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Professor Zamorra - Folge 1200

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Tanz des Satyrs
  4. Wer ist wer bei PROFESSOR ZAMORRA
  5. Leserseite
  6. Vorschau

Wer ist wer bei PROFESSOR ZAMORRA:

Professor Zamorra deMontagne: Schlossherr und Professor für Parapsychologie, seine mächtigste Waffe ist Merlins Stern

Nicole Duval: Die Partnerin an seiner Seite, Dämonenjägerin

 

Angestellte im Château Montagne:

Pascal Lafitte: Bibliothekar & Archivar im Château

Faolan: ehemaliger teuflischer Archivar (in der Gestalt eines Wolfs), Pascals Kollege

William MacKenzie: Schottischer Butler auf Château Montagne

Madame Claire Lacroix: Köchin auf Château Montagne

 

Wer und was sonst noch wichtig ist:

 

Leonardo deMontagne: Zamorras schwärzester Vorfahr. Er war der Erbauer des Château Montagne

 

LEGION: Superdämon, dessen Bewusstseinsfragmente in einer Dauer­fehde um die Vorherrschaft stehen, was ihn oftmals deutlich schwächt.

 

Die 999 Amulette … sind exakte Kopien von Merlins Stern. In den letzten zwei Jahren wurden drei Truhen mit jeweils 333 Amuletten entdeckt und geöffnet. Diese freigesetzten Amulette sind böse und suchen sich den jeweils magisch stärksten Träger. Wozu und vor allem von wem sie erschaffen wurden, das liegt noch im Dunkel der Geschichte …

 

Und unsere verehrten Special Guests:

 

Die Pagan-Folk-Gruppe FAUN: Oliver Satyr, Fiona Rüggeberg, Laura Fella, Stephan Groth, Niel Mitra und Rüdiger Maul.

Tanz des Satyrs

von Thilo Schwichtenberg

Unser Jubiläumsband steht ganz im Zeichen von FAUN, der erfolgreichen Pagan-Folk-Band!

Zur Feier des Tages veranstalten Nicole und Zamorra auf Château Montagne ein Mittelalterfest, das sich auf einen uralten Pan-Kult beruft. Als Höhepunkt ist ein Auftritt der Spielleute von FAUN geplant. Doch die Musiker spielen nicht nur zur Unterhaltung auf.

Denn keiner ahnt, dass ein tödlicher Fluch aus längst vergessenen Zeiten über allem schwebt …

PROLOG

Es gab einmal eine Zeit …

… in der die Spielleute in der Welt umherzogen, um mit ihrer Musik und ihren Weisen den Geist, die Seele und das Herz der Menschen zu unterrichten und zu erfreuen. Sie gaben ihnen und ihrem harten und eintönigen Tagewerk eine Welt der Märchen, Mythen, Sagen und Wunder, eine Welt voller Schönheit und Fantasie, zur Seite.

Und das Leben fiel allen ein wenig leichter.

Doch mit den Jahrhunderten verkümmerten die Seelen, verhärteten die Herzen, und die Menschen glaubten nicht mehr an die beseelte Natur, an all die wundersamen Wesen, die die Anderswelt zum Leuchten brachten.

So verstummten allmählich nicht nur die Spielleute, die nunmehr des Ortes verwiesen, angespien und als Narren belächelt wurden, sondern auch die wahrhaft Zauberkundigen.

Bar jeden Zaubers, bar jedweder Kraft, zogen sich die Naturgeister und selbst die alten Götter zurück in die Berge, Wälder und Seen.

Die Menschen wähnten sich reifer und über den Dingen stehend. Doch bald schon begannen sie zu begreifen, dass auch der Geist und die Seele einer gewissen Nahrung bedürfen.

So kehrte nach und nach der alte Glaube in unsere Welt zurück, und mit ihm die Spielleute.

Sechs von ihnen zogen aus, um die alten Weisen erneut zu verkünden, indem sie uns in märchenhafte und wundersame Welten entführen, von denen wir doch immer ahnten, dass es sie gibt, aber nie zu hoffen wagten, sie jemals zu betreten. Die sechs bauen Brücken, wirken Zaubersprüche, beschwören das Licht und den Mond, berichten uns von starken Frauen und von den Elben, nehmen uns mit nach Midgard und singen, wie einst, von Märchen & Mythen und dem Respekt vor den Mysterien des Seins:

Willkommen auf Château Montagne, ihr FAUNE!

Über die Heide, im ersten morgendlichen Schein

Ziehen die Vögel, wo mögen sie wohl morgen sein.

