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The Rough – Harte Rhythmen

Inhalt

  1. Cover
  2. Über diese Reihe
  3. Über das Buch
  4. Über die Autorin
  5. Titel
  6. Impressum
  7. 1
  8. 2
  9. 3
  10. 4
  11. 5
  12. 6
  13. 7
  14. 8
  15. 9
  16. 10
  17. 11
  18. 12
  19. 13
  20. 14
  21. 15
  22. 16
  23. 17
  24. 18
  25. 19
  26. Epilog
  27. Eine Anmerkung der Autorin
  28. Danksagung

Über diese Reihe

Reiche Erbinnen, heiße Rockstars und ein geheimer BDSM-Club – Die eBook-Reihe The Rough - Secrets of a Rockstar bietet prickelnde Liebesgeschichten voll erotischer Spannung.

Über diese Folge

Als Hostess in LAs exklusivstem Privatclub hat Maddie Rofel schon alles gesehen. Selbst die krassesten BDSM-Spielchen, die vor ihren Augen stattfanden, konnten sie nicht schockieren - geschweige denn heiß machen. Bis zu der Nacht, in der sie den sexy Rockstar Chino trifft. Seine Berührungen lassen sie dahinschmelzen. Er bringt sie über ihre Grenzen hinaus und sie gibt sich ihm in einer Art hin, die sie nie für möglich gehalten hat … Doch wenn Chino mehr von ihr will, als nur ihren Körper, muss auch er seine dunklen Geheimnisse offenbaren …

Über die Autorin

Cecilia Tan ist Autorin und Sex-Aktivistin. Ihr BDSM-Liebesroman Slow Surrender gewann den RT Reviewers Choice Award in der Kategorie Erotic Romance, sie selbst wurde mit dem RT Career Achievement Award in derselben Kategorie ausgezeichnet. Sie ist Gründerin und Herausgeberin von Circlet Press, einem Verlag für erotische Science Fiction und Fantasy und Initiator des Fetish Fair Fleamarket. Im Jahr 2010 wurde sie in die Saints & Sinners Hall of Fame aufgenommen.

1

Vignette

MADISON

»Bist du dir da sicher?«, fragte ich Gwen, während ich die kurze Peitsche hin- und herschwang, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Das ganze Ding war so lang wie mein Arm, und das geflochtene schwarze Leder verlieh ihm das Aussehen einer Kobra mit einem langen, losen Stück Leder an der Spitze. Im Katalog hieß es ›Gerte‹, aber es war eindeutig eine Peitsche, so ein Mini-Indiana-Jones-Teil, gemacht, um Menschen damit zu treiben, nicht Vieh.

»Ach Maddie, die kann auch nicht schlimmer sein als der Ledergürtel, den Mal so gern benutzt«, sagte Gwen mit einem katzenartigen Leuchten in den Augen, als ich die Peitsche durch die Luft sausen ließ.

Ich schmunzelte. »Ich glaube, du bist es, die den Gürtel gernhat.«

Sie errötete mit einem strahlenden Lächeln. »Ja. Mein Lieblingsinstrument.« Seit ein paar Monaten war sie mit Mal verlobt, und sie waren die goldigsten Sadomasochisten, die ich kannte. Sie liebte Schmerzen, er liebte sie, und sie waren vernarrt ineinander. Ich reichte ihr die Gerte, und sie fuhr mit dem Finger daran entlang. »Ich habe eine für jeden Raum bestellt. Meinst du, die Leute finden sie zu krass?«

»Ich glaube, in Wirklichkeit ist es eigentlich eine Peitsche.« Bilder von Cowboys, die von sadistischen Sheriffs gezüchtigt wurden, gingen mir durch den Kopf. Ich war schon lange im SM-Geschäft und arbeitete nicht nur seit ein paar Jahren hier im Governor’s Club, sondern hatte, seit ich vor zehn Jahren nach L.A. gezogen war, irgendwie mit Kinksex oder mit sexlastigen Jobs zu tun. Sogar meine ehrenamtliche Arbeit bei einer Hotline für Opfer häuslicher Gewalt hatte entfernt damit zu tun. Es war nicht so, dass ich noch nie eine Peitsche gesehen hätte, aber an den großen versuchten sich eigentlich nur Leute, die über jahrelange Übung in ihrem Gebrauch verfügten. Diese hier war so klein, dass sie in den Händen irgendeines Amateurs Schaden anrichten konnte. Ich traute mir selber zu, sie verantwortungsvoll zu gebrauchen, aber ich war mir nicht sicher, ob ich den Clubmitgliedern zutraute, sich nicht zu verletzen, vor allem den Neuen, die wir in letzter Zeit aufgenommen hatten.

