahrer herausstellte. Mit dem Versprechen, sie eine Stunde später anzurufen und ihr zu sagen, wo ich war, verabschiedete ich mich von Leah. Ethan öffnete mir die Wagentür und forderte mich mit einer Geste zum Einsteigen auf.

»Kennst du Daniel?«, fragte ich.

»Daniel … und wie weiter?«

»Daniel Armitage.«

»Ich habe schon von ihm gehört, bin ihm aber noch nie begegnet. Warum fragst du?«

»Weil dein Fahrer offenbar seinen Fahrer kennt.«

»Daniel Armitage ist Leahs Freund?«

Ich nickte, und seine Antwort war ebenfalls ein Nicken.

»Wohin fahren wir?«, fragte ich leicht panisch. Warum hatte ich ihn das nicht früher gefragt? Ich war einfach zu einem Fremden ins Auto gestiegen, ohne irgendwelche Fragen zu stellen. Was machte ich hier? Ich holte mein Handy heraus, um Leah eine Textnachricht zu schreiben.

»Columbus Circle. Mandarin Oriental«, sagte er zum Fahrer.

Ich schrieb ihr, wohin wir fuhren und dass ich mich später noch einmal melden würde, damit sie wusste, dass alles okay war. Ich schluckte, beugte mich vor und öffnete das Fenster, um die warme Luft des New Yorker Sommers hereinzulassen. Okay, gut, dass wir zu einem Hotel unterwegs waren. Er meinte es ernst. Und wenn ich ernst sage, meine ich Sex. Auf One-Night-Stands war ich noch nie abgefahren. Die Vorstellung, dass ein Fremder mich nackt sah, gefiel mir nicht. Aber dieser Fremde war außergewöhnlich attraktiv, und schließlich war ich nach New York City gekommen, um ein bisschen Dampf abzulassen und mich zu amüsieren, oder etwa nicht? Ich war in der Stadt, die niemals schläft, und man soll sich doch den örtlichen Gegebenheiten anpassen …

Ich begann, mit dem rechten Bein auf und ab zu wackeln. Eine schlechte Angewohnheit, wenn ich nervös war. Ich merkte es nur, weil mir auffiel, dass Ethan es gemerkt hatte. Er löste den Blick von meinem Bein, sah mir in die Augen und lächelte.

»Kein Grund, nervös zu werden. Wir tun nichts, worum du mich nicht anflehst«, flüsterte er mir ins Ohr.

Wow. Mir wurde ein bisschen flau im Magen. Ich verlagerte das Gewicht auf dem Sitz und blickte wieder aus dem Fenster.

2. Kapitel

Ethan schien bereits die Schlüsselkarte zu unserem … zu einem Zimmer zu haben. Ohne zu reden, fuhren wir im Aufzug hinauf. Ohne uns zu berühren. Ich war nervöser, als mir lieb war. Ich würde in dieser Nacht Sex ohne jede Verpflichtung bekommen. Was war daran derart aufregend?

Als wir die Tür erreichten, öffnete sie sich auf ein riesiges Wohnzimmer mit Blick auf den Central Park. Etwas Romantischeres hatte ich noch nie gesehen. Die Decke schien mit Blattgold gestrichen zu sein. Der Fußboden war dunkel und glänzte im Licht der City. Das Ganze wirkte wie ein Ort, an dem ein römischer Gott lebte.

»Fuck«, sagte ich, unfähig, meine Gedanken für mich zu behalten.

»Die Aussicht ist fantastisch, stimmt’s?«

Ich nickte. Ich ging zum Fenster, legte die Hände auf die Scheibe und blickte hinaus. Wer war dieser Mann? Mit Arbeit auf dem Bau hatte er garantiert nichts zu tun. Vielleicht war er ein Gangster. Ich rief mir ins Gedächtnis, dass das keine Rolle spielte. Ich war nicht wegen einer Liebesaffäre hier und auch nicht, um ihn kennenzulernen. Ich war hier, um Spaß zu haben. Ablenkung ohne Komplikationen.

»Soll ich dir einen Drink holen, damit du die Aussicht besser genießen kannst?«

»Whiskey, bitte«, antwortete ich, ohne mich umzudrehen.

Während ich nach Orientierungspunkten suchte, hörte ich es hinter mir leise klirren. »Ich glaube, ich kann das Dakota Building sehen«, sagte ich, als befände ich mich auf einer Besichtigungstour und hätte vergessen, dass ich mit einem Fremden sprach, mit dem ich gleich Sex haben würde.

»Es ist ungewöhnlich, dass eine Frau Whiskey trinkt«, sagte Ethan.

»Wieso wundert mich nicht, dass du das weißt?« Auch dieser Satz entschlüpfte mir gegen meinen Willen – oder auch nicht. Vielleicht wollte ich ja wissen, welche Antwort er provozieren würde. Aber es kam keine.

»Erzähl mir, was du da draußen siehst«, hörte ich seine Stimme ganz nah hinter mir. Ich konnte die Wärme seines Körpers fühlen. Er reichte mir den Whiskey, legte mir einen Arm um die Taille und zog mich an sich. Ich erstarrte kurz, dann entspannte ich mich. Das hier war nett. Der Drink, die Aussicht, dieser römische Gott. Er duftete nach irgendetwas. Nach etwas Berauschendem. Ich wusste nicht genau, wonach. Geld. Sex. Vielleicht Macht.

Ich stieß mit dem Finger gegen die Fensterscheibe. »Das da vorn. Ist das nicht das Dakota Building?« Ich deutete auf das Haus mit dem grünen Dach an der Westseite des Parks.

»Von hier aus kannst du ganz Manhattan erahnen.«

»Oh.« Ich legte leicht den Kopf zurück und berührte seine Brust. Er war groß. Sehr groß.

Er drückte seine Wange an meine, sein Atem kitzelte die Haut an meinem Hals. Ich wollte ihn. Ich wollte ihn wirklich.

»Ich habe noch mehr Regeln.«

Er küsste mich auf den Hals. »Welche?«

»Du musst ein Kondom nehmen.«

»Jetzt sofort?«, neckte er mich.

»Nein, später, wenn … falls

»Sonst noch was?« Erneut küsste er meinen Hals.

»Wir tauschen keine Telefonnummern oder Mailadressen aus und behaupten auch nicht, dass wir uns wiedersehen.«

Er küsste mich auf die andere Halsseite. Ich spürte, wie ich bei jeder Berührung seiner Lippen ein bisschen weicher wurde.

»Okay«, sagte er. »Ist das alles?«

»Vorläufig ja.« Ich konnte nicht mehr klar denken, und mir fiel auch nichts mehr ein.

»Gut.« Er löste sich von mir, und als ich mich umdrehte, sah ich, dass er sich auf das Sofa gegenüber dem Fenster setzte. »Zieh dich für mich aus.«

Ich zögerte, nur eine Sekunde oder zwei, aber ich konnte mich unmöglich weigern – und ich wollte es auch gar nicht. Ich nestelte am obersten Knopf meiner Bluse, bis meine Hand wieder ruhiger wurde, dann öffnete ich auch die restlichen Knöpfe. Ich zog meine eng sitzende Bluse aus blauer Seide aus und ließ sie auf den Boden fallen. Ich sah ihn an, und er blickte mir unverwandt in die Augen, während er einen Schluck Whiskey trank. Ich spürte, dass mein Slip feucht wurde.

