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Ronan: Die Suche nach dem magischen Kristall

Sanfte - Brise.de

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Die Seite wird in Kürze verfügbar sein.

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Gefühl in ihren Alltag transportiert.

VORWORT

Ich danke besonders meinem Mann, meiner guten Freundin Tanja und meinen Eltern, die mir mit viel Geduld und Einsatz geholfen haben

und meinen Katzen für die schnurrende Unterstützung besonders meiner

kleinen Triniti - vielen Dank.

Das Buch soll dem Leser ein paar schöne Stunden bereiten.

Lege dir sanfte Musik ein, nimm dir einen Kaffee oder Tee kuschel dich auf die Coach oder bei schönem Wetter in den Liegestuhl. Tauche für eine Weile in Ronans Welt ein - viel Spass.

EIN FRÜHSOMMERTAG

Der Nachtwind weht durch die unbefestigten Gassen des Dorfes. Eine getigerte Katze schleicht, satt von der erfolgreichen Jagd, nach Hause. Ein leises Geräusch weckt kurz ihre Aufmerksamkeit, sie bleibt stehen und schaut sich um, keine Gefahr. Beruhigt springt sie auf den Rahmen des scheibenlosen Fensters des derzeit unbenutzten Schafstalls und verschwindet. Hier im Stroh warten ihre Jungen, hier wird sie den Tag verschlafen.

Das Geräusch hat Josh verursacht, als er mit Nepomuk, seinem Hund, aus dem Haus seiner Eltern schleicht, um sich auf den Weg in die nächste Stadt zu machen. Es ist noch dunkel, seine Fackel wirft einen schwachen Lichtschein auf den Weg vor ihm. Die Bewohner des kleinen, kaum mehr als zwei Dutzend Häuser zählenden Dorfes Tolnar, schlafen noch. Es ist ruhig, nur der Wind ist zu hören.

Tolnar liegt in einem weiten Flusstal, ein Stück vom kleinen Flüsschen Tole entfernt.

Die kleinen Holzhäuser und Hütten drängen sich dicht an dicht auf einer leichten Erhebung zusammen. Das Dorf liegt dadurch ein wenig oberhalb des Flusses.

Das reicht normalerweise, um das Frühjahrshochwasser, von Mensch und Tier fern zu halten. Zu dieser Jahreszeit ist die Tole reißend und wild, das Wasser ist schlammig und trüb. Der mitgeführte Schlamm stammt aus den naheliegenden Bergen, er düngt jedes Jahr die Wiesen und Felder.

Die Menschen stellen sich seit Urzeiten auf diese jahreszeitliche Besonderheit ein. Die Aussaat auf den Feldern beginnt erst, wenn das Wasser wieder abgeflossen ist.

Die übrige Zeit des Jahres führt der kleine, langsam fließende Fluss kristallklares, kaltes Wasser.

Das fruchtbare Flusstal ist in Felder aufgeteilt, diese sind durch Wildfruchthecken und Obstbäume abgegrenzt. Die Bewohner des Dorfes werden so mit Obst und Wildfrüchten wie Hagebutten und Nüssen, sowie mit Feuerholz versorgt.

So entsteht eine vielseitige, liebliche Landschaft, durch die sich der Weg schlängelt, der Josh und seinen Hund zum Fluss führt.

Die Jungen des Dorfes machen sich einen Spaß daraus, Forellen mit der Hand zu fangen. Die Fische gehören dem Fürsten Isegund, das Fangen ist daher verboten. Wird von der Garde des Fürsten jemand mit einer Angel oder seinem Fang angetroffen, muss der Fisch abgegeben werden. Zusätzlich gibt es eine heftige Tracht Prügel. Die Gardisten dürfen sich ausleben, manch einer wurde halb totgeschlagen, viel zu riskant. In einer Zeit, in welcher der Fürst das Gesetz verkörpert, sollte sich niemand der Willkür der Gardisten aussetzen.

Die Fische mit der Hand zu fangen erfordert keine verräterische Angel. Aus diesem Grund ist es sehr beliebt, es ist ein richtiger Wettbewerb entstanden.

Der dürftige Speiseplan der armen Dorfbewohner wird so heimlich etwas aufgebessert.

Das Tal wird auf der Flussseite, auf der das Dorf liegt, von einem sehr steilen, bewaldeten Hang begrenzt, hier endet der Besitz des Fürsten. Auf der anderen Seite ist der Hang nicht ganz so steil, aber höher. Hier ist der Wald gerodet, auf den so entstandenen, steilen Wiesen grasen die Schafe, Ziegen und Schweine der Dorfbewohner. Rinder und Pferde gibt es in Tolnar nicht, die Menschen sind zu arm.

Oberhalb des Tales gehört das Land auch auf dieser Seite nicht mehr zum Dorf, die Ländereien werden von einem anderen Ort bewirtschaftet. Ein Ausweichen in schlechten Zeiten ist deshalb nicht möglich.

Der älteste Sohn des Schreiners, Josh, ist früh aufgebrochen. Er soll die Waren der Schreinerei auf dem Markt in der nahegelegenen Stadt verkaufen. Besen, Bürsten und Schemel sind auf einer Kiepe verzurrt, diese trägt Josh auf dem Rücken. Ein Fußmarsch von drei Tagen liegt vor ihm. Es ranken sich schaurige Geschichten um den großen Wald, den Josh durchqueren muss und die Wesen die dort angeblich hausen. Auch Diebe, Gesindel und wilde Tiere, machen die Reise gefährlich.

Josh ist ein junger Mann, Mitte zwanzig, er ist schlank, fast mager. Seine hellen, blau-grünen Augen sind warmherzig und lebhaft, sie bilden einen interessanten Kontrast zu den dunkelbraunen, glatten Haaren. Das lange, ungeschnittene Haar, wird im Nacken von einem Lederband zusammengehalten.

Joshs Hemd ist hellgrau, es hat keinen Kragen, vorne ist eine Zierblende eingearbeitet. Am Hals wird diese von einer Schlaufe und einem kunstvoll geschnitzten, kleinen Holz verschlossen. Diese kurzen Hölzer besitzen mittig zwei Löcher und sind aufgenäht. Durch die Schlaufe gezogen, die auf der anderen Seite festgenäht ist, dienen sie als Verschluss und Schmuck zugleich.

Die Hose und die Jacke sind braun, aus groben Leinen gefertigt. Im Sommer läuft jedermann barfuss natürlich auch Josh, dass schont die teuren Schuhe.

Die Familie ist sehr arm, ein Umstand den zu akzeptieren sich Joshs Mutter schwer tut. Sie achtet deshalb sehr auf gutes Benehmen, Sauberkeit und ordentliche Kleidung.

Joshs Leben ist langweilig, es passiert nie etwas Aufregendes in Tolnar. Sein Besuch auf dem nahe gelegenen Markt, sowie der Hin- und Rückweg, sind eine willkommene Abwechslung, wenn auch nicht ohne Gefahr.

Josh weiß nicht genau, was er eigentlich will. In seinem Leben soll etwas Aufregendes passieren, aber was?

Eines weiß er aber sicher, so wie es vorbestimmt scheint, soll sein Leben nicht verlaufen.

Als ältester Sohn des Schreiners, erwartet jeder von ihm, dass er später einmal der Dorfschreiner wird, so wie sein Vater es heute ist und er eines der Mädchen aus dem Dorf heiratet.

Na ja, es sind schon nette Mädchen dabei, aber nicht DIE eine.

Die Tochter des Bäckers zum Beispiel, sicher sie ist eine gute Partie, aber das Schönste an ihr ist ihr Name „Gisell“. Sie ist sehr korpulent, nicht gerade attraktiv und dazu noch dumm. Josh findet allerdings, für ein ganzes Leben zu zweit, reicht der schöne Name alleine nicht aus.

Dann gibt es noch die Tochter des Hirten, Athene, sie ist kaum eine gute Partie, aber hübsch. Nur der Charakter lässt sehr zu wünschen übrig, sie ist ein Biest. So hätte er noch fortfahren können, es ist zum Auswachsen.

Josh aber wünscht sich ein Mädchen, dass ehrlich zu ihm steht und ihn nicht heiratet, weil auch er, im Verhältnis, eine ganz gute Partie ist. Schön sollte sie natürlich sein, liebreizend und freundlich. Das Mädchen seiner Träume ist schlank, hat langes, blondes Haar und ein fröhliches Lachen.

Er würde sie, hinten auf seinem Pferd sitzend, mitnehmen und mit ihr im Sommerwind am Fluss entlang reiten. Ein schöner Traum eben, perfekt in jeder Hinsicht.

Josh wünscht sich nämlich auch ein eigenes Pferd, vollkommen abwegig für einen einfachen Mann wie ihn, unerreichbar, aber wünschen darf man sich ja vieles.

Seine Großmutter hatte zuweilen gesagt, das seien nur Träumereien, das Leben werde ihn schon noch eines Besseren belehren. Dabei hatte sie verschmitzt gelächelt.

Josh hat kein leichtes Leben, sein Vater bevorzugt eindeutig seine jüngeren Geschwister. Josh kann sich das nicht erklären. Der Vater ist ihm gegenüber unsicher und streng. Josh bemüht sich solange er denken kann, um die Anerkennung seines Vaters. Der Schreiner ist ein eher grobschlächtiger Mann, der wenig Verständnis für das sensible Wesen seines Sohnes aufbringen kann.

Die Mutter dagegen sieht ihn oft verträumt an, besonders wenn sie glaubt er merke es nicht.

Sobald sie gewahr wird, dass er ihren Blick bemerkt hat, ist auch sie besonders streng. Er versteht das nicht.

Gedankenverloren ist er bis zum Flüsschen gelaufen, es wird bereits hell, Josh löscht die Fackel.

