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Spiele am Nachmittag!?

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1. KAPITEL

Dass Regen und Hagel gegen die Ladentür klatschten, war bei diesem Wetter nichts Verwunderliches. Aber eine Frau?

Mit Volldampf rannte sie gegen die Tür, und Max starrte verdattert auf das lange blonde Haar, das an der nassen Scheibe klebte, und die kleine Nase, die von dem Aufprall und der Kälte draußen stark gerötet war. Obwohl der sintflutartige Regen ihren erbosten Aufschrei dämpfte, vermochte er ihn dennoch nicht zu übertönen.

Cleo fasste eine sofortige Abneigung gegen den Eindringling.

Max eilte um die Theke des Buchladens seiner Schwester und öffnete die Tür. Das weibliche Häufchen Unglück taumelte kraftlos hinein. Zuerst dachte Max, die Frau sei angeschossen oder niedergeschlagen worden. In heller Wut stieg er über sie und spähte durch die Regenwand, um zu sehen, ob sonst noch jemand draußen war. Aber es war nichts zu sehen außer dem Regen.

Cleo hörte nicht auf zu knurren, und als Max sich neben die Frau kniete, die nun sehr geräuschvoll stöhnte, sagte er: „Halt die Klappe, du giftiges kleines Biest!“

Die Frau schnappte nach Luft, drehte sich auf den Rücken und begann die Augen zu öffnen. Stattdessen stöhnte sie jedoch nur wieder.

„Ich bin verletzt“, erklärte sie, und es klang fast so gefährlich wie Cleos Knurren. „Da brauchen Sie mich nicht auch noch zu beschimpfen.“

„Ich habe nicht …“ Max brach ab, als sie ein Auge öffnete. Es war ein ausgesprochen ungewöhnliches Auge, von einem sehr dunklen Blau und gesäumt von dichten dunkelbraunen Wimpern. Es war nur dieses eine Auge, das ihn ansah, nicht einmal beide, aber er empfand ihren Blick wie einen Fausthieb in den Magen.

Cleo kam näher, um die Frau zu beschnüffeln, und stieß ihr leise knurrend die Schnauze Nase ins Gesicht.

„Wo sind Sie verletzt?“, fragte Max, der noch immer nicht verstand, warum die Frau sich gegen die Tür geworfen hatte oder wieso sie immer noch nicht aufgestanden war.

„Überall.“ Dieses eine offene Auge blickte ihn fest an. „Ich bin fix und fertig, also beleidigen Sie mich wenigstens so lange nicht, wie ich am Boden liege.“

Max fragte sich, ob sie damit sagen wollte, wenn sie aufstand, könne er es tun. Sie schien damit jedoch keine Eile zu haben.

„Cleo“, erklärte er ein wenig ruhiger, „ist mein Hund. Sie ist zwar schlecht gelaunt, aber nicht gefährlich. Sie wird Ihnen nichts tun.“

„Ich habe keine Angst vor Hunden.“ Selbst in ihrer ungünstigen Position schaffte die Fremde es, über die bloße Vorstellung gekränkt zu wirken. Dann blickte sie missbilligend und immer noch nur mit einem Auge auf Cleo. „Ich will bloß keine nasse Hundeschnauze an der Wange.“

Max verkniff sich ein Grinsen. „Komm her, Cleo. Lass die Dame in Ruhe.“ Cleo gehorchte – zum ersten Mal, soweit Max sich entsinnen konnte. Sie kam sofort zu ihm, hörte aber nicht auf zu knurren und die Frau wachsam im Auge zu behalten.

Eine Wasserpfütze hatte sich um die Frau gebildet, und da sie noch immer auf dem kalten Fliesenboden lag und keine Anstalten machte, sich zu erheben, betrachtete Max sie genauer, um nach etwaigen Verletzungen zu suchen. Doch statt Verletzungen entdeckte er einen sehr attraktiven, wenn auch nicht sehr großen Busen unter einem weißen T-Shirt mit der Aufschrift: „Ich gebe gute Pfirsiche.“

Seine Brauen fuhren hoch. Was, zum Teufel, sollte das bedeuten?

Unter dem inzwischen durchnässten Hemd war ein pinkfarbener Spitzen-BH zu erkennen. Nicht, dass Max darauf geachtet hätte. Keineswegs. Er hatte eine Vereinbarung mit Cleo und beabsichtigte, sein Wort zu halten. Rasch strich mit den Fingern durch Cleos Fell, um es ihr aufs Neue zu bestätigen.

