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Perfect Touch: Vereinigt

Über die Autorin

Jessica Clare lebt mit ihrem Mann in Texas. Ihre freie Zeit verbringt sie mit Schreiben, Lesen, Schreiben, Videospielen und noch mehr Schreiben. Mit der Serie »Perfect Passion« schaffte sie den Sprung auf die Bestseller-Listen von der New York Times, von USA Today und vom Spiegel.

1

Leo wusste sofort, dass irgendetwas nicht stimmte. Im privaten Arbeitszimmer seiner Großtante erwarteten ihn die Königin, die Kronprinzessin sowie ihr frisch angetrauter amerikanischer Ehemann zusammen mit dem engsten Berater der Königin.

Das war gar nicht gut. Wäre es ein gesetzlicher Feiertag gewesen, hätte er es noch verstanden, aber um zweiundzwanzig Uhr an einem Dienstag konnte das nur etwas Schlimmes bedeuten.

Leo strich sich mit einer Hand durch das zerzauste Haar und bereute es, dass er keine Zeit mehr zum Duschen gehabt hatte, bevor er zum Palast gekommen war. »Entschuldigt. Ich hatte vor Kurzem noch ein Polospiel.« Gut, danach war er noch mit einigen Freunden für ein paar Stunden in der Kneipe versackt. Aber er war der Ansicht, dass man Siege feiern musste, und heute hatten sie gewonnen. Er trat zu der betagten Königin und gab ihr einen Kuss auf die Wange. »Wie geht es dir, Tante?«

»Ich mache mir Sorgen«, antwortete sie und tätschelte seine Schulter. »Setz dich bitte, Leo. Das wird keine angenehme Unterhaltung.«

Verdammt. Er begrüßte schnell noch Alex mit einem Wangenkuss und nickte ihrem Mann Luke zu, bevor er auf dem freien Stuhl gegenüber der Königin Platz nahm. Den Minister hatte er nicht begrüßt, aber er kannte den Kerl auch überhaupt nicht, und diese Geheimnistuerei machte ihn langsam nervös. »Was ist denn los?«

Die Königin sah den Minister an und nickte. »Sie dürfen sprechen.«

Der kleine Mann rückte seine Brille zurecht und musterte Leo kurz. »Sie sind sich bewusst, dass Sie der Fünfte in der Thronfolge sind, oder?«

»Eigentlich dachte ich, ich wäre der Sechste.« Solche Dinge interessierten Leo nicht besonders, da er seinen Titel nur nutzte, damit man ihm Drinks ausgab und er Frauen beeindrucken konnte. Daher wäre es für ihn auch völlig in Ordnung gewesen, wenn er nie weiter nach oben rutschte – schließlich war seine Cousine Alex so schrecklich ernst geworden, seitdem sie Kronprinzessin war. Sie schien sich überhaupt nicht mehr zu amüsieren.

Er hingegen hatte jede Menge Spaß und genoss das Leben.

»Nun ja, es gab da letztens dieses Problem mit George.« Wieder rückte der Mann seine Brille zurecht und warf der Königin einen nervösen Blick zu. Als sie nickte, fuhr er fort. »Sie sind doch gewiss darüber informiert, dass George daraufhin seinen Anspruch auf den Thron aufgegeben hat?«

Leo rieb sich die Nase. »Man hätte schon im tiefsten Dschungel leben müssen, um das nicht mitzukriegen.«

George war nicht nur mit einem, sondern gleich mit zwei Zimmermädchen aus dem Palast erwischt worden, die überdies beide verheiratet waren. Schließlich hatte er unter dem Druck der Königin auf seinen Platz in der Thronfolge verzichtet. Man hatte ihn dafür mit einer ansehnlichen Abfindung entschädigt, von der allerdings nur die Familie etwas wusste. Für den Rest der Welt war George ein Ehebrecher, der sich wirklich grämte, weil er auf frischer Tat ertappt worden war. Seine Angehörigen wussten es jedoch besser. Schließlich war George schon immer ein ziemlicher Lustmolch gewesen. Leo bedauerte allerdings Georges arme Ehefrau, die immer einen sehr netten Eindruck gemacht hatte.

»Das ist eine ernste Sache«, schalt ihn Alex mit stahlharter Stimme.

Er rutschte auf seinem Stuhl herum. »Entschuldigt. Ja, ich habe davon gehört. George ist also nicht mehr der Zweite der Thronfolge.«

»Damit rücken alle einen Platz vor«, erläuterte der Minister und zog eine Liste aus der Tasche. »Nach Prinzessin Alex folgt Georges Sohn Peter. Danach seine Tochter Alma. Dann Ihr Cousin Griffin, gefolgt von Ihnen.«

Leo nickte. Das war alles nicht neu für ihn.

»Das Problem ist, dass eine immer größere Gruppe von Bürgern unzufrieden ist. Und sie tun ihren Unmut laut kund. Sie sind nicht glücklich darüber, dass Ihre Hoheit Alexandra einen Amerikaner geheiratet hat, und jetzt halten sie Ausschau nach jemandem, den sie nach dem Ableben der Königin auf den Thron setzen können.«

Leo runzelte die Stirn und sah seine königliche Großtante erschrocken an. Sie schien dieses Jahr etwas gebrechlicher auszusehen als sonst, war aber ansonsten noch kräftig und im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte. War die britische Königin nicht sogar noch älter als Großtante Alexandra? Ihr machte niemand den Thron streitig, was sollte dann dieses Theater? »Ich kann Ihnen nicht ganz folgen. Warum reden wir ausgerechnet jetzt darüber?«

»Weil ich alt bin«, erwiderte die Königin. »Die Menschen wollen junges Blut auf dem Thron sehen. Ich habe vor, in einem oder zwei Jahren zugunsten von Alexandra zurückzutreten.«

»Und den Unzufriedenen gefällt nicht, dass sie mit einem Amerikaner verheiratet ist, daher wollen sie jemand anderen auf dem Thron haben.«

Leo überlegte kurz. »Aber nicht Peter, oder?« Sein Cousin konnte doch höchstens sieben sein.

»Nein, nicht Peter«, bestätigte die Königin. »Er ist zu jung. Alma scheidet aus demselben Grund aus.«

Leo brach der Schweiß aus. »Also Griffin?«

»Griffin wird in den nächsten Monaten ebenfalls eine Amerikanerin heiraten«, merkte Prinzessin Alex leise an. »Eine bürgerliche Amerikanerin ohne Vermögen. Er liebt sie sehr und ist bereit, notfalls sogar seinen Platz in der Thronfolge für sie aufzugeben.«

Verdammt. So langsam wurde es kritisch. Leo rutschte auf seinem Stuhl herum. »Die wollen doch nicht etwa mich?«

»Auf dem Papier machen Sie auf das Volk von Bellissime einen guten Eindruck«, sagte der Minister und warf der Königin einen Blick zu. Dann zog er ein Blatt hervor. »Sie sind bei der jüngeren Bevölkerung sehr beliebt und haben zwei Jahre in der königlichen Armee gedient, obwohl Sie genug Geld gehabt hätten, um sich freizukaufen. Sie sind wohlhabend und würden dem Staat nicht zur Last fallen. Sie sehen gut aus und sind sportlich. Überdies gab es in letzter Zeit keinerlei Skandale, in die Sie verwickelt gewesen wären. Falls Sie eine Lady aus Bellissime oder sogar eine Prinzessin aus einem Nachbarland heiraten sollten, wären Sie derjenige, den das Volk am liebsten auf dem Thron sehen würde.«

