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Sport und Bewegung für Menschen mit Demenz

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Inhalt

Vorwort

1 Einleitung

2 Aktivität und Bewegung – als Vorbeugung und bei Demenz

2.1 Warum Bewegung für Menschen mit Demenz wichtig ist

2.2 Wie Bewegung und Aktivität den Körper beeinflussen

3 Impulse für den Ablauf der Sportstunden

3.1 Anregungen für die Übungsleitenden

3.2 Umgang mit aggressivem Verhalten und Problemsituationen

4 Stundenbilder

Stundenbild 1

Stundenbild 2

Stundenbild 3

Stundenbild 4

Stundenbild 5

Stundenbild 6

Stundenbild 7

Stundenbild 8

Stundenbild 9

Stundenbild 10

Stundenbild 11

Stundenbild 12

Stundenbild 13

Stundenbild 14

Stundenbild 15

5 Übungsmöglichkeiten zur Zusammenstellung eigener Stundenbilder

5.1 Leichtes Herz-Kreislauf-Training

5.2 Dual-Task-Aufgaben

5.3 Gleichgewichts-Koordinations-Training und Sturzprophylaxe

5.4 Allgemeine Beweglichkeit

5.5 Stärkung der Muskulatur

5.6 Abschluss

Anhang

Verwendete Literatur

Literaturtipps

Kopiervorlagen

Sachregister

Hinweise zur Verwendung der Icons

Material

Aufwärmphase

Übung

Trinkpause

Abschluss

Alle Arbeitsblätter finden Sie als Kopiervorlagen im Anhang und als Download unter www.reinhardt-verlag.de/de/downloads/.

Vorwort

Demenz und Sport – dieses Wortpaar wird sicher niemandem zuerst einfallen, wenn man an eine Demenzerkrankung denkt. Denn nach wie vor wird Demenz meist mit Defiziten und Pflegebedarf assoziiert. Insbesondere aus zwei Gründen passen die Worte Demenz und Sport aber doch gut zusammen und es ist aus Sicht der Deutschen Alzheimer Gesellschaft wichtig, sich mit diesem Thema zu beschäftigen:

Studien zeigen, dass Bewegung wichtig sein kann, um das Risiko für eine Demenz zu minimieren. Daneben gibt es Hinweise, dass Bewegung einen positiven Effekt auch bei beginnender Demenz hat. Deshalb ist es gut, Menschen mit Demenz, Angehörige aber auch Multiplikatoren in der Behandlung, Begleitung und Versorgung über diese Zusammenhänge zu informieren und ihnen Wege aufzuzeigen, wie entsprechende Angebote gestaltet werden können.

Zum anderen können die Teilnahme an Bewegungs- und Sportangeboten die soziale Teilhabe von Menschen mit Demenz fördern. Menschen mit Demenz wünschen sich, aktiv zu sein und ihre gewohnten Aktivitäten fortzusetzen. Möglicherweise müssen diese aber ein wenig anders gestaltet sein. Um regelmäßig Spaziergänge machen zu können, braucht es vielleicht eine nette Begleitung oder ein GPS-System, um sich nicht zu verlaufen. Bei Sportangeboten braucht es eine wissende Übungsleitung, die auch bei demenzbedingten Einschränkungen ein ermutigendes Wort und eine helfende Hand hat. Oft herrscht Unsicherheit hinsichtlich des richtigen Umgangs mit Menschen mit Demenz. Deshalb ist ein solches Buch mit ganz praktischen Hinweisen und Vorschlägen ein wichtiger Baustein für mehr Sicherheit im Umgang miteinander.

Aus lokalen Initiativen und Alzheimer-Gesellschaften gibt es viele gute Beispiele, wie Sport und Bewegung Menschen mit Demenz, aber auch ihren Angehörigen Freude machen, Entlastung schaffen und die Demenz in den Hintergrund rücken lassen. Es wird getanzt, als Tandem Rad gefahren, gemeinsame Kanuwanderungen organisiert oder wie in alten Zeiten in den Sportverein gegangen. Diese Angebote können inklusiv sein, d. h. offen für alle mit oder ohne Demenz, oder speziell für Menschen mit Demenz mit und ohne Angehörige geschaffen sein. In jedem Fall braucht es mehr solcher Angebote und Gelegenheiten. Es wäre schön, wenn dieses Buch dazu beitragen könnte.

