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Secret Academy

Inhalt

  1. Cover
  2. Über die Autorin:
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Widmung
  6. Prolog
  7. 1. Kapitel
  8. 2. Kapitel
  9. 3. Kapitel
  10. 4. Kapitel
  11. 5. Kapitel
  12. 6. Kapitel
  13. 7. Kapitel
  14. 8. Kapitel
  15. 9. Kapitel
  16. 10. Kapitel
  17. 11. Kapitel
  18. 12. Kapitel
  19. 13. Kapitel
  20. 14. Kapitel
  21. 15. Kapitel
  22. 16. Kapitel
  23. 17. Kapitel
  24. 18. Kapitel
  25. 19. Kapitel
  26. 20. Kapitel
  27. 21. Kapitel
  28. 22. Kapitel
  29. 23. Kapitel
  30. 24. Kapitel
  31. 25. Kapitel
  32. 26. Kapitel
  33. 27. Kapitel
  34. 28. Kapitel
  35. 29. Kapitel
  36. 30. Kapitel
  37. Danksagung

Über die Autorin:

Valentina Fast wurde 1989 geboren und lebt heute im schönen Münsterland. Beruflich dreht sich bei ihr alles um Zahlen, weshalb sie sich in ihrer Freizeit zum Ausgleich dem Schreiben widmet. Ihre Leidenschaft dafür begann mit den Gruselgeschichten in einer Teenie-Zeitschrift. Ihre E-Book-Reihe ROYAL wurde zum Bestseller. SECRET ACADEMY ist nun ihr Debüt bei ONE.

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Für Elena und Karina.

Weil ihr die besten Schwestern seid

und wir uns nahe sind,

egal wie viele Kilometer uns trennen.

Prolog

Wie alles begann …

»Lexiiiiii.« Meine kleine Schwester Cassie zog meinen Spitznamen flehentlich lang. »Spiel mit!« Ihre großen blauen Augen erinnerten mich so sehr an unseren Vater, dass ich kurz meinen Kopf abwenden musste und einmal mehr hoffte, dass sie es nicht bemerkte. Mein Blick glitt durch den Schlafsaal, den wir uns mit zehn anderen Mädchen teilten, die allesamt jünger als ich waren. Die Betten standen dicht nebeneinander aufgereiht, und dazwischen war gerade mal genug Platz, um dort entlang zu gehen. Dennoch spielten meine zehnjährige Schwester Cassie und drei andere Mädchen in ihrem Alter seelenruhig auf dem Boden mit Puppen, die unsere Eltern schon längst weggeworfen hätten. Nur waren diese Puppen alles, was meine Schwester außer mir noch hatte.

»Heute nicht.« Ich schenkte meiner Schwester ein kurzes Lächeln. Sie war fünf Jahre jünger und kam viel besser mit allem zurecht als ich selbst. Zumindest wollte ich, dass es so war. Vielleicht redete ich mir das auch nur ein, um mir nicht noch mehr Sorgen machen zu müssen.

Als unsere Eltern vor einem knappen Jahr bei einem Autounfall ums Leben kamen, verloren wir alles. Unsere Spielsachen, unsere Freunde, unser Zuhause. Wir hatten niemanden mehr, und der Staat steckte uns in ein Londoner Kinderheim.

Cassie mit ihren blonden Haaren und ihren freundlichen Augen war so ein hübsches Mädchen, dass sich die Anfragen für sie schnell häuften. Da wir aber Schwestern waren und uns niemals trennen wollten, hätten die Leute uns gemeinsam adoptieren müssen. Wenigstens akzeptierte die Heimleiterin unseren Wunsch, zusammenzubleiben. Mir war klar, dass dies nicht immer üblich war.

Doch scheinbar wollte niemand eine brünette, hagere Teenagerin, die der Heimleiterin nach viel zu finster dreinschaute.

»Na gut«, seufzte Cassie, so wie Mom es immer getan hatte, wenn sie wusste, dass sie trotz allem ihren Willen bekommen würde. Kurz fiel ihr Blick traurig auf die Puppe, bevor sie mich wieder angrinste. »Machst du mir eine Blume?«

Ich lachte und nickte dann, bevor ich mich von meinem Bett erhob, auf dem ich gerade noch gelegen und gezeichnet hatte. Nicht, dass ich besonders talentiert war, aber es lenkte mich ab. Ich setzte mich auf den Bettrand, riss ein Blatt Papier aus meinem Block und strich es glatt, während die Mädchen mit dem Spielen aufhörten und vom Boden aus zu mir aufschauten. Sie waren alle so jung und jede von ihnen hatte diesen traurigen Ausdruck in den Augen, als hätten sie in ihrem jungen Leben schon zu viel mitgemacht. Ich lächelte, weil ich wusste, dass ein Lächeln die Seele mehr wärmen konnte, als es ein Kleidungsstück jemals könnte. Sie lächelten schüchtern zurück.

Ein letztes Mal strich ich das Papier glatt, bevor ich es zur Hälfte knickte. »Einst lebte in einem fernen Land eine schöne Prinzessin«, begann ich, wie immer, wenn ich die Blume faltete, so wie meine Mutter es mir beigebracht hatte. »Sie war so schön, dass die Prinzen von nah und fern kamen, um sie um ihre Hand zu bitten. Doch niemand von ihnen konnte sie beeindrucken. Ihr Vater fand, sie solle endlich heiraten, und ungeduldig wie er war, forderte er seine Tochter auf, sich endlich zu entscheiden.«

Meine Schwester kicherte, wie immer an dieser Stelle, und ich lächelte schief, während ich weiterbastelte. »Aber die Prinzessin war eigensinnig und wollte sich nichts vorschreiben lassen, deshalb entschied sie, dass nur derjenige Prinz sie zur Frau nehmen durfte, der ihr das schönste Geschenk machte.« Mir war plötzlich, als würde mir beim Erzählen das blumige Parfüm meiner Mutter in die Nase steigen, und mit einem Mal fühlte ich mich in die Vergangenheit zurückversetzt. Ich konnte mich noch genau daran erinnern, wie ich in Cassies Alter neben meiner Mom gesessen hatte und sie mir diese Geschichte erzählte. Die Erinnerung ließ mich kurz wehmütig werden, weil sie trotz allem zu schön war, um sie vergessen zu wollen. »Die Prinzen kamen in Scharen und brachten die wunderbarsten Geschenke. Doch kein Schmuck, keine schönen Kleider, keine prunkvollen Kutschen und auch nicht die schnellsten Pferde der Welt konnten sie begeistern. Aber die Prinzen kamen immer wieder, auch wenn es von Jahr zu Jahr weniger wurden. Denn irgendwann verbreitete sich das Gerücht, die Prinzessin sei gierig, hochmütig und würde sich niemals entscheiden können, weil sie sich so von den dargebotenen Reichtümern blenden ließ.«

Nun begann ich, die Blume zu formen. »Doch dann kam ein Prinz, der von einem Sturm überrascht wurde. All seine mitgebrachten Geschenke fielen in einen Fluss und wurden fortgespült. Gnädigerweise erhielt er bei einer Bauernfamilie Zuflucht für die Nacht. Am nächsten Tag sah er, dass seine edle Kleidung ruiniert war, doch da er kein eitler Mann war, machte es ihm nichts aus, die geflickte Kleidung des Bauers zu tragen. Sie liehen ihm einen alten Gaul, mit dem er weiterreiten konnte und warnten ihn noch, dass die Prinzessin ihn so niemals empfangen würde. Doch der Prinz lachte nur und machte sich auf den Weg zum Palast. Dort saß die Prinzessin auf ihrem Platz, neben dem Thron ihres Vaters, und war traurig. Nicht einer hatte sie als die Frau gesehen, die sie war, und es würde auch niemand mehr kommen. Dann aber trat der Prinz in den Saal. Die Wachen wollten ihn schon nicht vorlassen, doch die Prinzessin winkte ihn neugierig zu sich.« Ich machte eine Pause und schaute in die erwartungsvollen Gesichter der Mädchen, die sich voll und ganz auf mich konzentrierten. »Er hatte nichts bei sich, was er der Prinzessin schenken konnte, doch als er sie sah, verliebte er sich sofort in ihre strahlenden Augen. Der Prinz bat um ein Blatt Papier, und die Neugier der Leute wuchs. Mit geschickten Fingern faltete er eine Blume daraus und kniete sich dann vor die Prinzessin.« Ich hielt die fertig gefaltete Blume zwischen meinen Fingerspitzen und streckte sie den Mädchen entgegen, als wäre ich selbst der Prinz. »Meine Prinzessin, ich habe nichts bei mir, was Euch von einer Ehe mit mir überzeugen könnte. Doch ich möchte Euch diese Blume schenken. Sie wird niemals vergehen, genauso wie meine Liebe zu Euch, die in mir entfachte, als ich Euch zum ersten Mal in die Augen blickte. Nehmt diese Blume von mir an, das bitte ich Euch, selbst wenn Ihr mich abweisen wollt. Denn dann weiß ich, dass wenigstens ab und an ein kleiner Gedanke von Euch mir gehören wird.«

Cassie und ihre Freundinnen seufzten, und ich betrachtete lächelnd die kleine Blume aus Papier zwischen meinen Fingern. »In der Prinzessin entbrannte in diesem Moment eine ebenso große Liebe für den Prinzen, denn er war der Erste, der sie als Frau sah und nicht als Prinzessin. Überwältigt von ihren Gefühlen bat sie ihn selbst um seine Hand, zur Empörung aller Anwesenden. Er lachte erfreut und sagte natürlich zu. Sie heirateten noch am selben Tag, und die Feierlichkeiten liefen eine ganze Woche lang. Gemeinsam lebten sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage.«

»Ich will auch einen Prinzen«, seufzte meine kleine Schwester und brachte mich damit zum Lachen.

