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The Penthouse Prince

Inhalt

  1. Cover
  2. Inhalt
  3. Über dieses Buch
  4. Über die Autorin
  5. Titel
  6. Impressum
  7. Widmung
  8. KAPITEL eins
  9. KAPITEL zwei
  10. KAPITEL drei
  11. KAPITEL vier
  12. KAPITEL fünf
  13. KAPITEL sechs
  14. KAPITEL sieben
  15. KAPITEL acht
  16. KAPITEL neun
  17. KAPITEL zehn
  18. KAPITEL elf
  19. KAPITEL zwölf
  20. KAPITEL dreizehn
  21. KAPITEL vierzehn
  22. KAPITEL fünfzehn
  23. KAPITEL sechzehn
  24. KAPITEL siebzehn
  25. KAPITEL achtzehn
  26. KAPITEL neunzehn
  27. KAPITEL zwanzig
  28. KAPITEL einundzwanzig
  29. KAPITEL zweiundzwanzig
  30. KAPITEL dreiundzwanzig
  31. KAPITEL vierundzwanzig
  32. KAPITEL fünfundzwanzig
  33. KAPITEL sechsundzwanzig
  34. KAPITEL siebenundzwanzig
  35. KAPITEL achtundzwanzig
  36. KAPITEL neunundzwanzig
  37. KAPITEL dreißig
  38. KAPITEL einunddreißig
  39. Epilog
  40. Danksagung

Über dieses Buch

Er kann alles haben – doch er braucht sie.

Eigentlich will Jeanie Long nur ihren Job retten, als sie beim attraktiven CEO Camden James vorspricht. Stattdessen findet sie sich plötzlich in der Rolle der falschen Verlobten wieder – Beförderung und Gehaltserhöhung inklusive. Denn Camdens eigentliche Verlobte ist mit einem anderen Mann auf und davon. Und er muss seinem Vater beweisen, dass er bereit ist zu heiraten, damit er ihm seine Anteile am Familienimperium überschreibt. Doch was zwischen Camden und Jeanie als eine reine Zweckverbindung beginnt, bekommt schnell eine ganz eigene Dynamik. Und die gespielten Küsse fühlen sich plötzlich verdammt echt an … Kann es sein, dass sich hinter der Schale des mächtigen, gefühllosen Milliardärs mehr verbirgt?

Band 1 der heißen und romantischen Billionaire-Dynasties-Reihe.

Über die Autorin

Die USA-Today-Bestsellerautorin Virginia Nelson, die sich mit »The Penthouse Prince« einen Namen gemacht hat, lebt gemeinsam mit drei eigenen und einer Menge adoptierter Kinder im Nordosten Ohios. Sie hat bereits Abschlüsse in Naturwissenschaften und Anglistik absolviert und studiert derzeit Kreatives Schreiben. Virginia Nelson gilt auch als das »regenbogenfarbene Einhorn« der Liebesromane – bunt, außergewöhnlich und weit davon entfernt, perfekt zu sein.

VIRGINIA NELSON

THE PENTHOUSE
Prince

Aus dem amerikanischen Englisch von
Michael Krug

Für meine Kinder. Ich liebe euch, mein Brat Pack.

KAPITEL eins

Zwischen den Kabinen und der Eingangstür zu den Damentoiletten befanden sich sieben hellbraune und zwölf weiße Fliesen. Jeanie Long zählte sie, während sie auf und ab lief – oder eher stapfte – und versuchte, ihren rasenden Herzschlag zu beruhigen.

Sie konnte es sich nicht leisten, gefeuert zu werden. In der Zeit, die sie wahrscheinlich brauchen würde, um eine neue Stelle zu finden, könnte sie die Wohnung verlieren. Und Kaycee, ihr kleines Mädchen … Jeanie wollte sich gar nicht erst ausmalen, was dann aus ihr würde. Alles hing davon ab, dass es Jeanie weiter gelang, auf dem schmalen Grat zu balancieren, den sie im Verlauf der Jahre mit viel Sorgfalt geschaffen hatte. Sie durfte den Job nicht verlieren, nur weil …

Die nackten Tatsachen der Angelegenheit brachten ihr Blut förmlich zum Kochen. Ihr Boss war ein Arsch, und jemand sollte ihn aufhalten. Jeanie wusste es schon lange, dennoch hatte sie nie etwas unternommen. Wenn es ihm gelänge, sie feuern zu lassen, weil er fürchtete, sie könnte jemandem verraten, dass sie ihn beim Sex im Kopierraum erwischt hatte, könnte sie alles verlieren. Unter normalen Umständen hätte sie sich an die Befehlskette gehalten und sich an seine direkte Vorgesetzte gewandt. Aber da die Person, mit der sie ihn erwischt hatte, seine Vorgesetzte war, bezweifelte sie stark, dass die Frau besonders empfänglich für ihre Beschwerde sein würde.

Was Jeanie keine andere Wahl ließ, als ein paar Sprossen der Hierarchie zu überspringen.

Bis ganz nach oben.

Und sie musste einfach hoffen, dass die Umgehung des Protokolls nicht an sich schon einen Grund für eine Entlassung darstellte.

Sie stützte sich mit einer Hand an der kalten, gefliesten Wand der Damentoilette ab. Die Bewegung aktivierte den dort montierten Trockner, der heiße Luft auf ihre bereits verschwitzte Handfläche blies, doch sie achtete nicht darauf.

Camden James.

Die Presse hatte ihn Penthouse Prince getauft. Ein Playboy, der sich besser dafür eignete, durch die Welt zu jetten und an sonnigen Stränden für Fotos zu posieren, als irgendeine echte Arbeit zu verrichten, aber laut der Gerüchteküche in ihrer Abteilung befand er sich diese Woche im Haus. Sie blickte auf ihr Handy, um die Zeit vom Display abzulesen – Mittag. Pausenzeit. Die Chancen standen gut, dass er oben auf einem Ledersessel saß und sie ihn konfrontieren könnte – ihm erzählen, was sich ereignet hatte, und hoffen, dass er ihr zuhörte.

Jeanie blieb nichts anderes übrig, als es zu versuchen.

