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TIFFANY EXKLUSIV BAND 43

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Rau, aber herzlich

1. KAPITEL

Dichter Regen schlug gegen die Fensterscheibe, dennoch konnte Mick Dawson die Passanten mit ihren farbenfrohen Schirmen gut erkennen. Er hielt so gespannt nach der Frau Ausschau, dass er nur mit halbem Ohr auf die Unterhaltung am Tisch hörte. Und ein halbes Ohr reichte vollkommen aus, wenn seine Freunde ihr Lieblingsthema behandelten.

„Siehst du die scharfe Blondine?“, fragte Josh Marshall in seiner kecken Art. „Die, die gerade zur Tür hereinkommt? Sie trägt einen Push-up.“

„Tatsächlich?“, entgegnete Zack Grange trocken. „Woher weißt du das?“

„Ich kenne mich aus bei Frauen.“ In Joshs Ton lag Abgeklärtheit, als er lächelnd hinzufügte: „In deinem Alter solltest du eigentlich auch Bescheid wissen.“

„In deinem Alter“, gab Zack schlagfertig zurück, „solltest du solche pubertären Fantasien längst überwunden haben.“

Die drei saßen in einer Ecknische bei ‚Marco’s‘, einem gemütlichen italienischen Restaurant, das sie vor fünf Jahren entdeckt hatten. Es lag zentral und in der Nähe ihrer Arbeitsplätze. Sie kamen fast täglich zum Lunch hierher, oft auch abends.

Keiner von ihnen war verheiratet. Josh war überzeugter Junggeselle, Zack Witwer und Mick … nun, er hatte einfach noch nicht die Richtige gefunden. Er hatte genaue Vorstellungen davon, wie seine Frau sein sollte, und fand, dass eine Ehe fürs Leben halten sollte. Denn er hatte schlimme Beziehungen gesehen, voll Hass, Häme und Betrug, sozusagen die Hölle auf Erden. Allerdings waren ihm auch einige wenige ideale Paare begegnet. Solche, die sich liebten, sich verstanden und einander vertrauten. Und er würde sich auf keinen Fall mit weniger zufriedengeben.

Da die drei Männer anstrengende Jobs und keine festen Beziehungen hatten, genossen sie die entspannten Treffen bei Marco’s. Das Restaurant war auch ihr bevorzugter Platz zum Feiern, sei es eine Beförderung, ein Umzug oder was immer sich zum Feiern anbot. Aber sie hatten auch gemeinsam getrauert, als Zacks junge Frau starb und er sich völlig abkapselte, sich nur noch auf seine kleine Tochter konzentrierte. Oder als Mick eine Schussverletzung am Bein hatte und wochenlang nicht arbeiten konnte, was ihn äußerst reizbar gemacht hatte.

Micks Beruf brachte Stress, Gefahren und eine Menge hässliche Erfahrungen mit sich, doch hier bei Marco’s und seinen Freunden fühlte er sich geborgen wie in einer Familie.

Eine andere Familie hatte er nicht. Noch nicht. Keine Frau hatte ihn so interessiert, dass Vertrauen oder tiefere Gefühle hätten wachsen können. Doch jetzt hatte eine seine Aufmerksamkeit geweckt.

„Mick, erklär diesem Dummkopf, dass Brüste sich nicht der Sonne entgegenrecken wie Blumen.“ Josh lachte über seinen eigenen Witz. „Wenn sie fast das Kinn berühren, trägt die Lady todsicher einen Push-up.“

Mick warf Zack einen Blick zu und grinste. „Josh ist nicht normal, wenn es um Frauen geht. Seine Begeisterung für Brüste ist wirklich krankhaft.“

Josh schüttelte mitleidig den Kopf. „Alle Männer stehen auf Busen. Ihr beide seid nicht normal.“

„Eine richtige Frau“, belehrte Mick ihn, „würde dir was husten.“

„Eine richtige Frau?“, wiederholte Zack mit gespielter Verwunderung. „Du meinst mit einem IQ über zehn? Warum sollte Josh mit einer ausgehen, die intelligenter ist als er selbst?“

„Haha“, entgegnete Josh, „du bist bloß neidisch.“ Und grinsend fügte er hinzu: „Außerdem haben Frauen bei mir etwas Besseres mit dem Mund zu tun, als zu husten.“

Die drei lachten. „Also“, griff Josh erneut das Thema auf, „ihr zwei Fehlzünder macht euch nichts aus ’ner hübschen Oberweite. Was findet ihr denn sonst anziehend?“

Mick stöhnte. „Hatten wir diese Diskussion nicht schon als Schuljungen?“

„Klar, aber sie ist immer wieder interessant.“

„Bäuche“, sagte Zack.

Josh zog die Brauen hoch. „Wie bitte?“

Mick machte ein gelangweiltes Gesicht. Er hatte keine Lust, sich weiter an dem Gespräch zu beteiligen.

„Ich mag bei Frauen den Bauch.“ Versonnen lächelnd lehnte Zack sich zurück. „Nicht so einen durchtrainierten Waschbrettbauch, wie manche heute haben. Einfach einen hübschen flachen Bauch.“ Er nickte bekräftigend. „Sehr sexy.“

Josh überlegte eine Weile und nickte ebenfalls. „Okay, einverstanden. Bäuche sind scharf. Aber nur ohne Nabelpiercing.“

„Genau“, pflichtete Zack ihm bei. „Ein schöner Bauch braucht keinen Schmuck.“

„Und du, Mick?“, wollte Josh wissen. „Was ist für dich bei Frauen wichtig? Ein knackiger Po? Sag schon.“

Mick biss in sein Sandwich, obwohl er keinen Appetit verspürte. Er dachte an seine Reaktion, als er die Frau zum ersten Mal gesehen hatte. Was an ihr hatte ihn dermaßen gefesselt, dass er seitdem keine andere mehr anschaute? Wieder blickte er aus dem beschlagenen Fenster. Es war ein ungemütlicher kalter Julitag, windig und regnerisch.

Sie musste jede Minute auftauchen.

Zum ersten Mal war sie ihm in seiner ehemaligen Wohngegend aufgefallen. Er war dort gewesen, um in dem Haus, das ihm gehörte und in dem er aufgewachsen war, eine Wohnung zu vermieten. Die Gegend war für ihn mit unangenehmen Erinnerungen verbunden, doch er behielt das Haus sozusagen als Andenken. Die Zeiten hatten sich geändert, er selbst hatte sich geändert, aber seine Herkunft war nicht zu verleugnen.

Offenbar wohnte sie gleich nebenan, denn sie kam durch den Vorgarten, ein paar Briefe in der Hand, und ging zur Post. Das fand Mick bedenklich, denn eine Frau sollte hier besser in Begleitung sein. Das Viertel unsicher zu nennen wäre eine Untertreibung gewesen.

Doch sie spazierte sorglos die Straße entlang. Ohne Zögern lief er ihr nach – nur zu ihrer Sicherheit – und ergötzte sich an ihrem Anblick, an ihrem selbstsicheren, fast arroganten Gang.

Ihr schulterlanges blauschwarzes Haar glänzte in der Sonne, und als sie kurz den Kopf wandte und sich umschaute, bemerkte sie ihn nicht, sondern sah förmlich durch ihn hindurch. Dann verschwand sie in der Post, und Mick blieb wartend davor stehen. Und seltsam, als sie aus der Post kam und an ihm vorbeiging, genauso abwesend wie vorhin, achtete er überhaupt nicht auf ihre Brüste. Seine ganze Aufmerksamkeit galt ihrem Gesicht – dem festen Kinn, der geraden Nase, den blauen Augen.

Mick fragte sich flüchtig, was Josh von ihr halten mochte.

Aber da Mick die Frau unbedingt kennenlernen wollte, würde er ihre Vorzüge nicht mit Josh und Zack jetzt durchhecheln. Daher zuckte er bloß mit den Schultern. „Es ist die jeweilige Mischung, und die ist bei jeder Frau anders.“

Bevor Josh und Zack seine ausweichende Antwort kommentieren konnten, sah er sie. Mechanisch legte er sein Sandwich auf den Teller zurück und drehte sich zum Fenster. Trotz des strömenden Regens hatte er mit ihr gerechnet. Das schlechte Wetter würde sie nicht abhalten – nicht diese Lady. Sie joggte jeden Tag um etwa dieselbe Zeit und am selben Ort, zumindest in den letzten zwei Wochen. Es schien wie Schicksal, dass er sie zuerst dort gesehen hatte, wo er ein Haus besaß, und nun hier, wo er sich regelmäßig aufhielt.

Zack räumte bereitwillig den Fensterplatz für Mick, Josh dagegen versuchte, ihn mit schlüpfrigen Bemerkungen auszuhorchen, nach wem er Ausschau hielt. „Aha! Gleich werden wir wohl die geheimnisvolle Lady zu sehen bekommen.“

Mick sagte ihm kurz und knapp, wohin er sich seine Neugier stecken sollte. Aber Josh machte sich nichts daraus, es erhöhte nur sein Interesse.

Alle drei spähten nun gespannt aus dem Fenster. Um diese Mittagszeit waren viele Passanten unterwegs, die sich mit ihren Schirmen gegen den Wind stemmten. Und mittendrin war sie. Ohne Kopfbedeckung und in lässiger Sportkleidung bahnte sie sich im Laufschritt einen Weg durch die Menge. Eigenartig, obwohl sie direkt an ihrem Fenster vorbeilief, wobei ihr schwarzer Pferdeschwanz hüpfte und ihr das Wasser von der Nase aufs T-Shirt tropfte, musterten Josh und Zack angestrengt alle anderen Frauen, nur nicht sie.

Mick hingegen erfasste sofort heftiges Verlangen, als er sie so sah, durchnässt und mit diesem entrückten Gesichtsausdruck. Das Blut rauschte ihm in den Ohren, seine Haut kribbelte. Verflixt, wenn es ihn schon so erregte, sie nur joggen zu sehen, wie würde es dann erst sein, sie zu küssen, zu berühren und sie vor Lust stöhnen zu hören?

Sein Körper reagierte in eindeutiger Weise. Mick fluchte innerlich. Es war der pure Wahnsinn, aber er konnte nichts dagegen tun. Um seinen peinlichen Zustand zu verbergen, lehnte er sich grinsend auf der Eckbank zurück. Jetzt konnte er sich Zack und Josh widmen und die Frau dabei noch eine halbe Meile lang im Auge behalten, denn die Straße verlief schnurgerade. Während er ihr so hinterherschaute, stellte er fest, dass ihr fester kleiner Po in der hautengen Radlerhose kein bisschen wackelte. Dieser Po würde genau in seine großen Hände passen, er würde ihn festhalten, in die richtige Position rücken …

„Na? Kommt sie bald?“, unterbrach Josh die reizvollen Fantasien.

„Sie ist schon weg.“ Mick griff nach seiner Kaffeetasse und trank langsam. Er musste sich unter Kontrolle bringen. Und er musste diese Frau haben. Wenn er eine Woche lang seine Begierden ausgelebt hätte, würde er vielleicht wieder zu Verstand kommen.

Josh beugte sich über Zack hinweg und drückte die Nase an der Fensterscheibe platt. Er schaute und schaute, und schließlich sagte er enttäuscht: „Verflixt, ich sehe keine, die einen zweiten Blick wert wäre.“

Zack zuckte mit den Schultern. „Wenn du nur auf die Brüste achtest, könnte das stimmen. Vielleicht ist Mick auf etwas anderes aus.“

Stirnrunzelnd sah Josh Zack an. „Quatsch. Mick ist nicht schwul. Wir beide haben ihn schon mit Frauen gesehen.“

Mick verschluckte sich an seinem Kaffee, und Josh brach in wieherndes Gelächter aus. Einige der weiblichen Gäste schauten interessiert zu ihnen herüber.

