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Rebeccas Tagebücher (04) – Mein Meister

LISA RENEE JONES

Rebeccas Tagebücher

Mein Meister

Ins Deutsche übertragen

von Michaela Link

Zu diesem Buch

In Deep Secrets findet die junge Sara McMillan die erotischen Tagebücher einer Frau namens Rebecca. Deren Inhalt fasziniert und erschüttert sie gleichermaßen, und sie begibt sich auf die Suche nach der geheimnisvollen Frau. Doch während Sara sich dabei selbst in sinnliche Abenteuer mit zwei attraktiven Männern verstrickt, ahnt sie nicht, dass es Tagebücher gibt, die sie noch nicht gefunden hat – Tagebücher, die noch mitreißender und noch verhängnisvoller sind und die das Rätsel um Rebeccas Verschwinden endgültig lösen könnten …

Wer ist der dominante Mann, der Rebecca zu erotischen Erlebnissen verführt, von denen sie nie gedacht hätte, dass sie sie wagen würde?

MAI 2012, TAGEBUCH NUMMER …? (ES IST SO LANGE HER, SEIT ICH GESCHRIEBEN HABE, DASS ICH MICH NICHT ERINNERE.), EINTRAG NUMMER 1

Freitag, 4. Mai 2012

Sieben Uhr morgens

Als ich aufwachte, strömten mir Tränen übers Gesicht. Ich war in einem Traum gefangen gewesen und wusste nicht, wo ich mich befand … in einem Traum, oder war es ein Albtraum? Wie kann irgendetwas, in dem er vorkommt, ein Albtraum sein? Aber was sollte es sonst gewesen sein, wenn es mich so quält?

Ich stand nackt in den privaten Räumen meines Meisters, in einem Zimmer voller roter und weißer Rosen. Sie waren überall, ihr Duft süß und verführerisch, ein Geruch voller Romantik und Leidenschaft. Meine Haut war blass und zart, schöner, als je gewesen bin. Mein Haar fiel mir über die Schultern wie dunkle Seide. Ich fühlte mich nicht wie Rebecca Mason. Ich fühlte mich wie jemand anders. Wie jemand, der faszinierend und bedrückend sexy ist.

Er betrat den Raum und stand voll bekleidet vor mir. Es war Teil seiner Macht, dass er angezogen war und ich nackt. Mir gefiel seine Macht. Sie erregte mich. Sie entflammte mich. Von einem solchen Mann besessen zu werden, von diesem Mann, war alles, was ich wollte, alles, was ich ersehnte.

Er streckte die Hand aus. »Es wird Zeit.«

Nervöse Erregung durchzuckte mich. Ja. Ich werde die Seine sein. Und dann befand ich mich plötzlich an der Tür zu einem großen Raum mit einer achteckig geformten Bühne. Da waren theaterähnliche Sitze voller Menschen. Ich verspürte ein plötzliches Aufwallen von Panik, das Verlangen, mich umzudrehen und wegzurennen.

»Ich habe niemals öffentlich jemanden zu meinem Besitz erklärt«, sagte er leise und strich mir übers Haar. »Nur dich.«

Mir wurde eng in der Brust und flau im Magen. Dies war seine Art, mir Hingabe zu zeigen; vielleicht die einzige Art, auf die er das tun konnte. Er beanspruchte mich und bat um meine Zustimmung, es auch öffentlich zeigen zu können, und beide Dinge bedeuteten ihm etwas. Ich musste es für ihn tun, ganz gleich, wie unbehaglich mir dabei war.

Er trat vor und ging den Gang hinunter, der zur Bühne führte, und ich wusste, dass ich ihm folgen sollte, dass ich den Kopf gesenkt halten sollte. Ich war seine Sub, seine Sklavin, und er war ein angesehener Meister bei jenen, die er als ebenbürtig erachtete. Ich verstand die Dynamik, selbst wenn es für mich nicht leicht war, damit umzugehen, und zwar schon außerhalb jeglicher Öffentlichkeit. Es fiel mir schon schwer, wenn er weitere Menschen zu unseren Spielen dazuholte, was mehrmals passiert war.