Sie griff sich ihren Kaffeebecher vom Rand des Spülbeckens und steuerte auf die Reihe der für die Penthouse-Ebene reservierten Fahrstühle zu. Dort oben war sie noch nie zuvor gewesen. Nur wenigen Personen in ihrer Abteilung war diese Ehre je zuteilgeworden, aber vielleicht gelang es ihr, sich den Weg hinauf zu bahnen. Sie hatte immerhin ihren Mitarbeiterausweis … Es war nicht so, dass die Fahrstühle nur mit einem speziellen Schlüssel oder Code funktionierten. Grundsätzlich konnte jeder hinauf, nur kam man ohne legitimen Grund nicht am Empfangsschalter vorbei.

Und Jeanie hatte den legitimsten Grund ihres Lebens. Immerhin stand womöglich ihr Job auf dem Spiel.

Vielleicht könnte sie einfach hinauffahren, mit dem Boss reden, und alles würde in Ordnung kommen.

Mit mehr Enthusiasmus als nötig drückte sie schwungvoll auf den Rufknopf, und sie jubelte innerlich ein wenig, als ihr eine Gruppe von Männern auffiel, die nach Bankern aussahen und ebenfalls warteten. Wenn sie richtiges Glück hätte, würde einer von ihnen in dieselbe Richtung wollen und einen Termin haben. Dann könnte sie sich vielleicht einfach an ihn dranhängen und sich den Weg ganz nach oben erschleichen. Mit einem leisen Bimmeln öffneten sich die Türen, und Jeanie trat vor der Gruppe der Bankertypen ein.

Ihr zerzaustes Haar spiegelte sich im Messing, und sie hob die Hand, um es glatt zu streichen, während Musik aus unsichtbaren Lautsprechern dudelte und zusätzlich an ihren ohnehin bereits ausgefransten Nerven nagte. Die Männer rochen nach zu viel Eau de Cologne, und ihr Ziel … Tja, falls es Jeanie tatsächlich gelänge, den so schwer zu erreichenden Camden James zu finden, gab es keinerlei Garantie, dass er einer schlichten Tagelöhnerin wie ihr überhaupt zuhörte.

Sie nippte an ihrem Kaffee und blieb im hinteren Bereich des Fahrstuhls, wo sie hoffte, die Anzugträger vor ihr würden genug Tarnung bieten, um sie ins Penthouse zu bringen. Jeanie hätte nie gedacht, dass sie den großen Boss einmal persönlich treffen, geschweige denn mit ihm reden würde – aber was hatte sie schon für andere Möglichkeiten? Zurück nach unten fahren und sich von Derek feuern lassen, damit er seine eigenen Fehltritte vertuschen konnte? Versuchen, einen anderen Job mit Sozialleistungen zu finden?

Nein. Da würde sie lieber für den Versuch entlassen werden. Sie hatte also nichts zu verlieren.

Eine leichte Bewegung des Aufzugbodens zeigte an, dass sie eingetroffen waren, und die Türen glitten auf. Jeanies Herz raste, als sie das Kinn hob und so tat, als gehöre sie zu der Gruppe von Bankern. Dabei wandelte sie auf einem schmalen Grat – klebte sie zu nah an den Männern, würde man sie bemerken und fragen, was das werden sollte. Ließe sie zu viel Abstand zu ihnen, wäre offensichtlich, dass sie nicht zu ihnen gehörte.

Was sie nicht geplant hatte, war, praktisch in einen Besprechungsraum gescheucht zu werden. Aber bevor sie mitbekam, was vor sich ging, hielt einer der Männer die Tür für sie auf … und sie hatte keine andere Wahl, als hineinzugehen. Sonst würde sie völlig fehl am Platz wirken.

Der Marmorboden, der sich unter den Absätzen ihrer Absatzschuhe unheimlich glatt anfühlte, führte sie in den Besprechungsraum zu ihrer Linken. Die Männer traten einer nach dem anderen hinter ihr ein und setzten sich. Als sich einer davon vor ihr umdrehte und sie ansah, lächelte sie. Er legte die Stirn in Falten, als grübelte er nach, ob er sie kannte. Jeanie deutete geistesgegenwärtig mit einer beiläufigen Geste auf einen Stuhl.

Als Gentleman zog er ihn pflichtbewusst für sie heraus und stellte ihre Berechtigung, anwesend zu sein, nicht infrage, weil sie nach wie vor so tat, als wäre sie ein Teil der Gruppe. Anscheinend hatte sie ihn überzeugt.

Tu einfach so, als würdest du dazugehören.

Diese Strategie hatte ihr schon aus so mancher Klemme geholfen. Jeanie hoffte, es würde auch diesmal klappen.

Dann nahmen alle Männer schlagartig stramme Haltung an. Alle, die bereits saßen, standen auf, und ausnahmslos alle drehten sich der Tür hinter Jeanie zu. Sie erstarrte. Wenn jemand eine solche Reaktion auslöste, indem er nur den Raum betrat, musste er es sein.

Der Boss.

Langsam drehte sich Jeanie um, überzeugt davon, dass er sie zur Rede stellen würde. Sie rechnete fest damit, aber sie brauchte nur einen Moment, nur lange genug, um ihm mitzuteilen, was vor sich ging, bevor er den Sicherheitsdienst ersuchte, sie zurück nach unten zu begleiten – oder gleich ganz aus dem Gebäude.

Die Polizei würde er wahrscheinlich nicht anrufen. Immerhin verursachte sie ja keinen Ärger – sie wollte bloß mit ihm reden. Angeblich kannte er alle seine Mitarbeiter vom Sehen. Zumindest war das im letzten Interview mit ihm behauptet worden, das Jeanie gelesen hatte. Demnach würde er sie vielleicht erkennen.

Trotz ihrer hohen Absätze befanden sich ihre Augen gerade mal auf Höhe seiner Brust. Ein stahlgraues Hemd – laut den Artikeln, die Hochglanzmagazine über ihn abdruckten, seine Lieblingsfarbe – bedeckte jene breite Brust. Die schlichte Farbe wurde nur von seiner rosa Seidenkrawatte aufgelockert.