»Vielleicht sollten wir sie erst mal ausprobieren, bevor wir sie in alle Spielzimmer legen.« Vielleicht machte ich mir auch zu viele Sorgen.

»Ooch, ich würde wirklich gern rausfinden, wie sie sich anfühlt«, sagte Gwen trotz meiner Bedenken träumerisch mit einem Seufzer. »Aber Mal ist erst in einer Woche wieder da. Was ist noch in der Schachtel? Ich habe ein paar Sachen für das Verlies bestellt, und ein paar als Anschub für deine neue Kolumne.«

Ich hörte auf, in der Schachtel zu kramen, und schaute hoch. »Ach wirklich? Das wäre doch nicht nötig gewesen, Gwen.«

In der nächsten Woche sollte meine erste wöchentliche Kolumne mit Sexspielzeug-Kritiken bei PlayPeople Network erscheinen, zum Teil gedruckt und zum Teil als Videoblog. Es war ein prestigeträchtiger, gut bezahlter Auftrag, und ich war ein bisschen nervös. In einem Laden für Sexspielzeug zu arbeiten, war eine Sache. Videos von mir zu drehen, die dann die ganze Welt sehen konnte, eine ganz andere. Nun ja, es war ja nicht so, dass ich für irgendein Amt kandidieren wollte, oder? »Die Sexspielzeug-Hersteller werden mir jede Menge Zeug zuschicken, wenn es sich erst mal rumspricht.«

Sie grinste. »Ich mach mir nur Sorgen, dass du nichts weiter als zehn Billigversionen des Rabbit-Pearl-Vibrators kriegst und nichts Interessantes. Du musst gleich richtig durchstarten, weißt du? Das ist ja eine riesen Chance für dich.«

»Ach, vielen Dank.« Ich umarmte sie kurz.

Gwen und ich waren uns richtig nahegekommen, seit ihr Großvater gestorben war. Ich hatte ihr Ratschläge in Sachen SM und feste Freunde gegeben, und sie wollte mir bei meiner festgefahrenen Journalistenkarriere helfen. Ich war mir immer noch nicht sicher, ob es wirklich ein großer Karriereschritt war, wenn ich für eines der größten Medienunternehmen für ›Nicht jugendfreie Unterhaltung‹ Sexspielzeug besprach. Ich hatte das sichere Gefühl, dass mein mit Sexthemen angefüllter Lebenslauf allein der Grund dafür war, dass die Redakteure mich nicht ernst nahmen; eine bekannte Videobloggerin zu werden, würde wahrscheinlich den letzten Nagel in diesen Sarg treiben. Jedesmal, wenn ich etwas machte, was mit Sex zu tun hatte, schien ich Erfolg zu haben, während alle meine Versuche, ›ernsthaften‹ Journalismus zu betreiben, ins Leere gelaufen waren.

Nun, da mein dreißigster Geburtstag am Horizont heraufdämmerte, war es vielleicht an der Zeit, einem Beruf nachzugehen, von dem meine Eltern den Nachbarn erzählen konnten, und einfach mit dem weiterzumachen, was schon immer funktioniert hatte.

Die Tatsache, dass ich das war, was meine eigene Mom ›eine dralle Sexbombe‹ nannte, hatte mir im Lauf der Jahre eine Menge Aufmerksamkeit verschafft, und wenn diese Aufmerksamkeit auch vielleicht notwendig – und sogar willkommen – gewesen war, als ich versucht hatte, Engagements als Tänzerin zu bekommen, so wirkte sie sich in der Welt des Journalismus meist negativ aus. Um im politischen Journalismus einen Fuß in die Tür zu bekommen, war man am besten ein hochgewachsener Mann mit markantem Kinn.

Ich wühlte in der Schachtel und fand einen Satz neuer Lederpaddles. Sie waren schwarz und mit silbernen Nieten besetzt: à la Punkrock trifft Inquisition. Darunter lagen ein paar Sets Ledermanschetten mit Schafsfell gepolstert für Hand- und Fußgelenke und noch ein paar nützliche Bondageutensilien. Dann zog ich etwas Weißes heraus, das nach Hightech aussah. »Das muss ein Vibrator sein.«

»O ja. Den kann man mit einer Handy-App steuern. Ich weiß nicht, wie es ist, wenn man solo mit ihm spielt, aber ich hatte ihn schon mal drin, als Mal die Fernbedienung hatte.« Sie grinste und hüpfte davon, um die Vorräte an Laken und Handtüchern für den Abend zu überprüfen.