Leo sah Alex erschrocken an. »Aber ich will gar nicht König werden.«

»Ich möchte auch nicht, dass du König wirst«, gab sie kalt zurück. Er bemerkte, dass sie die Hand ihres Mannes nahm und die Finger mit seinen verschränkte. »Wir versuchen alles, um ein Baby zu bekommen und die Thronfolge zu sichern. Aber bis dahin müssen wir mit den unzufriedenen Bürgern zurechtkommen, die sich über meine Ehe mit Luke ärgern.«

»Mit mir auf dem Thron wären sie noch viel weniger glücklich«, rief Leo aus. »Ich bin in England zur Schule gegangen und habe im Leben noch nichts erreicht. Mein Geld habe ich allein Griffins Investitionen zu verdanken und dass ich den Familienbesitz an diesen Filmproduzenten verkauft habe. Ich habe noch nichts Nennenswertes geleistet und mich gerade mal bei ein paar Events sehen lassen. Daher bin ich eindeutig der falsche Mann für diesen Job.«

»Da sind wir ganz deiner Meinung«, erwiderte die Königin offen. »Du wärst eine sehr schlechte Wahl.«

Na, dann waren sie sich ja wenigstens in der Hinsicht einig. Trotzdem kam Leo sich jetzt ziemlich bescheuert vor.

»Aus diesem Grund haben wir dich heute auch hergebeten, Leo. Du wirst das Land verlassen.«

»Was?«

Alex sah zuerst ihre Großmutter und dann Leo an. »Es wäre für alle das Beste, wenn du dich für eine Weile nicht in der Öffentlichkeit sehen lassen würdest.«

Er rieb sich das Kinn. Diese Vorstellung gefiel ihm gar nicht, schließlich war Bellissime seine Heimat. Aber wenn er die Wahl hatte, ob er den Thron besteigen oder einige Monate auf einer sonnigen Insel verbringen sollte, dann würde er Letzteres vorziehen. »Okay, dann fahre ich in den Urlaub …«

»Genau genommen«, unterbrach ihn seine Großtante, »wirst du nach Amerika gehen.«

Leo runzelte die Stirn. »Ach ja?« Amerika hörte sich so … na ja, so amerikanisch an. Vermutlich war es da sogar ganz nett, aber er konnte die Faszination seines Cousins und seiner Cousine für dieses Land nicht nachvollziehen. »Kann ich nicht einfach nach Thailand fliegen oder einige Monate irgendwo anders verbringen?«

»Du wirst die nächsten ein oder zwei Jahre in Amerika leben«, beharrte die Königin.

Ein oder zwei Jahre? »Aber mein Poloteam …«

»Wird einen neuen Kapitän finden.«

»Meine Ländereien …«

»Müssen nicht beaufsichtigt werden.« Die Königin musterte ihn ernst. »Das ist keine Bitte, Leo, sondern eine Anweisung.«

Verdammt. Er strich sich mit den Händen über die Wangen und wusste, dass er keine Wahl hatte. »Na gut, dann werde ich mich eben für eine Weile bei den Amerikanern amüsieren. Da ihr sowieso schon alles geplant habt, habt ihr wahrscheinlich auch längst entschieden, wohin ich gehen soll?«

»Allerdings.« Prinzessin Alexandra schob ihm lächelnd einen cremeweißen Umschlag über den Tisch zu. »Du bist als Trauzeuge zu einer Hochzeit eingeladen.«

2

Haben Sie schon versucht, Ihr Modem zurückzusetzen, Ma’am?«, fragte Taylor höflich und brachte ihre Spielfigur in Position. Es war nicht gerade einfach, im Homeoffice zu arbeiten und gleichzeitig Excelsior zu spielen, doch was Multitasking anging, war Taylor ein Profi. »Auf diese Weise lässt sich eine Vielzahl von Problemen beheben.«

»Was ist ein Modem?«, wollte die ältere Dame am anderen Ende der Leitung wissen.

Du liebe Güte. Das würde jetzt wohl etwas länger dauern. Rasch schrieb sie eine Nachricht in den Gilden-Chat: Wartet kurz, bin eben AFK.

Schon wieder?, beschwerte sich Rowsdower. Du bist ständig weg. Du kannst auch gleich Tay-FK schreiben.

Dann leite du doch den Raid!, schoss sie zurück.

Seufz. Okay.

Wir warten, schrieb Sigmund.

Sie drehte sich auf ihrem Bürostuhl um und rief auf dem anderen Computer die entsprechende Kundendatei auf. »Ich werde jetzt einige Einträge in Ihrem Konto machen und Sie dann Schritt für Schritt durch den Vorgang führen.« Während sie langsam und sehr detailreich erklärte, wie die Kundin das Modem aus- und wieder einschalten sollte, hörte sie hinter sich das Pingen ihres Spielerechners, das ihr verriet, dass die anderen Spieler miteinander chatteten. Sie drehte sich zu dem Bildschirm um.

Ich habe viel an dich gedacht, hatte Sigmund ihr per privater Nachricht geschrieben. Ich finde, wir sollten im Spiel heiraten. Ich mag dich wirklich sehr.

Oh nein. Taylors Magen zog sich zusammen. Aber sie zwang sich, der Kundin am Telefon ihre ganze Aufmerksamkeit zu widmen und das ständige Pingen hinter sich zu ignorieren. Sigmund wurde schon wieder anhänglich, und das war nicht gut. Vielleicht beruhigte er sich ja wieder, wenn sie ihm erst in einigen Minuten antwortete.

Als sie das Telefonat endlich beendet hatte, war der ganze Bildschirm voller privater Chat-Nachrichten von Sigmund.

Sigmund: Ich habe in letzter Zeit viel an dich gedacht. Du hast doch nichts dagegen, oder?

Sigmund: Du bist der einzige Lichtblick in meinem Leben.

Sigmund: Ich weiß nicht, was ich tun würde, wenn du mich verlässt.

Sigmund: Bist du da? Ist dir das jetzt unangenehm?

Sigmund: Ich hoffe, nicht. Ich sage dir ja nur, was ich empfinde.

Sigmund: Ich habe dich übrigens auf Facebook gesucht. Du bist wunderschön. Und da steht, dass du Single bist. Wie schön!

Sigmund: Kommst du auch mal wieder?

Sigmund: Ich hoffe, deine Kunden machen dir das Leben nicht so schwer.

Sigmund: Ping mich an, wenn du wieder da bist.

Sigmund: Ich drück dich, meine Schöne.

Großer Gott. Je länger sie weg war, desto mehr Nachrichten schickte er. Taylor sprang auf und ging in die Küche, um sich eine Schüssel Cornflakes zu holen. Sie schüttete einfach den kompletten Inhalt der Packung in eine Rührschüssel, gab Milch darauf und kehrte an ihren Schreibtisch zurück. Was sollte sie bloß mit Sigmund machen?

Einer der Gründe, aus denen sie tagsüber Excelsior und nicht World of Warcraft spielte, war, dass es dafür kein Chatprogramm wie Ventrilo gab. Excelsior war gewissermaßen »old school«, denn wenn man mit jemandem reden wollte, sprach man nicht ins Mikrofon, sondern tippte. Daher eignete sich das Spiel perfekt für die Zeit, die sie mit einem langweiligen Anruf oder Warten verbringen musste. Das Problem war nur, dass ihr das Spiel schon seit Monaten keinen Spaß mehr machte, sie jedoch nicht aufhören konnte.