Eher Fuchsia? Oder vielleicht Pink? Mist, ich bin gerade dabei, in Panik zu geraten. Schau auf, Jeanie. Schau ihm direkt in die Augen und sag, wofür du hergekommen bist.

Jeanie zwang sich, das Kinn zu heben, und musterte seine Züge – ein vertrautes Gesicht, zumal es in letzter Zeit die Titelseiten von mehr Boulevardblättern zierte als die britische Königsfamilie. Der Mann wirkte …

Müde? Ja. Mr Junggeselle des Jahres, der Penthouse Prince, schien erschöpft zu sein.

Jeanie stützte sich mit einer Hand am Tisch ab und wartete darauf, dass er etwas sagte. Dass er sie fragte, was sie in seinem Besprechungsraum verloren hatte … oder dass er vermutete, sie gehöre zu den Bankern, und das Wort deshalb an diese richtete.

Zumindest hatte sie die Absicht gehabt, darauf zu warten. Stattdessen jedoch purzelten aus ihr Worte heraus, die sie sofort bereute. »Wow, das nenn ich mal ein müdes Gesicht.«

Für einen – entsetzlich langen – Moment herrschte Stille. Dann ergriff er das Wort, und in seiner volltönenden Stimme schwang derselbe elektrisierende Charme wie in seinen Fernsehauftritten mit.

»Schatz, da bist du ja. Wir haben schon überall nach dir gesucht.«

Was er sagte, drang zuerst nicht in Jeanies Bewusstsein vor. Es ergab so wenig Sinn, dass sie nur wie versteinert dastand und mit einer Hand den Pappbecher mit Kaffee umklammerte, während sie sich mit der anderen am polierten Tisch abstützte. Dann schloss er eine Hand um ihren Arm und beugte sich dicht zu ihr, als wolle er ihr einen Kuss auf die Wange hauchen. Als sich sein Mund so nah an ihrem Ohr befand, dass sie seinen warmen Atem fühlen konnte, flüsterte er: »Spielen Sie mit. Es wird sich für Sie lohnen. Die Einzelheiten klären wir später.«

Atemlose Verblüffung vermengte sich mit Verwirrung, und sie ließ sich von ihm umdrehen, wobei er sie mit einer Hand an der Taille lenkte. Jeanie roch seinen faszinierenden Duft, irgendwie sexy und männlich und unverhohlen teuer in einem, und er trug nur zusätzlich zu ihrer Verwirrung bei. »Ich …«

Er schnitt ihr das Wort ab und deutete auf den Mann mit stahlgrauen Haaren, der sie beide von der Tür aus finster musterte. »Dad, ich hatte bisher noch keine Gelegenheit, dir meine Verlobte vorzustellen.«

Die Muskeln in Jeanies Beinen verkrampften sich, und sie stemmte sich gegen seine Berührung. »Sir …«

»Da sie gerade erst gelandet ist, entschuldigst du uns bestimmt kurz, damit sie sich frisch machen kann und wir ein paar Worte unter vier Augen wechseln können. Meine Herren. Dad.« Camden nickte zuerst den versammelten Bankern und dann dem Mann an der Tür zu, bevor er Jeanie aus dem Raum und den Flur hinunterführte. Seine Schritte erwiesen sich als so lang, dass sie rennen musste, um mit ihm mitzuhalten.

»Sir …«

»Schhh …«

Hat er mir gerade mit einem Schhh den Mund verboten?

»Ich bin nicht …«

Er schob sie in ein Büro, schloss die Tür und stützte sich anschließend auf den Griff, was Jeanie die Gelegenheit bot, seinen Rücken zu betrachten.

Seinen überaus breitschultrigen und maskulinen Rücken.

Was sagt man dazu? Der reiche Bengel ist verdammt gut gebaut.

Als er sich ihr zuwandte, schien sich die Erschöpfung, die ihr der erste Eindruck vermittelt hatte, noch verstärkt zu haben. Das Kobaltblau seiner Augen wirkte im Vergleich zu den Schatten, die fast wie Blutergüsse in seinem Gesicht prangten, umso strahlender.

»Wir müssen reden«, sagte er.

Jeanie verschränkte die Arme vor der Brust. Ihre Chance war gekommen. »Ja, müssen wir. Ich habe nämlich ein Problem.«

»Willkommen im Klub, meine Liebe. Sie könnten die Lösung für mein Problem sein.«

Wovon redete er da? Im Augenblick konnte sie sich nicht weiter den Kopf darüber zerbrechen. Eine solche Gelegenheit würde sich ihr vielleicht nie wieder bieten. »Ich arbeite für Sie und …«

»Perfekt.« Er schritt an ihr vorbei und kramte durch Unterlagen auf seinem Schreibtisch. »Ich biete Ihnen eine beträchtliche Gehaltserhöhung, eine neue Position und eine Liste von Verpflichtungen, die damit einhergehen.«

»Aber Sie wissen doch nicht mal, warum ich hier bin.«

Er schien ihr keine Aufmerksamkeit zu schenken. Stattdessen setzte er sich hinter den Schreibtisch und begann, etwas an seinem Computer zu tippen. »Also, es spielt nicht wirklich eine Rolle, warum Sie hier sind. Sie waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort und sind daher eindeutig qualifiziert für diese Position.«

»Sir, ich bin nicht sicher, wovon Sie da reden, aber ich bin wegen Derek aus dem Callcenter hier.«

»Wie heißen Sie?« Kurz hörte er auf zu schreiben, um sie zu mustern, dann machte er ts-ts-ts und tippte einige weitere Worte.

