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Riskantes Geheimnis

Inhalt

  1. Cover
  2. Über die Reihe
  3. Über diese Folge
  4. Über die Autorin
  5. Titel
  6. Impressum
  7. Prolog
  8. 1
  9. 2
  10. 3
  11. 4
  12. 5
  13. 6
  14. 7
  15. 8
  16. 9
  17. 10
  18. 11
  19. 12
  20. 13
  21. 14

Über die Reihe

Tall, Dark and Deadly – die drei Walker Brüder führen erfolgreich ihre eigene Sicherheitsfirma »Walker Security«. Und obwohl die Brüder komplett unterschiedlich sind, haben sie doch eines gemeinsam: sie brennen für die Menschen, die sie lieben und sind gnadenlos, wenn sie für etwas kämpfen, an das sie glauben. Kein Fall ist ihnen zu schwer und keine Gefahr zu groß.

Über diese Folge

Riskantes Geheimnis

Er presste seine Lippen auf ihre, und ihr Kuss versprach Zärtlichkeit, Leidenschaft und noch so viel mehr – nämlich die Erfüllung ihrer geheimsten Wünsche.

Lindsey Paxton war einst die Spitzenverteidigerin in ganz New York, bis ein schwerer Schicksalsschlag sie dazu bracht ihren geliebten Beruf aufzugeben.

Als ihr Vater erkrankt, liegt es jedoch an Lindsey die Kanzlei weiterzuführen und ihr fällt nur ein Mann ein, der ihr dabei helfen kann: Spitzenanwalt Mark Reeves – ein Mann, der es wie kein anderer versteht ihre tiefsten Wünsche und Sehnsüchte zu entfachen.

Aber keiner von beiden ahnt, dass sie beobachtet werden – beobachtet von jemandem, der seine langgehegten Pläne nun endlich in die Tat umsetzen möchte… seine Pläne mit Lindsey.

»Riskantes Geheimnis« ist das Prequel zu der Reihe »Tall, Dark and Deadly« von Erfolgsautorin Lisa Renee Jones.

Über die Autorin

Lisa Renee Jones lebt derzeit in Colorado Springs. Sie veröffentlichte in den USA bereits über 40 Bücher und wurde mehrfach mit dem Genrepreis ausgezeichnet. Ihre Titel erscheinen regelmäßig auf den Bestseller-Listen der New York Times und der USA Today.

Prolog

Es war eine Schande, diese wunderbare Haut zu verletzen.

Sie lag nackt auf dem Bett, und ihre langen blonden Locken bedeckten ihre zarten Schultern. Die leuchtend rote Schramme auf ihrer linken Schulter störte ihn. Sanft legte er eine Locke ihres seidigen blonden Haars darüber, damit er sie nicht mehr sehen musste, denn schließlich sollte und musste sie perfekt aussehen.

Er trat einen Schritt zurück und betrachtete sein Werk. Langsam zog er die Mundwinkel nach oben, und da er nicht widerstehen konnte, strich er mit einem behandschuhten Finger über ihre elfenbeinfarbene Wange. Wie sie so blass und reglos dalag, wirkte sie wie eine Porzellanpuppe, die man nur für ihn arrangiert hatte.

Wunderschön.

Mit einem Mal wurde er ganz ruhig. Sein Werk war getan. Die Macht, die sein Erfolg mit sich brachte, war fast schon surreal, aber dennoch so lebendig, dass sie eine gewisse Euphorie mit sich brachte. Diese Frau war ein wahrer Höhepunkt gewesen, eine Herausforderung, bei der jeder Schritt einem geistigen Wettstreit entsprach. Sie hatte nicht um Gnade gebettelt und nicht gewinselt, als hätte sie von vornherein gewusst, was passieren würde. Als hätte sie geahnt, dass er kein Mitleid zeigen würde.

Der Kampf hatte elektrisierend auf ihn gewirkt und ihn mit jeder Bewegung ihres weichen zarten Körpers mehr und mehr erregt. Es war so herrlich, so perfekt gewesen, sie zu nehmen, dass er es in die Länge gezogen hatte. Ganz langsam hatte er sie erkundet, sie berührt, sich in ihr bewegt, dieses ungeheure Hochgefühl, sie zu besitzen, genossen.

Aber letzten Endes war sie doch nicht so perfekt gewesen, wie er anfangs erwartet hatte. Vielmehr hatte sie ihn enttäuscht, weil sie aufgegeben hatte. Ekel wallte in ihm auf, und er zog die Hand von ihrem Gesicht weg und erinnerte sich an seinen Zorn, als sie unter ihm erstarrt war. Das hatte dazu geführt, dass er vor lauter Wut immer weiter gegangen war und ihren zarten, schlanken Hals zugedrückt hatte.

Daraufhin folgte die Ruhe – die wie immer bittersüß war.

Er hatte gehofft, dass sie anders sein würde, sich jedoch geirrt. Aus diesem Grund hatte er ihre Bestrafung auch lange und schmerzhaft ausgeführt. Außerdem war sie eigentlich gar nicht die, die er wirklich wollte. Die eine, die er bald – schon sehr bald – besitzen würde. Er ballte die Fäuste und biss die Zähne aufeinander. Die Art, wie sie ihn verlassen hatte und nach Washington gegangen war, als wäre er überhaupt nicht wichtig, ärgerte ihn. Er hatte keine andere Wahl, keine andere Option , als zu versuchen, einen Ersatz für sie zu finden.

Denn sie war sein Licht, und ohne sie war alles Dunkelheit.

Langsam schloss er die Augen. Komm zu mir, Lindsey.

1

Lindsey Paxton blieb nichts anderes übrig, als nett zu dem Mann zu sein, der ihr das Leben zur Hölle machte.

Die Fahrstuhltüren öffneten sich in der einundzwanzigsten Etage, seiner Etage, und sie verließ die Kabine. Ein langer Flur lag vor ihr, und sie hatte das verstörende Gefühl, sie wäre in einem Alice-im-Wunderland-Film gefangen. Während sie auf der Suche nach dem richtigen Zimmer die schweren Eichentüren musterte, schien der Flur immer schmaler und niedriger zu werden. Eigentlich neigte sie gar nicht zu Nervosität, aber dieses ungute Gefühl in ihrem Bauch ließ sich einfach nicht ignorieren.

Ganz am Ende des Flurs entdeckte sie die Nummer seines Apartments und zwang sich, zur Beruhigung noch einmal tief Luft zu holen. Ihr war gar nicht bewusst gewesen, dass sie dieses Treffen mit Mark Reeves, dem ehemaligen Partner ihres Vaters, so nervös machte. Sie merkte es erst jetzt, als sie tatsächlich vor seiner Tür stand.

Es würde einen entscheidenden Einfluss auf ihr Leben haben, ob sie ihn davon überzeugen konnte, die Leitung der Anwaltskanzlei ihres Vaters zu übernehmen. Sie wollte so sehr, dass Mark das machte, damit sie es nicht tun musste.

Dadurch befand sie sich in einer schwierigen Lage, was sie nicht leiden konnte. Hoffentlich war er vernünftigen Argumenten zugänglich. Lindsey drückte schnell auf die Klingel, und während sie auf die Antwort wartete, schienen sich die Sekunden ewig hinzuziehen. Ungeduldig klingelte sie noch mal. Weitere Sekunden verstrichen, und sie bekam noch immer keine Antwort. Das konnte doch nicht sein, dass sie einmal quer durch das Land gereist war und dann ausgerechnet in dem Moment vor seiner Tür stand, wo er nicht zu Hause war.