»Dafür bist du noch zu jung, aber stattdessen bekommst du eine Blume.« Ich legte ihr die Bastelei in die Hand und schaute dann zu den anderen Mädchen, die die Blume mit großen Augen betrachteten. »Und jetzt mache ich für jede von euch eine dieser besonderen Blumen, ja?«

Das darauffolgende Jubeln war mehr wert, als ich aussprechen konnte. Diese Mädchen hatten ihre Familien verloren oder waren ihnen aus gutem Grund entrissen worden – und dennoch freuten sie sich über so eine kleine Papierblume. Mit einem Lächeln begann ich, weitere Zettel aus meinem Block zu reißen und dann zu falten.

Als ich schließlich fertig wurde, war es bereits so spät, dass unsere Hausmutter kam und das Licht ausschaltete. Wir alle legten uns in unsere Betten, aber es dauerte noch lange, bis die Mädchen aufhörten sich leise flüsternd zu unterhalten.

Ich selbst war jedoch hellwach und betrachtete gedankenverloren die Decke. Knochige Finger kratzten an ihr entlang, und hätte ich nicht gewusst, dass es nur die Schatten des kahlen Baums vor unserem Fenster waren, hätte ich mich vielleicht gefürchtet. Doch diese Angst hatte ich abgelegt, als mir klar geworden war, dass die Realität noch viel grausiger sein konnte als meine Fantasie. Meine Eltern zu verlieren, war so ziemlich das Schlimmste, was hätte eintreffen können.

Als die Kirchturmuhr draußen Mitternacht schlug, wartete ich noch einen Moment, bevor ich lautlos aus meinem Bett stieg und mich wieder anzog.

Seit dem Unfall litt ich an Schlaflosigkeit, und wenn ich schlief, dann quälten mich Albträume. Ich war nicht dabei gewesen, dennoch träumte ich davon, als wäre ich die einzige Überlebende.

Leise schlich ich aus dem Gemeinschaftszimmer und glitt in den leeren Flur, der in völliger Dunkelheit lag. Ich lief den mittlerweile bekannten Weg bis zu der Kammer, die sich direkt über den Garagen befand. Ich schloss hinter mir ab, bevor ich das Fenster öffnete und wie jede Nacht meinen Mund verzog, als die Scharniere knarrten. Ich hatte sie schon öfter heimlich geölt, doch der Erfolg hielt nie lange an. Mit einer fließenden Bewegung kletterte ich auf den Fenstersims und zog das Fenster hinter mir zu, bevor ich auf die Garage und anschließend auf die Straße sprang. Meine Landung war geübt und lautlos. Ich rannte sofort die Straße entlang, bis ich außer Sichtweite des Heims war und endlich langsamer wurde. Meine alten Schuhe waren kaum warm genug für den sich anbahnenden Winter, und meine Kapuzenjacke schützte mich nicht wirklich vor dem kalten Wind. Aber es waren die Sachen, die meine Eltern mir gekauft hatten, und deshalb gehörten sie zu meinen Lieblingsstücken.

Zitternd schob ich meine Hände in die Taschen meiner Jacke und zog die Schultern hoch, während ich über die Straße lief. Leichter Nieselregen setzte ein und benetzte meine Haut, doch ich spürte nur die pure Erleichterung, hier draußen zu sein. Obwohl es uns hätte schlechter treffen können, schienen mich die Mauern unseres Heimes mit jedem weiteren Tag ein wenig mehr zu erdrücken.

Ich fürchtete mich nicht in der Dunkelheit, denn sobald ich um die Ecke bog, kam ich auf eine Hauptstraße, die voller Licht und Leben war.

Mein Vater hätte mich für den Rest meines Lebens eingesperrt, wenn ihm nur zu Ohren gekommen wäre, was ich tat. Immerhin war ich minderjährig, gerade mal fünfzehn Jahre alt, und lief durch die nächtlichen Straßen von London. Aber vielleicht wusste mein Dad es ja auch und schrie mich vom Himmel aus an. Bei diesem Gedanken musste ich lächeln.

Ich blieb auf der belebten Straße, lief vorbei an Restaurants, Bars und Hotels. Hier war alles voll, laut und bunt. Es lenkte mich ab, und wenn ich mich lang genug bewegte, wurde ich vielleicht müde genug, dass ich zu erschöpft zum Träumen war.

Die ersten Nächte im Kinderheim waren meine persönliche Hölle gewesen. Während Albträume, schmerzliches Vermissen und die Sorge um unsere Zukunft mich quälten, hatte ich es kaum eine halbe Stunde am Stück zwischen all den schlafenden Kindern ausgehalten. Sie hatten mir viel zu deutlich vor Augen geführt, dass wir nun zu ihnen gehörten. Wir waren einsame Seelen, die von ihren Familien aus den verschiedensten Gründen getrennt worden waren.

Unruhig hatte ich mich damals durch das Heim geschlichen und war irgendwann auf die Kammer gestoßen, von der aus ich über die Garage nach draußen klettern konnte.

Zunächst hatte ich nicht gewusst, was ich tun sollte, war einfach nur losgelaufen und wollte wenigstens für einen kurzen Moment diesem neuen Leben entfliehen. Als ich schließlich völlig erschöpft in den frühen Morgenstunden, kurz vor Sonnenaufgang, zurückgekehrt war, hatte mich ein müder Frieden eingehüllt.

Seitdem lief ich jede Nacht durch diese Straßen und konnte mich wenigstens für wenige Stunden der Illusion hingeben, dass ich auf meinem Rückweg unser Zuhause ansteuern würde – und nicht diesen trostlosen Ort. Manchmal hoffte ein kleiner Teil von mir, dass wir irgendwann wieder ein Zuhause haben würden. Einen Ort, an dem wir uns geborgen fühlen könnten. Doch ein anderer, zynischer Teil von mir war sich sicher, dass es so einen Ort ohne unsere Eltern nicht geben konnte.

Ich sog tief die kühle, feuchte Nachtluft ein und lächelte grimmig. Aber vielleicht, irgendwann, würde ich so einen Ort erschaffen können. Für mich und meine Schwester. Nur für uns beide. Es wäre nicht dasselbe Zuhause wie früher, aber immerhin ein Zuhause.

Gedankenverloren betrachtete ich den Boden und wich gerade einem Kaugummifleck aus, sodass ich die Gruppe Feiernder erst im letzten Moment bemerkte. Einer von ihnen rempelte mich an. Ich stolperte, knickte um und spürte wie mein Herz einen Moment lang aussetzte, als ich in Richtung Straße fiel.

Jemand rief etwas, ich streckte meine Hände aus, wollte mich irgendwo festhalten, doch griff ins Leere.

Im nächsten Moment ertönte ein lautes Hupen. Ein Knall durchzuckte die Nacht. Schreie ließen mein Herz noch schneller schlagen, während ich spürte, wie mich etwas nach vorne schleuderte. Reifen quietschten. Ein Auto fuhr davon. Mein Gesicht brannte. Verschwommen sah ich Lichter. Beine kamen auf mich zu. Rauschen setzte in meinem Kopf ein. Jemand legte seine Hände auf meine Arme. Worte wurden gesagt. Ich verstand nichts.

Im nächsten Moment explodierte der Schmerz in meinem Kopf und ließ die Welt kippen. Ein letztes Mal sog ich Luft ein, spürte das aufkommende Zittern in meiner Brust, bevor alles um mich herum schwarz wurde.

*

Als ich aufwachte, war mir schummrig, doch ansonsten schien es mir gut zu gehen. Vermutlich hatte mir jemand ein Schmerzmittel gegeben. Ich erinnerte mich vage an den Unfall, daran, dass mich jemand angerempelt und mich ein Auto angefahren hatte.

Träge blinzelte ich und wartete einen Moment, bis sich meine Augen langsam scharf stellten und der müde Schleier über ihnen verschwand. Weiße Wände umrahmten ein Fenster, hinter dem Dunkelheit lag, und ein Piepen durchflutete den gesamten Raum. Ich lag im Krankenhaus.

Es dauerte einen Moment, bis der Gestank von Desinfektionsmittel meine Nase brennen ließ. Ich hielt kurz die Luft an, schob den Gedanken beiseite, dass Unfallopfer hierherkamen, und atmete dann einmal tief durch. Ich lebte. Also war alles okay.

Und es war noch mitten in der Nacht. Also hatte noch niemand mitbekommen, dass ich mich aus dem Heim geschlichen hatte. Cassie schlief und musste sich keine Sorgen um mich machen. Erleichterung überkam mich.

Das leise Quietschen eines Stuhls schräg hinter mir ließ mich zusammenzucken.

Ich drehte meinen Kopf und sah im Augenwinkel, wie sich jemand erhob. Eine Ärztin mit kurzen, blonden Haaren und einem freundlichen Lächeln ging um mein Bett herum, wobei ihr Kittel aussah, als wäre er ihr zwei Nummern zu groß. Fast, als hätte sie sich ihn in aller Hast übergestreift und nicht bemerkt, dass er jemand anderem gehörte. »Entschuldige, Alexis, wir wollten dich nicht erschrecken.«

Sie hatte mich beobachtet, dachte ich und öffnete gerade meinen Mund, um zu fragen, wen sie noch meinte, als ich kurz darauf hinter ihr einen Mann aufragen sah. Er lächelte ebenfalls leicht und betrachtete mich neugierig.

