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Profiling Murder – Fall 8: Letzter Atemzug

Inhalt

  1. Cover
  2. PROFILING MURDER – Die Serie
  3. Über diese Folge
  4. Über die Autorin
  5. Titel
  6. Impressum
  7. Donnerstag, 21. Oktober
  8. Freitag, 22. Oktober
  9. Montag, 25. Oktober
  10. Dienstag, 26. Oktober
  11. Mittwoch, 27. Oktober
  12. Donnerstag, 28. Oktober
  13. Mittwoch, 27. Oktober
  14. Donnerstag, 28. Oktober
  15. Freitag, 29. Oktober
  16. Samstag, 30. Oktober
  17. Montag, 1. November

PROFILING MURDER – Die Serie

Laurie Walsh war eine erfolgreiche Polizistin. Bis sie aus Notwehr schießen musste – und ein Mensch starb. Die Bilder verfolgen sie selbst Jahre später noch jede Nacht. Doch dann meldet sich ihr ehemaliger Partner Jake und bittet sie um Hilfe bei einem Fall. Und Laurie wird klar, wie sehr ihr Herz noch an der Polizeiarbeit hängt. Sie kehrt an Jakes Seite in ihren Job zurück und ermittelt fortan in besonders harten Fällen, die selbst die Ermittler tief erschüttern. Und gerät dabei nicht selten selbst ins Visier der Täter …

Über diese Folge

Beim Durchforsten einiger Cold Cases stößt Laurie auf gleich mehrere grausame Sexual- und Foltermorde, die sie tief erschüttern. Und die Morde an den Jugendlichen und jungen Männern weisen erstaunliche Parallelen auf. Für Laurie steht sofort fest: Das ist das Handwerk eines Serientäters, der noch immer aktiv sein muss. Denn eines der Delikte liegt noch gar nicht weit zurück. Wird es ihr und Jake gelingen, diese Fälle doch noch aufzuklären und den Killer zu finden, bevor er wieder zuschlägt?

Über die Autorin

Dania Dicken, Jahrgang 1985, schrieb ihr erstes Buch als Zehnjährige – per Hand und mit dem guten Gefühl, eine Berufung gefunden zu haben, die bleiben würde. Während ihres Studiums verfasste sie dann zunächst Fantasyromane, die sie im Selbstverlag veröffentlichte. Nach einigen Semestern beschloss sie, ihr Soziologiestudium an der Universität Duisburg gegen einen interdisziplinären Psychologie- und Informatik-Studiengang zu tauschen, was sich schnell als richtige Entscheidung erwies. Mit den Grundlagen aus dem Psychologiestudium setzte sie ein lang gehegtes Vorhaben in die Tat um und schreibt seitdem spannende Profiler-Thriller. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in Krefeld und widmet sich hauptberuflich dem Verfassen spannender Bücher.

Dania Dicken

Profiling Murder

Fall 8
Letzter Atemzug

BASTEI ENTERTAINMAENT-Logo

Donnerstag, 21. Oktober

Zufrieden stellte Laurie den letzten Ordner in den Aktenschrank. Endlich waren die Ermittlungen gegen die Lynley Medical Corporation weitgehend abgeschlossen – nach fast vier Monaten. Der Prozess würde in diesem Jahr wohl nicht mehr eröffnet werden, aber das war nicht weiter schlimm. Laurie war froh, dass es nun geschafft war. Sie und Jake hatten zusammen mit Kollegen aus der Abteilung Wirtschaftskriminalität in einer Taskforce zusammengearbeitet und fleißig Überstunden geschoben, aber es hatte sich gelohnt.

Sie setzte sich wieder an ihren Computer und beantwortete einige Mails, aber danach war es erst kurz nach halb elf. Jake war wegen einer Aussage im Gericht, und einen neuen Fall hatten sie nicht auf dem Tisch. Gerade wurde in Phoenix ziemlich wenig gemordet. Das war eigentlich gut, doch jetzt hatte Laurie nichts mehr zu tun.

Sie überlegte kurz, wie sie das ändern konnte, und ging dann im System auf die Suche nach ungelösten Fällen. Vielleicht gab es da ja irgendwas, worauf sie mal einen Blick werfen konnte.