»Jeanie, Sir. Jeanie Long. Ich arbeite unten im Callcenter und …«

»Sie arbeiten nicht mehr im Callcenter, Jeanie Long. Wie ich schon sagte, Sie sind soeben befördert worden.«

»Sir, ich glaube, es liegt ein Missverständnis vor, warum ich hier bin. Ich weiß, ich hätte mich wahrscheinlich nicht ohne Termin hier heraufschleichen sollen, aber es ist wirklich wichtig, dass wir über meinen Vorgesetzten reden, über Derek. Abgesehen davon, dass er ethisch ziemlich fragwürdige Beziehungsentscheidungen trifft, habe ich Beweise dafür, dass er Geld veruntreut. Er behauptet, dass er Mittagessen für uns kauft und Schulungen abhält, aber in Wirklichkeit …«

Wieder wischte er ihre Worte weg, als wären sie so unbedeutend wie Staubkörnchen. »Und von wie viel reden wir hier? Ein paar Hundert Dollar, vielleicht höchstens ein paar Tausend? Sie schleichen sich hier rauf und dringen in meinen Besprechungsraum ein, um mir von einer läppischen Betrügerei einer meiner Mitarbeiter zu berichten?«

Jeanie biss sich auf die Unterlippe und nickte. Das alles verlief ganz und gar nicht nach Plan. Er klang nicht angemessen schockiert.

Sie würde gefeuert werden. Diese Idee war ein Fehler gewesen. Sie hätte es nie riskieren sollen.

»Ich werde ihn feuern«, verkündete er.

»Sie müssen verstehen, dass ich keine andere Wahl hatte, als …« Moment. Ihn feuern? Nicht sie?

»So, und jetzt weiter im Text«, sagte er. »Wie ich schon sagte, sind mit Ihrem neuen Job Pflichten verbunden, für die Sie bestens qualifiziert sein dürften. Immerhin haben Sie sich den Weg hierher erschlichen …«

Oh Scheiße.

»Ich ersuche Sie lediglich, bei einer weiteren Scharade mitzuspielen. Der Unterschied ist, dass diese erheblich mehr Geld wert ist, Ihnen deutlich bessere Zusatzleistungen einbringt und mir nebenbei sehr hilft.«

Also … wurde sie nicht gefeuert. Und er bot ihr tatsächlich eine Art Beförderung an.

»Sir?«

»In der Firma ist gerade ein Posten frei geworden. Sie übernehmen den Job. Im Gegenzug finanziere ich Ihnen eine neue Garderobe, komme für Spesen auf, bezahle Sie … Und Sie sind aus dem Callcenter, sagen Sie?« Seine Finger hielten dabei niemals inne, rasten weiter über die Tasten.

»Ja, Sir.«

»Also wäre ein Tausender pro Tag wohl eine beträchtliche Gehaltserhöhung, richtig?« Wieder heftete er den Blick jener kobaltblauen Augen auf sie.

Jeanie schluckte. Tausend Dollar pro Tag? Damit könnte sie aus ihrer lausigen Wohnung ausziehen, ein wenig Geld zur Seite legen, sich ein neues Auto anschaffen … und bei diesem Gehalt wären dafür nur wenige Wochen nötig. Von was für einem Job redet er da eigentlich? Wohl von dieser Sache mit der Verlobten

»Sir?« Mühsam presste Jeanie das Wort aus dem plötzlich trockenen Hals hervor. »Ich arbeite im Callcenter. Ich bin keine Prostituierte.«

Er konnte doch nicht wirklich von ihr verlangen … Sie schüttelte den Kopf. Das war lächerlich. Aber vorgestellt hatte er sie als … Nein, das konnte er einfach nicht.

»Ich brauche keine Prostituierte, ich brauche eine Ehefrau. Jedenfalls einen vorgetäuschten Ersatz für meine echte Verlobte, die es in diesem Augenblick mit irgendeinem Schauspieler in Cannes treibt.« Nach einem letzten, endgültig klingenden Klicken stand er auf. Der Penthouse Prince ging zum Drucker und ergriff die Seiten, die das Gerät ausspuckte, bevor er sie auf den Schreibtisch klatschte. »Ich habe eine gewöhnliche Vertraulichkeitsvereinbarung aufgesetzt. Sie enthält einige der Vorzüge, die ich erwähnt habe … und meine Erwartungen an die Rolle, die Sie spielen werden. Bedauerlicherweise ist die Dauer der Stelle im Augenblick unklar, aber ich werde sicherstellen, dass Sie für die Unannehmlichkeiten angemessen entschädigt werden, wenn der Vertrag abläuft.« Als sich Jeanie nicht rührte, deutete er auf die Vereinbarung. »Unterschreiben Sie hier und zeichnen Sie jede Seite mit Ihren Initialen ab.« Er tippte mit einem Stift auf den Stapel.

»Sir …«

»Camden. Wenn das funktionieren soll, müssen Sie zumindest so tun, als würden Sie sich in meiner Gegenwart wohlfühlen.« Durch sein einnehmendes Lächeln fühlte sich die Situation nicht realer an.

»Dann also Camden. Sie verlangen von mir, so zu tun, als sei ich Ihre Verlobte? Warum?« Die Surrealität der Angelegenheit erfasste Jeanie mit voller Wucht und bewog sie, sich verstohlen in den Arm zu kneifen. Selbst in ihren wildesten Träumen hätte sie sich nie ausgemalt, dass der begehrteste Junggeselle Amerikas ausgerechnet ihr einen Heiratsantrag machen könnte – mal davon abgesehen, dass es sich um keinen echten Antrag handelte.

»Ist nicht weiter wichtig. Unterschreiben Sie das Dokument und schnappen Sie sich den Job. Es ist wirklich so einfach. Was haben Sie schon zu verlieren?«

Ihm war nicht klar, was er ihr damit anbot. Jeanie war hierhergekommen, weil sie befürchten musste, von ihrem direkten Vorgesetzten gefeuert zu werden, und im Risiko, sich an Camden zu wenden, die einzige Chance gesehen hatte, ihren Job zu retten. Dieser Mann wusste nichts von Kaycee, wusste nichts davon, wie diese Gelegenheit ihr Leben verändern könnte.

»Sie kennen mich doch gar nicht.« Jeanie blätterte die Seiten durch und stellte fest, dass er von ihr nur verlangte, mit ihm an Abendessen oder sonstigen Veranstaltungen teilzunehmen und gelegentlich bei der Arbeit aufzukreuzen. Als Gegenleistung würde sie das Geld, eine neue Garderobe und ein Auto bekommen … »Ich darf das neue Auto behalten?«

Dadurch könnte sie noch mehr Geld auf die Seite legen. Finanzielle Sicherheit, schwarze Zahlen auf dem Kontoauszug. Zum ersten Mal eine schillernde Möglichkeit.