Ich machte mich daran, all die neuen Spielsachen auf die Spielzimmer zu verteilen, bevor die Gäste kamen. Gwen und ihre Schwester Ricki waren die offiziellen Gastgeberinnen, da sich das Verlies auf dem Anwesen ihrer Familie befand – das Familiengeheimnis –, während ich nur eine von drei bezahlten Angestellten war, die sich um die Gäste kümmerten und, wenn nötig, für einen unterhaltsamen Abend sorgten. Ich machte die Runde, überprüfte das Safer-Sex-Zubehör und stöpselte eines der anderen neuen Geräte ein, die Gwen kürzlich angeschafft hatte, den Rotorvator.

Da alles bereit zu sein schien, war es Zeit, mich selbst anzuziehen. Als ich den Umkleideraum für die Angestellten betrat, wurde ich von jemandem erschreckt, der herausgestürmt kam: Paul, Rickis Assistent. Drinnen fand ich einen meiner Kollegen, der mit etwas dümmlichem Gesicht auf einer Schuhbank saß. »Brad«, schimpfte ich ihn. »Bist du nicht hetero?«

»Nicht ganz«, sagte er achselzuckend und folgte - seinem Liebhaber? seiner Eroberung? – aus dem Raum. Ich hoffte, dass was immer sich hier abspielte kein großes Drama nach sich ziehen würde, und öffnete meinen Spind.

Während ich meine Tasche herausholte, um die neuen Spielsachen zu verstauen, die Gwen für mich gekauft hatte, kündigte mein Handy mit einem Summen eine neue Nachricht auf meiner Mailbox an. Ich nahm es, um zu sehen, von wem sie kam, und fluchte leise: ein Typ, bei dem ich vor ein, zwei Jahren versucht hatte, einen Artikel unterzubringen. Damals war er Redakteur bei einer großen Zeitung gewesen. Es wurde gemunkelt, er sei vor Kurzem gefeuert worden. Was sollte das, am Freitagabend anzurufen? Zweifellos versuchte er, mich wieder anzubaggern. Loser. Ich vergewisserte mich, dass der Klingelton abgeschaltet war, und stopfte meine Tasche wieder in den Spind. Rasch zog ich meine übliche Arbeitskleidung an: ein ledernes Überbrustkorsett, passende kniehohe Stiefel, einen ›Tennisrock‹ aus Leder und ein verruchtes Auftreten.

Das Auftreten war mir inzwischen zur zweiten Natur geworden. Bei allem ging es um Professionalität; ich hatte zuvor in jeder Menge Jobs gearbeitet, die entfernt etwas mit Sex zu tun hatten, unter anderem als Showgirl, Model und Kassiererin in einem Kaufhaus für Sexspielzeug. Hier, im Governor’s Club, demonstrierte ich zusammen mit Gwen und Chita Techniken und Accessoires – wobei ich ab und an auch nackt war – aber eigentlich war ich nicht hier, um mit Partygästen Sex zu haben. Okay, es sei denn, ich wollte es wirklich – und normalerweise wollte ich nicht. Alles lief reibungsloser, wenn sie das wussten. Sie kamen her, um ihren Spaß zu haben; ich war hier, um zu arbeiten. Es war nicht so, dass mich die Arbeit im Verlies sonderlich scharfmachte.

Die ersten Gäste trafen ein, und ich ging zum Eingang, um ein bisschen Gastgeberin zu spielen. Ich begrüßte Conrad Schmitt, eines der ältesten Clubmitglieder, und erkundigte mich nach seiner Frau, die nicht mitgekommen war. Sie habe sich erkältet und sei zu Hause geblieben, sagte er. In letzter Zeit schienen weniger der langjährigen Mitglieder herzukommen, während mehr Leute kamen, die Gwen und Ricki rekrutiert hatten.

Als Nächstes traf Sakura ein, eine enge Freundin von Ricki, die außerdem zeitweise als Model für Fetischmode und als Performancekünstlerin arbeitete. »Maddie, wie schön, dich zu sehen. Hilf mir doch, mein Korsett festzuziehen, ja?«

»Ich wollte dich gerade darum bitten, dasselbe bei mir zu machen«, sagte ich lachend.

Nachdem wir uns gegenseitig geholfen hatten, im Umkleideraum für Gäste unsere Schnüre enger zu ziehen, kam Gwen zu uns. »Sakura! Komm und schau dir den Rotorvator an! Bis jetzt hat ihn noch niemand ausprobiert.«

»Ich bin sicher, wenn du weiter damit angibst, wird irgendjemand nicht widerstehen können«, sagte ich zu ihr, während sie Sakura wegführte, um sich das Gerät anzuschauen.