Sie beschloss, alphabetisch vorzugehen und die Finger von Fällen der Kollegen Campbell und Murphy zu lassen. Captain Walters hatte ein internes Ermittlungsverfahren gegen die beiden eröffnet, nachdem Laurie und Jake sie auf Campbells Verwicklung in ihren letzten Fall aufmerksam gemacht hatten. Und es hatte sich herausgestellt, dass er tatsächlich die Ermittlungen selbst kompromittiert und sogar seinen Partner angelogen hatte. Daraufhin hatte man Campbell fristlos vor die Tür gesetzt, und Murphy arbeitete jetzt mit einem neuen Partner zusammen. Trotzdem hatte Laurie nicht vor, sich da noch mal die Finger zu verbrennen.

Unter den noch offenen Mordfällen befanden sich erschossene Drogendealer und Gangmitglieder, ungeklärte Raubüberfälle auf Tankstellen oder kleine Shops, bei denen es Tote oder Verletzte gegeben hatte, eine erwürgte Prostituierte und ein Geschäftsmann, den man überfahren hatte. Das war alles ziemlich undankbar, denn bei Drogendealern oder Gangmitgliedern hatte grundsätzlich niemand was gesehen, und in den anderen Fällen hatten die Kollegen vermutlich schon alle Mittel ausgeschöpft.

Laurie wusste nicht, ob sie überhaupt nach etwas Bestimmtem suchte, als ihr die Fallakte eines strangulierten achtzehnjährigen Schülers begegnete, der in seinem letzten Jahr an der Highschool gewesen war. Der Fall erregte deshalb Lauries Aufmerksamkeit, weil der junge Mann splitternackt in einer Gasse gefunden worden war. Lediglich sein Kopf war von einer Latexmaske bedeckt.

Sein Name war Zachary Delaney, und er hatte seit drei Jahren offen schwul gelebt. Von seinem Vater hatte er sich deshalb zunehmend entfremdet und war an seinem achtzehnten Geburtstag allein in ein winziges Apartment gezogen. Laut Aussage seiner Mutter war er in der Schwulenszene sehr aktiv, hatte aber nur lockere Affären.

Im Obduktionsbericht stand, dass er kurz vor seinem Tod noch Sex gehabt hatte – wohl einvernehmlichen, weil es keine Verletzungsspuren gab, die auf etwas anderes schließen ließen. An den Handgelenken waren jedoch Fesselspuren zu erkennen, und er hatte Peitschenstriemen am Gesäß. Auch das konnte einvernehmlich passiert sein. Doch sein Tod war wohl mit ziemlicher Sicherheit kein Unfall gewesen. Laurie wusste, dass es manche Menschen sexuell sehr erregte, beim Sex gewürgt zu werden oder Spiele zu versuchen, die Atemkontrolle beinhalteten. Doch Zachary war mit einem Kabel stranguliert worden. Niemand in der Szene hätte für Atemkontrollspiele ein Kabel benutzt, weil sie viel zu unnachgiebig waren und das Verletzungsrisiko entsprechend zu hoch war.

Der Fall lag jetzt schon sechs Jahre zurück – und es war ein weiterer damit verknüpft. Justin Hayward, neunzehn, war etwa ein Jahr später tot aufgefunden worden – in seiner Wohnung, ebenfalls stranguliert mit einem Kabel. Diesmal wusste man es sicher, weil das Kabel noch um seinen Hals gewickelt war.

Auch er trug eine Latexmaske und war ansonsten nackt. Genau wie Zachary war Justin schwul und hatte vor seinem Tod Sex – Bondagesex, wie die Spuren an seinem Körper verrieten.

Jetzt war Lauries Aufmerksamkeit geweckt. Ihr Instinkt sagte ihr, dass das nicht die einzigen Fälle sein konnten. Jemand hatte die beiden zum puren Lustgewinn getötet – und so jemand genoss das üblicherweise so sehr, dass er nicht wieder einfach damit aufhörte. Im Gegenteil, vermutlich hatte er sich noch gesteigert – das geschah bei solchen Tätern fast immer, wie Laurie aus Erfahrung wusste. Allerdings fand sie keinerlei Hinweise darauf, dass es noch ähnliche Taten gegeben hatte.