Wie ein Lottogewinn.

Aber es muss einen Haken geben.

»Ja, Sie behalten das Auto. Ich brauche nicht noch eines.« Er hob den Stift auf und reichte ihn ihr. »Unterschreiben Sie einfach.«

»Sie kennen mich doch gar nicht«, wiederholte Jeanie ihre Bedenken und legte den Stift wieder hin. »Sie wissen von mir lediglich, dass ich mich uneingeladen in Ihr Besprechungszimmer eingeschlichen habe. Warum glauben Sie, dass uns das irgendjemand abkaufen würde? Es ist mehr als Kleidung und ein Auto nötig, um glaubwürdig zu vermitteln, mit Ihnen verlobt zu sein.«

»Das habe ich mit reingeschrieben. Seite drei. Kein Sex, minimaler Körperkontakt, der nur dann erfolgt, wenn es erforderlich ist, um die Illusion zu stützen. Ich hab schon verstanden, Sie sind keine Prostituierte, das haben wir bereits abgehakt.«

»Sie bedrängen mich.« Jeanie blätterte auf die dritte Seite.

»Ich brauche Sie nicht zu kennen. Sie brauchen mich nicht zu kennen. Es ist eine Lüge, eine kurzfristige Täuschung, bis mir eine andere Lösung einfällt. Sie eignen sich perfekt dafür. Unterschreiben Sie, dann gehen wir mit Ihnen einkaufen und lassen Sie vielleicht ablichten … ganz einfach.« Wieder versuchte er, ihr den Stift in die Hand zu drücken. Offensichtlich war er es gewohnt, dass ihm jeder blind gehorchte.

Jeanie nahm den Stift entgegen und warf ihn prompt quer durch den Raum. »Nicht, bevor Sie mir sagen, wo der Haken ist. Was soll das alles?«

Der Penthouse Prince fuhr sich mit einer Hand durchs Haar und blies den Atem aus. »Mein Vater ist zu Besuch gekommen. Er hat genug von meinem … Gott, von meinem ›Playboy-Verhalten‹, um seine Worte zu benutzen. Ihm gehört immer noch ein großer Anteil des Unternehmens, und er hat gedroht, mir das Leben schwer zu machen, wenn ich nicht häuslich werde und heirate. Das ist zwar so was von altmodisch, aber er will es nun mal. Ich habe mich damit einverstanden erklärt … und im Gegenzug hat er versprochen, mir seine Anteile zu überschreiben, sobald bei einer Zeremonie die Ringe getauscht werden. Damit werde ich zum Mehrheitseigentümer.«

»Was ist mit Ihrer echten Verlobten?«

Er lachte, doch es war ein freudloser Laut. »Das wird morgen überall in den Medien stehen. Belassen wir es dabei zu sagen, dass sie nicht mehr meine Verlobte ist. Mein Vater ist ihr schon mal begegnet, was die Sache verkompliziert. Aber wenn ich ihm einen geeigneten Ersatz unterbreite und behaupte, ihre Geschichte über unsere Verlobung sei bloß eine Farce, kann ich meinen Anwälten etwas mehr Zeit verschaffen, um ein Schlupfloch zu finden. So einfach ist das.«

»Ich verstehe immer noch nicht, was für mich der Haken dabei ist. Warum bedrängen Sie mich, so überstürzt zu unterschreiben? Was soll ich nicht genauer durchdenken? Wie ich schon sagte, Sie kennen mich überhaupt nicht, und …«

»Und wie ich schon sagte, ich brauche Sie nicht zu kennen. Wir verloben uns ja nicht wirklich, es ist bloß gespielt. Ich brauche eine weibliche Begleitung, und ich biete Ihnen Geld dafür an, diese Frau zu sein. Außerdem wird mein Vater Sie hassen. Das ist einfach perfekt.« Camden wirkte ziemlich zufrieden mit sich und entfernte sich endlich auf Diskretionsabstand, wodurch Jeanie klar wurde, wie sehr seine Nähe an ihren Nerven gezehrt hatte.

Sie war nicht sicher, was sie mehr verärgerte – dass er so machomäßig auftrat und wie selbstverständlich annahm, immer seinen Willen zu bekommen … oder wie attraktiv sie ihn fand. »Warum würde Ihr Vater mich hassen? Sie wissen doch nicht das Geringste über mich.«

»Ich weiß, dass Sie sexy sind – obwohl Sie schon einen Tag im Kosmetikstudio vertragen könnten. Sie sind hier, und Ihr Timing war perfekt. Bitte unterschreiben Sie.«

Was für ein aufgeblasener Mistkerl … Er maßte sich nicht bloß an, ihr einfach ein solches Angebot zu unterbreiten. Er ging zudem fest davon aus, dass sie es bereitwillig annehmen würde.

Über sie waren schon viele Vermutungen angestellt worden, und zwar von Menschen, die mehr zählten als ein egozentrischer reicher Bengel. Oh nein, der Penthouse Prince kannte sie weder, noch war ihm auch nur ansatzweise klar, wie ihn eine Frau mit genügend Zeit um den Finger wickeln könnte.

Aber das Angebot an sich …

Sie würde dringend benötigtes Geld erhalten, ein Auto und die Gelegenheit, einen vermessenen Arsch ein wenig zurechtzustutzen, bevor sie das alles hinter sich ließe … und laut seinem eigenen Vertrag alles behalten dürfte.

Ja. Es war ein verteufelt gutes Angebot.

»Na schön«, willigte sie schließlich ein. »Geben Sie mir einen anderen Stift.«

»Damit Sie ihn wieder durchs Büro pfeffern können?«

Jeanie wandte sich ansatzlos zum Gehen.

»He! Schon gut, war bloß ein Scherz. Hier, benutzen Sie meinen. Vielleicht hätte ich in einer Klausel festhalten sollen, dass Sie auch Sinn für Humor haben müssen.«

Als Jeanie den Stift ergriff, rutschte er ihr beinah aus den verschwitzten Händen. Durch das Zittern ihrer Fingerspitzen fiel ihr Name etwas wacklig aus, als sie ihn auf das Papier kritzelte.