Es führt eine Furt durch den Fluss, das Wasser ist hier nur knietief. Josh krempelt die Hosenbeine hoch. Nepomuk, sein Hund, ist bereits ins Wasser gesprungen und paddelt zum anderen Ufer.

Das Wasser ist eisig, als Josh hinein steigt erfasst ihn ein Schauer. „Brrr, ist das kalt“, ruft er erschrocken.

Nach einigen Sekunden empfindet er das Wasser als angenehm erfrischend, er hat sich an die Kälte gewöhnt. Der Boden ist mit weichem Sand bedeckt, dieser quillt beim Laufen angenehm zwischen den Zehen hervor.

Wieder ans Ufer gestiegen, krempelt er die Hosenbeine herunter und Nepomuk schüttelt das Wasser aus seinem Fell. Die Tropfen fliegen in hohem Bogen nach allen Seiten und glitzern in der Morgensonne. Nepomuk ist ein schlanker, kräftiger Hund, er ist ca, 70cm gross und hat mittellanges leicht gewelltes goldbraunes Fell.

Vom anderen Ufer der Tole schaut Josh aus einiger Entfernung zurück Richtung Dorf.

Der Wind bläst ihm kräftig ins Gesicht. Er bringt den würzigen Duft nach Kräutern und Blumen mit sich, der für den Frühsommer typisch ist. Die ersten Sonnenstrahlen vertreiben die dunklen Schatten der Nacht.

Es verspricht ein schöner Tag zu werden, der Himmel ist nahezu wolkenlos. Die Hähne im Dorf begrüßen den Tag, ihr Krähen ist deutlich zu hören. Bald wird geschäftiges Treiben das Dorf mit Leben erfüllen.

Das liebliche Bild, das sich Josh aus der Ferne bietet, täuscht über die wahre Lage im Dorf hinweg.

Nachdem das übliche Frühjahrshochwasser abgeflossen war, wurden die Felder bestellt. Doch dann vernichtete ein heftiges Unwetter mit Hagel die jungen Pflanzen auf den Feldern, nicht nur im Flusstal, sondern in der ganzen Gegend. Darauf folgten abermals starke Niederschläge, mit einem zweiten Hochwasser, das sein Übriges tat. Das Wasser stieg ungewöhnlich hoch, das Tal erlaubte der Tole keine weitere Ausdehnung. Im Dorf entstand schwerer Schaden.

Die Menschen und ihr Vieh haben sich für Tage auf den Dächern zusammengedrängt, um nicht zu ertrinken. Die Umstände waren schlimm, das Wasser floss nur sehr langsam wieder ab, es war durch Fäkalien und die Kadaver ertrunkener Tiere verschmutzt, eine übelriechende Brühe. Da auch der Brunnen überflutet war, stand kein anderes Trinkwasser zur Verfügung.

Als Folge breitete sich eine schlimme Krankheit aus, die Erkrankten bekommen hohes Fieber und Schüttelfrost, das Schlimmste ist aber, in kürzester Zeit sind sie vollkommen entkräftet.

Mehrere Bewohner des Dorfes sind an dieser Auszehrung bereits gestorben, auch der Dorfvorsteher war darunter, seither fehlt den Menschen die Person, nach der sie sich richten können. Die Krankheit macht keinen Unterschied zwischen alt und jung, Mann und Frau, alle sind in Gefahr.

Auch Joshs Großmutter und zwei seiner jüngeren Geschwister sind erkrankt, niemand weiß, ob sie sich erholen werden.

Aus diesem Grund ist Josh auf dem Weg in die nächste Stadt. Früher im Jahr als gewöhnlich soll er die Waren der Schreinerei verkaufen. Der Vater hofft, so etwas Geld zu verdienen um den Heiler bezahlen zu können.

Es ist ungewöhnlich für einen Schreiner auch Besen herzustellen, aber die Zeiten erfordern dies. Die zu erwartende Hungersnot zwingt dazu vorzusorgen. Joshs Vater ist ein tüchtiger Geschäftsmann und er hat nicht vor, die Probleme untätig auf sich zukommen zu lassen.

Deshalb stellt er jetzt die Besenkörper her, Joshs Schwestern und seine Mutter flechten die Borsten ein.

Teurere Erzeugnisse aus der Schreinerei, Tische, Truhen, Kommoden und Ähnliches können oder wollen sich die Menschen zur Zeit nicht leisten. Jeder hat Angst vor dem, was kommen wird, insgesamt herrscht eine lähmende Hilflosigkeit. Den kommenden Winter werden viele wohl nicht überleben.

Josh atmet tief aus, fast ein Seufzen, als könne er den Widerspruch zwischen dem schönen Anblick und der traurigen Wirklichkeit kaum ertragen.

Er fühlt sich hilflos. Fragend schaut er Nepomuk an: „Wie können wir nur helfen, mein Freund." Nepomuk sieht ihn an und fiept leise, als würde er verstehen.

Josh wendet sich um und folgt weiter dem Weg. Er erreicht den Hang, der das Tal auf dieser Seite begrenzt und steigt den Weg bergauf. Die Sonne ist aufgegangen, während des Aufstiegs wird ihm warm. Er hält kurz an und setzt die Kiepe ab, um die Jacke ausziehen zu können. Mit der Jacke in der Hand, setzt er seinen Weg fort.

Er pfeift eine Weise, um die düsteren Gedanken zu vertreiben. Diese entsprechen überhaupt nicht seinem Wesen, Josh ist ein fröhlicher Mensch. Nepomuk jagt spielerisch nach den Faltern, die über den Weg flattern.

Etwas weiter entfernt, auf der Weide, erblickt Josh den Hirten des Dorfes. Dieser lehnt auf seinem Hirtenstab und beobachtet die grasenden Tiere. Er grüßt freundlich aus der Ferne, als er Josh erblickt. Nepomuk verlässt den Weg und läuft über die Wiese, um den Hirten und seinen Hund zu begrüßen, der Hund kennt beide gut.

Nach kurzem Spiel, kehrt Nepomuk zu Josh zurück, der bereits einigen Vorsprung hat und setzt mit ihm den Weg fort.

Die Anwesenheit des Hirten und seines großen Hirtenhundes bei den weidenden Tieren ist dringend erforderlich.

Es geht weniger darum, das Vieh zu hüten, es ist eine sehr kleine Herde, sondern vielmehr darum, es zu beschützen. Aus diesem Grund hat der Hirte auch keinen wendigen Hütehund, sondern einen großen, wessen, schweren Hirtenhund, einen mächtigen Gegner mit dem sich niemand gerne anlegt. Die weisse Farbe seines Fells hilft ihn, im Kampf gegen Wölfe, von diesen unterscheiden zu können. Der Hund hilft dem Hirten, das Vieh gegen Wölfe, Wegelagerer und Diebe zu verteidigen.

Nachdem Josh und Nepomuk die Anhöhe erklommen haben führt der Weg weiter durch eine liebliche Auenlandschaft. Sie lassen das Tal und den Blick auf die Heimat hinter sich. Eine Wiesenlandschaft von einem größeren Bach durchzogen, liegt vor ihnen. Bunte Blumen säumen den Weg, geschäftige Insekten suchen nach Nektar.

Der Weg folgt für längere Zeit dem Bach. Dieser schlängelt sich durch sanft, hügelige Wiesen. Schließlich überqueren die beiden den Wasserlauf über einen wackligen Holzsteg. Von nun an steigt der Weg leicht zum Wald hin an.

Bevor der Wald beginnt, steht eine alte Eiche am Weg. Eine Quelle entspringt bei dem Baum, sie speist ein Rinnsal, das plätschernd und gurgelnd ins Tal fließt. Es strebt eilig dem großen Bach im Talgrund zu, um sich mit diesem zu vereinigen.

Die Sonne steht bereits hoch am Himmel. Nach mehrstündigem Weg, mit der Last der Kiepe auf dem Rücken, haben sich die beiden eine Pause verdient.

Das frische, klare Wasser der Quelle schmeckt hervorragend. Weil das Rinnsal direkt dort entspringt, können Josh und sein Hund gefahrlos trinken. Wegen der über das Wasser übertragenen Krankheiten, wird Wasser aus Brunnen, Bächen und Flüssen nur abgekocht getrunken. Wegen dieses seltenen Genusses und des schönen Ausblicks über das Tal macht Josh hier immer Rast, wenn er des Weges kommt.

Er ist müde und sagt freundlich zu seinem Hund: „Komm Nepomuk, hier rasten wir, lass uns aber erst ausgiebig trinken.“

Dann setzt er sich in den Schatten, Nepomuk legt sich neben ihn und beginnt zu dösen.

Josh blickt über sich in das Blätterdach der Eiche. Der Baum ist uralt, was hat der wohl schon alles gesehen? Für Joshs Sorgen hat der sicher nur ein leises Rauschen übrig.

Josh isst einen mitgebrachten Apfel und blickt gedankenverloren über das Tal. Je weiter er sich vom Dorf entfernt, desto leichter wird ihm ums Herz, die Last, die auf seiner Seele liegt, sie scheint ihm etwas erträglicher.

Josh beginnt wieder mal zu träumen.

Er führt ein ausführliches Selbstgespräch über die bedrohliche Lage im Dorf, sein schwieriges Verhältnis zu seinen Eltern und seine Träume. Dieses Thema liebt er besonders und malt sich alles entsprechend farbenfroh aus.

Selbstgespräche führen oder mit seinem Hund sprechen ist eine von Josh's Eigenschaften.

Es fehlen ihm Gesprächspartner, von denen er glaubt, dass sie ihn verstehen. Mit sich selbst zu reden hilft ihm, seine Gedanken zu ordnen.

Er merkt nicht, dass er belauscht wir

DAS SCHICKSAL SPIELT

Ein kleines Wesen steht hinter dem Stamm der Eiche, es ist kaum größer als eine Katze und hört jedes Wort mit. Abos, so heißt der Zwerg, ist nervös. Nepomuk ist ein Risiko, sollte der Wind drehen, würde der Hund ihn wittern.