Ich ging hinter die Bar, um Drinks auszuschenken, solange die Leute noch in Plauderstimmung waren. Die Bar aus poliertem Holz und rotem Samt lief an einer Wand entlang, mit Leder bezogene Sitze säumten den Hauptaufenthaltsbereich, und die Ecke gegenüber wurde von dem Katharinenrad beherrscht.

Verblüfft sah ich Chino Garcia hereinkommen. Ich hatte angenommen, wenn Mal nicht da war, wären alle Mitglieder von The Rough nicht in der Stadt, aber dem war offenbar nicht so. Chino kam ins Verlies, marschierte wie der Hahn über den Hühnerhof. Ein Badboy wie der will einfach nur seinen Schwanz in irgendwas Warmes stecken, hätte mein Vater mich gewarnt.

Als ich jünger war, hätte ich diese Warnung nicht beherzigt. Auf Badboys reagierte ich wie Katzen auf Baldrian, sie brachten mich dazu, mich auf dem Boden zu rollen und zu maunzen. Doch nach Jahren in Hollywood, Jahren voller Betrüger und Wichser, deren einzige Entschuldigung ihre Qualität im Bett war, hatten Tattoos und Machogehabe keinen Reiz mehr für mich. Wenn ich mich nicht so oft dadurch hätte aus der Bahn werfen lassen, mit solchen Typen eine Beziehung führen zu wollen, hätte ich es inzwischen möglicherweise zu etwas mehr gebracht, als nur Gastgeberin in einem Verlies und Expertin für Sexspielzeug zu sein.

Ich beobachtete Chino, der den Raum durchquerte, um Sakura und Ricki zu begrüßen, und sah, wie Sakura ihn von oben bis unten musterte. Versuchte sie etwa herauszufinden, ob dieses Stolzieren mehr auf Dom oder auf Sub hindeutete? Ich tat es jedenfalls.

Seit Axels Bandkumpels dem Club beigetreten waren, hatte ich Chino nie spielen sehen. Ja, klar, er spielte durchaus begeistert mit, wenn Ricki Geburtstag hatte und Axel sie wie ein Kindergärtner durch die ›Versohl -Maschine‹ krabbeln ließ, oder damals, als eine der älteren Managerfrauen sich gewünscht hatte, von allen Männern angewichst zu werden. Aber dass er sexuell experimentierfreudig war, verriet noch nicht, ob er Sadist oder Masochist war, Top oder Bottom, Dom oder Sub.

Normalerweise gab sich jeder, der in den Club kam, gleich am Anfang als eines von beidem aus, damit er einen Partner finden konnte. Chino hatte das nicht getan, und das fuchste mich ungeheuer. Ich war es gewohnt, dass Doms herrisch waren und Subs notgeil, und Chino war weder das eine noch das andere. Mein Verdacht war, dass er nur ein Blender war, der gern mit seinen kinky Freunden herumhing.

Er schlüpfte aus seiner Lederjacke, während er Axel und Ricki begrüßte. Er trug nichts darunter außer Lederhosen und Tattoos. Mir war, als hätte gerade eine kühle Brise meine nackten Schultern gestreift. Ich bekam Gänsehaut, und mir juckten urplötzlich die Finger, seine Tinte zu berühren.

Lass das, ermahnte ich mich. Der langweilt dich zu Tode, lass besser die Finger von ihm. Ich mochte es nicht, wie er immer über alles einen Witz machte. Doch als er den Kopf zurückwarf und über etwas lachte, was Sakura gesagt hatte, ertappte ich mich dabei, dass ich mein Korsett richtete, weil meine Brustwarzen unter dem weichen Leder hart geworden waren. Ich betrachtete seinen langen schlanken Hals, der in eine kräftige, mit Tattoos übersäte Brust überging. Das Schlagzeugspielen hielt ihn in lachhaft perfekter Form.

Meine Hormone mussten verrücktspielen oder so. Ich zwang mich, den Blick von ihm loszureißen, und machte meine Runde, um zu sehen, ob die Räume benutzt wurden und ob irgendwo Kondome oder Gleitmittel nachgefüllt werden mussten. Es war allerdings noch früh am Abend, und während Kresley Palmer seine Frau auf die neu gepolsterte Prügelbank im Inquisitionsraum schnallte, waren die anderen immer noch am Plaudern und Aufwärmen.

