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Spanische Verführung – Shadows of Love

Inhalt

  1. Cover
  2. Über diese Folge
  3. Über die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Spanische Verführung
  7. In der nächsten Folge

„Shadows of Love“ sind in sich abgeschlossene erotische Liebesgeschichten von unterschiedlichen Autoren. Die Folgen erscheinen monatlich als Romanheft und E-Book.

Über diese Folge

Lucia ist Redakteurin bei einem Architekturmagazin. Ihr neuer Auftrag führt sie für ein paar Tage nach Barcelona, wo sie für einen Artikel über Antoni Gaudí recherchieren soll. Dort angekommen wird ihr von der Gaudí International Foundation Javier zur Seite gestellt. Und Javier nimmt seine Aufgabe sehr ernst: Er zeigt Lucia nicht nur die Architektur Gaudís, sondern auch das spanische Lebensgefühl. Dabei kommen sich die beiden sehr nahe und Lucia kann nicht mehr aufhören, an Javier und seine Berührungen zu denken. Und das, obwohl in Deutschland ihr Freund auf sie wartet. Doch nach der Leidenschaft, die sie mit Javier erlebt, kommen ihr Zweifel, ob sie in ihrer Beziehung wirklich so glücklich ist. Auf Javier kann und will sie sich aber nicht einlassen, denn er verschweigt etwas vor ihr …

Über die Autorin

Kelly Stevens studierte in England Literatur und Kreatives Schreiben und arbeitete in Deutschland in verschiedenen Jobs im Medienbereich. Sie lebt als Autorin und Bloggerin mit ihren zwei Hunden in der Nähe von Köln.

Der Pilot beschleunigt und hebt ab. Von meinem Fensterplatz aus erhasche ich einen Blick auf Düsseldorfer Vororte. Dann sehe ich für einige Sekunden nur Wolken, bis wir diese unter uns lassen und mich strahlend blauer Himmel empfängt. Ein Gefühl von Freiheit breitet sich in mir aus.

Ich liebe es zu reisen, fremde Länder zu erkunden, neue Sitten und Gebräuche kennenzulernen, ungewohnte Gerichte auszuprobieren. Für mich ist es ein Signal, dass ich für eine begrenzte Zeit meinem Alltag entfliehen und neue Eindrücke sammeln kann.

Nicht, dass mein Alltag schlecht wäre. Ich habe einen Partner, der gleichzeitig mein bester Freund ist. Kennengelernt haben wir uns während des Studiums: ich Deutsch und Spanisch auf Lehramt, er Mathematik und Sport. Inzwischen sind wir schon fast zehn Jahre zusammen und ergänzen uns perfekt. Stefan ist sehr sportlich, ansonsten der ruhige, besonnene Typ. Auch ich bin eher zurückhaltend und ein bisschen introvertiert.

Vielleicht wäre ich trotzdem eine gute Lehrerin geworden. Aber das Schicksal hatte anderes mit mir vor: Stefan bekam nach dem Referendariat eine Stelle in Düsseldorf angeboten, ich in der Nähe von Soest, über hundert Kilometer entfernt. Es wäre auf eine Wochenendbeziehung hinausgelaufen, was uns beiden nicht gefiel.

Schweren Herzens sagte ich meine Stelle ab und begann, im Raum Düsseldorf nach einem anderen Job zu suchen. Da ich als studentische Aushilfe mehrere Jahre lang in einer Zeitschriftenredaktion gearbeitet hatte, reaktivierte ich meine Kontakte, und ein Düsseldorfer Verlag bot mir eine Volontariatsstelle an. Noch einmal zwei Jahre Ausbildung, dabei war ich schon Mitte zwanzig und ausgebildete Lehrerin.

Stefan und ich diskutierten diese Option lang und breit im Freundes- und Familienkreis. Nach Abwägung aller möglichen Chancen und Risiken entschied ich mich schlussendlich zuzusagen.

Wir richteten uns eine Dreizimmerwohnung in Düsseldorf ein, bauten uns einen neuen Freundeskreis auf und bekamen nach einigen Jahren unbefristete Verträge. Stefan arbeitet weiterhin als Lehrer, ich bin inzwischen Redakteurin bei einem Magazin, das sich auf Architektur und Inneneinrichtung spezialisiert. In das Thema Architektur musste ich mich erst einarbeiten, aber meine Arbeit macht mir Spaß, ich habe nette Kollegen und einen wundervollen Partner. Alles in allem bin ich mit meinem Leben zufrieden.

