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TIFFANY HOT & SEXY BAND 61

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Eine Nacht ist nie genug

1. KAPITEL

Samantha O’Connel versuchte, eine Nachricht ihrer neuesten Teilzeitkraft zu entziffern. Tina Albert studierte genau wie sechs andere Mitarbeiter ihres Unternehmens SOC Electronics am MIT, dem Massachusetts Institute of Technology.

Tina war gescheit, witzig, sehr engagiert – und hatte eine fast unleserliche Handschrift. Samantha rieb sich die Augen und unternahm noch einen Versuch. Vielleicht wäre ihr das Lesen dieser Hieroglyphen leichter gefallen, wenn sie gestern nicht – wieder einmal – bis Mitternacht gearbeitet hätte. Zudem hatte sie das Abendessen ausfallen lassen.

Im Alter von zwanzig Jahren war wenig Schlaf noch kein Problem gewesen. Am nächsten Morgen war sie dennoch erholt aufgewacht. Inzwischen war sie neun Jahre älter geworden und sollte besser auf ihre Gesundheit achten.

Ah. Die Nachricht war eine Erinnerung daran, dass die neue Festplatte ins Smart-Apartment geliefert worden war. Leider käme Samantha erst frühestens nächste Woche dazu, diese zu installieren. Genau wie Clark, der seit dem Abschlussjahr auf dem MIT ihr Assistent war. Aber ihn hätte sie ohnehin nicht darum gebeten.

Das Apartment im Geschäftsviertel Bostons – ein Prototyp – war allein ihr Projekt. Sie hatte es gekauft und die gesamte Elektronik dafür entworfen. Zum Glück war die neue Festplatte nicht nötig, damit das Apartment funktionierte. Allerdings hätte Samantha damit die Sensorprobleme lösen können, die sie auf den Logdateien bemerkt hatte.

Bisher war das Apartment ein unglaublicher Erfolg, es musste nur noch optimiert werden. Noch hatten keine zahlenden Gäste darin gewohnt, sondern nur einige Freunde und Familienmitglieder. Jeder von ihnen hatte das Apartment bewertet und Verbesserungsvorschläge gemacht – manche davon waren wirklich gut. Aber Samantha hatte zu viel zu tun, um sich ihrem komplizierten Hobby zu widmen.

Leider war es die einzige Freizeitbeschäftigung, die sie wirklich fesselte. Neben Computerspielen und dem dazugehörenden Cosplay, bei dem Teilnehmer Figuren aus japanischen Comics und Zeichentrickfilmen, Computerspielen oder Filmen durch Kostüme und Verhalten möglichst originalgetreu darstellten. Beides hatte den Grundstein für ihre rasante Karriere gelegt.

In den vergangenen vier Jahren hatte sie mit ihrer neuen Sensortechnologie die Spyware revolutioniert und einen millionenschweren Vertrag mit dem US-amerikanischen Verteidigungsministerium unterschrieben. Das richtig große Geld hatte ihr jedoch die Entwicklung von zwei verschiedenen Datenschutzprogrammen zur Abwehr von Hackerangriffen eingebracht.

Allerdings dachte Samantha kaum daran, wie reich sie geworden war. Sie war mit ihrem kleinen Haus und den großen Unternehmensbüros in einem ehemaligen Lagergebäude zufrieden. Beide befanden sich auf aneinandergrenzenden Grundstücken im Stadtteil Bay Village in Innenstadtnähe Bostons.

Zudem schien das Bild der erfolgreichen Unternehmerin nicht zu ihr zu passen. Am liebsten spielte sie „Ms. Pac-Man“ auf dem Arcade – Automaten aus den Siebzigerjahren, der noch immer in ihrem Wohnzimmer stand.

Durch ihren großen Erfolg benötigte sie inzwischen mehr Personal für administrative Aufgaben, Kundenbetreuung, um neue Geräte und Ausrüstungsteile zu testen und Betriebsanleitungen zu schreiben. Mit Ausnahme von Tina arbeiteten alle Studenten unter Clarks Aufsicht im ersten Stock.

Samantha hatte kaum Kontakt zu ihnen. Denn sie war nicht besonders gesellig. Schon auf der Highschool hatte sie lieber allein gearbeitet. Nach dem Collegeabschluss hatte sie die Jobangebote von Google, Apple oder Microsoft abgelehnt und entschieden, das zu tun, was sie liebte.

Also hatte sie im Alter von noch nicht einmal zwanzig Jahren SOC Electronics gegründet. SOC stand nicht nur für ihre Initialen, sondern war auch das Kürzel für ein Computerwundergerät namens System On Chip, das alle Komponenten eines Computers auf einem einzigen Chip zusammenfasste.

Am Anfang war es ihr nicht leichtgefallen, mit Clark zusammenzuarbeiten. Doch inzwischen waren sie ein eingespieltes Team. Sie war für neue Technologien, Softwareentwicklungen und Problemlösungen verantwortlich – ihr Assistent für den Rest.

Seufzend griff Samantha nach ihrem Handy, um die Alarmfunktion auf zwanzig Uhr einzustellen. Dann würde sie aufhören zu arbeiten, auch wenn sie ihr heutiges Pensum noch nicht erledigt hätte. Spätestens um elf Uhr wollte sie im Bett liegen und schlafen.

In diesem Moment blinkte eine neue Nachricht auf dem Display. Es war nur Clark, der sich Aufmerksamkeit verschaffen wollte. Samantha nahm die iPod-Kopfhörer aus den Ohren und drehte sich um.

Ihr Assistent ging an den großen Bildschirmarbeitsplätzen vorbei und blieb vor ihr stehen. „Ich muss eine Besorgung machen. Brauchst du irgend …?“

„Einen Teller mit Falafel und Schawarma mit Baba Ghanoush.“

„Um diese Zeit? Hast du eine Ahnung, wie lange ich brauche, um vor dem Falafel King einen Parkplatz zu finden?“, fragte er griesgrämig.

„Gib es zu, Clark“, meinte sie lächelnd. „Du hast auch Appetit auf Falafel.“

„Ja, verdammt. Aber du gibst die Bestellung auf.“

„In Ordnung.“ Nachdem er sich auf den Weg gemacht hatte, stöpselte Samantha die Kopfhörer wieder in die Ohren und ging zu ihrem Zeichentisch. Für den Fall, dass Clark sich wieder meldete, legte sie das Handy in Sichtweite.