Aber die Hündin wirkte alles andere als beruhigt.

Vielleicht kannte sie ihn besser als er selbst.

„Sind Sie okay?“, fragte Max die Frau und zwang sich, den Blick von ihrem nassen T-Shirt abzuwenden. Er musste sich ablenken. Aber es wäre leichter, wenn sie aufstand.

Etwas übertrieben mühsam, wie ihm schien, öffnete sie nun beide Augen und starrte ihn an. „Ich sehe zwei von Ihnen“, murmelte sie überrascht. „Das kann doch nur ein Traum sein und nicht die Wirklichkeit.“

„Ein Traum?“ Vielleicht fieberte sie. Oder war betrunken.

Vielleicht war sie Material für seine nächste Kolumne. Aber kaum hatte Max daran gedacht, verwarf er die Idee schon wieder. Es war ein bisschen zu weit hergeholt, um glaubwürdig zu sein. Selbst für seine Leserschaft, die bisher alles zu glauben schien, was er zusammenschrieb.

Eine kleine Hand berührte sein Gesicht, in einer Geste, die Cleo sofort wieder ärgerlich machte. Aber die Frau achtete nicht auf den Hund.

„Nun, Sie wissen wahrscheinlich, wie Sie aussehen, schätze ich. Zwei von Ihnen wären … ach, vergessen Sie’s.“ Als begriff sie erst jetzt, was sie gesagt hatte, räusperte sie sich. „Ja, ich glaube, ich bin okay.“

Einer Frau wie ihr war Max noch nie begegnet, und das wollte etwas heißen, da er eine Menge Frauen kannte. Tatsächlich kannte er sich so gut aus mit Frauen, dass seine Kolumne ungemein erfolgreich war – die er unter einem Pseudonym veröffentlichte. Nicht einmal seine Familie wusste, dass er sie schrieb.

Sie alle glaubten, er sei arbeitslos.

Diese Frau war ganz entschieden anders. Sie flirtete, dann zog sie sich zurück – und die ganze Zeit lag sie total durchnässt und auch ansonsten ziemlich derangiert hier vor ihm auf dem Boden.

„Sind Sie sicher?“, fragte er.

„Mein Stolz hat einen nicht wieder gutzumachenden Schaden erlitten, räumte sie ein.“Aber abgesehen davon werde ich es wohl überleben, denke ich.“ Sie richtete sich in eine sitzende Stellung auf und streckte ihre langen Beine aus. Cleo versuchte wieder, sie zu beschnüffeln, aber als die Frau sie mit einem strafenden Blick bedachte, zog sich Cleo sich winselnd zurück und begann erst wieder zu knurren, als sie in sicherer Entfernung zu der Fremden war.

Max konnte Cleo gut verstehen. Die Augen dieser Frau waren wirklich unglaublich. Nicht die Farbe, Form oder Größe. Aber die Intensität des Blicks.

„Wo ist Annie?“, fragte sie und sah sich im Laden um, als sei sie nicht zum ersten Mal hier.

„Sie kennen meine Schwester?“

„Ich habe Unmengen von Büchern hier gekauft“, erklärte sie, „die ich für meine Arbeit brauche. Annie und ich haben uns recht gut kennen gelernt im letzten Jahr. Nun sind wir Freundinnen.“ Dann fragte sie: „Warum war die Tür verriegelt?“

Cleo, wieder mutiger geworden, kam näher, und die Frau streichelte sie abwesend. Cleo jaulte und kläffte empört, aber die Frau beachtete ihr Getue nicht, während sie den viel zu kleinen Kopf des Hundes streichelte.

Max war so verblüfft, dass er die beiden nur anstarren konnte. Noch niemand außer ihm hatte das feindseliges Verhalten der Hündin einfach ignoriert, um ihr ein bisschen Zuneigung zu geben. Max betrachtete die Frau noch einmal, diesmal jedoch mit einer völlig anderen Art von Interesse. Sein Herz schlug schneller.