Der nächste logische Schritt wäre, dass Stefan und ich heiraten und Kinder bekommen. Aber irgendwie ist uns beiden noch nicht danach.

Das einzige Thema, bei dem wir nicht auf einer Wellenlänge liegen, ist Urlaub. Da ich Spanisch spreche, zieht es mich in spanischsprachige Länder: nach Spanien, Mittel- oder Südamerika. Stefan hingegen bevorzugt die USA und Kanada, seitdem er als Schüler ein Jahr an einer amerikanischen Highschool war. Mit unserer Urlaubsplanung müssen wir uns außerdem nach seinen Schulferien richten. Meistens läuft es deshalb auf zwei oder drei Wochen USA im Sommer und eine Woche Mallorca oder Kanarische Inseln im Herbst oder Frühjahr hinaus. Mein Traum, mit dem Auto durch Costa Rica zu fahren oder in Peru den Inka Trail zu Machu Picchu zu wandern, bleibt vorerst ein Traum.

Nicht, dass ich mich beklage. Mit Stefan habe ich einen echten Glücksgriff getan. Ich kann ihm blind vertrauen und weiß, dass er mir treu ist – keine Selbstverständlichkeit heutzutage. Wir verdienen genug, um uns eine schöne Wohnung und zweimal im Jahr Urlaub leisten zu können – ebenfalls keine Selbstverständlichkeit.

Mit Kindern wäre das nicht mehr so ohne Weiteres möglich.

Ich schiebe diese Gedanken beiseite und widme mich stattdessen dem Ziel meiner Reise. Durch meinen Job komme ich ab und zu in den Genuss von Dienstreisen, die zwar genau genommen Arbeit sind, sich für mich aber nicht so anfühlen. Diesmal sind es vier Tage Barcelona, in denen ich für einen Artikel über die Bauwerke des spanischen Architekten Antoni Gaudí i Cornet recherchieren soll. Er hat von 1852 bis 1927 gelebt und in Barcelona und Umgebung einige wegweisende Bauwerke erschaffen.

Ich lächele voller Vorfreude, und der Mann im Nebensitz wirft mir einen abschätzenden Blick zu. Nein, danke, ich bin bereits vergeben, denke ich und blicke von ihm weg aus dem Fenster, obwohl außer Himmel und Wolken nicht viel zu sehen ist. Abgesehen von meinen langen blonden Haaren, die auf viele Männer eine Art Signalwirkung zu haben scheinen, sehe ich nämlich eher unterdurchschnittlich aus: ein bisschen zu klein und ein bisschen zu kurvig für den aktuellen Männergeschmack. Außerdem laufe ich meistens in Jeans und Blusen und nur mit einem Minimum an Make-up durch die Gegend. Aber Stefan mag mich glücklicherweise so, wie ich bin.

Vom Flughafen Barcelona-El Prat nehme ich ein Taxi ins Zentrum. Die Eincheckformalitäten im Hotel sind schnell erledigt. Ich bringe mein Gepäck aufs Zimmer, ziehe mir luftigere Sachen an und packe eine kleine Digitalkamera in meinen Tagesrucksack. Wir verwenden normalerweise Bildmaterial aus Fotodatenbanken, weil diese preiswerter sind, als einen professionellen Fotografen mitzuschicken. Aber ich habe trotzdem gerne eigene Fotos als Gedächtnisstütze oder um die Atmosphäre einzufangen.

Ein Blick auf meine Armbanduhr zeigt, dass ich noch etwas Zeit habe, bevor ich mich mit einer Mitarbeiterin der Gaudí International Foundation treffe, die sich freundlicherweise bereit erklärt hat, mich bei meinen Recherchen zu unterstützen.

Draußen ist es sonnig, aber es herrscht keine so schwüle Hitze, wie ich es von Düsseldorf gewohnt bin. Hier weht ein leichter Sommerwind.

Stimmt, die Kunst- und Kulturmetropole Barcelona liegt ja am Meer. Vielleicht habe ich später ein bisschen Zeit, ans Wasser zu gehen. Zwar werde ich viel arbeiten müssen, aber niemand schreibt mir vor, wann. Ich könnte nachmittags eine Stunde an den Strand gehen und dafür nach dem Abendessen an meinen Notizen arbeiten.

Glücklicherweise liegt das Hotel fußläufig zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Ich kaufe mir eine Flasche Wasser und schlendere zur Casa Milà, dem letzten zivilen Bauwerk, das der Architekt entworfen hat. Es liegt ganz zentral am Passeig de Gràcia. Hier werde ich bereits von einer netten Spanierin mittleren Alters erwartet.