Dann sah sie sich das Schaltbild des Nanolaufwerks noch einmal an. Es gab immer noch ein Problem, das sie lösen musste. Wie üblich fing sie mit der Überprüfung in der Mitte des Schaltbildes an. Sie konzentrierte sich, bis sie im Flow war, und hoffte auf einen Geistesblitz. Ihre Methode hatte die Professoren immer wahnsinnig gemacht.

Zum ungünstigsten Zeitpunkt leuchtete das Handydisplay auf. „Clark“, grummelte sie. „Was ist?“

„Puh. Was für eine Begrüßung.“

Es war nicht Clark. Aber es konnte nicht … Matthew Wilkinson. Matt? Matt! Sie hatte seine Stimme schon sehr lange nicht mehr gehört. Die Welt schien einen Moment lang stillzustehen. Ihr Puls raste. Er war ihre erste – ihre allererste – Liebe gewesen und hatte ihr das Herz gebrochen.

Matt war damals auf dem MIT einer ihrer besten Freunde gewesen. Sie hatte mit dem Studium angefangen, als sie vierzehn Jahre alt gewesen war. Also waren all ihre Freunde vier oder fünf Jahre älter und zufällig alle männlich gewesen. Sie hatten gleiche Interessen wie Videospiele, Comics und schlechte Horrorfilme gehabt. Die jungen Männer hatten sie beschützt und geneckt.

„Hallo? Bist du noch dran?“

„Äh … Hallo, Matt.“

„Alles in Ordnung?“

„Mir ist nur gerade mein Bleistift heruntergefallen. Entschuldige.“

„Ich weiß, dass es ewig her ist. Wie geht es dir, Sammy?“

Sie schmolz dahin. Niemand außer Matt nannte sie Sammy. Ihr stieg die Hitze in die Wangen. Sie war froh, dass keiner da war, der sie sehen konnte. Sie musste das Gespräch beenden. Ihr ging einfach zu viel im Kopf herum. Ihm zu sagen, dass sie ihn zurückriefe, war alles, was sie tun musste. „Mir … Mir geht es … Gut. Besser.“

„Besser? Ist etwas passiert?“

„Nein. Nicht in dem Sinn. Nein. Nur … Nein. Es ist nichts passiert. Ich bin nur reicher geworden.“

Matt lachte. „Das habe ich mir schon gedacht, nachdem ich gelesen habe, wie erfolgreich du bist.“

Samantha war emotional total aufgewühlt. Es war nicht fair, dass er aus heiterem Himmel anrief. Schließlich hatte sie so lange gebraucht, um über ihn hinwegzukommen. „Wie geht es dir?“, fragte sie betont fröhlich. Seine Antwort sollte ihr einen Moment Zeit zum Nachdenken verschaffen.

„Gut. Allerdings habe ich einen Jetlag. Ich bin gerade aus Tokio zurückgekommen, wo ich einen langweiligen Vertrag ausgehandelt habe.“

Seine Stimme klang noch genauso wie früher. Sie wollte sich unter ihre Bettdecke kuscheln und eine Woche lang von ihm träumen. „Du bist immer noch gern Anwalt, richtig?“

„Nun, es gibt gute und schlechte Tage. Aber: Ja.“

„Und du wohnst in New York?“ Sollte sie wissen, wo er wohnt? Oh, du meine Güte. Warum unterhielt sie sich noch immer mit Matt? Samantha war zugleich erleichtert und enttäuscht, als er die Frage bejahte. Es wäre ihr Untergang, wenn er zurück nach Boston gezogen wäre.

„Übrigens hat Logan sich gestern Abend bei mir gemeldet.“

Logan gehörte zu der Collegeclique, die immer hinter ihr gestanden hatte. „Ich habe ihn im Juni getroffen.“

„Ja, ich weiß. Er hat gesagt, dass man sich dein verrücktes Apartment keinesfalls entgehen lassen sollte. Ich bin ein bisschen gekränkt, dass ich nicht eingeladen wurde, um es zu testen.“

Mein schlimmster Albtraum! Samantha unterdrückte ein Stöhnen. „Wir haben nicht mehr miteinander geredet, seitdem du … Unglaublich lang. Ich wusste nicht …“ Sie stockte. Matt rettete sie, wie schon so oft, wenn sie nach den richtigen Worten gesucht hatte.

„Das stimmt.“ Er seufzte. „Ich schiebe es auf die vielen Reisen. Und meine Ehe. Oder meine Scheidung. Eher auf beides. Aber ich habe an dich gedacht. Insbesondere immer dann, wenn ich zufällig einen Artikel über noch eine brillante Erfindung von dir gelesen habe. Ehrlich gesagt, habe ich geglaubt, dass du nur ans Telefon gehst, wenn Stephen Hawking anruft.“

„Ich kenne Hawking nicht einmal. Er ruft nie an.“

„Schreibt er dir auch nie? Mistkerl.“

Sie lächelte und entspannte sich ein wenig. Doch ihr Herz raste noch immer. „Ich bin dieselbe Samantha geblieben“, versicherte sie mehr sich als ihm. „Am Telefon stelle ich mich immer noch furchtbar an – und ich spiele noch immer ‚World of Warcraft‘.“

„Dem Himmel sei Dank“, freute sich Matt. „Ich fände es schrecklich, wenn du nicht mehr du wärst. Nein, das stimmt nicht. Wir alle verändern uns. Du hast dich bestimmt auch verändert. Tatsache ist, dass du eine sagenhafte Karriere hinlegst.“

„Ich habe Anwälte, einen Finanzberater und einen Geschäftsführer. Sie kümmern sich um die geschäftlichen Angelegenheiten. Ich rede wie eh und je nur mit den Computerfreaks.“

„Ich freue mich für dich. Wirklich. Hör mal, ich komme für etwa eine Woche nach Boston und möchte gern in diesem Smart-Apartment wohnen. Wenigstens für ein paar Tage. Und vor allem will ich dich treffen.“

Er wollte sie treffen? Warum? „Okay“, sagte Samantha, weil sie eine Idiotin war. Weil es Matt war und ihr der Kopf schwirrte. „Wann kommst du?“

„In drei Tagen.“

„Oh. Wow. Ich muss wegen der Planung Clark fragen, wenn er zurückkommt. Er ist für all diese Dinge zuständig und im Moment unterwegs. Er ruft dich an.“

„Ich bekomme dich zu sehen, richtig?“, vergewisserte sich Matt.

Nein. Sie konnte ihn nicht treffen. Nicht in einer Million Jahre. „Ja. Natürlich. Ich muss einige Termine einhalten. Aber … Du weißt schon.“ Sie hörte ihn leise und liebevoll lachen. Das war es, was ihn so gefährlich machte.