Ich war froh darüber, den Kopf gesenkt zu haben, und erleichtert, nicht in die Augen derer schauen zu müssen, deren Blicke ich wie eine schwere, nasse Decke auf meiner Haut spürte. Ich wollte nicht, dass diese Menschen mich sahen. Ich wollte nicht, dass sie mich wollten, doch ich spürte die Lust und den Hunger jener, die mich beobachteten. Sie klammerten sich an mich. Sie erstickten mich.

Sobald ich auf der Bühne war, drehte er mich zu sich um, seine Hände glitten zu meinem Gesicht, sein Blick fand meinen. »Weißt du, wie stolz ich auf dich bin? Wie perfekt du bist?«

Der Raum um uns verschwamm. Da waren nur er und der Moment, in dem er mich zur Menge drehte und mich zu seinem Besitz erklärte. Dann drückte er auf meine Schultern, und ich wusste, dass ich mich hinknien und den Kopf senken sollte, die Hände ausgestreckt und flach auf dem Boden, wie er es mich gelehrt hatte. Die Menschen stellten sich in einer langen Reihe an und kamen auf die Bühne. Einer nach dem anderen berührten sie mein Haar, meinen Rücken, meine Arme. Ich konnte spüren, dass ich zitterte, und es lag nicht an der Erregung.

Wieder teilte er mich mit anderen, und es erschütterte mich bis ins Mark, aus welchem Grund auch immer, auch wenn die Regeln dieses Clubs besagten, dass es dazugehörte, damit ich öffentlich akzeptiert war. Ich versuchte, gegen das Beben anzukämpfen, das mich durchlief, aber ich konnte es nicht. Ich versuchte, nicht zu denken, aber es war nicht Schutz genug. Jede Berührung einer fremden Hand sandte einen weiteren Schauer über meinen Rücken, und meine Augen brannten, bis Tränen meine Wangen überströmten.

Und das war der Moment, in dem ich aufwachte, weinend, so wie ich im Schlaf geweint hatte. Der Duft von Rosen stieg mir in die Nase (unglaublich echt, obwohl er imaginär war), und mein Blick wanderte durch sein Schlafzimmer, wo ich jetzt seit Monaten mit ihm schlief. Ich brauchte einen Moment, um zu begreifen, wo ich war und warum ich allein war.

Er hatte die Stadt verlassen und würde bis Dienstag fort sein. Er, mein Geliebter, mein Meister und, so befürchtete ich, schon bald der Verursacher fürchterlichen Kummers. Das Bett war so leer ohne ihn, das Haus noch leerer, aber offensichtlich waren meine Gedanken und Träume es nicht. Sie waren erfüllt von einem wachsenden Gefühl des Unbehagens.

Ich bin jetzt im Wohnzimmer, seinem Wohnzimmer, eine Tasse brühheißen Kaffee neben mir, und der Fernseher läuft. Aber meine Bemühungen, den Kopf klar zu bekommen und die rasenden Gedanken zu unterdrückend, fruchten nicht. Jetzt zwinge ich mich zum ersten Mal seit Monaten, mehr zu tun, als willkürliche Gedanken hier und da aufzuschreiben, wie es meine Gewohnheit geworden ist. Manchmal habe ich nicht einmal das getan. Ich werde wieder anfangen aufzuschreiben, was ich fühle, und mich dem stellen, was mir zu schaffen macht.

Und ich weiß, dass mir viele Dinge zu schaffen machen. Die Albträume, in denen meine Mutter versucht, mich zu töten, sind seit einem Monat wieder da. Aber jetzt habe ich anscheinend beschlossen, ein wenig Abwechslung in die Sache zu bringen, und habe noch dazu Albträume von dem Mann, den ich liebe. Und der mich nicht liebt.

Da ist es. Keine weitere Analyse notwendig. Ein einziger Tagebucheintrag, und ich habe das Rätsel, das keines ist, gelöst.

Er. Liebt. Mich. Nicht.

Es ist so einfach, und doch ist es in so vieler Hinsicht kompliziert. Es beginnt schon bei der Tatsache, dass ich weiß, dass ich ihm auf eine Weise etwas bedeute, von der er glaubt, sie sei die ultimative Zurschaustellung von Zuneigung und Hingabe. Er glaubt einfach nicht an Liebe.

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Viel Spaß!



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