Zack schüttelte tadelnd den Kopf. „Musst du immer auffallen, Josh?“

„Ich? Lache ich etwa so idiotisch?“

„Du brauchst gar nicht erst zu lachen“, gab Zack zurück, „um als Idiot durchzugehen.“ Langsam, als wäre Josh etwas begriffsstutzig, fügte er hinzu: „Ich meinte, Mick guckt vielleicht nicht nur nach der Oberweite. Bloß weil du so auf Brüste fixiert bist, müssen andere nicht genauso verrückt danach sein.“

Josh musterte Mick. „Stimmt das?“

„Dass du eine verrückte Einstellung zu Frauen hast?“ Er trank noch einen Schluck Kaffee. „Klar.“

„Nein“, sagte Josh gereizt, „dass sie oben herum etwas spärlich ausgestattet ist?“

„Soweit ich das beurteilen kann“, gab Mick leicht verärgert zurück, „ist an ihr genug dran.“

Das verwirrte Josh noch mehr.

Mick schaute wieder aus dem Fenster, und zu seiner Überraschung sah er sie an der Ecke die Straße überqueren und umkehren. Auf der Höhe ihres Restaurants blieb sie stehen. Sie beugte sich vor, legte die Hände auf die Knie und atmete ein paar Mal tief durch. Dann richtete sie sich wieder auf und reckte die Arme. Ihr T-Shirt rutschte hoch und gab ein äußerst hübsches Stück Bauch frei – Zack wäre selig. Wie gebannt starrte Mick sie an, während in ihm erneut Hitze aufstieg. Jetzt betrat sie den Juwelierladen gegenüber, und Mick fasste einen Entschluss.

Er schob seinen Teller zurück und stand auf. In den vergangenen zwei Wochen hatte er oft daran gedacht, sie anzusprechen. Er wollte sie nicht bedrängen, aber er hatte zwei Mal von ihr geträumt, also ging sein Interesse tiefer. Und dies war die Gelegenheit.

„Bin gleich wieder da“, erklärte er knapp.

Josh und Zack schauten ihn verdutzt an. Mick spürte nur das Aufwallen seines Bluts. So war es jedes Mal, wenn er sie sah. Zwar konnte er nicht genau sagen, was ihn dermaßen an ihr reizte. Er wusste nur, dass er sie glühend begehrte.

Mick verließ das Restaurant, klappte den Kragen seiner Windjacke hoch und spurtete über die Straße. Zack und Josh reckten garantiert die Hälse, denn es war untypisch für ihn, einer Frau nachzujagen.

Die Fensterfront des Geschäfts zitterte leicht, als die Eingangstür hinter ihm zufiel. Kalte Luft aus der Klimaanlage schlug ihm entgegen. Er strich sich das Haar aus der Stirn und schaute sich um. Überall standen Glasvitrinen, große und kleinere, und da ganz hinten war sie. In ihren Joggingsachen wirkte sie in dem schicken Laden ziemlich fehl am Platz, fast exotisch. Und sie wirkte verführerisch wie die Sünde mit ihrer von Regen und Schweiß glänzenden Haut, ihren geröteten Wangen, ihrem halb gelösten Haar.

Verflixt, dachte er, so hübsch ist sie doch gar nicht, eher ein unauffälliger Typ. Sie trug kein Make-up, aber ihre Wimpern und Augenbrauen waren so dunkel wie ihr Haar. Sie hatte zwar einen schönen Körper, sportlich und schlank, aber er war keineswegs kurvenreich – nicht das, was man allgemein sexy nannte. Sie sandte auch keine Flirtsignale aus, sie schien gar nicht auf Männer zu achten.

Micks Pupillen weiteten sich. Himmel, vielleicht mochte sie keine Männer! Aber nein, das konnte nicht sein. Nicht, wenn das pure Anschauen ihn schon so scharf machte.

Sie schien sich für nichts Bestimmtes zu interessieren, während sie von einer Vitrine zur anderen schlenderte. Vorerst beschränkte Mick sich darauf, sie zu beobachten. Er schob die Hände in die Hosentaschen und zog sie hastig wieder heraus, denn die lässige Haltung könnte die Pistole in seinem Halfter enthüllen. Er war zwar nicht im Dienst, doch die Waffe trug er ständig bei sich, denn in diesen rauen Zeiten konnte ständig etwas passieren.

Langsam näherte er sich der Joggerin. Er wunderte sich, dass sie sein unverhohlenes Interesse nicht bemerkte. Aber er wusste ja bereits, wie wenig sie auf ihre Umgebung achtete.

Die Türglocke schlug an, und zwei Männer kamen herein. Sie trugen Jeans, T-Shirts und Turnschuhe. Einer hatte eine Baseballkappe aufgesetzt. Als Polizist registrierte Mick jede Einzelheit in Sekundenschnelle. Er hatte auch bereits die beiden Verkäuferinnen gemustert sowie ein älteres Paar, das ein Geschenk suchte. Wachsamkeit war für ihn so normal wie das Atmen. Und deshalb bemerkte er instinktiv die plötzliche atmosphärische Veränderung. Sie ging von den Männern aus, und das gefiel Mick gar nicht.

Die Joggerin Frau hob den Kopf, schaute kurz zu den Männern und dann zu Mick. Ihre Blicke trafen sich, und es durchzuckte Mick wie ein elektrischer Stromstoß. Sie lächelte freundlich und nichtssagend, doch es erhöhte seine Anspannung, obwohl sie gleich wieder wegschaute.

Mit geschärften Sinnen folgte er ihr unauffällig. Da es im Verkaufsraum eng war, nahm er ihren Duft wahr. Sein Puls ging schneller. Viel zu lange hatte er nicht mehr mit einer Frau geschlafen. Manchmal war seine Enthaltsamkeit ein echter Nachteil.

Ihre nassen Turnschuhe quietschten auf den Fliesen. Mick sah ihr nach und verfolgte daher das übrige Geschehen nur aus dem Augenwinkel. Dennoch bemerkte er, wie einer der Männer in die Tasche griff. Alarmiert fuhr Mick herum, leider nicht schnell genug.

„Keine Bewegung.“ Der Mann beschrieb drohend einen Kreis mit seiner Pistole. „Und keine Dummheiten“, befahl er grinsend, „dann passiert auch keinem was.“

Verdammt! dachte Mick und warf einen schnellen Blick in die Runde. Die ältere Frau klammerte sich an ihren Mann, während die Verkäuferinnen vor Entsetzen erstarrt schienen. Unmerklich bewegte sich Mick auf die Joggerin zu. Sie starrte den Mann mit der Pistole an, doch Angst konnte Mick in ihren blauen Augen nicht entdecken.

„Wir machen jetzt unseren Job“, sagte der Typ mit Baseballmütze, „und dann gehen wir. Keinem passiert was.“

Mick glaubte ihm kein Wort. Die Dinge liefen nie glatt – nicht in der Liebe und bestimmt nicht bei einem Raubüberfall.

Der Komplize von Mr. Baseball richtete seine Waffe auf eine der Verkäuferinnen. „Los, mach die Kasse auf.“

Die Frau zuckte zurück, mehr aus Verblüffung als aus Abwehr. Mick empfand ähnlich. Überall lag Schmuck von unschätzbarem Wert, und der Idiot wollte das bisschen Bargeld aus der Kasse? Der Kerl musste doch wissen, dass hier meistens mit Kreditkarte oder Scheck gezahlt wurde.

Micks Finger zuckten. Er wollte zur Waffe greifen.

Plötzlich schrie der Mann mit der Pistole: „Vorwärts, verdammt noch mal!“

Alle fuhren zusammen, die Verkäuferin stolperte fast über die eigenen Füße, als sie zur Kasse eilte.

Eine vorhersehbare Panikreaktion, dachte Mick. Erfahrene Verbrecher hätten das nicht riskiert. Sein Misstrauen wuchs.

Die ältere Frau weinte vor sich hin, die eine Verkäuferin war leichenblass, die andere zitterte so sehr, dass sie kaum die Kasse öffnen konnte. Auf einmal ertönten von draußen Sirenen. Mick spannte die Muskeln an, erwartete eine Reaktion – einen neuen Ausbruch von Gewalt, Flucht, eine Schießerei. Er wusste, dass Verbrecher sich oft kopflos verhielten und sinnlos um sich schossen. Er war auf alles gefasst.

Doch mit dem, was nun folgte, hatte er nicht gerechnet.

Die Männer dachten nicht an Flucht, sondern wandten sich an die Joggerin neben Mick. „Du blöde Kuh“, zischte der Kerl mit der Mütze, „du hast Alarm gegeben.“

Sie blinzelte erschrocken. „Nein“, sagte sie, und zum ersten Mal hörte Mick ihre Stimme, die vor Angst brüchig klang.

Der Mann hob die Waffe, zielte auf sie, und ohne nachzudenken, trat Mick in die Schusslinie. Beide Räuber schienen verblüfft angesichts dieser Kühnheit. Er spürte, wie die Frau hinter ihm seine Jacke ergriff und das Gesicht an seine Schulter drückte. Er hörte ihr schnelles Atmen, spürte ihr Zittern. Sie war zu Tode verängstigt, und in Mick stieg kalte Wut auf.

Mit leiser, ruhiger Stimme sagte er: „Sie ist eine Kundin. Sie weiß nicht, wo der Alarmknopf ist.“

Es war vergeblich.

„Alle hinlegen!“, brüllte der Typ mit der Kappe, als ein Wagen mit quietschenden Reifen vor dem Laden hielt, und zog ebenfalls eine Pistole. Die Kunden warfen sich auf den Boden, auch die Frau hinter Mick.

Mick indessen bewegte sich bewusst langsam, um Zeit zu gewinnen. Sein Ellbogen stieß gegen den der Frau. Sie presste sich flach auf den Boden, die Hände hatte sie schützend über ihrem Kopf verschränkt. Mick stützte sich auf die Unterarme, einsatzbereit und scharf beobachtend.

Glasscherben regneten herab, als die Vitrinen zerbarsten. Die Verkäuferinnen auf, die ältere Dame schluchzte. Die Frau neben Mick gab keinen Ton von sich. Er hätte sie gern angesehen, ihr beruhigende Worte zugeflüstert, doch er musste seine ganze Aufmerksamkeit auf die beiden Pistolen richten. Die Räuber schnappten nach ein paar großen Schmuckstücken, aber es schien eher aus Zerstörungswut zu geschehen.

Es war der jämmerlichste, chaotischste Raubüberfall, den Mick je erlebt hatte. Eigentlich sollten die zwei Kerle wissen, welches die wertvollsten Stücke waren. Stattdessen stopften sie sich wahllos alles in die Taschen, was ihnen gerade in die Finger kam.

Schließlich traten beide den Rückzug an. Die Spannung wuchs, die Luft schien wie elektrisch aufgeladen – und dann drehte der Kerl mit der Kappe sich um und richtete die Mündung seines Revolvers auf die Frau.

Mick warf sich über sie.

Sie keuchte, als sie sein Gewicht auf sich spürte, versteifte sich automatisch und hob den Kopf. „Was machen Sie denn?“

Er drückte ihren Kopf heftiger als gewollt nach unten. „Nicht bewegen“, zischte er.

Sie wand sich wütend unter ihm und wollte sich freikämpfen, denn sie durchschaute seine Absicht nicht.

„Er will Sie …“, begann Mick zu erklären, und dann waren alle Worte überflüssig.

Der Knall war ohrenbetäubend, der darauf folgende Schmerz in seiner rechten Schulter brannte wie Feuer. Mick hielt die Frau fest und biss die Zähne zusammen.

„Mein Gott“, flüsterte sie und versuchte, sich aufzurichten.

Mick ächzte, rührte sich jedoch nicht vom Fleck. Die Gangster hatten es auf sie abgesehen, aus welchem Grund auch immer, aber erst würden sie ihn umbringen müssen.