Matt war reich, blitzgescheit, sah blendend aus und konnte jede Frau haben, die er wollte. Und er war ihr Freund. Das Problem war, dass sie sich kurz nach Mitternacht an ihrem sechzehnten Geburtstag in ihn verknallt hatte. Jetzt wurde ihr bewusst, dass sie diesen albernen Wunschtraum nie wirklich ad acta gelegt hatte. Was für ein Mist!

„Ich bin froh, dass Clark noch immer dein Assistent ist.“

„Ja. Ohne ihn wäre ich aufgeschmissen.“ Sie schwiegen beide einen Augenblick lang. Samantha schluckte.

„Ich freue mich darauf, dich zu sehen. Okay. Ich lasse dich jetzt wieder arbeiten. Sag mir Bescheid wegen des Apartments.“

„Abgemacht.“ Nachdem das Gespräch beendet war, legte sie das Handy zurück an seinen Platz. Sie hatte Herzklopfen. Sie konnte Matt nicht treffen. Meine Güte, sie konnte nicht. Aber was wäre, wenn?

Matt trank einen Schluck Whiskey und genoss den atemberaubenden Blick auf die Skyline von New York City, den sein Penthouse im dreiundvierzigsten Stock bot. Seine Asienreise als Unternehmensjurist für Wilkinson Holdings – eines der weltweiten Top-100-Unternehmen – hatte zwei lange Monate gedauert. Doch sie hatte sich gelohnt.

Er hatte einen guten Kaufpreis für Voyager Hotels, eine internationale Hotelkette, ausgehandelt – was ihm bei der bevorstehenden Vorstandssitzung hoffentlich zugutekäme. Da WH ein Familienunternehmen – seiner Familie – war, glaubten einige Vorstandsmitglieder, dass jeder seiner Erfolge irgendwie von seinem Vater und seinen beiden Onkeln manipuliert worden wäre.

Jetzt war die Zeit für seinen nächsten Schritt auf der Karriereleiter gekommen: die Leitung der Niederlassung in London. Um diese Position übernehmen zu können, war Matt sogar bereit, das Spiel mitzuspielen, das ihm sein Vater beigebracht hatte.

Doch zunächst musste er sich ein paar Tage lang erholen. Die jährliche Benefizgala für das Kinderkrankenhaus in Boston stand bevor. Es war ein großartiger Anlass, aber immer eine lästige Pflicht. Zwei Tage danach fand in der Unternehmenszentrale in Boston die jährliche Vorstandssitzung statt.

Viel lieber dachte er an seinen bevorstehenden Miniurlaub in Boston, wo er im Stadtteil Beacon Hill geboren und aufgewachsen war. Er hatte im Vorort Cambridge auf dem MIT und der Harvard University studiert, und er hatte viele Freunde, die in der Stadt wohnten.

Doch die Einzige, die er diesmal gern treffen wollte, war Samantha. An sie dachte er, seitdem ihm sein Kumpel Logan McCabe von ihr und dem Smart-Apartment erzählt hatte. Danach hatte er sie sofort angerufen.

Es war toll gewesen, ihre Stimme zu hören. Logan hatte ihm erzählt, dass sie sich als sehr erfolgreiche Unternehmerin etabliert hatte und immer noch Workaholic war. Matt hatte gewusst, dass sie eines Tages zu den ganz Großen in ihrem Metier zählen würde, seitdem er sich mit ihr die ersten Male auf dem MIT unterhalten hatte.

Er hatte im Internet einige Fotos von ihr gesehen, von denen keines besonders gut gewesen war. Anscheinend war sie noch immer kamerascheu. Wahrscheinlich wegen der Sommersprossen auf ihrer Nase. Denn sie glaubte, dass diese braunen Sprenkel und ihre kupferroten Haare sie hässlich machten.

Verdammt, Matt konnte es kaum erwarten, sie zu sehen. Nach dem Collegeabschluss war er aus dem Haus abseits des Campus gezogen, in dem die Clique gewohnt hatte. Anschließend hatte er sein Studium auf der Jurafakultät begonnen, und Samantha hatte auf den Abschluss ihres weiterführenden Studiums hingearbeitet.

Sie hatten beide sehr viel zu tun gehabt. Daher hatte sich ihre Kommunikation schließlich auf ein paar SMS reduziert. Nachdem er Vanessa geheiratet hatte, war der Kontakt abgebrochen.

Er hatte das Gefühl gehabt, das Richtige zu tun. Auch wenn er nicht genau wusste, warum. Damals hatte er Samantha nicht sonderlich beachtet. Sie war fünf Jahre jünger und so viel intelligenter als er. Er war in dieser Hinsicht auch kein Leichtgewicht. Aber sie war ein anderes Kaliber.

Auf dem MIT hatten Samantha, Logan, Rick und er wie Pech und Schwefel zusammengehalten. Als Jüngste hatte sie den Beschützerinstinkt bei ihm und seinen beiden Kumpel geweckt. Also hatten sie ein Auge auf Samantha gehabt und ihr sogar ein paarmal auf dem Campus den Rücken freigehalten.

Samantha hatte sie damals nie merken lassen, dass sie ihnen intellektuell überlegen war. Trotzdem waren sie nicht in der Lage gewesen, ihre komplexen Studien zu verstehen. Das war auch nicht nötig gewesen. Ihre Noten oder solche Dinge hatten nie eine Rolle gespielt. Sie hatten sich mit Horrorfilmen und Computerspielen vergnügt und viel zusammen gelacht.

Matt trank den letzten Schluck Whiskey und dachte an die Nacht auf dem College, in der er es sich mit Samantha vermasselt hatte. Natürlich hatte er, wie viele andere Studenten, einige Dummheiten begangen. Wobei diese die schlimmste gewesen war.

Danach hatte sich ihr Verhältnis geändert – und er hatte begriffen, wie viel klüger es war, sich nicht zu betrinken. Doch all das war lange her. Jetzt hatte er die Gelegenheit, sie wieder neu kennenzulernen. Zumindest hoffte er es. Sie hatte eher zurückhaltend geklungen. Andererseits war das bei Samantha schwer einzuschätzen. Er hatte vergessen gehabt, wie ungern sie telefonierte.

Matt lächelte. Ja, er konnte es kaum erwarten, sie wiederzusehen. Über die alten Zeiten zu reden und sich gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen würde Spaß pur sein.