Meine Stirn legte sich in Falten, und ich spürte eine Woge aus Wärme, als ich ihn näher betrachtete. Gleichzeitig wusste ich, dass diese Wärme nicht von mir ausging. Ich kannte den Mann nicht, aber ich hatte ihn schon einmal gesehen, da war ich mir sicher. Aber wo?

Mein Blick zuckte zu der Ärztin, und ich spürte Neugier aufflammen. Sie tanzte wie ein Schwarm Ameisen über meine Haut, als würde sie mich kitzeln wollen. Sie war fremd, und dennoch spürte ich die Neugier, als würde sie aus meinem Inneren kommen. Dennoch war ich sicher, dass dieses Gefühl nicht von mir war.

Aber wie war das möglich?

»Wer-« Meine Stimme war ein leises Krächzen, und ich musste mich räuspern, damit ich von vorne anfangen konnte. »Wer sind Sie?«

»Ich bin Dr. Samantha Smith«, stellte sich die Ärztin vor und kam zu mir ans Bett. »Aber alle nennen mich Dr. Sam.«

»Okay.« Ich konnte nicht aufhören, sie anzustarren, während ich merkte, wie sich unter die Neugier, die in Wellen zu mir herüberschwappte, wachsende Panik mischte. Panik, die von mir selbst ausging.

Der Mann, der bisher geschwiegen hatte, stellte sich neben Dr. Sam, sodass ich ihn genauer betrachten konnte. »Hallo Alexis. Ich bin Charles Roberts.«

»Woher wissen Sie, wie ich heiße?«

»Du hattest einen Ausweis dabei«, antwortete mir Dr. Sam.

Mein Blick war weiterhin auf den Mann gerichtet. Charles Roberts. Der Name sagte mir nichts. Dennoch … »Ich kenne Sie«, entfuhr es mir leise, und ich spürte ein plötzliches Zittern in mir aufkommen, als ich die Überraschung in seinen Augen sah – und gleichzeitig spüren konnte. Dieses Mal war ich mir sicher, dass dieses Gefühl nicht von mir kam. Es musste von ihm ausgehen! Meine Brust hob und senkte sich schneller, während sich eine schmerzhafte Enge in meiner Kehle ausbreitete. Angst. Ein Teil von mir wollte schreien, doch ich zwang mich, ruhig zu bleiben. »Was passiert hier? Warum fühle ich mich so-« Ich verstummte, weil ich nicht wusste, wie ich es beschreiben sollte. Was war nur los mit mir? Hatte ich mir beim Unfall den Kopf angeschlagen? Das hier musste Einbildung sein.

Dr. Sams Blick war weich und doch drängend. »Alexis, bitte sag mir, wie du dich fühlst.«

»Ich … ich weiß es nicht.« Mein Mund verzog sich vor Angst und Frustration, und ich spürte plötzlich ein Brennen, das sich unnatürlich heiß durch meine Venen zog. Mein Blick senkte sich zu meinem Arm, an dem ein Zugang gelegt war – und ich bemerkte, dass mir eine rosa Flüssigkeit direkt in den Körper geleitet wurde. »Was ist das? Was machen Sie mit mir?« Meine Stimme klang unangenehm schrill in der Stille des Krankenhauszimmers.

»Ganz ruhig, Kleines«, versuchte mich Mr Roberts zu beruhigen, während Dr. Sam ein Klemmbrett von einem Beistelltisch nahm und etwas notierte.

»Was schreiben Sie da auf?« Ich atmete noch lauter, während mir Tränen in die Augen schossen. Und als ich meine Arme heben wollte, spürte ich, dass ich am Bett fixiert worden war. »Warum bin ich gefesselt? Was wollen Sie von mir?«

Mr Roberts schob sich in mein Sichtfeld und zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Er lächelte mich warm und verstehend an, und mir war, als würde er es wirklich ernst meinen, als würde er wirklich bedauern, dass ich gefesselt war. »Alexis, ich weiß, das ist jetzt alles ein wenig beängstigend, aber bald wirst du alles verstehen.«

Ich schluckte und wusste nicht, was ich sagen sollte, während mein Blick weiter nach unten wanderte. Meine Beine steckten in dicken Verbänden, als hätte ich sie mir gebrochen.

»Ich weiß, dass du mich erkennst, auch wenn du nicht weißt woher.« Er zog ein gefaltetes weißes Blatt aus seiner Jackentasche und beim näheren Hinsehen erkannte ich, dass es ein Foto war. Für einen Moment betrachtete er es mit einem warmen Lächeln, bevor er es umdrehte und ich das Bild sehen konnte. »Als wir uns das letzte Mal sahen, warst du ein paar Jahre jünger.«

»Sind das …« Meine Stimme versagte, als ich dieses alte Foto betrachtete, auf dem meine Eltern zu sehen waren. Sie lachten in die Kamera, und neben ihnen standen einige andere Leute, doch ich erkannte Mr Roberts direkt neben meinem Vater. Sie waren noch so jung und trugen Militärkleidung, die ich nur von alten Fotos kannte.

»Ja, das sind deine Eltern. Wir waren gute Freunde, und als sie starben …« Er schluckte sichtlich, bevor er mir ein gezwungenes Lächeln schenkte. »Wir wussten, dass ihr in ein Heim gekommen seid, aber wir konnten nichts unternehmen.« Sein Blick wurde ganz warm, nahezu liebevoll. »Ich weiß, es ist schwer zu verstehen, Kleines. Du bist noch so jung, aber ich bin mir sicher, du bist genauso schlau wie deine Eltern es waren.«

Ich blinzelte und starrte den Mann an, der mich anschaute, als würde er mich kennen – so, wie er scheinbar meine Eltern gekannt hatte. »Was soll schwer zu verstehen sein?«

Dr. Sam blickte derweil von ihren Unterlagen auf, und ihre Augen leuchteten leicht, als würde sie es lieben, die folgenden Worte auszusprechen. »Deine Eltern haben dir etwas ganz Besonderes vererbt.« Sie machte eine kurze Pause, bevor sie etwas leiser sagte: »Die perfekte Genstruktur.«

»Was?« Verwirrung ließ meine Lider flattern, und ich krallte meine Fingernägel in das Laken unter mir. Verrückt. Die beiden mussten verrückt sein. Aber er hat meine Eltern gekannt …

Mr Roberts nickte zustimmend. »Du weißt, dass deine Eltern beide bei der britischen Armee waren. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Sie lernten sich kennen, als sie sich beide freiwillig für ein Geheimprogramm meldeten. Dort wurde ihnen ein Serum gespritzt, mit dem es möglich ist, die körperlichen Fähigkeiten eines Menschen zu verstärken. Um es einfach zu erklären: Ihre genetischen Voraussetzungen dafür waren perfekt, und sie wurden quasi zu Superagenten.«

Ich öffnete meinen Mund und schaute Dr. Sam an, die jedoch nur lächelte und nickte, als würde sie seine Worte unterstreichen wollen.

Das ist doch Wahnsinn! Für einen kurzen Moment hatten ihre Worte über meine Eltern eine zarte Hoffnung in mir erweckt. Doch jetzt wurde mir klar, dass diese Menschen völlig irre waren! Mr Roberts ignorierte meine schockierte Miene und redete weiter. »Wir haben über die Jahre ein Mittel entwickelt, mit dem man die genaue genetische Zusammensetzung eines Menschen herausfiltern kann, um zu sehen, wer für das Programm geeignet ist oder nicht. Dabei haben wir festgestellt, dass es im Teenageralter am besten funktioniert. Deshalb konnten wir dich und deine Schwester nicht früher kontaktieren. Ihr seid beide zu jung gewesen. Doch du bist nun alt genug.« Er lächelte, und jedes seiner Worte klang so ehrlich, wohlüberlegt und ernst, dass sich plötzlich Zweifel in mir regten. »Du hast die perfekten Voraussetzungen, um in die Fußstapfen deiner Eltern zu treten.«

»Kann ich dasselbe wie meine Eltern?« Ich entspannte mich langsam, spürte, wie ich diesem Fremden glauben wollte, der scheinbar mit meinen Eltern befreundet gewesen war. Ich wollte es. So. Sehr. So sehr, dass es wehtat, denn plötzlich spürte ich ein flackerndes Licht, das mich meinen Eltern endlich wieder näherbringen würde. Zarte, naive Hoffnung regte sich in meiner Brust. Hoffnung darauf, mehr über meine Eltern zu erfahren und von ihrem Leben, das sie uns scheinbar verheimlicht haben sollten.

Das alles klang vollkommen wahnsinnig. Dennoch brachte dieser ernste und freundliche Ausdruck in seinen Augen mich dazu, ihm glauben zu wollen.

»Nicht genau dasselbe. Sie wurden durch das Serum sehr stark. Auch du bist nun stärker als vorher, doch du könntest noch weitere Fähigkeiten haben.« Mr Roberts nickte, und ich spürte so plötzlich Stolz und Erleichterung in mir aufkommen, dass ich zusammenzucken musste, weil es eindeutig nicht meine Gefühle waren.

»Was ist los?« Dr. Sam schob sich neben Mr Roberts und überprüfte meinen Puls. »Was war das gerade?« Sorge und Neugier schwappten in Wellen zu mir herüber, und ich kniff meine Augen zusammen. Mein Schädel pochte. Ich versuchte, diese Gefühle auszublenden, wegzuschieben, doch sie drängten sich bis in meine Brust.