Er spürte, wie Blut ihm den Rücken hinunterlief, warm und klebrig, und hörte, die Frau unter ihm erneut keuchen. Doch erst als die Tür aufging, rollte er sich von ihr hinunter und zog seine Pistole. Den Schmerz ignorierend, gab er einen gezielten Schuss durch die Glastür ab. Die Kugel traf den Mann, der geschossen hatte, in den Oberschenkel, bevor er ins Fluchtauto steigen konnte. Mit einem Schrei sackte er zusammen, während er verzweifelt nach der Wagentür griff.

Das Auto fuhr an und schleuderte den Mann zurück, sodass er mit dem Kopf auf die Bordsteinkante schlug. Leblos blieb er ausgestreckt liegen. Mick sprang hoch und rannte auf die Straße. Er sah noch das Auto, zielte und schoss erneut. Das Rückfenster zersplitterte, doch der Fahrer raste trotzdem davon.

Auf dem Bürgersteig begannen sich die Schaulustigen zu versammeln. Micks rechter Arm wurde heiß, dann kalt und schließlich gefühllos. Die Hand mit der Waffe zitterte.

Josh und Zack erschienen gleichzeitig, sie hatten die Szene vom Restaurant aus beobachtet.

Sanft nahm Josh Mick die Waffe aus der Hand und steckte sie in das Halfter zurück. „Mann, du bist angeschossen.“ Er packte Mick am Oberarm, um ihn zu stützen.

Zack trat an die andere Seite. „Ruft einen Krankenwagen.“ Mick musste trotz allem lächeln, denn Zack war selbst Sanitäter. Schließlich zog Zack sein Funkgerät aus der Tasche und erledigte den Anruf selbst. „Komm, setz dich so lange, bis sie kommen“, sagte er und führte Mick zur Bordsteinkante.

„Ich setzte mich nicht in diese Pfütze“, knurrte Mick. „Mir geht es gut.“

Jedenfalls so gut, dass er sich nach der Frau umsehen konnte. Als er sie nicht sofort erblickte, packte ihn die Angst. Das ältere Ehepaar lehnte an der Hauswand, die Frau weinte, während der Mann hilflos um sich schaute. Mick machte die Verkäuferinnen aus, die wie versteinert dastanden. Offenbar hatten sie einen Schock erlitten. Überall liefen Polizisten umher, sie isolierten die Zeugen, damit sie nicht miteinander reden konnten. Zwei Dienstwagen nahmen die Verfolgung der Täter auf. Ein Beamter kam auf Mick zu.

Wo zum Teufel ist sie? dachte er.

Als der Polizist sich vor ihn stellte, mit gerunzelter Stirn, die Hand am Pistolenhalfter, erklärte Mick ihm ruhig: „Ich bin Mick Dawson von der Sittendezernat.“ Er wollte seine Marke aus der Jacke ziehen, doch sein Arm verweigerte ihm den Dienst.

Josh sagte: „Lass mich mal.“ Er fand die Marke und zeigte sie dem Beamten. Der nickte und rief nach einer Decke.

Frustriert stand Mick da und merkte, wie er von Minute zu Minute schwächer wurde, während Zack und Josh ihn halbwegs aufrecht hielten.

„Der Krankenwagen ist unterwegs“, informierte Zack den Polizisten. „Ich bin Sanitäter und kümmere mich in der Zwischenzeit um ihn.“

Jemand kam mit der gewünschten Decke, und nachdem der Polizist sie an Zack weitergereicht hatte, begann er, die Umstehenden weiterzuschicken.

Zack breitete die Decke auf dem Boden aus. Gerade als Mick sich darauf setzen wollte, bemerkte er die Frau. Sie trat hinter dem Ehepaar hervor und sah voller Entsetzen zu ihm herüber.

An der Wange hatte sie einen Bluterguss vom Aufprall auf dem Boden, und sie zitterte am ganzen Leib. Mick schob Zack beiseite. Er musste zu ihr gehen, sie in den Arm nehmen, sich entschuldigen, obwohl er nicht wusste, wer sie war und warum die Gangster sie hatten umbringen wollen.

Zack hielt Mick zurück. „Verdammt, Mick, du fällst gleich um.“

Mick wollte protestieren, doch plötzlich gaben seine Beine nach, und wenn Josh und Zack nicht sofort reagiert hätten, wäre er mitten auf dem Bürgersteig zusammengebrochen. Seine Sicht trübte sich.

„Du verlierst Blut“, sagte Zack in seiner nüchternen Art, doch Mick hörte die Sorge heraus.

„Lasst sie nicht gehen.“ Mick wollte es laut und im Befehlston äußern, aber es wurde nur ein Flüstern, und das machte ihn wütend. Endlich hatte er ihre Bekanntschaft gemacht – gewissermaßen –, und nun gab er so ein schwaches Bild ab. Er riss sich zusammen und wiederholte so laut er konnte: „Lasst sie nicht gehen.“

Josh, der es gehört hatte, beugte sich näher zu ihm. „Wen?“

„Die schwarzhaarige Frau in der Jogginghose.“ Mehr wusste er nicht von ihr.

Josh schaute sich um, und sein Blick blieb an der Frau hängen.

„Ja, genau die“, sagte Mick. „Komm, lass mich zu ihr.“ Entschlossen riss er sich von seinen Freunden los und machte ein paar unsichere Schritte auf sie zu. „Ich muss Sie sprechen“, krächzte er und wedelte mit den Armen.

Dann wurde er ohnmächtig.

2. KAPITEL

„Wo ist sie?“ Der Klang seiner eigenen Stimme, belegt und dünn, erschreckte Mick.

„Pst“, hörte er Zack sagen. „Immer mit der Ruhe.“

Mühsam öffnete Mick die Augen und wünschte sofort, er hätte es nicht getan. Was hatten sie mit ihm angestellt? Seine Schulter tat nicht mehr weh, aber dafür schmerzte sein Kopf zum Zerspringen, und seine Muskeln gehorchten ihm nicht.

Zack hielt an seinem Bett Wache. Und wo war sie?

„Die Frau?“, stieß er hervor und hörte sich an wie ein verendender Frosch.

Zack hielt ihm ein Glas Wasser mit einem Trinkhalm an den Mund. Mick wollte Zack sagen, dass er sich den Halm an den Hut stecken könne, aber der Durst war stärker. Gierig trank er ein paar Schlucke. Als er automatisch den Arm hob, um das Glas wegzuschieben, schoss ihm ein stechender Schmerz durch die Schulter, sodass er nach Luft ringen musste.

„Die Betäubung lässt nach“, erklärte Zack. „Du wirst noch eine Weile benommen sein, aber im Grunde hast du Glück gehabt. Du hast mir einen schönen Schrecken eingejagt. Musstest du so mit den Armen herumfuchteln? Dadurch hast du noch mehr Blut verloren.“

„Wo zum Teufel ist sie?“, knurrte Mick.

Zack seufzte frustriert. „Du bist vor ihren Füßen umgefallen und mit deinem Dickschädel aufs Pflaster geknallt. Eigentlich müsstest du eine Gehirnerschütterung haben. Wenn du nicht so ein verdammter Held wärst …“

Mick starrte ihn finster an. „Wo zum Teufel ist sie?“, schrie er.

Zack fuhr zurück. „Zerreiß mir nicht das Trommelfell. Du hast uns beschworen, sie nicht gehen zu lassen. Wir wussten nur nicht, ob wir sie verhaften lassen sollten oder ob sie die Frau war, auf die du scharf bist.“

Mick fuhr hoch, und der Schmerz, den diese plötzliche Bewegung hervorrief, nahm ihm fast den Atem. Mit zusammengebissenen Zähnen stieß er hervor: „Ihr habt sie doch nicht …?“

„Der Polizei übergeben? Nein. Sie wurde natürlich verhört, aber Josh folgte ihr auf die Wache und nahm sie anschließend mit. Es geht ihr gut, sie ist bloß ziemlich durcheinander und erzählt die ganze Zeit, was für ein Held du bist. Sie behauptet, du hättest die Kugel abgefangen, die ihr gegolten hatte, und sie will dich sehen. Sie zerfließt fast vor Dankbarkeit. Aber wir wussten ja nicht, was los war, und …“

„Ich bring euch um.“

Zack grinste. „Beruhige dich, wir haben sie hergebracht. Aber sie ist nicht besonders glücklich darüber. Josh hält sie mehr oder weniger in Schach, sie ist nämlich reichlich strapaziös. Immerhin wartet sie seit vier Stunden.“

Vier Stunden! Mick stöhnte.

„Sie weigert sich zu gehen, bevor sie dich gesehen hat“, berichtete Zack. „Sie verträgt es offenbar nicht, wenn sie nicht ihren Willen bekommt.“ Er hüstelte. „Eine sehr durchsetzungsfähige Lady.“

Mick hatte nichts dagegen. In seinen Schläfen pochte es, aber dennoch befahl er mit fester Stimme: „Hol sie her.“

„Sei kein Narr. Du bist nicht in der richtigen Verfassung, um auf eine fremde Frau Eindruck zu machen.“ Zack stand auf und beugte sich über das Bett. „Ich schlage vor, du erzählst uns, was los war, und wir geben den Bericht an sie weiter. Dann kann sie nach Haus gehen, und du hast deine Ruhe.“

„Lasst sie auf keinen Fall allein gehen!“ Erneut überkam Mick Panik, wieder sah er die auf sie gerichtete Pistole vor sich. Solange er nicht wusste, was hinter der Sache steckte, musste sie geschützt werden. Es ärgerte ihn nur maßlos, dass er andere darum bitten musste.

„Mick, wir können sie nicht ewig festhalten.“

„Hol sie her“, wiederholte Mick ungehalten.

„Mann, du bist ungenießbar mit einer Kugel im Leib.“

„Sagtest du nicht, ich brauche Ruhe, Zack?“

„Ja, klar.“

„Nennst du das Ruhe, wenn ich jetzt aus dem Bett steige und dir in den Hintern trete?“

Zack zögerte kurz, dann lachte er. „Ich könnte es dir nicht mit gleicher Münze heimzahlen, ohne dass deine frischen Nähte platzen würden. Also gut, ich frage jetzt, wann du in dein Zimmer gebracht wirst und Delilah dich sprechen kann.“

Micks Schulter schmerzte entsetzlich, als er sich aufrichtete. „Delilah?“

Zack starrte ihn verblüfft an. „Sag bloß, du kennst nicht einmal ihren Namen.“

„Na und?“ Ihren Namen zu kennen war nicht das Wichtigste. Sie zu berühren schon eher, und das war ihm gelungen. Kein schlechter Start, fand er, wenn man davon absah, dass jemand sie umbringen wollte und dabei auf ihn geschossen hatte.

„Du hast wirklich für eine wildfremde Frau den Kopf hingehalten?“

„Hättest du nicht dasselbe getan?“, gab Mick zurück.

Da Zack das tatsächlich vor langer Zeit mal getan hatte, drehte er sich schweigend um und verließ das Zimmer.

Gleich darauf zog eine Krankenschwester den Vorhang zur Seite und kontrollierte Micks Puls. Sie ließ sich Zeit, und Mick konnte nicht anders, als sie anzulächeln. Sie war ein paar Jahre älter als er und recht attraktiv, trotz ihrer nüchternen Tracht. Die Schwester strich ihm sanft übers Haar und erklärte, dass er wahrscheinlich morgen schon nach Hause könne und jetzt erst einmal auf ein Einzelzimmer verlegt würde.

Mick war über die Nachricht erleichtert. Jetzt würde er endlich Delilahs Bekanntschaft machen. Und er nahm sich vor, sie in kürzester Zeit auch zu erobern. Zwar wusste er noch nicht, wie, aber ihm würde schon etwas einfallen. Schließlich war er ein Mann, und Männer machte seit Anbeginn der Zeiten Jagd auf Frauen.

Seine Verletzung sollte ihn nicht daran hindern. Er brauchte diese Frau.