Er sah einfach großartig aus. Genau der Typ Mann, den man auf den Reklamewänden am Times Square fand, aber nicht auf einem Sofa mir gegenüber, wo er darauf wartete, dass ich mich nackt auszog. Ich bekam den Reißverschluss meines Rocks zu fassen und drehte mich um, sodass er mich von hinten sah, als ich ihn hinunterzog. Ich bückte mich, streckte ihm den Po entgegen und stieg aus dem Rock. Über die Schulter warf ich ihm einen flüchtigen Blick zu. Seine Augen wirkten nun dunkler, und er leckte sich die Lippen. Er leckte sich tatsächlich die Lippen, als wäre er bereit, mich zu verschlingen. Nur noch mit Slip, BH und High Heels bekleidet, drehte ich mich wieder um und blickte ihm ins Gesicht.

»Um den Rest kümmere ich mich. Komm her«, knurrte er. Ich spürte, wie mir heiß zwischen den Schenkeln wurde. Ich ging zu ihm hinüber und schob mich zwischen seine Knie. »Wo soll ich nur anfangen? Du bist so schön. Wie ein perfekt verpacktes Geschenk, das immer aufregender wird, je weiter ich es auspacke.«

Ich musste mir verbieten, seine Worte zu genießen. Ich war nicht hier, um mich umwerben zu lassen. Ich war hier, um Spaß zu haben.

Plötzlich beugte er sich vor und griff mir in den Slip, sein Daumen fand meine Klitoris sofort. »Du bist schon feucht für mich«, sagte er und ließ die Finger über meine intimste Stelle gleiten, schob sie mir zwischen die Schamlippen, während er den Daumen um meine Klit kreisen ließ. Meine Knie gaben nach, und ich legte ihm die Hände auf die Schultern, um mich festzuhalten.

Er blickte zu mir auf. »Gefällt dir das?«

Ich keuchte leise und nickte nur, unfähig zu sprechen.

»Ich wusste es. Ich wusste es schon, als ich sah, wie du auf der anderen Seite der Bar die Augen verdreht hast. Ich wusste, dass du dir das hier wünschst, dass du es brauchst.« Seine Finger bewegten sich jetzt schneller, und in einer Art zwecklosem Widerstand drehte ich die Hüfte zur Seite. »Halt still, solange ich dich zum Kommen bringe.«

Ich legte den Kopf in den Nacken, als er sein Werk mit Fingern und Daumen fortsetzte. Mein ganzer Körper fühlte sich so heiß an, als würde er brennen. Die Hitze zwischen meinen Schenkeln strahlte aus und verteilte sich im ganzen Körper. Ich fühlte, wie meine Brustwarzen gegen die Spitze meines BHs drückten und um Aufmerksamkeit förmlich bettelten. Ich schob die Schultern nach vorn und machte den Rücken rund.

»Zieh ihn aus«, sagte er. »Den BH. Jetzt. Runter damit.«

Seine Worte ließen mich erschauern. Fahrig, halb verrückt vor Verlangen öffnete ich den Clip des BHs und streifte das Stückchen Stoff ab.

»Oh ja. Du bist perfekt. Perfekte Brüste. Perfekte Pussy.«

»Oh Gott«, sagte ich. »Oh Gott.« Ich rang nach Luft.

Er griff hinter mich, drückte mich fester auf seine Hand und schob seine Finger in mich hinein. »Heute Nacht bin ich dein Gott, meine Schöne. Und jetzt komm für mich.«

Ich konnte es nicht verhindern. Meine Augen schlossen sich, und ein blendend weißes Licht füllte meinen Kopf aus, als der Höhepunkt mich überwältigte.

Ich spürte, wie ich schwach wurde, und dann fühlte ich Ethans Arme um meine Taille. War ich hingefallen? Um mich herum war alles weich. Ethan beugte sich über mich – wir lagen im Bett.

»Hey«, sagte er.

»Hey«, antwortete ich, noch immer nicht ganz bei Bewusstsein. Was zur Hölle war gerade passiert? Ich hatte guten Sex immer mit Vertrautheit, vielleicht sogar Liebe in Verbindung gebracht, aber dieser Mann hier stellte atemberaubende Dinge mit meinem Körper an, obwohl ich ihn gerade erst kennengelernt hatte.

»Du siehst großartig aus, wenn du kommst.« Er senkte den Kopf und nahm eine Brustwarze in den Mund. Ich bäumte mich auf, als er abwechselnd an der einen und dann an der anderen Knospe knabberte und saugte. Ich schob ihm die Hände ins Haar, und er zog mich hoch, sodass ich ihm ins Gesicht sehen konnte. Eine Sekunde lang betrachtete er mich, dann beugte er sich leicht vor und knabberte sanft an meiner Unterlippe. Ich wollte ihn schon wieder, unbedingt. Ich wollte ihn auf mir sehen, wollte spüren, wie er in mich hineinstieß und mich ausfüllte. Ich legte ihm die Hände auf die Hüften, zog ihm das Hemd aus der Hose und fuhr ihm mit den Nägeln über den Rücken. Stöhnend schob er mir die Zunge in den Mund, drängend, hungrig. Ich griff nach seinem Reißverschluss, gierig nach mehr. Ohne den Mund von meinen Lippen zu lösen, kam er auf die Knie hoch und zog sich das Hemd aus. Ich schob ihn von mir weg, drehte mich um und ging auf alle viere.

»Los, beeil dich. Ich will dich in mir haben«, sagte ich.

»Verdammt, meine Schöne, ja!«

Hinter mir hörte ich es rascheln, zuerst seine Klamotten, dann ein Kondompäckchen. Ich blickte über die Schulter zurück und sah, wie er mir auf den Hintern starrte.

Er kniete sich hinter mich, und ich spürte seine Hände auf den Hüften. Die Berührung ließ meine Haut brennen, ich drängte mich an ihn, um mehr zu fühlen.

»Geh wieder runter«, knurrte er. »Ich werde dich so heftig vögeln, dass du deinen eigenen Namen vergisst.«

Und dann stieß er so kraftvoll in mich hinein, dass meine Ellbogen nachgaben und ich nur mühsam das Gleichgewicht halten konnte. Er füllte mich aus – so vollständig, dass es beinahe unangenehm war. Ich wusste nicht, ob es an seiner Größe lag oder daran, dass er so tief in mich eingedrungen war. Sehr tief. Langsam zog er sich zurück – ich hatte das Gefühl, jeden Zentimeter von ihm zu spüren. Seine Hand lag auf meiner Schulter, was mir Halt und ihm Widerstand bot, und erneut drang er in mich ein, heftig und tief.

»Oh Gott!«, schrie ich auf, als er ganz in mir war.

»Ja, Baby, genau so. Wir werden es die ganze Nacht lang tun.«

Er fand seinen Rhythmus, und mir blieb nichts anderes übrig, als mich ihm anzupassen. In diesem Augenblick hätte ich alles getan, was er von mir verlangte, egal was. Und er gehörte zu der Sorte Mann, die alles verlangt.