»Hier und hier.« Camden zeigte hin, als könnte sie die Zeilen nicht lesen, die besagten: »Unterschrift«.

»Erledigt.« Sie drehte sich ihm zu. »Wollen Sie nicht auf ein Knie sinken?«

Ein Lächeln erhellte blitzschnell sein Gesicht. Es wirkte geradezu poliert. »Schätzchen, wenn ich auf den Knien bin, dann nicht, um Sie um Gefälligkeiten zu bitten. Sie würden mich anbetteln.«

Jeanie schluckte. Er neckte sie nur, dennoch bewog irgendetwas an ihm ihre Nippel dazu, sich aufzurichten. Sie schüttelte den anzüglichen Kommentar ab und legte den Stift hin. »Also, wann fange ich an?«

Die Bürotür öffnete sich, und Jeanie erhaschte einen flüchtigen Blick auf seinen Vater, der auf sie wartete.

»Jetzt«, antwortete Camden.

Und damit legte er eine Hand in ihren Nacken und vereinnahmte ihre Lippen.

KAPITEL zwei

Camden wusste ein gutes Wagnis zu schätzen. Risiken gegen den potenziellen Gewinn abzuwägen, gehörte zu seiner täglichen Routine, und bei dieser Angelegenheit verhielt es sich nicht anders. Als er die Frau gesehen hatte, das Gesicht blass vor Sorge, mit einer Hand einen weiß-grünen Kaffeebecher aus Pappe umklammert, mit der anderen am Tisch abgestützt, hatte es in ihm klick gemacht, und er hatte den Plan glasklar vor Augen gehabt.

Eine Scheinverlobte.

Sein Vater wollte, dass er heiratete. Es vorzutäuschen, war nicht unbedingt ein bahnbrechender Geistesblitz. Aber da sein Vater die Heiligkeit der Ehe schon vor langer, langer Zeit als Farce enttarnt hatte: Wer war Camden schon, dass ausgerechnet er aus dem Schema ausbrechen sollte?

Liebe? Die spielte dabei keine Rolle, und durch das Beispiel einer »liebevollen« Ehe seines Vaters hatte Camden von Haus aus nie an das Märchen geglaubt. Er glaubte stattdessen an Dollars und Vernunft, und Geld konnte nahezu jeden zur Vernunft bringen – oder zumindest dazu, das zu tun, was Camden wollte.

Was der Knackpunkt war, warum er seine vormalige Verlobte Tasha eben nicht heiraten konnte. Da sie ihre Rolle nicht erfüllt hatte, musste er ihren Posten anderweitig besetzen und die Trennung zu seinen Gunsten zurechtbiegen – und zwar schnell.

Sein Vater wollte nur die Ringe sehen. Ihm war egal, wem Camden den Antrag machte. In Anbetracht dessen, wie die Presse seinen Sohn darstellte – als den »Penthouse Prince«, einen Playboy, der eher Schande über die Familie bringen würde, als ihr eine Ehefrau und einen Erben zu bescheren –, hoffte sein Vater, eine Heirat würde seinem Sohn und der Familie wieder einen Anstrich von Seriosität verpassen.

Was war also schon dabei, wenn es sich um eine Illusion handelte? Illusionen waren Camdens Spezialgebiet.

Als er diese Frau gesehen hatte, so völlig fehl am Platz in dem Raum mit all den Anzugträgern … Und als sie seine Müdigkeit bemerkt hatte, die niemandem sonst in seinem Leben aufzufallen schien oder die vielleicht auch nur niemand sonst zu erwähnen wagte … Durch diesen Beweis ihrer Aufmerksamkeit hatte er auf Anhieb ein gutes Bauchgefühl bei ihr gehabt, und er vertraute seiner Intuition. Immerhin hatte er damit noch immer richtiggelegen, selbst dann, wenn sein logischer Verstand anderer Meinung gewesen war.

Ihre Aufmachung zeugte überdeutlich von Arbeiterklasse – unbequeme Kleidung aus billigen Nylontextilien, aber funktionelle schwarze Absatzschuhe. Das Haar flauschig vor ungebändigten Locken. Und ihre Unterlippe …

Camden hätte glatt dafür getötet, diese Unterlippe nur einmal zu schmecken.

Doch er wusste, was sie vereinbart hatten. So sehr er sie küssen, sie berühren wollte … er würde sich unter Kontrolle halten müssen.

Camden hatte ihre Zustimmung gebraucht – vorzugsweise schriftlich auf etwas, das wenigstens einen rechtlich einwandfreien Anstrich vermittelte. Die Gefahr, dass sie einen zu genauen Blick auf das juristische Kauderwelsch werfen würde, lag irgendwo zwischen gering und null, aber falls doch … Nichts, was er in so kurzer Zeit aufsetzte, würde vor Gericht auch nur eine Minute lang standhalten.

Aber die Zeit hatte gedrängt. So sehr, dass eine schnelle Zustimmung von ihr alles gewesen war, was er benötigte. Sie konnten später noch an der Vereinbarung feilen. Um sie offiziell zu machen. Und rechtlich wasserdicht.

Ihre Fragen hatten ihn überrascht. Wenn er Leute sonst mit genug Geld und Vergünstigungen bewarf, willigten sie in der Regel ein, ohne genauer darüber nachzudenken. Manchmal fühlte er sich ein wenig wie ein Teufel, wenn er Vereinbarungen unterzeichnete, die ihm deutlich mehr Vorteile bescherten als der ahnungslosen Gegenpartei, die er mit verlockenden Vorzügen geblendet hatte. Diese Jeanie hingegen hatte ihn auf Anhieb durchschaut. Bisher war er immer bei Frauen gelandet, die auf seine Spielchen hereingefallen waren. Jammerschade, dass ausgerechnet die Frau, die ihm vielleicht ebenbürtig wäre, nur seine vorgetäuschte Verlobte spielen würde.