„Lassen Sie mich los. Ich kann allein gehen.“

Josh, der Delilah zu Micks Zimmer führte, schnaubte und gab ihren Arm frei.

Delilah, die normalerweise von allen Del genannt wurde, mochte ihn nicht und schon gar nicht sein Misstrauen ihr gegenüber. Er tat noch immer so, als ob sie davonlaufen würde, obwohl sie ihm versichert hatte, dass sie nicht die Absicht habe. Doch er hörte ihr gar nicht zu. Dabei kehrte er bei jedem weiblichen Wesen, das ihm in die Nähe kam, den Charmeur heraus. Sie kannte solche Typen. Josh fühlte sich Frauen überlegen und bemäntelte das mit flotten Sprüchen. Kein Zweifel, mit seinem guten Aussehen kam er bestimmt bei vielen an.

Del jedoch interessierte nur der andere Mann, der sein Leben für sie riskiert hatte.

Josh warf ihr einen seiner aufreizend arroganten Blicke zu. „Ich hoffe, Sie strapazieren ihn nicht zu sehr.“ Da sie ihm nicht antwortete, fügte er hinzu: „Immerhin hat er Sie aufsässiges Geschöpf vor der Kugel gerettet.“

Das konnte sie ihm nicht durchgehen lassen. Sie stellte sich ihm in den Weg und bohrte ihm den Zeigefinger in die Brust. „Das weiß ich. Ich war dabei.“ Das Bemühen um damenhaftes Verhalten hatte sie längst aufgegeben. Dieser Tag war der ereignisreichste, bizarrste ihres Lebens. „Sie wollen einfach nicht begreifen, dass ich mich nur bei ihm bedanken möchte.“

Er stieß ihre Hand fort und ging weiter. Del eilte ihm hinterher. Schließlich öffnete Josh eine Tür und sagte: „So, da wären wir.“

Zögernd blieb Del in der Tür stehen.

Micks großer Körper füllte das Bett ganz aus. Sie hatte seine Größe bereits bemerkt, als er auf ihr lag. Da war sie sich direkt winzig vorgekommen. Sie erinnerte sich auch an seine Stärke, an das Gefühl von gebändigter Kraft.

Sein dichtes dunkles Haar war jetzt zerzaust, es stand nach allen Seiten ab, und jegliche Farbe schien aus seinem Gesicht gewichen. Mitleid überkam sie, und ihre Unterlippe begann zu zittern. Dennoch fand sie, dass er der attraktivste Mann war, den sie je gesehen hatte. Bei dem Überfall hatte sie ihn sich gar nicht richtig anschauen können. Zuerst hatte sie gedacht, er gehöre zu den Gangstern, und war vor Angst wie gelähmt gewesen.

Aber er hatte die Kugel abgefangen, die ihr galt.

Welcher Mensch tat so etwas? Er kannte sie ja nicht einmal.

Und nun lag er hier im Krankenhaus. Ihretwegen. Ein Seufzer der Rührung entfuhr ihr.

Bei dem Geräusch wandte er den Kopf, und der durchdringende Blick seiner dunkelbraunen Augen wurde freundlich, als er sie entdeckte. Sein Mund verzog sich zu einem hinreißenden Lächeln, während er mit tiefer, heiserer Stimme sagte: „Hi.“

In dem schlichten Gruß lag so viel Gefühl, dass ihr ganz schwindlig wurde. Sie hörte kaum, wie Josh ihn vorstellte. „Delilah, das ist Mick Dawson. Mick – Delilah Piper.“

Mit langsamen Schritten ging sie auf ihn zu. Mick sah ihr lächelnd entgegen, doch seine Pupillen waren geweitet. Er wirkte aufmerksam und ein wenig überrascht. Sie setzte sich auf die Bettkante und strich ihm impulsiv über die Wange. Sie musste ihn einfach berühren, die Wärme seiner Haut spüren … Und dann beugte sie sich über ihn und gab ihm einen Kuss.

Dicht an seinen Lippen flüsterte sie: „Danke.“

Er wollte etwas erwidern, aber sie küsste ihn noch einmal. Es war wie Magie, sie hätte ihn ewig küssen können. Seine Lippen waren fest und trocken. Sie strich über sein unrasiertes Kinn, die Stoppeln fühlten sich aufregend männlich an. Sein Körper strömte einen speziellen Duft und eine Wärme aus, die sie einzuhüllen schienen. Er sah gut aus, roch gut – war einfach gut.

Sie sah hoch und sagte ein wenig atemlos: „Sie tun mir so leid. Eigentlich sollte ich in diesem Bett liegen.“

„Nein!“ Erstaunlich schnell für einen Kranken hob er den gesunden Arm und schob sie ein Stück von sich. Er wirkte verärgert. Und besorgt.

In diesem Moment ging die Tür auf, und Zack, der Mann, der ein bisschen netter war als Josh, kam herein. Verwundert riss er die Augen auf, als er die beiden so vertraut beieinander sah. Schon wollte er diskret den Rückzug antreten, da erblickte er in der Ecke den grinsenden Josh.

„Ich sehe, dir geht es inzwischen besser, Mick“, meinte Zack übertrieben fröhlich.

Josh lachte. „Klar, jetzt hat er sie ja endlich.“

Del stand langsam vom Bett auf. „Ich wäre schon eher gekommen, aber die beiden haben mich nicht zu Ihnen gelassen“, beschwerte sie sich bei Mick.

„Nur Familienangehörige durften zu ihm“, verteidigte sich Josh, und es klang nicht gerade freundlich.

Diese Ausrede hatte Del zigmal gehört, aber schließlich gehörte Zack ja auch nicht zur Familie. Frustriert strich sie sich das Haar aus der Stirn. „Sie hätten ja sagen können, ich wäre seine Frau.“

Josh schluckte. Zack warf Mick einen fragenden Blick zu. Der grinste und griff nach ihrer Hand. „Tut mir leid, wenn Sie sich meinetwegen Sorgen gemacht haben. Ihnen geht es hoffentlich gut?“

Del setzte sich wieder aufs Bett. Sie hätte Mick gern noch einmal geküsst, aber seine Freunde bewachten ihn wie Bulldoggen. Außerdem kam sie sich nach dem Joggen im Regen und dem Überfall alles andere als anziehend vor. „Danke, mir geht es bestens.“

Mick befühlte den Bluterguss an ihrer Wange. „Das da tut mir noch mehr leid.“

Bei seinem besorgten Ton wurde ihr innerlich ganz warm. Gerührt umfasste sie sein Handgelenk und drückte ihm einen Kuss auf die Handfläche. Wieder sah er überrascht aus und, wenn sie sich nicht sehr täuschte, irgendwie erregt. Sein Blick glühte, Farbe schoss ihm in die bleichen Wangen, und er starrte auf ihren Mund.

Del räusperte sich. „Ich habe mich kindisch benommen. Aber zuerst dachte ich, Sie gehörten zu den Dieben und wollten …“

„Schon gut.“ Er starrte noch immer auf ihren Mund, und es machte sie langsam nervös. „Verzeihen Sie mir, ich wollte Ihnen keine Angst einjagen.“

Er hatte für sie sein Leben riskiert und entschuldigte sich bei ihr? So ein Mensch war ihr noch nie begegnet. „Nein, ich muss Sie um Verzeihung bitten. Sie sind meinetwegen angeschossen worden.“

„Es ist nur eine Fleischwunde.“

Zack hüstelte, und Josh schnaubte.

Misstrauisch blickte Del zu den beiden hinüber. War die Verletzung ernster, als sie annahm? Die Schwester hatte sie doch als ungefährlich bezeichnet, oder?

Sie wandte sich wieder Mick zu. „Ich wollte Sie zwar unbedingt sprechen, aber das Warten war schrecklich. Ich wäre inzwischen gern nach Hause gefahren, um mich frisch zu machen, doch er …“, sie wies vorwurfsvoll auf Josh, „… hat mich nicht gelassen.“

„Schimpfen Sie nicht auf Josh“, nahm Mick ihn in Schutz. „Ich habe ihn gebeten, Sie festzuhalten.“

„Wirklich?“

„Ich hatte Angst, dass ich Sie nie mehr wieder sehen könnte.“

Das klang so nett, dass sie sogar ihre Bedenken wegen ihres Aussehens vergaß. „Das wäre mir nicht im Traum eingefallen!“, rief sie entrüstet. „Ich wäre ganz bestimmt zurückgekommen.“ Im nächsten Moment beugte sie sich über ihn und küsste ihn erneut, doch dieses Mal war er darauf vorbereitet und erwiderte ihren Kuss. Ganz kurz strich er mit der Zunge über ihre Lippen. Wow, dachte sie.

Sie war noch wie benommen, da hörte sie ihn leise sagen: „Ich möchte dich wiedersehen, Delilah.“

„Ich dich auch“, gestand sie ihm und hatte keine Scheu, ihn ebenfalls zu duzen. „Ich wünschte nur, ich könnte mich schnell ein wenig herrichten. Ich sehe bestimmt aus wie eine nasse Katze.“

Sein Blick glitt über ihr Gesicht. „Keineswegs. Du siehst wunderschön aus.“

Del fiel fast vom Bett. Noch ein paar solcher Komplimente, und sie würde noch mehr ins Schwitzen geraten.

Aber sie konnte ihm das Kompliment zurückgeben, denn er sah auch nicht gerade übel aus. Der dunkle Bartschatten verlieh ihm etwas Verwegenes. Er hatte dunkle, buschige Brauen und für einen Mann sehr lange Wimpern. Seine Nase war schmal und gerade, und seinen Mund konnte man nur als sinnlich bezeichnen. Und dieser Mann hatte sein Leben für sie riskiert. Es war ihr noch immer unbegreiflich.

Und es war das Aufregendste, was ihr je passiert war.

Ein Laken verhüllte seinen kräftigen Körper, und Del betrachtete die breite Brust und die langen Beine, die sich darunter abzeichneten. An seinen Füßen bauschte sich das Laken, und als ihr Blick höher glitt, begann es sich auch anderswo zu bauschen.

Sie schaute ihm in die Augen, erkannte das heiße Begehren darin und errötete. Ihm jedoch war es überhaupt nicht peinlich, er machte noch nicht einmal den Versuch, seine Reaktion zu verbergen.

Mick ergriff ihre Hand und begann sie zu streicheln. Als Del sich verstohlen nach Josh und Zack umsah, schaute der eine angestrengt aus dem Fenster und der andere zur Decke – nur nicht zum Bett. Warum blieben sie so beharrlich im Zimmer? Wahrscheinlich trauten sie ihr nicht über den Weg. Gut, Mick war verletzt, dennoch …

„Ist die Verletzung wirklich nicht gefährlich?“ Sie strich vorsichtig über seinen Arm. Eigenartig, diese Gefühle von Zärtlichkeit und Besorgnis, vermischt mit sehnsüchtigem Verlangen, waren ihr völlig neu. So war es ihr noch nie bei einem Mann ergangen. „Die Schwester meinte, du wärst bald wieder auf dem Damm.“

„Stimmt.“ Er lächelte. „Ich soll sogar schon morgen entlassen werden.“

Geräusche auf dem Flur kündigten die Ankunft weiterer Besucher an. Mick ließ hastig Dels Hand los und zupfte das Laken zurecht, da kamen auch schon ein Mann und eine Frau herein und eilten auf das Bett zu.

Del stand vom Bett auf und zog sich in eine Ecke zurück. Mick machte daraufhin ein unwilliges Gesicht, doch Josh beruhigte ihn sofort. „Keine Angst, ich passe auf sie auf“, versprach er und stellte sich zwischen Del und die Tür wie ein Wachhund.

Als ob ich jetzt noch davonlaufen würde, dachte sie, während sie die hübsche blonde Frau musterte, die Mick ausgiebig abküsste.

„Dem Himmel sei Dank, du hast keine ernsthaften Verletzungen!“, rief sie. „Dane ist die ganze Strecke gefahren wie der Teufel.“

Del gefiel das Ganze überhaupt nicht.