In den Akten stand, dass die Detectives George Abrams und William Tenney in beiden Fällen ermittelt hatten. Letzteren kannte sie, aber er hatte inzwischen einen neuen Partner und arbeitete auch nicht mehr in der Abteilung für Kapitalverbrechen.

Neugierig griff sie zum Telefon und rief Tenney an. Augenblicke später war er in der Leitung.

»Ich grüße Sie, Detective Tenney, hier ist Detective Walsh. Haben Sie einen Augenblick Zeit für mich?«

»Worum geht es denn?«

»Um zwei Mordfälle, in denen Sie damals mit Detective Abrams ermittelt haben – zwei schwule junge Männer. Das ist fünf bis sechs Jahre her.«

Tenney antwortete nicht gleich. »Ja, ich glaube, ich erinnere mich. Das muss vor Georges Unfall gewesen sein. Das war vor vier Jahren. Seitdem sitzt er im Rollstuhl.«

»Das tut mir sehr leid.«

»Ich habe daraufhin die Abteilung gewechselt. Wie kann ich Ihnen denn weiterhelfen?«

»Sie haben die Morde an Justin und Zachary miteinander in Verbindung gesetzt, aber ich finde keinen Hinweis auf weitere Taten.«

»Nein, während meiner Zeit in Ihrer Abteilung ist nichts mehr dazugekommen. Ich weiß nicht, ob seitdem noch mal jemand die Fälle angeschaut hat, aber ich stimme Ihnen darin zu, dass es höchstwahrscheinlich nicht die einzigen sind.«

»Gab es irgendwelche Verdächtigen?«

»Nicht konkret, nein. Wir haben mit mehreren jungen Männern gesprochen, die sich mit den beiden Opfern getroffen haben, aber da war niemand verdächtig.«

»Und Dating-Apps oder so etwas?«

»Da ergaben sich keine Hinweise. Beide haben denselben Schwulenclub besucht und das auch in der Nacht ihres Verschwindens. Aber der Club wird nicht videoüberwacht, und es fanden sich keine hilfreichen Zeugen. Beide Fälle sind leider ungeklärt geblieben. Das war sehr frustrierend damals.«

»Das kann ich mir vorstellen. Ich habe gerade Leerlauf und bin auf der Suche nach Fällen, die man noch einmal aufrollen könnte.«

»Ja, tun Sie das. Wenn Sie da Fragen haben, zögern Sie nicht, mich anzurufen. Vielleicht finden Sie ja noch weitere Fälle.«

Laurie wollte es zumindest versuchen und versprach ihm, sich wieder zu melden. Nein, das würden nicht die einzigen Fälle sein, da war sie sicher.

Sie öffnete VICAP und fütterte die Datenbank mit einer Suchanfrage: Sie suchte nach männlichen Mordopfern unter zwanzig, die innerhalb der letzten sieben Jahre in Phoenix aufgetaucht waren – schließlich wusste sie ja nicht, ob Zachary das erste Opfer gewesen war. Außerdem gab sie an, dass es sich um ein sexuell motiviertes Verbrechen handelte und der Täter sein Opfer stranguliert hatte.

Prompt spuckte VICAP ihr einen weiteren Treffer aus. Logan Hennessy, neunzehn, war vor zweieinhalb Jahren tot neben Bahngleisen gefunden worden. Anders als die anderen beiden Opfer war er als vermisst gemeldet worden und seine Leiche erst nach fünf Tagen aufgetaucht. Sie war ebenfalls nackt, aber im Gegensatz zu den anderen Opfern hatte der Täter mit ihm keine einvernehmlichen BDSM-Spiele durchgeführt, sondern ihn gefoltert – und zwar tagelang. Sein Peiniger hatte ihn geschlagen, ausgepeitscht und vergewaltigt. An Logans Hand- und Fußgelenken waren blutunterlaufene Fesselstriemen sichtbar, das sah Laurie, als sie sich die Leichenfotos anschaute.

