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Skandal Royal

1. KAPITEL

Nikolai

Nach einem One-Night-Stand aufzuwachen und festzustellen, dass ein europäischer Boxchampion wütend auf deinen nackten Hintern starrt, ist nie optimal. Noch unangenehmer ist es, wenn es sich zufällig um den besten Freund aus Kindheitstagen handelt. Besser gesagt: um den ehemaligen besten Freund.

„Einen schönen guten Morgen!“ Ich ziehe das Satinlaken über meine Taille. Ein roter Stringtanga liegt zusammengeknüllt auf den zerwühlten Laken. Genau dort, wo ich ihn meiner Gespielin gegen Mitternacht mit meinen Zähnen ausgezogen habe.

Christian Wurtzer, Baron von Rosegate, funkelt mich an. Wenn Blicke töten könnten, wäre ich jetzt ein toter Mann. „Du bist wirklich ein Bastard ersten Ranges, weißt du das, Nikolai?“

Er ballt die Fäuste, was sinnlos ist. Im Königreich Edenvale ist es gesetzlich untersagt, ein Mitglied der königlichen Familie zu schlagen. Als Prinz Nikolai III, Thronfolger und unübertroffener blaublütiger Bad Boy des Landes, falle ich in diese Kategorie. In meiner Welt sind Regeln oft lästig. Doch dieser Gesetzesparagraf hat sich – insbesondere seitdem ich erwachsen bin – im Hinblick auf das andere Geschlecht als vorteilhaft erwiesen.

„Bastard? Ich bin das Ebenbild meines geliebten Vaters, dem Souverän des Landes. Außerdem war meine arme Mutter, die Königin, gezwungen, mich vor den Augen eines offiziellen Repräsentanten des Hofes auf die Welt zu bringen, um meine Herkunft abzusichern.“

Wie immer, wenn ich an meine Mutter denke, tut mir das Herz schrecklich weh. Sie ist bei der Geburt meines jüngsten Bruders Damien gestorben. Und sie ist nicht die Einzige, die der verstoßene Dreckskerl auf dem Gewissen hat.

„Diesmal bist du zu weit gegangen. Du hast die Unschuld meiner Schwester kompromittiert.“

Sein drohendes Brummen, das dem grimmigen Bären auf der Krone seiner Familie alle Ehre macht, reißt mich aus meinen Gedanken. Auch wenn Edenvale ein kleines Königreich ohne Zugang zum Meer ist, waren unsere Landsleute früher einmal großartige Jäger und die besten Schwertkämpfer Europas. Zudem waren sie als unerbittliche Krieger gefürchtet.

Heutzutage sind wir für luxuriöse Casinos, diskrete Banken und glamouröse Refugien in den Bergen bekannt. Edenvale hat sich einen Namen als Spielplatz für die Reichen und Berühmten gemacht – und diejenigen, die beides noch werden wollen.

„Was sage ich meinen Eltern?“ Christian rauft sich die blonden Haare und geht im Zimmer auf und ab. „Catriona ist ruiniert. Ihre Aussichten auf ein Ehebündnis sind jetzt gleich null.“

„Komm schon. Frag irgendeinen Mann mit einem Treuhandfonds auf Ibiza. Es ist allgemein bekannt, dass deine kostbare kleine Schwester ihre Unschuld schon lange verloren hat, bevor ich zum Zug gekommen bin.“

Wenn seine Familie geplant hatte, sie als Jungfrau zu verheiraten, war diese Chance schon vor Jahren vertan. Es ist typisch für Rosegate, dass etwas so Belangloses wie ein Jungfernhäutchen eine solche Bedeutung hat. Aber sie sind altmodisch – was eine reizende regionale Eigenschaft sein könnte, wenn ihre Moralvorstellungen nicht so mittelalterlich wären.