„Angel“, sagte Mick und grinste breit, „das wäre wirklich nicht nötig gewesen.“

„Aber du wurdest angeschossen“, erwiderte die blonde Frau.

Zack lachte. „Ich sagte dir doch am Telefon, dass es nicht schlimm ist.“

„Davon wollte ich mich selbst überzeugen.“

Josh verschränkte die Arme vor der Brust und lächelte amüsiert. Offenbar kannten sie sich alle. Del fühlte sich ausgeschlossen. „Der Arzt meint, er braucht nur einen Babysitter“, witzelte Josh.

Zack nickte. „Die Kugel hat keinen allzu großen Schaden angerichtet.“

Mit einem ironischen Augenzwinkern bemerkte Mick: „Was für ein Glück ich doch hatte.“

Ja, er hatte Glück. Schaudernd dachte Del an die Szene zurück. Wenn der Gangster nur ein bisschen höher gezielt hätte … Sie schloss die Augen. Mick hätte tot sein können.

Sie riss die Augen auf, als sie Angel sagen hörte: „Du kommst natürlich mit zu mir.“ Del hatte kein Recht, eifersüchtig zu sein, aber sie war es. Wer war diese schöne Frau, die Mick nach Belieben küssen durfte?

Und dann kam ihr der Verdacht, er könnte verheiratet sein.

Ihr Magen zog sich zusammen. Trug er einen Ehering? Sie versuchte, einen Blick auf seine Hand zu werfen, aber die beiden Besucher nahmen ihr die Sicht.

Der Mann neben Angel sagte: „Ja, die Kinder würden dich mit Begeisterung bedienen. Du weißt, sie vergöttern dich.“

Erleichtert atmete Del auf, als in diesem Moment ein weiteres Paar eintrat. Die Frau war ebenfalls sehr hübsch, und der Mann hatte einen Arm um sie gelegt. Also gehörten sie zusammen. Der Mann war groß und dunkelhaarig und wirkte irgendwie einschüchternd auf sie, aber die anderen schienen von ihm unbeeindruckt.

Mick verdrehte sogar scherzhaft die Augen. „Angel, hast du Alec und Celia auch hierher geschleppt?“

Angel streichelte seine Wange. „Sie waren gerade zu Besuch und wollten selbstverständlich mit.“

Der Raum barst schier vor hünenhaften Männern. Josh und Zack waren nicht gerade klein, aber gegen Danes und Alecs überwältigende Präsenz kamen sie nicht an.

Und Mick, obwohl er im Bett lag, besaß eine männliche Ausstrahlung, die man nicht ignorieren konnte.

Während Del die kleine Schar musterte, bemerkte Alec mit einem überraschend warmen Lächeln: „Das ist jetzt das zweite Mal, dass du angeschossen wurdest, Mick. Pass auf, dass es nicht zur Gewohnheit wird.“

„Ich will versuchen, mich zu bessern“, versprach Mick.

Alec verschränkte die Arme vor der Brust. Mit seiner tiefen Stimme fügte er hinzu: „Zack sagt, du hättest es direkt darauf angelegt. Lass das bitte, vor allem, wenn Celia in der Nähe ist.“

Celia, schlank und elegant, küsste Mick auf die Stirn. Für Dels Geschmack wurde hier zu viel geküsst, und es befanden sich zu viele Menschen im Zimmer. Sie wollte Mick für sich allein haben.

Doch das war nicht ihre Hauptsorge. Offenbar hatte Mick schon einmal eine Kugel abbekommen. Allerdings schien das niemanden sonderlich zu erschüttern.

„Wenn du zu Angel ziehen würdest“, sagte Celia jetzt, „könnten wir dich öfter besuchen.“

Del wusste, gleich würde Mick Angels Angebot annehmen, und sie hätte keine Chance mehr. Sie holte tief Luft und erklärte laut und deutlich: „Ich nehme ihn mit zu mir.“

Schlagartig herrschte Stille im Raum, und alle Augen richteten sich auf sie. Die beiden Paare starrten sie an wie eine Erscheinung.

Mick lächelte nur.

Del wurde es unbehaglich. So wie sie aussah, wirkte sie bestimmt wie eine Jahrmarktsattraktion. Aber sie war wild entschlossen. Sie trat aus ihrer Ecke hervor und drängte sich an Angel vorbei, die wieder Micks Stirn küsste. „Ich kümmere mich um ihn“, bekräftigte sie resolut.

Angel richtete sich auf und schaute in die Runde. „Wirklich?“

„Ja. Schließlich ist das Ganze meine Schuld.“

Alle sahen Mick an, die Männer amüsiert bis fasziniert, die Frauen skeptisch.

Ein bisschen hatte Del Angst vor Micks Antwort. Sie waren einander ja fremd, aber er hatte gesagt, dass er sie wieder sehen wollte. Wenn er mit ihr kam, war das die beste Gelegenheit. Und die Krankenpflege würde sie schon bewältigen.

Gespannt warteten alle auf Micks Entscheidung.

Er lächelte und brachte sogar ein leichtes Schulterzucken zustande. „Na bitte. Damit wäre das Problem ja gelöst.“

„Was weißt du von ihr?“, fragte Angel Josh. Beide hatten sie das Krankenzimmer verlassen und standen jetzt auf dem Flur vor Micks Tür.

„So gut wie nichts“, erwiderte Josh. „Aber Mick hat es böse erwischt.“

Erschrocken griff sich Angel an den Hals. „Die Kugel?“

Josh wusste, dass Angel quasi Mutterstelle bei Mick vertrat, obwohl sie nur neun Jahre älter war als er. Micks Mutter war längst verstorben, Angel und Dane waren gewissermaßen seine Familie. „Nein, ich meine, er hat sich verliebt. Er ist regelrecht besessen von dieser Frau.“

Angel war erleichtert. „Mick ist ein erwachsener, vernünftiger Mann. Er verliebt sich nicht so schnell.“

Das wusste Josh auch. Doch hier stand er vor einem Rätsel. Er schüttelte den Kopf. „Egal, wie du es nennst, er ist ihr spontan gefolgt und hat die Kugel abgefangen, ohne überhaupt ihren Namen zu kennen. Und seine erste Frage galt Delilah.“

„Das ist doch wunderbar.“ Angel stieß ihn in die Seite. „Sie sieht nett aus.“

Die Tür ging auf, und Dane kam aus dem Zimmer. „Junge, ist das eine Frau!“ Er stöhnte theatralisch. „Sie weicht nicht von seiner Seite. Nicht einmal, um nach Haus zu fahren und sich umzuziehen. Er wollte, dass wir sie begleiten, doch sie hat sich strikt geweigert …“

„Sie ist furchtbar eigensinnig“, erklärte Josh.

Dane grinste. „Ich glaube eher, sie ist eifersüchtig auf Angel.“

„So ein Unsinn!“, rief Angel aufgebracht. „Aber warum braucht sie überhaupt einen Leibwächter?“

Dane berichtete ihr von den merkwürdigen Umständen bei dem Überfall und Micks Besorgnis. „Ich vermute, er hat ihr nicht gesagt, dass er Polizist ist“, fügte er am Schluss hinzu. „Er versuchte, ihr zu erklären, dass sie gefährdet sei, aber sie hält das Ganze für Zufall. Ich habe den Eindruck, die Sache ist noch lange nicht ausgestanden.“

Josh starrte düster auf die geschlossene Tür. „Ich habe mehrere Stunden mit ihr zugebracht, und ich sage euch, sie ist ein Besen. Sie hat nur auf mir herumgehackt.“

Dane zog die Brauen hoch. „Lass mich raten. Du hast deine übliche Schau abgezogen, mit Flirten, Aufziehen und …“

„Herablassung“, warf Angel ein.

„Ich war sehr charmant!“

„Und sie ist zu helle, um darauf hereinzufallen“, fuhr Dane unbeirrt fort.

„Sie will immer ihren Kopf durchsetzen“, knurrte Josh, darüber verstimmt, dass er bei ihr nicht hatte landen können. „Mir ist sie zu kratzbürstig.“

Dane klopfte ihm auf die Schulter. „Vielleicht bringt dir das ein bisschen Bescheidenheit bei.“

Josh war an einer Lektion in Bescheidenheit nicht interessiert. Er kam mit Frauen bestens zurecht. Delilah Piper war eben nicht normal, wenn sie nicht auf seine Komplimente einging. Das war ihm noch nie passiert.

„Soll ich mal versuchen, sie da herausholen?“, bot Josh sich an.

„Das möchte ich erleben“, entgegnete Dane.

Josh war verunsichert. Vielleicht würde sie ihm irgendwohin treten. Sie war bereits fast tätlich geworden, als er sich weigerte, sie als Micks Frau auszugeben. Dieses Biest. „Ich gehe es diplomatisch an“, verkündete er und begab sich tapfer in die Höhle des Löwen.

Ein Blick auf Delilah genügte, um ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Was hatte sie, das Mick halb um den Verstand brachte? Sie war, gelinde gesagt, schlaksig. Ihre Arme und Beine waren lang, ihre Figur schlank, ihr Busen klein. Sie wirkte zart und zerbrechlich, wobei er nur zu gut wusste, dass es nicht so war. Allerdings musste er zugeben, dass sie einen süßen Po hatte.

Jetzt beäugte sie ihn, als hätte er kein Recht, bei seinem besten Freund zu sein. Er sah Alec an, und der zuckte bloß die Schultern. Celia schaute mit großen Augen ratlos umher. Keiner von ihnen war es gewohnt, Mick so hilflos zu sehen. Für gewöhnlich war er derjenige, der den Ton angab. Doch momentan wirkte er ziemlich entnervt.

„Bitte, Delilah, zieh dich um, und iss etwas“, begann Josh.

„Ich habe keinen Hunger, und an die durchgeschwitzten Sachen habe ich mich inzwischen gewöhnt.“ Es klang störrisch, aber mit einer Spur von Verzweiflung.

Celia schüttelte missbilligend den Kopf.

Mick war sichtlich erschöpft. „Ja, hör auf Josh. Ich brauche keinen Babysitter, Delilah.“

Jetzt reichte es, fand Josh. Mick war nicht in Form für endlose Diskussionen. „Natürlich brauchst du einen Babysitter“, sagte er und probierte es mit einer neuen Taktik. „Du warst so kindisch, dich anschießen zu lassen und ohnmächtig zu werden. Klar, dass sie dir jede Dummheit zutraut. Du würdest dir den Verband abreißen, nicht? Oder herumlaufen, bis du umfällst. Wenn sie nicht über dich wacht wie eine Glucke, würdest du vielleicht sogar …“

Wie erwartet, ging Del in die Luft. „Reden Sie nicht so mit ihm, Josh!“, fuhr sie ihn an.

Celia zuckte überrascht zusammen. Alec hustete, um sein Lachen zu überspielen. Zack, stets die Ruhe selbst, verfolgte das beginnende Duell mit Interesse.

„Warum weigern Sie sich dann so beharrlich, ihn allein zu lassen, damit Sie endlich aus Ihren verdreckten Sachen kommen?“, argumentierte Josh schlitzohrig. „Trauen Sie ihm kein bisschen Vernunft zu?“

Delilah bedachte ihn mit einem vernichtenden Blick und beugte sich über Mick. „Nur einen Moment, ich bin gleich wieder da“, sagte sie zuckersüß, richtete sich wieder auf und stürmte so wütend auf Josh zu, dass Celia und Alec erschrocken zur Seite sprangen. Wütend packte sie Josh am Arm und zerrte ihn zur Tür. Er warf noch Mick über die Schulter einen triumphierenden Blick zu, ehe die Tür hinter ihm zuschlug.

Als sie auf dem Flur erneut über ihn herfallen wollte, hielt er sie zurück, indem er ungalant sagte: „Sie brauchen jetzt wirklich eine Dusche, das riecht man.“

Sie wurde hochrot, senkte den Kopf und schnüffelte an sich herum. Dann zog sie die Nase kraus.