Ich folge dem Rauschen / der Schwingen in das stille Moor

Uralte Lieder dringen / aus den Nebeln vor.

(aus »Federkleid« von FAUN)

Gegenwart

Weinberge am Château Montagne

»Da sind ja noch gar keine Weintrauben dran«, maulte André. Akribisch untersuchte er die jungen Triebe. »Die blühen erst.«

»Schatz, dann fahren wir nachher noch in den Supermarkt und kaufen dir welche.« Ivette, seine Freundin, klopfte ihm Trost spendend auf die Schulter.

Joaquin und Claudette sahen sich nur schmunzelnd an. Der schlanke junge Mann mit dem kurzen Blondhaar nahm seine Freundin zärtlich in den Arm. Gemeinsam schauten sie ins Land.

»Es ist so schön grün hier. Und still. Und sonnig.« Claudette schmiegte sich an ihn. Ihr schwarzes langes Haar duftete zart nach Limette.

Joaquin genoss die Momente. Sie waren endlich wieder einmal zusammen. Alle vier.

Obwohl die Freunde in Saint-Étienne lebten, sahen sie sich nicht wirklich oft.

Während sein Kumpel und dessen Freundin in verschiedenen Bereichen bei der SNCF, der französischen Staatsbahn, arbeiteten, verbrachten Claudette und er ihre Arbeitszeit in der Firmenzentrale von Géant Casino, der französischen Supermarkt-Kette.

Umso schöner war es, hin und wieder mal nach Hause fahren zu können, sich von den Eltern verwöhnen zu lassen und ansonsten einfach die Nähe der Freunde zu genießen.

»Du hast recht, Claudette.« Die kurzhaarige und rotblonde Ivette hatte sich zu ihnen gesellt. »Es ist hier tatsächlich still. Weit und breit sind keine willigen Wasserfrauen zu sehen.«

»Autsch«, machte André und versuchte dabei nicht zu grinsen. Im nächsten Moment wurde er wieder ernst. Der stämmige junge Mann sah seine Freundin an. »Wusstest du eigentlich, dass die Weinrebe zu den ältesten Kulturpflanzen gehört? Und dass sie eine Liane ist?«

»Seit wann bist du so gebildet?« Ivette kniff argwöhnisch die Augenlider zusammen.

Der Mittzwanziger steckte sein Handy in die Hosentasche. »Aber das war ich doch schon immer.«

»Deswegen hat es auch so gut mit dem Zauberspruch und den willigen Wasserfrauen geklappt«, stichelte Ivette weiter.

André zog die Luft zwischen den zusammengebissenen Zähnen ein, sagte aber nichts mehr.

Sie wanderten weiter, auf dem schmalen Pfad, der sich durch den Weinberg schlängelte.

Joaquin Lafitte nickte unmerklich. Vor gut einem Jahr waren die Freundinnen ohne Anhang für ein Wochenende ans Meer gefahren.

Die eifersüchtigen Strohwitwer wollten ihnen aus einer Bierlaune heraus einen Denkzettel verpassen und hatten eine willige Wasserfrau herbeizaubern wollen.

Den Zauberspruch hatte Joaquin in einem alten Folianten, den Pascal Lafitte, sein Vater und Bibliothekar von Professor Zamorra, zum Übersetzen aus dem Château mit nach Hause genommen hatte, entdeckt.

Leider war nicht nur eine Wasserfrau im Gasthaus »Zum Teufel« erschienen, sondern ein ganzes Dutzend. Die fiese Aktion war komplett nach hinten losgegangen.

Zum Glück war Faolan, der wölfische Archivar des Schlosses, gekommen und hatte dem feuchten Treiben endlich ein Ende bereitet.1)

Die folgenden Aussprachen waren lang, aber fruchtbar gewesen. Jeder der vier hatte einiges dazugelernt.

André zupfte drei blühende Weinranken ab und hielt sie Ivette hin. »Bitteschön, für dich.«

»Wenn das mein Onkel sieht!« Claudette sah sich um. Doch André Goadec, der größte Weinbergpächter von Professor Zamorras Ländereien, war zum Glück weit genug entfernt, um den Frevel nicht miterleben zu müssen.

»Was hast du? Sind doch nur ein paar Triebe.« Der stämmige Mittzwanziger kratzte sich durch die kurzen schwarzen Haare.