Catriona Wurtzer regt sich, schnarcht leise und verzieht die rosaroten Lippen zu einem befriedigten Lächeln. Das Blut schießt heiß in meinen Schwanz. Dieser sinnliche Schmollmund ziert allein in diesem Monat die Titelseiten von drei Modemagazinen, und letzte Nacht hat sie mir so virtuos den Schwanz gelutscht, dass dieses Intermezzo mich fast von meiner königlichen Pflicht abgelenkt hätte.

Ich stehe auf und streife die Smokinghose und mein Hemd über. Die Manschettenknöpfe aus vierundzwanzigkarätigem Gold lasse ich auf dem Nachttisch liegen. Es ist ein mehr als großzügiges Trinkgeld für das Zimmermädchen. Catriona mag es, wenn es hart zur Sache geht. Deshalb ist das Zimmer nach dieser Nacht ziemlich verwüstet.

Für mich ist es Zeit, ins Schloss zurückzukehren. Mein Vater und meine Stiefmutter, die Hexe und derzeitige Königin, haben mich um Punkt neun Uhr zu einer Privataudienz zitiert. Das kommt selten vor und bedeutet nichts Gutes. Deshalb habe ich auf einer Wohltätigkeitsgala sehr viel sehr teuren Champagner getrunken, bevor ich meinen Spaß mit dem Supermodel hatte, das zufällig die kleine Schwester meines besten Freundes ist.

„Die Mitglieder deiner Familie sind seit über zwei Jahrhunderten loyale Untertanen. Aufgrund dieser hochgeschätzten Beziehung sollte ich vielleicht ein königliches Dekret erlassen und Catriona als Dank für ihre Mühe zur Komtess ernennen.“

Ich kann nicht widerstehen, süffisant zu grinsen. Als wenn es ihr Mühe gemacht hätte, es mit mir zu treiben. Aber ich bin in Geberlaune. Warum soll sie zusätzlich zu ihren vier Orgasmen nicht noch ein Schloss bekommen?

„Zu liebenswürdig, Hoheit.“

Christian bringt die Worte kaum über die Lippen. Zweifellos würde er mir am liebsten einen kräftigen Tritt in den Hintern versetzen, mit dem er mich bis nach Luxemburg befördert. Aber der Kleinstaat Rosegate ist ein Hoheitsgebiet, um das wir schon lange mit unserem alten Feind Nightgardin, dem Land im Norden, streiten.

Die mächtige Familie Wurtzer ist seit Generationen mit meiner Familie verbündet, und Christian weiß, dass ich ein Arschloch bin und nicht aus meiner Haut kann – und dass nur Edenvales kleine, aber schlagkräftige Armee Rosegate vor Nightgardins Machtergreifung schützt.

Rache ist süß.

Christian und ich sind zusammen aufs Internat gegangen und haben uns fünf Jahre lang ein Zimmer geteilt. Für mich gehört er fast zur Familie. Aber in letzter Zeit hat er Blackjack mit hohen Einsätzen gespielt und eine Menge Spielschulden gemacht.

Laut meinen Quellen hat er entschieden, diese Schulden zu begleichen, indem er der Boulevardpresse pikanten Klatsch über mich verkauft. Ich sage nicht, seine heiße Schwester zu ficken, sei meine Art, ihm diesen Verrat heimzuzahlen. Aber ich streite es auch nicht ab.

Sicherlich würde er mir liebend gern befehlen, „das Richtige zu tun“ und seine Schwester zu heiraten. Aber leider verfügt nur einer von uns über die American Express Centurion Card mit unbegrenztem Kreditrahmen, die nur bestimmten Kunden angeboten wird. Beschränkungen und Grenzen sind für diejenigen Menschen gemacht, die sie brauchen. Ich gehöre nicht dazu.

Die Leute halten mich für einen arroganten Mistkerl. Das kümmert mich nicht. Sie haben recht. Aber zumindest bin ich konsequent. Wenn mich jemand dumm anmacht, zahle ich es mit gleicher Münze heim. Auf diese Weise bleiben Topleute obenauf – und ich kann dafür sorgen, dass es guttut oder wehtut.

Wenn mich jemand nett bittet, kann ich auch beides gleichzeitig.

