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Piratenlady

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PROLOG

In der Karibik – Ende des 17. Jahrhunderts

Das Wasser war glatt wie ein Spiegel. Es fing das Licht des Mondes und der Sterne ein, die vom Himmel herniederfunkelten, und reflektierte gerade genügend Licht, um das Schiff, das vor ihnen dahinglitt, in der Dunkelheit schwarz und geisterhaft erscheinen zu lassen.

Valoree, die am Bug des Einbaums ihren Platz hatte, gab Handzeichen. Sofort verlangsamten die Männer an den Riemen ihre Ruderschläge. Auf ein weiteres Signal hoben die Seeleute die Riemen aus dem Wasser, und das Boot glitt langsam an den Rumpf des Schiffes heran.

Jetzt zogen die Männer Enterhaken hervor, die an langen Seilen befestigt waren, und warfen sie. Die Haken flogen pfeifend durch die Luft und verfingen sich oben an der Reling des Schiffes. Einen Augenblick warteten die Seeleute, blickten in atemlosem Schweigen zu der großen Galeone auf, hielten die Taue fest und ließen ihr Boot vom Kielwasser des Schiffes mitziehen. Endlich, als weder Rufe noch andere Geräusche sich erhoben, wandten sich aller Augen wieder Valoree zu.

Sie erwiderte die Blicke. Ihr war bewusst, dass die Männer in ihr lediglich einen schlanken, jungen Mann sahen – wenig mehr als einen Knaben eigentlich. Alle – außer Henry. Der allein wusste, dass der jüngere Bruder des dahingegangenen Kapitäns Valerian, der während der vergangenen acht Jahre als Schiffsjunge Dienst getan hatte, in Wirklichkeit ein Mädchen war. Er war derjenige gewesen, der die Scharade vor so vielen Jahren vorgeschlagen hatte – nachdem Jeremy, sein Kapitän und Valorees Bruder, es sich in den Kopf gesetzt hatte, seine kleine Schwester an Bord eines Schiffes voller Piraten zu behalten.

Aye, die Männer hielten sie sämtlich für einen jungen, unerfahrenen Burschen. Und dennoch hatten sie geschworen, ihr zu folgen. Nur die Sehnsucht nach Rache hatte diese zwei Dutzend Kerle, allesamt Halsabschneider und Raufbolde, dazu bringen können, jemandem Gefolgschaft zu schwören, den sie als grünen Jungen ansahen, als kleinen Bruder, der gehätschelt und verwöhnt werden wollte. Aber Rache wollten sie – um jeden Preis.

Valoree warf einen Blick ins Wasser und betrachtete ihr Spiegelbild. Sie war schlank, eher mager als muskulös. Plötzlich schien es ihr, als seien ihre Augen nicht länger die des Jungen, der sich bisher so ungezwungen unter den Männern bewegt hatte. Nein, ihre Augen wirkten jetzt alt, hart, verbittert durch den kürzlichen Verlust. Einen Verlust, der die Männer ebenso betraf.

Ihr Bruder war ein guter Mensch gewesen und ein gerechter Kapitän. Sein Schiff, die Valor, war während der vergangenen acht Jahre das einzige Zuhause seiner Mannschaft gewesen. Die Leute an Valorees Seite aber waren die letzten dieser Mannschaft. Valoree warf ihnen über die Schulter einen Blick zu und betrachtete dann wieder ihr Spiegelbild.

Sie trug zwar ihr eigenes Hemd, aber die Hosen, der Hut und der Überrock hatten ihrem Bruder gehört. Jeremys Enterbeil steckte in dem breiten Gürtel um ihre Taille. Eine Steinschlosspistole mit Bronzelauf ragte aus den weit geschnittenen, viel zu großen Hosen hervor. Der Säbel des Kapitäns hing, eingebettet in seine Scheide, an Valorees Hüfte. Sie hatte Jeremys blutverschmierte Kleidung an sich genommen, als sie geschworen hatte, seinen Tod zu rächen.

Sein Tod war nicht leicht gewesen. Jeremy war auch nicht schnell gestorben. Er und der größte Teil seiner Mannschaft waren langsam und qualvoll aus dem Leben geschieden. Und dafür mussten die Spanier büßen – das hatten Valoree und der Rest der Mannschaft feierlich gelobt.

Sie warf Skully einen Blick zu und nickte. Der ausgemergelte Kerl griff auf der Stelle nach seinen Werkzeugen. Während Valoree ihm den Rücken zukehrte, begann er, Löcher in den Boden des Bootes zu bohren. Valoree beobachtete die anderen Männer. Skully arbeitete noch am zweiten Loch, als sich auch der letzte ihrer Mannschaft verstehend zu ihr umdrehte. Valoree las echte Anerkennung und einen großen Respekt in den Augen der brummigen Kerle. Um ihnen noch einmal ihr Vorhaben klarzumachen, rief sie: „Wir kapern dieses Schiff – oder wir gehen drauf. Eine andere Lösung gibt es nicht. Wir kämpfen nicht nur, um den Tod so vieler guter Männer zu rächen, sondern auch, um unser eigenes Überleben zu sichern.“

„Um Rache und unser Leben“, gelobte Henry mit unterdrückter Stimme neben ihr. Seine Worte wurden sofort von den anderen aufgegriffen.

„Um Leben und Rache!“

Valorees Plan hatte Beifall gefunden. Eine seltsame Ruhe überkam sie, während sie schweigend zusah, wie Skully die letzten Löcher in den Boden des Einbaums bohrte. Sie waren verhältnismäßig klein, aber als er mit dem sechsten Loch anfing, nahm das Boot bereits Wasser auf und fing an zu sinken.

Dann verstaute Skully eilig sein Werkzeug in einem Beutel, und Valoree zog den Säbel ihres Bruders aus der Scheide. Vorsichtig trat sie an den Rand ihres langsam sinkenden Bootes. Dann kletterte sie behände ihren Männern voraus, die mit viel geübten Bewegungen die Bordwand der spanischen Galeone erstiegen. Sie erreichte als Erste die Reling, die anderen dicht hinter sich, und spähte über das Schanzkleid.

Mehrere Männer nutzten die nächtliche Brise und schliefen unter freiem Himmel an Deck. Valoree warf einen Blick zum Ruderstand hinüber und lächelte grimmig, als sie den Rudergänger entdeckte. Der Mann war zwar auf seinem Posten, aber außer Gefecht. Er verschlief seine Wache. Niemand würde Alarm schlagen. Man konnte die Spanier in einem Überraschungsangriff vernichten.

Valoree überstieg leise die Reling und duckte sich tief in den Schatten. Die Männer folgten ihr auf dem Fuß. Als auch der letzte von ihnen an Deck gekommen war, teilte sie ihre Leute mit einem einfachen Handzeichen und bedeutete der einen Gruppe, an Deck zu bleiben, während sie die andere zum Niedergang winkte, der zu den Kajüten hinabführte. Die Männer verteilten sich sofort auf dem ganzen Schiff. An Deck positionierten sie sich in der Nähe der schlafenden Spanier und machten sich bereit, zuzuschlagen.

Valoree überließ ihren Leuten die Schiffsmannschaft und schritt zum Rudergänger hinüber. Sie hatte ihn beinahe erreicht, als irgendetwas den Mann aufschrecken ließ.

Der Spanier zog seinen Säbel und starrte Valoree mit ungläubigem Blick entgegen. Sie hielt in ihrer Bewegung inne, doch er nahm ihre blutverschmierte Kleidung und das rote Haar wahr, das ihr um das Gesicht wehte. Er blinzelte.

„Rojo … el Capitan Rojo?“

Bei diesen Worten erstarrte Valoree. Den Namen hatten die Spanier ihrem Bruder gegeben. Captain Red – wegen seines roten Haars.

„Regresa del muerto … El Rojo“, wisperte der Rudergänger. Dann richtete er sich unvermittelt auf und schrie: „Regresa del muerto, El Rojo!“

Sein Schrei weckte andere in seiner Nähe. Die schlaftrunkenen Männer drehten sich zu Valoree um und starrten sie entsetzt an. Jetzt ertönte der Alarmruf des Rudergängers wieder und wieder: „Regresa del muerto, El Rojo!“

Ein Augenblick der Stille entstand. Valorees Leute schienen ebenso erschrocken wie die Spanier. Mit einem zornigen Blick fragte sie gereizt: „Was, zum Teufel, hat er gesagt, Henry?“

Der Zahlmeister, durch diese Frage aus seiner Erstarrung gerissen, entspannte sich und lächelte grimmig. „Der hält Euch für Euren eigenen Bruder – Captain Red. Er glaubt, Ihr seid von den Toten wieder auferstanden. Und deshalb kreischt er: ‚Der Rote – von den Toten zurück!‘“

„Der Rote, von den Toten zurück?“, wiederholte Valoree mit einem finsteren Blick auf die Spanier. „Na – wenigstens sollen sie wissen, warum sie jetzt sterben!“ Damit hob sie Jeremys Säbel und schritt auf den Rudergänger zu. Doch zu ihrer Überraschung ließ der auf der Stelle seine Waffe fallen. Und das plötzliche Klirren überall an Deck sagte Valoree, dass jeder Spanier an Bord dieses Schiffes unaufgefordert seine Waffen übergab. Überall polterten Pistolen, Dolche und Säbel auf die Decksplanken.