Wegen Sigmund.

Er wurde von Tag zu Tag schlimmer. Sie hatten sich angefreundet, miteinander geplaudert und Witze gemacht, da tagsüber nicht viele andere Leute online waren. Zuerst war er nett und witzig gewesen, daher hatte sie sich mit ihm unterhalten. Doch im Laufe der Monate wurde Sigmund immer anhänglicher. Dann fingen die Probleme an.

Jetzt schickte er ihr jeden Tag Nachrichten wie: Wenn du aufhörst, werde ich alles beenden. Oder: Du bist das Einzige, was mein Leben noch lebenswert macht, Taylor. Oder: Ich liebe dich, Taylor. Was empfindest du für mich?

So langsam wusste sie einfach nicht mehr weiter.

Sie wollte das Spiel verlassen, sie wollte unbedingt damit aufhören. Eigentlich war es ganz nett, aber dieser Stress ging ihr auf die Nerven. Das Problem war nur, dass Sigmund völlig durchdrehte, wenn sie sich auch nur einen Tag lang nicht einloggte, und ihr immer mehr deprimierende Nachrichten schickte.

Es kam ihr beinahe so vor, als wäre sie seine Geisel.

Langsam aß Taylor ihre Cornflakes und beobachtete, wie immer mehr Nachrichten von Sigmund auf ihrem Bildschirm auftauchten.

Sigmund: Ich kann mir gut vorstellen, wie dir die Kunden das Leben zur Hölle machen.

Sigmund: Du bist einfach viel zu nett.

Sigmund: Ich sollte deinen Boss anrufen und ihm sagen, dass er dir eine Gehaltserhöhung geben muss.

Sigmund: Mann, das ist aber ein langes Telefonat.

Sigmund: Ich hab deine Facebook-Seite wieder offen. Du bist so hübsch. Hast du auf dem Foto einen Doctor-Who-Schal um? Ich finde den vierten Doktor am besten.

Sigmund: Ein Mädchen wie dich würde ich glatt heiraten.

Sigmund: Das war hoffentlich nicht zu dreist von mir. Aber … ich mag dich wirklich.

Sigmund: Taylor?

Sie stöhnte frustriert in ihre Schüssel. Warum hatte sie ihm bloß ihren Namen verraten? Das hatte sie jetzt davon. Immer wenn sie online ging, nervte er sie. Jetzt, wo er sie auch auf Facebook gefunden hatte, würde er ihr bestimmt auch da Nachrichten schicken. Sie fühlte sich immer mehr in die Ecke gedrängt.

Taylor stellte ihre Schüssel weg, überlegte kurz und fing an zu tippen.

HaveANiceTay: Wieder da. Hey, Sig, wir sind Freunde, aber ich bin nicht auf der Suche nach einer Beziehung. Kann nicht einfach alles so bleiben, wie es ist?

Einige Minuten lang kam keine Antwort. Taylor kaute auf ihrer Unterlippe herum und machte sich schon Sorgen, dass er jetzt völlig durchdrehen und ihr die ganze Nacht lang Selbstmorddrohungen schicken würde, damit sie ihn beruhigen musste mit Nachrichten wie: Nein, bring dich nicht um; ja, du bist ein netter Kerl; bitte tu dir nichts an. So etwas war in den letzten Monaten schon häufig passiert, und allein bei dem Gedanken daran bekam Taylor erneut Magenschmerzen.

Sigmund: Ich weiß. Ich will einfach zu viel. Aber … Du bist das einzig Gute in meinem Leben.

HaveANiceTay: So ein Blödsinn! Du hast doch das Spiel!

Sigmund: Nein, es gibt nur dich!

HaveANiceTay: Und die Gilde.

Sigmund: Die können mich alle nicht leiden. Ich trete nur deinetwegen nicht aus.

HaveANiceTay: Das stimmt doch gar nicht. Und wir sollten uns jetzt langsam mal um den Raid kümmern.

Bevor er etwas erwidern konnte, gab sie schnell in den Haupt-Chat ein: Hey, Leute! Ich bin wieder da. Legen wir los! Die anderen Charaktere jubelten und tanzten, um sich dann in Position zu bringen, damit sie den Boss angreifen konnten. Sie wollten den Raid durchziehen, und da sie die Gildenleiterin war, war es ihr Job, sie da durchzubringen.

Gerade als jemand den ersten Pfeil abschoss, klingelte ihr Telefon. Verdammt! Sie ließ es dreimal klingeln und hämmerte auf die Tasten, während die Explosionen auf dem Bildschirm aufflackerten. Nachdem sie das Arsenal ihres Charakters leer gefeuert hatte, nahm sie den Anruf an. »Technischer Kundendienst, Taylor am Apparat.«

»Tay? Ich bin’s, Gretchen.«

»Ach, Mann. Hey, Gretchen. Es ist gerade sehr ungünstig.« Die Trashmobs stürmten in den Raum, und Taylor ließ ihren Charakter einen Gebietszauber wirken.

»Spielst du etwa wieder dieses blöde Spiel?«

»Ähm, welches meinst du? Ich spiele drei verschiedene.« Na ja, zumindest hatte sie das mal getan. Jetzt kam sie wegen Sigmund eigentlich nur noch zu Excelsior. So ein Mist!

»Das mit den Dingsen und den Drachen. Ist ja auch egal. Hey, am Samstagnachmittag musst du dich mal von deinem Computer loseisen.«

Der Boss leuchtete und aktivierte seinen Schutzschild, und sie klickte automatisch auf den Schild ihres eigenen Charakters. Nicht so schnell!, meinte sie zu den anderen. Wenn sie den Boss jetzt angriffen, würde er sie auslöschen. Alle hielten auch sofort inne, bis auf einen Noob, und sie nahm sich vor, ihm nach dem Raid mal ein paar Takte zu erzählen. Sie beobachtete, wie der Boss den Charakter angriff und plattmachte. Tja, so was passierte nun mal, wenn man nicht auf den Raidleiter hörte.

»Es ist nämlich so, dass am Samstag ein Freund vorbeikommt, den ich dir vorstellen möchte. Er ist neu in der Stadt und braucht jemanden, der ihn ein bisschen herumführt.«

Taylor stöhnte auf. »Kann das nicht jemand machen, der, na ja, gut mit Menschen umgehen kann? Ich bin viel besser, wenn es um Videospiele geht.« Der Boss senkte seinen Schild, und sie tippte: ATTACKE! Ihre Gilde stürmte vor, und der Kampf ging weiter.

»Das ist ja das Problem. Greer ist momentan in Vegas, Audrey könnte jeden Augenblick ihr Baby bekommen, Edie besucht mit Magnus irgendeine Convention, Chelsea hat ein Roller-Derby-Spiel, und Bron muss sich um irgend so eine Wohltätigkeitsveranstaltung kümmern. Du bist die einzige Brautjungfer, die noch verfügbar ist. Mir ist schon klar, dass Gollum nur ungern seine Höhle verlässt, aber kannst du deinen Schatz denn nicht mal für zwei Stunden oder so allein lassen und dich mit meinem Gast treffen? Bitte!«

»Ich habe einen Raid«, behauptete Taylor automatisch.