Abos ist klein und stämmig, ganz so, wie ein Zwerg eben ist. Er hat rotblonde Haare und einen spärlichen Vollbart, auf den er trotzdem mächtig stolz ist. Für einen langen Rauschebart ist er zu jung, immerhin erst an die 70 Jahre alt. Bei einer Lebenserwartung von gut 300 Jahren ist das noch gar nichts.

Er trägt einen lindgrünen Hosenanzug, dunkelbraune Stiefel, mit einem großen Umschlag und einen grünen Hut. Nach vorne läuft dieser Hut spitz zu, ihn schmückt eine Amselfeder.

Richtig, als Zwerg müsste er eigentlich eine Zipfelmütze tragen. Diese weit verbreitete Meinung ärgert ihn sehr, alle wissen das und können Abos zur allgemeinen Belustigung damit aufziehen. Er regt sich auch zu schön auf, er ist eben ein Brummbär.

Vom Zwergenkönig hat Abos den Auftrag erhalten, Joshs Erscheinen zu melden, außerdem hat er genug gehört. Er will nicht riskieren, dass der Wind dreht und er doch noch verraten wird.

Schnell läuft Abos zu seinem zahmen Hasen, der im Gebüsch wartet, steigt auf und lässt sich geschwind zum Zwergenkönig in das provisorische Lager im Wald bringen. Sie müssen handeln, ehe Josh mit seinem Hund weiterzieht, denn dann wird es schwierig, noch einmal eine passende Gelegenheit zu bekommen.

Zum Glück scheint es Josh nicht eilig zu haben, denn er schiebt sich seine Jacke unter den Kopf und legt sich zu einem Schläfchen nieder. Bevor er den großen Wald durchquert, will er noch ausruhen.

Abos kehrt schon nach kurzer Zeit mit einer Gruppe von Zwergen zurück, sie schleichen wieder hinter den Stamm der Eiche.

Jetzt muss alles schnell gehen. Sie wollen Josh und seinen Hund mit einem schnell wirkenden, flüchtigen Pflanzensaft betäuben. Zwei schleichen sich an die Schlafenden an. Das gurgelnde Wasser und das Rauschen im Blätterdach helfen ihnen, sich gegen den Wind, unbemerkt zu nähern. Auf dem Rücken trägt jeder einen Rucksack, in dem sich jeweils ein Lappen und ein Fläschchen mit dem Betäubungsmittel befinden.

Als sie ihr Ziel fast erreicht haben, landet eine Fliege auf Nepomuks Nase. Der Hund erwacht und schnappt nach der Fliege. Allen rutscht das Herz in die Hose, die Zwerge liegen auf dem Bauch, sie ducken sich so tief wie möglich und verharren regungslos. Jeder hofft, das Gras wird sie hinreichend verbergen.

Zum Glück ist der Hund sehr müde, er gähnt herzhaft, streckt sich kurz und legt sich wieder hin, ohne sich für die Umgebung zu interessieren. Aufatmen, nochmal gut gegangen, also weiter. Abos rudert wild mit den Armen, auch wenn es nichts hilft, beruhigt es ihn irgendwie. Es gibt ihm das Gefühl etwas getan zu haben. Wiederum, nachdem die Zwerge einige Zentimeter weiter gekrochen sind, dreht sich Josh im Schlaf um, der Weg ist jetzt noch weiter.

Endlich und ohne weitere Zwischenfälle angekommen, halten die Zwerge Josh und Nepomuk je einen getränkten Lappen unter die Nase. Josh wird dabei an der Nase gekitzelt und niest herzhaft - Schrecksekunde. Das ist nochmal gut gegangen, Abos atmet erleichtert aus. Jeder Zwerg hat ein Seil um die Hüften. Sollten sie selbst von den Dämpfen einatmen, würden sie von ihren Kameraden aus der Gefahrenzone gezogen.

Die Dämpfe wirken sehr schnell. Jetzt kommen die anderen Zwerge hinter dem Baumstamm hervor.

„Gebt ihnen sicherheitshalber noch einige Tropfen von diesem Mittel in den Mund." Abos reicht ihnen ein anderes Fläschchen. „Sie müssen fest schlafen, der Transport wird etwas ruppig. Ich bin erleichtert, bis hierhin ist schon mal alles gut gegangen." Abos atmet hörbar aus.

Nachdem Josh und sein Hund betäubt sind, kommt ein Mann, mit einem Pferd, aus dem Wald, der Name des Mannes ist Cerjoc. Er begrüsst Abos freundschaftlich: „Hallo Abos, das habt ihr gut gemacht." Abos erwidert leise und sichtlich erleichtert: „Ja, wir haben unseren Teil getan, jetzt bist du dran." Cerjoc nickt und macht sich daran, Josh auf den Pferderücken zu hieven. Schließlich hängt der Schlafende quer auf dem Pferd, wie ein Sack Mehl.

Nacheinander werden beide tiefer in den Wald gebracht und auf einer Lichtung, nahe dem Zwergenlager sanft gebettet. Für Cerjoc ist es nicht einfach, die schlaffen Körper vorsichtig abzuladen, immerhin hat er keine Hilfe, die Zwerge sind zu klein.

Nach getaner Arbeit betrachten Cerjoc und Abos die Schlafenden. „Meinst du, er wird mitmachen? Was willst du überhaupt sagen?" In Abos' Stimme schwingt unüberhörbar der Zweifel mit.

„Ich habe keine Ahnung, ich weiß nur, dass es keinen Sinn macht, lange um den heißen Brei herumzureden. Ich werde schnell auf das Problem zu sprechen kommen. Dass er den Mut hat, sich auf die Sache einzulassen und dass ich überzeugend genug bin, kann ich nur hoffen. Glaube mir, anders geht es nicht. Wenn er mir nicht glaubt oder sich diesen Schritt nicht zu gehen traut, haben wir ein echtes Problem. Wir können ihn zu diesem Abenteuer nicht zwingen, das würde sowieso niemals zum gewünschten Erfolg führen. Am liebsten würde ich dieses Gespräch aber einem anderen überlassen, nur leider gibt es keine Alternative."

Abos ist froh, dass er ein Zwerg ist und deshalb die Wahl gar nicht auf ihn fallen konnte. Deshalb macht er Cerjoc Mut. „Warum? Sollte sich Josh entscheiden zu helfen, wirst du es sein, der ihn auf der abenteuerlichen Reise begleitet. Es ist also nur logisch, dass du es bist, der den ersten Kontakt herstellt. Du bist ein netter Kerl, meistens jedenfalls, also bemüh' dich, es wird schon klappen." Sie flüstern, um die beiden nicht zu wecken.

„ Ja ja, du hast gut reden, aber jetzt sollten wir lieber gehen, sonst sieht er dich doch gleich. Bitte melde dem Zwergenkönig, dass bis hierhin alles nach Plan verlaufen ist. Dann kommst du wieder, versteckst dich aber."

Abos nickt und läuft in Richtung des Lagers davon.

Es ist beschlossen, dem jungen Mann, wenn er erwacht, zunächst den Anblick der Zwerge zu ersparen. Cerjoc soll den ersten Kontakt herstellen.

Er entfernt sich jetzt einige Meter, gerade außer Sichtweite und setzt sich auf einen umgestürzten Baum, Josh soll sich erst orientieren können, wenn er aufwacht, Cerjoc wartet.

Als Josh erwacht, richtet er sich auf, er befindet sich auf einer Lichtung, mitten im Buchenwald. Die Geräusche des Waldes umgeben ihn. Ein leichter Luftzug bringt das Blätterdach über ihm zum Rascheln. Sein Mund ist sehr trocken, die Zunge klebt ihm am Gaumen. Von der Betäubung hat er einen bitteren Nachgeschmack und vom unsanften Transport, über dem Pferderücken hängend, schmerzen ihm alle Glieder,

Gebettet ist er auf einem Lager aus Blättern und sorgfältig zugedeckt mit einer weichen Decke.

Es dämmert bereits, erschrocken schaut er sich nach Nepomuk um. Der schnarcht friedlich auf einem weichen Bett aus Moos. Sie sind alleine, seine Kiepe liegt unversehrt neben ihm. Eilig schaut er in den kleinen Lederbeutel, den er um seinen Hals trägt. Alles ist noch da, ein paar Münzen, sein wertvollstes Gut, ein Feuerbrett (ein kleines Brett, in das ein Feuerstein eingearbeitet ist, um es besser halten zu können.) und die Hasenpfote, sein Talisman.

Sie sind entführt aber nicht bestohlen worden, seltsam.

Fest steht, er ist sanft gebettet und sorgfältig zugedeckt, wirklich böse ist das nicht gemeint, Nepomuk schläft selig.

Josh ist verwirrt, hier passt nichts zusammen. Es ist still, außer Nepomuks regelmäßigem Schnarchen und den Geräuschen des Waldes, ist nichts zu hören. Der Duft des frisch aufgewühlten Waldbodens, steigt Josh in die Nase. Den ganzen Tag hatte die Sonne geschienen und es ist noch immer warm. Er steht auf und dehnt seine steifen Glieder, der Boden ist weich und federnd, das Laub des vergangenen Jahres raschelt bei jedem Schritt. Er geht auf und ab, versucht nachzudenken, die Lage zu erfassen.

Als nächstes, erblickt er einen älteren Mann, der auf ihn zukommt, es ist Cerjoc.

Cerjoc hat schulterlange, dünne, graue Haare, das rechte Bein zieht er leicht nach. Er hat blitzende, wache Augen und ein fröhliches Lächeln. Bekleidet ist er mit einer Hose, die früher einmal braun gewesen sein mochte. Die graue Jacke ist schlicht, die Kleider sind zwar einfach, aber sauber.

„Na aufgewacht?“, fragt Cerjoc.