„Was, zum Teufel, machen die denn?“, rief Valoree enttäuscht. „Wollen die etwa nicht kämpfen?“

Henry sah sich um. „Also“, sagte er schleppend und kratzte sich hinterm Ohr, „ich denke mir, die glauben, es hat keinen Sinn, gegen Euch anzukämpfen, weil Ihr ja ’n Geist seid, und so. Kann auch sein, dass sie meinen, wir seien die anderen, die umgekommen sind … und man kann ja keinen mehr umbringen, der schon tot ist.“

Bevor Valoree sich entscheiden konnte, was sie jetzt tun sollte, zog ein Schlurfen beim Niedergang ihre Aufmerksamkeit auf sich. Sie sah hin. Die Männer, die sie unter Deck geschickt hatte, kehrten zurück und stießen mehrere Gefangene vor sich her. Der erste von ihnen war offenbar der Kapitän. Er sah wütend aus. Und mit Erleichterung erkannte Valoree, dass er auch kampfbereit schien. Wenigstens einer. Es war schwer, Rache zu nehmen, wenn der Feind sich nicht wehrte. Valoree hatte nicht den Wunsch, unbewaffnete Leute zu töten.

Der Kapitän entdeckte Valoree. Der peitschende Wind blähte Jeremys Jacke auf und ließ Valoree größer und breiter erscheinen, als sie war. Sie musste ihr verflixtes rotes Haar daran hindern, ihr immer wieder in die Augen zu fliegen. Also drückte sie sich Jeremys Hut tiefer in die Stirn und starrte den Spanier hasserfüllt an. Der machte den Mund auf. Dann murmelte er: „El Rojo?“

„Sì!“, schrie der Steuermann. „El Rojo, regresa del muerto!“

„Halts Maul!“, knurrte Valoree. In der Miene des Kapitäns zeigte sich blankes Entsetzen. „Sag dem Rudergast, er soll das Maul halten, Henry“, befahl Valoree ihrem Zahlmeister hastig.

Henry übersetzte ins Spanische. Doch der zu Tode erschrockene Steuermann hätte nicht gehorchen können, selbst wenn er gewollt hätte. Erzürnt zog Valoree die Steinschlosspistole ihres Bruders und schoss auf ihn.

Mit einem Schrei fiel der Mann vornüber und umklammerte sein verwundetes Bein.

Wie auf ein Signal stürmten alle Spanier plötzlich an die Reling des Schiffes. Valoree und ihre Leute wurden von diesem Ausbruch völlig überrumpelt und konnten nur noch verblüfft zusehen, wie die Besatzung der Galeone sich schreiend in das von Haien bevölkerte Wasser stürzte.

Leise fluchend spähte Valoree zu den in der See treibenden Männern hinunter. Sie ruderten und strampelten wie wild im Wasser umher und suchten das am nächsten gelegene Eiland zu erreichen. „Diese verdammten Feiglinge“, murmelte Valoree.

„Aye“, brummte Henry. Er und die anderen waren an die Reling getreten, um den fliehenden Feinden nachzusehen.

Enttäuscht knallte Valoree die Handfläche auf den Handlauf des Schanzkleides. Sie fluchte noch einmal. „Ins Wasser zu springen, anstatt zu kämpfen – man stelle sich das mal vor!“

Henry schüttelte den Kopf. „Diese spanischen Bastarde haben eben kein Rückgrat.“

Einauge stieß einen verärgerten Fluch aus. Valoree blickte zu der Stelle hinüber, auf die er deutete. Der Rudergänger hatte sich erhoben und war auf einem Bein zur Seite des Schiffes hinübergehüpft. Jetzt balancierte er äußerst wacklig auf der Reling. Noch während Valoree wie gebannt hinsah, warf der Mann sich über Bord und klatschte hinter seinen Kameraden ins Wasser. Ihm war es wohl auch angenehmer, mit den Haien um die Wette zu schwimmen, als in der Nähe von Gespenstern zu bleiben.

„Wollt Ihr, dass wir die Bande abschießen?“, fragte Einauge.

Valoree schüttelte angewidert den Kopf. „Lasst sie sausen. Sie schaffen es wahrscheinlich sowieso nicht bis ans Ufer. Außerdem hatte keiner von ihnen die Narbe.“ Sicher, sie sehnte sich nach Rache. Aber es war keine Freude, Feiglinge umzubringen.

Die anderen nickten zustimmend. Dies war offensichtlich nicht das Schiff des wahren Feindes. Jeremy hatte ihnen nur noch wenig sagen können, bevor er seinen letzten Atemzug getan hatte. Ein Hinweis lautete, dass der Spanier, der seinen und den qualvollen Tod so vieler seiner Leute befohlen hatte, am Hals eine Narbe trug – eine Narbe in der Form eines Fragezeichens. Und der Kapitän dieses Schiffes hatte diese Narbe nicht aufgewiesen.

Valoree reckte sich. „Na“, sagte sie leise, „jedenfalls sieht es so aus, als hätten wir wieder ein Schiff.“

„Aye“, murmelte Henry. „Sieht so aus.“

„Haben wir genug Leute, um die Galeone zu bemannen?“

Henry musterte die kleine Gruppe. „Aye“, sagte er, „genug, um einen Hafen anzulaufen und mehr anzuheuern … Käpt’n.“

Valoree sah ihn scharf an. „Käpt’n?“

Henry nickte ernst. „Aye. Ich denke, für dieses Schiff, die Valor II, haben wir ’nen guten Kapitän erwischt. Ihr besitzt den Kampfgeist, den Mut, die Entschlossenheit … und, was noch besser ist, auch schon den passenden Ruf und den Namen.“ Als Valoree verwirrt dreinschaute, zuckte er die Schultern. „Ihr habt jetzt Euer erstes Schiff aufgebracht. Wenn auch nur ein paar von den Kerlen da draußen am Leben bleiben, dann wird jeder ihre Begegnung mit dem ‚auferstandenen Captain Red‘ zu hören kriegen.“

Alle nickten zustimmend. Es sah so aus, als sei Valoree nicht nur in die Kleidung ihres Bruders geschlüpft, sondern habe auch seine Nachfolge als Kommandeur angetreten. Der auferstandene Captain Red sozusagen. Und einer abergläubischen Bande von Spaniern hatte sie es zu verdanken, dass sie jetzt der Kapitän einiger der hartgesottensten Halsabschneider sein durfte, die ihr das Unglück je über den Weg hatte laufen lassen. Sie war erst neunzehn. Ziemlich jung für einen Kapitän. Andererseits war Jeremy erst achtzehn gewesen, als er die Valor gekauft und ausgerüstet hatte. Was aber Valorees Geschlecht betraf – die Männer hielten sie ja sowieso für einen Jungen.

Henry bemerkte Valorees Zögern. Er trat näher an sie heran. „Denkt ’nen Augenblick drüber nach, ehe Ihr Euch entscheidet. Euer Bruder Jeremy hatte das Unternehmen angefangen, um zu Geld zu kommen. Danach wollte er den Besitz der Familie zurückkaufen, wieder in Ordnung bringen, sich niederlassen und eine Familie gründen.“

Valoree blinzelte. „Was willst du damit sagen?“

„Ich meine, jetzt, wo Jeremy tot ist, müsst Ihr dafür sorgen, dass sein Traum wahr wird. Ihr müsst sein Erbe antreten, Euch niederlassen, eine Familie gründen.“

Einen Augenblick schwieg Valoree. Dann runzelte sie die Stirn. „Aber ich habe nicht die Mittel, um …“

„Schon richtig. Das Haus ist nämlich nicht mehr bewohnt gewesen, seit Ihr ein ganz kleines Kind wart. Jeremy sagte immer, er bräuchte ’ne ziemliche Summe, um alles wieder in Ordnung zu bringen.“

„Und die hatte er auch schon zusammen“, beklagte sich Einauge bitterlich. „Mehr als genug. Wir Männer sollten da jeder ein Häuschen kriegen. Jeremy hats uns versprochen – mit ’nem Stückchen Land dazu. Er …“

„Der Junge weiß das doch alles, Einauge“, warf Henry ein.

„Aye“, seufzte Valoree. „Aber die Spanier haben Jeremy die Reichtümer abgenommen, bevor sie ihn umbrachten.“

Henry nickte. „Und das heißt, dass wir noch mal neu anfangen müssten.“

„Neu anfangen!“ Valoree starrte ihn an. „Acht Jahre hat mein Bruder gebraucht, um so viel zusammenzubringen. Jetzt erzählt mir nicht, ich soll weitere acht Jahre vergeuden!“

Henry räusperte sich. „Also, ich hab’ drüber nachgedacht. Schätze, da draußen segelt irgendwo ’ne spanische Galeone – mit dem Schatz Eures Bruders an Bord. Wenn wir es nun schafften, den Schatz zu finden …“

„Den Spanier mit der Narbe“, stieß Valoree hervor.

Henry nickte ernst. „Wir könnten zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Rache nehmen und uns dann in England niederlassen – schön anständig.“

„Um Leben und Rache“, murmelte Valoree gedankenverloren.

„Aye“, stimmte der alte Seemann zu. „Für uns das Leben, und Rache für Jeremy.“

1. KAPITEL

Fünf Jahre später

Ich denke, Rosa wäre hübsch.“

„Rosa?“ Valoree sah Einauge an, der neben ihr ging, und warf dann Skully einen Blick zu, der ebenfalls seine Ansicht zum Besten gab.