Als ich zurückkam, zeigte Gwen der Gruppe gerade die neuen Paddles. »Ich kann’s nicht abwarten herauszufinden, wie die sich anfühlen«, schwärmte sie, »aber ich muss damit warten, bis Mal zurückkommt.«

Chino griff nach einem und schwenkte es in Zeitlupe hin und her wie einen Tennisschläger bei der Vorhand. Und dann schaute der langweilige Wichser mich an. »Hey, Madison, bist du nicht die, die gewöhnlich hier die neuen Sachen vorführt?«

»Worauf du wetten kannst«, blaffte ich und streckte herausfordernd die Hand nach dem Paddle aus. Mal sehen, wie schnell der Witzbold den Schwanz einzieht. »Ich würd liebend gern sehen, wie viele du einstecken kannst, bevor du um Gnade winselst.«

Er ließ es an der Lederschlinge des Griffs kreisen, anstatt es mir zu geben. »Ach wirklich? Was meinst du, wer mehr verträgt, du oder ich?«

Sakuras Augen blitzten auf, und sie trat zwischen uns. »Wenn ihr faire Ausgangsbedingungen wollt, dann könnte ich euch beide versohlen.«

Chino spießte mich fast auf mit seinem Blick. Ohne auszuweichen. »Nee. Ich denke, die einzig faire Art ist, wenn wir uns abwechselnd schlagen. Meinst du, du kannst zehn am Stück einstecken? Zwanzig?«

»Zwanzig pro Satz, ohne Fesseln, Hände an der Wand, wenn du die Hände fallenlässt, hast du verloren«, sagte ich und schaute ihn unverwandt an. Ach, ich war dermaßen scharf darauf, ihm zu zeigen, wo er hingehörte, damit ihm dieses dreckige Grinsen verging.

»Einverstanden«, sagte er. »Sollen wir eine Münze werfen, wer anfängt?«

Ich schnalzte mit der Zunge. »Tss, nein. Du darfst mich zuerst schlagen, um sicherzugehen, dass der Wettkampf nicht zu schnell vorbei ist.«

Er zog eine Augenbraue hoch, wie um ›touché‹ zu sagen, und Sakura schaute kichernd zwischen uns hin und her. »Oho. Und was bekommt der Sieger vom Verlierer, hm?«

»Wie wär’s mit fünfzehn Minuten unter vier Augen, um zu tun, was immer wir wollen?«, fragte Chino.

»Funktioniert der Rotorvator auch bei Männern?«, fragte ich zurück.

»Ganz eindeutig«, meinte Gwen.

»Dann weiß ich, worin meine fünfzehn Minuten Unterhaltung bestehen werden«, sagte ich mit einem gemeinen Grinsen. »Zieh dich warm an, Drummerboy. Sakura, willst du die Schiedsrichterin sein?«

»Aber sicher«, gab sie zurück, ebenfalls mit einem hinterhältigen Lächeln.

Chino deutete eine Verbeugung in meine Richtung an und zeigte dann auf die leere Stelle an der Wand gegenüber dem Katharinenrad. »Wenn du bitte die Position einnehmen möchtest.«

Ich zog meinen Rock aus, sodass mein Tanga darunter zum Vorschein kam, und legte die Hände an die Wand. Diesen Wettkampf würde ich auf keinen Fall verlieren. Gwen hatte mir den Spitznamen ›Eisenpopo‹ verliehen, nachdem sie zum ersten Mal neue Paddles aus Hartholz an mir ausprobiert hatte. Ich war mir sicher, dass Chino entweder ganz das Großmaul spielen und die Szene in einen Scherz verwandeln würde, wie er es bei jedem Gespräch mit mir machte. Oder er würde sich als ein heimlicher Sub herausstellen, der es liebte, mit dem Paddle verprügelt zu werden … was vielleicht noch mehr Spaß machen könnte, als zu gewinnen. Wie lange würde es dauern, bis er mich wirklich anbettelte, ihn zu versohlen?

So oder so konnte ich es kaum abwarten, ihm das dreckige Grinsen aus dem Gesicht zu schlagen. Solche Gedanken beschäftigten mich, während ich darauf wartete, dass er anfing. Ich stellte mir seine pechschwarzen Haare vor, die nass vom Schweiß der Leidenschaft an seinem Hals klebten, als er auf den Knien liegend zu mir aufschaute …

Wieso brauchte er so lange? Ich warf einen Blick hinter mich: Er war dabei, eine Menge Zuschauer zu versammeln.