Er musste einfach da sein.

Als sie erneut die Hand hob, um anzuklopfen, wurde die Tür aufgerissen. Lindsey taumelte vor Schreck einen Schritt nach vorne, streckte die Hand aus, um sich irgendwo abzustützen, und legte sie auf eine sehr harte, sehr maskuline Brust. Sie sah erschreckt auf und stellte fest, dass ein Mann, bei dem es sich nur um Mark Reeves handeln konnte, auf sie herunterblickte. Ein teuflisches Grinsen umspielte seine sinnlichen Lippen, während sein Blick auf die Stelle fiel, an der Lindsey ihn berührte. Sie wurde vor Scham puterrot, riss die Hand weg und machte einen Schritt nach hinten, als hätte er sie geschlagen.

»Ich … Entschuldigung«, hörte sie sich mit einer Stimme stammeln, die gar nicht wie ihre eigene klang.

Mark lehnte sich mit einer Schulter gegen den Türrahmen, stellte einen Fuß vor den anderen und verschränkte die Arme vor seiner nur mit einem T-Shirt bekleideten Brust. Seine lässige Haltung schien sein gutes Aussehen noch weiter zu unterstreichen. Er sah aus wie ein junger James Dean, wie er so großspurig und maskulin dastand.

Dabei war er ihrer Meinung nach eine attraktive Verkörperung des Teufels.

Hätte er die Anwaltskanzlei ihres Vaters nicht verlassen, könnte sie jetzt in Washington sein, wo sie hingehörte. Stattdessen war sie hier in Manhattan und suchte verzweifelt nach einem Weg, um wieder nach Hause zu kommen.

Mark musterte sie abschätzend. »Haben Sie geglaubt, indem Sie Sturm klingeln, würde ich schneller an die Tür kommen?« Seine Stimme klang gelassen, aber auch leicht amüsiert. Und sein Blick war sehr aufmerksam, als er sie von Kopf bis Fuß interessiert musterte.

Sie hatte sich genau überlegt, was sie zu diesem Anlass anziehen sollte, und sich für ein enges weißes langärmliges Kostüm entschieden. Es wirkte feminin, aber nicht aufreizend. Der Rock endete einige Zentimeter über den Knien, und das hatte sich beim Anziehen gar nicht zu kurz angefühlt, doch als Mark sie jetzt so musterte, kam es ihr so vor. Der Blazer wurde mit einem Reißverschluss geschlossen, den sie jedoch ein Stück weit aufgelassen hatte, um einen schönen Ausschnitt zu haben. Marks Blick wanderte allerdings über ihren Oberkörper, als hätte sie mehr enthüllt als verborgen.

Sie hatte irgendwie den Eindruck, dass er sie aus der Fassung bringen wollte, würde ihm diese Genugtuung jedoch auf keinen Fall geben. Trotz seines durchbohrenden Blicks gelang es ihr, ihm kühl und sachlich zu antworten. »Ich habe nicht Sturm geklingelt, aber als Sie nicht aufgemacht haben, dachte ich, Ihre Klingel wäre kaputt.«

Er kniff die Augen zusammen. »Ist Ihnen gar nicht der Gedanke gekommen, ich könnte nicht zu Hause sein?«

»Eigentlich nicht.« Sie winkte ab. »Und Sie sind ja auch da.«

Als sie sein hellbraunes Haar musterte, das für einen seriösen Anwalt etwas zu lang war, ging ihr durch den Kopf, dass er kein allzu förmlicher Mensch sein konnte. Die Worte »normal« und »folgsam« gehörten definitiv nicht zu jenen, mit denen man Mark Reeves beschreiben würde.

Er verzog leicht die Lippen zu einem Lächeln. »Sie sind wirklich hartnäckig, das muss ich Ihnen lassen. Eigentlich wollte ich die Tür gar nicht aufmachen.«

»So leicht gebe ich nicht auf.« Sie holte tief Luft. »Nicht wenn es um eine so wichtige Sache geht. Ich muss mit Ihnen reden.«

Mark sah sie einen Augenblick lang an und schien jeden Zentimeter ihres Gesichts und ihres Körpers zu begutachten. Es gelang ihr nur mit Mühe, still stehen zu bleiben. Unter seinem Blick fühlte sie sich förmlich nackt. Er war weitaus attraktiver, als sie erwartet hatte. Was nicht bedeutete, dass sie nicht schon sehr viele attraktive Männer gesehen hätte. Aber Mark hatte etwas an sich, dass sie faszinierte.

»Die Fotos werden Ihnen nicht gerecht«, sagte er nach einigen Augenblicken mit vielsagendem Unterton.

»Was?«, fragte sie überrascht. »Was denn für Fotos? Wissen Sie, wer ich bin?«

Seine Augen schienen noch amüsierter zu glitzern. »Sie denken doch nicht etwa, ich hätte fünf Jahre für Ihren Vater arbeiten können, ohne jemals von seiner erstaunlichen Tochter Lindsey zu erfahren?«

Lindsey verzog das Gesicht. Seine Stimme klang sarkastisch, das gefiel ihr gar nicht. »Davon hatte ich keine Ahnung. Er und ich …« Sie stockte und schalt innerlich mit sich, dass sie überhaupt versuchen wollte, ihre Beziehung zu ihrem Vater zu erklären. »Ist ja auch egal«, fuhr sie fort, und ihre Stimme klang jetzt hart wie Stahl. »Jedenfalls muss ich mit Ihnen reden. Kann ich kurz reinkommen?«

»Ich werde Ihnen die Mühe ersparen. Sie können Ihrem Vater sagen, dass meine Antwort Nein lautet.« Sein Tonfall klang eiskalt und entschlossen, und sein Blick wurde kalt.

Das war kein guter Anfang. Er schien immer noch wütend auf ihren Vater zu sein. Sie musste ihn unbedingt dazu bringen, sie in seine Wohnung zu lassen, damit sie ihm ihr Anliegen vortragen konnte. Arrogante, herrische Männer wie ihn – und Gott allein wusste, dass sie schon mit viel zu vielen davon zusammengearbeitet hatte – musste man mit Samthandschuhen anfassen. Dies war nicht der richtige Zeitpunkt, um ihm den Grund für ihren Besuch zu verraten. Wenn er sie endlich in seine Wohnung lassen würde, um alles in Ruhe zu besprechen  – dann sähe die Sache anders aus.

Doch bisher hatte sich Mark im Türrahmen noch nicht von der Stelle bewegt. Entweder hatte er gar nicht vor, sie hineinzubitten, oder er wollte, dass sie ihn darum bat. Sie sah ihm direkt in die Augen und gab ihm so zu verstehen, dass sie erst gehen würde, wenn er sie angehört hatte.

»Mister Reeves«, begann sie und passte ihren Tonfall an seinen an, doch er fiel ihr ins Wort.