„Rothaarige tragen kein Rosa. Das sieht nicht gut aus.“

„Aye, aber der Käpt’n braucht dringend irgendeine richtig weibliche Farbe, damit sie nicht so …“ Noch ein böser Blick von Valoree, und Skully redete sich heraus: „Damit sie nicht wie ein Käpt’n aussieht. Und ihr Haar ist ja auch mehr braunrot. Vielleicht gehts doch.“

„Vergesst es“, versetzte Valoree. „Ich trage kein Rosa. Schlimm genug, dass ich überhaupt so ein verdammtes Kleid anziehen muss. Aber eins in Rosa wirds nicht sein.“

Sie gingen durch die dunklen Straßen Londons. Die beiden Männer schwiegen eine Weile. Dann sagte Einauge: „Und was ist mit Gelb? Gelb ist sehr weiblich. Vielleicht …“

Skully blieb stehen. „Ist das hier nicht der Laden?“

Einauge und Valoree legten den Kopf in den Nacken und blickten zu dem Gebäude empor, vor dem sie jetzt standen. Es war klein und zweistöckig und stand eingekeilt zwischen zwei anderen Geschäftshäusern. Die unteren Fenster waren unbeleuchtet, aus den oberen strahlte sanftes Kerzenlicht.

„Ja, das ist er. Oben, wo’s beleuchtet ist – da wohnen sie“, verkündete Einauge überflüssigerweise.

Valoree nickte und gab ein Handzeichen in Richtung Eingang. Die beiden Männer warfen einander Blicke zu, strafften die Schultern und preschten dann los wie Stiere, die das rote Tuch erblickt hatten. Valorees zorniger Ruf ging im Geräusch splitternden Holzes unter. Die Haustür gab unter dem vereinten Gewicht der Männer nach. Holzstücke flogen in alle Richtungen.

Valoree warf rasch einen Blick die Straße hinauf und hinunter – in der Hoffnung, dass niemand die Tat ihrer Männer beobachtet hatte. Dann folgte sie ihnen in das dunkle Innere des Hauses. Drinnen fand sie die beiden ineinander verkeilt auf dem Boden vor.

„Ihr solltet nur anklopfen, ihr hirnverbrannten Trottel.“

„Woher sollten wir das wissen?“, fragte Einauge. Er sprang auf die Füße und überprüfte tastend, ob seine Augenklappe noch an der richtigen Stelle saß.

„Ja“, fügte Skully hinzu, der trotz seines Holzbeines beinahe so schnell aufgestanden war wie sein Freund. „Und wenn das alles war, was Ihr von uns wolltet – warum habt Ihr’s dann nicht selbst getan?“

„Ja, warum nur?“ Valoree seufzte. Irgendwo im Innern des Hauses schritt jemand polternd die Treppe herab, und das Geräusch hallte durch den stillen Laden. Einen Augenblick später strahlte das Licht einer Laterne auf. Valoree trat vor, um ihre Männer daran zu hindern, ihre Säbel zu ziehen. Am Eingang zum Geschäftsraum blieb der Mann mit der Laterne stehen. Er trug ein langes Nachthemd.

Zuerst sah es aus, als habe es dem Mann bei dem Anblick, der sich ihm bot, die Sprache verschlagen. Was Valoree gut verstand. Sein Laden war verwüstet. Da, wo die Tür sich befunden hatte, gähnte jetzt ein Loch. Valorees Männer hatten bei ihrem Sturz nach drinnen auch noch einen Tisch umgerissen, auf dem Stoffe aufgestapelt gelegen hatten. Die alle waren jetzt über den Fußboden verstreut. Und den restlichen Platz im Laden nahmen drei nicht gerade Vertrauen erweckende Gestalten ein. Der Besitzer des Geschäfts schwankte leicht, als würde er gleich ohnmächtig werden.

Valoree ließ den Blick zu ihren Leuten hinübergleiten. Sie selbst war klein und nicht sehr furchteinflößend. Sie trug ein bauschiges weißes Hemd, Kniehosen und Überrock in Schwarz, Stiefel und einen breiten Gürtel. Einauge und Skully dagegen stachen sie deutlich aus mit ihrer schmutzigen, wenig respektablen Kleidung, mit Skullys Holzbein und Einauges Augenklappe.

„Wir hatten ein bisschen Pech mit dem Türklopfer“, sagte Valoree freundlich, um den Ladenbesitzer zu beruhigen. Der zitterte jetzt so stark, dass die Kerze in seiner Laterne flackerte und die Schatten an den Wänden tanzen ließ. Einauge stieß ein brüllendes Lachen aus, worauf Valoree ihm einen finsteren Blick zuwarf. Dann sah sie wieder den Ladeninhaber an. Der schien nicht beruhigt, im Gegenteil. Er war vorsichtig ein paar Schritte zurückgewichen und sah aus, als wolle er jeden Augenblick um sein Leben rennen. Wahrscheinlich würde er gleich mit Leibeskräften nach dem Konstabler schreien.

Valoree wurde ungeduldig. Sie streckte Einauge eine Hand hin. Der hakte sogleich den Beutel los, den er am Gürtel trug, und legte ihn Valoree in die Hand. Valoree warf ihn durch den Raum. Die Münzen klingelten lustig, als der Beutel durch die Luft segelte. Und der Ladenbesitzer stand verblüfft da. Er ließ beinahe seine Laterne fallen, als er den Geldsack auffing.

„Ich habe ein paar Kleider nötig“, verkündete Valoree.

Der kleine Schneider blickte erschrocken drein. Doch er wog den Beutel in der Hand und beäugte seinen Gast etwas weniger verängstigt. „Ihr habt die Tür aufgebrochen.“

„Meine Männer werden sie wieder in Ordnung bringen.“

In die Augen des Schneiders trat ein abschätzender Ausdruck. „Anständige Leute kommen während des Tages zu mir. Sie holen mich nicht mitten in der Nacht aus dem Bett.“

Angespanntes Schweigen entstand. Einauge griff nach seinem Säbel. Aber Valoree deutete auf Skully. Der ausgemergelte Kerl brummelte etwas von „Leuten, die Höhergestellte nicht respektieren“, hakte den Beutel ab, den er selbst am Gürtel trug, und übergab ihn an Valoree. Die warf ihn dem habgierigen Ladenbesitzer ebenfalls zu.

Erstaunlicherweise schaffte er es, auch den aufzufangen, ohne seine Laterne fallen zu lassen. Jetzt hielt er mehr Gold in der Hand, als er wahrscheinlich je im Leben auf einem Haufen gesehen hatte, und nickte beflissen. „Ihr müsstet mir die Frau herbringen, die Ihr eingekleidet haben wollt. Andernfalls kann ich für die Passform der Kleider nicht geradestehen.“

„Die Kleider sollen für mich sein“, erklärte Valoree grimmig.

Jetzt fehlten dem Ladenbesitzer die Worte. Verwunderung zeigte sich in seiner Miene, gefolgt von einem verächtlichen Ausdruck. Er schüttelte den Kopf.

„Das ändert die Lage natürlich vollkommen. Den Teufel werde ich tun und einem Mann Frauenkleider verpassen, und …“ Er verstummte, als Einauge den Säbel zog.

Valoree hielt den Maat am Ärmel fest, als er vorstürmen wollte. „Lass gut sein“, sagte sie. „Ihr Kerle habt mich ja auch jahrelang für einen Mann gehalten.“

„Ja, aber wir kannten Euch ja nur als Jungen. Wir meinten, Ihr wäret eben einer von der spindeldürren Art.“

Valoree rollte die Augen. Spindeldürr – das war nicht gerade schmeichelhaft.

„Außerdem – keiner von uns hätte Henry zugetraut, dass er so was so lange für sich behält.“

„Henry hat getan, was er für richtig hielt“, gab Valoree barsch zurück. Dann nahm sie den Hut ab, den sie tief ins Gesicht gezogen gehabt hatte. Während sie vortrat, sodass das Licht der Laterne auf sie fiel, sprach sie den Ladenbesitzer noch einmal mit ruhiger Stimme an. „Ich bin kein Mann.“

Ihr Gesicht war von der breiten Hutkrempe beschattet gewesen. Nun war es enthüllt. Valoree spürte, wie ihr das Haar, das unter dem Hut gesteckt hatte, auf die Schultern herabfiel. Ein lüsterner Blick erschien in den Augen des Schneiders. Er schluckte, sein Gesicht nahm einen leeren Ausdruck an, dann nickte er und sah zur Zimmerdecke hinauf. „Frau … Frau, es gibt Arbeit!“, rief er.

Valoree sah Skully und Einauge an. „Repariert die Tür und …“ Die nächsten Worte blieben ihr vor Überraschung im Halse stecken, als das gähnende Loch, von dem sie gerade sprach, plötzlich von einer riesenhaften Gestalt ausgefüllt wurde. Der Mann war noch länger als Skully und sehr viel breiter gebaut. Seinen Kahlkopf bedeckte ein Tuch, in seinem Ohrläppchen baumelte ein Ohrring. Er trug enge braune Kniehosen und ein weites weißes Hemd, das mit seiner dunklen, wettergegerbten Haut im Kontrast stand. „Bull“, sagte Valoree.

Der Mann musterte mit dunklen Augen die Leute im Raum. Dann trat er beiseite und gab den Blick frei auf ein altes Weib, das er im Schlepptau hatte.

„Eure Tante“, grollte der Riese und schob die widerstrebende Frau vorwärts.

Valoree, Einauge und Skully starrten sie schweigend an. Sie musste in den Fünfzigern sein. Ihr Kleid war zerrissen und dreckig, ihr Haar hatte die Farbe einer schmutzigen Londoner Straße. Sie wirkte wie eine alte Straßendirne. Valoree wandte sich erbost dem Mann zu, der die Kreatur noch immer am Arm gepackt hielt.