Eine seltsame Begrüßung, aber es sind ja auch ungewöhnliche Umstände und er weiß nichts anderes zu sagen.

Josh fährt ihn an: „Was fällt Euch ein, wo bin ich hier?“

„Na, na, immer langsam mit den jungen Pferden, ich erkläre Euch alles.“

„Hoffentlich habt Ihr eine gute Erklärung, das hoffe ich wirklich für Euch.“ Josh ist körperlich eindeutig überlegen, auch wenn er, abgesehen von harmlosen Raufereien im Dorf, keine Erfahrung im Kampf besitzt. Er ist derart aufgebracht, dass er die ungewohnt höfliche Anrede gar nicht bemerkt. Inzwischen stehen sich beide direkt gegenüber, Josh ist einen guten Kopf größer als Cerjoc.

Nachdenklich fasst sich Cerjoc ans Kinn. „Wo fange ich nur an und vor allem wie?“

„Wie wäre es, wenn Ihr Euch erst einmal vorstellt“, fordert ihn Josh lei cht hönisch auf.

„Das ist wahr, entschuldigt, wie unhöflich von mir."

Cerjoc fasst sich ein Herz und beginnt, es wird schon gut gehen.

„Mein Name ist Cerjoc, ich bin der Knappe des Ritters Ronan von Orland und möchte …, nein ich muss …", seine Stimme verstummt, dann setzt er neu an.

„Wir wissen keinen anderen Ausweg und so müssen wir Euch ein Angebot machen. Aber zuerst eine Frage. Ist alles soweit in Ordnung?"

„Nichts ist in Ordnung“, herrscht Josh ihn an. Das ist normalerweise nicht seine Art, aber die Angst, die sich breit macht, lässt ihn so hart reagieren. Die Szene hat etwas Komisches und so muss Cerjoc schmunzeln.

Doch bevor Josh darauf reagieren kann, erwacht der Hund und springt mit einem Satz auf die Pfoten. Nepomuk sieht beeindruckend aus, sein goldbraunes Fell leuchtet warm in der Abendsonne, er hat eine lange Schnauze, Ohren die eigentlich stehen sollten, aber das linke kippt in der Mitte nach vorne. Wenn er den Kopf auf die Seite legt, was er sehr oft macht, verleiht ihm das ein freundliches, komisches Aussehen. Auch hat der Hund eine lustig nach oben gebogene Rute. Er ist ungefähr so groß wie ein Schäferhund. Jetzt knurrt er Cerjoc böse an und gibt dabei ein ziemlich eindrucksvolles Bild ab.

„Bitte“, fleht Cerjoc, „ich tue Euch nichts, lasst mich erklären, aber bitte ruft den Hund zurück. Er gehorcht Euch doch, hoffe ich“, setzt er noch hinzu, wobei er den Hund mit gemischten Gefühlen ansieht. Josh weiß nicht, was eigentlich los ist, er hat furchtbare Angst, aber er sieht keinen Grund, sich nicht anzuhören, was Cerjoc zu sagen hat. Welche Möglichkeiten hat er auch sonst?

„Bitte“, sagt er höflich zu Cerjoc, „Nepomuk, ganz ruhig, komm her“ zu seinem Hund., dieser gehorcht.

„Nun alter Mann, ich höre, ich hoffe Ihr habt eine gute Erklärung.“ Er setzt sich im Schneidersitz auf den Waldboden, der Hund setzt sich daneben.

Cerjoc seufzt erleichtert, das ist ein Anfang, er setzt sich auf einen Baumstumpf, aber wie soll er nur beginnen.

Josh sieht Cerjoc eindringlich an, dieser spricht mit fester Stimme, als wollte er sich selbst Mut machen.

„Was ich Euch jetzt erzähle klingt etwas seltsam, aber bitte glaubt mir, alles stimmt, alles ist wahr. Wir, der Ritter, ich, du und einfach alle Wesen, Menschen und Tiere, stecken ziemlich in der Klemme. Wir müssen Euch deshalb um nicht weniger bitten, als Euer Leben wie Ihr es kennt, zumindest vorübergehend, aufzugeben. Hoffentlich entschließt Ihr Euch, uns zu helfen, was sehr viel verlangt ist."

Josh versteht noch immer nichts, gar nichts. „Ihr müsst schon etwas deutlicher werden.“

Insgesamt ist die Lage sehr verwirrend. Er und sein Hund sind entführt, aber nicht bestohlen worden.

Dazu kommt, Cerjoc's Auftreten ist in keinster Weise bedrohlich, im Gegenteil eher bittend. Das passt alles nicht zusammen, Josh ist sehr irritiert. Außerdem ist er ganz und gar nicht gewöhnt, so förmlich und höflich angesprochen zu werden, fast schon ehrfürchtig. Josh erklärt sich diesen Umstand damit, dass Cerjoc es gewohnt ist, mit dem Ritter so zu reden. Das überträgt der K nappe jetzt auf ihn, so muss es wohl sein.

Cerjoc beginnt mit seiner Erklärung, Josh hört gebannt zu. Nepomuk hat sich inzwischen neben Cerjoc gelegt, der ein grosses Vertrauen ausstrahlt, die Situation hat sich leicht entspannt.

„Alles begann damit, dass der Ritter vor vielen Jahren in großen Schwierigkeiten steckte, er wurde sehr krank, kein Mittel half, kein Heiler wusste Rat. Zwerge heilten ihn im letzten Moment.“

„Zwerge?“ ,unterbricht ihn Josh ärgerlich. „Die gibt es doch gar nicht.“ Er winkt ab und steht auf, so ein Unsinn, hier verschwendet er nur seine Zeit. Josh wendet sich zum Gehen. „Komm Nepomuk, wir haben noch einen weiten Weg vor uns."

Cerjoc fleht ihn an: „Bitte hör mir doch erst einmal zu, es ist wirklich sehr wichtig.“

Josh reagiert nicht, er will seine Kiepe schultern.

In diesem Moment tritt Abos hinter einem Baumstamm hervor. Nepomuk ist bereits aufgestanden und im Begriff sich umzudrehen, um seinem Herren zu folgen, er hält inne und winselt verwirrt. Josh schaut erst auf seinen Hund, dann erblickt er den Zwerg, er dreht sich wieder um und fällt mit offenem Mund auf die Knie, zeigt auf Abos und stottert.

„Da, da da das ist ..“ „ … ein Zwerg“, ergänzt Cerjoc und schmunzelt über das ungläubige Gesicht, das Josh macht. „Darf ich vorstellen, das ist Abos, aber Ihr müsst vor ihm nicht niederknien.“ Er lächelt, amüsiert über die Situation.

Nepomuk winselt verwirrt dreht sich um sich selbst, dann legt er sich wieder hin und leg t den Kopf auf die Pfoten.

Abos hält sich nicht lange mit Höflichkeiten auf, das liegt ihm nicht. Streng sagt er zu Josh. „Du solltest aufhören dich zu wundern und zuhören, wir haben nicht endlos Zeit.“

Josh macht den Mund zu und nickt.

Cerjoc fährt fort: „Entschuldigt die forsche Art, so ist Abos eben, Ihr werdet Euch daran gewöhnen, also weiter .“

„Als Dank versprach der Ritter damals dem Volk der Zwerge zu helfen, über den magischen Kristall zu wachen.“

„Magischer Kristall?“, Josh blickt Cerjoc und Abos fragend an.

„Ja“ erklärt Cerjoc weiter. „Dieser ist sehr mächtig, er hält die Welt in sicheren Bahnen. Kommt er aber in falsche Hände und wird missbraucht, hat das schlimme Auswirkungen auf die Menschen und auf alle anderen Wesen. Er kann auftretende, natürliche Ereignisse verstärken, leider ins Unermessliche, aber richtig eingesetzt auch abmildern. Wie gesagt, das gilt nur für Situationen natürlichen Ursprungs.

Jahrelang ging alles gut, aber jetzt ist Ronan wieder schwer erkrankt. Diese Schwäche wurde ausgenutzt und der Kristall gestohlen, durch Verräter aus den Reihen der Zwerge. Sie sind den Versprechungen des bösen und habgierigen Tyros erlegen und haben den Stein an ihn übergeben.

Th yros hat kein Geburtsrecht auf einen Adelstitel, damit will er sich jedoch nicht abfinden und strebt danach, auf unehrliche Weise Macht zu erlangen.

Ohne die Kraft des Kristalls sind dieZwerge nicht in der Lage Ronan zu heilen. Um den Kristall wieder zu beschaffen. Wir müssen den Stein finden und dem Bösen wieder entreißen. Zum Wohl aller Wesen und natürlich auch, um dem Ritter zu helfen.“

Dann spricht er lauter, und ganz erregt weiter: „Dies wird nicht einfach, ist nicht ungefährlich und kostet einen hohen Preis. Ihr müsst Ronans Platz einnehmen und den magischen Kristall zurückholen.

Ihr bekommt seinen Namen, sein Pferd, sein Schwert und natürlich meine Dienste und werdet fortan als Ronan auftreten. Josh gibt es dann nicht mehr, mit allen Konsequenzen.“

Cerjoc wird unruhig, was wenn er nicht überzeugend genug ist. Leise spricht er weiter: „Es ist ein Dilemma, eigentlich habe ich schon viel zuviel erzählt. Solltet Ihr uns nicht helfen, habt Ihr, wenn auch nur unzureichend und unvollständig, Kenntnis von dem magischen Stein. Dieses Wissen kann sehr gefährlich sein. Andererseits braucht Ihr es, um Euch überhaupt entscheiden zu können.“

Es entsteht eine Pause. Cerjoc versucht aus Joshs Gesichtsausdruck zu entnehmen, wie diese Offenbarung bei ihm ankommt.