»Sagen Sie doch Mark«, meinte er etwas sanfter und lächelte. Doch dieses smarte, umwerfende Lächeln schien seinen seltsamen Stimmungswandel nur noch zu unterstreichen. »›Mr Reeves‹ höre ich schon oft genug im Gerichtssaal.«

Sie schürzte die Lippen und stellte fest, dass dieser Mann viel zu anziehend auf sie wirkte, als gut für sie war. Vor allem, da sie im Grunde genommen Feinde waren. Warum nur fühlte sie sich dann derart zu ihm hingezogen? »Okay.« Sie hielt kurz inne. »Mark«, fügte sie dann mit besonderer Betonung hinzu. »Mein Vater würde es überhaupt nicht gutheißen, dass ich hier bin, aber ich habe meine eigenen Gründe dafür.«

Sie starrten einander in die Augen. In seinen, die geheimnisvoll und dunkel waren, flackerte Neugier auf, verschwand jedoch schnell wieder, und sein Gesicht wurde zu einer ausdruckslosen Maske. »Tja, dann sollte ich Sie wohl lieber hereinbitten.« Seine Stimme klang leicht spöttisch. »Aus irgendeinem Grund interessiert es mich, warum Sie hier sind«, meinte er grinsend.

Sie biss sich auf die Unterlippe, um die spitze Anwort zurückzuhalten, die sie beinahe ausgesprochen hätte. Mark machte einen Schritt zur Seite und winkte sie mit einer übertrieben galanten Bewegung herein. Lindsey ergriff ihren Aktenkoffer und betrat die Wohnung. Sie ging hinter Mark mehrere Stufen hinunter zu einem tiefer gelegenen Wohnzimmer und sah sich um, da sie sich durch die Einrichtung Rückschlüsse auf seinen Charakter erhoffte.

Eine komplette Wand bestand aus einer Fensterfront, durch die man einen atemberaubenden Ausblick auf die Skyline von Manhattan hatte. Lindsey ging zu der schmalen, modernen schwarzen Ledercouch, von der aus man hinaussehen konnte, und setzte sich.

Die ganze Wohnung strahlte Reichtum, Luxus und einen verwöhnten Lebensstil aus. Nicht dass sie ihm das verdenken konnte. Es hat eine Zeit in ihrem Leben gegeben, in der ihr diese Dinge auch wichtig gewesen waren. Doch es war eine gute Entscheidung gewesen, die Partnerschaft in der Anwaltskanzlei ihres Vaters auszuschlagen. Gut, jetzt hatte sie nicht mehr so viel Geld wie zuvor, aber dafür immerhin noch ihre Selbstachtung.

Das war ihr weitaus wichtiger als materielle Dinge.

Mark ging zu der schicken Bar auf der rechten Seite des Raums. »Möchten Sie etwas trinken?«

»Nein, danke.« Sie sah ihn nicht an, sondern blickte auf die Stadt hinaus. »Eine beeindruckende Aussicht«, stellte sie fest, da sie einfach nicht anders konnte. Sie musste sich eingestehen, dass sie diese Stadt vermisste, die die Sinne anregte und die Seele streichelte.

Wie hatte sie die Verlockung, die New York auf sie ausübte, nur vergessen können?

Sie spürte seinen Blick und wusste, dass er sie betrachtete. »Danke«, erwiderte er. »Hier kann ich am besten nachdenken.«

Lindsey drehte sich um und beobachtete, wie er sich einen Whiskey einschenkte. Nun hatte sie zum ersten Mal die Gelegenheit, ihn genauer in Augenschein zu nehmen. Er hatte eine befehlsgewohnte Art an sich und wirkte sehr selbstsicher. Jetzt kam er um die Bar herum und mit dem Drink in einer Hand auf sie zu. Seine Jeans schmiegte sich an seine kräftigen, muskulösen Beine, und sein weißes T-Shirt betonte seine schlanke Taille und seine breiten Schultern. Der Bartschatten an seinem eckigen Kinn hatte dieselbe Farbe wie seine etwas zu langen hellbraunen Haare und verlieh ihm etwas Rebellisches. Die Frau in ihr konnte nicht anders, als widerstrebend zuzugeben, dass er mit seiner frechen Art und seinem guten Aussehen einfach verdammt sexy wirkte.

Mark ließ sich ihr gegenüber in einen breiten Ledersessel sinken und lehnte sich entspannt zurück. Er nippte an seinem Drink und starrte sie dann an. »Warum sind Sie hier, Lindsey?«

Sie seufzte und versuchte, sich ihre Anspannung nicht anmerken zu lassen. »Sie wissen vermutlich, dass mein Vater Krebs hat?«

»Ja, das weiß ich«, erwiderte er mit emotionsloser Stimme und ohne jegliches Mitgefühl.

»Sie sind derjenige, den er sich als Nachfolger für die Kanzlei herangezogen hat.« Das war keine Frage, sondern eine Feststellung. Sie wussten beide, dass dem so war. Er war eingestellt worden, um die Rolle zu übernehmen, die sie nicht hatte haben wollen.

Er legte den Kopf leicht schief. »Wobei die Betonung auf der Vergangenheitsform liegen sollte.« Er hielt inne und fügte dann hinzu: »Eigentlich hat er sich nur dafür entschieden, weil Sie gegangen sind. Sie waren immer seine erste Wahl.«

Sie räusperte sich und setzte sich aufrechter hin. »Ich weiß, wie es ist, mit meinem Vater aneinanderzugeraten. Ihr Zerwürfnis ist für mich daher sehr gut nachvollziehbar.«

»Dann verstehen Sie es also im Prinzip«, sagte er mit vor Sarkasmus triefender Stimme.

Lindsey suchte in seinem Gesicht nach einem Hinweis auf seine Stimmung. Seine aristokratischen Gesichtszüge ließen ihn irgendwie unnahbar wirken. Sie sprach absichtlich mit sanfterer Stimme weiter. »Ich weiß, wie schwierig mein Vater sein kann.« Allein wenn sie von ihm sprach, verkrampfte sie sich schon, und sie konnte nur hoffen, dass man ihr das nicht anmerkte.

Er beugte sich vor und stützte die Ellbogen auf die Knie, während er das Glas mit einer Hand festhielt. »Es ein Zerwürfnis zu nennen, wäre eine Untertreibung, Lindsey. Edward ist ein sehr schwieriger Mann.«

Ihr Abwehrmechanismus sprang an, auch wenn ihr selbst schleierhaft war, wieso sie plötzlich das Bedürfnis verspürte, ihren Vater zu verteidigen. »Dasselbe sagt man auch von Ihnen.«

Mark zog die Augenbrauen hoch. »Wie meinen Sie das?«

Sie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. »Sie haben da einen gewissen Ruf.« Er war bekannt dafür, im Gerichtssaal wie eine Kobra mit einem tödlichen Biss zu reagieren, wenn man ihn verärgerte. Von seinem Privatleben kannte sie nur die Gerüchte, dass er sehr zurückgezogen lebte und nur selten jemanden an sich heranließ.

»Das haben Sie bestimmt von Ihrem Vater gehört.« Seine Stimme klang verächtlich.

»Ach, bitte. Ich habe in den letzten Jahren so gut wie nie mit meinem Vater gesprochen. Ihr Ruf geht weit darüber hinaus.« Wie sie vermutet hatte, war er ein durchaus würdiger Gegner, mit dem sie nur zu gern vor Gericht die Klingen gekreuzt hätte. Aber da sie nie wieder einen Gerichtssaal betreten würde, war das natürlich ein Ding der Unmöglichkeit.