»Das ist bares Geld! Sagt zumindest Onkel André.« Claudette schüttelte gespielt theatralisch den Kopf. »Das wären gut und gerne drei Gläser edlen Weins geworden.«

Ivette strich über die Rispen. »Moment. Was ist das?« Die kleinen Blüten fielen einfach ab. Sie rieb an den Blättern – die als feiner Staub zu Boden rieselten!

»Ich war’s nicht!« André hob reflexartig die Hände, doch da war Claudette schon am Rebstock und untersuchte die anderen Triebe.

Auch hier rieselte das Grün bei der Berührung zu Boden.

»Das ist echt nicht normal.« Claudette sah Joaquin grübelnd an.

André widmete sich einem weiteren Rebstock. »Hier passiert es ebenfalls!«

Ivette lief etwas weiter und rieb auch dort die Blätter. »Hier nicht mehr. Hier ist alles okay, glaube ich.«

»Ich rufe meinen Onkel!« Claudette hielt sich die Hände als Trichter vor den Mund und rief dessen Namen.

Doch erst als André einen lautstarken Pfiff von sich gab, erhob sich der ältere Mann von den Rebstöcken, in denen er gerade gearbeitet hatte.

Seine Nichte winkte ihn heran.

»Onkel André! Sieh nur!«, sagte Claudette, als André Goadec sich zu ihnen gesellt hatte.

Der sah in die Runde. »Was soll ich sehen?«

Joaquin wies mit der Hand auf die Pflanzen. »Die gesamte Reihe mit allen Weinreben stirbt!«

Das Gesicht des Älteren verdüsterte sich. »Wenn ihr mich veralbern wollt, setzt es was. Hier sieht doch alles wie immer aus. Der Hang ist grün, und die Loire glitzert in der Sonne. Ergo ist die Welt in Ordnung.«

»Und das hier?« Claudette nahm Daumen und Zeigefinger und rieb an einem grünen Blatt. Das löste sich in seine Bestandteile auf und rieselte wie alter Papyrus zu Boden.

»Saftig Grün und doch verdorrt?« Goadec probierte es nun selbst aus. »Tatsächlich. Der gesamte Lebenssaft scheint den Pflanzen entzogen worden zu sein.«

Während er sich bückte, ächzte er leise vor sich hin. Dann rieb er an den unteren Blättern.

Er sah auf. »Bei denen passiert es nicht.«

Auch die anderen bückten sich und strichen über die Blätter.

Ivette schüttelte den Kopf. »Das Phänomen betrifft nur die jungen Triebe.«

»Ist das eine Krankheit?« Joaquin sah den Weinbergpächter fragend an.

Sein Kumpel André war mit der Antwort schneller. »Das ist der Klimawandel!«

»Still!« Der Alte ging durch die Reihen, rieb und inspizierte, bückte sich, roch an den Blättern. Dann ließ er die Reste eines Blattes in die Handfläche rieseln und stippte ganz vorsichtig mit der Zunge hinein.

Sein Gesicht verzog sich. Er zuckte mit der Schulter. »Schmeckt wie getrocknete und zerriebene Blätter.«

»Könnte es Pilzbefall sein?« Ivette sah ihn fragend an. »Oder eine Käferplage?«

Goadec schüttelte den Kopf. »Nein, nichts dergleichen zu erkennen.«

»Und nun?« Joaquin sah in die Runde.

»Vielleicht liegt es am Boden?« André hatte sich gebückt und mit beiden Händen Erde geschaufelt. Die hielt er vor Goadecs Nase. »Ist er vielleicht kontaminiert?«

Der Alte zögerte. »Er ist ganz schwarz. Viel dunkler als sonst.«

»Vielleicht hat jemand Teer untergemengt?« Der stämmige Mittzwanziger ließ angewidert die Erde fallen.

Alle sahen sich ratlos an.

»Ich fasse es nicht.« André stieß mit der rechten Schuhspitze an den Erdhaufen. »Seht ihr es auch?«

Die anderen nickten zögerlich.

Der Boden schien wieder normal zu sein.

In der gold’nen Morgenstund / zieh’n wir aus des Tales Grund,

und wir tanzen froh hinein / in den frühen Sonnenschein.

Hoch hinauf auf Bergeshöh’n, um ins Auge Lughs zu seh’n.

Lasst uns feiern diese Zeit, die der Sommer hält bereit.

(aus »Sonnenreigen (Lughnasad)« von FAUN)

[Lughnasad ist ein Fest der keltischen Tradition]

Gegenwart

Château Montagne, der Park hinter dem Schloss

Tief einatmen.

Innehalten.

Ausatmen.