„Ich hatte doch gesagt, jemand Anständigen, Bull“, schalt sie ihn.

„Die hier ist so anständig wie nur irgendeine, die sich nachts in den Docks von London findet“, antwortete der Riese. „Wenn man sie sauber macht, ist sie brauchbar.“

Valoree trat einen Schritt auf die Frau zu. Als ihr deren Geruch in die Nase stieg, wich sie angewidert zurück. Bulls Neuerwerbung entging das nicht. Auf der Stelle zog sie trotzig die Schultern hoch.

Irgendetwas rührte Valoree. Sie streckte Einauge die Hand hin. Ein dritter Beutel voll Goldstücke fiel in ihre Hand. Valoree warf auch den durchs Zimmer dem schon reichlich beladenen Schneider zu. Niemand war überrascht, als er auch den letzten Beutel auffing, obwohl er dazu einige Verrenkungen machen musste. Man hatte Valoree berichtet, der Mann liebe Gold über alles. Auf Grund dieser Gerüchte hatte Valoree gerade diesen Schneider für ihre Zwecke ausgewählt – und weil die Geschäfte, die er machte, so krumm waren wie Skullys Nase. Jemand, der Kunden annahm, die ihn in den frühen Morgenstunden aufsuchten, noch dazu in Begleitung solch rauer Gesellen, würde kaum etwas ausplaudern.

„Die Alte braucht auch was anzuziehen“, sagte Valoree. „Noch nötiger hat sie ein Bad.“

Der Ladenbesitzer straffte sich. „Das hier ist doch keine Herberge!“, rief er beinahe beleidigt.

Skully zog noch mehr Gold hervor, ehe Valoree etwas darauf erwidert hatte. Diesmal bekam der Schneider den Beutel vor die Füße geschleudert. Fluchend sprang der Mann zurück, bückte sich und raffte den Geldsack an sich. Dann brüllte er noch einmal: „Frau! Heb deinen Hintern aus dem Bett – und zwar sofort!“

Drei Stunden später war das Gebrüll des Schneiders zu einem müden Seufzen verebbt. Er und seine Frau hatten inzwischen Maß genommen und sich mit Valoree auf drei verschiedene Modelle geeinigt. Die ältere Frau hatte allerhand Zeit beansprucht. Zuerst war sie in den Zuber gesteckt und abgeschrubbt worden, bis sie vor Sauberkeit glänzte. Danach war auch an ihr Maß genommen worden. Und anschließend hatte man sie in ein gebrauchtes Gewand der Schneidersfrau gekleidet. Frisch gebadet und in dem geborgten Kleid sah sie auch nicht annähernd mehr billig aus, wie Valoree erfreut feststellte. Im Gegenteil. Hätte sie nicht ein so abweisendes Verhalten gezeigt, sie wäre tatsächlich für die Rolle einer Tante geeignet gewesen. Vielleicht hatte Bull mit ihr doch nicht die schlechteste Wahl getroffen.

„Bitte die Arme zu heben“, wies die Frau des Schneiders an und lächelte nachgiebig über Valorees ungeduldig-finstere Miene. „Das ist jetzt das Letzte“, fügte sie hinzu, während sie Valoree das Maßband um die Brust legte.

Valoree seufzte erleichtert auf. Sie war so erschöpft, dass sie bestimmt eine Woche lang ununterbrochen schlafen könnte, dabei hatte das Maßnehmen nicht einmal eine Stunde gedauert. Und sie war doch daran gewöhnt, spät ins Bett zu kommen. Nein, diese Aufgabe, die sie sich jetzt gestellt hatte, rieb sie auf. Nichts war so ermüdend wie die Notwendigkeit, sich über Gewänder und Umhänge den Kopf zu zerbrechen und darüber, aus welchem Stoff sie gemacht werden sollten. Am liebsten hätte sie den lästigen Kram Einauge oder Skully übertragen – wenn sie nicht hätte befürchten müssen, dann irgendetwas Rosafarbenes mit Rüschen verpasst zu bekommen.

„Sehr gut“, verkündete der Schneider mit Erleichterung, als er die Zahl aufschrieb, die seine Frau ihm angesagt hatte. Auch er sah müde aus. Wahrscheinlich war er sehr darauf erpicht, Valoree und ihre düsteren Gesellen loszuwerden. Doch Valoree hatte noch ein paar Einzelheiten zu klären.

„Von den schlichten Kleidern brauchen wir morgen Mittag jede eins. Die anderen Gewänder will ich übermorgen haben. Meine Männer kommen sie abholen. Sorgt dafür, dass sie dann bereitliegen.“

„Morgen Mittag?“, wiederholte der Schneider entsetzt. „Aber das lässt uns ja nur wenige Stunden! Ich kann unmöglich …“

„Ihr könnt, und Ihr werdet“, unterbrach Valoree ihn milde und schickte sich an zu gehen.

„Aber Ihr wisst nicht …“, fuhr der Schneider fort.

„Doch.“ Valoree blieb stehen und maß ihn mit strengem Blick. „Ich weiß, dass ich Euch gut bezahlt habe. Und dass ich dafür zwei von den bestellten Kleidern morgen Mittag fertig gestellt haben möchte.“

„Jawohl, Mylady. Aber ich kann doch nicht …“

„Hab ich Euch nicht bare Münze für mindestens zehn Mal so viele Kleider gegeben?“

„Das schon“, gab der Schneider widerstrebend zu.

„Richtig. Wenn Ihr die Gewänder nun aber nicht rechtzeitig anfertigen könnt, dann trage ich meine bare Münze anderswohin.“

Diese Drohung wirkte. Der Schneider wich einen Schritt zurück, blankes Grauen im Gesicht. „N…nein“, stammelte er, „ich … ich krieg das schon hin. Ich … ich stelle noch ein paar Frauen ein, die beim Nähen helfen.“

„Gut.“ Valoree drehte sich um und warf einen Blick in den Verkaufsraum. Dort spielten ihre Leute am Tisch Karten. Die alte Hexe, Valorees Tante in spe, lag tief und fest schlafend auf einer Strohmatte in der Ecke.

Einen Augenblick lang wunderte sich Valoree, wie man auf dem harten Boden überhaupt schlafen konnte. Dann schob sie den Gedanken beiseite. Wahrscheinlich hatte die Alte schon üblere Schlafplätze kennen gelernt – und üblere Situationen. Valoree wollte gar nicht wissen, welche.

Sie ließ den Blick von der Frau zu Bull hinüberschweifen, der auf der Stelle Haltung annahm. Ohne dass Valoree ein Wort sagen musste, hob der Riese die „Tante“ vom Boden auf, nahm sie wie ein Kind auf die Arme und hielt auf die Haustür zu.

Skully steckte die Spielkarten in die Tasche. Dann beeilte er sich, seinem Kameraden die Tür zu öffnen. Einauge stand ebenfalls auf, doch er trat an Valorees Seite. Langsam zog er ein kleines, aber überaus scharfes Messer aus dem Stiefel und ließ es durch die Luft sausen, sodass es in der Wandtäfelung hinter dem Schneider stecken blieb.

Valoree sah den Ladeninhaber und seine Frau bedeutungsvoll an. „Einauge hinterlässt Euch das als Erinnerung daran, dass Ihr diese Nacht nie erwähnen sollt. Sprecht mit keinem Menschen darüber.“

Einauge lächelte breit. Doch das Lächeln erreichte sein Auge nicht. „Sorgt dafür, dass Eure Zunge nicht zu beschäftigt ist“, fügte er bedrohlich grollend hinzu.

Der Schneider schien sofort zu verstehen. Er nickte eifrig. Aber seine Frau fragte beunruhigt: „Warum?“

„Weil ich euch die Zunge rausschneide, wenn ich feststelle, dass ihr uns bei irgendjemandem erwähnt habt. Egal, bei wem.“

Valoree musste bei seinen Worten beinahe seufzen. Einauge liebte seine Arbeit, und er machte sie gut. Zu gut. Die Frau des Schneiders gurgelte leise und fiel glatt in Ohnmacht. Mit einem lauten Bums ging sie zu Boden.

Valoree musterte Einauge und schüttelte tadelnd den Kopf. Dann führte sie ihre Leute nach draußen. Da die Straßen Londons leer waren, brauchten sie nicht lange, um sich wieder auf ihrem Schiff einzufinden.

Nachdem Valoree erwacht war, trat sie aus ihrer Kajüte ins Sonnenlicht hinaus. Da eilte ein untersetzter Mann mit fassförmiger Brust auf sie zu – Henry, der Bootsmann und Zahlmeister. Diese Stellung hatte er schon innegehabt, als Jeremy noch Kapitän gewesen war, und jetzt diente er in der gleichen Stellung unter ihr. Sein Rang machte ihn zum Zweiten im Kommando. Aber irgendwie besaß er dadurch mehr Befugnisse als sie. Er war ihre rechte Hand, und auch wenn sie es nur ungern zugab – sie hätte die Mannschaft ohne ihn kaum unter Kontrolle halten können.

In der vergangenen Nacht, als sie sich auf die Suche nach dem Schneider gemacht hatte, war er auch für die an Bord verbliebenen Männer verantwortlich gewesen. Und sicherlich hatte er alle Hände voll zu tun gehabt, um sie daran zu hindern, über die Bordwand zu klettern und der Lockung des Rums und der losen Weiber zu folgen, die ein Landgang versprach. Sie waren lange auf See gewesen. Der größte Teil der Mannschaft gierte danach, wieder mal an Land zu kommen. Aber wenn es einen gab, der wusste, wie man mit diesen Haudegen fertig wurde, dann war es Henry.