Er sah sie eine Weile schweigend an. Sie zweifelte nicht daran, dass er von seinem Ruf wusste, und vermutete, dass er sogar stolz darauf war. »Es muss sich ganz schön rumgesprochen haben«, erwiderte er. »Soweit ich weiß, leben Sie doch in Washington, richtig?«

»Ich habe in Washington gelebt und hoffe darauf, bald wieder zurückkehren zu können.« Daher hatte sie ihn ja auch aufgesucht. »Momentan habe ich mich aufgrund der Krankheit meines Vaters beurlauben lassen.«

»Sie sind beim FBI, richtig?«, erkundigte er sich, als wollte er seine Erinnerung auffrischen.

»Das ist korrekt.«

»Haben Sie nicht auch eine Zeit lang hier vor Ort in einer Spezialeinheit gearbeitet?«

Lindsey antwortete nicht sofort darauf. Sie senkte den Blick, als sie vor ihrem inneren Auge Bilder der schrecklichen Verbrechen sah, die sie untersucht hatte. Sie hatte ihrer Karriere als Anwältin den Rücken zugewandt, um den Turbulenzen und der Bürokratie des Rechtssystems zu entrinnen. Aber dadurch hatte sich ihr Leben verschlechtert. Aufgrund ihrer Erfahrung in der Verbrechensbekämpfung war sie prädestiniert für kriminaltechnische Ermittlungen, und in einer Stadt wie New York gab es in dieser Hinsicht mehr als genug zu tun. Daher hatte sie die erste Gelegenheit genutzt, um sich in die Abteilung zur Terrorismusbekämpfung versetzen zu lassen.

»Lindsey?«

Sie riss sich zusammen und versuchte, ihren finsteren Gedanken zu entfliehen. Als sie zu Mark hinübersah, stellte sie fest, dass er sie anstarrte.

Etwas in seinen Augen bewirkte, dass sie auf einmal Schmetterlinge im Bauch hatte. Zwischen ihnen schienen die Funken zu fliegen, auch wenn sie nicht verstand, warum das so war. Aber es war deutlich spürbar. Sie verdrängte das Gefühl. »Ja, entschuldigen Sie. Genau, ich war und bin beim FBI. Nur dass ich mich heute mit der Terrorismusbekämpfung beschäftige. Kein Blut, keine Leichen, kein Absperrband mehr.« Sie hätte die Worte am liebsten sofort wieder zurückgenommen, aber sie waren ihr über die Lippen gekommen, bevor sie es merkte. Dabei ging es diesen Mann überhaupt nichts an, was sie über ihren Job dachte.

»Dann haben Sie viele Gewaltverbrechen gesehen?«

»Hier war das an der Tagesordnung. Die Polizei hat uns immer als Verstärkung hinzugerufen. In dieser Stadt ist das der Normalfall.«

Er musterte sie noch einen Augenblick und sah aus, als wollte er weiter nachfragen. »Erzählen Sie mir von meinem Ruf«, bat er sie stattdessen.

Sie zog eine Augenbraue hoch und warf ihm einen vielsagenden Blick zu, während sie ihm innerlich für den Themenwechsel dankte. »Sie wollen, dass alle nach Ihrer Pfeife tanzen.« Sie verkniff sich ein Grinsen, denn trotz ihres missbilligenden Tonfalls respektierte sie seinen Erfolg und die Methoden, mit denen er ihn erreichte. Er war nicht unehrlich oder hinterhältig, sondern nur wahnsinnig ehrgeizig, und gewann ehrlich und ohne miese Tricks.

Marks Lippen umspielte ein selbstsicheres Lächeln. »Ich gewinne gern, falls Sie darauf anspielen, und ich habe nur wenig Geduld mit Hindernissen.«

»Und mein Vater war ein Hindernis«, erkannte sie mit tonloser Stimme. Doch noch während sie die Worte aussprach, begriff sie, dass sie keinen Sinn ergaben. Welche Hindernisse hätte ihr Vater Mark denn schon in den Weg legen sollen? Zwar war ihr Vater manches Mal unmöglich und neuen Gedanken oder Methoden gegenüber nicht besonders aufgeschlossen. Doch Mark hatte vielleicht einfach die Nase voll von seinen Eigenheiten gehabt.

Lindsey schlug die langen Beine übereinander und beobachtete, wie Marks Blick von ihrem Rocksaum zu ihren Pumps und wieder nach oben wanderte. Eigentlich hätte sie beleidigt sein sollen … aber sie stellte fest, dass ihr auf einmal ganz warm wurde. Sie schluckte schwer. Es schien eine Ewigkeit her zu sein, dass sie zum letzten Mal einen Mann begehrt hatte. Warum musste sie ausgerechnet jetzt auf Mark so reagieren?

»Hören Sie mir mal gut zu, Lindsey.« Seine Stimme klang jetzt anders, und sie hörte, dass er beschlossen hatte, ihr die Sache zu erklären. »Seine Prioritäten waren völlig durcheinandergeraten. Anfangs dachte ich noch, er wäre bloß abgelenkt und würde sich wieder fangen, aber das geschah nicht. Ihr Vater hat seinen Geschäftssinn verloren. Ich nehme meine Arbeit sehr ernst. Es gibt Dinge, mit denen ich mich abgebe, und andere, die ich nicht tolerieren kann. Es gibt Ablenkungen und es gibt Hindernisse. Ablenkungen können einem eine dringend benötigte Pause bescheren, während Hindernisse Fortschritte erschweren.« Er hielt inne und schien hin- und hergerissen zu sein, ob er weitersprechen sollte, fügte dann aber hinzu: »Und Ihr Vater wurde zu einem Hindernis.«

Auch wenn sie seinen Standpunkt verstehen konnte, änderte das nichts an ihrer Position. »Er ist nicht länger dazu in der Lage, ein Hindernis darzustellen.«

Mark schüttelte den Kopf. »Er ist noch immer ein Hindernis, das ich nicht überwinden kann, und das wissen Sie genau. Durch ihn würde ich nur unnötig leiden, und ich bin einfach nicht mehr bereit dazu. Gut, dass Sie Anwältin sind, Lindsey. Er wollte schon immer, dass Sie in seine Fußstapfen treten und seinen Posten übernehmen. Jetzt können Sie genau das tun.«

»Ich bin keine Anwältin mehr«, erwiderte sie entschieden.

»Ich weiß, dass Sie weiterhin dazu berechtigt sind und Ihre Lizenz nie zurückgegeben haben.«

Sie runzelte die Stirn und fragte sich, woher er das wusste. »Das habe ich nur aus Bequemlichkeit nicht getan.«

»Haben Sie etwa Angst, Sie hätten Ihren Biss verloren?« Die Worte kamen leise aus seinem Mund, büßten dadurch aber nichts an ihrer schmerzhaften Wirkung ein.

Lindsey spürte, wie ihre Gefühle aufloderten, und ignorierte seine Frage. »Ich will die Kanzlei nicht. Begreifen Sie das denn nicht?«

Er blickte sie seelenruhig an. »Sieht ganz so aus, als hätten Sie keine andere Wahl.«

Sie atmete tief ein und wieder aus. »Mr Reeves …«, begann sie, aber er fiel ihr ins Wort.

»Mark«, korrigierte er sie.