Er war auf Brautschau, und da seine Braut sich hundertprozentig mit seinem Hund verstehen musste – schließlich heiratete er dem Hund zuliebe, um Cleo geordnete Familienverhältnisse zu verschaffen und die Liebe und Akzeptanz, die sie nie gehabt hatte – konnte er nicht umhin, die zarte Freundschaft zu bemerken, die sich hier vor ihm entwickelte. Es erstaunte ihn.

Und wärmte ihm das Herz.

In gewisser Weise stimulierte es ihn sogar. Aber das war schließlich auch kein Wunder. Er hatte schon so lange keinen Sex gehabt, dass es nicht viel erforderte, um ihn zu stimulieren.

Die Frau schnippte mit den Fingern vor seinem Gesicht. „Sind Sie noch da?“

Max lachte. „Entschuldigen Sie. Ich war für einen Moment mit meinen Gedanken ganz woanders.“

„Das habe ich gesehen.“ Sie musterte ihn ganz ungeniert und fragte dann: „Was haben Sie hier drinnen gemacht, dass Sie die Tür geschlossen hatten?“

Max erinnerte sich, dass seine Schwester die Ladentür immer offen ließ, eine Angewohnheit, die ihn und Daniel auf die Palme brachte, was vermutlich der Grund war, warum Annie es auch weiterhin tat. Nichts bereitete ihr mehr Vergnügen, als ihre Brüder zu verärgern.

„Annie ist nicht hier, und da der Wind durch die Tür hineinpfiff, habe ich sie geschlossen. Ich dachte, bei diesem Wetter kämen sowieso nicht viele Kunden. Und natürlich hatte ich nicht damit gerechnet, dass eine Frau sich dagegenwerfen würde.“ Etwas sanfter, denn sie hatte diesen Effekt auf ihn, fügte er hinzu: „Das muss wehgetan haben.“

Sie strich Wasser von ihren Armen und wrang ihr Haar aus. „Ich hätte mich beinahe selbst k. o. geschlagen, aber ich werd’s schon überleben.“

Cleo, die sich noch immer bemühte, furchterregend auszusehen, damit niemand ihre wahre Absicht erkannte, stieß die Hand der Frau mit der Schnauze an, damit sie nicht aufhörte, sie zu streicheln. Max traten fast die Augen aus dem Kopf. „Was machten Sie bei diesem Wetter draußen?“

„Ich brauchte ein Buch. Ich rannte, um nicht nass zu werden, aber ich hatte natürlich nicht damit gerechnet, gegen eine geschlossene Tür zu prallen.“ Plötzlich grinste die Fremde und verdrehte die Augen. Sie sah entzückend aus, sogar mit dem verschmierten Make-up.

Und sie streichelte noch immer seinen Hund.

Und Cleo ließ es sich gefallen.

Max machte es sich ein wenig bequemer auf dem Boden, als die Frau noch immer keine Anstalten machte, sich zu erheben.

Bestrebt, ihr eng anliegendes T-Shirt und ihre ebenso verführerischen langen Beine in den engen nassen Jeans zu ignorieren, fragte Max: „Brauchen Sie einen Arzt?“

„Oh nein. Es geht mir wirklich schon wieder ganz gut.“ Wieder grinste sie, um dann hinzuzufügen: „Ich bin Maddie Montgomery.“ Zu Cleos Bestürzung reichte sie ihm eine schlanke nasse Hand, an der jetzt Hundehaare klebten.

Max nahm sie – und ließ sie nicht gleich wieder los, als er spürte, wie kalt ihre Finger waren. „Max Sawyers. Sie sind eiskalt.“

„Und Sie sind Annies berüchtigter Bruder.“

„Ihr Bruder ja, der Rest ist fraglich.“ Vor allem in letzter Zeit, fügte Max bei sich hinzu. Sein Leben als Mönch war kein sehr angenehmes.

Maddie entzog ihm ihre Hand und richtete sich auf. „Wissen Sie, ich habe Geschichten über Sie gehört, bei der einer Frau die Haare zu Berge stehen könnten. Sie sehen anders aus, als ich Sie mir vorgestellt hatte.“

Sie hatte sich ihn vorgestellt? Max ging ins Hinterzimmer, um ein Handtuch zu holen und um sich von der Versuchung zu entfernen. Der Reiz der Jagd ließ sein Herz bereits schneller schlagen. Nach all den Jahren, in denen er seiner Leidenschaft uneingeschränkt gefrönt hatte, handelte er oft vollkommen instinktiv. Er konnte Frauen verführen, ohne es auch nur zu merken, als sei er auf Autopilot eingestellt.