»Die ganze Nacht. Wir werden vöglen, bis du wund bist und mich immer noch um mehr anbettelst. Hast du das gehört?«

»Mehr. Härter«, brachte ich mit erstickter Stimme heraus.

Er knurrte und beschleunigte den Rhythmus, stieß immer tiefer in mich hinein. Irgendwo in der Ferne begann mein Orgasmus zu grollen.

»Ich kann dich fühlen. Es ist so gut. Und du bist kurz davor. Habe ich recht?«, fragte er.

»Ja, ganz kurz davor.«

Plötzlich zog er sich zurück, und seine Hände lösten sich von meinem Körper. Voller Panik blickte ich über die Schulter.

»Ich will dein Gesicht sehen. Leg dich auf den Rücken.«

Schnell drehte ich mich um, sehnte mich verzweifelt danach, ihn wieder in mir zu fühlen, und er zog mich auf dem Bett ein Stück nach unten, näher zu sich heran, bevor er erneut in mich eindrang. Oh ja, das ist es … genau das.

Er wandte den Blick nicht von mir ab, während ich erneut auf den Höhepunkt zusteuerte. Ethan legte sich mein Bein über die Schulter, und der Stellungswechsel ließ mich ein weiteres Mal auf das weiße Licht zurasen. Mein Rücken wölbte sich vom Bett, als der Orgasmus mich überwältigte. Ethans Rhythmus änderte sich nicht, keine Sekunde lang, und jeder Stoß hob mich auf eine neue Ebene der Lust, bis ich überzeugt war, ich würde gleich ohnmächtig werden. Als das Gefühl endlich so weit abgeklungen war, dass ich die Augen öffnen konnte, lag er immer noch auf mir, drang erneut in mich ein und sah mir ins Gesicht.

Eine Sekunde, nachdem unsere Blicke sich getroffen hatten, spürte ich, wie sein Körper sich anspannte, sah, wie sein Blick sich trübte, als der Höhepunkt ihn mit sich riss.

Er rollte von mir herunter und entsorgte das Kondom. Dann tasteten seine Hände nach mir, und er zog mich an sich, ganz nah. Sofort stand ich auf und ging ins Bad. Ich war hier, um mich zu amüsieren, nicht, um zu schmusen.

Ich setzte mich auf den Rand der Badewanne, noch immer erschöpft von meinem Orgasmus, und verstand immer noch nicht, warum Sex mit einem Mann, dem ich gerade erst begegnet war, so fantastisch sein konnte. Ich stöhnte und fuhr mir mit den Händen durchs Haar. Ich musste hier raus, bevor die Sache peinlich wurde. Ich nahm einen Morgenmantel vom Haken an der Badezimmertür und wickelte mich darin ein.

Als ich durch die Tür spähte, lag Ethan ausgestreckt auf dem Bett und starrte an die Decke, als wäre er besiegt worden. Mit einem Lächeln auf den Lippen ging ich ins Wohnzimmer.

»Anna?«, rief er aus dem Schlafzimmer. Ich beachtete ihn nicht, sondern sammelte meine Klamotten ein, die überall im Zimmer verstreut waren.

»Was machst du?«, fragte er. Seine Stimme klang jetzt näher, und ich blickte auf. Er stand im Türrahmen und beobachtete mich.

»Ähm … Ich suche meine Sachen. Ich muss allmählich mal los …«

Mit großen Schritten durchquerte Ethan den Raum. Er umfasste meinen Po, legte mich über die Schulter, ging ins Schlafzimmer zurück und warf mich aufs Bett.

»Du gehst nirgendwohin. Ich habe gesagt, wir vögeln die ganze Nacht, und wir haben noch nicht mal richtig angefangen.«

3. Kapitel

Ethan

Es war heiß. Sogar früh am Morgen war es schon verdammt heiß. Ich schwitzte, obwohl ich noch nicht mal den Turtle Pond erreicht hatte. Beinahe hätte ich sie an diesem Morgen geweckt und mich noch einmal in ihr vergraben; sie sah so unglaublich sexy aus, während sie schlief. Aber ich habe auf den morgendlichen Sex verzichtet. Stattdessen ließ ich sie, so erotisch sie auch war, einfach dort liegen und versuchte, mir meine Erektion abzulaufen.

Schlechte Wahl, Kumpel, flüsterte mein Schwanz mir zu. Kein Sex am Morgen war eine meiner Regeln. Mir gefiel, dass sie auch welche hatte. Ich grinste, als ich mich daran erinnerte, wie sie aus dem Stegreif welche aufgestellt hatte. Meine Regeln hingegen waren in Stein gemeißelt, und kein Sex am Morgen stand ganz oben auf der Liste – Regel Nummer eins. Nummer zwei lautete: keine Übernachtungen. Morgens sah immer alles anders aus. Echter. Und ich wollte nichts Echtes. Nicht mit Frauen. Es ging nur um Sex. Um großartigen Sex. Viel Sex. Viele Frauen. Aber mehr nicht. Alles andere war zu kompliziert, und Regel Nummer drei lautete: keine Komplikationen.

Ich wusste nicht, wer zuerst eingeschlafen war, jedenfalls war ich nicht dazu gekommen, das Hotel zu verlassen. Die Suite hatte ich früher am Tag gebucht. Ich nahm Frauen nie mit nach Hause – Regel Nummer vier –, und ich hatte genug davon, mich aus der City ins New Yorker Umland zu schleppen. Wohnte denn niemand mehr in Manhattan? Das Mandarin Oriental war immer beeindruckend, und außerdem liebte ich die Aussicht aus der Oriental-Suite.

Mein Handy klingelte, und ich nahm das Gespräch an, denn ich freute mich über die Ablenkung. »Scott«, meldete ich mich.

»Hey. Wie ist es gestern Abend gelaufen?« Es war Andrew. Wir kannten uns seit dem College und konkurrierten bei allem, was wir taten, auf gesunde Art miteinander.

»Gut. Ich bin gerade draußen beim Laufen.«

»Hey Mann, tut mir leid, dass du nicht punkten konntest.« Er versuchte mich zu ködern, aber ich biss nicht an. »Vielleicht bist du inzwischen einfach zu alt für die scharfen, jungen Mädels. Gründe lieber eine Familie, bevor die Qualität der Frauen, die mit dir vögeln wollen, noch weiter sinkt.«

»Haha, ich lach mich tot, du Blödmann.«

Er wusste, dass sie heiß war. Er wusste, dass ich sie ficken würde, denn genau das hatte ich gesagt, als ich sie am Abend zuvor auf der anderen Seite der Bar entdeckt hatte. Als ich zu ihr ging, war Andrew bereits auf dem Heimweg zu Amanda. Seiner Frau. Seit fünf Jahren waren sie verheiratet, und dabei waren sie schon auf dem College zusammen gewesen. Zehn Jahre lang dieselbe Frau vögeln. Oder auch nicht, wie Andrew sich oft beklagte. Himmel. Ich wusste, dass ich das nicht aushalten würde. Ich tat nicht einmal so, als zöge ich es auch nur in Erwägung. Ich hatte Regeln, und ich machte kein Geheimnis aus ihnen. Ich war mir darüber im Klaren, dass ich die Frauen nur benutzte. Ich gab nicht vor, etwas anderes zu wollen als Sex. Es gab keine gebrochenen Versprechungen, keine Ungewissheiten. Sie fragten sich nie, ob ich sie anrufen würde, denn ich ließ mir nie ihre Telefonnummern geben.