Nicole lächelte gedankenverloren.

Ganz dicht trat sie an den großen Baum heran und legte die Handflächen auf seine Rinde.

»Vermisst du Fooly?«, fragte sie und nickte. »Bestimmt. Und irgendwie vermisse ich ihn auch.«

Der mächtige, knorrige und uralte Baum, mit seiner borkigen und verwitterten Rinde, dem viel verzweigten Astwerk und den jungen Zweigen war Foolys Lieblingsbaum gewesen.

Fooly, das war der tollpatschige Jungdrache, der viele Jahre auf dem Château gewohnt und allerlei, teils beabsichtigte, teils unbeabsichtigte Späße mit seinem Umfeld getrieben hatte. Doch konnte der Drache auch sehr ernst und klug sein, obwohl er nur einhundert Jahre zählte. Mittlerweile war Fooly erwachsen geworden und lebte wieder im Drachenland, wo er sich fortan Nastrodir nannte.

Nicole sah am Stamm hinauf. Der Riese mochte vielleicht schon die Erbauung des Châteaus unter Zamorras unseligem Vorfahren Leonardo deMontagne vor mehr als 900 Jahren gesehen haben. Jedenfalls war er alt, weise und dem Jungdrachen ein beinahe väterlicher und festverwurzelter Freund gewesen. Fooly konnte ihm jederzeit sein Leid klagen, erhielt aber auch geheimes Wissen von ihm, was sich oftmals für Professor Zamorra als äußerst nützlich erwies.

»Hältst du auch Wissen für mich bereit?«, fragte Nicole und sah weiter in Richtung Krone. »Welche Bedrohung wird uns aus den 999 Amulett-Kopien erwachsen?«

Sie schloss die Augen.

Innerhalb der letzten zwei Jahre waren drei Truhen mit jeweils 333 Amuletten gefunden und geöffnet worden. Die Medaillons waren sofort davongeschossen und hatten sich mittlerweile auf der ganzen Welt verteilt. Stets auf der Suche nach magisch starken Trägern.

Ein jedes dieser Amulette schien eine exakte Kopie von Merlins Stern, von Professor Zamorras stärkster Waffe gegen die Mächte der Finsternis, zu sein. Doch im Gegensatz zu Merlins Stern waren die Kopien abgrundtief böse.

Zamorra und Nicole waren auf der Jagd nach diesen Amuletten gewesen. Doch mittlerweile, seit gut einem Monat, war von den Silberscheiben nichts mehr zu hören.

»Wahrscheinlich ist das die Ruhe vor dem Sturm.« Sie streichelte die Rinde. »Weißt du, wo sich die Amulette jetzt befinden? Wer ist der unbekannte Amulett-Träger, der die letzte Truhe unten im Dorf geöffnet hat?« Hier, bei ihnen! Wie mochte das alles miteinander zusammenhängen? War er auch der Schöpfer all dieser Kopien?

Sie tappten dahingehend noch immer völlig im Dunkeln!

Die schlanke Französin versuchte angestrengt, aus dem Wispern der Blätter etwas herauszuhören.

Stattdessen kitzelte es in ihrer Nase. Sie musste niesen.

Konzentration, ermahnte sie sich.

Vergebens.

Noch einmal strich sie über die Rinde. »Ich verstehe dich nicht, mein Freund.«

Sie öffnete wieder die Augen. Der Baum leuchtete im ersten saftigen Grün.

»Ich muss jetzt an etwas Positives denken«, flüsterte sie, »sonst zieht mich das alles hier noch viel zu tief runter.«

Das Mittelalterfest! Ja, das würde eine wunderbare Abwechslung bedeuten. Sie konnten neue Kräfte schöpfen, die Energiespeicher aufladen, und dann mit neuen Ideen und frischem Mut gegen die anstehenden Probleme der Welt vorgehen.

Die Idee des Festes hatte sie mit Pascal Lafitte ersonnen. Zamorras Bibliothekar hatte ein Buch entdeckt, das zu beweisen schien, dass hier im Ort im Mittelalter wiederholt dem großen Pan gehuldigt worden war.

Die Quelle harrte noch ihrer Übersetzung, aber der Gedanke, ein Mittelalterfest zu Ehren des großen Pan auf dem Gelände des Châteaus durchzuführen, der hatte sie sofort begeistert – und nicht mehr losgelassen.

Das Fest würde großartig werden, wenn … ja, wenn sich denn der Herr Professor Zamorra deMontagne mit dem Gedanken endlich einmal vollends anfreunden konnte!