Und er hatte alles ausgezogen. Mir fiel die Kinnlade herunter. Das Original war noch besser als in meiner Fantasie. Sein ganzer Körper bestand aus schlanken, festen Muskeln, nicht der massige Klotz eines Gewichte stemmenden Spinners, sondern die kraftvolle Gestalt eines Mannes, der seine Muskeln wirklich zu etwas gebrauchte. Er hatte sogar seine Lederhose ausgezogen und zeigte das Drachentattoo auf seinem Bein, aber mein Blick wurde weiter unten von seinem stolz aufgerichteten Schwanz angezogen – der bereits hart war. Nur durch die Vorfreude darauf, mich zu schlagen? Wenn ja, dann war’s das mit meiner Theorie, er sei ein verhuschter kleiner Sub.

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CHINO

Ich konnte das steife Leder des Paddles in meiner Hand spüren und das Leder ihres Korsetts riechen, aber der Geschmack in meinem Mund kam vom Rausch der Vorfreude. Endlich. Seit ich Madison bei dem Orientierungsrundgang durch das Verlies zum ersten Mal begegnet war, hatte ich versucht, einen Moment, einen Anknüpfungspunkt, eine Gelegenheit zu finden, mit ihr zu spielen. Da sie sich sehr stark gab – Typ unabhängige, sexy Frau –, wusste ich, dass der Zeitpunkt stimmen musste. Und jetzt, nach monatelangem Warten, war sie genau da, wo ich sie haben wollte, wo sie sich mir unterwarf.

Okay, nicht eigentlich unterwarf, da sie sich in diesem Augenblick – auch wenn sie sich für eine Tracht Prügel auf den Arsch bereitmachte – nicht im Mindesten unterwürfig benahm. »Bist du so weit?«, fragte ich.

Sie schnaubte. »Ich wart nur noch auf dich.«

Perfekt. Das würde einen Spaß geben. »Dann, los geht’s.« Ich steckte das Paddle unter den Arm, um mit den Händen über ihre nackten Hinterbacken zu streichen. Fest und rund, bereit für eine Tracht Prügel und in diesem Moment allein für mich, damit ich sie nach Herzenslust berühren konnte. Sie behielt die Hände an der Wand und ließ mich gewähren. Offenbar störte sie es nicht, angefasst zu werden, sonst hätte ich sicher noch einen Kommentar aus ihrem frechen Mund zu hören bekommen. Sie zuckte nicht zusammen, und ich fragte mich, ob ich es wagen könnte, sie zu küssen.

Später.

»Ich zähle mit«, sagte ich und trat zurück, um auszuholen. Sie hatte jede Menge Gelände da unten zu bieten: zehn auf jede Seite würden kaum genügen, um jede Backe von allen Seiten zu beklopfen. Aber ich hatte nicht vor, sie nur kräftig zu verprügeln. Ich wollte, dass etwas hängenblieb. Ich wollte eine Verbindung herstellen. Ich hatte so lange auf den rechten Augenblick gewartet, dass ich nicht die Absicht hatte, die Sache wie ein blutiger Anfänger in aller Eile durchzuziehen.

Ich schlug nicht besonders fest zu, nur fest genug, um ihre Haut aufzuwecken und ein bisschen rosa zu färben. Das Klatschen des Leders auf ihrem Hintern war erregender als die versautesten Reden, die ich im Leben gehört hatte, und beim Anblick ihres Rückens, der sich krümmte, während ich die Schläge platzierte, richtete sich mein Schwanz stramm in die Höhe. Oh, ja. Das war es, was ich wollte. Sehen, wie Madison einsteckte, was ich ihr zu bieten hatte, erweckte sämtliche Dom-Instinkte in mir.

Dom zu sein, macht, ehrlich gesagt, ziemlich viel Arbeit. Während der Zeit, die ich in der Szene verbrachte, hatte ich alles und alle ausprobiert – schließlich war der ›Unschuldstest‹ für jeden Rockstar praktisch ein Muss. Wenn man nicht gerade ein Kontrollfreak ist, gibt es einfachere Methoden, sich einen Abgang zu verschaffen, als zu dominieren. Man braucht dazu den richtigen Partner, der es auch wert ist, was mit der Grund war, weshalb ich nicht einfach mit jeder herumspielte, die zur Verfügung stand.

Doch in diesem Augenblick, als ich ihr den Arsch rötete und das Klatsch des Paddles hörte, stand es außer Frage für mich, dass Madison es wert war. Am liebsten hätte ich ihr die Hände zusammengebunden und sie in einen Privatraum gezerrt. Ich wollte sie. Nicht ›für Sex‹ oder ›als Freundin‹ – das war nicht meine Art zu denken. Eigentlich war es überhaupt kein Gedanke. Es war das reine Begehren.