Josh sieht erschrocken aus, mit so etwas als Grund für die Entführung, hat er nicht gerechnet. Soll er all das glauben? Welche Verantwortung lastet plötzlich auf ihm? Er hatte sich immer nach einem anderen Leben gesehnt, aber es ist ein Unterschied davon zu träumen, oder jetzt konkret vor der Entscheidung zu stehen. Außerdem ist er kein Krieger und den braucht es hier wohl, vorausgesetzt natürlich, man glaubt Cerjoc. Diese Verwirrung spiegelt sich auf seinem Gesicht wieder.

Er sieht Cerjoc Hilfe suchend an. Dieser zuckt aber nur mit den Achseln. „Das ist nicht einfach, wir bitten Euch, Euer bisheriges Leben aufzugeben, nicht weniger.“

Cerjoc redet jetzt in einem väterlichen Tonfall. Er hat das Gefühl, so leichter an sein Ziel zu kommen und Josh zu überzeugen.

Josh hat tausend Fragen, er ist aber nicht in der Lage diese Fragen zu formulieren, deshalb sagt er wie zu seiner Verteidigung: „Ich kann nicht reiten, nicht kämpfen und mich nicht benehmen wie ein Edelmann“.

Cerjoc beeindruckt das wenig. „Das könnt Ihr lernen, wir werden uns bemühen, Euch alles beizubringen. Ihr seid jung und kräftig, ein pfiffiger Bursche seid Ihr obendrein, das wird helfen, es wird schon gehen.“

Er sagt dies mit der Bestimmtheit, als würde er Josh schon ewig kennen. Josh seinerseits ist so sehr damit beschäftigt alles zu verstehen, dass ihm das gar nicht auffällt.

„Nepomuk gebe ich nicht auf.“ Josh wirkt hilflos und fast ein bisschen trotzig.

„Das verlangt niemand von Euch, nur für Eure Familie und Freunde seid Ihr erst einmal tot. Wir werden alles entsprechend aussehen lassen“.

Cerjoc spinnt den Gedanken weiter, Josh hört ihm zwar zu, kann die Tragweite der Worte aber nicht erfassen. „Es dürfte reichen von den Sachen, die Ihr bei Euch habt, etwas zu zerbrechen, die anderen verschwinden zu lassen und ein wenig Tierblut zu verteilen. So täuschen wir einen Überfall vor, das ist ja nicht ungewöhnlich. Ich werde morgen ganz aufgeregt und etwas verdreckt in das Dorf laufen. Ich kann sehr überzeugend den leicht verwirrten, alten Mann spielen. Dort werde ich erzählen, was sich angeblich zugetragen hat. Sie werden dann die Stelle am Weg finden und niemand wird noch weitere Fragen stellen.“

„Oh nein!“, er schlägt sich die Hand vor den Mund. „Ihr habt ja überhaupt noch nicht zugestimmt, ich bin wieder einmal viel zu voreilig, bitte verzeiht.“ Abos nickt zustimmend und brummt etwas Unverständliches.

Cerjoc sieht Josh eindringlich an. „Wir werden Euch jetzt allein lassen, damit Ihr in Ruhe darüber nachdenken könnt. Abos und ich bleiben in der Nähe, falls Ihr Fragen habt. Bitte lasst Euch Zeit, das ist eine schwerwiegende Entscheidung. Wenn Ihr reden wollt, braucht Ihr nur zu rufen."

Er wendet sich von Josh ab, um zu gehen, da hält er inne und zeigt in Richtung Westen.

„Ach ja, der Weg zur Stadt ist übrigens in dieser Richtung.“ Dann gehen er und Abos weiter in den Wald hinein.

Josh bleibt zurück, einem Impuls folgend springt er auf und rennt in die Richtung, die Cerjoc gewiesen hat.

Abos und Cerjoc beobachten versteckt die Szene. „Ich habe ja gleich gewusst, es würde nicht klappen.“ sagt Abos halb enttäuscht, halb triumphierend, er ist nicht gerade für seinen Optimismus bekannt. Cerjoc antwortet nachdenklich.

„Das ist schon eine starke Geschichte, ziemlich viel auf einmal. Aber noch ist der Tag nicht zu Ende, wir sollten ihm Zeit zum Nachdenken geben.“

Er blickt Abos mit einem verschmitzten Lächeln an. „Vielleicht hätten wir ihm besser deinen Anblick erspart, das haut den stärksten Mann um.“ Abos regt sich au, wie erwartet.

Cerjoc dreht sich um und geht lachend in Richtung des Lagers, dass die Zwerge provisorisch im Wald aufgeschlagen haben.

Im Lager angekommen fragt sie der Zwergenkönig.

„Was habt Ihr zu berichten?“

Cerjoc verneigt sich und antwortet ehrfürchtig: „Ich kann es noch nicht sagen, Majestät. Er braucht Zeit zum Nachdenken, wir müssen abwarten.“

„ Zeit ist leider etwas, was wir nicht haben“, antwortet der König besorgt.

„Ja schon", ereifert sich Cerjoc, „aber zwingen können wir ihn nicht, das bringt niemandem etwas. Wir stellen sein Leben grundlegend auf den Kopf, er hat Dinge gesehen, die er bisher in der Fabelwelt glaubte und das innerhalb kürzester Zeit. Ich glaube wir müssen ihm etwas Zeit geben. Ich möchte genauso sehr wie Ihr, das es gelingt, aber wir müssen uns zusammenreißen, es wäre sonst sehr ungerecht.“ Der König ist erstaunt. Eine solche Leidenschaft ist er von Cerjoc nicht gewöhnt, Cerjoc ist sonst eher besonnen.

„Nun gut, so sei es." Der König lenkt erst einmal ein und denkt bei sich: „Das ist ein ganz schön heftiger Tag für den armen Jungen, aber immerhin hat er noch nicht abgelehnt, es besteht also Hoffnung. Mir wäre es lieb, wenn wir den Trank des Vergessens nicht brauchen und den Plan des Ritters umsetzen, auch wenn sein Gelingen sehr ungewiss ist. Vielleicht hat Cerjoc ja Recht, wir müssen abwarten.“

Bevor sich der König in seine Höhle, die ihm als Unterkunft dient, zurückzieht, befielt er den Umstehenden: „Also, warten wir ab, ich möchte, dass mir sofort berichtet wird, sobald sich etwas Neues ergibt."

Cerjoc und die Zwerge bereiten sich ein kleines Mahl zu, während sie warten. Abos legt sich nach dem Essen in seine Hängematte.

„Wir können jetzt sowieso nichts unternehmen, da kann ich ebenso gut schlafen, weckt mich wenn es etwas Neues gibt."

Cerjoc schüttelt den Kopf: „Wie kann man nur seelenruhig schlafen, wenn die Welt, wie wir sie kennen, am Abgrund steht und wir nicht wissen, ob ich überzeugend genug war und Joshs Mitarbeit gewinnen konnte?"

„Das wäre noch lange keine Garantie, dass das Vorhaben, den Kristall zurückzuholen, gelingt." Abos ist in Wirklichkeit auch nicht müde, aber es taugt ihm nicht, zur Untätigkeit gezwungen zu sein, was er lässig zu überspielen versucht.

„Das stimmt, aber es ist zumindest eine Chance und darf ich Dich daran erinnern, es ist die beste, die wir haben."

„Die einzige", Abos möchte die Unterhaltung beenden, er dreht sich um.

Cerjoc ist furchtbar nervös, läuft auf und ab und denkt laut darüber nach, was er vielleicht besser gesagt hätte.

Da kommt aus Richtung der Hängematte ein missgelaunter Kommentar: „Hör' auf ständig hin und her zu laufen, du regst mich auf, du kannst doch jetzt ohnehin nichts mehr ändern, such' dir eine Arbeit, das beruhigt." Cerjoc geht, holt die Pferde und das Putzzeug. Er beginnt im schwachen Schein des Feuers die Pferde zu striegeln. Nach einiger Zeit kommt auch der König mit seinem Gefolge zurück, auch er findet keine Ruhe.

„Erhalten wir in jedem Fall eine Antwort durch den Jungen?", fragt er Cerjoc zweifelnd.

Dieser senkt betreten den Blick: „Das vergaß ich so genau zu vereinbaren."

„Nicht zu fassen, wie lange sollen wir deiner Meinung nach warten?" Kopfschüttelnd setzt sich der König , aber er beherrscht sich und verkneift sich jedes weitere Wort.

Jeder hängt seinen Gedanken nach während sie warten.

Josh ist ein gutes Stück gerannt, als könnte er entfliehen und in sein altes, langweiliges, aber vertrautes Leben zurückkehren.

Plötzlich hält er inne, was wenn das Hochwasser und die Krankheit im Dorf schon Folgen des Diebstahls und Missbrauchs des Kristalls sind? Was, wenn die Erzählung wahr ist? Eines ist sicher, den nächsten Winter werden viele Dorfbewohner nicht überleben. Sollte ausgerechnet er in der Lage sein, etwas dagegen unternehmen zu können? Bei dem Gedanken schauert ihn, er fürchtet sich sowieso schon, alleine in dem ihm unbekannten Wald. Diese Erkenntnis macht alles nicht unbedingt besser. Er fühlt sich elend.

Er setzt sich und lehnt sich an einen Baumstamm. Nepomuk spürt die Angst seines Herren, er legt den Kopf auf Joshs Knie. Aber die Ohren sind wachsam gespitzt, Nepomuk entgeht kein noch so leises Geräusch, jeder Muskel seines Körpers ist angespannt, er ist jederzeit verteidigungsbereit.

Josh sieht sich um. Die Vögel singen ihre letzten Strophen, bevor die Geschöpfe der Nacht im Wald übernehmen. Der Wind streicht sanft durch das Blätterdach, es riecht nach Harz.

Ein Reh tritt leise aus dem Unterholz. Mit großen, erschrockenen Augen sieht es Josh und seinen Hund an. Die Ohren straff aufgestellt, wandern aufgeregt von hinten nach vorne. Es scheint zu flüstern „Bitte, hilf uns“, bevor es mit eleganten Sprüngen wieder im Wald verschwindet.