Nun, er hatte das Fest nicht gerade verteufelt, aber sein Enthusiasmus hielt sich doch in sehr engen Grenzen.

Nicole sah sich um.

Ja, hier konnten überall kleine Verkaufsstände stehen. Die schöne Französin sah sie quasi schon vor sich und all das lebhafte und bunte Treiben gleich mit.

Das Fest war ein Versuch. Es sollte nicht groß ausfallen, eher lokal, jedoch mit einem internationalen musikalischen Höhepunkt: der Pagan-Folk-Gruppe FAUN!

Ihre Musik entstammte nicht dem Mainstream, sie kam aus dem Inneren der Musiker. Sie war ihnen ein Bedürfnis. Die Künstler wollten der Welt etwas mitteilen oder besser, sie wollten der Welt ein Angebot unterbreiten. Sie waren Brückenbauer in eine scheinbar untergegangen geglaubte Zeit. Doch die Zeit war nicht tot. Sie existierte weiterhin. Man musste sie nur für sich zulassen.

Es war eine Zeit der gegenseitigen Achtung. Der Achtung vor der Natur, vor dem Leben, vor der Schöpfung. Das Wissen, dass man sich nicht gegen oder über die Natur stellen konnte. Denn das bekam der Seele nicht.

Nicole kannte die Musik der Gruppe schon seit geraumer Zeit. Die Lieder und Texte gefielen ihr. Sie konnte sich gut mit ihnen identifizieren.

Sie wusste, dass FAUN gern vor einer mittelalterlichen Kulisse spielten. Vor Schlössern und Burgen, in Kasematten oder Kirchen. Nun, Château Montagne drängte sich förmlich als Hintergrundkulisse und atmosphärisches Ambiente auf.

So hatte sie kurzentschlossen bei den Musikern angefragt und war auf Interesse gestoßen.

Der Termin des Auftritts stand, obwohl recht kurzfristig, schnell fest.

Es gab nur leider ein Problem, dass es zu knacken galt: Zamorra.

Sie wusste, dass das Fest nur halb so schön werden würde, wenn ein griesgrämiger Partner an ihrer Seite weile. Da war noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten.

Doch sie war eine Frau. Und sie besaß die Waffen einer Frau.

Nicole musste unwillkürlich lächeln. »Hey, mein Freund, ich danke dir für deine positive Ausstrahlung.« Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und berührte einen jungen grünen Zweig.

Wie überrascht war sie, als die Blätter als grüner Staub zu Boden rieselten.

Nicole berührte weitere Blätter, weitere Zweige.

Das Ergebnis war überraschend.

Hin und wieder waren Zweige dabei, die sich ebenfalls auflösten.

Irrte sie sich, oder leuchtete der Baum gar nicht so grün wie immer.

War er krank?

Sie lief zu anderen Bäumen und Büschen. Betastete Eiche und Kastanie, Rhododendron und Flieder. Doch an diesen Bäumen rieselte nichts zu Boden.

Sollte gerade Foolys Baum auf Grund seines hohen Alters auf die Klimaveränderungen sensibler reagieren?

»Wenn du doch nur zu mir sprechen könntest!«

Aber sie war nicht Fooly, und so kam eine Verständigung nicht zustande.

Gegenwart

Saint-Cyriac, Zamorras Dorf unterhalb des Châteaus

Im Wirtshaus »Zum Teufel«

KAWUMMS. Der Foliant krachte auf den Tisch.

Die silberne, eingelassene und reliefartige Figur auf dem Deckel gleißte im Licht der Deckenlampe.

»Hier ist der Beweis.« Pascal Lafitte stützte sich mit den Händen an der Tischkannte ab und sah allen Anwesenden der Reihe nach in die Augen.

Jetzt würde es sich zeigen, ob seine Freunde auch wirklich zu begeistern waren. Der Plan, den er zusammen mit Nicole ausgeheckt hatte, bestand darin, das Mittelalterfest so stark in den Köpfen aller zu verankern, dass Zamorra gar nicht mehr anders konnte, als seine uneingeschränkte Zustimmung zu geben.

Nach all dem Leid, das dem Dorf in all den Jahrhunderten – und gerade auch in jüngster Zeit – immer wieder zuteilgeworden war, durfte es auch einmal schöne, ausgelassene und fröhliche Augenblicke genießen dürfen. Die Menschen hatten es einfach verdient.

Aus dem Grund hatte Pascal bereits gewisse Andeutungen fallen gelassen und damit die Neugier im Dorf angefacht.

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