Ich muss sagen, ein Prinz zu sein, bringt in jeder Hinsicht Vorteile mit sich. Es hat nur einen entscheidenden Nachteil: Ich muss – noch – dem König Folge leisten. Die Krone ist noch nicht mein.

Auf dem Weg aus der Tür werfe ich einen Blick in den Spiegel mit dem vergoldeten Rahmen. Meine rabenschwarzen Haare sind zerzaust, meine Augen dunkelgrau, und mein Mund ist zu einem schalkhaften Grinsen verzogen. Ich bin 1,86 m groß und habe ein unfassbares Stehvermögen.

Letztes Jahr habe ich den ersten Platz auf einer Liste der sexysten Royals belegt. So wie ich es sehe, kann Prinz William drüben im alten, drolligen England vor Neid erblassen.

„Um Himmels willen, Catriona. Wach auf“, befiehlt Christian seiner Schwester.

Ich verlasse das Hotelzimmer, lasse das Drama hinter mir, das jetzt seinen Lauf nimmt, und drücke im Flur den Schalter für den privaten Lift des Penthouse. Mein Bodyguard X wartet im Rolls-Royce, wo er die ganze Nacht verbracht hat. Er ist daran gewöhnt, und schließlich ist er ja auch mein Fahrer.

Wortlos setze ich mich auf den Rücksitz. X hat die Stereoanlage eingeschaltet und hört sich gerade eine Lektion eines Sprachkurses in Mandarin an. Fremdsprachen und Messer aus dem Mittelalter sammelt er mit Leidenschaft. Ich lebe meine Leidenschaftlichkeit lieber anders aus. Aber jedem das Seine.

„Zum Schloss, Majestät?“, fragt er via Interkom und schaltet die Stereoanlage aus.

„Nach Hause, wo es am schönsten ist“, bestätige ich sarkastisch.

X fährt los. Ich nehme eine Handvoll Flachmänner mit Kognak aus der Minibar. Als wir den Schlossgraben überqueren, werfe ich den fünften geleerten Flachmann zu den anderen auf den Boden. Aber der Alkohol bewirkt nicht, dass ich mich besser fühle.

In Ordnung. Die kleine Schwester meines besten Freundes zu vögeln, war unverzeihlich – Rache oder nicht. Aber ich bin eben kein Märchenprinz.

Kate

Ich streiche mit den Händen über meinen Faltenrock und lege sie dann auf die Ledermappe, die mitten auf dem Tisch liegt. Ich könnte mich entspannen, sogar den Luxus genießen, der mich umgibt. Für den gepolsterten Lehnstuhl wurde zweifellos dasselbe butterweiche Leder verwendet wie für die Mappe.

Aber sich zu entspannen, ist nicht so leicht, wenn man an einem sechs Meter langen Mahagonitisch in einem der vielen Räume des Palastes von Edenvale sitzt.

Ich bin nicht zum ersten Mal hier. Allerdings ist ein Besichtigungsrundgang mit der Grundschulklasse nicht vergleichbar mit einer Einladung, die mir persönlich von einem Hofbeamten ausgehändigt wurde. Der Umschlag war sogar mit einem dieser extravaganten Wachssiegel verschlossen.

Sehr geehrte Miss Kate Winter,

Ihre Anwesenheit ist morgen früh um neun Uhr dreißig im Palast von Edenvale erwünscht. Bitte erscheinen Sie ohne Begleitung und planen Sie für den restlichen Tag keine weiteren Termine ein. Ihre Audienz mit dem König und der Königin muss vertraulich bleiben. Sagen Sie niemandem, wohin Sie gehen, und bewahren Sie auch anschließend Stillschweigen über die Audienz, bis der König und die Königin einen Vertrag mit Ihnen abschließen, sollten sie Ihre Dienste weiterhin in Anspruch nehmen wollen.

Die königliche Familie weiß zu schätzen, dass Sie Ihrer Pflicht nachkommen und den oben genannten Wünschen entsprechen.