„Ein paar von den Leuten würden gern Landurlaub nehmen“, verkündete der Zahlmeister auch sofort und versperrte Valoree den Weg an Deck.

„Verweigert.“

„Also, Käpt’n, Mädel.“ Henry klemmte die Daumen in den Gürtel, während er auf den Fersen wippte. „Ihr wisst doch so gut wie ich, dass die Jungs in den letzten Wochen richtig hart gearbeitet haben. Sie waren auch richtig geduldig, was den Landgang betrifft, und haben gewartet, bis Ihr so weit seid und sie ziehen lasst. Aber ich denke, wenn sie weiter geduldig sein sollen, dann lasst Ihr sie jetzt mal kurz laufen.“

Valoree musterte die Mannschaft, die sich an Deck versammelt hatte. Alle schauten so rührend hoffnungsvoll drein. Ja, sie waren jetzt lange genug an Bord festgehalten worden. Aber Valoree hatte Ärger vermeiden wollen. Wenn die Kerle erst genug Schnaps im Leibe hatten, dann konnte es leicht zu Zwischenfällen kommen. Andererseits würde ihr Schiff nur noch einen weiteren Tag im Hafen liegen. Hätte das Treffen mit dem Advokaten nicht erst am heutigen Nachmittag vereinbart werden können – sie wären bereits wieder ausgelaufen. Doch ein früheres Treffen war nicht möglich gewesen, und außer einigen Wenigen hatte niemand Landurlaub bekommen, seit sie vor über einem Monat die Karibik verlassen hatten. Kein Wunder, dass die Kerle jetzt so sehnsüchtig darauf hofften.

Valoree musterte sie langsam der Reihe nach. „Keine Diebstähle, keine Schlägereien, keine Toten. Wenn ihr was zerschlagt, repariert es oder zahlt dafür. Und lasst die Frauen in Ruhe, außer den Spelunkenweibern. Kommt mir zu Ohren, dass ihr Bürgerstöchtern zu nahe tretet, seid ihr ausgemustert. Verstanden?“

An dem begeisterten Nicken war zu erkennen, dass die Kerle beinahe allem zugestimmt hätten, nur um an Land entlassen zu werden. Valoree heftete den Blick auf den größten ihrer Leute, einen Schotten mit karottenrotem Haar, der beinahe so riesig gebaut war wie Bull. „Du hast die Aufsicht, Jasper. Wenn einer aus der Reihe tanzt, zieh ich dir das Fell über die Ohren!“

Jasper nickte. „Lasst genügend Männer als Wachen auf dem Schiff zurück“, fuhr Valoree fort. „Der Rest kann an Land gehen. Es wird gewechselt. Richard …“, der zweite Maat trat schnell vor, „… du wählst die Ersten aus.“

Henry stellte sich zu der Gruppe, während Richard anfing, Männer für den Landgang auszusuchen. Aber Valoree schüttelte den Kopf. „Du nicht, Henry.“

„Also, Käpt’n, Mädel …“

„Dich brauche ich.“ Mehr sagte sie nicht. Dann drehte sie sich um und ging wieder unter Deck. Mehr musste sie auch nicht sagen, und das wusste sie. Henry widersprach nicht länger und folgte ihr in die Kajüte. Er würde tun, was von ihm verlangt wurde, und das ohne Klagen. Er, Skully, Bull, Piet der Grieche, Einauge und Richard waren die loyalsten der ganzen Mannschaft.

Beim Eintreten in die Kapitänskajüte warf Valoree einen Blick auf das Kleid, das ausgebreitet in der kleinen, in die Wand eingebaute Koje lag. Dann sah sie ihren Zahlmeister an. „Kannst du kutschieren, Henry?“

Bei dieser Frage runzelte Henry die Stirn. „Also, ich hatte nie Grund, eine Kutsche zu lenken. Aber ich schätze, wenn Skully so ein Ding lenken kann, dann schaffe ich es auch.“

Valoree verzog die Lippen zu einem seltenen Lächeln. Skully und Henry waren dicke Freunde, doch sie standen auch in stetem Wettbewerb miteinander. Immer wieder versuchten sie, sich zu übertrumpfen. Kopfschüttelnd zog Valoree die Pistole aus dem Gürtel, legte sie auf den Kartentisch und begann, sich die Weste auszuziehen. „Wenn Skully es kann, dann brauchst du es erst gar nicht zu versuchen. Nimm ihn mit, und miete mir einen Wagen und Pferde. Die besten, die du finden kannst. Und es muss eine Kutsche mit Stil sein“, betonte sie. „Dann will ich noch, dass du Kleidung für dich, Bull, Skully und Einauge besorgst. Achte darauf, dass die Sachen auch passen.“

„Was für Kleidung denn?“, fragte Henry misstrauisch.

„Dienstbotenkleidung. Livreen.“

Henry wollte widersprechen, aber Valoree schnitt ihm das Wort ab. „Ich brauche Männer, denen ich vertrauen kann. Bei euch vieren ist das der Fall.“

Henry schwieg, nickte und ging.

„Bevor ihr abzieht, sollen mir die Leute noch den Badezuber herbringen“, rief Valoree ihm nach. Kurze Zeit später trugen die Männer einen alten Bottich herein, der nach und nach mit vielen Eimern heißen Wassers gefüllt wurde. Als der Zuber voll war, schlüpfte Valoree schnell aus ihrer Kleidung und ließ sich ins Wasser gleiten. Sie wusch sich hastig und ein wenig ungeduldig. Dann kleidete sie sich an.

Eine halbe Stunde später dankte sie sich selbst dafür, dass sie für diese Aufgabe so viel Zeit veranschlagt hatte. Nicht, dass sie noch nie ein Kleid auf dem Leibe gehabt hätte, aber das war vor ungefähr dreizehn Jahren gewesen. Und, lieber Himmel, sie konnte sich nicht mehr daran erinnern, dass das Ankleiden so eine komplizierte Angelegenheit war! Da waren die Strümpfe und die fummeligen kleinen Strumpfbänder, von denen sie gehalten wurden. Dann kamen das Hemd, der Unterrock, die Hüftpolster, das Korsett … widerlich, wie schwer das zu schnüren war. Darüber musste noch der Überrock angebracht werden – ebenfalls in der Taille zu schnüren. Endlich folgten Mieder und Ärmel. Ach je! Und trotz all dieser Stoffmassen zog es ihr immer noch unter den Rock! Regelrecht unanständig, unter all den verflixten Rauscheröcken mit nacktem Unterleib herumzulaufen. Wenigstens für ein Mädchen, das dreizehn Jahre lang gut und sicher in Hosen verpackt gewesen war.

Vor sich hin schimpfend, griff sie danach, um sie unter dem Rock wieder anzuziehen. Aber das war vielleicht eine Aufgabe – bei all den vielen Lagen Stoff und den einschnürenden Oberteilen! Mühsam raffte Valoree Rock um Rock und versuchte, sie alle unterm Kinn eingeklemmt festzuhalten, sodass sie in die Hose steigen konnte. Aber so ging es einfach nicht. Valoree ließ sich also auf den Boden sinken, zog die Röcke hoch und versuchte es so noch einmal. Einen Augenblick später, keuchend vor Anstrengung, hatte sie es geschafft, die Füße durch die Hosenbeine zu stecken.

„Das nächste Mal ziehe ich sie als Erstes an“, sagte sie vor sich hin. Dann ließ sie sich auf den Rücken fallen, hob das Hinterteil und versuchte, sich in ihre Hose hineinzuwinden.

„Käpt’n?“ Einauges Stimme klang von der Tür her, gefolgt von einem kurzen Klopfen.

„Bleib draußen!“, brüllte Valoree. Sie rollte sich auf die Seite, immer noch mit ihrer Kleidung kämpfend.

Einen Augenblick war es still. Dann sprach Einauge wieder. „Käpt’n? Alles klar da drinnen? Ich hab so ein Plumpsen und Keuchen gehört …“

„Geschafft!“, stöhnte Valoree, als sie ihre Hose endlich hochgezogen hatte. Sie ließ die Röcke wieder über ihre Beine fallen, legte sich flach und suchte zu Atem zu kommen. Da öffnete sich die Tür, und Einauge steckte tief gebückt den Kopf herein. Valoree warf ihm einen missbilligenden Blick zu. „Ich hab’ dir doch gesagt, du sollst …“

„… draußen bleiben“, ergänzte Einauge. „Ich hab’ mich auch dran gehalten. Seht Ihr?“

Er ließ die Tür weiter aufschwingen und zeigte Valoree, dass er immer noch draußen stand. Valoree stieß ein belustigtes Lachen aus. Das war das Schöne an Einauge. Er folgte allen Befehlen wortgetreu, wenn es ihm einen Vorteil brachte.

Einauge drückte sich in den Raum. Dann sah er sich gründlich um. „Es hörte sich so an, als sei hier richtig was los.“

„Ja. Wenn du damit das Anziehen von Hosen meinst“, erwiderte Valoree.