Er trug keine Latexmaske, aber seine Mundwinkel waren eingerissen, weshalb die Vermutung nahe lag, dass man ihn geknebelt hatte. Auch Logan hatte offen schwul gelebt und war in der einschlägigen Szene unterwegs gewesen. Anders als die anderen Opfer war er aber nicht nach einem Clubbesuch verschwunden. Er war donnerstags zuletzt bei der Arbeit gesehen worden und danach nie wieder.

Laurie machte ein wissendes Gesicht. Das konnte derselbe Täter sein – sogar die für diese Täter übliche Steigerung war deutlich erkennbar: Nun wollte er keine einvernehmlichen Sexspiele mehr, bei denen er das Opfer anschließend strangulierte. Wenn er es wirklich war, entführte und folterte er sie jetzt vor ihrem Tod.

Sie war noch gänzlich in die Fallakte vertieft, als plötzlich Jake im Büro erschien. Auf Lauries Bildschirm war noch ein Foto von Logans übel zugerichteter Leiche geöffnet, weshalb Jake stirnrunzelnd die Arme vor der Brust verschränkte und fragte: »Was treibst du denn hier schon wieder?«

»Mir ist langweilig. Ich gehe alte Fälle durch.«

»Dir ist langweilig«, wiederholte Jake mit einem Unterton, der verriet, dass er seine Freundin gerade nicht für ganz zurechnungsfähig hielt. »Und dann betrachtest du Fotos nackter junger Männer?«

»Cold Cases, Jake. Ich glaube, hier treibt ein Serienmörder sein Unwesen, von dem noch keiner was bemerkt hat.«

»Ein Serienmörder …?« Jakes Unterton verschärfte sich noch.

»Ein sexuell motivierter Mörder, ja. Ein Homosexueller, der es auf junge Männer abgesehen hat. Und ich habe erst drei.«

Mit hochgezogenen Augenbrauen starrte Jake auf ihren Bildschirm. »Einen davon sehe ich.«

»Ja, das bislang letzte Opfer. Das ist zweieinhalb Jahre her. Da sind ganz bestimmt noch mehr.«

»Du hast aber wirklich Langeweile.«

Laurie setzte einen kritischen Blick auf. »Ich hätte hier nicht so gern einen homosexuellen Serienmörder herumlaufen, der seine Opfer zu Tode foltert.«

»Ja, schon gut, zeig es mir nach der Mittagspause.«

Nachdem Laurie einen Blick auf die Uhr geworfen hatte, nickte sie. Das war ein Wort.

»Wie war es im Gericht?«, fragte sie, während sie aufstand.

»Ach, wie immer. Wüste Schlammschlachten zwischen Anklage und Verteidigung. Der Verteidiger ist ein fieser Scheißkerl, aber sowas beeindruckt mich ja nicht.«

Laurie nickte verstehend und folgte Jake in Richtung Kantine.

Jake hatte in der Verhandlung zu einem Fall ausgesagt, in dem die beiden am Jahresanfang die Kollegen von der Drogenfahndung unterstützt hatten. Laurie war ganz froh, dass sie nicht vor Gericht erscheinen musste, denn sie hasste solche Termine.

Sie setzten sich gemeinsam in eine ruhige Ecke der Kantine, und Jake erzählte ein wenig von den fiesen Fragen des Verteidigers, denen er geschickt ausgewichen war.

»Und du wühlst hier in kalten Fällen herum?«, leitete er anschließend zu ihr über.

»Ich kann ja jetzt schlecht rausgehen und jemanden erschießen, damit wir was zu tun haben.«

Jake grinste breit. »Da hast du wohl Recht. Und du glaubst, hier meuchelt ein Schwuler andere Schwule zur Triebbefriedigung?«

»Ungefähr so, ja. Die ersten Opfer scheint er noch freundlich angeflirtet und zu Fesselsex überredet zu haben, denn die hat er nicht vergewaltigt, die hat er nur ermordet. Bei Nummer drei sah das schon anders aus, den Mann hat er vor seinem Tod tagelang gefoltert.«