Ich lache verstimmt, und das Lachen hallt in dem riesigen Raum. Wünsche? Als wenn ich eine Wahl gehabt hätte, nachdem ich das Siegel erst einmal aufgebrochen hatte. Sicherlich entspreche ich Ihren Wünschen, Eure Hoheiten. Natürlich halte ich mir den Tag frei und den Besuch im Palast geheim, meine erlauchten Herrscher.

Aber nicht, weil es meine verdammte Pflicht ist. Wenn es etwas gibt, das ich schätze, sind es mein Beruf und meine Unabhängigkeit – und ich bin entschlossen, die Agentur meiner Schwester am Laufen zu halten und so unabhängig wie möglich zu bleiben. Wenn das bedeutet, Stillschweigen in Bezug auf meine königliche Audienz zu wahren, geht das für mich in Ordnung.

Hoffentlich gibt es zumindest eine Art finanziellen Ausgleich für dieses … dieses Ersuchen. Meine Schwester und ich brauchen das Geld dringend. Unsere Ersparnisse sind durch den immer größer werdenden Berg an Arztrechnungen für meine Großmutter aufgebraucht, was mich enorm unter Druck setzt.

Ich werfe einen Blick auf das schmale Goldarmband an meinem Handgelenk. Meine geliebte Großmutter hat es mir in besseren Zeiten zum achtzehnten Geburtstag geschenkt. Damals hat sie sich noch an meinen Namen erinnert. Ich unterdrücke die aufsteigenden Tränen. Hier ist weder der richtige Ort, noch ist jetzt die richtige Zeit, um mich meinem privaten Leid hinzugeben.

„Wir werden die Wohnung nicht verlieren.“ Diese Worte sind ein Mantra. „Und wir sind immer noch in der Lage, uns um Gran zu kümmern.“ Ich stelle mir vor, dass die Worte wahr werden, wenn ich sie oft genug sage. Also öffne ich den Mund, um sie zu wiederholen.

Doch in diesem Moment werden die Türen des Konferenzsaales geöffnet. Dann tritt derselbe offiziell aussehende Mann, der mir die Einladung überbracht hat, über die Türschwelle und kündigt mit dröhnender Stimme die Herrscher des kleinen Landes an.

„Erheben Sie sich für Seine Hoheit, König Nikolai von Edenvale, und Ihre Eminenz, Königin Adele.“

Im selben Moment betritt das Königspaar den Raum. Natürlich stehe ich auf der Stelle auf. Instinktiv will ich eine Verbeugung oder einen Knicks machen, aber keiner der beiden hat auch nur einen flüchtigen Blick für mich übrig. Obwohl ich die einzige Person im Raum bin. Ich wurde für eine Privataudienz bei den Herrschern des Landes hergebeten, und sie lassen sich nicht einmal dazu herab, mich anzusehen.

Ich sehe den Bediensteten dabei zu, wie sie dem König und der Königin folgen und am Ende des Tisches zwei üppig gepolsterte Lederstühle für sie zurechtrücken. Ich warte, bis die beiden darauf Platz genommen haben.

Als ich im Begriff bin, mich hinzusetzen, platzt ein Mann herein, der eine Smokinghose trägt und damit beschäftigt ist, das zerknitterte Hemd in den Hosenbund zu stecken. Er zwinkert mir zu und grinst schalkhaft, bevor er seine Aufmerksamkeit dem Königspaar zuwendet.

„Entschuldigung, dass ich zu spät komme“, sagt Prinz Nikolai und wirft einen Blick auf die nicht vorhandene Uhr am Handgelenk. Dann küsst er seine Stiefmutter, die Königin, auf die Wange. Der König, der mit seinem grau melierten Haar eine ältere Version des jungen Mannes ist, blickt seinen Sohn nur vielsagend an.