»Du hast gesagt, du würdest jederzeit Zeit für mich finden, wenn ich dir rechtzeitig Bescheid sage. Und das tue ich gerade!«

Da hatte Gretchen allerdings recht. Taylor seufzte, während der Boss zu Boden ging und Goldmünzen über ihren Bildschirm regneten. Sie hatten gewonnen.

Sigmund: Wir haben es geschafft, Süße!

Süße? Taylor zuckte zurück. Süße? »Weißt du was, G … Wenn ich es mir recht überlege, habe ich doch Zeit.«

»Hurra! Du wirst es nicht bereuen! Um vierzehn Uhr bei mir, okay?«

»Ich werde da sein. Tschüss, Gretchen!« Sie legte auf, doch schon kam der nächste Anruf. Bevor sie ihn annahm, schrieb sie Sigmund noch schnell eine Nachricht.

HaveANiceTay: Ich kann Samstag leider nicht mitmachen. Leitest du den Raid?

Sigmund: Jetzt ist mein Wochenende ruiniert. Ich hatte gehofft, wir würden es zusammen verbringen.

Taylor knirschte mit den Zähnen. Vielleicht war ein Tag, den sie nicht am Rechner verbrachte, genau das, was sie brauchte.

*

Obwohl es sie nervös machte, den ganzen Nachmittag die Finger von ihrem Computer zu lassen, fuhr Taylor am Samstag zu Gretchen, wie sie es versprochen hatte. Sie hatte sich an diesem Morgen selbst die Leviten gelesen: Es ist gut, mal vor die Tür zu kommen; die Gilde kommt auch ohne mich klar; und ein paar Stunden außerhalb ihrer winzigen Wohnung konnten nicht schaden.

In Wirklichkeit wollte sie nur Sigmund und seinen bedrückenden Nachrichten entkommen. Es ging nämlich schon die ganze Woche so: Sobald sie mal mehrere Stunden nicht am Rechner war, schrieb er ihr SMS, weil er irgendwie an ihre Handynummer rangekommen war. Schaute sie bei Facebook rein, bekam sie dort Nachrichten. Im Spiel pingte er sie sowieso ständig an und schrieb ihr, wie hübsch sie war, wie sehr er sie mochte und ob sie nicht mal etwas zusammen unternehmen wollten.

Natürlich im Spiel. Sigmund hatte noch nie ein persönliches Treffen vorgeschlagen, sie auch nie angerufen – und ihr natürlich auch nie seine persönlichen Daten gegeben. Nicht dass sie daran überhaupt interessiert gewesen wäre. Aber in einem richtigen Gespräch wäre es ihr vielleicht endlich möglich, ihm auf nette Art einen Korb zu geben. Was nicht bedeuten sollte, dass sie darin gut gewesen wäre. Aber so langsam wurde ihr klar, dass sie etwas unternehmen musste. Irgendetwas.

Als sie im Taxi auf dem Weg zum Buchanan-Anwesen war, vibrierte ihr Handy.

Sigmund: Ich hatte mir überlegt, heute beim Raid den Tank zu machen. Bist du damit einverstanden?

Sigmund: Es gefällt mir gar nicht, dass wir den Raid ohne dich durchziehen.

Sigmund: Reichen zwanzig für den Raid? Oder sollten wir fünfundzwanzig Leute mitnehmen und alles umlegen? Was denkst du?

Sigmund: Du bist doch nicht sauer auf mich, oder, Tay?

Sigmund: Oh Gott. Ich könnte es nicht ertragen, wenn du wütend auf mich wärst. Bitte sag, dass du mich nicht ignorierst, Tay.

Sigmund: Mein Leben wäre am Ende, wenn du kein Teil mehr davon bist.

Taylors Magen zog sich schmerzhaft zusammen, und sie nahm schnell eine Schmerztablette. Dieser Kerl machte sie völlig fertig. Eigentlich hatten diese Spiele nur ein lustiger Zeitvertreib sein sollen und nichts, was zur Pflicht und zehnmal stressiger als ihr Job wurde. Gestern hatte sie sich sogar bei der Arbeit krankgemeldet, weil Sigmund den Raid beim Feuerboss von Driza durchziehen wollte. Er war mit einer zusammengewürfelten Gruppe reingegangen, die nicht lange durchgehalten hatte, und danach hatte er sich den ganzen Tag nicht mehr eingekriegt. Sie hatte ihn mehrmals beruhigen müssen und sich nicht mehr auf ihren Job konzentrieren können. Dies war das dritte Mal in diesem Monat, dass sie nicht hatte arbeiten können, und ihr war klar, dass ihr Boss das nicht mehr witzig fand.

Aber sie wusste nicht, was sie sonst tun sollte. Stirnrunzelnd griff sie nach ihrem Handy und schrieb notgedrungen eine Antwort.

HaveANiceTay: Ich bin da, aber du weißt, dass ich den ganzen Nachmittag unterwegs sein werde, Sig. Da kannst du mir nicht ständig Nachrichten schicken. Ich kann dir nicht die ganze Zeit antworten! Ich bin nicht sauer, nur beschäftigt.

Sigmund: Okay. Puh.

Sigmund: Küsschen.

Sigmund: War nur Spaß.

Sigmund: Oder auch nicht.

Seufz. Der Kerl war ihr wirklich ein Rätsel. Wenn er ihr nicht gerade aus der Ferne Liebeserklärungen machte, drohte er damit, sich etwas anzutun, oder verlangte, dass sie im Spiel Zeit mit ihm verbrachte. Er war wirklich fertig und zog Taylor, die normalerweise eine positive Lebenseinstellung hatte, mit sich runter.

Aber wenn er einen Freund brauchte und wirklich derart selbstmordgefährdet war, konnte sie ihn doch nicht hängen lassen, oder? Das wäre ihr jedenfalls schrecklich egoistisch vorgekommen.

Sigmund: Ohne dich macht der Raid keinen Spaß.

Warum hatte sie ihm überhaupt geschrieben, dass sie beschäftigt war und nicht antworten konnte? Rasch schickte sie noch eine SMS, dass sie jetzt wirklich weg wäre, und stellte ihr Handy auf lautlos. Er würde eben ein paar Stunden ohne sie auskommen müssen. Sie schloss die Augen und lehnte sich zurück.

Die restliche Fahrt zum Buchanan-Anwesen verlief friedlich, und Taylors Laune war deutlich gestiegen, als sie den Taxifahrer bezahlte und ausstieg. Sie hatte beschlossen, heute Nachmittag ganz einfach nicht mehr aufs Handy zu sehen. Dann hätte sie wenigstens ihre Ruhe. Eigentlich hatte sie zwar Bereitschaft, aber die Technik-Hotline rief am Wochenende doch sowieso niemand an.

Das Buchanan-Herrenhaus war riesig und beeindruckend. Es sah aus wie eines dieser Spukhäuser aus einem Videospiel. Das Innere war im Gegensatz zur Fassade jedoch sehr modern, was einen Nerd wie Taylor immer wieder aufs Neue enttäuschte. Allerdings hatte sie nichts dagegen einzuwenden, selbst hier auf dem Land eine vernünftige WLAN-Verbindung zu bekommen. Taylor nahm ihren Rucksack, ging zur Tür und steckte das Handy in die Gesäßtasche ihrer Jeans. Sie klingelte mehrmals, und es ertönte der Flohwalzer.