»Du spürst oder hörst etwas, oder?« Dr. Sam legte ihre Hand auf meinen Arm. »Ja oder nein?«

Ich zögerte, nickte dann aber schließlich. »Ihre Gefühle. Ich spüre Ihre Gefühle.«

»Großartig«, murmelte Dr. Sam und trat zurück. »Das, meine liebe Alexis, ist deine Fähigkeit.«

Ich öffnete meine Augen wieder und sah in ihrem Gesicht Entzücken, spürte es sogar, als wäre das etwas Tolles. Ihre Freude war so stark und echt, dass ich einen Moment lang brauchte, um einen klaren Gedanken zu fassen, um zu realisieren, was sie gerade gesagt hatte. »Meine Fähigkeit …«

»Das ist großartig«, murmelte Dr. Sam lächelnd und notierte sich etwas auf ihrem Klemmbrett.

»Hör mir zu, ich weiß, das ist jetzt alles ziemlich viel für dich. Und du ahnst nicht, wie gerne ich dich eine Nacht darüber schlafen lassen würde, aber das wäre gegen die Regeln.« Mr Roberts wurde ernst. »Entweder du gehst zurück und wir löschen deine Erinnerungen, oder du kommst mit uns und wirst zu einer Agentin. Egal wofür du dich entscheidest, wir werden es akzeptieren. Aber du hast nicht mehr viel Zeit.«

»Wieso nicht?« Meine Stimme zitterte leicht, während ich meine Finger zwang, sich zu entspannen, die weiter an dem Laken unter mir zerrten. »Wieso habe ich keine Zeit?«

Dr. Sam lächelte mich beruhigend an. »Ich bin ebenfalls eine Agentin. Meine Fähigkeit ist, dass ich das zuletzt erlebte Ereignis aus deinen Erinnerungen auslöschen kann, wenn ich möchte. Entscheidest du dich gegen uns, werde ich genau das tun und du kannst weiterleben wie zuvor.« Sie blickte auf ihre Uhr. »Leider ist die Zeit gleich abgelaufen. Das nächste Ereignis wird folgen, doch ich muss deine Erinnerungen ab dem Zeitpunkt deines Erwachens löschen.«

»Aber was ist mit Cassie?«, fragte ich, obwohl ich gleichzeitig dachte, dass dies meine Chance auf ein besseres und bedeutendes Leben war. Eines, bei dem ich vielleicht nicht mehr Nacht für Nacht aus dem Fenster klettern musste, um meinen eigenen Gedanken entfliehen zu können. Ich würde Cassie beschützen können. Aber war es das wert? Konnte ich diesen Fremden vertrauen?

Mr Roberts presste kurz seine Lippen zusammen. »Deine Schwester muss im Heim bleiben.« Sein Bedauern war ehrlich, das spürte ich.

»Dann bin ich raus. Ich kann nicht … sie wäre ganz allein.«

»Du könntest in die Fußstapfen deiner Eltern treten, und sobald du volljährig bist, kannst du deine Schwester adoptieren. Ihr ein gutes Leben bieten. Vielleicht hat sie sogar ebenfalls die perfekte Genstruktur und wird in einigen Jahren auch Teil unseres Programms. Aber das wissen wir heute nicht.« Er redete schneller und unterstrich damit die Eile, zu der sie mich drängen wollten.

»Aber Sie würden Cassie testen? Wenn sie älter ist? Sie würden testen, ob sie ebenfalls diese Gene hat?«

Dr. Sam nickte. »Sobald sie bereit ist, werden wir sie testen. Noch ist sie zu jung. Aber in ein paar Jahren wissen wir, ob auch sie die Chance auf dieses Leben hat.«

»Als Superagentin.« Ich biss mir auf die Unterlippe. »Ich weiß nicht … meine Eltern … Sie sagen, meine Eltern waren Superagenten?« Hoffnung fraß sich in meine Brust, ließ mein Herz pulsieren, so fest, dass ich es gegen meine Rippen schlagen spürte.

Wieder nickte die Ärztin und lächelte weich. »Sie waren großartige Agenten, und wir sind sicher, dass du dies ebenfalls sein könntest.«

Mr Roberts hielt das Foto noch immer in seinen Händen und betrachtete es. »Du hast die Chance auf ein neues, aufregendes Leben. Du müsstest nicht mehr im Heim leben, sondern würdest in unserer Akademie wohnen, wo du auch ausgebildet wirst.«

Ich zögerte, denn ich wollte Cassie auf keinen Fall alleine lassen. Aber die Chance, etwas bisher Verborgenes vom Leben meiner Eltern zu erfahren, ließ meine Entschlossenheit wanken. Cassie könnte nachkommen … vielleicht war sie auch so wie unsere Eltern. Vielleicht könnten wir gemeinsam ein neues Leben beginnen. »Wo ist diese Akademie?«

»Am Stadtrand von London«, antwortete mir Dr. Sam und lächelte mich an, doch gleichzeitig spürte ich auch ihre Ungeduld, während sie erneut einen kurzen Blick auf die Uhr warf. »Wie entscheidest du dich?«

»Warum wollen Sie mich? Wieso gerade mich? Wieso bin ich so wichtig, dass Sie mich überzeugen wollen?«

Mr Roberts stieß ein schnaufendes Lachen aus. »Weil ich deinen Eltern versprochen habe, ein Auge auf euch zu haben, sollte ihnen etwas passieren. Außerdem brauchen wir Agenten wie dich. Junge Menschen mit besonderen Fähigkeiten. Es gibt nicht viele, die so gute Voraussetzungen mitbringen. Du bist etwas Besonderes. So, wie es deine Eltern waren.«

Seine Worte ließen mein Herz flattern, und ich spürte plötzlich, wie sehr ich sie vermisste, wie sehr es wehtat, dass sie nicht mehr hier waren. Mit einem Mal wollte ich ein Teil davon sein. Teil dieser Organisation, der meine Eltern angehört hatten. Ich wollte dieses Gefühl, ihnen wieder nahe sein zu können, festhalten und nie wieder loslassen.

Ich könnte Cassie immer besuchen. Sie würde es verstehen. Irgendwann. Und meine Eltern … sie waren Agenten. Ich könnte so sein wie sie.

Nun schaute auch Mr Roberts auf seine Armbanduhr und mir war, als würde er die Luft anhalten. »Die Zeit läuft ab.«

»Wie haben Sie mich so schnell gefunden?« Ich stieß die Frage aus, als würde sie mich zum Ersticken bringen. Es war ein Unfall gewesen. Oder nicht? »Wie konnten Sie so schnell hier sein?«

»Wir haben dich überwachen lassen, als klar war, dass du nachts alleine herumläufst. Ich konnte doch nicht zulassen, dass Amandas und Davids Tochter etwas passiert.« Er sprach die Namen meiner Eltern mit so viel Zuneigung aus, dass mir Tränen in die Augen schossen. »Unser Agent sah den Unfall und informierte uns umgehend. Du wirst es überleben. Deine Beine sind gebrochen, doch das Serum wird die Heilung beschleunigen. Alles an dir ist nun stärker. So wie deine Eltern stärker waren. Du könntest das für immer mit ihnen teilen.«

»Ich mache es.« Drei Worte. Mehr brauchte es nicht, um meine ganze Welt zu verändern. Sie schossen nur so aus meinem Mund, als hätte ich sie sowieso nicht länger aufhalten können, und für einen kurzen Moment schloss ich meine Augen und hoffte, Cassie würde mir das irgendwann verzeihen.

Als ich meine Augen wieder öffnete, sah ich Dr. Sam und Mr Roberts lächeln, als hätten sie nichts anderes von mir erwartet. »Willkommen beim MI20, Miss Young.«

   
   
   
Vier Jahre später

1.
Kapitel

Ich spürte die Anwesenheit einer anderen Person, noch bevor ich sie sah. Es war, als würde das Gefühl sich über meine Haut schlängeln, direkt in meine Poren hinein und mein Herz ein klein wenig schneller pumpen lassen. Meine Finger umschlossen die kleine handliche Waffe fester, die sich durch meine Berührung bereits warm und nicht mehr so fremd anfühlte. Pistolen waren zwar praktisch, aber ich war eher ein Freund von einem fairen Kampf.

Doch meine Befehle lauteten anders, und deshalb schlich ich jetzt durch das alte, leerstehende Hotel. Ich war nicht allein, vor wenigen Minuten erst hatte ich mich von meinem Partner getrennt, der in die entgegengesetzte Richtung des Flurs geschlichen war. Wir hatten in den unteren zehn Etagen schon viel zu viel Zeit vergeudet, und laut der schmalen Uhr an meinem Handgelenk würde in weniger als zehn Minuten das gesamte Gebäude in die Luft fliegen, wenn wir nicht endlich diese verdammte Bombe fanden!

Dies hier war die letzte und oberste Etage – eigentlich ein blöder Ort für einen Sprengsatz. Ich persönlich hätte sie ja im Keller deponiert. Und genau diese Annahme hatte uns wertvolle Zeit gekostet. Wenn wir sie nicht rechtzeitig entschärften, würde ich an allem schuld sein!

Ich lief ein wenig schneller und achtete gleichzeitig darauf, weiterhin lautlos zu bleiben. Die nächste Tür stand offen, und ich blieb nur einen Moment lang stehen, bevor ich den Raum betrat und sicherstellte, dass sich weder eine Person, noch die Gefahrenquelle darin befanden.

Schweiß lief mir über die Stirn, und ich atmete seit meinem vorherigen Aufeinandertreffen mit den zwei Terroristen noch immer viel zu schnell. Meine Seite brannte, weil mich einer von ihnen mit einem Messer erwischt hatte, aber wenigstens lagen sie nun ausgeschaltet in einer Abstellkammer.