Während sich sein Vater und seine Stiefmutter an der Kopfseite des Tisches niedergelassen haben, setzt der Prinz sich mir gegenüber. Er greift nach der Ledermappe und blättert darin. „Also, wo brennt’s denn heute?“

Unfreiwillig rutsche ich auf meinem Sitz hin und her. Natürlich habe ich schon Fotos von ihm gesehen. Seitdem er volljährig ist, erscheinen fast wöchentlich Bilder von Prinz Nikolai auf den Titelseiten der Boulevardzeitungen. Aber diese Form von Sensationslust war nie meine Sache.

Ich habe nicht zu den vorpubertären Mädchen gehört, die die Wände ihrer Zimmer mit Fotos vom unbekümmert lächelnden Teenieschwarm Prinz Nikolai tapeziert haben – ganz egal, wie toll er ausgesehen hat. Und das hat er. Auch schon damals.

Allerdings war er auch schon damals ein Arschloch ersten Ranges.

Den Schlagzeilen nach zu urteilen, bei denen sein Name immer an prominenter Stelle zu stehen scheint, ändert sich das wohl auch nicht so bald. Doch als er von der Mappe aufschaut und mir in die Augen sieht, wird mir ganz anders.

Auf den Fotos und in den Fernsehberichten, die ich gesehen habe, sah er schon gut aus. Nicht, dass ich mir viel von diesem ganzen Celebrity-Unsinn anschaue, den die Öffentlichkeit täglich über sich ergehen lassen muss. Aber auf meine Reaktion auf den Prinzen in Fleisch und Blut bin ich nicht vorbereitet.

Er ist absolut umwerfend. Er raubt mir den Atem. Außerdem törnt er mich unglaublich an.

„Nikolai …“, sagt die Königin.

Aber der Prinz hält einen Finger hoch und konzentriert sich wieder auf den Inhalt der Ledermappe – der Mappe, die ich nicht aufgeschlagen habe, weil ich auf die Erlaubnis gewartet habe, den Inhalt durchsehen zu dürfen.

Anscheinend stimmen die Gerüchte. Stiefmutter und Stiefsohn kommen nicht besonders gut miteinander aus. Das erklärt seine unverhohlene Respektlosigkeit.

Er überfliegt die erste Seite, dann die zweite und danach noch ein paar weitere. Sein Vater verschränkt die Arme und wirft seinem Sohn einen Blick zu, der besagt, dass der König das letzte Wort haben wird – egal welche Mätzchen Nikolai sich einfallen lässt. Dann klappt der Prinz die Mappe zu und lacht rau.

„Bitte, Nikolai.“ Der König legt die Fingerkuppen aneinander. „Sag uns, was du so amüsant findest.“

Die Königin legt die Hand auf den Unterarm ihres Ehemannes. Aber der König starrt seinen Sohn weiterhin eisig an. Ich schaue dem Geschehen gebannt zu.

Der Prinz kneift die Augen zusammen, sieht mich an, und gegen meinen Willen zieht sich mein Inneres zusammen. In aller Seelenruhe mustert er mich eingehend und verzieht dabei einen Mundwinkel zu einem schiefen Grinsen. Dann legt er die Hände auf den Tisch und beugt sich nach vorn. Jetzt ist er so nah, dass ich den Alkohol in seinem Atem rieche.

„Ich finde es lustig“, antwortet der Prinz gereizt, „dass du nicht nur von mir erwartest, dass ich heirate, sondern auch noch glaubst, dass die kleine Miss Kupplerin Dotcom sich darum kümmern wird. Ich meine, warum eröffne ich nicht einen königlichen Tinder-Account, und die Angelegenheit hat sich erledigt?“

Er wagt es, mich und meinen Beruf zu verspotten? Oh, zur Hölle. Ich gerate so in Rage, dass mir die unbändige Lust auf ihn vergeht.

Er steht auf und streicht das zerknitterte Hemd glatt. „Vater. Stiefmutter. Es war mir wie immer ein Vergnügen, euch beide zu treffen“, sagt er sarkastisch.