»Das kann nur Taylor sein«, rief Gretchen auf der anderen Seite der Tür. Taylor hörte Schritte auf den Marmorfliesen, dann wurde die Tür geöffnet, und Gretchen stand vor ihr – mit einer Schürze um den Leib und zerzaustem, zu einem wilden Knoten hochgebundenen Haar. »Dir ist schon klar, dass du nur einmal klingeln musst, oder?«

»Ja, ich weiß«, entgegnete Taylor und betrat das Haus. »Wo ist euer Butler?«

»Der hat einen Notfall in der Familie. Ich habe ihm das Wochenende freigegeben. Es ist ja nicht so, als könnten wir nicht selbst an die Tür gehen, oder?« Sie schloss die Tür und deutete in einen Seitenflur. »Ich habe Scones im Ofen. Kommst du für ein paar Minuten mit in die Küche?«

»Scones? Wie britisch von dir, Mylady!«

»Himmel noch eins, Tay, das war der schlechteste britische Akzent aller Zeiten.«

»So spricht Billie Piper aus Doctor Who

»Schrei doch nicht so.« Gretchen zuckte zusammen. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass Billie den Doctor den ganzen Tag lang angeschrien hat. Wenn du lauter sprichst, klingst du auch nicht britischer.«

»Cheerio und chop chop.«

»Jetzt hör endlich auf, verdammt.«

Taylor kicherte und umarmte Gretchen. Sie freute sich so, ihre Freundin zu sehen. Mit jemandem zu interagieren, ohne dass Excelsior etwas damit zu tun hatte. »Da du mich so nett bittest, höre ich damit auf.«

Gretchen schüttelte den Kopf, legte Taylor einen Arm um die Taille und führte sie durch einen der vielen Korridore des Herrenhauses. »Dann erzähl doch mal, was du in letzter Zeit so getrieben hast.«

»Ach, eigentlich waren da nur Kundendienstsachen, nichts Aufregendes.«

»Hast du die Beförderung angenommen?«

Taylor zuckte zusammen. »Nein, hab ich nicht.«

»Oh, Tay! Warum denn nicht?« Gretchen ließ sie los und schob die Schwingtür zur Küche auf. Dahinter lag eine reizende große Küche mit schwarz-weiß gekacheltem Boden und einer Topfaufhängung über dem Herd. Das Ganze sah aus, als könnte Martha Stewart jeden Augenblick hier auftauchen.

»Na ja …« Taylor setzte sich auf einen Stuhl und stützte die Ellbogen auf den mit Zutaten übersäten Tisch. Dabei fiel eine Wasserflasche um, und Taylor griff danach, nur um dabei eine Pfeffermühle und eine Flasche Olivenöl umzuschmeißen. »Oh Gott!«

»Tay!«, brüllte Gretchen und griff schnell nach den herabfallenden Sachen. »Ich hatte ganz vergessen, was für ein Tollpatsch du bist. Fass bloß nichts an!«

Zerknirscht verschränkte Taylor die Arme vor der Brust und ignorierte die Tatsache, dass sie Sconesteig an einen Ärmel bekommen hatte. »Entschuldige.«

Gretchen warf ihr einen verzweifelten Blick zu. »Jetzt erklär mir doch bitte mal, wie es kommt, dass du nach all dieser Zeit noch immer so ein Schussel bist.«

»Magie?« Taylor strahlte ihre Freundin an. Manchmal achtete sie eben einfach nicht auf ihre Umgebung. Ihre Freunde waren das von ihr gewohnt. Sie ließ sich nun mal leicht ablenken.

Gretchen schüttelte den Kopf, schob die Teigreste von der Arbeitsplatte in eine Schüssel und stellte alles ins Spülbecken. »Ich würde eher von einem Voodoofluch sprechen. Aber wir kommen vom Thema ab. Wieso hast du die Beförderung nicht angenommen? Ich weiß doch ganz genau, dass du ständig knapp bei Kasse bist.«

Taylor zuckte mit den Achseln. Was sollte sie darauf erwidern? Dass die Gildenaktivitäten – und Sigmunds Anhänglichkeit – es ihr unmöglich machten, die zusätzlichen Arbeitsstunden, die der Job als Supervisor erforderte, zu erbringen? Dass sie dann im Büro anstatt zu Hause hätte arbeiten müssen und somit nicht mehr spielen könnte – was sich auch negativ auf Sigmund ausgewirkt hätte? Dass sie sich in den letzten Monaten so oft krankgemeldet hatte und man ihr die Beförderung deshalb gar nicht mehr angeboten, sondern sie stattdessen gefragt hatte, ob sie ärztliche Hilfe benötigte? »Es … es schien mir einfach nicht das Richtige zu sein.«

»Das lag doch bestimmt nur daran, dass du süchtig nach diesem Spiel bist, oder?« Gretchen stemmte die Hände in die Hüften, und für einen kurzen Augenblick sah sie Taylors Mutter erschreckend ähnlich. »Müssen wir uns Sorgen um dich machen, Tay?«

»Nein, es geht mir gut.« Sie spielte ja nicht freiwillig so viel. Wenn es nach ihr ginge, hätte sie ihr Konto für einige Monate auf Eis gelegt und sich mal eine Pause gegönnt. Aber jedes Mal, wenn sie genau das versuchte, wurde die Sache mit Sigmund unschön, und sie bekam noch größere Schuldgefühle. »Ich spiele inzwischen sogar weniger«, log sie daher. »In letzter Zeit hatte ich bei der Arbeit viel um die Ohren.«

»Ja, das kenne ich«, meinte Gretchen mitfühlend und zog sich Ofenhandschuhe über. »Der Immobilienmarkt spielt seit einiger Zeit verrückt, und Hunter macht am laufenden Band Geschäfte. Er ist natürlich nicht direkt in die Verkäufe involviert, aber seine ganzen Büros kommen kaum hinterher, und das bedeutet, dass mein armer Schatz auch jede Menge Arbeit hat.« Sie deutete mit einem Handschuh auf Taylor. »Könntest du bitte ein bisschen was von der Zitronenschale abreiben, während ich die Scones aus dem Ofen hole und versuche, mich nicht zu verbrennen?«

»Klar.« Während Gretchen sich abwandte, griff Taylor nach der Zitrone, ließ sie versehentlich fallen und stand auf, um sie wieder aufzuheben. Dabei stieß sie sich den Kopf an der Unterseite des Tisches. Sie zuckte zusammen, setzte sich wieder und rieb sich den Schädel. Verdammt! »Ich bin mir nicht sicher, ob du mir wirklich ein scharfes Objekt in die Hand drücken solltest.«

»Nimm die Reibe, du Dummerchen.« Gretchen zog ein Blech voller dreieckiger Backwerke aus dem Ofen, und sofort duftete es in der ganzen Küche nach Zitronenkuchen. »Aber wenn du dich damit auch verletzt, ist das nicht meine Schuld.«

Vorsichtig griff Taylor nach der Reibe und zog die Zitrone darüber. »Wie laufen denn die Hochzeitsvorbereitungen?«

»Ach, ganz furchtbar. Greer soll eigentlich alles planen, aber sie hat mich im Stich gelassen und ist mehrere Wochen lang bei ihrem Dad in Las Vegas. Dabei ist das eine so wichtige Zeit für mich, Taylor! Ich muss immerhin die Kuchen aussuchen und all so was!« Gretchen schüttelte den Kopf. »Es ist eine Tragödie.«

»Ach ja, richtig. Ihr Vater heiratet auch, nicht wahr?« Taylor rümpfte die Nase. Greer war eine süße, zurückhaltende Person, aber ihr Vater … Tja, der war ein widerlicher alter Sack. Doch das konnte sie Greer wohl kaum vorwerfen, die mit ihrer Familie und dem Unternehmen ihres Vaters so wenig wie möglich zu tun haben wollte.