Je weiter ich kam, desto deutlicher spürte ich die Anwesenheit einer weiteren Person. Sie schien entspannt – soweit ich das ausmachen konnte – und einmal mehr war ich unsagbar dankbar für meine Kräfte. Genauso wie für diesen Teppichboden, der meine Schritte zusätzlich dämpfte.

Mein Atem beruhigte sich langsam, und ich wusste, dass Panik mir überhaupt nichts bringen würde. Ich bin eine gut ausgebildete Agentin. Ich bin mutig. Ich bin stark. Ich gehöre zu einer der geheimsten Organisationen, die es auf der Welt gibt. Ich bin-

Plötzlich ertönte eine Sirene. So laut, dass ich zusammenzuckte und mich in einen Türrahmen duckte, während ich mich umsah. Der schrille Sirenenton kam von einer rot blinkenden Lampe an der Decke, nur wenige Meter von mir entfernt. Ich hob meinen Arm und zielte auf das Licht, in der Hoffnung, dass die Sirene dann verstummen würde. Doch im nächsten Moment gingen die Lichter an und tauchten den Flur in gleißendes Licht.

»Verdammter Mist! Nein! Zur Hölle!« Deans Gebrüll hallte durch den gesamten Flur, und ich sackte schockiert in mich zusammen, als mir klar wurde, dass wir versagt hatten.

Im nächsten Moment veränderte sich der Raum, wurde völlig schwarz und wieder zu dem Simulationsraum, den wir vor einer gefühlten Ewigkeit betreten hatten. Das Gefühl, eine andere Person in der Nähe zu haben, verflüchtigte sich, und auch der letzte Rest der Simulation verblasste. Ich wusste nicht, wie sie es schafften, aber unsere Ausbilder konnten selbst unsere mentalen Kräfte während einer Übung herausfordern. Normalerweise war dies kein Problem, denn ich ließ mich nicht so schnell ablenken. Doch dieses Mal war etwas gründlich schief gegangen.

Ich zwang mich, meine Scham und Fassungslosigkeit zu unterdrücken, auch wenn es das erste Mal seit einem Jahr war, dass einer von uns bei einer Simulation versagt hatte. Dean und ich waren die Besten in diesem Fach. Es wurden sogar schon Wetten geführt, wer von uns zuerst eine Simulation versaute. Aber dass uns dies gleichzeitig passieren würde, hätte vermutlich niemand gedacht. Ein leises, erbostes Schnaufen entfuhr mir, und ich zerrte die Simulationsbrille von meinem Kopf.

»Sehr schön«, schallte die höhnische Stimme unseres Einsatzleiters und Chinesischlehrers Mr Turner durch die Halle. Wut schlug mir entgegen, und sie war so stark, dass ich mich innerlich daran erinnern musste, dass es nicht meine eigene Wut war. Ich hob meinen mentalen Schild an und sperrte sie aus. »Wäre dies ein echter Auftrag gewesen, dann könnte man von euch jetzt nichts anderes mehr als Blutflecken unter dem Schutt des Hotels sehen!«

Ich hörte von hinten nahende Schritte und spürte Verärgerung, jedoch nur ganz leicht – wie immer, wenn es um Dean ging. Seine Gefühle und die einiger anderer Trainees konnte ich nur dann wahrnehmen, wenn sie besonders intensiv waren.

Dean war – ebenso wie ich – Trainee in der Akademie des MI20 und zwei Jahre älter als ich. Er war stark, sehr stark sogar, denn das Serum hatte ausschließlich körperlich bei ihm gewirkt.

Eigentlich waren wir ein verdammt gutes Team, mehr noch, wir waren auch getrennt voneinander die Besten in den Simulationen. Egal wem wir zugeteilt wurden, wir schafften sie immer. Ich hatte keine Ahnung, wieso ich so dickköpfig gewesen war und darauf bestanden hatte, dass die Bombe im Keller sein musste. Das würde er mir ewig vorhalten!

»Am liebsten würde ich euch morgen gar nicht erst mitfahren lassen!« Mr Turner brüllte weiter und bekam einen hochroten Kopf, während ich Wut und Fassungslosigkeit in seinen Augen sah. Seine grauen Haare waren militärisch kurz geschnitten, und dennoch wirkte er deutlich jünger als seine achtundvierzig Jahre. »Heute habt ihr auf ganzer Linie versagt!«

Ich zwang mich, nicht zusammenzuzucken und seinen Blick zu erwidern. Ich wusste, dass es ihn nur noch wütender machte, wenn ich meine Augen abwenden würde. Dennoch spürte ich Nervosität in mir aufkommen, als seine Drohung sich in mein Bewusstsein drängte. Das konnte er nicht machen! Morgen hatten wir unseren ersten wichtigen Auftrag, und das durfte er uns nicht wegnehmen. Seit vier Jahren arbeiteten wir auf diesen Augenblick hin, und das konnte er uns nicht wegen eines einzigen Fehlers wegnehmen. Immerhin würde sich dieser Auftrag auf unsere Abschlussprüfungen auswirken.

Mr Turner drehte sich zu Dean und wurde sichtlich ruhiger, als hätte er entschieden, dass die Standpauke genug war. »Mr Nolan, für Ihre schlampige Arbeit haben Sie heute nach dem Abendessen die Ehre, die Sporthalle zu wischen.«

Unser Lehrer wandte sich mir zu, im selben Moment, als Dean sich neben mir anspannte. »Und Sie, Miss Young, hatten zwar das richtige Gespür für die Bombe, aber da Sie nicht darauf gepocht haben, weiter im Keller zu suchen, werden Sie sich mit ihrem Teamkollegen die Strafe teilen!«

Ich nickte knapp, zu überrascht, um etwas zu sagen. Ich hatte tatsächlich Recht gehabt! Aber was war dann schiefgelaufen? Wir hätten sie finden müssen!

»Jetzt verschwinden Sie hier und denken darüber nach, wie dumm dieser heutige Fehler war!« Er wirbelte herum und stampfte voraus.

Wir folgten ihm schweigend zur Tür, die kaum von dem Rest des völlig schwarzen Raumes zu unterscheiden war, in dem so viel Technik versteckt war, dass man damit sicher zum Mond fliegen könnte. Mr Turner stieß sie auf, und das helle Licht aus dem Überwachungsraum strahlte mir ins Gesicht, aber meine Augen gewöhnten sich innerhalb weniger Millisekunden daran.

Im Gegensatz zu der Schwärze des Simulationsraumes war der Überwachungsraum völlig in Weiß gehalten. Das Einzige, was sich davon abhob, waren die vier Schreibtische an der Wand, sowie einige Monitore und Stühle. Auf diesen saßen unsere letzten beiden Klassenkameraden und warteten darauf, ihre Simulation durchzuführen. Es war immer eine andere, sodass niemand vorher wusste, was ihn erwartete. Alle anderen Trainees waren schon vor uns dran gewesen und hatten bereits Freizeit.

Als sie uns eintreten sahen, sprangen Vivien und Thomas auf und folgten Mr Turner in den Simulationsraum. Unser Lehrer war der Einzige, der drinbleiben durfte. Und das auch nur für den Fall, dass jemand aufgrund der realistischen Darstellung durchdrehte. Das passierte jedem Trainee früher oder später, aber meistens im ersten Ausbildungsjahr.

Thomas grinste mich im Vorbeigehen an, bevor er hinter sich die Tür schloss und uns beide alleine zurückließ. Völlige Stille umgab uns, und ich atmete laut aus, um sie zu durchbrechen. Bedächtig ging ich zu dem weißen Schrank neben der Tür und legte meine Simulationswaffe in eine rote Box zu den übrigen, bevor ich meine Simulationsbrille in die dafür vorgesehene blaue Box legte. Schließlich ging ich zu einem der Schreibtische, um mir die letzte aufgenommene Übung anzusehen. Rechts auf dem Bildschirm sah ich einen Grundriss der Welt, in der wir uns vorhin vermeintlich befunden hatten, und links sah man das Bild, das auch ich durch die Brille gesehen hatte. Ich setzte mich, zog meine Beine an und klickte auf Play, während ich gleichzeitig Dean wahrnahm, der sich an den Schreibtisch neben meinem setzte.

Da ich keine Wut mehr aus seiner Richtung spürte, ging ich davon aus, dass er sich wieder ein wenig beruhigt hatte. Oder zumindest so weit, dass seine Emotionen nicht stark genug waren, um mich zu erreichen.

Ich konzentrierte mich auf das Bild, das auf dem Monitor vor mir abgespielt wurde. Dort sah ich mich selbst auf dem oberen Teil des Bildschirms und Dean auf dem unteren Teil. Zunächst liefen wir noch hintereinander durch die dunklen Flure des Hotels, bis wir uns trennten, um schneller die Zimmer überprüfen zu können.

Auf der Karte blinkte ein roter Punkt, der mir anzeigte, wo sich die vermeintliche Bombe befunden hatte. Es war einer der Räume, die Dean gesichert hatte.

Ich schluckte und konzentrierte mich auf sein Bild. Er machte alles richtig, bis zu dem Moment, als er in den besagten Raum kam. Doch er zögerte an der Tür, schaute zu Boden, als würde er etwas suchen – bevor er aus dem Raum wieder herausging, ohne sich richtig umgesehen zu haben.

»Wow«, stieß ich aus und drehte mich mit dem Stuhl zu Dean, ohne mir den Rest der Aufzeichnung anzusehen. Ein leichtes Zittern durchfuhr mich, als mir klar wurde, dass die Bombe nicht einfach super gut versteckt gewesen war, sondern dass Dean sich von irgendwas hatte ablenken lassen. Und sich ablenken zu lassen, war einem Todesurteil gleichzusetzen. »Was war los?«

Deans blaue Augen fixierten den Monitor, und obwohl er ruhig wirken wollte, hob und senkte sich seine Brust ein wenig zu schnell. Ich wusste, dass er sich schämte, dass er es hasste, derjenige von uns beiden zu sein, der für den Fehler verantwortlich war. Doch ich musste es wissen.