Sie knirschte mit den Zähnen. »Mark, ich möchte, dass Sie die Kanzlei übernehmen.«

Er sah sie einen langen, angespannten Augenblick mit unergründlicher Miene an. Lindsey wünschte sich, sie könnte diesen Mann durchschauen. Es ärgerte sie ungemein, dass es ihm gelang, seine Gedanken vor ihr zu verbergen, auch wenn sie noch so sehr versuchte, ihn zu durchschauen. Kein Wunder, dass er vor Gericht so großen Erfolg hatte.

Mark schüttelte den Kopf. »Das steht nicht zur Debatte.«

Lindsey versuchte gar nicht erst, ihre Verärgerung zu verbergen. »Warum nicht?«

Seine Antwort kam wie aus der Pistole geschossen. »Ich brauche keinen Grund dafür. Sagen wir einfach, Edward und ich sind uns in zu vielen Dingen uneins.«

»Und die wären?«, wollte sie wissen und versuchte, sich ihre Verzweiflung nicht anmerken zu lassen.

Mark hob sein Glas, leerte es und stellte es dann auf den Tisch. »In Bezug auf Klienten, Angestellte, was immer Ihnen einfällt. Wir waren einfach nie einer Meinung.«

Sie versteifte sich, da sie immer verzweifelter wurde und sich dafür hasste. »Was wäre, wenn ich Ihnen sage, dass er mir die vollständige Kontrolle über die Kanzlei übergeben hat und ich bereit bin, sie Ihnen zu überlassen?« Lindsey suchte in seinem Gesicht nach einer Reaktion, aber er gestattete ihr nicht einmal einen kleinen Hinweis auf das, was unter der Oberfläche schlummerte.

Seine Antwort war kurz und ließ seine Gedankengänge nicht erkennen. »Warum sollten Sie das tun?«

»Ich will die Kanzlei nicht«, beharrte sie. »Ich habe einen Job in einer anderen Stadt.«

Sein Blick schien sie zu durchbohren, und das Schweigen hielt so lange an, dass es schon unangenehm wurde. »Sind Sie noch immer so durcheinander wegen des Hudson-Falls, Lindsey?« Seine Stimme enthielt weder Spott noch Anschuldigung, sondern klang rein sachlich.

Schon wenn sie den Namen Hudson hörte, bekam sie eine Gänsehaut. Ihr Sieg vor Gericht hatte dazu geführt, dass der Mann für nicht schuldig erklärt wurde und eine weitere Frau umbringen konnte. Das war das letzte Mal, dass sie einen Gerichtssaal als Anwältin betreten hatte. Wenn es eine Sache gab, die Mark nur ansprechen musste, um sie aus der Ruhe zu bringen, dann war es dieser Fall, der ihre Karriere beendet hatte. Indem er sie daran erinnerte, beschwor er all die Albträume wieder herauf.

Und dann tat er das noch mit einer Stimme, die sanft und vertraulich klang. Viel zu vertraulich … und seine Worte deuteten an, dass er viel zu viel wusste. Sie wurde stinksauer. Ihr gefiel seine schnelle Ablehnung ihres Angebots ebenso wenig wie die Art, wie er sie musterte und ihre Schwäche sofort erkannt hatte.

Lindsey stand auf, ging zum Fenster, blickte auf die Stadt hinaus und versuchte, sich wieder zu beruhigen und ihre Gefühle wieder in den Griff zu bekommen. Sie war sich nicht einmal sicher, was sie auf diese Bemerkung erwidern sollte, daher stand sie einfach nur gedankenverloren da und bekam keinen Ton heraus.

»Lindsey?«

»Ja?«, fragte sie, ohne sich umzudrehen. Sie spürte eher, als dass sie hörte, wie er hinter sie trat, aber sie starrte weiterhin aus dem Fenster. Er stand jetzt so dicht hinter ihr, dass sie seinen warmen Atem im Nacken spüren konnte. Seltsamerweise beruhigte sie seine Nähe. Das war doch widersinnig, schließlich hatte er doch erst dieses Thema angesprochen, das sie derart aufregte. Außerdem kannte sie den Mann kaum.

»Es war nicht Ihre Schuld«, sagte er, und sie konnte ihm anhören, dass er das auch so meinte.

Ihr Vater hatte genau dieselben Worte schon viel zu oft gesagt. »Ich habe ihm den Freispruch beschafft, und dann musste ein anderer Mensch sterben. Er hat erneut getötet, und es war meine Schuld.«

Sie spürte Marks Hände auf ihren Schultern. Die Berührung überraschte sie, fühlte sich aber irgendwie auch richtig an. Er drehte sie zu sich um, und sie widersetzte sich nicht. Sie stand ganz still und fürchtete sich vor dem, was sie empfand: den übermächtigen Drang, sich an ihn anzulehnen.

»Sie haben Ihren Job gemacht.«

Seine Worte klangen beinahe so, als wollte er sie beschützen. »Einen Job, den ich nicht länger machen will«, sagte sie und presste die zitternden Lippen aufeinander.

Er strich sich mit einer Hand durch das Haar, drehte sich dann um und ging zur Couch, wo er mit dem Rücken zu ihr stehen blieb. Der seltsame Drang, die Hand nach ihm auszustrecken und ihn an sich zu ziehen, wurde beinahe übermächtig. Im Grunde genommen war er ein Fremder für sie, daher war es verrückt, dass sie in seiner Nähe sein wollte.

Dann drehte sich Mark wieder zu ihr um. »Ich bin Verpflichtungen eingegangen, nachdem ich die Paxton Group verlassen hatte, Lindsey.«

»Ich zahle jeden Preis, den Sie verlangen«, erklärte sie und schöpfte wieder Hoffnung. »Mein Vater hat Geld.«

Mark schüttelte den Kopf. »Ich will Ihr Geld nicht. Die Erde zwischen mir und Edward ist viel zu verbrannt.«

Sie wagte einen verzweifelten Versuch mit logischen Argumenten. »Er kann längst nicht mehr arbeiten. Uns beide verbindet keine gemeinsame Geschichte, und ich bin meinem Vater überhaupt nicht ähnlich.«

Er kniff die Augen zusammen. »Ja, das glaube ich Ihnen, aber ich kann trotzdem nicht zurückkommen.«

Lindsey schlang die Arme um ihren Oberkörper und drehte sich wieder zum Fenster um. Das Brennen in ihren Augen verriet ihr, dass er darin Tränen erkennen würde, aber das wollte sie ihn nun wirklich nicht sehen lassen. Beinahe rechnete sie schon damit, dass er erneut hinter sie treten würde, aber das tat er nicht. Wenn sie die Enttäuschung und das irrationale Verlangen, das sie spürte, richtig deutete, war sie anscheinend gerade dabei, den Verstand zu verlieren.

Nach einigen Augenblicken des Schweigens hatte sich Lindsey wieder gefasst und drehte sich erneut zu Mark um. Er stand noch immer an derselben Stelle wie zuvor. Ihre Worte klangen leise und gezwungen. »Er hat da diesen Fall. Williams heißt der Mann. Er hält ihn für unschuldig. Die ganze Sache ähnelt dem Hudson-Fall, sehr sogar.« Sie hielt inne, kniff die Augen zusammen und holte tief Luft. Dann zwang sie sich, ihn anzusehen. »Ich ertrage das einfach nicht«, gab sie zu und schüttelte den Kopf. »Daddy sagt, er würde den Fall niemandem außer mir anvertrauen, aber ich kann das einfach nicht.«

»Sie könnten ihn doch immer noch einem der angestellten Anwälte übertragen«, schlug er vor.