Josh hätte fast gelacht. In Wirklichkeit roch sie ganz angenehm nach Shampoo und Körperlotion. Und dann sorgte sie sich sehr um Mick, das musste er ihr zugutehalten. Deshalb sagte er versöhnlich: „Mick braucht Sie zwar, denn er sprach nur von Ihnen, aber er ist nicht gern von anderen abhängig. Möchten Sie denn die Beziehung so negativ anfangen?“

Sie starrte auf ihre schmutzigen Turnschuhe und murmelte: „Nein.“

So ein kleinlautes Stimmchen bei Delilah? „Und er will nicht, dass Sie allein fahren. Er ist bei Frauen sonst nicht so fürsorglich, also gehen Sie ein bisschen auf ihn ein.“

Sie überlegte eine Weile. „Na gut“, sagte sie dann, überraschend gefügig. „Wenn Sie meinen.“

Josh wollte den Schreckenstag beenden, heimgehen und eine normale Frau anrufen, die ihn ein wenig verwöhnte. Er hatte genug von dieser Kratzbürste, die ihn wie einen geschlechtslosen Wurm behandelte. Doch seinem Freund zuliebe raffte er sich zu einem letzten Opfer auf. „Okay, ich begleite Sie.“

Das undankbare Geschöpf fragte: „Kann Zack mich nicht fahren?“

Josh zählte im Stillen bis zehn. „Nein. Zack hat eine vierjährige Tochter, er muss nach Hause.“

„Oh.“ Ihr war sein Angebot offenbar ebenfalls zuwider. „Vielleicht könnte dann Alec oder Dane mich nach Hause bringen.“

Er sollte das Weite suchen und Mick die Verhandlungen überlassen. Stattdessen hörte er sich sagen: „Dane und Alec sind zwei Stunden lang hergefahren und möchten lieber bei Mick bleiben, als Sie in der Gegend umherzukutschieren.“

Sie hob trotzig das Kinn. „Ich kann den Bus nehmen …“

„Und Mick würde sich Sorgen machen“, fiel er ihr ins Wort. „Jemand hat es auf Sie abgesehen, Lady.“ So hatte er zumindest Mick verstanden. „Sie waren Zeugin eines Raubüberfalls. Auch wenn Sie der Polizei sagten, dass Sie niemanden erkannt haben, sind Sie in Gefahr.“ Und ungeduldig fügte er hinzu: „Ich rede auch kein Wort mehr. Ich schaue Sie nicht einmal an, wenn Sie das beruhigt.“

„Ich habe ja nichts gegen Sie. Ich fühle mich nur irgendwie schuldig.“

Josh, der seine Chance witterte, ergriff ihren Arm und schob sie zum Krankenzimmer zurück. „Sie müssen sich nicht schuldig fühlen. Schließlich können Sie ja nichts dafür, dass die Kerle auftauchten“, meinte er besänftigend. „Und jetzt verabschieden Sie sich.“

„Danke.“ Sie nickte und lächelte ihn zaghaft an. Das Lächeln traf einen Nerv bei ihm, und zum ersten Mal bekam er eine Ahnung davon, was Mick an dieser Frau fand.

Kaum hatten sie das Zimmer betreten, war Josh vergessen. Del eilte zu Mick ans Bett und erklärte: „Josh fährt mich jetzt nach Hause. Ich beeile mich.“

Verblüfft über ihren plötzlichen Sinneswandel, sah Mick Josh an. Der zwinkerte ihm zu. Jawohl, er hatte es geschafft, sein Zauber hatte gewirkt. „Keine Sorge, Mick“, sagte er, „ich weiche nicht von ihrer Seite.“

Sowohl Delilah als auch Mick runzelten die Stirn. Sie hielt seine Überwachung für überflüssig, und ihm war diese Anhänglichkeit auch wieder nicht recht.

„Du brauchst dich nicht zu beeilen, Delilah“, sagte Mick, aber Josh wusste, dass er das Gegenteil meinte. Dieser eifersüchtige Narr.

Delilah küsste Mick noch einmal. „Ich gebe der Schwester für alle Fälle meine Telefonnummer.“ Dann wandte sie sich an Josh. „Können wir?“

„Moment. Ich möchte noch kurz etwas mit Mick besprechen. Allein.“

Sichtlich unwillig verließ sie den Raum, während Angel und Dane wieder hereinkamen. Alle versammelten sich um das Bett.

„Jetzt, wo sie draußen ist, lasst mich kurz meine Informationen loswerden“, begann Josh. „Die Bande konnte fliehen, und die Polizei hat noch keinen Anhaltspunkt. Aber der Kerl, den du erwischt hast, war so blöd und trug einen Ausweis bei sich. Er heißt Rudy Glasgow und ist noch bewusstlos.“ Er zögerte. „Es sieht nicht gut für ihn aus“, setzte er dann hinzu.

Mick seufzte. „An meinem Schuss ins Bein kann es nicht liegen. War es der Sturz?“

„Ja. Es hat ihn böse am Kopf getroffen. Die Ärzte wissen nicht, wann er zu sich kommt und verhört werden kann – wenn überhaupt.“

Mick fluchte unterdrückt. „Wenn Delilah heute Nacht allein bleibt …“

Dane hob beschwichtigend die Hand. „Wir passen auf sie auf.“

Josh folgerte daraus, dass Dane und Alec sie die Nacht über bewachen würden. Das würde ihr gar nicht gefallen, aber die beiden betrieben zusammen eine Detektei und waren so erfahren, dass sie es vermutlich nicht einmal bemerkte.

Nachdenklich fragte Alec: „Glaubt ihr, der Überfall war eine Finte? Dass es ihnen eigentlich um Delilah ging?“

„Sie haben auf ihren Kopf gezielt“, entgegnete Mick und beschrieb dann den Hergang in allen Einzelheiten. „Sie haben keinen von den anderen bedroht. Sie haben die gar nicht mal beachtet“, endete er.

„Warum ausgerechnet sie?“, wollte Dane wissen.

„Keine Ahnung. Meiner Meinung nach war sie ein ganz normaler Kunde, genau wie das Ehepaar.“ Doch er hatte offenbar seine Zweifel.

„Ich gehe jetzt lieber, sonst läuft sie mir noch davon“, sagte Josh.

„Hat sie denn ein Auto hier?“, fragte Mick beunruhigt.

„Nein, aber glaub mir, das wäre für sie kein Hindernis. Mach dich auf einiges gefasst, Mick, sie ist unheimlich starrsinnig.“ Er drückte Micks gesunde Schulter. „Halt dich tapfer, bis wir wieder da sind.“

„Und du lässt sie nicht aus den Augen?“

„Nur wenn sie duscht.“ Er grinste, als Mick ihn finster anstarrte. Köstlich, wie besitzergreifend Mick auf einmal war. „Keine Angst, ich bringe sie dir gesund und munter zurück.“

3. KAPITEL

Mick sah Josh nach, und obwohl er seinem Freund vertraute, verwünschte er seine Verletzung, die ihn ans Bett fesselte. „Sie hätte tot sein können“, murmelte er vor sich hin.

Angel nahm sich einen Stuhl und setzte sich neben ihn. „Wirst du deshalb mit zu ihr gehen? Um sie zu schützen?“

Er nickte, doch er wusste, dass er noch andere Gründe hatte. Bei keiner Frau hatte er bisher Feuer gefangen, und nun war es ihm, als brenne er lichterloh.

Warum wollte jemand sie umbringen?

Mick dachte daran, wie sie sich im Geschäft umgesehen und die Männer sogar angelächelt hatte. Es war ihm harmlos erschienen.

Zack kam ins Zimmer, eine Schwester im Schlepptau. Sie verabreichte Mick ein Beruhigungsmittel, und Minuten später ebbten die Schmerzen ab, und eine Gliederschwere setzte ein.

Aber Mick wollte einen klaren Kopf behalten. „Ich will wissen, was dahinter steckt“, begann er wieder.

„Entspann dich erst einmal“, sagte Dane. „Du kannst jetzt sowieso nichts unternehmen.“

„Ich muss meinen Sergeant anrufen, er soll mich auf dem Laufenden halten. Und ich muss mit der Oberschwester reden. Ich muss …“

Angel legte ihm einen Finger auf den Mund. „Pst. Du musst jetzt schlafen. Du willst doch fit sein, wenn Delilah zurückkommt, oder?“

Alec zog die Brauen hoch. „Ich wette, er wird sich keine Minute ihrer Gegenwart entgehen lassen wollen.“

Mick dachte an Delilahs Mut, ihre Besorgnis um ihn und daran, wie sie ihn geküsst hatte. Ja, er wollte keine Sekunde mit ihr verpassen.

Im nächsten Moment war er eingeschlafen.

Mick erwachte von einem leisen Klicken. Im Raum war es dunkel, bis auf ein schwaches Licht in der Ecke. Er ärgerte sich, weil er so lange geschlafen hatte. Es gab so viel zu überdenken und zu erledigen. Vor allem aber wollte er mehr über Delilah erfahren.

Das Geräusch hielt an, leicht und schnell. Mit unterdrücktem Stöhnen drehte er den Kopf. Und da sah er sie. Sie saß auf dem einzigen Stuhl im Zimmer, einen Laptop auf den Knien.

Die Schwester hatte ihr ein Kissen und eine Decke gebracht, der Stuhl konnte offenbar in eine Liege verwandelt werden. Delilah hatte sich das Kissen in den Rücken gestopft und die Decke über die Armlehne gelegt.

Ihr frisch gewaschenes dunkles Haar fiel ihr offen auf die Schultern. Das Licht vom Bildschirm umgab sie mit einem weichen blauen Schein. Ihr Blick wirkte geheimnisvoll und konzentriert. Mick beobachtete sie mit wachsender Begierde, sein Puls ging schneller.

Sie trug eine bequeme Jeans und ein winziges schneeweißes T-Shirt, das ihr gerade mal bis zur Taille reichte. Ihre Sandalen lagen unter dem Stuhl, die nackten Füße hatte sie auf das Schränkchen unter dem Fenster gelegt, auf dem zwei große Blumensträuße standen – wahrscheinlich von Celia und Angel.

Delilahs schlanke Beine erschienen ihm endlos. In seinem halb wachen Zustand stellte er sich vor, wie sie sich fest um seine Taille schlangen, während er sie liebte. Sein Blick ging an den unglaublich langen Beinen hoch, und er fantasierte, wie er ihre Hüften anhob, ihre Schenkel weit spreizte und ihre geheimsten Stellen mit Lippen und Zunge verwöhnte, bis sie vor Lust aufschrie.

Er stöhnte, und Delilah zuckte zusammen, wobei ihr der Laptop fast zu Boden gefallen wäre. „Mick!“

Hitze breitete sich in seinem Körper aus. Er war in diesem Moment so erregt, dass es schmerzte, und dabei hatte er sie nur angesehen. Wie würde es erst sein, wenn er sie wirklich in den Armen hielt?

Er schluckte und fragte vorsichtig: „Ich nehme an, du willst mich jetzt nicht noch einmal küssen, oder?“

Sie stellte den Computer auf den Boden und stand auf. „Ich hoffe, du fandest mich vorhin nicht allzu aufdringlich. Aber deine Heldentat hat mich überwältigt.“

„Und deshalb hast du mich geküsst?“

Sie zog eine Braue hoch und meinte halb im Ernst: „In meiner Euphorie hätte ich dich stundenlang küssen können.“

Das Dämmerlicht verlieh ihrem Körper sehr reizvolle Konturen. „Bist du immer so direkt?“

Sie zuckte die Achseln.