Eine Frau, die Bemerkungen machte über seinen Ruf, lief naturgemäß Gefahr, besagten Ruf aus eigener Erfahrung kennen zu lernen. Nur dass er jetzt eine Braut benötigte und nicht nur eine vorübergehende Bettgefährtin. Was bedeutete, dass er langsamer vorgehen und sich mehr Zeit nehmen musste, als ihm lieb war.

Aber eine Bemerkung konnte er sich trotzdem nicht verkneifen. „Wie glaubten Sie denn, wie ich aussehe?“ Mit wem sie wohl über ihn gesprochen hatte?

„Keine Ahnung.“ Sie war ihm gefolgt. Er hörte das Quietschen ihrer nassen Turnschuhe und das Klicken von Cleos Zehennägeln auf den Fliesen. „Ich dachte, Sie hätten langes Haar, so wie die Models in den Frauenmagazinen. Und Goldkettchen. Ein bisschen gigolomäßig vielleicht.“

Max fand die Beschreibung absurd und schüttelte den Kopf. Dann drehte er sich zu ihr um und reichte ihr ein Handtuch. „Hier.“

Sie trocknete ihr Gesicht und ihren Hals ab. „Sie sind doch jetzt hoffentlich nicht beleidigt?“

„Eher amüsiert. Und neugierig.“ Keine Frau, mit der er je zusammen gewesen war, hätte ihn als anders beschrieben als machomäßig, maskulin. Dass er wie ein Gigolo wirke, hatte noch keine behauptet.

Neugierig fragte er: „Wer hat mit Ihnen über mich geredet?“

„Ihre Schwester hauptsächlich.“

Max fiel fast über seine eigenen Füße. „Annie?“ Verdammt, das war leider überhaupt nicht aufregend.

„Ja. Ihre Schwester liebt Sie sehr, und sie ist sehr stolz auf Sie. Aber sie sagt, Sie seien das schwarze Schaf der Famile.“

„Hat sie Ihnen auch gesagt, ich trüge Goldkettchen?“

Maddie lachte. Es war ein hübsches Lachen – natürlich, warm. Cleo starrte sie an, als wäre sie verwirrt, und ihre Lefzen zuckten. „Nein, das hatte ich mir ganz allein gedacht. Annie erwähnte nur, was für ein Casanova Sie sind und dass Frauen Sie unwiderstehlich finden.“

Max nickte. Seine Kolumne wurde von ebenso vielen Frauen gelesen wie von Männern. Und alle überschütteten ihn mit Lob in ihren Briefen. Er kannte sich aus mit Frauen, verstand sie beinahe besser als sie sich selbst.

Was der Grund war, warum seine wöchentliche Kolumne so erfolgreich war. Es war gut, dass niemand wusste, dass er sie schrieb. Die Anonymität kam ihm sehr zustatten, denn er wusste, sonst würden die Frauen ihm keine Ruhe lassen. Es war schlimm genug, dass sein schlechter Ruf bekannt, aber wenn die Frauen auch noch herausfanden, dass er der wöchentliche Ratgeber in Sachen Liebe war …

„Ich habe auch von anderen Frauen etwas über Sie gehört.“

Ihre Bemerkung riss Max aus seinen Überlegungen. „Ach ja?“

Maddie frottierte ihr Haar, während sie sprachen, und schien nicht im geringsten dessen bewusst zu sein, was für einen sexy Anblick sie mit ihren unter dem transparenten T-Shirt deutlich sichtbaren Brüsten bot. Die meiste Zeit hielt Max den Blick auf ihr Gesicht gerichtet. Aber er war auch nur ein Mann, was es ihm unmöglich machte, ihre kleinen harten Brustspitzen vollkommen zu ignorieren. Er konnte gar nicht anders, als sie hin und wieder anzusehen.

„Sie sind ein weit gereister Mann“, behauptete Maddie, „ein außergewöhnlich guter Liebhaber und die Trophäe, die jede Frau gewinnen möchte.“

Ihr Geplänkel entzückte Max. Er wusste nicht so recht, ob sie mit ihm flirtete oder sich über ihn lustig machte, aber sie tat es so, dass ihm beides recht war. Es war eine Art der Annäherung, die ihm völlig neu war.