Josh grübelt über das Geschehene nach. Er muss seine Familie aufgeben, das könnte er verschmerzen, richtig angenommen hat er sich sowieso nie gefühlt. Es bestand schon immer eine unsichtbare Grenze zu seinen Eltern, im Gegensatz zu Joshs Geschwistern, die wurden immer bevorzugt. Seine Eltern hatten auch nie so hohe Erwartungen an seine Geschwister, damit hat er sich abgefunden. Aber auch seine Freunde und sein gewohntes Leben wird er verlieren. Was bekommt er eigentlich dafür? Da sind nur offene Fragen, alles ist etwas rätselhaft.

Seine Familie zählt auf ihn, aber wie lange würde das bisschen Geld wohl reichen, das er für die Waren bekommt. Zunächst muss er die Sachen überhaupt verkaufen, in diesen Zeiten kein einfaches Unterfangen.

Langfristig hilft er allen wahrscheinlich am besten wenn er sich auf dieses Abenteuer einlässt. Vorausgesetzt natürlich, Cerjoc spricht die Wahrheit. Aber warum eigentlich nicht, Zwerge, die er bis eben in der Welt der Sagen glaubte, gibt es ja offensichtlich auch. Was von dem, was er bisher für wahr hielt, hat jetzt noch Bestand?

Er ist schon wieder an diesem Punkt, verstandesmäßig kommt er hier wohl nicht weiter, hier muss das Herz entscheiden.

Also was ist da noch?

Es ist zu bedenken, es lockt ein Abenteuer. Er ist schließlich ein junger Mann, hätte ein Pferd und wäre endlich jemand. Solch eine Gelegenheit gibt es sicher kein zweites Mal, er muss es versuchen. Die andere, weniger erfreuliche Seite der Angelegenheit, nämlich unbekannte Gefahren, in die er sich begeben muss, kennt er zwar nicht, aber will er alles überhaupt so genau wissen?

Er beschliebt die Bedenken beiseite zu schieben, anders kommt er zu keinem Ergebnis.

Als er wieder aufsteht, erschrickt er, er ist ganz steif von der Kälte der Nacht, der Mond scheint hell. Vor lauter Grübeln hat er die Zeit vergessen, er hat nicht gemerkt, wie spät es bereits ist. Wie lange hat er so dagesessen? Cerjoc und Abos glauben sicher, er ist lange fort, hat er so vielleicht die Gelegenheit vertan?

Eilig läuft er zurück, der helle Mondschein erlaubt das. Auf der Lichtung angekommen, ist niemand da, er ruft nach Cerjoc. Unruhig läuft er auf und ab, immer noch hin und hergerissen. Sollte Cerjoc nicht bald kommen, würde ihn der Mut wieder verlassen. Ihm scheint es, als warte er ewig.

Als er seinen Namen hört, sieht Cerjoc befriedigt zu Abos und dem König hinüber. Wie es aussieht, hat er doch Recht gehabt. „Seht Ihr, es besteht eine gute Chance, nur Mut.“

Ohne Eile schlendert er durch den Wald.

Er weiss, der junge Mann muss sehr aufgewühlt sein, für lange Gespräche ist jetzt mit Sicherheit nicht der richtige Zeitpunkt. Deshalb fragt er, bei Josh angelangt nur: „Darf ich von nun an Ronan zu Euch sagen?“, Josh nickt, er hat zwar tausend Fragen, aber seine innere Stimme sagt ihm, er solle dieses Wagnis eingehen. Zusammen gehen sie durch den Wald: „Entschuldigung", weiter kommt er nicht Cerjoc hat sich sofort zu ihm umgedreht und fällt ihm ins Wort: „Wir haben in den nächsten Tagen alle Zeit der Welt, um zu reden, ich weiß das es in Euren Kopf drunter und drüber gehen muss, Ihr fragt Euch ob Ihr der Aufgabe gewachsen seid, die Euch so unvermittelt in den Schoss gefallen ist, usw.. Ich verspreche Euch, wir werden Euch alle helfen so gut es geht, morgen werdet Ihr die anderen kennenlernen." Die anderen, das hört sich gut an, Josh wird nicht alleine sein. Er behält daraufhin seine Fragen zunächst für sich, es ist richtig, morgen ist auch noch Zeit und jetzt ist er hungrig und müde.

Cerjoc lädt Josh nochmals freundlich ein, ihm zu folgen: „Kommt mit, Ihr müsst etwas essen und schlafen, morgen zeige ich Euch dann alles.“

Josh folgt Cerjoc zum Lager, er muss ihm vorerst sein Vertrauen schenken. Nachdem sie sich gestärkt haben, zeigt Cerjoc Josh dessen Schlafplatz und sie begeben sich zur Nachtruhe.

EIN NEUES LEBEN

Am nächsten Morgen weckt ihn Cerjoc mit einem deftigen Frühstück. Pfannkuchen mit Honig, Eier mit Bauchfleisch, Brot, Käse und ein würziger Kräutertee erwarten ihn. Josh fühlt sich wie im Himmel, so reichlich hat er noch nie gespeist. Er genießt dieses üppige Frühstück: „Das ist gut, so habe ich noch nie gegessen." „Stärkt Euch gut, dies wird ein ereignisreicher Tag für Euch werden, Josh. Heute lernt Ihr den Ritter Ronan, Euer zukünftiges Pferd Sturmwind und noch einiges mehr kennen. Zuerst wird uns Abos zu seinem König bringen. Es ist Ahmund I König aller Zwerge." kündigt Cerjoc an.

Da kommt auch schon Abos: „Kommt mit, König Ahmund erwartet uns."

Der Zwergenkönig sitzt auf einer Wurzel, die geschmückt mit Kissen und Tüchern, als provisorischer Thron dient. Das Wetter ist schön, so haben die Zwerge den Thron nach draußen gebracht, die Höhle ist sowieso zu niedrig für Josh. Ahmund ist ein streng wirkender älterer Mann, mit einem langen, grauen Bart. Der Bart ist deutlich länger, als der König groß ist. Wie Josh später erfährt, ist dieser Bart ein Symbol für des Königs Würde. Diener tragen ihn, aufgewickelt auf einen goldenen Stab hinter ihm her. Der König ist bekleidet mit einem Mantel aus grünem Samt und trägt eine Krone aus Eisen, verziert mit geschliffenen Bergkristallen. Ahmund mustert den jungen Mann lange und intensiv. Josh kniet zwar ehrfürchtig vor dem König und die Wurzel, auf der dieser sitzt, ist erhöht, aber Josh überragt Ahmund trotzdem um ein gutes Stück. Insgesamt ein seltsames Bild, auch wenn Josh überhaupt nicht zum Lachen zumute ist. Trotz seiner geringen Körpergröße, strahlt der Zwergenkönig Autorität aus.

„Aus dir sollen wir also in kürzester Zeit einen Ritter machen. Das wird nicht einfach, auch oder besonders für dich nicht.

Aber da du offensichtlich eine wichtige Rolle in unser aller Geschick spielen sollst, erwarte ich von dir, dass du dich anstrengst. Was in unseren Kräften steht, werden wir leisten, um dir zu helfen.“

Ganz selbstverständlich spricht er Josh mit „Du“ an, sein Stand erlaubt ihm dies. „Nun geh, du hast viel vor.“

„Ich verspreche Euch, ich werde mein Bestes geben."

„Davon bin ich überzeugt."

Damit entlässt er Josh. Dem König wurde bereits berichtet, wie viel Gefallen Josh an seinem Frühstück gefunden hat. Es ist deshalb davon auszugehen, dass der junge Mann alles dafür tun wird, dieses Leben zu behalten. Die Worte des Königs helfen allerdings nicht unbedingt, dass Josh sich besser fühlt. Er hat ein deutlich mulmiges Gefühl in der Magengegend, zum Glück hat er keine Zeit weiter darüber nachzudenken.

Als nächstes lernt er den Ritter kennen. Erstaunt fragt er Cerjoc. „Ist der Ritter hier?"

„Ja, wir waren hier im Wald, als der Ritter plötzlich schwer krank wurde. Er war nicht mehr in der Lage zu reiten. Abos hat Hilfe geholt. Er ist zu krank und zu schwach, um ihn auf seine Burg zu bringen, immerhin einen strammen Tagesritt von hier. Diese Reise wäre für den kranken Ronan zu anstrengend, vermutlich würde er sie nicht überleben. Aus diesem Grund haben die Zwerge tief im Wald ein provisorisches Lager aufgeschlagen."

Cerjoc führt Josh in den Unterstand des Ritters, wo dieser auf seinem Krankenlager wartet. Beide verbeugen sich tief, bevor Cerjoc Josh vorstellt.

„Darf ich Euch vorstellen, mein Herr, das ist Josh, er hat eingewilligt uns zu helfen."

Als Josh Ronan sieht, glaubt er zu verstehen, warum er ausgesucht worden ist. Er sieht dem Ritter unglaublich ähnlich, bis auf den Haarschnitt. Nun ja, das sollte das Kleinste seiner Probleme sein, der Haarschnitt lässt sich am leichtesten ändern, wenn nur alles so leicht wäre. Natürlich ist er bedeutend jünger, er hätte der Sohn des Ritters sein können.

Aber auch das ist nicht so schlimm. Kaum jemand kennt den Ritter, entweder sehen ihn die Leute nur aus der Ferne vorbei reiten oder, sollte er in ihr Dorf kommen, müssen sie sich tief verbeugen, direkter Augenkontakt ist nicht gestattet.

Aktuelle Gemälde gibt es nicht. Der Ritter ist bevorzugt, hat immer genug zu essen, hat es immer warm, so zumindest ist die landläufige Vorstellung der Menschen. Dadurch hat er sich sehr jung gehalten.