»Drillinge«, bestätigte Gretchen. Sie stellte das Backblech ab und beäugte Taylor. »Wo wir gerade davon sprechen: Was macht denn dein Liebesleben? Triffst du dich mit jemandem?«

»Nein, natürlich nicht.« Allein bei der Vorstellung wurde ihr übel. Sigmund würde ausflippen, wenn sie einem Kerl online auch nur zu nahe kam, und sie verließ so gut wie nie die Wohnung, sodass sie auch niemanden offline kennenlernen konnte.

Gretchen war überrascht von Taylors Reaktion. »Möchtest du denn keine Beziehung?«

»Das ist … kompliziert.« Es gibt da online diesen Typen, der droht, sich etwas anzutun, wenn ich auch nur längere Zeit vom Computer weg bin, und ich weiß nicht, was ich machen soll.

»Weißt du … der Freund, dem du die Stadt zeigen sollst, der ist erst vor Kurzem hergezogen.« Gretchens Augen funkelten. »Und er ist verdammt heiß, Süße, also leg lieber Lippenstift auf.«

»Lippenstift?« Taylor ließ die Zitrone erneut fallen.

Gretchen fing die Frucht auf und nahm Taylor die Reibe aus der Hand. »Ja, Lippenstift. Schmink dich, richte deine Frisur, und bring dich in Flirtstimmung. Er wäre ein guter Fang, und ich denke, du wirst ihn mögen.« Sie hob anzüglich die Augenbrauen. »Er kommt aus Bellissime.«

»Aus diesem komischen kleinen Land, aus dem Griffin auch kommt?« Taylor hatte Maylee kennengelernt, die sehr nett, aber auch ein ziemliches Landei war, um dann zu erfahren, dass es sich bei ihrem Verlobten um einen steifen Aristokraten aus Übersee handelte.

»Ja, genau! Sag mal, kannst du diesen Hello-Kitty-Rucksack vielleicht verschwinden lassen?« Gretchen strahlte sie an.

Aber Taylor umklammerte die Riemen des Rucksacks und schüttelte den Kopf. »Ich mag diesen Rucksack.«

»Das tun Achtjährige auch. Und erst dieser Schal! Den musst du unbedingt abnehmen.«

»Das ist der Schal des vierten Doctors!«

»Und aus genau diesem Grund muss er verschwinden. Ich will nicht, dass er dich sofort als Freak einstuft, bevor er überhaupt registriert hat, wie süß du bist.« Sie kniff Taylor in die Wangen und zerrte an dem Schal.

Aber Taylor hielt ihren geliebten Schal fest. Sie war ein Nerd und auch bereit, dazu zu stehen. Sehr viele heiße Typen standen auf Nerdfrauen. Bisher war ihr zwar noch keiner begegnet, aber das hieß nicht, dass es keine gab. »Ich dachte, ich soll den Mann nur ein paar Stunden beschäftigen, ihm zeigen, wie er zur U-Bahn kommt und all so was. Ist das etwa ein Date?«

»Eigentlich nicht. Aber du kannst mir vertrauen, wenn ich dir versichere, dass er ein heißer Typ ist und dass er mit seinem Hintern Nüsse knacken kann. Dann willst du doch auch gut aussehen, oder nicht?«

»Na gut.« Taylor stellte sich bildlich vor, wie irgendein heißer Typ mit seinem Hintern Nüsse knackte, und schüttelte dann schnell den Kopf, um dieses Bild wieder loszuwerden. »Aber du darfst nicht vergessen, dass solche Männer im Allgemeinen nicht auf Frauen wie mich stehen, daher wäre es wahrscheinlich besser, wenn ich ihm einfach nur die Stadt zeige …«

»Make-up«, fiel ihr Gretchen ins Wort. »Hast du welches dabei, oder nicht?«

»Ich habe ein paar Schminkutensilien im Rucksack.« Taylor zuckte bei Gretchens Befehlston zusammen. »Kommt er gleich her?«

Gretchen sah auf die Uhr. »Er müsste jeden Moment hier sein. Du solltest dich beeilen.«

Na super! Sie würde den Nachmittag mit einem heißen Kerl verbringen? Anstatt einer leichten Nervosität verspürte sie echte Panik. Wenn Sigmund das herausfand, würde er ausflippen. Großer Gott, warum machte sie sich überhaupt Sorgen, dass Sigmund davon erfuhr? Sie war ja schon genauso durchgedreht wie er. Mann! Sie stand auf. »Welches Bad darf ich benutzen?«

»Geh im Flur nach rechts. Nimm nicht das erste Bad auf der linken Seite – die Tür klemmt –, sondern das zweite.«

Es gab mehr als ein Badezimmer auf diesem Flur? Du liebe Güte. »Rechts, links, rechts.«

»Rechts, links, links«, korrigierte Gretchen sie und wischte sich die Hände an einem Handtuch ab. Da klingelte es auch schon an der Tür, und ihre Augen leuchteten auf. »Das wird er sein. Husch, husch!«

»Bin schon weg«, sagte Taylor und lief auf den Flur, während Gretchen in die entgegengesetzte Richtung verschwand. Okay. Ein Badezimmer finden, Mascara auftragen, damit sie nicht so müde aussah, und einem heißen Typen die Stadt zeigen. Das sollte doch zu schaffen sein. Vielleicht würde es sogar Spaß machen. Sie ging davon aus, dass sie nicht sein Typ sein würde, doch das ging in Ordnung. Ehrlich gesagt stand sie eher auf heiße Wissenschaftler wie den Typen aus Criminal Minds oder Joseph Gordon-Levitt. Ein großer, muskulöser Mann war bestimmt ein dämlicher Macho, und ein solcher Mann kam ihr nicht ins Haus.

Doch sie würde sich Gretchen zuliebe schminken. Ihre Freundin wollte immer, dass alle um sie herum glücklich waren, und sie versuchte schon seit einer Ewigkeit, Taylor zu verkuppeln. Normalerweise endeten diese hinterhältigen Versuche mit völligen Fehlschlägen, was Gretchen jedoch nicht davon abhielt, es immer wieder zu versuchen.

Der Flur, in den Gretchen sie geschickt hatte, schien endlos zu sein, und sie sah unzählige geschlossene Türen. Großer Gott. Wie viele Zimmer gab es hier eigentlich? Taylor war neugierig geworden und zog ihr Handy aus der Tasche, um danach zu googeln, hielt jedoch inne, noch bevor sie das Display entsperrt hatte. Sie durfte nicht nachsehen, denn wenn Sigmund erneut etwas geschrieben hatte, würde sie nur nervös oder sogar panisch werden.

Aber ein Blick konnte doch nichts schaden, oder? Sie wollte nur mal schnell nachsehen, wie es beim Raid lief. Und wenn sie keine Nachricht von ihm hatte, wäre das doch wunderbar, oder nicht? Dann könnte sie den Nachmittag richtig genießen.