Er lehnte am Türrahmen, Cleo neben ihm. „Jede Frau?“

Wieder dieses schiefe Grinsen. „Sicherlich. Mir wird schon schwindelig, wenn ich nur in Ihrer Nähe bin. Ihre erotische Ausstrahlung wirft mich beinahe um. Was glauben Sie, warum ich so lange auf dem Boden lag?“

Ein Grinsen unterdrückend, fragte Max: „Weil Sie sich beinahe selbst umgehauen haben?“

„Im Gegenteil. Weil ich die Augen öffnete …“

„Ein Auge.“

„… und die Welt sich drehte, als ich Sie sah. Mir war viel zu schwindlig, um mich aufzurichten.“

Ihre schönen Augen zwinkerten belustigt und hinderten Max daran, zu entscheiden, wie ernst sie ihre Worte meinte.

Sie begann ihr T-Shirt abzutupfen und blickte an sich hinab. „Ach du liebe Güte!“ Schützend hielt sie das Handtuch vor ihre Brüste und funkelte Max entrüstet an. „Sie hätten es mir sagen können!“

Max stellte sich dumm. „Was hätte ich Ihnen sagen können?“

„Dass … dass man alles sieht!“

Er zuckte die Schultern. „Mich hat’s nicht gestört.“

Grollend kehrte Maddie ihm den Rücken zu, schlang das Handtuch um ihren Oberkörper und verknotete es an der Seite wie einen Sarong. Cleo bellte, und es klang alles andere als gut gelaunt.

„Sehen Sie?“, sagte Maddie über die Schulter. „Der Hund findet auch, dass Sie trotz Ihres Rufs höflich genug hätten sein können, mir zu sagen, dass mehr zu sehen war, als ich zeigen wollte.“

„Eigentlich“, erklärte Max, „bellt Cleo nur, weil sie es hasst, wenn man ihr den Rücken zudreht. Sie misstraut Leuten, die das tun.“

„Oh.“ Maddie drehte sich halb zu Cleo um, beugte sich zu ihr vor und sagte ernsthaft: „Tut mir leid, Cleo. Aber es war wirklich unhöflich von Max, mir nichts zu sagen.“

Sie entschuldigte sich bei seinem Hund?

Cleo knurrte.

„Aha!“, sagte Maddie. „Sie ist offenbar auch der Meinung, dass Ihre Manieren sehr zu wünschen übrig lassen.“

„Weil ich Ihnen nicht gesagt habe, dass Ihre Brüste zu sehen waren?“ Max beobachtete sie und wartete darauf, dass sie errötete. Sie war viel zu anmaßend für seinen Geschmack.

Stattdessen nickte sie ihm zu. „Genau.“

Ihr Mangel an Verlegenheit enttäuschte ihn.

„Sie hätten es mir sagen müssen. Ein Gentleman macht eine Dame darauf aufmerksam, wenn ihre Schicklichkeit gefährdet ist. Und ein Gentleman zu sein wird Ihren Ruf nicht schmälern, das versichere ich Ihnen.“

„Na schön.“ Max senkte den Blick auf ihren wohl geformten Po in den engen Jeans. „Sie haben einen Riss.“

Sie blickte über ihre Schulter und blinzelte verständnislos. „Ich habe … was?“

„Einen Riss. Im Hosenboden. Ihr Slip, der zu Ihrem BH passt und eigentlich recht hübsch ist, ist durch den Riss zu sehen.“

Sie legte die Hände über ihren Po. Es war ein hübsch gerundeter Po, und ihre Hände reichten nicht aus, um ihn zu bedecken.

„Ich versuche nur, ein Gentleman zu sein“, fügte Max hinzu.

Maddie ging rückwärts zu einem Stuhl in der Sitzecke des Ladens und setzte sich darauf. „Sie haben kein zweites Handtuch, nehme ich an?“

„Nein. Ich kann Ihnen höchstens mein Hemd anbieten.“

Wieder schenkte sie ihm dieses kleine liebenswerte Lächeln. „Nun, das kann ich natürlich nicht ablehnen. Aber noch nicht, bitte. Ich muss für eine Weile noch einen klaren Kopf bewahren, oder zumindest doch, bis ich habe, wozu ich hergekommen bin.“

„Und das wäre?“ Max zog sich einen Stuhl heran und setzte sich rittlings darauf. Draußen tobte noch immer das Unwetter. Regen klatschte gegen die Schaufenster, Blitze zuckten über den dunklen Nachmittagshimmel, und Donner grollte.