Instinktiv stehe ich auf, als er um den Tisch herumgeht. „Ich … Ich bin nicht irgendeine Dotcomfirma. Die Ehen, die ich stifte, sind wohlüberlegt. Ich suche die jeweiligen Partner persönlich aus und …“ Ich stocke. Denn in diesem Moment wird mir nicht nur bewusst, warum genau ich hier bin, sondern auch, dass mein Klient alles andere als bereit dazu ist.

„Bemühen Sie sich nicht, Schätzchen. Eher vögele ich Sie, als Sie meine Hochzeit arrangieren zu lassen.“

Während die Königin nach Luft schnappt, haut der König mit der Faust auf den Tisch. „Genug“, sagt er mit all der Autorität seines Amtes. „Benedict tritt in den Priesterstand ein. Damien ist verstoßen. Wenn du nicht heiratest, um einen Erben zu zeugen, geht die Krone nicht länger an die unmittelbare Familie, sondern an deine Cousine Ingrid. Du wirst deine Pflicht erfüllen.“

„Richtig, Vater. Ich habe genug.“ Doch die ganze Zeit über sieht er nur durchdringend mich an. Dann beugt er sich zu mir. „Und du hättest jede gottverdammte Sekunde lang deinen Spaß, und das Wort ‚genug‘ würde dir nicht einmal in den Sinn kommen“, flüstert er und verbeugt sich vor seinen offensichtlich erschütterten Eltern, bevor er einen dramatischen Abgang hinlegt.

Der Prinz ist ein Arschloch ersten Ranges.

Mein nasser Slip hingegen hat die Info anscheinend nicht empfangen. Vielleicht wartet er auf eine Notiz mit dem königlichen Siegel.

2. KAPITEL

Nikolai

„Heirat? Vater hat ja wohl den Verstand verloren“, schimpfe ich, als ich die Hintertreppe nehme. Das ist die schnellste Fluchtroute aus dem Schloss.

Mir bricht der Schweiß aus. Ich habe einen bitteren Geschmack im Mund. Mein neunundzwanzigster Geburtstag steht vor der Tür.

Ich bin der Thronfolger. Laut dem Königlichen Heiratsdekret von 1674 muss der Thronfolger vor Sonnenuntergang an seinem neunundzwanzigsten Geburtstag verheiratet sein, um seinen Anspruch geltend zu machen. Zudem muss der Ehepartner aus dem Adel stammen und der Eheschließung aus freien Stücken zustimmen. Das sind die einzigen Bedingungen. Sie sollten sich eigentlich leicht erfüllen lassen.

Abgesehen von der Tatsache, dass eine Heirat nicht für mich infrage kommt.

Natürlich ist mir das Heiratsdekret bekannt. Ich habe die Gesetze und Proklamationen Edenvales schon im Kindesalter auswendig gelernt. Aber wir leben im 21. Jahrhundert. Ich hätte nie geglaubt, dass mein Vater dieses obskure Gesetz wieder ausgräbt.

Es ist genauso abstrus wie das Gesetz, dass hochrangige Minister den Palast nicht betreten dürfen, wenn sie purpurfarbene Kleidung tragen. Oder das Gesetz, laut dem Jagen auf königlichem Boden mit Tod am Galgen bestraft wird. An das Gesetz, das Analverkehr unter Strafe stellt, will ich nicht einmal denken.

Zur Hölle, letzte Woche habe ich es auf diese Weise im höchsten Schlossturm mit einer Hotelerbin getrieben. Es ist zwar nicht meine bevorzugte Sexvariante. Aber sie hat mir das Angebot gemacht, und ich habe es selbstverständlich nicht abgelehnt.

Der Schlossgarten mit dem Heckenschnitt in Form von Schwänen und Hasen ist sehr gepflegt. Vater lebt auf diese Weise seine skurrile Ader aus.

„Sire, Sire, bitte warten Sie!“, schreit eine Frau hinter mir. Ich knirsche mit den Zähnen. Die melodische Stimme gehört der Frau mit den kastanienbraunen Haaren, die diese Heiratsvermittlung betreibt.