Es gab da ein paar Frauen, die meine Nummer hatten und die ich halbwegs regelmäßig sah. Und wenn ich sah sage, dann meine, dass ich sie fickte. Joan, die mich immer zwischen einem Freund und dem nächsten anrief. Ich sprang nur zu gern ein. Phoebe, die in Boston lebte, aber einmal im Monat nach New York kam und mir eine grandiose Nacht bescherte. Und Fiona, die sich schon eine Weile nicht mehr gemeldet hatte. Vielleicht hatte sie geheiratet oder so. Aber ich rief nie eine von ihnen an. Niemals. Das war Regel Nummer fünf.

»Mandy will wissen, ob du am Wochenende mit in die Hamptons kommst. Ich glaube, sie möchte dich einer ihrer Freundinnen vorstellen.«

»Fuck, Andrew. Ich werde keine Freundin von Mandy mehr vögeln.« Mandy hatte mich im Dezember zuvor ihrer Freundin Susie vorgestellt. Ich hatte ihr deutlich – sehr deutlich – zu verstehen gegeben, dass ich an Dates nicht interessiert war. Sie schien da ganz cool zu sein, und sie hatte fantastische Beine, also war ich mit zu ihr ins Hotel gegangen. Der Sex war absolut durchschnittlich gewesen, und dann wollte sie mir ihre Nummer geben, was ich höflich ablehnte, woraufhin sie komplett hysterisch wurde. Mandy war stinksauer auf mich. Andrew hatte mich dazu überredet, mit ihr zum Dinner zu gehen. Es war eine verdammte Katastrophe.

»Wenn ich am Wochenende in die Hamptons fahre, werde ich unter keinen Umständen eine von Mandys Freundinnen flachlegen. Kannst du ihr das ausrichten? Kannst du ihr klarmachen, dass ich nicht auf der Suche nach der richtigen Frau bin? Es gibt einfach zu viele richtige Frauen für mich, als dass ich mich auf eine beschränken könnte. Sag ihr das, Kumpel, sonst wird’s hässlich.«

»Du bist ein Vollpfosten.«

Ich grinste. »Danke, gleichfalls.«

»Bis später.«

Ich legte auf.

»Anna« war in der Nacht zuvor alles andere als durchschnittlich gewesen. Sie war einzigartig. Temperamentvoll, fordernd, hungrig, empfänglich. Bei den Bildern, die mir durch den Kopf gingen, fing mein Schwanz an zu zucken. Ich lief schneller, um sie abzuschütteln. Wenn die Frauen von vornherein wussten, dass es bei einer Nacht bleiben würde, war es besser. Sie ließen los. Seltsamerweise war am Abend zuvor Anna diejenige gewesen, die erklärt hatte, dass es keine Fortsetzung geben würde. Das war mir noch nie passiert. Ich ertappte mich dabei, dass ich grinsen musste. Ihr Akzent war süß. Ihr Hintern noch süßer. Einfach perfekt – rund, fest, mit weicher Haut. Unterhalb der Gürtellinie regte sich schon wieder etwas. Sie machte hier nur Urlaub, oder? Nur für eine Woche in den Staaten. Also keine Fortsetzung erforderlich. Die Übernachten-Regel hatte ich bereits gebrochen, also konnte ich sie auch gleich zu meinem Vorteil einsetzen. Unvermittelt blieb ich stehen. Jetzt, in diesem Augenblick, war sie nackt. Ich blickte auf meine Uhr. Ich war erst eine Viertelstunde unterwegs. Eigentlich wollte ich eine Stunde lang laufen, damit sie das Hotel verlassen konnte, bevor ich zurückkam. Wenn ich jetzt umkehrte, würde sie immer noch dort sein, und ich könnte ihr die Zunge zwischen die Schenkel schieben und sie auf diese Art aufwecken.

Fuck.

Sex am Morgen zählte gar nicht wirklich, wenn man wusste, dass die Frau innerhalb einer Woche bereits wieder fünftausend Kilometer weit weg sein würde. Ich machte mich auf den Rückweg zum Hotel.

Anna

Beim Aufwachen war ich wund. Ich spürte, wie sich in meinem Nacken, auf den Oberschenkeln und meinen Brüsten allmählich blaue Flecken bildeten. Ich lächelte beim Gedanken an das, was sie hervorgerufen hatte, doch dann erstarrte ich. Mist, ich hatte doch gar nicht einschlafen wollen! Ich hatte mich anziehen und zurück zu Daniels Wohnung fahren wollen, aber Ethan hatte mich wieder ins Bett getragen und zu seinem Wort gestanden, dass er mich die ganze Nacht lang vögeln wollte. Oh Gott. So viel Sex in einer Nacht hatte ich noch nie gehabt, so großartigen Sex auch nicht, und ich hatte auch noch nie darum gebettelt, immer wieder, ganz wie er es mir prophezeit hatte. Ich wand mich, denn schon bei der Erinnerung daran wurde ich wieder feucht. War er noch hier? Ich brachte es nicht fertig, nachzusehen. Ich hörte ihn nicht atmen, aber das Bett war auch so groß wie ein Zwergstaat, kein Wunder also. Wohnte er hier? In einem Hotel? Ich hatte so viele Fragen. Aber, so redete ich mir ein, ich bin zum Spaß hier und nicht, um Antworten zu bekommen.

Ich rollte mich auf die Seite, setzte mich auf und schwang die Beine aus dem Bett. Es war leer. Ich hielt den Atem an und versuchte, kein Geräusch zu machen, damit ich hören konnte, ob sich auf der anderen Seite der Tür etwas regte.

Nichts.

Ich griff nach dem Morgenmantel, der neben dem Bett gelandet war, und hüllte mich darin ein. Die Bewegung rief mir meinen schmerzenden Rücken in Erinnerung, und ich zuckte zusammen. Ich steuerte auf das Badezimmer zu und ließ den Morgenmantel hinuntergleiten, blickte über die Schulter in den Spiegel, um nach dem Grund der Schmerzen zu suchen. Mein Rücken war leicht aufgescheuert. Oh ja, das war in der Nacht zuvor bei dem Teil passiert, bei dem ich an der Wand gelehnt hatte, die Beine um Ethans Taille geschlungen, während er in mich hineinstieß und mich immer weiter hochschob. Verbrennungen durch Reibung. Ich errötete und musste ein Grinsen unterdrücken.

Vorsichtig öffnete ich die Schlafzimmertür, die ins Wohnzimmer führte. Kein Laut war zu hören. Er war weg, aber die Einzelteile seines Anzugs waren noch immer im Raum verteilt. Ich war enttäuscht und schämte mich dafür. Es war doch nur Sex. Ich sammelte meine Klamotten ein, nahm sie mit ins Schlafzimmer und zog mich rasch an. Sollte ich ihm eine Nachricht hinterlassen? Gehörte das zu den Benimmregeln für One-Night-Stands? Nein, es war nur Sex – keine Nachricht erforderlich.