»Lucia Sommer von ›Innen & Außen‹«, stelle ich mich vor. »Wir hatten telefoniert?«

Die Spanierin ist fast einen Kopf kleiner als ich und redet wie ein Wasserfall. Obwohl mein Spanisch nicht schlecht ist und ich zur Sicherheit ein Aufnahmegerät dabeihabe, muss ich mich anstrengen, um alles zu verstehen.

Wir besichtigen den Innenhof, die Ausstellung und natürlich das Dach mit seinen skulpturenhaften Kaminen, die an stille Wächter erinnern. Im Gebäude selbst befinden sich Wohnungen und Büros, die wir natürlich nicht betreten können, aber einige Bereiche, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, zeigt sie mir trotzdem. Insbesondere die Treppenhäuser mit Wasserspeichern und die Belüftungsschächte interessieren mich. Das Gebäude ist über hundert Jahre alt und benötigt keine Klimaanlage!

Viel zu schnell ist der Termin vorbei. »Ich hoffe, ich konnte Ihnen helfen«, lächelt die Spanierin und bleibt vor einer Tür stehen, die in den privaten Bereich des Gebäudes führt. »Was wollen Sie sich denn noch alles ansehen?«

»Heute wollte ich noch zur Casa Batlló.« Ein Gebäude, das Gaudí umgestaltet hat und das heute ein Museum ist. Von hier aus sind es nur ein paar hundert Meter dorthin. »Und morgen zum Park Güell und natürlich zur Sagrada Família.« Alles typische Touristenziele, die ich auch alleine besichtigen kann.

Die Frau gibt mir noch ein paar Empfehlungen, die aber alle schon auf meiner Liste stehen. Wie immer habe ich die Reise gut vorbereitet, sodass ich einen festen Plan habe, wann ich was ansehen möchte. Sogar die Öffnungszeiten und wie man am besten von einem Ort zum anderen kommt, habe ich im Vorfeld recherchiert. »Sehr strukturiert« nennt meine Chefin meine Arbeitsweise, was hoffentlich als Kompliment gemeint ist.

Ich bedanke mich höflich und will mich gerade verabschieden, als die Tür hinter uns sich öffnet und ein Mann heraustritt.

»Ah, Javier!«, ruft meine Begleiterin und umarmt den Mann herzlich. Während sich beide die typischen spanischen Begrüßungsküsschen links und rechts geben, stehe ich etwas verloren daneben.

Mein erster Eindruck des Mannes, als er sich zu mir umdreht, sind warme dunkelbraune Augen unter dunklen Locken. Er trägt ein etwas verknittertes olivgrünes Hemd mit kurzen Ärmeln und eine helle Hose, dazu Sandalen. Funktionell, nicht glamourös. Seine Haut ist sonnengebräunt. Wegen der Fältchen um seine Augen herum schätze ich ihn auf Ende dreißig.

»Das ist Lucia Sommer, eine Journalistin aus Deutschland, die über Gaudís Architektur schreiben will«, stellt die Spanierin mich vor.

Im nächsten Moment küsst Javier auch mich neben die Wange. Da wir uns gar nicht kennen, bin ich darauf nicht vorbereitet und versetze ihm unbeabsichtigt einen Nasenstüber.

»Entschuldigung!« Ich reibe mir über die Nasenwurzel, die von der Berührung leicht kribbelt.

Javier hingegen lacht nur. »Kein Problem. Gaudí, sagen Sie?«

»Ja, ich wollte in den nächsten Tagen seine wichtigsten Bauwerke hier in Barcelona besichtigen und einen Artikel darüber schreiben.«

»Hier hast du ihr schon alles gezeigt?«, wendet er sich an die Spanierin.

Die nickt energisch. »Ja, aber jetzt muss ich leider los. Lucia möchte noch zur Casa Batlló.«

»Ich kann gerne mitkommen und Ihnen eine Privatführung geben«, schlägt Javier an mich gewandt vor.

Privatführung? Gehört Javier auch zu den Mitarbeitern der Foundation?

»Da haben Sie aber ein Glück, Javier ist der Beste!«, strahlt die Frau mich mit aufrichtiger Freude an und schiebt mich ihm praktisch in die Arme. Die Spanier scheinen große Gesten zu lieben und nichts gegen Körperkontakt zu haben, denn sie umarmen sich zum Abschied erneut.

Anscheinend sind sie Kollegen. »Sehr gerne«, nehme ich dankend an.