»Von welchem Zeitraum zwischen den Taten sprechen wir?«

»Der erste Fall ist sechs Jahre alt. Er steigert sich. Gerade versuche ich, weitere Fälle zu finden, denn nur zwei waren als zusammenhängend kategorisiert.«

»Den Zusammenhang hat noch niemand gesehen?«

»Nein, weil der Modus Operandi sich verändert. Außerdem sind die beiden Detectives, die in den ersten Fällen ermittelt haben, nicht mehr in unserer Abteilung.«

»Okay, das erklärt, warum das verstaubt«, sagte Jake und nickte nachdenklich. »Ich bin auf jeden Fall dabei, wenn du dir das ansehen willst. Vielleicht finden wir ja was.«

Nach der Mittagspause zeigte Laurie Jake ausführlich die drei Fälle, die sie bislang betrachtet hatte. Dabei merkte sie schnell, wie Jakes anfängliche Skepsis echtem Interesse wich.

»Und wie hast du den dritten Fall gefunden?«, fragte er schließlich.

»Ich habe nach ermordeten Männern unter zwanzig gesucht, die aus sexuellen Motiven heraus stranguliert wurden.«

»Okay … Und das war der einzige Treffer?«

»Hier in Phoenix, ja.«

»Gut. Wir sollten die Suche auf ganz Arizona erweitern – und die Altersgrenze etwas heraufsetzen, meinst du nicht?«

»Gute Idee. Ich wollte vorhin nur nicht von Fällen erschlagen werden.«

»Ja, schon klar. Aber ich denke auch, die Entwicklung ist erkennbar. Beim ersten Opfer kennen wir den Tatort nicht, beim zweiten schon, weil er sich da tatsächlich zu seinem Opfer in die Wohnung getraut hat. Er ist also selbstsicherer geworden. Beim dritten Opfer hat er es, wenn es derselbe Täter ist, ganz anders gemacht – er hat das Opfer entführt, irgendwo festgehalten und gefoltert. Er hat sich auch mehr Zeit genommen. Ich bin da ganz bei dir, er steigert sich.«

»Wir müssten jetzt bloß beweisen können, dass er es war, denn es gibt in keinem Fall DNA-Spuren. Er hat immer Kondome benutzt.«

»Das ist interessant, dann ist er vielleicht vorbestraft«, vermutete Jake.

»Oder er will sich keine Krankheiten einfangen.«

Jake nickte, während Laurie in VICAP eine neue Suche startete – mit denselben Kriterien wie zuvor, nur das Alter passte sie an. Prompt erschienen drei weitere Fälle auf dem Bildschirm von drei jungen Männern Anfang zwanzig, die vergewaltigt und stranguliert worden waren.

»Das hat keiner bemerkt?«, murmelte Jake überrascht.

»Den Zusammenhang, meinst du?«

Er nickte. »Vielleicht bin ich da jetzt besonders sensibilisiert, weil wir häufig Serientäter haben – aber danach guckt man doch, wenn man so ein Verbrechen auf dem Tisch hat.«

»Wer war denn da immer zuständig?«, fragte Laurie. Sie schauten in jede Fallakte und stellten fest, dass nur die ersten beiden Fälle, die Laurie gefunden hatte, bei denselben Ermittlern gelandet waren. Das war natürlich nie hilfreich. In allen anderen Fällen waren jeweils andere Detectives zuständig gewesen.

»Mal sehen, inwiefern die Fälle überhaupt passen«, murmelte Jake konzentriert. Gemeinsam studierten die beiden nacheinander alle Fallakten. Ein junger Mann namens Tyler Gilbert war vor vier Jahren entführt worden. Seine Mitbewohnerin hatte ihn als vermisst gemeldet, und er war in der Folgewoche gefoltert und ermordet unter einer Freewayüberführung gefunden worden. Auch er war nackt, und an seinem Leichnam war ersichtlich gewesen, dass der Täter ihm tagelang übel zugesetzt hatte, bevor er Tyler irgendwann stranguliert hatte.