Als Camden sie nun für einen Kuss an sich zog, fand er den schockierten Ausdruck im Gesicht seines Vaters unbezahlbar. Der Mann war daran gewöhnt, Dinge mit einem Blick einzuschätzen, und zweifellos sah er in dieser Frau dasselbe wie Camden. Arbeiterklasse, Durchschnitt. Nicht die Verlobte eines der reichsten Männer dieser Küste.

Wenn nicht des gesamten Landes.

Was Camden überraschte, war Jeanies Reaktion.

Anscheinend war sie schnell genug von Begriff, um zu erkennen, dass sie sich nicht zurückziehen konnte, ohne den Schwindel auffliegen zu lassen, also legte sie die Hände – nur geringfügig zurückhaltend – auf seine Brust, während sich ihr Mund dem seinen fügte. Ihre betörende Unterlippe bewegte sich, und er konnte der Versuchung nicht widerstehen, ein wenig daran zu knabbern, um herauszufinden, wie sie sich anfühlte.

Der Kuss wirkte von einem Atemzug zum nächsten echter, und Camdens Griff um sie verstärkte sich. Die festen Wölbungen ihrer Brüste drückten durch die Kleidung gegen seine Brust, und ihre harten Spitzen lieferten einen deutlichen Hinweis auf ihre Reaktion. Als seine Zunge vorschnellte und um Einlass bat, öffnete sie den Mund und gestattete dem Kuss, leidenschaftlicher zu werden.

Allein ihr Geschmack genügte, um ihn den Körper anspannen zu lassen. Hitze durchschoss ihn, und es führte Camden in Versuchung, die Umarmung auszudehnen, um ihren süßen Mund weiter zu erkunden.

Sein Vater räusperte sich, und Camden zog sich weit genug zurück, um der Frau in die Augen zu sehen. Grün.

Ein sattes Smaragdgrün wie die Hügel in Irland.

Camden leckte sich über die Lippen und wartete, rechnete damit, irgendetwas in ihrem Gesicht zu sehen. Ein Anzeichen auf ihre Gefühle oder eine Reaktion auf den Kuss. Aber sie rührte sich nicht.

Er wollte sie nicht ganz loslassen, noch nicht, also zog er sie stattdessen mit sich. Er stützte sich auf den Schreibtisch und platzierte sie zwischen seinen gespreizten Beinen, sodass er die Arme zur Illusion einer vertrauten Berührung um ihre Taille legen konnte. »Dad? Du hast nicht angeklopft.«

»Camden, könnten wir uns wohl kurz unter vier Augen sprechen?« Sein Vater rückte seine Krawatte zurecht, eine Geste, die ihn immer verriet. Er war stinksauer. Und wenn schon. Er hatte ihn zu diesem Spiel herausgefordert. Camden spielte nur mit.

»Tut mir leid, Dad. Vielleicht später? Wie schon gesagt, Jeanie ist gerade erst angekommen, und sie hat mir gefehlt. Wir wollen gerade los, vielleicht ein bisschen einkaufen und etwas essen. Ich gebe Rachel Bescheid, dass sie meine restlichen Termine für den Tag streichen soll. Viel hatte ich ohnehin nicht auf dem Plan, also bin ich sicher, dass du für mich einspringen kannst.«

»Camden …«, begann sein Vater, aber der alte Mann hatte Jahre damit verbracht, seinen Sohn auf Situationen dieser Art vorzubereiten.

Lass nie jemanden einen Einwand anbringen. Sei immer einen Schritt voraus. Lass andere niemals Risse in deiner Panzerung bemerken.

»Tut mir leid, Dad, aber ich habe es Jeanie versprochen. Vielleicht später? Ich rufe dich an, dann kannst du zum Abendessen kommen und sie kennenlernen, in Ordnung?« Damit ergriff er ihre Hand, platzierte sie an seiner Seite und ging zum Aufzug voraus. Ohne einen Blick zurückzuwerfen, drückte er den Rufknopf. Wenn er auch nur einen Hauch von Unsicherheit erkennen ließe, würde sich sein alter Herr darauf stürzen und darauf herumhacken, bis er die Lüge aufgedeckt hätte.

Die Türen glitten auf, und Camden führte seine frischgebackene Verlobte in die Kabine, bevor er den Knopf drückte und seinem Vater flüchtig zuwinkte. Kaum hatten sich die Türen geschlossen, ließ er die Frau los und lehnte sich erschlafft gegen die Wand.

»Also haben Ihr Vater und Sie … wohl nicht die beste Beziehung, was?« Ihr nüchterner Tonfall ließ nicht einmal ansatzweise ihre Reaktion auf den Kuss durchscheinen.

Es nervte Camden, dass er nicht zu sagen vermochte, was ihr durch den Kopf ging. Sie konnte nicht gar nichts gefühlt haben. Irgendetwas war da gewesen. Eigentlich sollte es ihn nicht wirklich kümmern, aber …

»Nein, nicht die Beste. Also, klingt Shopping gut für Sie? Ich kann zwar nicht garantieren, dass die Presse keinen Wind davon bekommt und sich auf uns stürzt, aber … Da fällt mir ein, ich habe völlig vergessen, zu fragen, ob Sie Familie haben oder irgendjemanden über die ganze Sache informieren müssen. Damit diejenigen nicht alles ausplaudern.«

»Niemanden, den ich anrufen kann, nein.«

»Sollen wir bei irgendjemandem vorbeifahren?« Plötzlich wollte Camden mehr über sie erfahren und versuchte, ihr Gesicht zu sehen, doch sie verbarg es hinter dem Schleier ihrer Haare, die sich gelöst hatten.