Er presste kurz seine Lippen zusammen, bevor er mir knapp antwortete. »Ein dummer Fehler.«

Ich lehnte mich in dem Sessel zurück und starrte den Einundzwanzigjährigen mit dem dunkelbraunen Haar an, der seit dem ersten Tag der Ausbildung mein größter Konkurrent war. »Erzähl mir bitte, welcher dumme Fehler unser beider Schnitt versaut hat.«

Er wandte seinen Kopf ab, als würde er nicht wollen, dass ich die Wahrheit in seinen Augen sah. Dabei war es nicht so, dass ich Gedanken lesen konnte – ich nahm lediglich die Gefühle anderer Menschen wahr. Auch wenn ich Deans Gefühle nicht so gut lesen konnte wie die unseres Lehrers, kannte ich ihn dennoch gut genug, um zu wissen, dass ihm meine Fragen jetzt gerade unangenehm waren. Sollten sie auch!

Er schluckte und setzte sein Pokerface auf. »Mein Handy hat vibriert.«

»Was?« Ein wütendes Zittern ergriff von meinen Händen Besitz. »Du hast dich von deinem Handy ablenken lassen? Das ist doch ein schlechter Scherz! Wieso hattest du es überhaupt dabei?«

»Ich habe nicht daran gedacht. Eigentlich wollte ich es hierlassen.«

»Super«, entfuhr es mir, und ich stand auf, um so viel Abstand zwischen uns zu bringen, wie es ging. »Und wer hat dir geschrieben? War es mal wieder eine von deinen Wochenendfreundinnen?«

Er antwortete nicht darauf, sah mich aber auch nicht an, weshalb ich davon ausging, dass es so sein musste.

»Ich fasse es nicht«, sagte ich nun leiser und machte einen weiteren Schritt zurück. »Du hast keine Ahnung, was du uns damit kaputt gemacht haben könntest! Wenn Mr Turner uns morgen wirklich ausschließt, dann werde ich dir die verdammten letzten Monate hier zur Hölle machen!«

Deans Kopf fuhr hoch, und seine blauen Augen, die schon so vielen Mädchen den Kopf verdreht hatten, starrten mich an. »Komm mal runter. Als ob er das machen würde. Der hat uns doch nur gedroht, und du bist drauf reingefallen.«

Ich stieß einen wütenden Laut aus, fuhr herum und marschierte aus dem Raum, konnte es mir aber nicht nehmen lassen, noch eine Beleidigung hinterher zu werfen. »Wieso muss ich mit so einem Volltrottel wie dir zusammenarbeiten?«

Mit einem kräftigen Ruck, den die Stahltür glücklicherweise aushielt, öffnete ich die Tür und schlug sie dann wieder hinter mir zu. Da ich mich im Keller des Herrenhauses befand, in dem unsere Akademie und auch die Basis des MI20 lagen, gab es hier keinerlei Tageslicht. Die Wände waren von kalkigem Weiß und die Böden mit grauen Fliesen verlegt worden, auf denen meine schwarzen Sportschuhe bei jedem Schritt ein Quietschen von sich gaben. Meine Fingernägel bohrten sich in meine Handflächen, während ich auf die Treppe zueilte und wünschte, ich könnte meine Wut unterdrücken.

Dean war der einzige, der es schaffte, meinen Puls derart in die Höhe schnellen zu lassen. Niemand konnte mich so rasend machen wie er. Das war von Anfang an so gewesen und würde vermutlich bis zum Ende unserer Ausbildung so bleiben.

Als ich die Treppe erreichte, verlangsamte ich mein Tempo. Nur mein lautes Atmen verriet, wie aufgebracht ich noch immer war. Dean war ein verdammter Aufreißer, der sich an den Wochenenden in Clubs herumtrieb und sich errötende und über jeden seiner dummen Witze kichernde Mädels anlachte, die aus einer völlig anderen Welt kamen als wir. Gerade das übte einen enormen Reiz auf Dean aus, das wussten wir alle, denn er liebte das normale Leben genauso sehr wie seine Ausbildung zu einem Agenten des MI20. Einem Agenten, der bald schon für den britischen Geheimdienst arbeiten würde. Und was tat er? Ließ sich von einer verdammten Nachricht ablenken!

Ein Fluchen entfuhr mir, als ich die nächste Etage des Treppenhauses erreichte. Hier wurde der Boden zu dunklem Parkett und die Wände zu sanftem Pastell. Alles wirkte mit einem Mal weicher und einladender, viel zu schick für meine Sportbekleidung.

Im Laufen tippte ich auf meine Uhr und rief die aktuelle Punkteverteilung ab. Ich hatte gerade 720 – damit lag ich nur zehn Punkte hinter Dean, und das nervte mich gewaltig.

Dicht hinter mir war Vivien, der zwanzig Punkte fehlten, um mich zu überholen. Nervös schloss ich die Anzeige wieder. Mein Ziel war es, als Beste meines Semesters die Ausbildung abzuschließen. Leider hatte Dean denselben Plan, sodass wir uns seit dem ersten Semester immer wieder gegenseitig überholten.

Wir waren zwar Konkurrenten, aber auch irgendwie befreundet. Auf eine schräge, seltsame Weise, die nichts Liebevolles an sich hatte. Er machte mich regelmäßig wahnsinnig, fast schon wie ein großer Bruder – oder nein! – eher wie ein Nachbar, mit dem man gemeinsam aufgewachsen war. Einen Bruder durfte man nicht mal ab und zu heiß finden. Das war Dean nämlich definitiv. Ein verboten heißer Idiot, der absolut verdient hatte, dass ich am Ende unserer Ausbildung die Auszeichnung für den besten Abschluss bekam – und ihm diese vielleicht unter die Nase rieb.

Ich lief an ein paar Erstsemester Trainees vorbei, von denen die meisten gerade erst ihre Ausbildung begonnen hatten. Sie machten mir sofort Platz, und ich spürte, dass sie eingeschüchtert von meinem Anblick waren. Natürlich. Sie waren gerade erst mit ihren Kräften konfrontiert worden und genauso verwirrt, wie ich es ebenfalls einst gewesen war. Wie wir alle hier es gewesen waren.

Ich lief weiter in den zweiten Stock. Momentan gab es an der Akademie neununddreißig Schüler, sieben davon gehörten zur Abschlussklasse, einschließlich mir. Zusätzlich gab es zwanzig Lehrer, unseren Schulleiter Direktor Roberts, unsere Ärztin Dr. Sam und diverse andere Angestellte. Es war eine kleine Akademie, verborgen in einem wunderschönen Herrenhaus, das die Außenwelt für ein teures Internat hielt. Eigentlich konnte man es aber eher als Palast bezeichnen, so riesig war das Gebäude. Die Akademie darin machte nur einen Teil davon aus, der Rest diente dem MI20 als Basis.

In der zweiten Etage befanden sich die Räume der Lehrer und aller anderen Angestellten, weshalb ich weiter in den dritten Stock lief, wo sich die Unterkünfte der Trainees befanden.

Dort angekommen bog ich nach rechts ab und lief weiter, bis ans Ende des Ganges, wo sich seit vier Jahren mein Zimmer befand. Da unser Jahrgang mit sieben Trainees recht klein war, hatte jeder von uns ein Einzelzimmer. Das war nichts Ungewöhnliches, da sich oft nur knapp fünf bis fünfzehn potenzielle Trainees fanden, die die perfekten genetischen Voraussetzungen für das Serum mitbrachten. Eines Serums, das das MI6 nach dem zweiten Weltkrieg den damaligen führenden Mächten entwendet und weiterentwickelt hatte. Es verstärkte die bisherigen Fähigkeiten eines Menschen und war so erfolgreich, dass sie eine eigene Abteilung dafür gründeten: das MI20.

Scheinbar war ich schon immer ziemlich empathisch gewesen, weshalb das Serum bei mir vor allem mental gewirkt hatte. Ich konnte nun nicht nur die Gefühle anderer Menschen wahrnehmen, sondern spürte sie, als wären es meine eigenen. Aber auch körperlich hatte es mich verändert, mich fitter und stärker gemacht. Ich war zwar noch lange nicht so stark wie Dean, bei dem das Serum vor allem körperlich gewirkt hatte, aber ich war stärker als die Menschen ohne Serum im Blut.

Ich stieß die Tür meines Zimmers auf und schlug sie wieder hinter mir zu. Mein Magen knurrte leicht und bedeutete mir, dass es bald Zeit für das Abendessen war, weshalb ich sofort ins Badezimmer ging, um mich zu duschen.

Erst als das warme Wasser auf mich niederprasselte, begann ich mich zu entspannen. Gedankenverloren betrachtete ich die weißen Fliesen, an denen dicke Wassertropfen abperlten. Sie überholten einander, während ich sie beobachtete und ihren Weg verlor, als ich nach meinem Shampoo griff. Apfelduft hüllte mich ein, als ich meine Haare einseifte und spürte, wie sich meine Muskeln langsam lockerten. Die Aufregung der Simulation verschwand, und zurück blieb ein dumpfes Grollen in meinem Bauch.