Abgesehen vom Heiratsdekret beleidigt mich die Tatsache am meisten, dass mein Vater und meine Stiefmutter ein Ehevermittlungsinstitut beauftragt haben. Als wenn ich auf irgendeine gottverdammte Hilfe angewiesen wäre, um eine willige Frau zu finden.

„Sire!“

Ich sollte so ritterlich sein, auf sie zu warten. Aber ich bin nun mal kein Märchenprinz. Ich biege in den Irrgarten ab und trete wütend in die Kiesel, sodass diese nach allen Seiten davonstieben. Ich biege links ab, dann rechts, dann wieder links. Die dichten Hecken, die mich umgeben, sind gut dreieinhalb Meter hoch.

Dieser Irrgarten – vielleicht der größte in Europa – war während meiner Kindheit mein Spielplatz. Ich wusste immer, wo der Ausgang ist. Es ist Zeit, die hartnäckige Heiratsvermittlerin loszuwerden und herauszufinden, wie ich einer unheilvollen Ehe entgehen kann.

In diesem Moment höre ich ein Knacken, gefolgt von einem unterdrückten Schrei. Mist. Sie ist hingefallen. Ich bin nicht überrascht, denn für die sechzehn Zentimeter hohen Stilettoabsätze ist der Weg zu steinig und uneben.

Vorhin habe ich ihre Wade und den perfekt geformten Oberschenkel in Augenschein nehmen können, bevor ich einen Blick in die Ledermappe mit der Broschüre einer Partnervermittlungsagentur geworfen habe.

Ich bleibe stehen und wäge ab. Sie hat gehört, dass ich ihren Rat nicht brauche und ihre Dienstleistungen nicht in Anspruch nehmen will. Dennoch ist sie mir gefolgt. Es ist ihre eigene Schuld. Ich bin dieser fremden Frau nichts schuldig.

Dann habe ich diesen schön geformten Oberschenkel vor meinem geistigen Auge und stelle mir vor, dass er auf meiner Schulter liegt. In Ordnung. Auch wenn ich auf ihre Fachkompetenz als Ehestifterin verzichte, kann ich eine Frau nicht einfach verletzt im Irrgarten zurücklassen.

Bevor ich mich versehe, kehre ich um und finde sie in weniger als einer halben Minute. Sie sitzt auf dem Boden und reibt sich den anschwellenden Knöchel. Ihre Zehennägel sind leuchtend rot lackiert. Verdammt, das gefällt mir.

Ihre sinnlichen, makellosen Lippen sind in demselben leuchtenden Rotton geschminkt. Das gefällt mir sogar noch besser. Am besten würde es mir gefallen, wenn sie mit diesen Lippen über mein Glied streift. Mein Schwanz zuckt zustimmend.

Fuck. Diese Heiratsvermittlerin und wahnsinnig sexy Frau ist der Feind. Aber es hat keinen Zweck, das meinem Mistkerl von Schwanz zu sagen. Manchmal hat eine überschießende Libido schon erhebliche Nachteile.

Kate

Ich muss mich mit aller Macht zusammenreißen, um dem Blick meines Prinzen standzuhalten. Keinesfalls lasse ich zu, dass dieser Mann erlebt, wie ich die Fassung verliere.

„Alles in Ordnung?“, fragt er.

„Natürlich nicht.“ Ich mustere meinen cremefarbenen Rock. Der seitliche Schlitz ist eingerissen und reicht jetzt bis zu meinem Oberschenkel. Und am Hintern ist jetzt garantiert ein großer Grasfleck.

An meine Frisur darf ich nicht einmal denken. Ich hatte die Haare elegant hochgesteckt, um möglichst professionell zu wirken. Doch jetzt hängen mir die welligen Haarsträhnen ins Gesicht – was wahrscheinlich angesichts der Tatsache, dass mich der Prinz aus der Nähe ins Visier nimmt, das Beste ist.

„Zeigen Sie mir einfach den Weg, der hier herausführt.“ Ich versuche aufzustehen. Aber sobald ich den verstauchten Knöchel belaste, geben meine Knie nach, und ich falle fast wieder auf den Boden. Fast.

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