Berlin im Mai 2018 Sabine Jansen

Geschäftsführerin Deutsche
Alzheimer Gesellschaft e. V.
Selbsthilfe Demenz

1 Einleitung

Von Birgit Backes und Uschi Wihr

Dementielle Erkrankungen zählen mittlerweile zu den größten Volkskrankheiten und stellen die Gesellschaft vor wesentliche Herausforderungen.

DEFINITION

Unter einer Demenz versteht man ein Syndrom mit den Merkmalen eines chronisch fortschreitenden Hirnabbaus, der einhergeht mit der Abnahme von Gedächtnisleistung und anderen kognitiven Fähigkeiten wie Orientierungsfähigkeit, Auffassungsgabe, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen. Infolge dieser Störungen kommt es zu eingeschränkten Alltagsfähigkeiten und oftmals zu besonderen Verhaltensformen wie einer verminderten Affektkontrolle, emotionaler Labilität, einer Reizbarkeit oder einer Apathie. Dabei müssen diese Symptome über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten bestehen (Kopp 2013; DIMDI 2017 ).

Jede Form dementieller Veränderung hat ihren eigenen Verlauf. Dabei ist eine Möglichkeit, den fortschreitenden Krankheitsverlauf zu verlangsamen, die sportliche Aktivierung (Hauer et al. 2012; Oswald et al. 2006a; Oswald et al. 2006b; Ennen (2008); Eichenseer / Gräßel 2015; Brach et al. 2007).

Zuvor aber ein paar Worte zu der Einrichtung, in welcher der bunte Reigen an Übungen, die im folgenden Praxisteil des Buches zu finden sein werden, entstanden ist: Das Demenzzentrum Trier wurde 2005 im Rahmen eines Modellprojektes des Landes Rheinland-Pfalz auf den Weg gebracht. 2008 fand die Gründung eines eigenständigen Vereins Demenzzentrum e. V. statt (www.demenzzentrumtrier.de, 22.05.2018). Seit 2012 ist der Verein Mitglied der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. – Selbsthilfe Demenz. Das Demenzzentrum in Trier ist eine Anlaufstelle für:

Beratung dementiell erkrankter Menschen und ihrer Angehörigen,

Bereithaltung und Entwicklung von Entlastungsangeboten,

Öffentlichkeitsarbeit zum Themenkomplex Demenz,

Schulungen von Ehrenamtlichen und Fachkräften,

Entwicklung innovativer Projekte für demenzkranke Menschen und deren Angehörige.

Die über viele Jahre gesammelte Erfahrung in der Präventions- und Rehabilitationsarbeit mit Herz-Kreislauf- und orthopädisch erkrankten Menschen, sowie die langjährige Leitung mehrerer Sportgruppen im Demenzzentrum Trier und der persönliche Umgang mit dem Krankheitsbild Demenz im eigenen, familiären Umfeld haben uns bewegt, dieses Buch zu schreiben.

Die Arbeit in all den Jahren mit Teilnehmenden in den Sportgruppen für dementiell veränderte Menschen zeigt, dass es sich sehr positiv auswirkt, wenn sowohl die erkrankten Personen als auch deren Angehörige an den Sportgruppen teilnehmen. Die Sportstunden bieten sehr gute Möglichkeiten, etwas als Paar oder Gruppe gemeinsam zu unternehmen, sich auf Augenhöhe zu begegnen und Freude und Spaß miteinander zu erleben und zu teilen. Bei den unterschiedlichen sportlichen Aktivitäten machen die „gesunden“ Teilnehmenden teilweise die Erfahrung, dass ihre dementiell früh erkrankten Partnerinnen oder Partner viele Dinge noch gut können, ihnen selbst jedoch bestimmte Bereiche schwerfallen. Diese Erkenntnis – in Kombination mit der Feststellung, dass sich manche der noch vorhandenen Alltagsfähigkeiten der erkrankten Teilnehmenden vielleicht sogar verbessern können – trägt zu einer positiven Stimmung innerhalb der Paarbeziehung bei. Ein weiterer positiver Effekt der Teilnahme an den Sportstunden liegt in den neu entstehenden sozialen Kontakten. Viele Paare schildern die Verluste alter Freundschaften nach der Diagnose Demenz. Unkenntnis über das Krankheitsbild und Unsicherheit im Umgang mit den Erkrankten sind sicherlich wesentliche Gründe am Rückzug vieler Freunde, Nachbarn und Bekannter. Erschwerend kommt hinzu, dass sich dementiell erkrankte Menschen oft selbst zurückziehen und soziale Kontakte meiden, vielfach aus Angst, Unsicherheit, Orientierungslosigkeit oder aus Sorge, die schützende Fassade zu verlieren.