Ich rieb mir über mein Gesicht, versuchte auch dieses dumme Gefühl von unangemessener Wut zu bändigen. Ich hasste es, dass Dean es mit einer kleinen Bemerkung geschafft hatte, mich derart ausflippen zu lassen. Immerhin war ich nicht mehr im ersten Ausbildungsjahr und konnte mühelos in andere Rollen schlüpfen oder einen Angreifer auf sieben verschiedene Arten allein mit meiner rechten Hand ausschalten.

Mein Blick fiel auf einen Tropfen, perfekt geformt, der aussah wie gemalt. Sofort zuckten meine Gedanken zu meiner Schwester. Zu Cassie, die auch immer gerne gemalt hatte. Seit vier Jahren war ich nun hier. Vier Jahre, die ich ohne sie verbracht hatte, und in denen sie im Heim lebte. Mein Herz wummerte, und ich spürte erneut Schuldgefühle in mir aufsteigen. Obwohl ich nur das Beste gewollt hatte, ließ ich sie damals zurück. Doch ich klammerte mich an die Hoffnung, dass auch sie später eine Agentin sein könnte, dass sie hier eine Ausbildung machen dürfte. Bald schon, hatte Direktor Roberts mir versprochen, bald schon würden sie Cassie ebenfalls testen.

Ein Seufzen entfuhr mir, und ich spürte, wie ich mich bei diesem Gedanken innerlich anspannte. Mein Atem ging schneller, und ich wollte mir überhaupt nicht vorstellen, was sein würde, wenn sie nicht so war wie ich – und wie unsere Eltern. Dann würde für den Rest unseres Lebens eine Lüge zwischen uns stehen, denn sie dürfte es niemals erfahren. Nicht nur, weil es eine Regel war, sondern weil es ihr das Herz brechen würde.

In meinen pinken Bademantel gehüllt verließ ich das Bad und rubbelte meine Haare trocken. Gedankenverloren blickte ich aus dem Fenster und betrachtete den hübsch angelegten Park, der zum Gelände gehörte.

Ich hörte schwere Schritte vor meiner Tür und stöhnte auf, als diese ohne ein Anklopfen aufgerissen wurde. Nur Dean war so unhöflich. »Was willst du?«

»Entschuldige«, sagte eine fremde Stimme.

Überrascht drehte ich mich um und entdeckte im Türrahmen einen Fremden, der mich stirnrunzelnd betrachtete. »Ich habe vergessen, dass dies nicht mehr mein Zimmer ist. Tut mir leid.«

Bevor ich etwas erwidern konnte, hatte er die Tür wieder zugezogen und war verschwunden.

Ein überraschter, fragender Laut entfuhr mir, während ich die Stelle anstarrte, wo er zuvor gestanden hatte. Ein Neuer? Er hatte älter ausgesehen als ich. Seltsam.

Kurz hatte ich an seinem Handgelenk dieselbe Uhr gesehen, die auch wir Trainees und Agenten des MI20 trugen. Diese waren so programmiert, dass sie erst nach Entschlüsselung unserer DNA funktionierten. Deshalb mussten sie auf jeden Einzelnen eingestellt werden. Bei jedem neuen Anlegen entnahm die Uhr eine winzige Blutprobe und entschlüsselte sie. Es bestand also kein Zweifel, dass er zu uns gehörte. Vielleicht war er besonders spät getestet worden und nun im ersten Ausbildungsjahr.

Ich stutzte.

Was meinte er damit, dass dies nicht mehr sein Zimmer war?

Ich überlegte gerade, ihm zu folgen, als abermals die Tür aufgestoßen wurde. Dean.

»Sag mal, steht auf meiner Tür Bahnhofsklo oder wieso klopft hier keiner an?«

»Komm schon!« Dean hielt mir seine Handflächen entgegen und trat ungebetenerweise näher. »Du übertreibst maßlos. Das solltest du wirklich lassen, denn das passt einfach nicht zu dir.« Seine Augen glitten über meinen pinken Bademantel und ein charmantes Lächeln erschien. Als ob das bei mir ziehen würde. »Schick siehst du aus.« Seine Stimme triefte nur so vor Sarkasmus.

Ich schob den Gedanken an den Fremden von eben beiseite. »Was willst du hier?«

»Mr Turner war nur sauer und hat ein bisschen übertrieben. Natürlich dürfen wir morgen mitkommen.« Dean blieb wenige Schritte vor mir stehen und schaute mich ungewohnt ernst an. Er war einen Kopf größer als ich und kam mir absichtlich so nahe, damit ich zu ihm aufsehen musste. Das hatte er schon immer gemacht, und es nervte mich gewaltig. Das tat er nur bei mir. Bei niemandem sonst. Meine trotzige Seite weigerte sich zurückzuweichen, denn er tat dies nur, um mich zu ärgern. Leider hatte er Erfolg damit, doch ich gab mir die größte Mühe, mir das nicht anmerken zu lassen. Stattdessen hob ich eine Augenbraue und wartete darauf, dass Dean endlich damit herausrückte, was er zu sagen hatte.

»Ich habe ihn gefragt und mir direkt noch eine Standpauke eingefangen.« Er grinste. »Der Mann sollte dringend mal wieder Dampf ablassen. Mit einer Frau. Nicht an uns Trainees.«

Ich verzog meinen Mund. »Das ist ekelhaft.«

»War doch nur ein Witz.« Dean hatte auch noch die Dreistigkeit mich auszulachen.

»Du hast unseren – meinen! – Schnitt wegen einer verdammten Tussi versaut!«

»Mr Turner weiß, dass es mein Fehler war«, sagte Dean nun mit erhobenen Augenbrauen und hielt meinem eiskalten Blick stand. Noch immer war er mir so nah, dass ich den intensiven Duft seiner Haut wahrnahm. Erdig und frisch, wie Zedernholz. Ich hasste es, dass er selbst nach einem langen Schultag immer noch so gut roch. Nicht, dass ich das jemals laut ausgesprochen hätte. Ich schob energisch diesen Gedanken von mir und kniff meine Augen finster zusammen. »Das macht meine erste versaute Simulation im Abschlussjahr auch nicht ungeschehen!«

»Wieso musst du immer so anstrengend sein?«, entfuhr es ihm, und er stöhnte, als würde es ihm Schmerzen bereiten, wenn er sich noch weiter mit mir unterhalten müsste. Endlich trat er zurück und ließ sich schwerfällig auf meinen Schreibtischstuhl sinken.

»Du brauchst es dir hier nicht allzu gemütlich machen. Was willst du überhaupt noch hier?«

»Ich wollte nur sichergehen, dass du dir nichts antust, nur weil dein Schnitt versaut ist«, sagte er und betrachtete mit erhobenen Augenbrauen das Chaos in meinem Zimmer. Dann schüttelte er seinen Kopf, als könnte er nicht fassen, was er da gerade sah. »Du solltest dringend aufräumen.«

Ich warf genervt meine Hände in die Luft. »Und du solltest dringend verschwinden.«

Dean erhob sich lässig von meinem Schreibtischstuhl und grinste wieder so charmant wie eh und je. »Ich habe sowieso Hunger.«

Darauf konnte ich nichts mehr erwidern, denn er war schon aus meinem Zimmer verschwunden und hatte meine Tür bereits hinter sich zugezogen. Wieder flammte Ärger in meinem Bauch auf. Er hatte sich nicht einmal entschuldigt.

Am liebsten hätte ich etwas zertrümmert. Auf seinem Kopf.

Stattdessen knurrte ich die geschlossene Tür an und meinte kurz darauf Deans Lachen im Flur zu hören.

2.
Kapitel

Nachdem ich mich angezogen hatte, ging ich zu meiner Klassenkameradin und Freundin Vivien, die im Zimmer direkt neben meinem wohnte.

Unsere Räume waren identisch ausgestattet, mit einem schmalen Bett, einem Schreibtisch, einem Schrank und einem eigenen Badezimmer. Dennoch war es, als würde man eine andere Welt betreten, wenn ich von meinem in ihr Zimmer ging. Während bei mir Klamotten herumlagen und sich Bücher neben meinem Bett stapelten, war bei Vivien immer alles ordentlich und sauber, geradezu steril. Ich war mir sicher, dass ich noch nicht einmal auch nur ein Staubkorn in der Luft herumschwirren gesehen habe.

Ihre Tür war nur angelehnt, und auch wenn ich sie vom Flur aus auf dem Bett sitzen sah, klopfe ich einmal kurz. Vivien hatte ihre blonden, mittellangen Haare zu einem Dutt hochgedreht. Sie waren noch nass, und es sah aus, als hätte sie ihre Haare noch strenger zusammengebunden als sonst. Auf ihrer Nase lag eine dicke, schwarze Hornbrille, die ihr ziemlich gut stand, und obwohl auf ihrem Schoß ein dickes Buch lag, schaute sie aus dem Fenster. Sie brauchte gar keine Brille, doch aufgrund einer kleinen, schräg unter ihrem Auge verlaufenden Narbe, trug sie diese zur Ablenkung. Diese Narbe hatte sie aus der Zeit vor der Akademie, von einem Training, zu dem ihre Mutter sie gezwungen hatte. Vivien sprach nicht viel darüber, doch sie hatte mal angedeutet, dass ihre Mutter eine Agentin im aktiven Dienst war und schon früh versucht hatte, Vivien körperlich auf die Zukunft vorzubereiten. Erst viel später, mit Eintritt in die Akademie und nach dem positiven Gentest war Vivien auch klargeworden, wieso.