Im Smart-Apartment sah Samantha aus dem Fenster. Sie lehnte mit einer Schulter an der Wand, damit Matt sie nicht entdeckte, wenn er einträfe. Sie hatte schlecht geschlafen und heute Morgen fast alle Kleidungsstücke aus ihrem Schrank anprobiert. Abgesehen von den Sweatshirts, T-Shirts und Leggings, die den Großteil ihrer Garderobe ausmachten.

Sie wollte gut aussehen. Doch in den wenigen Kleidern, die sie sich für Konferenzen und Geschäftstreffen zugelegt hatte, war sie sich wie eine Hochstaplerin vorgekommen. Als Kompromiss hatte sie sich für eine edle Stoffhose und ihr schönstes T-Shirt entschieden. Sie hatte es auf der San Diego Comic-Con erstanden, der jährlichen internationalen Comic-Veranstaltung. Es war blau, hatte lange Ärmel und verdeckte die Sommersprossen auf ihren Armen.

Was hatte sie sich bei diesem ganzen Aufwand nur gedacht? Nun, Matt träfe heute – jede Minute – ein, und sie händigte ihm den Schlüssel aus. Sie hatte sofort Nein gesagt, als Clark sich dafür angeboten hatte.

Oh, du meine Güte. Matt. Er war hier. In diesem Moment stieg er aus einem Taxi. Ihr Herz raste. Sie hatte Schmetterlinge im Bauch – und bekam Panik. Warum nur hatte sie es nicht Clark überlassen, ihm diesen verdammten Schlüssel zu geben?

Samantha beobachtete ihn, als er aufs Haus zuging. Er hatte breitere Schultern als früher. Die schwarze Jeans, der grauen Pullover mit V-Ausschnitt und die dunkle Wildlederjacke ließen ihn größer als 1,83 m wirken. Er hatte einen großen Rollkoffer und einen Kleidersack dabei. Wie lange wollte er hierbleiben?

Sie zuckte zusammen, als er an der Apartmenttür klingelte. Wollte er einen Händedruck zur Begrüßung? Nein, er wollte eine Umarmung. Warum machte sie sich einen solchen Stress? Das war Matt. Sie waren wie Geschwister. Abgesehen von dem einen Mal … Mist. Warum musste sie jetzt daran denken?

Schließlich straffte Samantha die Schultern und öffnete die Tür. Mann, o Mann. Seine braunen Augen und der perfekt geschnittene Mund waren noch dieselben. Dennoch sah er so viel besser aus als in ihrer Erinnerung. Er lächelte sie an. Ein Prickeln überlief sie. Dieses jungenhafte Grinsen kannte sie. Er konnte sehr ernst und düster wirken. Aber wenn er so grinste, wurde er zum Charmebolzen.

„Wow“, staunte Matt. „Du siehst toll aus.“

„Ich?“ Sie deutete auf ihn. „Du …“

„Sehe noch genauso aus. Nur älter.“ Er wartete. „Kann ich hereinkommen?“

„Natürlich.“ Samantha trat schnell zur Seite und war nicht enttäuscht, dass die Umarmung ausblieb. Umarmungen waren übertrieben. Sie hatten sich seit Jahren nicht gesehen. Sie schloss die Tür und konzentrierte sich auf sein Lächeln. Auch wenn es sie ewig in ihren Träumen verfolgen würde.

Matt stellte sein Gepäck ab und betrachtete Samantha, die sich zu ihm umdrehte. Die kupferroten, langen Haare fielen ihr über die Schultern. Sie war jetzt eine Frau und hatte weibliche Rundungen und Kurven bekommen. Aber dieses T-Shirt von der Comic-Con war Sammy pur.

Er konnte es nicht fassen. Die Fotos im Internet waren ihr absolut gerecht geworden. Sie war keine Schönheit in dem Sinn. Sie hätte noch ein paar Pfund auf den Rippen vertragen können, und ihr Lächeln war ein wenig schief. Allerdings hatte sie fantastische grüne Augen, die wie Smaragde glitzerten.

Sie war alles, was er immer an Sammy gemocht hatte. Doch jetzt strahlte sie zusätzlich eine weibliche Anmut aus, die nur die Zeit und Erfahrung mit sich brachten. Er konnte keinen weiteren Moment warten. „Komm her.“ Er streckte die Arme aus und trat den ersten Schritt auf sie zu.

Sie errötete, folgte aber seiner Aufforderung. Dann hielt er sie in seinen Armen. Eine Sekunde später fuhr sie unter seine Jacke und schlang die Arme um seine Taille. Es war nicht die Umarmung, die Matt vom MIT gewöhnt war. Sie hatten sich nie so aneinandergeschmiegt und einen Augenblick lang festgehalten. Sein Herz schlug schneller. Verdammt, sie duftete gut.

Er löste sich von ihr. Sofort ließ auch sie ihn los. Er war noch nicht bereit, völlig die Finger von ihr zu lassen. Er legte die Hände auf ihre Schultern und musterte sie von oben bis unten. „Logan hatte recht. Du hast dich zu einer tollen Frau entwickelt.“

Stirnrunzelnd trat sie einen Schritt zurück. „Lass die Schmeicheleien, Matt. Das brauche ich nicht.“

„Du glaubst, dass ich es nicht ernst meine?“

„Ich weiß, dass ich okay bin. Aber ich bin nicht … Ich bin gut in Form, weil ich es für besser halte, wenn ich regelmäßig jogge. Dabei geht es mir nicht … Nun, um etwas anderes.“

„Gut, dass du fit bist. Ich habe nicht gelogen. Ich finde dich schön. Das ist die Wahrheit.“

„In Ordnung.“ Samantha errötete. „Das ist nur fair. Ich finde dich auch schön.“

Matt lachte. „Ich hoffe, das Wort, nach dem du gesucht hast, war gut aussehend.“

„Gut aussehend. Verdammt gut aussehend. Höllisch heiß. Zum Anbeißen …“

„Okay. Das reicht.“ Er schmunzelte. Wie hatte er vergessen können, dass sie Logan, Rick und ihn mit ihrem riesigen Wortschatz manchmal in den Wahnsinn getrieben hatte? „He. Du bist viel größer geworden. Wann ist das passiert?“

„Ich habe Schuhe mit hohen Absätzen an.“ Sie hob das rechte Bein, um ihm den Schuh zu zeigen. „Wie auch immer. Hier ist der Apartmentschlüssel.“

Matt nahm den Schlüssel entgegen. Warum wirkt sie plötzlich so nervös?