Keine Minute später stehe ich mit Javier an meiner Seite auf der Straße. Er setzt eine dunkle Sonnenbrille auf und wirkt plötzlich wie der typisch lässige, stolze Spanier. Auf der Kö würde er mit seinem Look wahrscheinlich angestarrt werden, hier auf dem Passeig de Gràcia passt er perfekt ins Bild.

Im Tageslicht sehe ich, dass seine Haare schwarz sind, wie bei vielen Spaniern. Sie glänzen in der Sonne. Er ist nicht besonders groß, aber immer noch einen halben Kopf größer als ich. Angenehm, denke ich unwillkürlich. Zu Stefan muss ich immer aufblicken, genauso wie zu vielen meiner Kollegen.

Während wir zur Casa Batlló gehen, gibt Javier mir schon die ersten Informationen über das Gebäude. Zwar hatte ich mich vorab schon eingelesen, aber es ist nett, ihm zuzuhören, und er erwähnt einiges, was ich noch nicht wusste. Seine Stimme klingt dunkel und warm, und nach ein paar Minuten verstehe ich auch seinen katalanischen Akzent gut.

Das Haus, das wir uns ansehen werden, ist von Gaudí renoviert worden. Dies allerdings so entgegen dem damaligen Stil, dass die Bewohner Barcelonas das fertiggestellte Werk als »Haus der Knochen« bezeichneten. Als wir davorstehen, wird mir auch klar, warum. Zwar hatte ich Bilder gesehen, aber die Fassade mit ihren geschwungenen Fenstern und filigranen Säulen, die tatsächlich an Knochen erinnern, ist doch sehr ungewöhnlich.

»Es sieht aus, als ob es mich anlächelt«, stelle ich fest.

Javier bleibt kurz stehen, um die Fassade zu betrachten. »Eine andere Bezeichnung ist ›Haus des Gähnens‹.«

»Ich finde Lächeln schöner als Gähnen«, stelle ich fest.

Javier lacht. »Na, dann bin ich gespannt, was du zum Inneren sagst.«

Er hatte mir das Du angeboten, sobald wir auf der Straße standen, und ich sah keinen Grund abzulehnen. Dafür, dass wir uns gerade erst kennengelernt haben, wirkt er sehr herzlich und freundlich.

Obwohl ich die Kosten der Eintrittskarten und andere Spesen erstattet bekomme, schiebt Javier mich nach einem kurzen Geplänkel mit der Frau hinter der Kasse ohne zu zahlen an ihr vorbei. Kurz überlege ich, ob ich protestieren soll, aber da Javier sich nichts dabei zu denken scheint, verbanne ich meinen Anflug von schlechtem Gewissen und genieße seine Privatführung. Umso mehr, als die meisten Touristen um mich herum Audioguides am Ohr haben oder in ihren Reiseführern lesen. Ich hingegen habe meinen eigenen Reiseleiter und brauche nur Notizbuch und Stift.

Insgesamt hat das Gebäude sieben Ebenen. Von innen sehen die großen, vertikalen Schiebefenster noch beeindruckender aus als von außen. Die Rückfassade gefällt mir längst nicht so gut wie die Vorderfront, aber als Javier mir die Keramikmosaike, ein typisches Element in Gaudís Designs, zeigt, sehe ich sie mit neuen Augen. Der Architekt hatte ein Faible für schlichte, aber originelle Formen, deren Ursprung oftmals in der Natur lag. Insbesondere seine geschwungenen Dach- und Wandkonstruktionen sind berühmt.

»Du arbeitest für eine Architekturzeitschrift?«, fragt Javier, während wir die Treppen hinaufsteigen.

Ich bleibe kurz stehen, um eine Holztür mit einem geschwungenen Metallgriff zu bewundern. »Ja, wir konzentrieren uns sowohl auf Architektur als auch auf Innenarchitektur und Design. Diese Griffe hier zum Beispiel, stammen die auch von Gaudí?«

Javier nickt. »Ja, er hat sie zuerst aus Ton geformt, bevor sie aus Messing hergestellt wurden.«

Ehrfürchtig lasse ich meine Fingerkuppen über das Holz der Tür gleiten und umfasse dann den Messinggriff. Im ersten Moment fühlt er sich ungewohnt an, anders als normale Türklinken. Ich will meine Hand schon wieder wegnehmen, als sich Javiers über meine legt und leichten Druck ausübt. »Spüre, wie sich das Messing in deiner Hand anfühlt.«

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