Alle Teilnehmenden in den Sportgruppen haben ähnliche Probleme und Sorgen, die diese Erkrankung mit sich bringt. Gerade vor diesem Hintergrund bieten solche Gruppen die Möglichkeit, sich auszutauschen, gegenseitig zu helfen und Erfahrungen weiterzugeben.

Das ohnmächtige Gefühl, alleine mit der eigenen Erkrankung oder der Erkrankung der angehörigen Person zu sein, wird durch die gemeinsame Erfahrung in der Gruppe gemildert. Die eben genannten Aspekte können von so großer Nachhaltigkeit für die Menschen sein, dass sie auch dann noch wirken, wenn die an Demenz erkrankte Person zu einem späteren Zeitpunkt in einer stationären Einrichtung lebt oder bereits verstorben ist. Zwar ist nicht immer eine begleitende Person vorhanden, das bedeutet aber nicht, dass dann die Teilnahme für Einzelpersonen nicht möglich ist. Hier sollten Übungsleitende individuell und auf den jeweiligen Teilnehmenden angepasst reagieren, indem bei Paarübungen zueinander passende Personen zusammenarbeiten (z. B. zwei aktuell kognitiv oder physisch gut harmonierende Menschen). So ist eine Teilnahme auch ohne eine stetige Begleitung möglich.

„Der Mensch wird am Du zum Ich“ ist eine Aussage des Religionsphilosophen Martin Buber, die er in seiner Schrift „Du und Ich“ 1923 getroffen hat (Buber 1995, 28).

Diese Aussage bedeutet, jede Begegnung zu einem empathischen und wertschätzenden Miteinander und Füreinander werden zu lassen. Jede Persönlichkeit muss so angenommen werden, wie sie ist und kann so zum stabileren „Ich“ werden. Die Menschen spüren die ihnen entgegengebrachte Empathie und Wertschätzung und fühlen sich sicher und angenommen. Im Laufe der Zeit wächst die Verbundenheit und es entsteht eine homogene Gruppe, die neue Herausforderungen nach und nach annimmt.

2 Aktivität und Bewegung – als Vorbeugung und bei Demenz

Von Birgit Backes

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit der sportlichen Aktivierung zu beginnen, und welche Form der sportlichen Aktivität ist die richtige für mich? Diese Frage stellt man sich oft erst dann, wenn erste kognitive Veränderungen auftreten. Viele Menschen sind genau in dieser Phase kaum noch sportlich aktiv, doch auch jetzt ist es förderlich, noch damit anzufangen.

Dieses Buch soll all die Menschen erreichen, die in irgendeiner Form bereits eine sportliche Aktivierung mit demenziell veränderten Menschen durchführen. Es soll aber auch diejenigen ansprechen, die im privaten Umfeld Menschen mit Einschränkungen begleiten, und ihnen Übungsbeispiele an die Hand geben, um die noch vorhandenen Ressourcen möglichst lange zu erhalten.

Im Folgenden soll gezeigt werden, warum Bewegung für Menschen mit Demenz wichtig ist und wie Bewegung und Aktivität den Körper beeinflussen.

In der praktischen Arbeit in Form von sportlicher Aktivierung, die in den Stundenbildern noch näher definiert wird, lässt sich immer wieder erkennen, wie hilfreich und unterstützend diese Maßnahmen, beispielsweise zur Sturzprophylaxe oder als Herz-Kreislauf-Training, sind. Übungsleitende machen oft die Erfahrung, dass Menschen, die nur geringe kognitive Einschränkungen haben, vielfältige und komplexe Übungsvarianten sehr gut und schnell umsetzen können und offen für neue Herausforderungen sind.