Samantha drehte sich um und machte eine weit ausholende Geste. „Das Apartment ist immer noch ein Prototyp. Ich muss noch ein paar Tücken der Technik beheben.“ Sie ging voran in die Küche. „Der Kühlschrank und die Vorratskammer sind gefüllt. Bedien dich nach Herzenslust.“

Sie nahm eine Broschüre, die auf der Küchentheke lag. „Hier drin findest du alle Informationen. Inklusive den Kontaktdaten von Köchen, die zum Kochen herkommen oder dir Gerichte auf Bestellung bringen. Und von Restaurants mit Lieferservice. Der Masseur ist fantastisch. Besonders die Sportmassage. Und falls du noch Fragen oder irgendwelche Probleme hast …“

„Hast du dich von ihm massieren lassen?“

„Was? Natürlich nicht.“

„Du hast erzählt, dass er fantastisch ist.“

„Ich kann herausfinden, zu welchem Arzt du gehen sollst, wenn du eine vergrößerte Prostata hast. Das heißt nicht, dass ich über persönliche Erfahrungen verfüge.“

Matt lachte laut. Wie er das vermisst hatte! Samantha hatte noch nie wie jeder andere Mensch gedacht. Zum Glück hatte sich daran nichts geändert. „Verstanden.“

„Wie gesagt: Wenn du irgendwelche Fragen hast, ruf einfach im Büro an. Clark kennt das Apartment wie seine Westentasche.“

Verwirrt sah er auf die Broschüre, die sie ihm in die Hand gedrückt hatte. Als er wieder hochsah, war sie im Begriff zu gehen. Er bekam gerade noch ihr Handgelenk zu fassen. „Wohin gehst du? Ich will, dass du mich herumführst.“

„Die Arbeit wartet. Außerdem sind Rick und Logan auch gut ohne mich zurechtgekommen.“

„Nun, sie mussten auch nicht darum bitten, hierher eingeladen zu werden. Also, Sammy, meine Freundin, du zeigst mir jetzt, wo ich die nächsten paar Tage verbringen werde.“

Sie warf einen Blick über die Schulter. „Für ein paar Tage hast du ziemlich viel Gepäck dabei, Matt.“

„Du weißt, dass hier der Sitz der Unternehmenszentrale ist. Der jährliche Vorstandszirkus steht an, und ich komme direkt vom Flughafen.“

„Wirklich?“

Als er geistesabwesend mit dem Daumen über ihr Handgelenk strich, bemerkte er, dass ihr Puls nach oben schnellte. Samantha entzog ihm ihren Arm. „Ein halbe Stunde. Das ist nicht so lange, nicht wahr? Anschließend kannst du zu deiner Arbeit zurückkehren.“

Sie seufzte tief. „Also gut. Dann kommt jetzt die erste Lektion.“ Sie drehte sich mit dem Gesicht vor die Wohnzimmerwand und sagte: „Ruf Clark an.“ Sofort erschien eine Bildschirmgrafik an der Wand.

„Ja?“, meldete Clark sich.

„Ich brauche eine halbe Stunde länger als geplant.“

„Okay. Aber häng bloß nicht die Zeit heute Abend dran. Du brauchst wirklich ein paar Stunden Schlaf. Nimm eine Schlaftablette oder mach Yoga, um zur Ruhe zu kommen. Was auch immer.“

„Abgemacht.“

Clark nickte Matt kurz zu, wandte sich dann wieder an Samantha und zeigte auf seinen Schreibtisch. „Ich stecke mitten in diesem Projekt.“

„Ende des Gesprächs“, entgegnete Samantha.

Missfällt Clark, dass ich sie von der Arbeit abhalte? „Ich wollte gerade Hallo sagen“, meinte Matt.

„Das nächste Mal. Meine Güte, er ist schlimmer als meine Mutter.“

„Aber ihr beide kommt gut miteinander klar, richtig?“

„Ja“, meinte Samantha zögernd. „Wir sind perfekt aufeinander eingespielt und haben gerade mit Tina eine neue Assistentin bekommen.“

„Ist irgendetwas zwischen dir und Clark passiert?“

„Was meinst du?“

„Hast du schon einmal etwas von Liebe am Arbeitsplatz gehört?“

„Mit Clark?“, fragte Samantha entgeistert. „Nein. Igitt. Er ist wie ein Bruder für mich.“

„Es war ja nur eine Frage.“ Matt freute sich über ihre Reaktion. Aber was kümmerte ihn das eigentlich? Er mochte Clark. Es wäre eine gute Sache, wenn Clark und Samantha ein Paar wären. Also, was, zum Teufel …

„Soll ich dich jetzt herumführen oder nicht?“

„Geh vor.“

„Also: Das ist das Wohnzimmer. Wenn du ein Feuer im Kamin haben willst, sag es einfach, und es brennt. Du kannst jede Wand im Haus für einen Anruf benutzen.“ Samantha blieb unvermittelt stehen. Er prallte fast auf sie und legte ihr die Hand aufs Kreuz. Sie erstarrte. „Entschuldige.“

„Mein Fehler. Bist du in Ordnung?“ Als sie nickte und sich sichtlich entspannte, nahm Matt die Hand weg. Er bemerkte, dass die vorher weißen Wände wie von Zauberhand lila wurden. Er drehte sich um. Auch die Wände im Flur waren jetzt in Lilanuancen getaucht. Es war faszinierend. „Ist das deine Technologie?“

„Die Farben? Ja, das ist in allen Zimmern so.“

„Was verursacht den Farbwechsel?“

Samantha räusperte sich. „Die Wände haben Sensoren, mit denen sie die Körpertemperaturen der Menschen im Zimmer wahrnehmen. Außerdem auch noch andere Faktoren wie die Atmung, klangliche Eigenschaften, das Gangbild. Die Sensoren müssen noch optimiert werden – wie vieles andere hier.“

„Das ist unglaublich.“ Matt drehte sich langsam um die eigene Achse. „Ich kann jetzt schon sehen, wie effektiv solche Wände sein können. In besonderen Gefährdungslagen, in Krankenhäusern … Zum Teufel, auch in Wohnhäusern und Hotels. Das ist eine große Sache. Auch diese Monitore. Das Potenzial ist grenzenlos.“

„Das sind alles nur Prototypen. Du hast wahrscheinlich schon in einigen der besten Hotels weltweit gewohnt. Sag mir am Ende deines Aufenthalts, wie das Apartment im Vergleich dazu abschneidet, ja?“

Er nickte, als sie ihn zurück in die Luxusküche führte und ihm erklärte, wie die Bestellung von Mahlzeiten funktionierte. Zur Not sähe er in der Broschüre nach. Er war nicht wegen der genialen elektronischen Ausstattung hier. Abgesehen von der Tatsache, dass Sammy sie geschaffen hatte.