Sie sah ihn mit hoffnungsvollem Blick an. »Und wen schlagen Sie da vor?«

Er musterte sie einige Sekunden lang und schüttelte dann den Kopf. »Das war eines meiner Probleme mit Edward: die Auswahl seiner Partner. Ich kann nicht einen einzigen von ihnen empfehlen.«

Sie sprach aus, was ihr durch den Kopf ging, auch wenn es halb an sie selbst gerichtet war. »Dieser Fall wird Aufmerksamkeit erregen. Es könnte dem Firmennamen schaden, wenn der zuständige Anwalt dabei Fehler macht.«

»Ja.« Er seufzte. »Hören Sie, Lindsey, Sie waren damals gut genug und sind es auch heute noch.« Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: »Bei Paxton gibt es einige ganz gute Anwälte, aber nicht für derartige Fälle.«

»Begreifen Sie denn nicht, dass ich das nicht machen will? Ich kann diesen Fall nicht übernehmen.«

Irgendwie glaubte sie, dass er das verstehen könnte. Er kam auf sie zu und durchschaute sie allein aufgrund ihres ähnlichen Werdegangs besser, als es vielen anderen Menschen je möglich war. Direkt vor ihr blieb er stehen. Er war so nah. Die Anziehungskraft, die so warm und beunruhigend war, ließ die Luft zwischen ihnen knistern und lodern. Lindsey gab sich die größte Mühe, diese verrückte Begierde, die sie in seiner Nähe spürte, zu ignorieren. Und doch … Sie wusste, dass er sie küssen wollte, und war sich nicht sicher, ob sie ihn davon abhalten würde.

Wo war die Frau geblieben, die problemlos Nein sagen konnte und niemals ihre Gefühle zeigte?

***

Diese Frau hatte etwas an sich, das ihm unter die Haut ging. Von außen wirkte sie so zäh, und doch lauerte unter der Oberfläche so viel Schmerz. Er wollte sie so gern berühren, sie in den Armen halten. Als sie ihm in die Augen sah, schimmerten darin ihre Emotionen zusammen mit den nicht vergossenen Tränen.

Irgendwie wusste er, dass sie ihm gerade einen einzigartigen Blick hinter ihre Fassade gewährt hatte und dass das etwas war, was nur wenigen zuteilwurde.

Er streckte eine Hand aus und hob ihr Kinn an, auch wenn er wusste, dass er sie eigentlich nicht anfassen durfte, doch er konnte einfach nicht anders. »Ich wette, dass der Blick aus diesen grünen Augen im Gerichtssaal messerscharf die Luft durchschneiden kann.« Sein Blick fiel auf ihre vollen Lippen. Sie sahen so weich aus und wirkten, als müssten sie unbedingt geküsst werden. Er konnte sich nicht daran erinnern, wann er zuletzt einer Frau begegnet war, die seine Sinne derart durcheinanderbrachte. Und jetzt stand er hier und dachte darüber nach, Lindsey Paxton zu küssen, die Tochter seines Expartners.

Eine Frau, die viel zu enge Verbindungen zu einer Welt hatte, in die er nie wieder zurückkehren wollte.

»Das war vor langer Zeit«, sagte sie, und ihr Blick wirkte so verträumt, als würde sie sich an diese Zeit erinnern.

Mark wickelte spielerisch eine ihrer langen blonden Locken um einen Finger. Lindsey sog die Luft ein, als wäre sie schockiert. Er glaubte jedoch nicht, dass sie das war. Sie beide spürten diese seltsame Spannung, die zwischen ihnen in der Luft hing.

Er schenkte ihr ein sanftes Lächeln und versuchte, sich davon zu überzeugen, dass er sie in Ruhe lassen musste. »Sie sind sehr dickköpfig. Vielleicht sind Sie Ihrem Vater in mancher Hinsicht ähnlicher, als Sie denken.«

Sie kniff die Augen zusammen und konterte: »Falls dem so ist, dann ähneln Sie ihm ebenfalls.«

Mark lachte unwillkürlich auf. »Aber Sie sind viel interessanter als Ihr Vater.«

Dann überraschte sie ihn mit einer direkten Bitte. »Werden Sie mir helfen, Mark?«

Er zögerte. Aus irgendeinem verrückten Grund wollte er ihr tatsächlich helfen. Doch er hatte weder Zeit noch Lust, sich mit Paxton abzugeben, auch wenn es ihn durchaus reizte, sich länger mit Lindsey zu beschäftigen. Er verdrängte diesen irrationalen Gedanken. »Ich habe auch Verpflichtungen.«

Sie legte ihm eine Hand auf den Arm, und er spürte, wie verzweifelt sie war. »Mark, ich kann diesen Fall nicht übernehmen. Ich kann das einfach nicht. Mir ist durchaus bewusst, dass Sie mich nicht kennen und keinen Grund haben, mir zu helfen, aber ich brauche Sie wirklich sehr.«

Mark konnte einfach nicht anders. Ihm gefiel es, diese Worte aus ihrem Mund zu hören. Wie vielen Männern hatte sie wohl jemals gesagt, dass sie sie brauchte? Er vermutete, nicht einem einzigen. Seine Männlichkeit bekam dadurch unglaublichen Auftrieb, und er bekam immer größere Lust, die Herausforderung anzunehmen. Doch er versuchte, die Hitze, die in ihm aufstieg, in Schach zu halten. Er strich mit einem Finger über ihre Wange, obwohl er das eigentlich gar nicht beabsichtigt hatte. Sie schloss die Augen, und er wusste, dass sie seine Berührung genoss und nicht etwa dagegen ankämpfte.

Er beugte sich vor und raunte ihr ins Ohr: »Sie brauchen mich wirklich, was?«

Lindsey schlug die Augen auf, und sie sahen einander lange, angespannte Augenblicke an. Doch diese Sekunden hatten nichts mit dem Geschäftlichen, sondern nur mit ihrer gegenseitigen Anziehungskraft zu tun. »Ja, das tue ich«, flüsterte sie. »Ich brauche Sie.«

Der Anflug eines verführerischen Grinsens stahl sich auf sein Gesicht. Sie schaute rasch weg, als wollte sie ihre Gefühle verbergen. »Ich muss zugeben, dass Sie mich in Versuchung führen«, murmelte er, und seine Worte hatten nichts mit Paxton zu tun. Er wollte sie so sehr küssen, dass es ihn beinahe umbrachte. Aber das konnte er nicht tun, und das wusste er auch. Sie war Edwards Tochter. Und sie wollte etwas von ihm, das er ihr nicht geben konnte. »Aber ich kann nicht wieder zurückkommen«, fügte er bedauernd hinzu.

Lindsey lief rot an und machte einen ruckartigen Schritt nach hinten. »Verdammt noch mal, mein Vater liegt im Krankenhaus. Haben Sie denn kein Herz?«, fuhr sie ihn an.