Weil sie nun mal ein sehr ungeduldiger und neugieriger Mensch war, strich Taylor mit einem Finger über das Display und entriegelte es.

Ein Dutzend Nachrichten wurden darauf angezeigt, und sie bekam sofort schlechte Laune. Während sie langsam weiterging, fing sie an zu lesen.

Sigmund: Der Raid fängt gleich an.

Sigmund: Daphine und LitteJohn sind nicht aufgetaucht. Jetzt fehlen uns ein Tank und ein Heiler. So ein Mist.

Sigmund: Ich kann es nicht fassen, dass diese Arschlöcher nicht gekommen sind. Das liegt nur daran, dass du nicht da bist!

Sigmund: Sie hassen mich bestimmt.

Sigmund: Warum kann mich keiner leiden?

Sigmund: Keiner außer dir.

Sigmund: Dabei gebe ich mir solche Mühe, Taylor. Wirklich!

Sigmund: Ich wünschte, du wärst jetzt hier. Es ist immer ganz schrecklich, wenn du nicht da bist.

Sigmund: Ich würde mich am liebsten ausloggen und in ein Loch kriechen.

Sigmund: Oder mich endgültig vom Leben abmelden.

Großer Gott. Sollte sie antworten? Ihn ignorieren? Sie hatte ihm gesagt, dass sie nicht reagieren konnte, und trotzdem schickte er ihr unaufhörlich Nachrichten. Was sollte sie denn jetzt machen? Ihm eine fröhliche SMS schicken, um ihn aufzuheitern? Aber dann spielte sie ihm doch nur in die Karten …

Ohne groß auf ihre Umgebung zu achten, betrat Taylor das Badezimmer und schloss die Tür hinter sich. Sie machte noch einen Schritt …

… und hätte sich beinahe erwürgt. Ihr Schal war in der Tür hängen geblieben. Verdammt. Sie drehte sich um und zerrte daran, aber er ließ sich nicht rausziehen. Mit einem frustrierten Seufzer legte sie ihr Handy auf den Waschtisch und öffnete die Tür.

Jedenfalls versuchte sie es.

Der Türknauf ließ sich zwar bewegen, aber die Tür ging nicht auf. Ihr Schal hing im Türspalt fest, und die Tür rührte sich nicht. Oje. Hatte Gretchen gesagt, sie solle das Bad auf der linken oder auf der rechten Seite nehmen?

Mann, Mann, Mann. Taylor war sich ziemlich sicher, dass sie sich gerade im Badezimmer eingesperrt hatte, während der heiße Typ angekommen war. Konnte dieser Tag noch schlimmer werden?

Nach einem unsicheren Blick auf das Display griff Taylor erneut nach ihrem Handy.

Sigmund: Ich wünschte, ich wäre tot. Es ist doch allen egal, ob ich hier bin oder nicht. Die tauchen ja nicht mal zum Raid auf.

Na, großartig. Sie hätte das Universum nicht herausfordern sollen. Der Tag konnte tatsächlich noch schlimmer werden. Sie machte lieber einen Schritt von der Toilette weg, nicht dass diese auch noch überlief oder etwas ähnlich Schlimmes passierte.

3

Leo betrachtete das beeindruckende Herrenhaus, als er darauf zuging. Es kam ihm irgendwie seltsam vor, ohne Wachen oder wenigstens einen Freund im Schlepptau irgendwo aufzutauchen. Allerdings war ihm nach einigen Tagen in den Vereinigten Staaten klar geworden, dass er zwar im Großteil von Europa ein VIP, hier jedoch ein Niemand war.

Eigentlich empfand er das sogar als recht angenehm. Es war beruhigend, und niemand ging ihm auf die Nerven. Möglicherweise konnte er sich daran gewöhnen.

Er klingelte und bemerkte, dass die Fassade des Hauses zwar alt aussah, die Tür jedoch neu war, und er vermutete, dass das Innere ebenfalls modern aussehen würde. Leo war in einem fünfhundert Jahre alten Herrenhaus mit niedrigen Decken, einem undichten Dach und Hausgeistern aufgewachsen. Nach dem Tod seiner Eltern hatte er es verkauft und es nie bereut. Der Unterhalt eines solchen Gebäudes kostete ein Vermögen. Außerdem passte es nicht zu seinem Lebensstil. Er hatte eine Suite in einem Hotel in der Innenstadt gemietet, überlegte sich jedoch, sich für den Aufenthalt in New York eine Wohnung zu kaufen. Etwas Modernes. Diese Vorstellung gefiel ihm. Vielleicht ein Apartment über einem der hiesigen Pubs, auch wenn er bisher noch so gut wie keinen hatte entdecken können …

Die Tür wurde geöffnet, und das riss ihn aus seinen Gedankengängen. Eine lächelnde Rothaarige begrüßte ihn. »Du liebe Güte, was gibt man euch da drüben eigentlich zu essen?« Bei diesen Worten begutachtete sie ihn von Kopf bis Fuß. »Sie müssen Leo sein. Ich muss zugeben, dass Ihnen die Fotos im Internet nicht gerecht werden.«

Er reichte ihr lachend die Hand. »Leo delle Scogliere, Griffins Cousin. Soweit ich weiß, werde ich erwartet?«

»Ja! Kommen Sie rein.« Sie winkte ihn aufgeregt ins Haus und ignorierte seine ausgestreckte Hand. »Ich bin Gretchen, die Braut. Mein Verlobter Hunter ist auch bald mit der Arbeit fertig, und Ihre Stadtführerin muss hier auch irgendwo sein.« Sie schloss die Tür hinter ihm, nachdem er das Haus betreten hatte.

»Freut mich, Sie kennenzulernen«, meinte Leo. Die Frau schien ganz nett zu sein, wirkte allerdings ein wenig hektisch. »Soweit ich weiß, ist mein Cousin Griffin noch in Übersee?«

»Ja! Sie haben ihn und Maylee knapp verpasst. Als Sie Bellissime verlassen haben, sind sie gerade abgereist. Vermutlich hätten Sie sich von unterwegs winken können. Eigentlich erstaunt es mich, dass Sie nicht geblieben sind, um ihn dort zu begrüßen.«

Dann wusste sie nichts von den politischen Unruhen? Das war gut, denn es bedeutete, dass er verschwunden war, bevor sich die Nachricht hatte verbreiten können. »Ich hatte hier geschäftlich zu tun. Diplomatische Besuche und so.«

»Das klingt langweilig.«

»Das kann es in der Tat sein«, bestätigte er lachend.