Der Ritter begrüßt Josh freundlich und eher vertraut, während er ihn aufmerksam mustert. „Seid gegrüßt, das ist eine gute Nachricht, willkommen in unserem Lager."

Josh macht eine tiefe Verbeugung. Daraufhin fordert ihn der Ritter auf. „Kommt her und gebt mir die Hand, bitte nicht so förmlich, ich konnte dieses duckmäuserische Gehabe noch nie leiden. In den allermeisten Fällen ist es sowieso nicht ehrlich.

Wie Ihr seht, bin ich nur ein Schatten meiner selbst. Ich hoffe sehr, Ihr helft uns. Ich werde Euch nach Kräften…", er lachte selber über die Wortwahl, „…unterstützen.“

Diese kurze Unterhaltung ist aber auch schon zuviel für Ronan, er ist wirklich sehr schwach. Alle bemerken, dass er kaum noch den Kopf halten kann.

Josh, der das auch bemerkt, erwidert: „Ich hoffe, ich werde Euch nicht enttäuschen. Ich verstehe zwar noch immer nicht ganz, wieso Ihr gerade mich ausgewählt habt. Ich sehe Euch zwar ähnlich, aber ich kann nicht reiten oder kämpfen und mich nicht benehmen wie ein Edelmann. Aber ich werde mein Bestes geben. Ob das allerdings reicht, weiß ich nicht.“ Schwach antwortet der Ritter:

„Warum wir gerade Euch gewählt haben, werdet Ihr erfahren, wenn die Zeit gekommen ist. Ja sicher werdet Ihr es erfahren und ich bin fest davon überzeugt, Ihr werdet uns nicht enttäuschen.“ Dann schließt er die Augen, das Zeichen, dass diese Unterhaltung beendet ist. Cerjoc und Josh verbeugen sich höflich und gehen.

Cerjoc sieht sehr besorgt aus, sie haben eine Herkulesaufgabe vor sich. Die Zeit drängt und sie müssen aus einem einfachen Burschen einen Ritter machen, der eine sehr schwierige und gefährliche Aufgabe zu erfüllen hat.

Als sie aus dem Unterstand kommen, sieht Josh betrübt und verwirrt aus.

„Es sieht so aus, als bliebe uns nicht viel Zeit."

„Lasst Euch davon nicht unter Druck setzen. Es hat keiner etwas davon, wenn wir überstürzt handeln."

„Das ist leicht gesagt. Ich mag den Ritter und ich bin massgeblich füür sein Wohlergehen verantwortlich."

Cerjocv wird durch diese Aussage bewusst, wie sensibel Josh ist. Er muss behutsam vor gehen.

Er sieht ihn an. „Kommt, lasst uns erst einmal etwas trinken.“ Auf der Lichtung gibt es eine Gruppe aus Sträuchern und Kleinbäumen, jetzt im Frühling blüht der Wildapfel überreich. Hier entspringt ein Bach, Josh deutet hin und fragt: „Kann man dieses Wasser gefahrlos trinken?"

„Ja, wir achten genau darauf, dass es nicht verunreinigt wird. Ich hole uns zwei Becher.“ Cerjoc geht. Josh setzt sich auf einen umgestürzten Baumstamm, Nepomuk legt sich zu seinen Füßen.

Während er wartet, sieht er sich um. Die Sonne scheint von einem nahezu wolkenlosen Himmel, es ist jetzt bereits warm, ein schöner Frühsommertag. Das Lager befindet sich auf einer großen Lichtung, einen etwas längeren Fußmarsch vom Weg entfernt. Außerdem schützt eine niedrige Hügelkette zusätzlich vor ungebetenem Besuch. Ein heftiger Sturm hat am Rande der Lichtung, mehrere große Fichten mitsamt dem Wurzelteller umgeworfen. So entstanden in dem lehmigen Boden, kleine Höhlen, groß genug für die Zwerge, aber freilich zu klein für Menschen und Ihre Pferde. Die Eichen und Buchen haben dem Sturm standgehalten. Der Tag ist friedlich, von dem Schrecken des Unwetters ist nichts mehr zu spüren

Das hier jemand vorbei kommt und sie entdeckt, ist sehr unwahrscheinlich, selbst Jäger und Pilzsammler gehen nicht so tief in den Wald. Die Leute haben Angst vor Geistern und wilden Tieren. Schauerliche Geschichten ranken sich um die Wälder. Muss doch jemand auf einer Reise den Wald durchqueren, hält er sich auf den Wegen und versucht diese unheimliche, unbekannte Gegend so schnell wie nur irgend möglich, hinter sich zu lassen. Trotzdem stellen die Zwerge zur Sicherheit Wachen auf.

Die Luft ist erfüllt von den Rufen und Hammerschlägen der Zwerge. Da sich Josh entschieden hat zu helfen und das Lager längere Zeit benötigt wird, bauen die Zwerge mehrere, bessere und vor allem höhere Unterstände. Mit Hilfe, über Äste geschlungener Seile, werden dünnere Baustämme emporgezogen und zu Hütten verbunden. Die Rufe: „Hau ruck, hau ruck, strengt euch an Freunde", schallen durch den Wald. Die Dächer und Wände werden später mit gegerbtenTierfellen regensicher gedeckt. In der Mitte des Daches gibt es einen Abzug für den Rauch des Feuers. Die Felle und den Kammerdiener des Ritters lässt der Zwergenkönig gerade aus der Burg holen. Cerjoc kommt mit zwei Bechern voll frischen, klaren Quellwassers und zwei Schmalzbroten mit gehackten Kräutern zurück. Er setzt sich neben Josh auf den Baumstamm, sie essen zunächst wortlos.

Cerjoc ist nachdenklich: „Josh, jetzt da Ihr Euch entschieden habt zu bleiben, müssen wir Euch an den Namen Ronan gewöhnen. Ich schlage vor, wir nennen Euch Ronan und den Ritter nennen wir einfach Ritter, was meint Ihr?“

„Das finde ich gut, ansonsten kommen wir dauernd durcheinander. Aber da ist noch etwas, ich weiß zwar nicht, ob sich das gehört, aber ich bin es nicht gewöhnt so förmlich angesprochen zu werden. Ich fühle mich dabei nicht wohl, ich denke, ich muss sehr viel lernen, dann nicht auch noch DAS. Bitte nennt mich einfach Ronan, und mir wäre es lieb, wenn wir beim formlosen DU bleiben könnten, was meint Ihr?“

Cerjoc sieht ihn an, Ronan hat recht, es kommt viel auf ihn zu, es wird sehr schwer. Ronan ist sich der Tragweite ihres Vorhabens noch gar nicht in vollem Umfang bewusst, man könnte leicht verzagen. Ein vertrauter Umgang wird helfen, alles leichter zu verkraften. Deshalb antwortet er: „Ist mir recht, Ihr, beziehungsweise du entscheidest, so soll es also sein.“

Cerjocs Stimmung hellt sich deutlich auf, als er an Sturmwind denkt. Fröhlich lädt er Ronan ein. „Kommt, ich stelle Euch, Entschuldigung, dir, dein Pferd STURMWIND vor.“

Er liebt Tiere, auf diese kann man sich bedingungslos verlassen, sie haben keine Hintergedanken und treiben niemals ein doppeltes Spiel. Tiere machen sich niemals besser als sie sind, eher stellen sie sich in einem ungünstigen Licht dar, ungeachtet der Folgen.

Sturmwind ist ein großer Rapphengst mit einer Blesse und zwei weißen Fesseln vorn. Er hat eine üppige Mähne, einen dichten Schweif und temperamentvolle, aber gutmütige, braune Augen. Sturmwind ist ein Bild von einem edlen Pferd, eines Ritters würdig. Da der Unterstand noch nicht fertig ist, haben die Zwerge das Pferd an einen Baum auf der Lichtung festgebunden. Das Seil ist sehr lang und in Bodennähe um den Stamm der Weide geschlungen.

Die Sonne glänzt auf dem schwarzen, sorgsam gestriegelten Fell des Rappen. Das Pferd tänzelt erregt, als sich die beiden Männer nähern. Es wirft den Kopf zurück, die Mähne weht im Wind, Sturmwind steigt leicht, seine Vorderhufe heben sich nur ungefähr einen Meter vom Boden ab, ehe er wiederaufkommt, der Sand spritzt nach allen Seiten hoch. Er senkt den Kopf und versucht sich zu drehen, soweit das Seil es zulässt.

Seit einiger Zeit, seit der Ritter zu krank ist, ist Sturmwind nicht ausgiebig bewegt worden, daher die überschäumende Energie.

Als die Männer an Sturmwind herantreten, empfängt sie ein erregtes Schnauben und der würzig, warme Geruch des Pferdes.

Cerjoc stellt sie einander vor und sagt, so als wolle er sich selbst Mut machen.

„Er ist ein hervorragend ausgebildetes Pferd und ein treuer Freund. Wenn ihr euch erst kennt wird er dich nie im Stich lassen.“ Ronan streichelt dem Hengst über die weichen Nüstern, der Hengst wird ganz ruhig. "„Sie verstehen sich", denkt Cerjoc erleichtert.

„Du wirst mir helfen müssen“, flüstert Ronan dem Pferd leise zu, „denn ich habe noch nie auf einem Pferd gesessen, ich kann nicht reiten, geschweige denn, zu Pferde kämpfen.“ Sturmwind schnaubt und schmiegt seinen Kopf an Ronans Schulter. Man kann das, mit etwas Wohlwollen, durchaus als Zustimmung deuten. Die beiden Männer wollen jedenfalls so denken.

Ein leichter, warmer Wind zerzaust Ronans Haar und die Mähne des Pferdes. Ronan ist stolz, dieses prächtige Tier, schöner als er es sich je erträumt hat, wird ihm gehören. Was ihm aber noch wichtiger erscheint, in diesen schwierigen Zeiten hat er eine starke Schulter zum Anlehnen und einen sensiblen, immer treuen Freund gefunden.