Die Stimmung kippte zu Marks Missfallen. In der einen Minute wollte er sie noch küssen, nur um in der nächsten von ihr verflucht zu werden. Doch er konnte nicht verhindern, dass ihn ihre Worte ärgerlich machten. »Meinem Ruf zufolge habe ich wohl keins.«

Ihre Wangen wurden vor Wut noch dunkler. »Haben Sie nach all den Jahren denn nicht das Gefühl, der Firma etwas zurückgeben zu müssen?«

Wenn sie doch nur Vernunft annehmen würde. Er wurde immer aufgebrachter. »Mein Pflichtgefühl der Firma gegenüber hat in dem Augenblick aufgehört, in dem ich gekündigt habe.«

Sie starrte ihn mit mordlustiger Miene an. »Verdammt noch mal, Mark Reeves!«

»Mit Schreien kommen Sie bei mir auch nicht weiter«, entgegnete er und war wütend, weil sie so viel von ihm erwartete, und gleichzeitig sauer auf sich selbst, weil er sich so sehr zu ihr hingezogen fühlte. Er hätte das Ganze bereits im Hausflur beenden sollen. »Gut, dass Sie diese Taktik nicht vor Gericht einsetzen.«

»Mich überrascht, dass Sie so viele Fälle gewonnen haben, Mark.« Sie wurde immer giftiger und entsprach mehr und mehr dem Bild, das er sich nach allem, was man ihm bei Paxton erzählt hatte, von ihr gemacht hatte. Sie hasste es, einen Kampf zu verlieren. Zumindest hatte er das gehört. »Anscheinend ziehen Sie den Schwanz ein, wenn es ernst wird.«

Mark sagte nicht sofort etwas dazu. Auf diese Weise kamen sie ohnehin nicht weiter. Er sah keinen Sinn darin, sich noch weiter in einen hitzigen Streit verwickeln zu lassen. Wenn zwei Menschen, die gern gewannen, ein Wortgefecht begannen, kam selten etwas Sinnvolles dabei heraus. Sie würde ihren Ausbruch später bestimmt bereuen. Es wurde Zeit, die Sache zu beenden.

»Ich glaube nicht, dass ich derjenige bin, der hier den Schwanz einzieht.« Seine Stimme war leise und enthielt keinen Zorn, sondern nur die Wahrheit. Aber die Wirkung war umso beeindruckender.

Lindsey zuckte bei seiner Bemerkung zurück. Er sah, wie sich die widersprüchlichsten Gefühle auf ihrem Gesicht abzeichneten, und wusste, dass er ins Schwarze getroffen hatte. Sie hatte die Fäuste so fest geballt, dass sie die Nägel in ihre Haut bohrte. »Ich wollte eigentlich nie Anwältin werden und habe nur meinem Vater zuliebe Jura studiert«, verteidigte sie sich.

Er schüttelte den Kopf, da er wusste, dass sie mit Leugnen auch nicht weiterkäme. Lindsey musste sich ihrer Vergangenheit stellen. Warum er wollte, dass sie darüber hinwegkam, wusste er selbst nicht genau. Sie hatte ihn überhaupt nicht zu interessieren. Verdammt noch mal, er hatte sie doch eben erst kennengelernt.

»Das glaube ich nicht«, erklärte er entschieden. »Sie waren viel zu gut darin, als dass Sie das nur für Ihren Vater getan haben können.«

Sie verschränkte die Arme vor der Brust, ihre Haltung nun abwehrend und defensiv. »Woher wollen Sie das denn wissen? Sie waren damals noch gar nicht in der Firma, und Sie kennen mich überhaupt nicht.«

Er seufzte laut. »Wieder falsch. Ich kenne Ihre Fallakten und weiß ganz genau, wie gut Sie sind. Und ich sehe Ihren Kampfgeist in Ihren Augen, ob es Ihnen nun gefällt oder nicht. Sie gewinnen gern, und genau das jagt Ihnen Angst ein. Sie fürchten, dass Ihr Siegeswille der Grund dafür war, dass dieses Mädchen sterben musste. Sie haben Angst bekommen und gekündigt.« Jetzt neckte er sie nicht mehr, da er den Ernst der Lage durchaus erkannte. Irgendjemand musste doch dafür sorgen, dass sie diese Tatsache begriff.

In ihrer Miene sah er widersprüchliche Gefühle miteinander ringen. Als er diese Zerrissenheit sah, hätte er seine Worte am liebsten zurückgenommen. Dann sah sie wütend aus – ein weiterer Abwehrmechanismus. Sie warf ihm einen zornigen Blick zu und atmete hörbar aus, während sie um Fassung rang. »Sie sind ein Arschloch Mark Reeves. Daddy hatte recht.« Sie sprach leise und schrie nicht mehr, aber man konnte ihr ihren Abscheu deutlich anhören.

Dann drehte sie sich auf dem Absatz um und stürmte in Richtung Tür. Auf halbem Weg blieb sie noch einmal stehen. Er sah sie fragend an, sagte aber nichts. »Mein Aktenkoffer.«

Mark ging zur Couch, hob den Koffer hoch und gab ihr somit zu verstehen, dass sie ihn sich schon abholen musste. Er konnte nicht anders und musste sie einfach ärgern. Sie war derart entrüstet weggestürmt, und jetzt musste sie ihm noch einmal ins Gesicht sehen. Mit geradem Rücken und hoch erhobenem Kopf marschierte sie auf ihn zu und wollte nach ihrem Koffer greifen, doch er zog ihn weg. Sie sah aus, als würde sie ihn am liebsten umbringen.

»Sie geben sehr schnell auf, Lindsey. Ich bin wirklich enttäuscht.« Er wollte sie herausfordern. Das Feuer in ihren Augen gefiel ihm.

»Ich gebe nicht leicht auf«, spie sie wütend aus. »Ich analysiere und fechte nur die Kämpfe aus, die sich lohnen. Laut meiner Analyse ist dieser keiner davon.«

Mark legte den Kopf in den Nacken und lachte schallend. »Das tat weh. Sehr gut, Frau Anwältin.«

»Nennen Sie mich nicht so, und geben Sie mir meinen Koffer«, verlangte sie.

Er lachte so heftig, dass es ihr gelang, ihn zu überraschen und ihm den Koffer zu entreißen. In dem Augenblick, in dem sie ihn in der Hand hielt, drehte sie sich auch schon wieder zur Tür um. Als sie dort angekommen war, rief er ihr hinterher: »Vielleicht bleiben Sie ja nächstes Mal etwas länger.«

Sie drehte sich nicht noch einmal um. Stattdessen riss sie die Tür auf, stürmte hinaus und knallte sie hinter sich wieder zu. Mark liebte ihre Sanftheit, ihre Wut, ihren Schneid und, ja, auch ihre Intelligenz. Das alles vereinte sich zu einer verlockenden Kombination, die ihn viel zu sehr in Versuchung führte.

Er bedauerte, dass sie sich vermutlich nie wiedersehen würden. Wenn die Dinge anders gestanden hätten, dann wäre er zu gern das Wagnis eingegangen und hätte erkundet, was zwischen ihnen in der Luft lag.

Aber das ging bei dieser Sachlage nun einmal nicht. Sie war Edwards Tochter. Damit war der Fall abgeschlossen. Das Problem war nur, dass er das eigentlich gar nicht wollte. Leise fluchend fuhr er sich mit dem rechten Zeigefinger über die Bartstoppeln an seinem Kinn. Lindsey hatte in ihrem Flehen überzeugend gewirkt, sehr überzeugend sogar. Mark erinnerte sich noch daran, dass er sich die Akten des Hudson-Falls durchgelesen hatte, kurz nachdem er bei Paxton eingestiegen war. Lindsey hatte in dem Fall hervorragende Arbeit geleistet, und doch war ihr aus dem Resultat nichts als Schmerz erwachsen.