Und dabei gab sie sich nicht einmal unterwürfig. Dadurch begehrte ich sie nur umso mehr. Viele der männlichen Kontrollfreak-Doms auf dieser Welt können mit so einer Frau gar nicht umgehen.

Ich schon.

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MADISON

Chino schien entschlossen, meinen ganzen Hintern mit Rot zu überziehen. Er hatte mir kaum ordentlich Prügel auf jeden Zentimeter meines Hinterns versetzt, da war es auch schon Zeit zum Seitenwechsel.

Mit einer kleinen Verbeugung reichte er mir das Paddle und legte die Hände an die Wand. Ich machte es wie er und fuhr mit der Hand über den Pfirsichflaum auf seinem Hintern, ehe ich mit dem Paddle ausholte. Anders als ich, hatte er harte, knackige Backen, die man mühelos beide zugleich treffen konnte. Ich schwang den Schläger leicht aufwärts, um bei jedem Hieb die weiche Unterseite zu treffen. Er biss die Zähne zusammen, und als ich mich den zwanzig näherte, knurrte er bei jedem Schlag.

Nun wieder er. »Denk dran, Madison«, sagte er, während er mit der Hand über die Schlagfläche strich. »Wenn ich aufhören soll, musst du nur die Hände runternehmen.«

Ich konnte die warme Stelle an der Wand fühlen, wo seine Hände gewesen waren. »Unwahrscheinlich.«

»Wie du wünschst.« Er trat zurück.

Diesmal schlug er viel fester zu, und jetzt war ich es, die knurrte. Anscheinend hatte er es in der ersten Runde langsam für mich angehen lassen, aber da ich ihm nichts erspart hatte, hatte er die Samthandschuhe jetzt ausgezogen. Er holte bei jedem Schlag voll aus und ließ das Paddle auf meiner Haut ruhen, sodass die Nieten sich hineinbohrten. Trotzdem hatte ich schon mehr gelitten. So schlimm war das nicht …

Bis er bei elf angekommen war, und ich spürte, dass meine Handflächen vor Schweiß juckten. Was war da los? Urplötzlich gab es nicht mehr genügend Sauerstoff im Raum, aber als ich immer schneller atmete, wurde das Gefühl noch schlimmer anstatt besser.

Ich spürte seine Hand fest und warm auf meiner Schulter. Die Schläge hatten aufgehört, und seine Stimme klang ruhig in meinem Ohr. »Geht’s dir gut?«

»Natürlich geht’s mir gut.« Ich blinzelte. Oder nicht? Ich stieß einen Atemzug aus. Es war nur ein winziger Adrenalinstoß, sagte ich mir. Kleinigkeit.

Er hörte sich amüsiert an. »Du bist nämlich an der Reihe.«

»Oh.« Ich richtete mich auf, mein Herz pochte noch, aber im Kopf war ich high. »Ich bin beim Zählen durcheinandergekommen.«

Wieder dieses dreckige Grinsen. »Dann ist’s ja gut, dass ich ehrlich bin.« Er hielt mir das Paddle in, ich nahm es und besann mich auf mein Ziel. Ihm dieses Grinsen aus dem dreisten Posergesicht zu wischen. Seinem rot angelaufenen, erregten Gesicht. Es war nicht der einzige Körperteil, der rot geworden war. Die gierige Rundung seines Schwanzes zuckte, und an der Spitze fiel mir ein Tropfen Vorsaft auf. Ich rubbelte rasch ein paarmal an seinem Schaft, um ihn zu verblüffen – manchmal genügte eine kleine Aufmerksamkeit an genau dieser Stelle, um einen Kerl zum Sub zu machen, sobald er merkte, dass jemand anderes es ihm besorgte – aber nicht so Chino. Er antwortete mit einem tiefen, kehligen Knurren.

Ich fing an, ihn so fest ich konnte mit dem Paddle zu bearbeiten, wobei ich weit ausholte und es ihm voll auf den Arsch knallte. Aber schrie er etwa? Nein! Der Mistkerl fing an, bei jedem Schlag zu bellen wie ein Hund!

Als ich bei zwanzig war, hätte ich vor Ärger fast das Paddle zu Boden geworfen, aber ich atmete durch, weil ich den Wettkampf verlieren würde, wenn ich jetzt die Kontrolle verlöre. Ruhig bleiben und weitermachen, heißt es nicht so? Mit einem wütenden Blick reichte ich ihm das Paddle und legte wieder die Hände an die Wand.