Cerjoc unterbricht die Szene: „Der König hat nach Torjan geschickt, dem Kammerdiener des Ritters. Er wird angemessene Kleider mitbringen und aus dir, durch Haarschnitt und Rasur, rein äußerlich einen Ritter machen. Allerdings wird es einige Tage dauern, bis er hier eintrifft."

Cerjoc räuspert sich und sagt bedeutungsvoll: „Jetzt bringe ich dich zu Sina."

„Sina" fragt Ronan, „Wer ist das?"

Cerjoc lacht: „Kein wer, eher ein was. Sina ist dein Schwert."

Ronan schaut sehr verwundert. Das muss eine besondere Waffe sein. Cerjoc hat den Namen ehrfürchtig, fast liebevoll ausgesprochen.

Cerjoc geht zur Höhle des Königs und ruft hinein. „Könnt Ihr uns bitte Sina herausbringen." Mehrere Zwerge kommen aus der Höhle, sie tragen ein in Leder eingewickeltes, verschnürtes Bündel und legen es vorsichtig vor Cerjoc ab.

Dieser packt es aus. Zunächst erscheint eine verzierte lederne Scheide, in das Leder ist in goldenen Lettern eingraviert `SCHÜTZEN, HELFEN, RETTEN`.

Als Cerjoc das Schwert aus der Scheide zieht, kommt eine wunderschöne, elegante Waffe zum Vorschein. Solch ein Schwert hat Ronan zuvor noch nie gesehen, er kennt nur die geraden, schweren, eher plumpen Ritterschwerter. Als er es sieht, entfährt ihm ein bewunderndes „Oh, wie schön"

„Schön ist es wohl", entgegnet Cerjoc, „aber es ist auch tödlich und sehr scharf."

Cerjoc legt das Schwert auf seine Handflächen, so überreicht er Ronan die Waffe. „Nimm Sina, sie ist dein."

Ronan zögert, die Sonne bricht sich in der blanken Klinge, wie von einem Spiegel werden ihre Strahlen reflektiert und blenden Ronan, der wendet kurz den Blick ab und macht die Augen zu. „Trau Dich", Cerjoc reckt Ronan die Arme mit Nachdruck nochmal entgegen. Zögerlich ergreift Ronan den Knauf und nimmt das Schwert vorsichtig von Cerjocs Händen. Es ist leichter als erwartet und liegt perfekt in der Hand. Die Klinge ist schmal und leicht gebogen, ungefähr anderthalbmal so lang wie Ronans Arm. Durch das geringe Gewicht lässt es sich sehr genau führen. Die Klinge ist blank poliert und schimmert leicht bläulich, es sind geheimnisvolle Zeichen fein eingraviert. Der Griff ist aus edlem Leder gefertigt, das angenehm zu halten ist. Er hat nicht die typische Kreuzform, sondern zur Klinge hin eine Verdickung, in die ein blauer Edelstein eingearbeitet ist.

Cerjoc reisst ein Blatt von einem Baum und wirft es in die Luft. „Halte das Schwert darunter, mit der Klinge nach oben." Das Blatt segelt langsam zu Boden. Als es die Klinge berührt, wird es in zwei Hälften geschnitten, ohne das es sichtbar aufgehalten wird, oder seine Richtung ändert. „Ich wollte dir beweisen, wie scharf dieses Schwert ist, sei also vorsichtig. Die Klinge ist zwar schmal und elastisch, aber lass dich nicht täuschen, sie ist sehr hart und nimmt es im Kampf mit jedem Schwert auf."

Ronan ist beeindruckt, er zerteilt die Luft mit einigen ungelenken, vorsichtigen Schwüngen.

„Wer hat diese Waffe geschmiedet?"

„Das wissen wir nicht, es weiß niemand, wie es überhaupt so fein geschmiedet werden konnte. Als der Ritter damals schwor den magischen Kristall mit seinem Leben zu verteidigen, war es am nächsten Morgen plötzlich da. Dabei lag ein Papier mit einem Spruch." Cerjoc zitiert:

„SINA - DAS SCHWERT DER GERECHTIGKEIT - GEHÖREN WERDE ICH FÜR IMMER DEM HÜTER DES KRISTALLS, VERSUCHE NIEMALS MICH ZU TÄUSCHEN, IMMER EDLE ABSICHTEN SOLLST DU HABEN`.

„Die Wachen sahen niemanden hineingehen. Deshalb hält sich die Legende, das Schwert sei vom Schicksal selbst geschmiedet worden. Ich weiss es nicht, ich weiss nur, dass es mit dem Ritter bereits in vielen Schlachten gekämpft hat und noch nie einen Kratzer bekam."

Ronan sieht Cerjoc ungläubig an. „Ich kann nicht glauben, dass ich diese Waffe benutzen darf."

„Das heißt nicht benutzen sondern führen, aber sei es drum. Das Schwert ist dein, es wird dir helfen, solange du den magischen Kristall verteidigst. Was sich hinter der Warnung auf dem Papier verbirgt weiß niemand, fordere das Schwert nicht heraus.

Es ist eine Ehre, Sina zu führen, aber auch eine große Verantwortung. Das Schwert wird dir helfen, aber nur, wenn es ein Teil von dir wird, du musst es fühlen. Es ist weiblich, behandle es entsprechend einfühlsam. Normalerweise ist Kampf rohe Gewalt, gewöhnliche Ritterschwerter eignen sich zum Hauen und für grobe Hiebe.

Sina dagegen wird dir helfen, dich zu verteidigen und die Feinde des Kristalls im Kampf zu besiegen. Sie ist leicht, liegt gut in der Hand, sie wird mit dir verschmelzen, dadurch wird ein geschmeidiger, eleganter Kampfstil möglich. Du musst aber sehr viel üben, um das zu erreichen."

Dass Sina dem Träger hilft, ist nicht sicher, niemand kennt ihre Fähigkeiten genau. Cerjoc hat sich das ausgedacht, in der Hoffnung, allein dieser Glaube wird helfen. Wenn Ronan glaubt, das Schwert kann geheimnisvolle Kräfte entwickeln, wenn er es nur richtig einsetzt, wird er in einer kritischen Lage über sich hinauszuwachsen. Herzblut, Entschlossenheit und Konzentration sind die Eigenschaften, die jedem Kämpfer den entscheidenden Vorteil verschaffen. Das weiß Cerjoc wohl, ein bisschen moralische Unterstützung kann aber nicht schaden.

„Jetzt aber zunächst genug, ich muss ins Dorf und glaubhaft vermitteln, was Euch, Verzeihung dir, angeblich zugestoßen ist".

„Richtig, das hätte ich beinahe vergessen", bemerkt Ronan etwas bedrückt.

Cerjoc lächelt, „ist ja auch kein Wunder, bei so viel Neuem.

Weil ich zunächst weg muß, wird der Zwergenkönig damit beginnen, dir allgemeine Umgangsformen der besseren Gesellschaft beizubringen. Abos begleitet dich zum König.

Also dann, sehen wir uns morgen." Cerjoc nimmt die Zügel seines Pferdes, das die Zwerge hergeführt haben und die absichtlich verschmutzen Sachen, für seine Verkleidung entgegen.

„Ich ziehe mich gleich noch um, damit ich glaubhaft wirke." Er geht zu einem Gebüsch, bevor er aufbricht.

Ronan sieht ihm nach, er fühlt sich außerordentlich unwohl bei dem Gedanken, dass Cerjoc ihn alleine lässt. Alles ist neu und Cerjoc ist die einzige Person, der er überhaupt vertraut. Trotzdem grüßt er zum Abschied und ruft Cerjoc nach, „Viel Glück, bis morgen.“

Nachdem Cerjoc im Wald verschwunden ist, bringt Abos Ronan zum König.

„Komm Ronan, wir sollten den König nicht warten lassen."

Als die beiden ankommen empfängt dieser sie vor der Höhle, Ronan und Abos verneigen sich.

„Seid gegrüßt, Majestät?"

„Sei gegrüßt, also fangen wir gleich an, aus dir einen Edelmann zu machen. Du musst dein Auftreten verändern, nicht nur dein Aussehen. Stell dich einfach einmal vor mich hin."

Ronan steht wie ein Fragezeichen vor dem König, mit hängenden Schultern, das Schwert hält er wie einen Besen.

Der König schaut zu Abos hinüber, der sich direkt daneben in den Schatten gesetzt hat. Als er den Blick des Königs sieht, zuckt er mit den Schultern und denkt bei sich: „Ihr wolltet ihn ja unbedingt haben, das geschieht Euch jetzt recht."

„So nicht", der König erhebt sich, baut sich vor Ronan auf und demonstriert ihm, was er von ihm fordert.

„Sieh her, du musst immer aufrecht stehen, dein Schwert voller Stolz halten. An deinem Auftreten muss jedermann merken, wer du bist. Das Schwert trägst du links am Gürtel. auf dieser Seite führst du auch deine Dame, so hast du die rechte Hand frei, um das Schwert zu ziehen und deine Dame und dich zu verteidigen. Lass uns das Üben, schreite einfach vor mir auf und ab." Ronan tut wie ihm befohlen, der König beobachtet sein Bemühen.

„Nein, so nicht. Du sollst nicht latschen. Aufrecht! Gerade gehen!", schreit der König ungehalten.

Ronan übt das Stehen und dann das Schreiten. Zunächst ist es aber eher ein Latschen. Stundenlang die gleichen Anweisungen, mit den, immer ungehaltener werdenden Kommentaren des Königs.

Abos langweilt sich, er beginnt Grimassen zu schneiden. Die Diener des Königs, die mit ernster Miene hinter dem Thron stehen sollen, können sich das Lachen kaum verkneifen.

Der König bemerkt die Unkonzentriertheit seiner Wachen.

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