„Zu mir kannst du immer ganz offen sein, okay?“

Sie nickte. „Du hast mir das Leben gerettet, und als ich dich hier liegen sah, musste ich dich einfach küssen.“

Das war nicht das, was Mick hören wollte. „Dann war es also aus Dankbarkeit?“

„Ja … nein. Ich weiß nicht.“ Verunsichert schob sie sich das Haar hinters Ohr. „Es war irgendwie gut, dich zu berühren.“

Das konnte er nachvollziehen. Sie zu berühren war auch gut. Mit ihr zu schlafen wäre noch besser. Er könnte auf der Stelle damit anfangen, aber jetzt, wo sie allein waren, blieb sie abwartend, fast distanziert. Sie war nicht mehr angriffslustig, denn es gab nichts zu verteidigen.

Noch nie hatte ihn eine Frau verteidigt, außer Angel, aber das war lange her.

„Sind die anderen gegangen?“

„Ja. Celia und Angel haben mir ihre Nummer vom Hotel gegeben, da kannst du sie erreichen. Alec meinte, du hättest seine Handynummer, falls du überprüfen willst, ob er im Dienst ist. Was immer das bedeutet.“

Mick verstand sofort. Alec würde warten, bis Delilah zu Hause war, und sie beschatten. Es gab keinen Besseren dafür als Alec Sharpe. Mick war enorm erleichtert.

Da er schwieg, wies sie auf die Blumen. „Die Frauen haben sie dir gebracht.“

„Wie nett.“

„Sind das Freundinnen von dir?“

„Eher so etwas wie Verwandte. Aber ohne die Lasten, die Familienbande mit sich bringen.“

„Aha.“ Seine Antwort schien sie zu verwirren und zugleich zu beruhigen. „Zack und Josh melden sich morgen früh.“

„Das dachte ich mir.“ Sie stand jetzt vor seinem Bett, barfüßig und nervös, und Mick hatte Muße, sie ausgiebig zu betrachten. Die weite Jeans saß locker auf ihren Hüften und gab einen hellen Streifen Haut frei. Er sah sogar flüchtig ihren Nabel, und augenblicklich wurde sein Mund trocken. Er blickte auf ihre Brüste und musste unwillkürlich lächeln. Sie waren in der Tat klein, aber so sexy, dass er sie nur zu gern gestreichelt hätte.

Er wollte Del ganz nahe bei sich haben, also versuchte er es noch einmal. „Fandest du es schön, mich zu küssen?“

„Doch.“ Sie biss sie sich auf die Unterlippe, faltete die Hände und trat verlegen von einem Fuß auf den anderen. „Aber denk bitte nicht, bloß weil du so nett warst und mich beschützt hast, müsstest du mir auch …“ Sie unterbrach sich.

„Müsste ich was?“ Heimlich amüsierte er sich, denn er ahnte, was in ihr vorging. Doch er wollte es von ihr hören.

„Du weißt schon … mir schmeicheln.“

„Aber ich möchte es.“

„Wirklich?“

Er war erregt und wusste sich keine Abhilfe. „Komm zu mir, Delilah“, bat er und klopfte auf die Bettkante.

Gehorsam setzte sie sich. „Soll ich dich jetzt küssen?“

Da er sie nicht bedrängen wollte, rührte er sich nicht. Sie sollte so freizügig sein wie vorhin und sich das nehmen, was sie wollte – und wann sie wollte. Gab es eine reizvollere Männerfantasie als eine kühne Frau, die ihre erotischen Wünsche genau kannte und sie auch auslebte?

Mit erzwungener Ruhe erwiderte er leise: „Das würde mir gefallen.“

„Brauchst du vorher noch etwas?“ Sie sah ihn besorgt an. „Schmerztabletten? Etwas zu trinken?“

Ich brauche nur dich, dachte er. „Nein.“

Vorsichtig legte sie ihm eine Hand auf die Brust. „Du bist so heiß“, flüsterte sie und schob die Finger in den Ausschnitt seines Klinikhemds. „Ich habe dich beobachtet, während du geschlafen hast.“ Sie sah ihm in die Augen. „Ich musste meinen Laptop herausholen, um mich abzulenken, sonst hätte ich dich gestreichelt. Ich wollte dich ja nicht wecken.“

Micks Reaktion war eine heftige Hitzewallung. Die Vorstellung, dass sie ihn im Schlaf beobachtet hatte, war irrsinnig aufregend.

Sie strich ihm über den Hals, die verletzte Schulter und legte ihm dann die Hand wieder auf die Brust. „Ich finde“, flüsterte sie, „dass du der aufregendste Mann bist, den ich je gesehen habe.“

Wären sie nicht in einem Krankenzimmer gewesen, wo die Schwestern ein und aus gingen, hätte er Delilah auf der Stelle gepackt und an sich gezogen. Er drehte sich auf die Seite, spürte den Schmerz in der Schulter und fluchte.

Sie wandte sich ab, goss ihm etwas Wasser in einen Becher mit Trinkhalm und reichte ihn ihm. „Trink, das hilft.“

Da wüsste er etwas Besseres, doch brav trank er das kühle Wasser und hoffte, es würde seine Hitze lindern. Es war der helle Wahnsinn, eine Frau dermaßen stark zu begehren.

Delilah stellte den Becher ab und legte ihm wieder die Hand auf die Brust. „Dein Herz schlägt so schnell.“

„Ich bin verrückt nach dir“, sagte er. Das war etwas plump, doch etwas anderes fiel ihm nicht ein. Nicht, solange sie ihn berührte.

Ihre Augen funkelten, und ihre Lippen umspielte ein triumphierendes Lächeln. „Sex ist verboten, bis du geheilt bist.“

Das „bis“, klang sehr verheißungsvoll und brachte seinen Puls zum Rasen. Sie würde mit ihm schlafen. Als wollte sie ein Versprechen besiegeln, beugte sie sich zu ihm herunter und berührte seinen Mund mit den Lippen. Doch ehe Mick reagieren konnte, war der Kuss schon vorbei.

„Mehr“, bat Mick.

Sie sah auf seinen Mund, kam näher und strich mit der Zungenspitze über seine Unterlippe. „Magst du das?“, hauchte sie.

Mick antwortete mit einem Stöhnen.

Sie richtete sich wieder auf und fragte unvermittelt: „Du bist doch nicht verheiratet oder so?“

„Nein.“

„Weißt du, anfangs befürchtete ich, Angel oder Celia …“

„Nein.“ Er hob den gesunden Arm und berührte ihr Haar. Es fühlte sich warm und weich an. „Ich liebe dein Haar. Es ist wunderschön.“ Er vergrub die Finger darin und zog ihren Kopf wieder zu sich herunter.

„Danke fürs Kompliment“, sagte sie höflich und gab ihm den ersehnten Kuss.

Ein stechender Schmerz durchfuhr Mick, doch er achtete nicht darauf. „Mach deinen Mund auf.“

Sie tat es, und er glitt mit der Zunge hinein. Hingebungsvoll kostete er ihre Wärme, ihren einzigartigen Geschmack.

Er stöhnte wieder.

Delilah löste sich sofort von ihm und strich ihm über die Wange. „Hab ich dir wehgetan?“

Er riss sich zusammen. „Ach was.“

„Ich bin auch nicht verheiratet oder mit jemandem zusammen.“

Mick, noch immer ganz benommen vom Kuss, zog verständnislos die Augenbrauen hoch. „Das solltest du vielleicht wissen“, versuchte sie zu erklären. „Ich meine, wenn wir das machen.“

„Was das?“ Er sog tief ihren Duft ein. Er wollte darin eintauchen, bis ihrer beider Duft sich vermischte.

„Na, Sex und so.“ Wieder holte sie Luft, doch ihr Blick war fest. „Ich denke, darauf läuft es hinaus. In meiner Wohnung habe ich dich ganz für mich, und ich mag dich. Ich nehme an, du magst mich auch.“

Mick konnte kaum glauben, was sie da sagte. Noch keine Frau hatte ihm so klar zu verstehen gegeben, dass sie auf eine Affäre mit ihm aus war. Andere Frauen flirteten, wagten sich vor und zogen sich wieder zurück.

Delilah hingegen preschte immer weiter vor.

„Was machst du beruflich?“, wollte sie jetzt wissen, ohne sich um seine Verblüffung zu kümmern. „Ich kenne niemanden, der mit einer Pistole herumläuft und auf Leute schießt.“

Er hätte mit der Frage rechnen müssen. Nun überlegte er angestrengt. Doch nach ihrer Ankündigung, dass sie eine Affäre mit ihm wollte, konnte er noch immer keinen klaren Gedanken fassen.

„Mick?“, fragte sie, als er mit der Antwort zögerte.

Er wollte ihr die Wahrheit sagen, aber er wusste nichts von ihr, außer, dass sie einen Todfeind hatte. Er wusste auch, dass sie etwas exzentrisch war, aufrichtig, eigensinnig und dann wieder unerwartet schüchtern. Und er wusste, dass sie nicht sehr auf ihre Umgebung achtete. Ach ja, und dass sie ihn mochte.

Seine angeborene Vorsicht siegte. Er dachte an Alec und Dane und sagte: „Ich bin Privatdetektiv.“

Sie machte große Augen. „Im Ernst?“

Ihre Überraschung wirkte so komisch, dass er lächelte. „Ja.“ Die Beziehung mit einer Lüge zu beginnen war ihm nicht recht, aber es ging nicht anders. Sobald der Fall geklärt wäre, würde er alles richtig stellen, und sie würde ihm die Notlüge verzeihen.

„Wow.“ Aufgeregt rückte sie etwas näher an ihn heran. „Dann kannst du mir ja ein paar Auskünfte geben.“

Mick widerstand erneut der Versuchung, sie ins Bett zu ziehen. „Wozu?“

Sie wies auf den Laptop. „Ich schreibe. Da bin ich ständig auf der Suche nach Informationen, am besten aus erster Hand.“

Eine Autorin? Deshalb also benahm sie sich so eigenartig. „Und was schreibst du?“

„Krimis.“ Sie zwinkerte ihm zu. „Aber lustige und mit einer Liebesgeschichte darin.“

Jetzt machte Mick „wow“. Dann fragte er: „Hast du schon etwas veröffentlicht?“

„Na klar.“

Sie sagte das so gelassen, als wäre gar nichts dabei. Mick hatte noch nie eine Schriftstellerin getroffen, und nun wollte er sogar mit einer ins Bett gehen. „Wie viele Romane denn?“

„Vier bis jetzt. Und zwei sind in Arbeit. Ich habe demnächst Abgabetermin.“

„Wie alt bist du eigentlich?“ Er fand, sie sah viel zu jung aus, um überhaupt ein Buch geschrieben zu haben, geschweige denn vier.

Sie grinste. „Fast sechsundzwanzig. Mein erstes Buch erschien, als ich dreiundzwanzig war.“

Mick sah sie plötzlich mit ganz anderen Augen. Eine Krimi-Autorin. Verwundert schüttelte er den Kopf. Und er gab sich als Detektiv aus. Die perfekte Mischung. „Donnerwetter. Darf ich irgendwann eins von deinen Büchern lesen?“

„Natürlich. Ich habe von allen Belegexemplare zu Hause. Übrigens, ich bin jetzt mit meinem Auto hier, damit ich dich morgen früh gleich mitnehmen kann. Das passte deinem Freund Josh gar nicht. Er wollte sich bei dir beschweren, aber du hast geschlafen.“

Mick schloss die Augen. Irgendein Verrückter trachtete ihr nach dem Leben, und sie fuhr allein durch die Gegend. Er konnte Joshs Verärgerung verstehen. „Delilah.“

„Del.“

„Wie bitte?“ Er öffnete die Augen und starrte sie an.

„Wenn wir Freunde sein wollen, musst du mich so nennen.“

„Del?“ Für Mick klang das wie ein Männername.