Ich rief Leah an, die beim ersten Klingeln abnahm. »Sag nichts. Ich weiß, dass ich eine Schlampe bin«, platzte ich heraus, bevor sie auch nur Hallo sagen konnte.

Leah stieß einen spitzen Schrei aus. »Sag das nicht noch mal! Du hast dich nur ein bisschen amüsiert. Ich will alles darüber wissen, aber erst mal müssen wir auch bei unseren Sauftouren den Stil wahren. Also komm her und zieh dich um. Ich will zu diesem Laden um die Ecke gehen, von dem du mir erzählt hast.«

»Du willst in die Frick Collection?«

»Ja, genau.«

»Du willst mit mir in der Frick übers Ficken reden? Finde ich ziemlich unangemessen.« Wir mussten beide heftig lachen.

»Ja. Du kannst mir dort alles erzählen und dann noch mal beim Lunch und später bei ein paar Cocktails. Gehen wir in irgendein schickes Lokal. Wenn du rausgehst, sag dem Portier, er soll was für uns reservieren.«

Ich schlüpfte aus der Suite, fuhr mit dem Aufzug nach unten, und obwohl ich noch Abendkleidung trug, wandte ich mich ohne jede Spur von Verlegenheit an den Portier, der zum Lunch zwei Plätze in einem zweifellos sehr teuren Restaurant für uns reservierte. Ich ging hinaus in die feuchte Luft des New Yorker Julimorgens. Es war erst sieben Uhr, aber bereits heiß und stickig. Ich orientierte mich und merkte, dass ich ungefähr zehn Blocks von Daniels Wohnung entfernt war, aber ich konnte nicht so weit laufen, nicht mit diesen Absätzen. Zehn Blocks waren ein langer Walk of Shame. Außerdem schämte ich mich gar nicht. Ich fühlte mich großartig, so als hätte ich mir gerade eine Schicht von etwas Unangenehmem abgerieben. Ich fühlte mich erfrischt und war bereit, das nächste Kapitel meines Lebens aufzuschlagen.

»Also, ich wette, er war fantastisch. Jedenfalls sah er so aus«, plauderte Leah drauflos, als wir durch den Central Park schlenderten, einen Kaffee in der Hand, und die morgendlichen Parkbesucher betrachteten, während wir darauf warteten, dass die Frick Collection endlich aufmachte.

Ich grinste. Er war fantastisch. Der Sex. Der Sex war fantastisch gewesen.

»Ich kann nicht klagen.«

»Siehst du! Gut, dass du auf deinen eigenen Rat gehört hast – es funktioniert!« Sie stieß mich mit der Schulter an. »Wirst du ihn wiedersehen?«

»Wie gesagt, Leah, es war nur Sex. Keine Küsse auf den Mund.«

»Igitt, du hast ihn nicht auf den Mund geküsst, aber seinen Penis durfte er in dich hineinstecken?«

»Nein, ich meine das im übertragenen Sinn.« Er war ein ausgezeichneter Küsser. Tatsächlich war er in allem ausgezeichnet. »Du weißt schon, keine emotionalen Verwicklungen.«

»Aha, wie in Pretty Woman«, sagte sie, und ich nickte. »Warum stehst du eigentlich dermaßen auf diesen Film?«

Ich zuckte mit den Schultern.

»Also, was ist, wenn er dich anruft und sich noch einmal mit dir verabreden will?«

»Wir hatten kein Date, also können wir auch kein weiteres Date haben, und außerdem hat er meine Nummer nicht.« Hätte ich ihm meine Telefonnummer und eine Nachricht hinterlassen sollen? Nein, es war nur Sex.

Leah musterte mich mit hochgezogenen Augenbrauen. Ich wusste nicht, ob ihre Miene ungläubig oder missbilligend war. Vermutlich beides.

»Inzwischen hat die Frick Collection bestimmt aufgemacht. Komm, gehen wir.« Ich wollte das Thema wechseln. Ich war in New York! Und das wollte ich genießen. Auf dem Weg zum Museum beschleunigte ich den Schritt. In dieser Straße schien es verhältnismäßig ruhig zu sein. Die Pendler saßen hinter ihren Schreibtischen und überließen die Straßen den Menschen, die die Julihitze ertragen mussten – Touristen wie Leah und ich, Kuriere, Studenten, Nannys, die Kinderwagen schoben, Schulkinder auf Klassenreise.

»Du wirst Daniel also heiraten?«, fragte ich. Einige Wochen zuvor hatte sie seinen Antrag angenommen, seitdem aber nicht mehr davon gesprochen.

Leah antwortete nicht sofort. »Ja, aber das hat keine Eile.«

»Ich dachte, wenn man’s weiß, dann weiß man’s. Weißt du es?«

Wir lachten beide. »Ja«, antwortete sie. »Ich kann mir nicht vorstellen, mit einem anderen zusammen zu sein. Er macht mich glücklich, und ich will ihn glücklich machen, für immer. Ob wir verheiratet sind oder nicht, spielt keine Rolle.

»Das ist schön«, sagte ich. Und ich meinte es auch so.

»Bei dir kommt das auch noch.«

Ich lächelte sie an und zuckte mit den Schultern. »Mir geht es im Augenblick nur um meinen Spaß. Ich habe versucht, den ›Richtigen‹ zu finden, aber es hat nicht geklappt, und darum habe ich es aufgegeben. Es ist amtlich: Ich will mich nur amüsieren. Nichts Kompliziertes.«

Die Klimaanlage in dem Museum war ein Gottesgeschenk. »Wollen wir einfach den ganzen Tag hierbleiben? Dann sind wir gleichzeitig kultiviert und cool.«

»Unser superteures Restaurant hat garantiert eine Klimaanlage, und wir können ein Taxi nehmen. Zum Laufen ist es zu heiß.« Leah war so wunderschön wie immer, aber sogar ihr glattes, glänzendes Haar kräuselte sich allmählich. Bei meinen Haaren hatte ich längst aufgegeben. Meine leichte Naturwelle hatte die Feuchtigkeit sofort ausgenutzt und mich in Diana Ross verwandelt.

»Okay, wenn ich trotz der Uhrzeit was trinken kann, lasse ich mich von dir zum Lunch ausführen.«

»Ich fühle mich geehrt.«

»So gehört sich das auch.«

4. Kapitel

Ethan

Ich suchte das Restaurant des Mandarin Oriental ab, konnte sie aber nicht finden. Vielleicht stimmte meine geheime Info nicht.

Also kehrte ich ins Hotel zurück und fühlte mich betrogen. Ich hatte gehofft, meine Erektion sinnvoll einsetzen zu können, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Aber sie hatte sich davongemacht. Keine Nummer. Kein Abschied. Ich hatte gedacht, sie würde sich noch eine Weile hier herumtreiben, um zu sehen, ob ich noch mal zurückkam. Wir hatten verdammt guten Sex gehabt. Fünf oder sechs Mal hatte ich sie kommen lassen.