Dieses Apartment war ihr Steckenpferd. Das war nicht zu übersehen. Ihre grünen Augen funkelten vor Begeisterung. Sie sprach schneller, wenn sie die Annehmlichkeiten beschrieb. Matt liebte es, ihr zuzuhören und sie anzusehen.

Das war Sammy. Das Mädchen, an das er sich erinnerte. Die Schuhe mit den hohen Absätzen waren jedoch eine Überraschung. Er erinnerte sich daran, dass sie früher nur zweimal solche Schuhe getragen und dann zu unpassenden Zeitpunkten abgestreift hatte. Sie hatte gesagt, dass ihre Füße sie fast umbrächten.

Jetzt führte sie ihn zum Schlafzimmer. Im Flur wurden die violetten Wände noch dunkler. Als sie das Schlafzimmer betraten, stieg die Farbe wie dunkle Rauchschwaden die Wände hoch.

„Oh, Mist. Ich habe etwas vergessen.“ Sie drehte sich um, ging an ihm vorbei und verließ hastig das Zimmer.

Matt folgte ihr zurück in den Flur. „Was ist?“

„Nichts. Alles ist gut. Es dauert nur eine Minute. Du kannst schon mal dein Gepäck ins Schlafzimmer bringen.“

„Sollte ich beunruhigt sein?“ Die Wände im Flur waren jetzt scharlachrot. Plötzlich lag ein Knistern in der Luft, das ihn irgendwie antörnte. Was er nicht wollte. So eine Beziehung hatten Samantha und er nicht.

„Du musst mir nicht folgen“, meinte sie über die Schulter.

„Warte einfach eine Sekunde, ja? Sag mir, was los ist.“

„Bring dein Gepäck ins Schlafzimmer. Jetzt wäre gut.“

Völlig verwirrt blieb Matt stehen und beobachtete, dass Samantha in der Küche in die Speisekammer ging und die Tür hinter sich schloss. „Brauchst du einen Keks?“

„Geh und bring dein Gepäck weg.“

Ihre gedämpfte Stimme klang gestresst. „Bist du krank? Du kannst es mir sagen.“

„Matthew. Geh weg.“

„In Ordnung.“ Er ging ins Wohnzimmer und stellte sich neben die Couch. Hier hatte er die Tür zur Speisekammer im Blick. Irgendwo plätscherte ein Springbrunnen. Außerdem bemerkte er, dass es im Zimmer sehr gut duftete. Törnte ihn dieser Duft so an?

Oder lag es vielleicht an den Farben der Wände? Aber warum wollte Samantha ihn auf Touren bringen? Die Vorstellung machte ihm nicht annähernd so zu schaffen, wie sie es sollte. Dennoch ergab all das keinen Sinn.

Die Minuten verstrichen. Dennoch hielt Matt die Stellung. Falls sie krank war, wollte er zur Verfügung stehen. Obwohl jemand in so einem Fall ins Bad ginge. Sammy war allerdings immer ihren eigenen Weg gegangen.

Plötzlich wurden die Wände wieder weiß. Alle auf einmal. Es war hochdramatisch – und ein wenig beängstigend. „Sammy?“

2. KAPITEL

Samantha beendete das Programm und steckte ihr Handy ein. Hoffentlich hatte sie die verdammten Stimmungssensoren jetzt im Griff. Sie öffnete die Tür. Matt stand neben dem Eingang zur Küche und starrte sie an.

„Ist alles in Ordnung?“

„Ja. Was soll sein?“ Schulterzuckend tat sie so, als wäre es keine große Sache, dass sie sich in die Speisekammer zurückgezogen hatte. Er ging an ihr vorbei in die Speisekammer, sah sich um und kam mit einer Schachtel Ingwerkekse zurück. „Es ging nur um meine Arbeit“, meinte sie. „Das Wandfarbenprogramm hat nicht richtig funktioniert.“

„Verstehe.“ Er öffnete die Schachtel mit den Keksen und hielt sie ihr hin.

Samantha nahm sich ein paar Kekse. „Wie auch immer.“

„Isst du mit mir zu Abend?“

„Was?“

„Abendessen. Mit mir.“

„Ich muss zurück an die Arbeit. Ein dringender Termin.“

Matt nickte. „Wie wäre es, wenn ich das Abendessen besorge und dann damit zu dir ins Büro fahre? Ich bleibe auch nicht lange. Nur für einen kurzen Rundgang und ein noch kürzeres Abendessen.“

„Nein.“ Ihr Puls schlug schneller. „Ich muss wirklich arbeiten.“

„Das verstehe ich, Sammy. Aber du musst auch etwas essen.“ Er nahm ihre Hand und zog sie an sich.

Sie legte ihm die andere Hand auf die Brust. Nur ihm so nah zu sein und ihn zu berühren, war großartig. Er duftete so gut. Sie sah ihm ins Gesicht und begegnete seinem Blick. Sie hatte oft von seinen braunen Augen geträumt. „Was machst du?“

„Du hast nette Rundungen bekommen.“ Matt nahm sie noch fester in den Arm. „Doch ich wette, dass du noch immer Mahlzeiten ausfallen lässt. Das ist keine gute Angewohnheit, der ich Vorschub leiste. Das bedeutet, dass du heute mit mir zu Abend isst – so oder so.“

Sie war total verwirrt. Ein Teil von ihr wollte dahinschmelzen. Weil er mit ihr flirtete? Tat er das? Sie wusste es nicht. Nicht bei Matt. Bei jedem anderen Mann könnte sie es einschätzen. Aber eines war sicher: Selbst wenn er nur nett war, lief sie Gefahr, ihre Arme um seinen Hals zu schlingen und ihn nie mehr loszulassen. Schließlich hatte sie jahrelang von ihm geträumt.

Samantha versetzte ihm mit der Hand einen kleinen Schubs. „Wie kommt es, dass du mir und nicht deiner Familie auf die Nerven gehst?“ Er ließ sie so schnell los, dass sie einen Schritt zurücktreten musste.