Der Schmerz von dem Paddle strahlte von meinen Backen an meinen Beinen abwärts und an der Wirbelsäule entlang aus. Aber er war nicht so arg, dass er die Ursache für meine zugeschnürte Kehle oder den Knoten im Bauch sein konnte. Ich presste Luft in meine Lungen und wieder heraus, kniff die Augen zu und versuchte, den Grund herauszufinden. Vielleicht hätte ich zu Mittag doch mehr als einen Müsliriegel essen sollen. Vielleicht hatte ich eine Weile nicht daran gedacht, Wasser zu trinken. Ich klammerte mich an alles, wissend dass ich nicht mehr zu tun hatte, als länger auszuhalten als er. Auf dieses Ziel konzentrierte ich mich.

Ich spürte seine Hand in meinem Kreuz. Seine Stimme klang tief und fest in meinem Ohr. »Du bist dran.«

»Vielen Dank.« Ich riss die Augen auf und griff wieder nach dem Paddle.

Diesmal bearbeitete ich ihn ohne eine Pause zwischen den Schlägen, wamm wamm wamm, und diesmal gab es kein Hundegebell oder freches Gewackel mit dem Arsch. Er warf den Kopf zurück, und genau als ich bei zwanzig war, entfuhr ihm zwischen zusammengebissenen Zähnen ein langes Grunzen oder Knurren.

»Wow«, sagte er, während er langsam die Arme senkte. »Erinnere mich dran, dich niemals zu reizen.«

Mir fiel die Kinnlade herunter. War ihm nicht klar, dass ich schon wütend war? Ich legte die Hände an die Wand. Mir schwirrte der Kopf, aber es war schwer, einen Gedanken zu fassen, so wie mein Körper gerade ausrastete.

Der erste Schlag kam schnell, und plötzlich war ich konzentriert: Was genau machte ich da? Ich schüttelte den Kopf. Es war doch nicht meine Art, jemanden im Zorn zu schlagen. Das verstieß gegen alles, was ich wusste, und alles, was ich über SM gelernt hatte, gegen alles, was ich Missbrauchsopfern am Sorgentelefon geraten hatte. Meine Knie fingen an zu zittern, als mir das bei den folgenden Schlägen bewusst wurde. Ich hatte wirklich die Beherrschung verloren. Und wieso? Weil Chino nervte? Das war kein guter Grund, jemanden zu schlagen, selbst wenn er sich freiwillig dazu hergab.

Ein Schluchzer blieb mir in der Kehle stecken, als ich merkte, dass er langsamer wurde und nach jedem Schlag mit der Handfläche über meine Backen strich, worauf er mir einen scharfen Strafhieb mit dem Paddle versetzte, bevor er das Brennen erneut linderte. Das unerwartete Gefühl stieg in mir auf, ich hätte es verdient. Ich hätte es verdient, vor allen gezüchtigt, bestraft zu werden. Wie hatte ich mich so von meinen Gefühlen hinreißen lassen können? Ich sollte doch ein Vorbild sein. Ich sollte doch die Regeln vorleben, nicht sie brechen.

»Fünfzehn«, zählte er laut mit. »Sechzehn.« Ich schluckte schwer und versuchte, all meine Gefühle unter Verschluss zu halten. Ich würde nicht weinen. Nicht vor allen Leuten. »Chino«, stieß ich durch meine zugeschnürte Kehle hervor.

Er versetzte mir einen weiteren scharfen Hieb. »Siebzehn. Denk dran, Maddie. Wenn du genug hast, musst du nur die Arme fallenlassen.«

Ich drückte die Handflächen fest gegen die Wand. Konnte ich es tun? Konnte ich mich überwinden nachzugeben?

»Achtzehn.« Danach strich er nicht mehr lindernd über die Haut, und ein weiterer Schluchzer versuchte sich Bahn zu brechen. Wieso? Weil es mir mit einem Mal die Seele zerriss, dass mir dieses kleine tröstliche Tätscheln versagt blieb?

Was zum Teufel ging nur vor in meinem Kopf, meinem Herzen?

»Neunzehn«, sagte er direkt rechts neben mir, während er das Paddle schwang … doch dieses Mal berührte er nur ganz leicht meine Haut, als wüsste er, dass ich genug hatte, als wüsste er, dass es nur einen Luftstoß gebraucht hätte, um mich umzuwerfen. Als wäre selbst ein einziger zärtlicher Klaps zu viel.

Ich ließ die Arme fallen und sank in die seinen.

2