Ich mochte es nicht, wenn die Dinge anders liefen als geplant, also erkundigte ich mich diskret bei mehreren Empfangsmitarbeitern in der Hoffnung, dass einer von ihnen sie in ein Taxi gesetzt hatte. Aber es kam viel besser: Der Hotelportier hatte ihr einen Tisch für die Mittagszeit reserviert. Anna würde an diesem Tag mittags in diesem Hotel sein.

»Also, was ist denn jetzt die großartige Neuigkeit?«, fragte Andrew.

»Was?«

»Warum hast du mich zum Lunch hierhergeschleppt?«

»Geschleppt? Du bist doch mein Kumpel.«

»Ich habe dich erst gestern Abend gesehen, Junge. Allmählich habe ich die Nase voll von dir.«

»Fuck!«

»Hattest du Sex?«

Ich zog die Augenbrauen hoch.

»Jetzt komm schon. Hattest du?«

Ich grinste ihn an.

»Fuck!«, sagte er.

»Genau das habe ich mir auch gedacht.«

Ich hörte sie lachen und blickte von der Speisekarte auf. Ja, sie stand dort vorn neben der Tür. Sie war mit ihrer Freundin vom Abend zuvor gekommen, die Frau, die mit Armitage zusammen war. Sie sah mich nicht, als sie hinter der Kellnerin auf einen Tisch auf der anderen Seite des Raums zusteuerte. Sie sah anders aus als am vorhergehenden Abend. Irgendwie besser, als ich sie in Erinnerung hatte. Obwohl ich sie erst wenige Stunden zuvor gesehen hatte, wurde mir bei ihrem Anblick innerlich warm. Schnell blickte ich wieder auf die Speisekarte, bevor ich sehen konnte, wo sie Platz nahm. Was zum Teufel machte ich hier eigentlich? Ich stalkte diese Frau, verdammt. Plötzlich wurde mir klar, was für ein erbärmlicher Idiot ich war. »Lass uns bestellen«, sagte ich mürrisch und fing fast sofort den Blick einer Kellnerin auf, die durch das Lokal huschte.

»Also, du hast mir immer noch nicht gesagt, was wir hier machen«, sagte Andrew.

»Halt die Klappe und bestell dir was«, blaffte ich. »Ich nehme das Ribeye-Steak, blutig, mit Spinat. Und ein Bier.« Die Bedienung warf mir den Blick zu. Diesen Blick, der besagte, dass sie mir hier und jetzt einen blasen würde, wenn ich sie darum bäte. Das beruhigte mich. Ich lächelte sie an, und sie errötete. Nicht mein Typ.

Ich legte den Arm auf die Lehne der Sitzbank in unserer Nische und entspannte mich. Rasch ließ ich den Blick durchs Restaurant schweifen, ohne sie jedoch zu entdecken. Vielleicht konnten wir ja zu Mittag essen und das Lokal verlassen, ohne dass ich ihr über den Weg lief. Was hatte ich mir nur dabei gedacht hierherzukommen?

»Ich habe mit Mandy darüber gesprochen, dass wir dich nicht verkuppeln sollen. Ich schätze, das ist der Grund, warum wir hier sind.«

»War sie damit einverstanden?« Ich mochte Mandy; wir waren schon lange befreundet. Ich wollte sie nicht verärgern, aber ich hatte absolut keine Lust mehr, eine ihrer Freundinnen zu vögeln.

»Sie hat zwar gesagt, dass dein Penis bald schrumpft und dann abfällt, aber du bist vom Haken. Keine Verkuppelungsversuche mehr. Jedenfalls vorläufig. Aber du kommst am Freitag zum Dinner, oder? Komm nachmittags, dann können wir Tennis spielen.«

Andrews und Mandys Haus in East Hampton verfügte über einen Tennisplatz. Ich übernachtete im Haus meiner Schwester. Sie war im vorhergehenden Sommer mit ihrem Mann nach London gezogen, und seit ihre Tochter Izzy auf der Welt war, schafften sie es nur sehr selten über den großen Teich zurück, sodass ich meinen Vorteil voll nutzen konnte. Zum Haus gehörte ein recht großer Pool, und in der Nähe gab es tolle Laufstrecken. Ich freute mich darauf, den Alltag an diesem Wochenende einfach mal zu vergessen. Die Arbeit ging mir gerade ziemlich auf die Nerven, und ich musste wieder einen klaren Kopf bekommen.

»Hey, ist das nicht das Mädchen von gestern Abend?« Andrew deutete auf eine Stelle hinter mir.

Ich hatte die Sache nicht richtig durchdacht. Sollte ich zu ihr gehen und mit ihr reden? Mich mit ihr verabreden? Fuck.

Ohne mich umzudrehen, zuckte ich mit den Achseln.

»Ernsthaft, ich glaube, sie ist es. Guck doch mal«, drängte er.

Ich spähte über die Schulter, und unsere Blicke trafen sich. Gegen meinen Willen lächelte ich sie an. Sie wirkte schockiert und errötete, blickte aber nicht weg. Ich wusste, wie weit die Röte sich unter ihrer Bluse fortsetzte.

»Entschuldige mich kurz«, sagte ich.

»Und sei vorsichtig. Womöglich musst du sie heiraten, wenn du mit ihr redest, nachdem du sie gevögelt hast.«

Da war etwas in ihren Augen, das am Abend zuvor noch nicht da gewesen war. Sie sah … entspannt aus.

»Freut mich, euch wiederzusehen, Ladys«, sagte ich, als ich den Tisch erreicht hatte. Allerdings betrachtete ich nur Anna, die jetzt ebenfalls lächelte. Das war ein gutes Zeichen.

»Wow, das ist ja wie in einer Kleinstadt hier«, sagte Leah. »Aber manche Dinge sollen vermutlich passieren.«

Ich löste den Blick von Anna und musterte Leah, die sehr glücklich aussah. Auch das war ein gutes Zeichen. Nach dieser Begrüßung zu urteilen nahm Anna es mir nicht übel, dass ich nicht da gewesen war, als sie aufwachte.

»Freut mich, euch zu sehen. Macht ihr zwei euch einen schönen Tag?« Wieder betrachtete ich Anna. Sie sah großartig aus. Im Gegensatz zum Abend zuvor trug sie kein Make-up, und das stand ihr sehr gut.

»Setz dich zu uns«, sagte Leah. Ich sah, dass Anna ihr einen warnenden Blick zuwarf.

»Ethan hat sicher Besseres zu tun, als mit uns zusammen zu Mittag zu essen«, versetzte Anna.

»Ach, eigentlich nicht.« Ich forderte Andrew mit einer Geste auf, sich zu uns zu gesellen. »Wir setzen uns an diesen Tisch hier«, sagte ich zu einem vorbeieilenden Kellner. Ich setzte mich neben Anna in die Nische, und sie rutschte auf der Bank schnell ein Stückchen weiter. Als ich ihr eine Hand auf den Oberschenkel legte, blieb sie jedoch sitzen. Wahrscheinlich gefiel es ihr nicht, dass ich hier war. Vermutlich wäre es ihr lieber gewesen, wenn ich nach unserer gemeinsamen Nacht einfach verschwunden wäre, aber nun war ich da und konnte dafür sorgen, dass sie ihre Meinung änderte.