„Entschuldige. Ich wollte dir nicht …“

„Stopp. Das hast du nicht.“ Ihr blutete das Herz, als sie seinen verletzten Gesichtsausdruck sah. Sie wünschte, sie könnte die Worte zurücknehmen. Sie war eine Idiotin. Natürlich wusste sie es besser: Matt war nur nett. „Gut.“ Sie wusste, dass es ein Fehler war. „Wir essen zusammen. Irgendwie.“

„Moment mal. Heißt das, du musst bis spätabends arbeiten?“

Samantha bemerkte, dass ihre Hand noch immer auf seiner Brust lag. Er hatte sie losgelassen. Aber sie ihn nicht. Sie lächelte möglichst ungezwungen, tätschelte seine Brust und trat ein paar Schritte zurück. „Wann bist du das letzte Mal zum Laufen in den Fens gegangen?“

„In den Park? O Mann. Daran kann ich mich nicht einmal mehr erinnern.“

„Perfekt. Wie wäre es, wenn wir uns dort treffen, nachdem ich ein paar Stunden lang gearbeitet habe? Um zu joggen? Oder von mir aus auch zu einen Spaziergang.“

Lachend schüttelte Matt den Kopf. „Ich bin ausgezeichnet in Form. Du willst joggen? Ich bin dabei. Aber danach essen wir.“

Samantha wollte nicht über das Abendessen diskutieren. Die Joggingrunde hatte sie bereits eingeplant gehabt. Dabei könnten sie miteinander reden und sich gegenseitig auf den neuesten Stand bringen. Zudem wäre das Risiko geringer, dass sie sich bloßstellte. Das war die perfekte Lösung. „Schaffst du sechzehn Kilometer?“

„Ja, aber das will ich nicht. Ich spare lieber Zeit fürs Abendessen. Selbst wenn es nur ein Quickie ist.“

Sie spürte, dass sie rot wurde. „Wir treffen uns am Haupteingang.“ Er sagte etwas. Doch sie war abgelenkt. Denn das hereinfallende Sonnenlicht ließ einige Strähnen seiner braunen Haare golden leuchten. Jetzt sah sie, dass die vergangenen zehn Jahre nicht spurlos an ihm vorübergegangen waren. Feine Lachfältchen zeichneten sich um die äußeren Augenwinkel ab. Auch neben dem Mund hatten sich lange Linien eingegraben. Sie sorgten dafür, dass er ein wenig markanter und sehr sexy aussah.

„Sammy? Hast du gehört, was ich dich gefragt habe?“

„Hm?“

„Um welche Zeit?“

„Zeit für was?“ Sie erinnerte sich erst, worum es ging, als Matt lächelte. Und verdammt, ihr stieg zum x-ten Mal die Hitze in die Wangen.

Matt packte seine Sachen aus. Dann ging er in die Küche, um sich einen Kaffee zu machen, der fantastisch schmeckte. In der Speisekammer entdeckte er noch weitere Naschereien. Auch sein Lieblingsgebäck Butterkekse. Sogar drei verschiedene Sorten, die ihm alle schmeckten. Da er immer noch auf ein Abendessen mit Samantha hoffte, zügelte er sich jedoch.

Er telefonierte mit seinem Assistenten Andrew, der für ihn die Stellung im New Yorker Büro hielt. Am Ende vereinbarten sie, in ein paar Tagen wieder zu telefonieren. Dann wählte er die Privatnummer seines Vaters.

„Matt, ich habe gerade an dich gedacht. Wann kommst du nach Boston?“

„Ich weiß es nicht. Ich nehme eine kurze Auszeit, bevor das ganze Trara losgeht. Der Jetlag setzt mir zu.“

„Du hast in Tokio erstklassige Arbeit geleistet. Ich habe dem Vorstand einen Bericht zukommen lassen, der hilfreich sein wird.“

„Danke. Aber wir müssen immer noch Bannister, Truit und Lee auf unsere Seite ziehen. Oder wenigstens einen von ihnen.“

„Das wird schon“, sagte sein Vater zuversichtlich. „Gib mir Bescheid, wann du eintriffst. Wohnst du im Hotel?“

„Das weiß ich noch nicht, Ich melde mich.“ Matt belog seinen Vater nicht gern. Doch er wollte ein wenig Abstand zur Arbeit bekommen. Von der bevorstehenden Vorstandssitzung hing seine berufliche Zukunft ab.

Anschließend ging er ins Bad, um zu duschen. Mit der Fernbedienung konnte er die verschiedenen Wasserstrahlen mit Massagefunktion einstellen. Doch vorher sah er sich die große Auswahl an exklusiven Cremes, Körper- und Waschlotionen und Peelings an, die Samantha bereitgestellt hatte. Sogar ein lächerlich teures Aftershave war darunter.

Die Wilkinson Hotels waren für ihren großen Komfort bekannt. Doch selbst die beste Suite wartete nicht mit einem solchen Luxus auf. Sogar seine Lieblingsmarken hatte Samantha vorrätig. Was für ein Zufall!

Als die heißen Wasserstrahlen seinen Körper vom Hals bis zu den Zehen massierten, konnte Matt nicht verhindern, dass die Fantasie mit ihm durchging. Er stellte sich vor, Samanthas Körper mit einem der teuren Duschgels unter den pulsierenden Wasserstrahlen einzuseifen. Mist. Mit einem Guss kalten Wassers versetzte er seiner Libido einen Dämpfer und beendete die Dusche, so schnell er konnte.

Verärgert darüber, dass er sich nicht besser unter Kontrolle hatte, trocknete er sich ab. Die einzige Entschuldigung dafür war vielleicht, dass aus dem Teenager von früher die unglaublich attraktive Frau geworden war, die er heute getroffen hatte.

Nachdem Matt eine Sportshorts und ein T-Shirt angezogen hatte, suchte er im Internet nach Lokalen in der Nähe des Parks. Vielleicht könnten sie wenigstens irgendwo eine Pizza mitnehmen. Er wollte nicht, dass sie wegen einer gemeinsamen Mahlzeit gezwungen wäre, bis spät in die Nacht zu arbeiten.

Schließlich nahm er eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank und ging nach draußen, um auf das bestellte Taxi zu warten. Sein Herz schlug ein wenig zu schnell für einen Mann seines Alters. Wahrscheinlich sollte er der Sache auf den Grund gehen.

An dem schönen Herbstabend waren in dem riesigen Park eine Unmenge Leute unterwegs. Matt war pünktlich am Westland Gate, konnte Samantha jedoch nirgends entdecken. Er lächelte bei der Erinnerung daran, wie sich ihre Hand auf seiner Brust angefühlt hatte. Er hatte den Arm um ihre Taille gelegt und war kurz davor gewesen, sie zu küssen. Aber ihr schockierter Blick hatte ihn gestoppt.

Zur Hölle, er war ihr Kumpel. Zudem hatte er sie jahrelang nicht gesehen. Egal. Jetzt sah er sie mit anderen Augen.