»Haben Sie Maylee schon kennengelernt?«

»Leider nicht«, antwortete Leo und entschied sich, optimistisch zu bleiben. »Ich habe gehört, sie wäre recht … schlicht.«

»Sie ist ein Landei«, erklärte Gretchen und fügte hinzu: »Aber ein niedliches. Griffin und sie passen gut zueinander.«

Dieser Meinung war Leo jedoch nicht. Er hatte schon einiges über die seltsame Verlobte seines Cousins gehört, und die Vorstellung, dass sein reicher adliger Vetter eine derart ungebildete und durch und durch gewöhnliche Frau heiraten wollte, stieß ihn ab. Nahm man Griffins Verlobung und die kürzlich geschlossene Ehe seiner Cousine mit diesem Schauspieler zusammen, musste man sich eingestehen, dass der Stammbaum ganz schön verwässert wurde …

Ach herrje. Er klang ja schon wie die Aufständischen. Leo räusperte sich. »Sie ist bestimmt ganz reizend.«

Gretchen spähte in einen Flur, drehte sich dann wieder zu ihm um und riss leicht die Augen auf. Ihr Blick wirkte auf einmal überaus interessiert. »Und was machen Sie so, Leo? Interessieren Sie sich für Computer?«

»Eigentlich nicht.«

»Videospiele?«

»Ich bevorzuge Sportarten, bei denen ich etwas mit meinen Händen machen kann.« Er hob die Hände, als würde er einen Ball festhalten. »Cricket, Rugby, Fußball. Ich bin der Kapitän des Poloteams von Bellissime und außerdem Läufer. Ich mag körperliche Aktivitäten und bin kein großer Freund von Computern und solchen Sachen.«

»Oh.« Seine Antwort schien sie irgendwie zu enttäuschen. »Dann könnten Sportspiele vielleicht die Lösung sein.«

»Wie bitte?«

»Ach, nichts.« Sie lächelte ihn an und schnippte mit den Fingern. »Es sei denn, Sie sind ein Fan dieser britischen Science-Fiction-Serien?«

Er starrte sie irritiert an.

»Gut, das war auch nur ein Schuss ins Blaue. Schon okay.« Sie verschränkte die Finger vor sich. »Wir werden schon eine Gemeinsamkeit finden.«

»Eine Gemeinsamkeit?«

»Vergessen Sie’s.« Sie schwiegen kurz betreten, dann sah sie sich erneut um. »Du liebe Güte. Ich weiß wirklich nicht, wo Taylor so lange steckt. Sie hat gesagt, sie wäre gleich wieder da.«

Diesen Namen kannte er noch nicht. »Und Taylor ist …?«

Gretchen strahlte ihn an, und ihre Miene kam ihm auf unheimliche Weise vertraut vor – die hatte er schon bei vielen Menschen gesehen, die ihn verkuppeln wollten. »Sie ist eine der Brautjungfern und hat sich bereit erklärt, Sie in der Stadt herumzuführen. Ist das nicht nett von ihr?«

»Ja, sehr freundlich.« Es gelang ihm mit Müh und Not, nicht sarkastisch zu klingen. Das war ja ganz großartig. Seine neue Gastgeberin wollte ihm wohl reihenweise Frauen an den Hals werfen, was? Dabei war er überaus geübt darin, den Fallstricken einer Beziehung aus dem Weg zu gehen. Er war sehr gern Single und hatte nicht vor, daran etwas zu ändern.

Gretchen runzelte die Stirn, zuckte mit den Achseln und tätschelte seinen Arm. »Wie wäre es, wenn Sie hier warten, während ich meinen Verlobten hole? Danach setzen wir uns bei schönen Zitronenscones und Tee zusammen. Ich habe extra für Sie welche gebacken.«

Er nickte und schaute ihr hinterher, als sie die Treppe hinauflief. Sie wollte ihn also mit einer ihrer Brautjungfern verkuppeln? Damit hätte er natürlich rechnen müssen, als er die Einladung erhalten hatte. Doch als Gast konnte er wohl schlecht ablehnen, oder? Da blieb ihm nur die Hoffnung, dass seine Stadtführerin wenigstens erträglich sein würde. Er versuchte, sich eine Frau vorzustellen, die ihm gefallen könnte. Jemand mit langem blondem Haar und sehr ausgeprägten … Rundungen, das wäre genau die Richtige für ihn. Die Amerikaner machten schließlich keine halben Sachen.

Als er seinen rechten italienischen Slipper anhob, stellte er fest, dass darunter ein Kaugummi klebte. Widerlich. Das gehörte zu den Dingen, an die er sich in New York erst gewöhnen musste: Hier war alles schmutzig und voll, ganz im Gegensatz zu seinem idyllischen kleinen Land. Außerdem hatte er ständig so einen schwachen seltsamen Geruch in der Nase. Leo erschauderte und zog den Schuh aus. Er brauchte ein Tuch oder einen Lappen, um den Kaugummi wegzubekommen. Normalerweise hatte er ja einen Diener, der solche Dinge für ihn erledigte, aber seine Dienerschaft war in Bellissime geblieben, da er hier ja »inkognito« leben sollte. Doch dies war eine sehr unpassende Zeit für so etwas.

Leo sah sich um, konnte jedoch keinen Abfalleimer in der Nähe erkennen, nur einen sehr schönen Teppich, den er mit dem nächsten Schritt ruiniert hätte. Seltsamerweise waren auch nirgendwo Bedienstete zu sehen. Na gut, dann musste er die Sache eben selbst in Ordnung bringen. Er ging den Flur entlang, den beschmutzten Schuh in einer Hand, und hielt Ausschau nach einem Badezimmer.

Der erste Korridor, den er passierte, hatte nichts Interessantes zu bieten, aber jenseits der Küche erspähte er eine Tür, hinter der sich ein Badezimmer befinden mochte. Großartig. Er ging darauf zu …

… und verharrte, als heftig an einer geschlossenen Tür gerüttelt wurde.

Wer in aller Welt war das? Ein Diener, der versehentlich eingeschlossen worden war? Leo kniff die Augen zusammen und betrachtete die Tür. Da schien ein Stück Stoff im Türrahmen eingeklemmt zu sein. Er ging darauf zu, da er nun neugierig geworden war, und schon rüttelte erneut jemand an der Tür.

Jetzt, wo er nicht mehr so weit entfernt war, konnte er dahinter auch eine leise Stimme hören.

»… so dumm … warum gibt es hier keine verdammten Holodecks … oder gleich eine TARDIS. Doctor Who sitzt bestimmt nie in seiner blöden TARDIS fest.« Wieder wurde an der Tür gerüttelt. »Denk doch mal nach, Tay. Der Doctor geht nicht aufs Klo. Er ist ein Time Lord. Das sind hoch entwickelte Lebensformen, die keinen Stuhlgang mehr haben.«

Ah ja. »Ist bei Ihnen da drin alles in Ordnung?«

Wieder rappelte die Tür, und dann sagte die Person dahinter: »Beam me up, Scotty. Hier gibt es kein intelligentes Leben.«

Okay. Ein verrücktes Zimmermädchen vielleicht. »Suchen Sie jemanden namens Scotty?«

Nach einer kurzen Pause: »Das ist aus Star Trek

»Wie bitte?«

»So etwas sagen Trekkies eben.« Der Türknauf wurde herumgedreht. »Haben Sie denn keinen der Star-Trek-Filme gesehen? Oder eine der Serien? Oder wenigstens die Zeichentrickfolgen?«

»Leider nicht.« Warum in aller Welt hätte er sich das ansehen sollen?

»Oh. Mann, das ist abgefahren.« Die Stimme der Frau klang skeptisch. »Ich muss mal ein ernstes Wort mit Gretchen reden, damit sie ihre Angestellten besser schult. Sie sollte ihnen öfter mal einen Tag freigeben, damit sie fernsehen oder ins Kino gehen können. Die Armen kennen vermutlich nichts als Downton Abbey. We-te-ef.«

Unwillkürlich zog Leo die Mundwinkel nach oben. »Sie sind kein Fan der Serie, was?«

»Kann ich nicht behaupten.

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