Einauge fuhr mit der Hand nach dem Heft seines Säbels. Sein freundliches Lächeln wich einer Miene tödlicher Entschlossenheit. „Wer ist Euch an die Hosen gegangen? Ich bring ihn um, den Hund!“

Valoree blinzelte verwirrt. Dann begriff sie, schnappte sich einen ihrer Stiefel, die neben ihr auf dem Boden lagen, und warf ihn nach Einauge. „Ich war es selbst, du alberner Trunkenbold!“, rief sie. Der Stiefel krachte gegen dir Tür. Dann riss Valoree die Röcke hoch und zeigte ihre Hose. „Ich hab’ versucht, wieder da hineinzukommen!“

Einauge kniff sein gesundes Auge zusammen, dann lächelte er. „Also, das wäre auch wirklich traurig, wenn ein Käpt’n es nicht mehr schafft, allein in die Hose zu kommen.“ Er schwieg einen Moment. „Also, Henry schickt mich, um …“

„Was, zum Teufel, hast du denn da auf dem Leib?“, entrüstete sich Valoree. Sie setzte sich unvermittelt auf. Einauge hatte seine gewohnten Kleidungsstücke – enge Hosen, fließendes weißes Hemd und Lederweste – abgelegt. Stattdessen trug er jetzt rosa Strümpfe, rosa Kniehosen und den fürchterlichsten rosa Überrock, den sie je in ihrem ganzen Leben gesehen hatte.

Einauge stieß einen abgrundtiefen Seufzer aus. „Livree“, sagte er angeekelt. „So hat Henry das genannt. Er sagte, was anderes habe er nicht auftreiben können.“

„Oh nein“, flüsterte Valoree. Man hätte meinen können, dass Einauge in Rosa weibisch oder wie ein Dandy hätte aussehen müssen, aber das war keineswegs der Fall. Wenn überhaupt, dann verliehen ihm diese übertrieben modischen Kleidungsstücke ein noch weniger vertrauenswürdiges Aussehen, als er es ohnehin schon besaß. Er sah aus wie ein Pirat in der Verkleidung eines Dieners. Was er ja auch war.

„Seht Ihr! Ich hab’s doch gewusst, dass Ihr es auch merken würdet! Soll ich meine eigenen Sachen wieder anziehen?“

Beinahe hätte Valoree zugestimmt. Doch dann schüttelte sie seufzend den Kopf.

„Nein. Du kannst doch nicht wie ein raublustiger Freibeuter in London herumlaufen.“

„Aber …“

„Nein“, wiederholte Valoree streng, „du behältst die Sachen an.“

Jetzt nickte Einauge. Aber er schien immer noch unzufrieden. „Na, dann sag ich Henry und Skully am Besten, dass Ihr gleich rüberkommt.“

„Warte!“, rief Valoree, als er hinausgehen wollte. Er blieb stehen, und sie deutete auf den Gegenstand, der vor der Tür auf dem Boden lag. „Mein Stiefel.“

Einauge zog die Brauen hoch. Dann bückte er sich, hob den Stiefel auf. „Meint Ihr nicht, ein Paar Schuhe wären angemessener?“

„Wenn ich welche hätte, würde ich sie wohl anziehen – oder?“

Ihre Worte hatten gereizt geklungen. Einauge bückte sich und nahm auch den zweiten Stiefel auf. Valoree ließ den Blick über die Livree gleiten, die Henry ausgesucht hatte. Sie war wirklich scheußlich. Es musste Einauge beinahe umbringen, sie tragen zu müssen. Er hatte sich immer für so etwas wie einen Herzensbrecher gehalten. Er war hochgewachsen, hatte dunkles Haar und einen gebräunten Teint. Außerdem war er so schlank und kräftig, wie ein Kapitän sich seinen ersten Maat nur wünschen konnte. An allen Gliedern war er noch unversehrt. Abgesehen von einer kleinen Narbe, die er sich beim Erklettern der Wanten im Sturm geholt hatte, war er heil geblieben. Und abgesehen davon natürlich, dass er ein Auge verloren hatte. Aber die Augenklappe schien seiner Zugkraft bei den Damen keinen Abbruch zu tun. Welchen Hafen sie auch angelaufen hatten – überall hatte Einauge es geschafft, viele Frauen zu finden, die seinen gesunden, kräftigen Körper und sein etwas verwüstetes Gesicht begehrenswert fanden.

Valoree selbst empfand nichts dergleichen. Vom zehnten bis zum achtzehnten Lebensjahr war sie von dem Piraten wie ein kleiner Bruder behandelt worden – mit all den Hänseleien und dem Herumschubsen, das dazugehörte. Und sie hatte ihn immer als älteren Bruder angesehen. Als sie ihn jetzt betrachtete, in diesem Traum in Rosa, den Henry ausgesucht hatte, konnte sie ein schadenfrohes Kichern kaum unterdrücken.

„So, fertig, Käpt’n“, verkündete Einauge und grinste seinerseits. Er hatte Valoree die Stiefel angezogen und erhob sich wieder. „Schätze, Ihr werdet auch beim Aufstehen Hilfe brauchen, was?“

Zur Antwort streckte Valoree ihm die Hand entgegen. Er packte sie stattdessen am Handgelenk und zog sie hoch. Danach verließ er mit Valoree die Kajüte.

„Ihr seht richtig hübsch aus in dem Kleid“, sagte Einauge an Deck. „Ich hätte nie gedacht, ich könnte noch mal den Tag erleben, an dem der auferstandene Käpt’n Red beim Stiefelanziehen Hilfe braucht.“

Seine Stichelei blieb nicht unbemerkt. „Einauge“, sagte Valoree.

„Ja?“

„Entweder du ziehst eins von den anderen Frauenkleidern an, die ich gekauft habe, und verbringst darin den ganzen Tag bei den Männern auf dem Schiff – oder du hältst ab sofort die Klappe!“

„Aye, Käpt’n.“

„Ehrlich, in dem Kleid seht Ihr richtig nett aus“, sagte Henry, während er Valoree aus dem Dingi auf das Dock half. Es belustigte Valoree, dass der knorrige alte Seebär errötet war.

„Wie ’ne echte Lady. Hübsch, wirklich. In Hosen seid Ihr mir nie so hübsch vorgekommen.“

Valoree fand solche Schmeicheleien peinlich. Ein Lob über ihre Fechtkunst hatte sie dagegen immer mit Freuden entgegengenommen. Verschämt wedelte sie jetzt mit der Hand, als wolle sie Henrys Worte wegscheuchen. Dann marschierte sie festen Schrittes auf die Kutsche zu, mit der Skully sie erwartete. Einauge sprang hinter ihr auf das Dock.

„Also“, rief Henry ihr nach, „wenn Ihr so stapft, seht Ihr aber nicht wie ’ne Lady aus!“

Valoree blieb stehen und sah sich mit finsterem Blick nach ihm um. Dann ging sie weiter, diesmal mit kleineren und weniger energischen Schritten. Ich muss daran denken, mich weiblicher zu geben, überlegte sie, als sie bei der Kutsche stehen blieb und ins Innere hineinspähte. Meg saß darin, die alte Hure, die Bull für die Rolle ihrer Tante und Anstandsdame aufgegabelt hatte.

Valoree verzog beim Gedanken an die dumme Vorschrift, dass eine Frau niemals ohne Begleitung reisen durfte, verächtlich das Gesicht. Na schön. Sie würde sich daran halten. Schwungvoll stieg sie in die Kutsche.

Erst als Valoree im Wagen saß, fiel ihr Megs Blässe auf. Das kam wohl noch von letzter Nacht, als die Alte so betrunken gewesen war. Jetzt sah sie allerdings nüchtern genug aus, um ihre Rolle spielen zu können – so nüchtern, dass Valoree beinahe Mitleid verspürte. Ihre „Tante“ hätte es im Augenblick sicher sehr begrüßt, noch ein wenig von dem Stoff zu bekommen, der sie gestern umgehauen hatte.

Ihre Gesichtsfarbe hatte einen leichten Grauton. Zusätzlich zu den deutlichen Merkmalen eines Katers deuteten auch die Augenringe und die Art, wie Meg die Lider zusammenkniff, auf Kopfschmerzen hin. Aber abgesehen davon sah „Tante Meg“ gut aus – viel besser, als Valoree es sich erhofft hatte. Das neue Kleid, schwarz und bescheiden, und das sorgfältig aufgesteckte Haar verliehen ihr ein wahrhaft königliches Aussehen. Hätte Valoree nicht genau gewusst, dass Meg eine gewöhnliche Straßendirne war – sie hätte schwören können, diese Dame sei eine echte Lady.

„Du bist also bereit“, sagte Valoree, während sie sich in der Kutsche niederließ.

Die Frau zog majestätisch eine Augenbraue hoch und unterwarf Valoree der gleichen Musterung, die sie eben über sich hatte ergehen lassen. „Aber Ihr seid es nicht“, gab sie zurück.

Valoree spürte, wie Ärger in ihr hochkam. „Was, zum Teufel, meinst du damit?“, fragte sie barsch.

„Euer Haar. Eine Dame würde niemals mit wild flatterndem Haar herumlaufen.“

Valoree runzelte die Stirn und tastete nach ihren Haaren.

„Setzt Euch“, ordnete Meg an und deutete auf den Platz neben sich. Sie erwartete offensichtlich, dass ihr gehorcht wurde. Und sie begann in einer kleinen Tasche herumzukramen, die neben ihr stand. „Ich hatte damit gerechnet. Darum habe ich Euren Henry gebeten, noch ein paar Sachen einzuholen. Ah!“ Eine Bürste aus der Tasche ziehend, lächelte sie Valoree triumphierend an. Dann tätschelte sie noch einmal den Platz an ihrer Seite. „Also los!“

Valoree zögerte. Sie wechselte einen Blick mit Henry, der zu ihr in die Kutsche gestiegen war und jetzt stirnrunzelnd ihr Haar betrachtete. „Sie hat recht“, sagte er. „Ladies stecken sich normalerweise das Haar auf – so wie sie es trägt.“

Valoree ärgerte sich. Dennoch musste sie zugeben, dass sie selbst keinerlei Vorstellungen davon hatte, was eine Lady tat oder nicht tat. Während der vergangenen dreizehn Jahre hatte sie das Schiff nicht öfter als ein Dutzend Mal verlassen. Alle Erinnerungen an die menschliche Gesellschaft stammten aus ihrer frühen Kindheit. Und sie hatte keine Ahnung, was Damen heutzutage trugen.