Die Lichter im Laden flackerten, und Max, Maddie und Cleo schauten auf, um zu sehen, ob sie ausgehen würden. Doch sie blieben an. Cleo machte es sich neben Max bequem und legte ihren Kopf auf seinen Fuß.

Max streichelte zerstreut den Hund, während er Maddie beobachtete. Sie war wirklich niedlich, obwohl er das anfangs nicht gedacht hatte. Und er plauderte sehr gern mit ihr. Die Dinge, die sie sagte, überraschten ihn – obwohl er das natürlich nie zugegeben hätte.

Es war alles sehr gemütlich und behaglich, bis sie sagte: „Annie sprach mit mir über befriedigende Alternativen zum Geschlechtsverkehr.“

Max wäre fast von seinem Stuhl gefallen. Er sprang aber auf und starrte Maddie empört an, weil er nicht glauben konnte, was er hörte, und weil er so etwas nicht in Verbindung mit seiner kleinen Schwester hören wollte, auch wenn Annie kurz vor der Hochzeit stand. Seine Reaktion erschreckte Cleo, die plötzlich heulte wie ein Wolf.

„Jetzt verstehe ich, wie sie darauf gekommen ist“, murmelte Maddie mit einem Blick auf Max’ feindselige Haltung.

Max fragte sich verblüfft, ob sie vielleicht recht hatte, aber er entspannte sich kein bisschen.

Maddie schüttelte den Kopf und seufzte. „Nun, ich sehe schon, dass Sie nichts darüber wissen.“

Max erstickte fast. „Ha! Ich weiß sogar sehr viel darüber!“ Hätte er flüchtigen sexuellen Affären nicht abgeschworen, dann hätte er ihr gezeigt, wie viel er wusste.

„Nein.“ Maddie schüttelte den Kopf. „Sie haben keine Ahnung.“

Max spürte, wie das Blut in seinen Nacken stieg. Er fühlte sich in seiner Männlichkeit herausgefordert. In einem Ton, der irgendwo zwischen Drohung und sinnlichem Versprechen lag, sagte er: „Ich kann Ihnen jede Menge Alternativen nennen. Was allerdings die Frage angeht, wie befriedigend sie sind, kommt es vermutlich darauf an …“

Sie lachte ihn tatsächlich aus. „Setz dich, Junge.“

Cleo setzte sich.

Wieder lachte Maddie. „Wenigstens der Hund gehorcht.“

Max hätte sie erwürgen können. „Nur wenn sie es will, was nicht sehr oft vorkommt.“ Dann fügte er hinzu: „Und bei Frauen nie. Cleo hasst Frauen.“

„Mich scheint sie aber nicht zu hassen.“

„Ich weiß. Das ist wirklich seltsam.“

Maddie beugte sich vor, und ihre blauen Augen funkelten vor Belustigung, als sie flüsterte: „Es ist ein Buch, Max.“

„Was ist ein Buch?“

Maddie duftete sehr angenehm, registrierte er. So feminin. Seine Muskeln zogen sich zusammen. Sie war frech und amüsant und witzig … und sie mochte Cleo. Er begehrte Maddie, aber er hatte seinem bockbeinigen Hund etwas geschworen, und daran musste er sich halten.

„Ich arbeite als psychologische Beraterin in einem Frauenhaus“, erklärte Maddie. „Eins unserer größten Probleme waren bisher ungewollte Schwangerschaften. Aber das ist noch nicht alles. Als ich es Annie gegenüber erwähnte, versprach sie, ein Buch für mich zu bestellen, von dem sie gehört hatte.“

Eine Psychologin, dachte Max bewundernd. Kein Wunder also, dass sie so gut mit Cleo zurechtkam und die Animosität des Hunds so mühelos zu überwinden wusste. Eine erstaunliche Frau, diese Maddie.

Und erstaunlich war auch seine Reaktion auf sie. Er konnte sich nicht entsinnen, je spontan so viel Sympathie und Achtung für eine Frau empfunden zu haben.