Die in den Übungsstunden gestellten Herausforderungen an Personen mit stärker ausgeprägten Einschränkungen sollten zu Beginn nicht zu hoch sein, langsam gesteigert und durch häufige und regelmäßige Wiederholungen gefestigt werden. Danach zeigt sich oft, dass Vieles wieder möglich ist, was bereits als verloren geglaubt war.

Die Arbeit in einer Gruppe hat sich hier als zusätzlich positiv unterstützend gezeigt. Andere Beispiele, die wir alle kennen, sind: Gemeinsam laufen oder gemeinsam in der Gruppe abnehmen, Sport in Vereinen etc.

Gruppendynamik unterstützt uns immens, weshalb in diesem Buch der Schwerpunkt auf die Arbeit in der Gruppe gelegt wird. Fast alle Übungsvorschläge sind auch in Kleingruppen oder nur mit zwei Personen effektiv und erfolgreich umsetzbar.

2.1 Warum Bewegung für Menschen mit Demenz wichtig ist

Von Matthias Maschke

Vor dem Hintergrund einer älter werdenden Bevölkerung und der Zunahme der Prävalenz dementieller Erkrankungen sind nicht-medikamentöse Therapiemaßnahmen zur Verminderung der Neuerkrankungsrate an Demenz und zur Behandlung bereits demenzerkrankter Patienten immens wichtig. Man rechnet damit, dass die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen in den nächsten Jahrzehnten kontinuierlich zunimmt. Allein in Deutschland leben gegenwärtig etwa 1,6 Millionen Menschen mit Demenz (DAlzG e. V. 2016). Nach den derzeitigen Annahmen wird die Zahl in Deutschland bis 2050 auf 3 Millionen Menschen mit Demenz ansteigen.

Die Rolle physischer Aktivität in der Aufrechterhaltung kognitiver Funktionen bei zunehmendem Alter ist durch zahlreiche Studien gut untersucht und belegt. Der genaue Einfluss von gezielter sportlicher Betätigung auf die Entwicklung neurodegenerativer Erkrankungen wie z. B. die Alzheimer Demenz und der Einfluss auf bereits demente Patienten ist dagegen bisher etwas weniger im Fokus wissenschaftlicher Studien gewesen. Welche physiologischen Mechanismen für die Wirkung von Sport und Bewegung auf das Gehirn verantwortlich sind, ist mittlerweile in vielen Studien tierexperimentell wie mittlerweile auch beim Menschen untersucht. Dabei ist anscheinend die bessere Kontrolle kardiovaskulärer Risikofaktoren der wichtigste Faktor. Im Folgenden sollen die physiologischen Grundlagen wie auch die vorhandenen Studien im Hinblick auf Sport und Bewegung zur präventiven Wirkung und zum Effekt bei bereits erkrankten Menschen mit Demenz zusammengefasst werden.

Physiologische Grundlagen des Einflusses von Sport und Bewegung auf das Gehirn

Mit zunehmendem Alter gibt es physiologische Vorgänge im Gehirn, die in ihrer Geschwindigkeit sehr individuell von Mensch zu Mensch unterschiedlich verlaufen. Man weiß, dass das Gehirngewicht nur gering abnimmt, die Gehirnfurchen werden weiter und die Windungen schmaler. Dagegen bleibt die Zellzahl konstant oder ändert sich nur unwesentlich. Wichtiger erscheint, dass der zerebrale Blutfluss um ca. 15–20 % abnimmt. Für die Verminderung kognitiver Leistungen sind zwei Umstände verantwortlich:

1. Die Anzahl der Zellfortsätze (Dendriten) geht zurück und

2. die Konzentration wichtiger Neurotransmitter wie v. a. Acetylcholin nimmt ab.

Risikofaktoren, die diese physiologischen altersbedingten Veränderungen entscheidend beschleunigen und zu einer Demenz beitragen können sind folgende:

a. positive Familienanamnese für dementielle Erkrankungen,

b. Alter an sich,

c. kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Diabetes und arterieller Hypertonus,

d. niedrige Bildung,

e. Depression,

f. Schädel-Hirn-Trauma und

g. körperliche Inaktivität (Yaffe 2007).

Adipositas scheint ein zusätzlicher eigenständiger Risikofaktor zu sein, da deutliches Übergewicht zu entzündlichen Zytokinen (Eiweißstoffe, die das Immunsystem regulieren), so genannten Adipozytokinen ...

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