Er hatte momentan mehrere Beraterjobs, die er nicht aufgeben konnte. Doch er war nicht so viel beschäftigt, wie er Lindsey hatte glauben lassen. Ein Beraterjob war bei Weitem nicht so anstrengend wie die Bearbeitung eines Falls. Da er nicht anders konnte und seine Neugier geweckt war, ging er in sein Arbeitszimmer, schaltete das Licht ein und steuerte direkt auf den Computer zu.

Ein paar Nachforschungen hinsichtlich des Hudson- und des neuen Williams-Falls konnten schließlich nicht schaden.

Um sein Erinnerungsvermögen aufzufrischen, ging er zuerst ein paar Informationen über den älteren Fall durch. Hudson hatte die ganzen Jahre über behauptet, unschuldig zu sein und dass ihn jemand hereingelegt hatte. Selbst jetzt, wo er eine lebenslange Haftstrafe absaß, nachdem er dem Todesurteil knapp entronnen war, hielt er an seiner Aussage fest.

Lindsey hatte ihn vor Gericht vertreten. Ihm waren vier Vergewaltigungen vorgeworfen worden, von denen er jedoch freigesprochen wurde. Die Verbrechen passten auf ein bestimmtes Profil, und erschreckenderweise hatten die Frauen alle wie Lindsey ausgesehen: Sie waren blond, klein und hatten lange Haare. Er konnte sich gut vorstellen, dass sie das nervös gemacht haben musste. Ein solcher Fall, der im Licht der Öffentlichkeit stand, war anstrengend, und wenn dann noch so ein kleines Detail dazukam, ging einem das schon an die Substanz.

Mark las sich seine Notizen durch und erinnerte sich nach und nach an die Einzelheiten. Gerade mal zwei Wochen nachdem Hudson entlassen worden war, wurde eine weitere Frau, auf die das Profil der vorherigen Taten passte, angegriffen. Aber dieses Mal brachte der Täter sie um.

Hudson wurde wegen dieses Verbrechens verhaftet und später verurteilt, aber Lindsey hatte sich geweigert, ihn noch einmal zu verteidigen. Mark sah vom Computerbildschirm auf und presste die Finger gegen die brennenden Augen. Er erinnerte sich dunkel daran, mit Edward über die Umstände von Lindseys plötzlichem Rückzug aus dem Anwaltsberuf gesprochen zu haben. Sie gab sich selbst die Schuld für den Tod der Frau. Nach allem, was er über die angespannte Beziehung der beiden wusste, konnte er sich denken, dass sie auch ihren Vater beschuldigt hatte.

Mark las sich ein paar Artikel durch, die er über Williams finden konnte. Nachdem er einige Minuten damit verbracht hatte, schob er seinen Schreibtischstuhl zurück und hatte ein äußerst mulmiges Gefühl. Irgendetwas stimmte hier nicht. Dieser Fall war nahezu identisch mit dem von Hudson. Selbst die Opfer sahen genauso aus.

Sie sahen aus wie Lindsey.

2

Er hatte so lange auf ihre Rückkehr gewartet.

Und jetzt war sie wieder da. Gerade, als er geglaubt hatte, er müsste ihr folgen, kam sie zu ihm zurück.

Sein Plan war aufgegangen. Indem er die Geschichte wiederholt hatte, war es ihm gelungen, sie nach Hause zu locken. Nun hatte sie die Gelegenheit, frühere Fehler zu korrigieren. Die Chance, ihn zu fangen. Weil er wusste, dass sie ihn ebenso wollte wie er sie.

Niemand sonst hatte sich als clever genug erwiesen, um sein kleines Versteckspiel zu durchschauen. Nur Lindsey hatte das geschafft. Sie hatte gewusst, dass Hudson unschuldig war, und dachte dasselbe über Williams.

Manchmal war er wütend, weil sie ihm derart viel Schmerzen bereitet hatte. Aber er versuchte, nicht darüber nachzudenken. Die Art, wie sie ihn verlassen hatte, brach ihm noch immer beinahe das Herz. Doch er hatte sich geschworen, das Ausmaß seiner Verzweiflung zu verdrängen. Denn jetzt war sie wieder hier zu Hause bei ihm, wo sie hingehörte.

Oh, wie er ihre Aufmerksamkeit vermisst hatte. Denn Lindsey war seine Seelenverwandte. Sie war die Frau, die wusste, wie man ihn finden konnte, und die ihn vervollständigte.

Vorerst reichte es ihm aus, sie zu beobachten und ihr zuzusehen, wie sie in Aktion trat. Doch schon bald würden sie zusammen sein.

Und die Dunkelheit um ihn herum würde zu Licht werden.

***

Lindsey stieg aus dem Taxi und ging über den betonierten Parkplatz des Krebszentrums. Die Aussicht, ihren Vater zu besuchen, deprimierte sie jedes Mal. Sie hatte ihn seit ihrer Rückkehr erst einmal gesehen und, wenn sie ihn abends anrief, stets die viele Arbeit als Ausrede vorgebracht. Doch nachdem sie sich an diesem Morgen dazu gezwungen hatte, Fallakten durchzugehen, war sie auf einen verstörenden Trend gestoßen.

Ihr Vater hatte Klienten angenommen, die ihre Rechnungen nicht bezahlen konnten. Das ergab bei einem Mann, dessen größte Motivation schon immer das Geld gewesen war, überhaupt keinen Sinn.

Als sie auf den Gebäudekomplex zuging, fragte sich Lindsey, ob sie ihrem Vater erzählen sollte, dass sie sich mit Mark getroffen hatte, entschied sich aber dagegen. Über einen Ersatz für Mark zu sprechen, schien ihr eine noch schlechtere Idee zu sein. Aber irgendwann in naher Zukunft würden sie dieses Gespräch führen müssen. Lindsey traf ihren Vater im Park der Klinik an, wo er im Schatten einer großen Ulme saß.

Sobald er sie entdeckte, lächelte er. »Hallo, Lindsey. Was für eine Überraschung. Schön, dass du hergekommen bist.«

Lindsey beugte sich zu ihm hinunter und küsste ihn auf die Wange. Es verblüffte sie immer wieder, dass er so tat, als hätte es die drei Jahre, in denen sie kein Wort miteinander gewechselt hatten, nie gegeben. Sie zwang sich, ihn anzulächeln. Dieser Ort erinnerte sie immer an den Autounfall ihrer Mutter, die kurz darauf gestorben war, und wie sie an ihrem Krankenbett darum gebetet hatte, dass sie sich wieder erholte.

»Wie geht es dir, Daddy?«

Während sie auf seine Antwort wartete, nahm sie ihn genauer in Augenschein. Die Krebsbehandlung hatte ihn merklich in Mitleidenschaft gezogen. Sein Haar wurde schütter, und er war sehr dünn geworden. Bei ihrem letzten Besuch hatte sie nur wenige graue Strähnen auf seinem Kopf gesehen, doch inzwischen war sein Schopf komplett silbern.

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