Also fluchte sie kräftig und ließ sich mit rauschenden Röcken auf dem Sitz nieder. Und sie schenkte „Tante Meg“, die an ihrer Frisur zu Werke ging, keinen einzigen Blick.

2. KAPITEL

Die Kutsche schaukelte und schlingerte wilder als ein kleines Schiff auf hoher See. Die Stöße waren auch härter. Als der Wagen wieder durch ein Schlagloch holperte, verzog Valoree das Gesicht und betastete vorsichtig ihren Hinterkopf.

„Seid Ihr krank?“, fragte die Alte und heuchelte Mitgefühl. „Ihr seht so blass aus …“

Valoree schoss ihrer „Tante“ einen bösen Blick zu. „Wenn ich krank aussehe, dann nur, weil meine ganze Kopfhaut wie Feuer brennt.“ Die Alte hatte ihr schließlich die Haare zu einer turmartigen Frisur hochgesteckt. „Und übrigens, ich bin nicht so blöd, dir zu glauben, dass Damen sich jedes Mal, wenn sie sich die Haare frisieren lassen, diesen Schmerz antun. Wenn du dir also noch einmal eine solche Lüge erlaubst, lasse ich dich auspeitschen. Und wenn ich mich mit dem Advokaten bespreche, dann halte den Mund. Das Letzte, was ich mir wünsche, ist, dass dieser Whister herauskriegt, dass du eine alte Hure bist.“

Meg spannte sich an. Valorees beleidigende Worte ließen sie erbleichen. Valoree bedauerte ihren Ausbruch, aber nur für einen kurzen Augenblick. Sie hatte zu viele Sorgen und zu wenig Zeit, sich um die verletzten Gefühle anderer zu kümmern. Die ganze Mannschaft und jetzt auch noch diese Frau hingen ja von ihr ab. Alle hofften auf ein Zuhause und ein neues Leben. Valoree fühlte sich unter Druck gesetzt. Und es hatte nicht sehr geholfen, dass Meg sie beim Frisieren so schrecklich an den Haaren gezerrt hatte.

„Verzeiht, Liebste“, sagte Meg jetzt hochnäsig und hörte sich überaus vornehm an. Die Kutsche kam endlich mit einem Ruck zum Stehen. „Ich werde mich bemühen, bei der Unterredung Stillschweigen zu bewahren, wenn es Euch so beliebt. Allerdings, wenn man schon so lange im Gewerbe ist wie ich, dann kann man niemals sicher sein, nicht hin und wieder einem früheren … Kunden … zu begegnen. Wollen wir darauf hoffen, dass Euer Advokat keiner von ihnen ist.“

Eine schreckliche Vorstellung. Valoree war entsetzt. Die „Tante“ lächelte sie in stiller Boshaftigkeit an. Weitere Gespräche wurden im Keim erstickt, als Einauge den Wagenschlag öffnete.

„Verdammt.“ Valoree fluchte tonlos, während Meg ausstieg. Valoree wollte sie festhalten. Jedenfalls wollte sie nicht das Risiko eingehen, dass Whister die Alte erkannte. Es war zwar unwahrscheinlich, dass der Advokat jemals Megs Dienste in Anspruch genommen hatte, aber man konnte ja nie wissen. Unglücklicherweise war Valoree aber in ihrem Bemühen, die Alte noch zu erwischen, nicht nur schnell, sondern auch unvorsichtig. Sie trat sich zuerst auf den Rock, dann verfing sie sich mit dem Fuß darin. Und so endete sie neben der Kutsche auf dem Boden. Ihre Frisur löste sich bei dem Sturz auf, und das Haar fiel ihr wieder über die Schultern.

Einauge starrte erschrocken auf sie hinab. Henry war da etwas hilfreicher. Er sprang vom Bock, wo er neben dem Kutscher gesessen hatte, und eilte Valoree zu Hilfe.

„Trottel“, schimpfte er und schlug Einauge mit dem Handrücken gegen den Hinterkopf, während er Valoree auf die Beine half. „Willst du sie da liegen lassen?“

„Äh…“ Einauge setzte sich den Hut wieder gerade und begann eilig, Valoree den Straßenschmutz von den Röcken abzuklopfen, der jetzt daran klebte. „Wie sollte ich denn wissen, dass sie beim Aufstehen Hilfe braucht? Bis jetzt ist das ja noch nie vorgekommen.“

„Sie war ja auch noch nie ’ne Lady. Sie war der Käpt’n.“

„Ja und? Der Käpt’n ist sie immer noch.“

„Ja, aber jetzt trägt sie ein Kleid. Und darum ist sie ’ne Lady. Und Ladies sind empfindlicher und hilfloser als Kapitäne. Überleg dir doch bloß mal, wie sie aus der Kutsche rausgepurzelt ist – wie eine … Aua!“

„Das Spitze an deinem Hintern ist mein Messer, Henry“, sagte Valoree kalt. „Du brauchst ’ne kleine Erinnerung daran, dass ich mit oder ohne Kleid immer noch dein Käpt’n bin. Und ich bin nicht hilflos. Kapiert?“

„Kapiert, Käpt’n.“

„Aye, Sir. Madame. Mylady“, fügte Einauge hinzu.

Valoree brummelte zufrieden. Sie steckte ihr Messer wieder in den Beutel, den sie nur zu diesem Zweck mitgebracht hatte. Die Männer rechts und links neben ihr strafften sich. „So. Ihr beiden wartet hier bei der Kutsche. Meine Tante und ich, wir gehen hinein zu Mr. Whister. Ihr redet weder mit Passanten noch miteinander, sondern steht schweigend und mit unbewegter Miene Wache. Sollte ich herauskommen und feststellen, dass einer von euch sich anders benimmt, als das einem Diener geziemt, lasse ich euch auspeitschen. Klar?“

„Klar.“

„Aye-aye, Käpt’n. Mylady.“

„Sehr gut.“ Valoree machte sich auf den Weg zur Haustür, wo Meg schon auf sie wartete. Die Männer wussten, dass ihre Drohungen meistens leer waren. Während der ganzen Zeit, die sie mit ihnen gesegelt war, hatte sie noch nie einen von ihnen auspeitschen lassen. Umgekehrt wusste Valoree, dass solche Drohungen das einzige Mittel darstellten, den Kerlen den Ernst der Lage klarzumachen.

Tante Meg sah das offenbar ganz anders. „Ihr solltet Euer Messer nicht in aller Öffentlichkeit ziehen, Liebes. Das ist einer Dame absolut nicht zuträglich. Sollte jemand es sehen …“

„Es hat aber keiner gesehen.“

„Doch. Ich.“

„Du zählst nicht.“

„Mag sein“, sagte die Frau. „Ihr habt nichts zu befürchten.“

Valoree warf ihr einen scharfen Blick zu. „Ich habe ja auch keine Angst.“

„Eure Männer haben mir aber berichtet, dass Ihr immer dann gereizt seid, wenn Ihr Euch Sorgen macht und das nicht zeigen wollt.“

„Meine Männer sind ein Haufen alte Waschweiber.“

„Sie mögen Euch sehr. Und ich glaube, Ihr mögt sie auch.“

Dazu schwieg Valoree einen Augenblick. Dann überkam sie Ärger. Sie versuchte, die Frau niederzustarren. Doch so leicht war die Alte nicht einzuschüchtern.

„Sie sind wie Familienmitglieder für Euch, nicht wahr?“

Valoree schluckte. „Stimmt. Die einzige Familie, die ich habe.“

„Und jetzt befürchtet Ihr, Ihr könntet versagen“, mutmaßte Meg. „Dafür gibt es aber gar keinen Grund. Es ist nicht von Bedeutung, wenn Eure Manieren nicht so ganz denen einer Lady entsprechen. Das Erbe kann Euch deshalb nicht verweigert werden. Außerdem ist es gar nicht so schwer, eine Dame zu spielen. Ihr werdet schon sehen. Dazu müsst Ihr lediglich so wenig wie möglich sprechen und einfach meinem Vorbild folgen.“

Noch ehe Valoree darauf antworten konnte, schwang die Tür auf. Ein Diener mit ausdrucksloser Miene stand vor ihnen.

„Lady Valoree Ainsley und ihre Tante möchten Master Whister sprechen.“ Meg sprach diese Worte in befehlsgewohntem Ton aus und schritt darauf ungebeten in die Halle, als hätte sie ein Anrecht darauf. Sie gab Valoree einen Wink, ihr zu folgen, und verkündete dem Diener noch einmal: „Wir haben eine Verabredung.“

„Selbstverständlich, Mylady.“ Der Diener nickte Valoree zu, die ebenfalls eintrat, und schloss die Tür. „Master Whister hat im Augenblick noch einen Kunden bei sich, aber es wird nicht lange dauern. Wenn die Damen hier warten möchten?“ Er öffnete ihnen eine Tür zur Linken und verbeugte sich, als Tante Meg und Valoree an ihm vorüber in das Zimmer rauschten.