Andrew kam zu uns herüber und war eindeutig verwirrt. Hoffentlich spielte er mit und sagte nichts, wofür ich ihm gern einen Faustschlag versetzen würde. Was nicht sehr wahrscheinlich war.

»Ihr beiden arbeitet also zusammen?«, fragte Leah.

Annas Bein begann auf und ab zu wackeln. Sie war nervös. Wie niedlich.

Ich streichelte ihren Schenkel und schob ihr den Rock ein kleines bisschen weiter hinauf. Sie erstarrte, und ich grinste, als sie mich flehend anblickte.

Andrew plauderte mit Leah und erzählte ihr von seiner Arbeit.

»Als ich vom Laufen wiedergekommen bin, warst du weg«, sagte ich so leise, dass nur Anna es hören konnte. »Eigentlich hätte ich dir gern noch ein morgendliches Workout verpasst.«

Erneut wurde sie rot, schwieg aber.

»Ich würde dich gern wiedersehen.« Die Worte kamen aus meinem Mund, bevor ich merkte, was ich da sagte. Warum sonst war ich hier? Ich wollte mehr von ihr. Nur noch eine Nacht, dann wäre mein Hunger gestillt.

»Ethan.«

»Heute Abend zum Dinner?«, fragte ich und überhörte den warnenden Unterton in ihrer Stimme.

»So war das nicht abgemacht.«

»Ich kann mich an keine Abmachung erinnern«, sagte ich, während ich die Finger unter den Saum ihres Rocks schob.

»Ich habe Regeln«, flüsterte sie.

»Gib mir dein Handy.«

Sie legte eine Hand auf das Telefon auf dem Tisch, während meine Hand an ihrem Schenkel hinaufwanderte.

»Ethan«, flüsterte sie.

Ich streifte den Saum ihres Slips. »Gib mir dein Handy, und ich höre sofort auf.«

Stattdessen blickte sie mir unverwandt in die Augen und ließ das Handy in ihre Handtasche fallen.

Verdammt. Sie wollte das hier. Ich ließ die Finger in ihr Höschen gleiten und stellte fest, dass sie wunderbar feucht für mich war. Mein Herz raste, als ich über ihre Schamlippen strich. Sie beugte sich vor, stützte die Ellbogen auf den Tisch und beteiligte sich an Andrews und Leahs Gespräch. Meine Finger ertasteten ihre Klit, und ich begann, sie zu umkreisen. Sie stimmte Leah zu, die irgendetwas über den Morgen erzählte, den die beiden gemeinsam verbracht hatten. Ich bekam nichts davon mit. Ich hörte nicht mal zu. Sie war eine großartige Schauspielerin. Die Tatsache, dass ich sie mit den Fingern bearbeitete, schien sie nicht im Geringsten aus der Ruhe zu bringen. Ich ertappte mich dabei, dass ich die drei so geistesabwesend betrachtete, als wäre ich gar nicht da. Alles, was ich wahrnahm, war die süße Pussy unter meinen Fingern. Ich spürte, wie ich hart wurde. Konnte ich uns irgendwie zu den Toiletten manövrieren? Ich wollte in ihr sein.

Die Kellner tauchten mit unserem Essen auf. Ohne mich anzusehen, griff Anna in ihre Handtasche und reichte mir ihr Handy. Ich wusste nicht, ob ich mich freuen oder enttäuscht sein sollte. Ich zog die Hand aus ihrem Slip und wischte sie an meiner Serviette ab.

Ich tippte meine Nummer in ihr Handy, dann drückte ich auf Anrufen, und gleich darauf spürte ich das vertraute Vibrieren an meiner Brust. Ich speicherte meine Nummer in ihr Handy ein und versuchte, an etwas – irgendetwas – zu denken, das meinen Schwanz zum Wegtreten bringen würde. Andrew erzählte, wie er Mandy einen Heiratsantrag gemacht hatte. Das müsste reichen. Danke, Kumpel.

»Dann lebt ihr also das Märchen?«, fragte Leah.

»Nein«, erwiderte Anna. »Du lebst das Märchen. Daniel war der letzte gut aussehende Märchenprinz da draußen, und du hast ihn dir geangelt. Alle anderen hingegen …« Sie schüttelte den Kopf, während ihre Worte verklangen. Jemand hatte ihr übel mitgespielt, eindeutig. Idiot.

»Also, was habt ihr heute Nachmittag vor?«, fragte ich. Mir gefiel nicht, dass sie so traurig aussah.

»Na ja, Anna muss sich ein bisschen ausruhen. Sie hat letzte Nacht nicht viel Schlaf bekommen.« Leah zwinkerte mir zu, und Anna verdrehte die Augen. Ich lachte. Gestern Abend hatte sie auch die Augen verdreht. Diese Wirkung hatte ich auf Frauen sonst nur selten.

»Wir wollen noch mal kurz in die Wohnung, steif wie Brokkoli vor dem Fernseher sitzen und alte Filme ansehen«, sagte Anna.

»Okay, ich habe noch einiges am Bau zu tun, also sollten wir uns wohl besser auf den Weg machen.«

»An welchem Bau?«, fragte Andrew.

»Komm schon. Die Damen wollen in ihren Nachmittag à la Pretty Woman aufbrechen. Hat mich gefreut, dich zu sehen, Leah.« Und an Anna gewandt: »Und dich auch.« Ich nahm ihr Kinn in die Hand. »Wegen des Dinners rufe ich dich noch an.« Und dann küsste ich sie auf den Mund, nur eine Sekunde länger als angemessen.

»Hey, Kumpel«, sagte Andrew auf dem Weg aus dem Restaurant zu mir.

»Halt jetzt bloß die Klappe, Mann.«

Anna

»Er mag dich, Anna«, sagte Leah. »Anna?«

»Ich habe es gehört, aber ich will nicht darüber reden. Es gibt nichts zu sagen.«

»Aber findest du es nicht toll, dass ihr euch schon wieder begegnet seid, nur ein paar Stunden, nachdem du ihn verlassen hast? Das ist, als wollte das Schicksal euch zusammenbringen oder so.«

Ja, es war seltsam, dass wir uns erneut über den Weg gelaufen waren. Und von der Verlegenheit, die nach Gelegenheitssex so typisch ist, war nichts zu spüren. Vermutlich hatte er darin eine Menge Übung.

»Leah, wenn du jetzt nicht zu reden aufhörst, muss ich dich umbringen oder vielleicht wird mir auch fürchterlich schlecht.«

Ethan und Andrew waren gerade gegangen.

»Entschuldige.« Ich winkte die Kellnerin heran. »Bringen Sie uns bitte die Rechnung?«

»Die Rechnung ist schon bezahlt, Ma’am. Mr Scott hat gesagt, Sie können bestellen, was Sie wollen. Darf ich Ihnen noch etwas bringen?«

Aha. Mr Scott.

»Ma’am?«

»Oh. Nichts. Danke.«

Leah grinste mich an selbstzufrieden an.

