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RACHE – Vertrauen ist tödlich

Inhalt

  1. Cover
  2. RACHE – Die Serie
  3. Über diese Folge
  4. Über den Autor
  5. Titel
  6. Impressum
  7. PROLOG
    1. MITTWOCH, 23. DEZEMBER
  8. 1 FREUNDE DER ITALIENISCHEN OPER
    1. VIERZEHN TAGE VORHER – MITTWOCH, 09. DEZEMBER
    2. DONNERSTAG, 10. DEZEMBER
  9. 2 DON TEGANO
  10. 3 FIDE, SED CUI, VIDE – TRAU, SCHAU, WEM
    1. FREITAG, 11. DEZEMBER
    2. SAMSTAG, 12. DEZEMBER
  11. 4 IM AUGE DES HURRIKANS
    1. SONNTAG, 13. DEZEMBER
    2. DONNERSTAG, 17. DEZEMBER
    3. FREITAG, 18. DEZEMBER
    4. DIENSTAG, 22. DEZEMBER
  12. 5 MÖRDER UND IHRESGLEICHEN
    1. MITTWOCH, 23. DEZEMBER
  13. 6 DIE RICHTSTÄTTE
  14. 7 SHOTGUN JINGLE BELLS
  15. 8 ABSOLUTION
  16. 9 HEILIGABEND
    1. HEILIGABEND. DONNERSTAG, 24. DEZEMBER
  17. Leseprobe

RACHE – Die Serie

Laura Stein ist eine Getriebene. Die junge Kommissarin ging als Jugendliche durch die Hölle und überlebte. Aber die Vergangenheit verfolgt sie bis heute. Unerbittlich jagt sie seit Jahren dem Gangsterboss Victor Hansen hinterher. Um ihn zu stellen, ist ihr jedes Mittel recht. Selbst wenn sie einen Mörder als V-Mann rekrutieren muss …

Über diese Folge

Laura ist einen Schritt weiter: Wolf soll wieder für Hansen arbeiten – aber dafür braucht der Gangsterboss das Okay der kalabrischen Mafia. Doch bald werden Anschläge auf Laura verübt. Und die Mafia verlangt einen Vertrauensbeweis von Wolf …

Über den Autor

J. S. Frank hat nach seinem Germanistik-Studium mehr als zwanzig Jahre für ein internationales Medien-Unternehmen gearbeitet. Seit 2013 ist er freier Autor mit einem ungebrochenen Faible für die anglo-amerikanische und französische Literatur. J. S. Frank ist ein Pseudonym des Autors Joachim Speidel, der mit seinen Kurzgeschichten bereits zweimal für den Agatha-Christie-Krimipreis nominiert war. RACHE ist bereits seine zweite Thriller-Serie bei »be«.

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VERTRAUEN IST TÖDLICH

Folge 3

PROLOG

MITTWOCH, 23. DEZEMBER

Laura Stein zählte fünf Männer mit Pumpguns. Die Männer unterhielten sich, grinsten, lachten, einer warf eine Zigarette zu Boden und trat sie aus, ein anderer bohrte in der Nase.

Eine lustige Männerrunde.

Nummer eins und zwei hielten ihre Pumpguns in der Armbeuge, die Finger nahe am Abzug, als hätten sie alle Zeit der Welt. Nummer drei und vier hielten sie wie Aktenkoffer in der Hand, die Gewehrläufe waren auf Laura gerichtet.

Nummer fünf hatte seine Pumpgun geschultert, als wollte er auf die Jagd gehen.

Dabei war die Jagd bereits beendet.

Und zur Strecke gebracht worden war sie, Laura.

Sie hatte keine Angst vor dem Tod. Sie hatte schon öfters mit dem Leben abgeschlossen gehabt. Sie war als Jugendliche durch die Hölle gegangen und wollte zu jener Zeit nur eins: sterben. Sie sehnte sich damals richtiggehend nach dem Tod, sie hoffte jeden Tag, er würde bald kommen und sie holen.

Doch sie war aus dieser Hölle befreit worden, hatte eine zweite Chance bekommen und wusste nicht recht warum. Sie hatte anschließend mehrfach Versuche unternommen, sich umzubringen, hatte blutige Furchen in ihre Handgelenke geschnitten, sie liebte den Schmerz und das Blut, das dick aus den Wunden herausquoll.

Sie hatte ein Gespür dafür entwickelt, wie es war, schwach und schwächer zu werden, wie die Sinne schwanden, wie sich eine unendliche Müdigkeit und Schwere, wie sich die große Leere in ihr ausbreitete.

Und das war auch gut so.

In diesen düsteren Momenten bedeutete ihr das Leben nichts. Es kam ihr wie ein Irrtum vor, ein Fehler der Schöpfung. Sie fühlte sich überflüssig, unnütz, ungewollt. Das Leben erschien ihr grau bis schwarz, als tägliche Tortur.

Und der Tod versprach ihr in diesen Augenblicken eine Erlösung von ihren Qualen.

Doch bis jetzt hatte sie immer, kurz bevor sie das Bewusstsein verlor, zu zweifeln begonnen. Was, wenn es etwas gab, für das es sich zu leben lohnte? Was, wenn doch mehr Farben als nur Grau oder Schwarz existierten? Was, wenn das Leben auch etwas Besonderes, etwas Außergewöhnliches, etwas Großartiges für sie bereithielt?

Sie hatte sich dann stets – sozusagen kurz vor Torschluss – fürs Leben entschieden, einfach um es noch einmal auszutesten.

Aber die ganze Austesterei würde nun bald ein Ende haben.

Ihre Handgelenke waren mit dickem Klebeband hinter ihrem Rücken zusammengebunden.

Sie kniete auf dem harten Fliesenboden.

Der Raum – eine ehemalige Kneipe. Der Name: WESTERN-CLUB. Schaler, abgestandener Biergeruch hing in den Wänden, in der abgegriffenen hölzernen Theke mit den abmontierten Zapfhähnen, in den kaputten Hängeschränken, in dem letzten Tisch, der einsam in die Ecke gerückt dastand.

Laura war hierhergebracht worden, als die Nachmittagssonne noch schien. Aber sie wusste nicht, wie viel Uhr es gerade war. Die Rollläden waren heruntergelassen, eine einzelne Neonröhre flackerte an der Decke.

Es war eisig kalt im Raum.

Von den Männern mit den Pumpguns stiegen bei ihren launigen Gesprächen kleine Atemwölkchen empor.

Die Männer warteten.

Laura wartete.

Ihre Knie schmerzten. Ihr Blick war auf die Tür gerichtet.

Sie öffnete sich.

Das Warten hatte ein Ende.