»Das ähnelt sich schon sehr«, sagte Laurie. »Ich verstehe nicht, dass das niemandem aufgefallen ist.«

»Ich auch nicht.« Jake öffnete den nächsten Fall, den sie gefunden hatten. Samuel Gilligan, 23, war tot hinter Müllcontainern entdeckt worden – und der Täter hatte ihn grausam zugerichtet. Er hatte Samuel mit Säure geblendet, von seinen Augen war nicht mehr viel übrig. Beim Anblick der Fotos verzog Laurie angewidert das Gesicht.

Darüber hinaus hatte der Täter Samuel ebenfalls vergewaltigt, ihn ausgepeitscht, Zigaretten auf seiner Haut ausgedrückt und ihm unzählige feine Messerschnitte zugefügt. Das Ganze war einen Monat vor ihrem Umzug nach Phoenix passiert. Im Obduktionsbericht stand, dass zwischen Samuels Entführung und seiner Ermordung fast fünf Tage gelegen hatten.

»Das ist grauenhaft«, sagte Jake.

»Wir müssen diesen Täter kriegen. Und wenn es mehrere sein sollten, dann eben alle.«

Jake nickte bloß und öffnete die letzte Fallakte, die sie gefunden hatten. Brandon Wilkes, 21, war von seinen Eltern als vermisst gemeldet und wenige Tage später tot auf einer Baustelle gefunden worden. Ihn hatte der Täter zwar nicht mit Säure verätzt, aber er hatte ihm Gegenstände in den Gehörgang getrieben – den Vermutungen des Gerichtsmediziners zufolge einen Schraubendreher oder Ähnliches. Und das gerade so weit, dass er Brandon damit nicht getötet hatte. Dafür hatte er ihn ausgiebig gefoltert. Als Laurie beim Überfliegen des Obduktionsberichtes las, in welche weiteren Körperöffnungen der Täter Brandon irgendwelche Gegenstände eingeführt hatte, schüttelte es sie. Jake saß mit starrem Blick vor dem Bildschirm und schluckte.

»Das ist erst acht Monate her. Warum kennen wir den Fall nicht?«, überlegte Laurie.

»Weil wir da gerade mit den Jungs von der Drogenfahndung unterwegs und kaum hier waren.«

»Hm«, machte Laurie. Die restliche Vorgehensweise entsprach vollkommen dem, was sie von den anderen Opfern kannten.

»Das ist bizarr. Waren die Opfer denn alle schwul?«

Sie durchstöberten die Akten und fanden bald die Bestätigung für die Annahme: Der Täter hatte ausnahmslos homosexuelle Männer getötet.

»Und es gibt hier überhaupt keine Tatverdächtige?«

»Gute Frage … Ich denke, wir sollten mal mit allen Kollegen sprechen. Alle Fälle haben gemeinsam, dass die Männer mit einem Kabel oder einem ähnlichen Gegenstand stranguliert wurden, es ging immer um Sex, und der Täter hat jedes Mal ein Kondom benutzt. Die Vorgehensweise ist nicht bei allen identisch, aber das würde ich auf die Eskalation schieben, die typisch für diese Taten ist. Wir können nicht zweifelsfrei beweisen, dass in jedem Fall derselbe Täter verantwortlich war, aber ich gehe davon aus.«

»Wir könnten das notfalls einem Profiler vorlegen.«

Laurie nickte. »Vielleicht gibt es sogar noch mehr Fälle in ganz Arizona.«

»Das hoffe ich nicht …«

»Nein, ich auch nicht. Aber möglich wäre es. Ich befürchte in jedem Fall, dass dieser Täter noch aktiv ist. Der letzte Mord liegt noch nicht so lang zurück.«

»Die Abstände sind auch kürzer geworden. Vielleicht schlägt er bald wieder zu«, murmelte Jake. Die beiden tauschten einen besorgten Blick.

Zunächst gingen sie jedoch zu Captain Walters, die gerade über einem Bericht brütete, um sie über das in Kenntnis setzen, was ihnen aufgefallen war. Walters hörte ihnen gespannt zu und nickte immer wieder.

»Ich erinnere mich an diese Fälle. Sie sehen da einen Zusammenhang?«

»Beweisen können wir ihn nicht, aber auch nicht ausschließen.

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