Als sie mein Klopfen hörte, schaute sie zu mir herüber, lächelte aber nicht. Vivien lächelte nicht aus Höflichkeit. Nicht, wenn sie sich mies fühlte. Das war eine der vielen Sachen, die ich an ihr mochte. Sie pfiff auf die Meinung anderer und tat nichts nur aus Höflichkeit. »Ist es schon so spät?«

Ihre Stimme verriet deutlich ihre Wut auf sich selbst, die so stark war, dass ich sie fühlte, als wäre es meine eigene. Selbst nach vier Jahren war dieses Gefühl immer noch seltsam, weil ich mich manchmal immer noch davon überraschen ließ. Zumindest schaffte ich es mittlerweile, mir nichts anmerken zu lassen. Dafür hatte ich verdammt hart trainieren müssen.

Ich war mir sicher, dass ihre momentane Stimmungslage mit der vorangehenden Simulation zu tun haben musste. Danach war sie meistens schlecht drauf.

»War es so schlimm?« Ich setzte mich auf ihren Schreibtischstuhl und betrachtete meine Freundin. Sie war schlau. Nicht nur schlau, sondern unglaublich. Sie lernte Bücher innerhalb weniger Minuten auswendig und hatte ein fotografisches Gedächtnis, das es ihr möglich machte, sich an jede Einzelheit ihres Lebens zu erinnern. Das Serum hatte ihre schon vorhandene Intelligenz verstärkt, und auch körperlich hatte es sie ein wenig stärker gemacht. Dennoch war sie uns anderen in allen körperlichen Trainingseinheiten unterlegen – was sie abgrundtief hasste.

Vivien zuckte mit ihren schmalen Schultern. »Wir waren in einem Kriegsgebiet und sollten jemanden befreien. Es gab aber zu viele irreführende Hinweise, sodass ich zu lange gezögert habe und wir nach fünf Minuten beide erschossen wurden.« Sie seufzte, genervt von sich selbst. »Wieso kann ich nicht einfach Tatorte analysieren oder Profile von Serienmördern erstellen? Darin bin ich viel besser.«

Mein Mundwinkel zuckte, und ich wippte mit dem Stuhl vor und zurück. »Sie wollen eben, dass du in allen Bereichen besser wirst.«

Sie verdrehte ihre Augen. »Sicher wollen sie das. Dabei bin ich außerhalb des Schlachtfeldes viel besser. Daran wird sich in den letzten Monaten unserer Ausbildung auch nichts mehr ändern. Mr Turner war so wütend über meinen Misserfolg, dass er mir drohte, morgen nicht bei dem Einsatz mitmachen zu dürfen.«

»Dasselbe hat er uns auch gedroht.«

Ihre Augenbrauen schnellten hoch. »Weshalb?«

»Wir haben die Simulation vergeigt. Naja, eigentlich war es Dean, der sich von dem Vibrieren seines Handys hat ablenken lassen und deshalb die Bombe nicht gefunden hat.« Meine Stimme bebte vor Wut. »Dieser aufgeblasene Trottel!«

»Wirklich? Das ist mies.« Vivien schnaufte und warf das Buch neben sich, bevor sie von ihrem Bett aufstand und ihren Rock glattstrich. Vivien war zwar im Innern ein geradliniges Genie, aber optisch war sie das genaue Gegenteil. Sie trug eine schwarze Wollstrumpfhose, dazu einen dunkelroten Tweetrock und einen rosa Pullover. Das sah an ihr echt gut aus, doch ich selbst fühlte mich in Jeans und Lederjacke wohler.

»Das war es.« Ich schaute zu, wie sie zur Tür ging und daneben stehen blieb, wo sich ihr kleines Schuhregal befand. »Und dann kommt er noch so selbstgefällig in mein Zimmer und tut so, als wäre das alles keine große Sache.«

»Und was machst du jetzt?« Vivien schlüpfte in ein paar flache, schwarze Stiefel und schaute mich dann auffordernd an. Ich war nicht überrascht, als sie dabei das Buch von ihrem Bett nahm, um es mitzunehmen.

»Jetzt muss ich was essen.«

Sie lachte. »War ja klar.«

Ich ging voraus, und wir verließen ihr Zimmer, um nach unten ins Erdgeschoss zu gehen. Ich selbst trug wie immer eine enge Jeans, bunte Sneaker und dazu einen engen Pullover, der meine schmale Taille betonte. Mein langes, braunes Haar hatte ich zu einem unordentlichen Zopf hochgebunden, und der einzige Schmuck, den ich trug, war eine Silberkette, die ich an unserem letzten gemeinsamen Weihnachten von meinen Eltern geschenkt bekommen hatte. Der Anhänger bestand aus einem flachen Kreis, auf dessen Rückseite ein Y eingraviert war. Vorne war ein schlichtes Herz zu sehen. Cassie hatte dieselbe Kette, und immer, wenn ich den Anhänger berührte, musste ich lächeln. Young. Diesen Nachnamen hatte meine Mutter laut ihren damaligen Geschichten nur unter großem Protest angenommen. Hätte mein Vater ihren Mädchennamen akzeptiert, wären sie Mr und Mrs Smith gewesen. Ich verstand erst heute, warum meine Mutter diese Anspielung auf den Agentenfilm so lustig gefunden hatte.

»Wieso hatte Dean überhaupt sein Handy dabei?«, fragte Vivien, als wir gerade die Treppe hinunterliefen.

»Vermutlich hat er auf eine Nachricht seiner Wochenendflirts gewartet«, vermutete ich laut und verdrehte dabei meine Augen. Einmal im Monat hatten wir Ausgang, und meist gingen wir zusammen in einen der Londoner Clubs, um ein wenig Energie loszuwerden und unsere wenige Freiheit voll zu genießen. Das durften wir erst, seit wir im letzten Ausbildungsjahr waren, und laut den Worten unseres Direktors mussten wir sowieso lernen, uns draußen aufzuhalten, ohne aufzufallen. Und es war klar, dass wir dabei nicht aus den Augen gelassen wurden.

An besagten Wochenenden ließen die Jungs nichts anbrennen und flirteten, was das Zeug hielt. So auch beim letzten Mal. Seitdem schien Dean auch viel öfter von seinem Handy abgelenkt zu sein.

Und nun hatte er mir auch noch meinen bisher perfekten Schnitt versaut.

»Er war in den letzten Tagen schon sehr von seinem Handy abgelenkt«, stimmte Vivien mir zu. »Ich verstehe deine Wut. Dieses Verhalten ist unprofessionell.«

»Danke.« Jetzt musste ich lachen. Vivien sagte die Worte so wohlüberlegt, dass ich einfach nicht mehr ernst bleiben konnte.

Sie warf mir einen fragenden Blick zu, doch ich schüttelte meinen Kopf.

Als wir das Erdgeschoss erreichten, schwirrten schon einige Trainees herum, die ebenfalls auf dem Weg zum Abendessen waren.

Der Speisesaal lag in der Nähe der Treppen und war früher einmal ein Ballsaal gewesen. Dem Parkett sah man trotz intensiver Pflege sein Alter an, und an der Wand gegenüber der Fenster waren Spiegel angebracht, die den Raum größer erscheinen ließen. Blickdichte, dunkelrote Vorhänge hingen rechts und links von den deckenhohen Fenstern und mehrere goldene Kronleuchter spendeten warmes Licht. Links an der Wand befanden sich der Durchgang zur Küche, sowie die Essensausgabe, an der sich schon einige Schüler und Lehrer eingereiht hatten. Der Rest des Raumes war mit länglichen Tischen ausgestattet.

Wir holten uns an der Essensausgabe eine Portion Burger mit Pommes. Die meiste Zeit war unser Speiseplan ziemlich ausgewogen, aber einmal die Woche gab es auch mal was Ungesundes.

Vivien begann ein Gespräch mit einer Lehrerin. Deshalb steuerte ich schon mal die lange Tafel bei den Fenstern an, wo der Abschlussjahrgang immer saß. Insgesamt gab es fünf lange Tafeln, eine für jeden Jahrgang und eine für die Lehrer.

An unserer saßen bereits Dean und Thomas. Sie blickten gleichzeitig auf, als ich mich an den Tisch setzte.

»Hey Simulationsverliererin, du wirst es nicht glauben«, sagte Thomas, kaum, dass ich sie begrüßen konnte. Sein dunkelblondes Haar war ein wenig zu lang und nach hinten gestrichen, was ihm ziemlich gut stand, und seine grauen Augen blitzten vergnügt.

»Das war alles Deans Schuld. Deine Spitznamen waren echt schon mal besser.«

»Mir ist nichts Besseres eingefallen, aber das ist jetzt auch völlig unwichtig«, sagte Thomas ungeduldig.

»Schön, also was werde ich nicht glauben? Dean hat sich eine Geschlechtskrankheit eingefangen? Das wundert mich nicht.«

Dean lachte trocken. »Wie witzig du doch bist.«

Ich schob meine Lippen zu einem Schmollmund vor, nur um das Grinsen zu unterdrücken, das meine Mundwinkel zucken ließ. »Habe ich da etwa ins Schwarze getroffen?«

Deans Augen blitzten vergnügt, und ich sah ihm an, dass er zu einer Erwiderung ansetzen wollte. Bestimmt wollte er wieder irgendwas Dämliches sagen, sodass ich lachen und ihm verzeihen würde. Aber so schnell wollte ich ihn noch nicht vom Haken lassen. Nicht, bevor er sich endlich entschuldigt hatte!

Glücklicherweise drängelte sich Thomas dazwischen. »Hört auf euch anzuzicken. Es gibt Neuigkeiten.«

»Wir haben einen Neuen in unserer Klasse«, sagte Dean gelangweilt und biss in seinen Burger.

Thomas nickte und beugte sich verschwörerisch zu uns vor. »Wir haben gehört, wie zwei Lehrer sich bei der Essensausgabe darüber unterhalten haben.&

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