»Okay, gehen wir, ab ins Bett und Filme gucken«, sagte ich und ignorierte ihr Grinsen.

»Und er wusste, dass du Pretty Woman zitiert hast, als du das mit dem Brokkoli gesagt hast.«

»Sei endlich ruhig, Leah.« Auch mir war das aufgefallen, und ich fand es total süß.

»Ich glaube, er würde perfekt zu dir passen.«

»Halt den Mund, Leah.«

»Er ist sehr sexy.«

Das stimmte. Ich presste die Lippen zusammen, um nicht zu lächeln. »Wenn du noch ein einziges Wort dazu sagst, buche ich meine Flüge um und fliege nach Hause.« Ich rutschte aus der Sitzbank und stand auf, und ein paar Sekunden später standen wir in der drückenden New Yorker Hitze.

»Lass uns mit dem Taxi zu Daniels Wohnung fahren«, schlug ich vor und streckte bereits den Arm aus.

»Okay. Nur eine Sache noch, dann halte ich den Mund.«

Ich schwieg.

»Ich habe gesehen, wie du ihm dein Handy gegeben hast. Hat er seine Nummer darauf gespeichert?«

Ich zuckte mit den Schultern, während ich auf das Taxi zuging, das am Straßenrand gehalten hatte.

»Heißt das Ja?«

»Ich habe nicht nachgesehen. Vermutlich hat er das.«

»Und wollte er sich noch mal mit dir verabreden?«

Wollte er das? Ich wusste es nicht mehr. Irgendetwas hatte er gesagt, aber seine Berührungen hatten mich abgelenkt. Ich spürte sie noch immer zwischen meinen Beinen.

Erneut zuckte ich mit den Schultern. »Ich kann mich nicht erinnern.«

»Du kannst dich nicht erinnern, ob sich jemand, der so aussieht wie er, mit dir verabreden wollte?«, fragte Leah spöttisch. »Er ist fast so attraktiv wie Daniel.«

»Er ist viel schärfer«, sagte ich und grinste.

»Wusste ich’s doch, du magst ihn!«

»Ich habe nie gesagt, dass ich ihn nicht scharf finde. Himmel. Ich habe mit ihm geschlafen. Natürlich fühle ich mich zu ihm hingezogen. Ich habe nur kein Interesse an mehr als einer Nacht. Egal mit wem.«

»Wer redet denn von einer Beziehung?«, sagte Leah. »Gönn dir doch einfach eine Affäre und warte ab, wie die Dinge sich entwickeln.«

»Sie werden sich überhaupt nicht entwickeln. Schließlich werde ich ihm nicht noch mal begegnen.«

»Aber er wird dich anrufen.«

»Und wenn schon.«

Genau dafür waren Ferien da. Im Pyjama unter der weichsten Daunendecke der Welt liegen, Schokolade essen und Filme gucken. Leah und ich stritten uns, welchen wir als nächsten sehen wollten. Natürlich hatten wir mit Pretty Woman angefangen. Obwohl Leah protestierte, weil sie sich den Film zum tausendsten Mal mit mir ansehen sollte, wusste ich, dass sie ihn insgeheim liebte.

»Auf keinen Fall sehe ich mir Für immer Liebe an. Der Film ist Mist«, sagte ich.

»Du weißt genau, dass das nicht stimmt. Es ist einer deiner absoluten Lieblingsfilme. Aber wenn deine Laune dadurch noch weiter in den Keller geht, müssen wir ihn uns nicht ansehen. Wie wär’s mit Sweet Home Alabama?«

»Wenn Ryan Gosling nicht mitspielt, interessiert er mich nicht.«

»Findest du Josh Lucas etwa nicht heiß?«

»Das habe ich nicht gesagt. Aber Ryan finde ich heißer.«

»Ryan hat komische Augen.«

»Hat er nicht! Wie kannst du so was sagen?«

Ich hörte mein Handy irgendwo im Bett klingeln und tauchte unter die Decke, um es hervorzuholen. Verdammt, wo war das Ding nur geblieben? Der Name »Sexgott« blitzte auf dem Display auf, und ich lächelte. Ich sollte ihn ignorieren. Aber da ich im Grunde nicht wusste, wer der Anrufer war, obwohl ich es natürlich doch wusste, nahm ich den Anruf an.

»Stalkst du mich etwa?«, fragte ich.

»Nein, ich rufe dich an. Jemanden nach einer Nacht mit unglaublich gutem Sex anzurufen, läuft eigentlich nicht unter Stalking, soweit ich weiß. Aber mir gefällt, dass du das Wort ›Sexgott‹ liest und sofort annimmst, dass ich es bin, der anruft.«

Er fand den Sex auch unglaublich? Bislang hatte ich geglaubt, dass ein römischer Gott wie er grundsätzlich erwartete, dass er fantastischen Sex bekommen würde. Ich presste die Schenkel zusammen.

»Oh.« Mehr fiel mir nicht ein.

»Also, ich hole dich heute Abend um sieben ab.«

Leah grinste mich an, darum verzog ich mich ins Badezimmer, schloss die Tür, setzte mich auf den Wannenrand und kaute auf meinem Zeigefinger herum.

»Anna?«

»Hmm?«

»Um sieben.«

»Ich …«

»Sag mir deine Adresse, damit ich dich abholen kann.«

»Ich kann Leah nicht allein lassen. Ich wohne bei Leah und Daniel. Das wäre unhöflich.«

Leah steckte den Kopf zur Tür herein. »Du kannst Daniel und mich ohne Weiteres allein lassen.«

»Leah, geh raus. Und hör auf, an der Tür zu lauschen! Also wirklich, nicht zu fassen!«

Ethan lachte. »Also, um sieben?«

»Du bist ganz schön hartnäckig.«

»Wenn es um dich geht, schon.«

Himmel, der Mann wusste genau, was er sagen musste. »Fifth Avenue 820. Das Penthouse«, sagte ich.

»Wir sehen uns heute Abend.«

Und damit legte er auf.

5. Kapitel

Es war Viertel vor sieben am Abend, und ich lief unruhig auf und ab. Ich sollte das hier nicht tun. Die vorhergehende Nacht sollte eine einmalige Angelegenheit bleiben.

»Ich sollte das nicht tun«, sagte ich zu Leah, die sich in der Küche zu schaffen machte, weil sie Cocktails für uns zuzubereiten versuchte.

»So, ich hab’s. Schmeckt fast wie ein echter.«

Sie kam aus der Küche und reichte mir etwas, das ein Mojito sein sollte.

»Trink«, befahl sie.

Ich nahm den Drink und schnupperte daran.

»Du wirst dich schon nicht vergiften.«

Ich brauchte ein bisschen flüssigen Mut, also trank ich einen kleinen Schluck. Ich zog die Augenbrauen hoch. »Der ist gut.«

Leah nickte. »Hab ich doch gesagt. Hör zu: Amüsier dich heute Abend einfach. Ich weiß nicht, warum du so nervös bist. Er ist heiß, aber das bist du auch.«

»Und das, Leah Thompson, ist der Grund, warum ich dich so liebe.«

Sie strahlte mich an. »Danke, gleichfalls.«

Ich wusste nicht, warum ich so nervös war.

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