»Ich habe eine Tochter«, platzte sie hervor. Schließlich schauten die smaragdgrünen Augen auf, und er verlor sich in ihnen. »Aber sie ist erst fünf, also dürfte sie keine Gefahr für Ihre kleine Lüge sein.«

»Ein Kind?« Mist. Ein Kind. »Sie sind bereits verheiratet? Das wäre schon ein gewaltiger Stolperstein …«

Camden hatte weder mit dem Schlag ihrer Handfläche gegen seine Brust noch mit dem Feuer in ihrem Blick gerechnet. »Sie sind wirklich arrogant, wissen Sie das eigentlich? Wenn ich verheiratet wäre, hätte ich nie einen Vertrag unterschrieben, um so zu tun, als wäre ich mit Ihnen verlobt. Wer würde das schon? Für Geld? Echt jetzt?«

In seiner Welt gab es nicht viel, was Menschen nicht für Geld tun würden. »Aber Sie haben ein Kind? Ist der Vater ein Versager, der sich aus dem Staub gemacht hat oder so?«

»Der Vater der Kleinen braucht Sie nicht weiter zu kümmern. Sie haben die Vereinbarung mit mir geschlossen, nicht mit ihm.« Als sich die Fahrstuhltüren in der Parkgarage öffneten, wandte sie sich wieder von ihm ab.

»Ich mag den Vertrag mit Ihnen unterschrieben haben«, sagte Camden, »aber wenn es Leute gibt, die den Zweck der Vereinbarung gefährden könnten …«

»Ich komme mit Ihrer Lüge klar. Ja, ich habe ein Kind. Aber meine Tochter können Sie aus der Sache heraushalten. Haben Sie verstanden? Niemand erfährt von ihr. Sie werden nicht mein Kind durcheinanderbringen, nur damit Sie Ihrem Vater irgendwelche Anteile an einem dämlichen Unternehmen abluchsen können.«

Damit stapfte sie davon, und er wartete, klimperte mit den Schlüsseln in seiner Hand. Nach einigen Augenblicken blieb sie stehen, stampfte zornig mit dem Fuß und marschierte zurück zu ihm.

»Es ist kein dämliches Unternehmen.« Camden atmete langsam durch und begegnete ihrem Blick. »Es ist ein Milliardenkonzern.«

»Wie Sie meinen. Wo steht Ihr Auto?«

Mit eiserner Kontrolle verkniff er sich ein Lächeln. »Es ist kein dämliches Unternehmen. Es ist ein sehr wichtiges Unternehmen. Das Kind wird kein Problem sein. Ich sorge dafür, dass sich für die Dauer des Vertrags jemand um die Kleine kümmert.«

Sie schnaubte und tappte mit dem Fuß.

»Mein Wagen steht da drüben.« Er nickte in die Richtung seines Bugatti und beobachtete, wie sie erneut davonging.

Die Frau besaß einen hübschen rundlichen Hintern.

Den er eigentlich lieber nicht anstarren sollte. Immerhin war sie eine Angestellte.

Und rein zufällig eine Angestellte, die er ab und an küssen durfte.

Sie konnten das zusammen durchziehen. Die Frau besaß Feuer.

»Also – Shopping?« Er entriegelte das Auto und schob sich hinter das Lenkrad.

»Soll mir recht sein, Richie Rich.« Sie lehnte sich auf dem Sitz zurück und schloss die Augen. »Dieser Tag ist offiziell der verrückteste aller Zeiten.«

Camden lachte und sah auf die Armbanduhr. »Es ist immer noch erst Mittag, Jeanie. Abgesehen davon habe ich das Gefühl, diese Sache könnte umso interessanter werden, je näher wir beide uns kennenlernen.«

Camden wurde bewusst, dass er vom ersten Anblick dieser Frau und der Idee, die ihm dabei so glasklar in den Sinn gekommen war, bis hin zu ihrer Nähe hier im Auto zum ersten Mal seit langer Zeit so richtig Spaß hatte.

Wenngleich er nicht vorhatte, ihr das zu verraten.

KAPITEL drei

Shopping mit einer schwarzen Kreditkarte hätte eigentlich ein dekadentes Vergnügen sein sollen, vor allem, da Jeanie sonst immer sparte statt zu prassen. Allerdings fiel es ihr schwer, Freude daran zu empfinden, da der Besitzer der Karte wie eine übereifrige Glucke an ihr klebte und jedes Stück, das sie auswählte, entweder genehmigte oder ablehnte.

»Sind Sie bei allem so pingelig?«, erkundigte sie sich. »Denn ich glaube, das steht nicht in unserem Vertrag.«

»Sie haben den Vertrag nicht mal vollständig durchgelesen. Nie etwas unterschreiben, das man nur überflogen hat – Regel Nummer eins. Ungeachtet dessen …« Er schaute von dem Handtaschenstapel hoch, den die Angestellte des Ladens für ihn zusammengesucht hatte, und setzte ein schiefes Lächeln auf. »Ich finde das eigentlich ziemlich unterhaltsam. Als Kind habe ich immer davon geträumt, Künstler zu werden. Farben, Ausgewogenheit … all das hat mich fasziniert. Ist schon erstaunlich, um wie viel besser Sie mit weicheren Stoffen und lebendigeren Farben aussehen.«

»Ist das nicht wie Perlen vor die Säue werfen?« Jeanie betrachtete sich im Spiegel, während sie die Ohrringe ansteckte, die er für dieses Outfit ausgewählt hatte. »Ich meine, wo ich doch so dringend einen Tag im Schönheitssalon brauche.«

Er trat hinter sie – näher, als sie erwartet hätte. Das schien er häufig zu tun. Der Mann brauchte ein, zwei Lektionen darüber, was der Begriff Grenzen bedeutete, wenngleich sie zugeben musste, dass es sich angenehm anfühlte, einen sexy Kerl so nah bei sich zu haben. Jeanie hatte schon Gott weiß wie lange kein Date mehr gehabt. Jedenfalls hatte sie schon ewig keinen Mann mehr geküsst, vom Rest mal ganz abgesehen.

»Klar, Sie könnten ruhig ein bisschen mehr aus sich machen. Aber ich habe nie gesagt, Sie wären hässlich.«

Jeanie prustete. Na schön, er konnte sie zum Lachen bringen, das musste sie ihm lassen. Sie drehte sich im Kreis, damit er sie von allen Seiten begutachten konnte. »Schönen Dank auch. Ist schon immer ein erklärtes Ziel von mir gewesen, nicht hässlich zu sein.«

»Okay, wenigstens das. Also das Kind … warum sprechen wir nicht darüber?«

»Weil es Sie verdammt noch mal nichts angeht.«

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