Und da dämmerte ihm auch endlich, was sie meinte, und er setzte sich wieder. „Befriedigende Alternativen zum Geschlechtsverkehr“, wiederholte er.

„Ja, das ist der Titel des Buchs.“ Maddie biss sich auf die Lippe, und Max dachte, dass sie sich Mühe gab, ihn nicht schon wieder auszulachen. Er war ihr dankbar für ihre Zurückhaltung. Obwohl er natürlich auch gern ihr Lachen hörte.

„Annie hinterließ mir letzte Woche eine Nachricht, das Buch sei da, aber ich hatte bis heute noch keine Zeit, es abzuholen.“

Max fuhr fort, sie zu beobachten, und fragte sich, warum eine attraktive, intelligente Frau ein Buch benötigte, das sich mit so einem Thema befasste. Sie musste etwa Mitte zwanzig sein. Alt genug also, um sich mit dem Thema auszukennen. Einige solcher Alternativen hatte er sogar selbst erfunden, und das, als er noch ein Teenager gewesen war.

„Sie brauchen dieses Buch also für Ihre Recherchen?“

„Eigentlich mehr als Referenz. Es ist gut, wenn ich meine Informationen und Empfehlungen mit dokumentierten Fakten untermauern kann. Außerdem werden die Erkenntnisse aus dem Buch mir helfen, manche Fragen glaubwürdiger zu beantworten. Trotz meines vierjährigen Studiums, der zweijährigen Spezialisierung auf mein Fachgebiet und meiner zwei Jahre praktischer Erfahrung werde ich immer noch als Anfängerin betrachtet.“

Interessiert fragte Max: „Würden die Frauen Ihre Ratschläge nicht bereitwilliger akzeptieren, wenn sie auf eigenen Erfahrungen basierten?“

Max hoffte, dass sie ihm einen Hinweis darauf geben würde, ob ihre Dreistigkeit von ihrer Erfahrenheit herrührte oder ob es einfach ihrer Art entsprach, so direkt zu sein. Bei Frauen konnte man nie wissen, und er hatte schon vor langer Zeit gelernt, bei Frauen nie etwas vorauszusetzen.

Aber seine Frage sollte sich als Bumerang erweisen.

„Das ist eine großartige Idee! Wie reizend von Ihnen, es mir anzubieten!“

„Aber ich …“ Max schüttelte verwirrt den Kopf. „Was soll ich Ihnen denn angeboten haben?“

„Mit den Frauen zu reden natürlich.“ Sie beugte sich vor, und ihr verflixtes Handtuch klaffte vorn ein wenig auf, als sie ihn mit dem Ellbogen verschwörerisch in die Rippen stieß. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie wie gebannt an Ihren Lippen hängen würden.“

Max lehnte sich entsetzt zurück und schüttelte den Kopf. „Auf keinen Fall.“

„Sie wollen es nicht?“

„Absolut nicht!“

Maddie blickte ihn düster an und murmelte: „Dann nützt Ihr Rat mir überhaupt nichts.“

Max sah Cleo an, und sie wechselten einen Blick. Merkwürdigerweise war der Hund still. Cleos Zunge hing seitlich aus dem Mund, und ein Ausdruck lag auf ihrem haarigen Gesicht, der Max’ eigene Verwirrung widerspiegelte. Er räusperte sich unbehaglich. „Nun, Sie könnten es ihnen ja sagen.“

Maddie schien darüber nachzudenken. „Nachdem Sie es mir gesagt haben?“

Er nahm an, dass dies seine Frage hinsichtlich ihrer Erfahrung beantwortete. Vielleicht. Denn sicher konnte er sich bei dieser Frau nicht sein. Aber seine Neugier wuchs mit jedem weiteren Wort von ihr. „Natürlich spreche ich gern mit Ihnen … darüber.“

„Hm. Ich werde darüber nachdenken. Aber jetzt …“ Maddie sah sich suchend um. „Wissen Sie zufällig, wo Annie es hingelegt hat?“

„Es?“

Sie schnalzte ungeduldig mit der Zunge. „Sie sind wirklich ein bisschen schwer von Begriff, nicht wahr?“

„Normalerweise nicht.“

Maddie trommelte mit den Fingerspitzen auf die Stuhllehne. „Das Buch, meine ich. Der Grund, warum ich bei diesem miserablen Wetter hergekommen bin.“

„Ich werde nachsehen.“

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