„Ich bringe den Damen Erfrischungen“, meinte der Diener, „wenn Ihr so gut sein wollt, vorlieb zu …“ Ein plötzlicher Ruf aus dem Raum auf der anderen Seite der Halle schnitt ihm das Wort ab. Er warf einen nervösen Blick hinüber, und ein bedenklicher Ausdruck huschte über sein Gesicht. Doch der verschwand schnell wieder. Er schenkte den Frauen ein untertäniges Lächeln. „Ich bin gleich wieder da.“

Valoree nickte dem Mann ernst zu. Sie wartete nur gerade ab, bis er das Zimmer verlassen hatte. Dann presste sie das Ohr an die Tür und horchte auf das laute Rufen, das von jenseits der Halle zu ihr herüberdrang. Unglücklicherweise konnte sie aber nichts verstehen außer den gezischten Worten des Tadels, die Meg ausstieß.

„Bitte beruhigt Euch, Lord Thurborne. So schlimm ist es doch nicht“, sagte Whister sanft.

„Was?“ Daniel starrte den Mann an, der ihm gegenübersaß. „Ihr eröffnet mir, dass ich, um an das Erbe meiner Großmutter zu gelangen – Gelder übrigens, die für den Landsitz der Thurbornes verzweifelt benötigt werden – dass ich … Hmmm … Was, zum Teufel, habt Ihr mir da eigentlich eröffnet?“ Er unterbrach sich verärgert, langte über den Tisch und ergriff die Rolle, aus der Whister, bevor er unterbrochen worden war, vorgelesen hatte. „Dass ich meine liederliche Lebensweise aufzugeben, eine Braut von Geblüt zu ehelichen und einen Erben mit ihr zu zeugen habe“, zitierte er grimmig. Dann knallte er das Pergament wieder auf den Tisch.

„Lady Thurborne, Eure Großmutter, war besorgt, dass Ihr Eure Stellung in der Gesellschaft nicht ernst nehmen könntet. Sie wollte, dass Ihr versorgt seid und glücklich werdet.“

„Versorgt und unglücklich“, knurrte Daniel. Er stand auf und begann, in dem kleinen Zimmer auf und ab zu gehen. „Ich kann einfach nicht glauben, dass sie mir das angetan hat. Wahrscheinlich ist es nicht auf ihrem eigenen Mist gewachsen. Jemand muss ihr …“ Er verstummte. Sein Ärger erfüllte ihn plötzlich ganz, denn Whister fing auf einmal an, nervös die Gegenstände auf seinem Schreibtisch zurechtzurücken, und vermied es, ihn anzusehen. „Ihr wart das!“

Whister fuhr zusammen. Der Blick, mit dem er den jungen Mann ansah, verriet Schuldgefühle. „Ich?“

Daniel kniff ergrimmt die Augen zusammen. „Ihr habt meiner Großmutter diese Idee schmackhaft gemacht – ist es nicht so?“

„Ich … ich mag wohl einmal erwähnt haben, dass ein anderer meiner Klienten diese Bedingung zum Wohl seiner Tochter in sein Testament eingefügt hat“, gab er unglücklich zu. Dann setzte er ein mildes Lächeln auf. „Die betreffende Tochter erwartet mich sogar gerade jetzt im Salon, Lord Thurborne. Euch hatte ich heute ja gar nicht erwartet …“

„Nun, dann solltet Ihr Euch aber sofort um die Dame kümmern“, meinte Daniel und ging zur Tür. „Ich möchte unter keinen Umständen so unhöflich sein, jemand anderem den Termin streitig zu machen. Darum werde ich also einfach warten, bis Ihr damit fertig seid.“ Er öffnete die Tür. Draußen in der Halle öffnete Whisters Diener gerade die gegenüberliegende Tür.

„Was macht Ihr denn? Seid Ihr verrückt? Ihr könnt doch nicht …“

„Maul halten“, zischte Valoree. „Wie soll ich denn ein Wort verstehen, wenn du mir fortwährend ins Ohr jammerst? Ich versuche gerade … Autsch!“ Die Tür schwang plötzlich auf, Valoree stolperte rückwärts, und allein die Tatsache, dass ihre Hand noch auf dem Knauf lag, bewahrte sie davor, hinzufallen, als das Türblatt gegen ihren Kopf prallte.

„Oh, Mylady – das tut mir aber entsetzlich leid!“

Das war der Butler. Valoree brachte ein Lächeln zustande, doch es war wohl eher eine Grimasse. Sie hob die Hand und rieb sich die schmerzende Stelle an ihrem Schädel, und ganz plötzlich war sie von lauter Menschen umgeben. Meg war schnell an ihre Seite getreten. Ihre Miene verriet eher Tadel als Besorgnis. Der Butler schwirrte hilflos vor ihr herum und zeigte schreckliche Bestürzung darüber, dass er sie, wenn auch ohne Absicht, beinahe bewusstlos geschlagen hatte. Außerdem erkannte sie noch einen weiteren Mann, einen viel jüngeren, der aus der Halle herübergekommen war. Valoree vermutete, dass ihm die laute Stimme gehörte.

Eigentlich hätte sie sich jetzt ertappt fühlen müssen. Stattdessen empfand sie Ärger. Wenn sie eines hasste, dann war es, sich dumm vorzukommen. Die unübersehbare Belustigung in den Augen des Mannes aber gab ihr genau dieses Gefühl.

„Ich wollte Euch eigentlich nur darüber in Kenntnis setzen, dass es mit den Erfrischungen noch ein wenig dauern kann“, sagte der Butler und zog damit Valorees Aufmerksamkeit wieder auf sich. Er rang verzweifelt die Hände und sah Valoree dabei demütig an. „Ich wollte doch nicht … Also, ich hatte ja nicht erwartet, dass Ihr … Kann ich irgendetwas für Euch tun? Einen kalten Umschlag vielleicht?“

„Hört auf, mich zu bemuttern, Mann“, schnauzte Valoree ihn an. Ihr Kopf begann zu hämmern. Wenn sie jetzt in Watte gepackt wurde, machte das die Sache noch schlimmer. „Es ist nicht das erste Mal, dass ich eins verpasst kriege.“

Das plötzliche Schweigen im Raum ließ den Verdacht in ihr aufkommen, dass sie sich vielleicht falsch ausgedrückt hatte. Valoree schluckte. Sie betrachtete das Kleeblatt, das um sie herumstand. Meg sah entsetzt aus. Der Butler und der Neuankömmling aber wirkten völlig verblüfft.

Seufzend schloss Valoree die Augen. Ja, wahrscheinlich hatte sie etwas Falsches gesagt. Die meisten Damen bekamen wohl keins verpasst. Und wenn es doch geschah, dann gaben sie es bestimmt nicht zu. Erst denken, dann sprechen. Das war doch eine der ersten Regeln gewesen, die sie als Kapitän eines Piratenschiffs hatte lernen müssen. Wenn man dachte, bevor man sprach, konnte man damit alle möglichen Katastrophen abwenden. Warum hatte sie das nur nicht beherzigt? „Ich muss wohl einen härteren Schlag über den Kopf bekommen haben, als ich dachte“, sagte sie finster.

„Vielleicht ein wenig Brandy?“, erkundigte sich der Butler mitfühlend.

Valoree schüttelte den Kopf und verzog das Gesicht, als ihr der Schmerz wieder durch den Schädel schoss. „Das Zeug rühre ich nicht an. Ich nehme aber ’nen Schluck Rum, wenn Ihr einen habt.“

Meg heuchelte Belustigung. „Liebes Kind, wie witzig du heute wieder bist! Allerdings solltest du jetzt nicht scherzen.“ Sie wandte sich an den Butler, der sich bei ihren Worten deutlich entspannt hatte, und fügte süß hinzu: „Ein kalter Umschlag wäre hilfreich. Und auch ein Gläschen Brandy, bitte.“

Der Diener beeilte sich, an der Kredenz den Brandy einzuschenken. Er servierte. Dann verbeugte er sich. „Nun hole ich den kalten Umschlag.“

Valoree sah ihm nach, doch der Neuankömmling lenkte sie von dem Diener ab.

„Was habt Ihr eigentlich an der Tür gemacht?“

Valoree sah den Mann verwirrt an. Er war hochgewachsen, sah gut aus und hatte eine Haltung, wie sie nur bei Mitgliedern des Adels vorkam. Und sie hätte die Beute aus einer gekaperten französischen Fregatte darauf verwettet, dass er genau wusste, was sie an der Tür gemacht hatte. Das Glitzern in seinen Augen verriet nichts anderes als boshaften schwarzen Humor.

Valoree verzog das Gesicht und tat das Einzige, was ihr zu ihrer Rettung einfiel. Sie schwindelte.

„Nun, ich wollte dieses Zimmer verlassen, was sonst?“ Sie setzte sich in den Sessel. „Ich wollte gerade den Lokus suchen gehen.“

Ein gurgelndes Geräusch brachte Valoree dazu, Meg anzuschauen. Die Frau war ein paar Schritte von ihr entfernt stehen geblieben. Jetzt hielt sie ihr Glas Brandy so fest umklammert, dass ihre Knöchel weiß hervortraten, und sah aus, als wolle sie gleich ohnmächtig werden. Überwältigender Schrecken – das war die einzig mögliche Beschreibung des Ausdrucks auf ihrem bleichen Gesicht. Der Mund stand ihr offen, aber nur zusammenhanglose Laute kamen heraus.

Der Neuankömmling reagierte ebenfalls seltsam.

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