Sie zuckte mit den Schultern. „Ja. Nur mein Vater nannte mich Delilah und das auch nur dann, wenn er auf mich wütend war.“

Mick hätte gern mehr über ihre Angehörigen gewusst, doch das hatte Zeit bis später. In strengem Ton erklärte er: „Josh hatte recht, du bist in Gefahr. Du solltest nicht allein unterwegs sein, bis ich …“ Er hielt sich gerade noch zurück und sagte: „Bis die Polizei den Fall aufgeklärt hat.“

Sie machte eine abfällige Geste mit der Hand und legte sie ihm dann wie unabsichtlich auf den Bauch. Ihre Berührung trieb ihn fast aus dem Bett. Jeder Muskel spannte sich an. So schlimm hatte es ihn noch nie erwischt.

Wenn sie mit ihren Fingern nur ein kleines Stück tiefer rutschte, würde es ihm vielleicht helfen. Er schloss die Augen und stellte sich vor, wie ihre weiche, warme Hand ihn intim streichelte.

„Ich glaube nicht“, sagte sie und blickte nachdenklich auf ihre Hand, „dass sie wirklich auf mich zielten. Warum sollten sie?“ Sie sah ihm jetzt ins Gesicht und hielt zum Glück ihre Hand still. „Sie waren vermutlich nervös und suchten irgendein Ziel.“

In Mick brodelte eine explosive Mischung aus Begehren, Frustration und Beschützerinstinkt. „Und da hätten sie ausgerechnet dich gewählt, eine hübsche junge Frau? Auf mich wirkten sie nicht sonderlich nervös, sondern eher entschlossen.“

Sie spreizte die Finger und runzelte die Stirn. „Meinst du? Das ist mir gar nicht aufgefallen.“

Ihr kleiner Finger war nur Zentimeter vom sensibelsten Teil seines Körpers entfernt. Mick war versucht, sich ihrer Hand entgegenzudrängen. „Du bist diejenige, die sie beschuldigten, den Alarm ausgelöst zu haben, obwohl du dich nicht von der Stelle gerührt hattest“, sagte er gepresst. „Woher kam die Polizei auf einmal? Haben sie dir das erzählt?“, hakte er nach, weil er merkte, dass ihn das Thema ein wenig ablenkte.

Gedankenverloren starrte sie auf seine bandagierte Schulter. „Der Beamte, der mich verhört hat, sagte, ein Passant hätte die Revolver der Männer bemerkt und über sein Handy die Polizei angerufen.“

Mick berührte ihre nackte Taille. Ihre Haut war warm und glatt, ihre Muskeln fest. „Sag mal, hast du einen von den Männern erkannt? Kam dir irgendetwas bekannt vor?“

„Natürlich nicht.“ Sie schaute wieder auf ihre Hand und bemerkte jetzt seine Erregung. Mick konnte direkt ihre Gedanken lesen. Instinktiv verspannte er sich, was ihn vor Schmerz laut stöhnen ließ. „Du hast es wirklich schwer“, sagte sie mitfühlend.

Er hätte am liebsten aufgestöhnt vor Qual, sie gebeten, ihn zu streicheln, schnell und heftig, damit sie ihn endlich erlöste. „Delilah …“

„Del“, korrigierte sie ihn wieder und begann, ihre Hand langsam nach unten zu schieben.

Mick packte ihr Handgelenk. „Mir geht es ganz erbärmlich“, keuchte er. „Und wenn du mich jetzt berührst, kann ich für nichts garantieren.“

Sie legte den Kopf schräg und sah ihn an, als würde sie nicht verstehen, was er meinte. Immerhin hielt sie ihre Hand still, aber vielleicht nur, weil er sie festhielt.

„Begreif doch.“ Er war erregter als mit fünfzehn beim ersten Anblick einer nackten Frau. Er biss die Zähne zusammen. „Ich bin sonst nicht so.“

Ihr Blick aus halb geschlossen Augen war mitfühlend, zärtlich. „Ja, du bist es nicht gewohnt, hilflos im Bett zu liegen.“

„Das ist es nicht. Du bist schuld. Ich begehre dich, und das vom ersten Moment an.“

Das Geständnis schmeichelte ihr sichtlich. „Wirklich? Schon im Laden?“

Damit er wieder klar denken konnte, nahm er entschlossen ihre Hand von seinem Bauch und legte sie sich auf die Brust. „Nein, eher. Ich habe dich schon vor zwei Wochen gesehen. Das war in der Nähe eines Mietshauses, das mir gehört. Du bist zur Post gegangen.“

Sie zog die Stirn kraus. „Ich habe dich nicht bemerkt.“ Bekümmert setzte sie hinzu: „Wahrscheinlich war ich gerade am Planen, dann bin ich immer geistesabwesend.“

Ihm fiel ein, wie aufmerksam sie sich im Juwelierladen umgesehen hatte. „Was hast du geplant.“

„Na, einen neuen Roman“, gab sie wie selbstverständlich zurück. „Du hast mich also schon vor zwei Wochen gesehen?“

„Und seitdem öfter. Ich esse gern bei Marco’s, und du …“

„Ich jogge gern dort in der Gegend.“ Ihr Lächeln war hinreißend. „Wenn ich kurz vor einem Abgabetermin stehe, brauche ich viel frische Luft zum Nachdenken. Aber du bist mir nie aufgefallen.“

„Ich habe dich fast jeden Tag beobachtet. Und als du heute in das Geschäft gegangen bist, beschloss ich, endlich deine Bekanntschaft zu machen.“

„Und hast dabei gleich dein Leben riskiert“, sagte sie bekümmert.

In diesem Moment kam die Schwester mit dem Essenswagen herein. Geistesgegenwärtig langte Delilah nach dem Kissen aus ihrem Stuhl und warf es auf Micks Schoß.

„Sie sind der gesündeste Kranke, den wir auf der Station haben“, bemerkte die Schwester munter.

Mick war nicht zum Plaudern aufgelegt. „Ach ja?“, entgegnete er nur und sah dabei Del an.

„Bestimmt. Ich wünschte, jeder wäre in so einer guten körperlichen Verfassung wie Sie.“

Del verschluckte sich und hustete. „Ich will nicht stören.“ Sie schaltete ihren Laptop aus und stellte ihn aufs Fensterbrett. Dann wandte sie sich an Mick. „Ich gehe hinunter ins Café und hole uns etwas zu essen. Du hast während des Abendessens geschlafen.“

„Ich kann Ihnen noch mehr bringen lassen“, bot die Schwester an.

Del beugte sich über Mick und flüsterte: „Das Essen sah eklig aus. Sag, du willst nichts.“

Die Schwester lächelte. „Im Café gibt es gute Sandwiches, und Sie sind ja nicht auf Diät gesetzt.“

„Okay“, sagte Del. „Wir machen ein Picknick.“

Bevor er sie ermahnen konnte, vorsichtig zu sein, war sie schon draußen. Mick sank in die Kissen zurück, der Schmerz in seiner Schulter hatte wieder zugenommen. Die Schwester bot ihm zusätzliche Tabletten an, doch er lehnte ab. Er wollte hellwach sein für Delilah Piper. Sonst würde sie womöglich noch seine Hilflosigkeit ausnutzen und ihn sexuell belästigen. Er grinste diebisch. Er war ganz begierig darauf.

Die Schwester versorgte ihn, erneuerte seinen Verband und reichte ihm auf seine Bitte hin das Telefon.

Er rief Josh an. Eine Frau nahm ab – nichts Ungewöhnliches –, und Mick hörte eine Matratze knarren, bevor Josh an den Apparat ging. „Dein Anruf bedeutet, dass du dich entweder viel besser oder viel schlechter fühlst.“

„Viel besser“, entgegnete Mick. „Kannst du mir morgen ein paar Sachen bringen? Die Schwester meinte, ich werden gegen elf entlassen.“

„Sicher. Aber ich muss früh kommen, ich habe um acht Dienst.“ Josh war bei der Feuerwehr und hatte Blockdienst. Seine freien Tage verbrachte er meistens in weiblicher Gesellschaft.

„Wenn es dir nicht passt, frage ich Zack.“

„Nein, kein Problem. Ich wollte sowieso nachsehen, ob dein Schwarm dich nicht abgemurkst hat.“

„Du magst sie nicht?“ Joshs Meinung war ihm nicht wirklich wichtig, er war nur neugierig.

„Sagen wir mal, sie ist ungewöhnlich.“

Allerdings, dachte Mick.

„Und sie hat mich eiskalt abblitzen lassen.“

Mick grinste. Das war etwas Neues für Josh.

„Sie ist gewöhnungsbedürftig. Aber sie ist offenbar genauso verrückt nach dir wie du nach ihr, und darauf kommt es ja letztlich an.“ Mick vernahm erstickte Laute, als jemand Josh den Hörer entriss und er darum rangeln musste. „Einen Moment“, ächzte Josh.

Mick lachte leise. „Lass dir Zeit.“

„Bin schon da. Also, was brauchst du? Jeans, Unterwäsche zum Wechseln und ein paar Hemden?“

„Ja. Du findest dich bestimmt in meiner Wohnung zurecht. Gute Nacht dann.“

„Halt, warte. Ich wollte dir noch sagen, dass Alec in deiner Nähe bleibt und auf seinen Einsatz wartet.“

Mick fand das zartfühlend ausgedrückt. „Danke, ich rufe ihn sofort an.“ Er legte auf und wählte rasch Alecs Nummer. Delilah konnte jede Minute zurückkommen.

„Sharpe.“

„Mick hier. Wo bist du?“

„Im Auto unten auf dem Parkplatz.“

„Mann, ist mir das unangenehm.“

Mick spürte das Lächeln in Alecs Stimme, als dieser sagte: „Celia ist bei mir.“

Mick lächelte ebenfalls. Die beiden schmusten bestimmt wie Teenager. Alec war ein harter Bursche, aber bei Celia wurde er lammfromm. „Geht doch solange irgendwohin, und ich rufe an, wenn ich dich brauche.“

Die Tür ging auf, und Delilah kam herein, beladen mit Tüten und Pappbechern mit einem dampfenden Getränk. Sie setzte alles auf dem Nachttisch ab und erkundigte sich: „Ist das Josh am Apparat?“

„Nein, äh … Alec.“

„Alec?“ Sie war verblüfft, aber nicht lange. „Sag ihm, er kann nach Hause fahren und ins Bett gehen. Ich übernachte hier bei dir und benötige keinen Leibwächter.“

Mick wollte protestieren. „Delilah …“

„Del.“ Sie setzte sich auf die Bettkante und nahm ihm den Hörer aus der Hand. „Ich bleibe heute Nacht hier. Trotzdem, danke für die Mühe.“

Damit legte sie auf.

4. KAPITEL

Um zehn verabschiedete der Arzt Mick und gab ihm eine Reihe von Verhaltensmaßregeln mit. Del hörte aufmerksam zu. Sie war zuversichtlich, dass sie alles richtig machen würde.

Angel und Celia hatten heute Morgen noch kurz hereingeschaut, und da die beiden quasi zur Familie gehörten, hatte Dels Eifersucht sich gelegt.

Unseligerweise war auch Josh in aller Frühe aufgetaucht. Sie schlief noch, als er ankam, und hatte beim Aufwachen als Erstes seine missbilligende Miene vor Augen. Er tat, als hätte sie Mick die Nacht über belästigt, dieser eingebildete Mensch.

Jetzt war sie wieder allein mit Mick, der, bereits fertig angezogen, unruhig auf und ab ging und auf den vorgeschriebenen Rollstuhl wartete. Er wirkte angegriffen, und sie konnte es nicht erwarten, ihn rundum zu verwöhnen. Doch sie ahnte, dass er damit seine Schwierigkeiten hätte.

„Wohnen deine Freunde in der Nähe?“

Zerstreut blickte er auf. Mit dem Arm in der Schlinge und den zusammengekniffenen Augen ähnelte er einem Piraten. „Es sind etwa zwei Stunden Fahrt. Sie kommen mich bestimmt am Wochenende besuchen.“ Er musterte sie. „Ist das ein Problem?“

„Aber nein.

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