Doch er musste vorsichtig sein. Die Stimmungen und Bedürfnisse des Teenagers zu erahnen war relativ simpel gewesen. Doch die Frau zu ergründen? Wobei er glaubte, dass immer noch viel von dem Mädchen von damals in ihr steckte. Er dagegen war durch seine Ehe und Karriere viel reifer geworden.

Gerade weil Matt der Erbe war, hatte er hart gearbeitet. Durch Vetternwirtschaft eine Führungsrolle zu bekommen war das Letzte, was er wollte. Der Job in London würde wesentlich dazu bei, seinen Wert zu beweisen. Mit dem Büro in Großbritannien ging es seit über einem Jahr bergab. Der gegenwärtige Manager Fairchild hatte eine zweite Chance bekommen, jedoch die Erwartungen nicht erfüllt.

Schon seit einer Weile dachte er über die Veränderungen nach, die er dort vornehmen wollte. Er plante, von dort aus für Wilkinson Holdings die skandinavischen Märkte zu erschließen. Würde er Samantha jemals davon überzeugen können, ihn in London zu besuchen? Er könnte ihr so vieles zeigen, weil London zu seinen Lieblingsstädten zählte. Er würde auch mit ihr nach Schottland und Irland reisen.

Das setzte allerdings voraus, dass sie auch nur eine Woche lang nicht arbeitete – was Matt sich nicht vorstellen konnte. Sie schien schon immer mit ihrem Computer verheiratet zu sein. Logan hatte erwähnt, dass er sie bei seinem Aufenthalt in Boston kaum gesehen hatte. Zur Hölle, er hatte den Job in London noch nicht einmal. Es machte also keinen Sinn, so weit vorzugreifen.

Wo blieb Samantha überhaupt? Nun, sie achtete nur auf Pünktlichkeit, wenn es um ihre Arbeit ging. Manchmal nicht einmal dann. Sie war ohnehin so brillant, dass sie ihre eigenen Regeln aufstellen konnte. Sogar während des Studiums hatte es ihr nicht geschadet, wenn sie sich einmal nicht an Abgabefristen gehalten hatte.

Matt machte einige Lockerungsübungen, während er die Umgebung im Blick behielt. Atemlos traf sie schließlich sieben Minuten zu spät ein. Die enge Shorts aus Lycra setzte ihre Hüften und das kurze Sportoberteil ihren Bauch in Szene. Er versuchte, sie nicht anzustarren. „Es wird auch Zeit.“

„Entschuldige. Aber es ist deine Schuld.“

„Meine Schuld?“

„Legen wir los.“ Samantha führte ihn zur Joggingstrecke und lief in gemäßigtem Tempo los.

Matt joggte die meiste Zeit neben ihr. Nur wenn ihnen jemand entgegenkam, ließ er sie wie ein Gentleman vorlaufen. Es war pures Glück, dass er nicht ins Stolpern geriet, als er sie von hinten in Augenschein nahm. „Warum war es meine Schuld, dass du zu spät warst?“, fragte er, als er wieder zu ihr aufschloss.

„Ich musste meine Termine für den nächsten Monat umdisponieren.“

„Wie bitte? Für eine Joggingrunde?“

„Weil ich deswegen mit meinem derzeitigen Projekt in Verzug gerate. Das löst eine Kettenreaktion aus. Clark war absolut nicht begeistert.“

„Das kann ich mir vorstellen. Danke, Sammy.“

„Warum?“

„Weil ich hoffe, dass dein neuer Terminplan es dir erlaubt, mehr Zeit mit mir zu verbringen.“

„Vielleicht, Matt. Ein wenig. Falls mir nicht irgendein Problem die Zeit raubt.“

„Verstanden.“ Als Samantha das Tempo beschleunigte, hielt er mit. Vielleicht könnte er durch die körperliche Verausgabung ein wenig von der Anspannung abbauen, in die ihn ihr aufsehenerregender Anblick versetzte.

„Ich komme fast täglich her. Entweder frühmorgens oder abends wie jetzt“, erzählte sie. „Ich habe sogar ein Aufnahmegerät dabei, um die Gedanken festhalten zu können, die mir während des Laufens kommen. Es ist sehr klein und blendet die Nebengeräusche aus.“

„Du trägst einen Minirekorder bei dir?“

„Ja, unter meinem Top. Ich zeige ihn dir.“

„Äh … Den Rekorder?“

Samantha blinzelte ihn an. „Natürlich den Rekorder. Was hast du denn gedacht, Matt?“

Er lächelte. „Ist er jetzt eingeschaltet?“ Er bemerkte ihren verwirrten Gesichtsausdruck. „Weißt du, Sammy, du versetzt meinem Ego immer wieder einen Dämpfer. Es ist seit Jahren das erste Mal, dass wir zusammen sind. Und du kannst nicht einfach im Hier und Jetzt sein?“

Überrascht nahm er zur Kenntnis, dass sie schockiert war. „Schon gut. Ich verstehe es. Ich arbeite auch viel und habe kaum Freizeit. Ich habe mich dir aufgedrängt. Es tut mir leid, dass du deine Termine meinetwegen umdisponieren musstest.“ Er versetzte ihr einen Schubs mit dem Ellbogen. „Hör mal zu: Wie wäre es, wenn wir wenigstens zusammen schnell etwas trinken gehen, bevor ich wieder verschwinde?“

Als Samantha mit gesenktem Kopf langsamer lief, fügte er hinzu: „Ich habe nicht versucht, dir ein schlechtes Gewissen zu machen. Ich verstehe wirklich, wie es ist, bis zum Hals in Arbeit zu stecken.“

Matt hoffte, dass sie ihm glaubte. Nicht mehr Zeit mit ihr verbringen zu können wäre eine große Enttäuschung. Aber er musste auf der Hut sein. Sie übte eine enorme Anziehungskraft auf ihn aus. Er täte ihnen beiden einen Gefallen, wenn er den Rückzug antrat.

Sie sagte immer noch nichts. Dann fiel ihm ein, dass sie früher auch immer so still geworden war, wenn sie Probleme zu lösen versucht hatte. In der Zwischenzeit bemerkte er, dass jeder vorbeikommende Mann sie in Augenschein nahm.

Einem Schuft, der Samantha mit Blicken auszuziehen schien, warf er einen warnenden Blick zu. „Du bringst mich wieder in Schwierigkeiten“, murmelte er kopfschüttelnd. Denn er wollte nicht, dass sie ihn hörte.

„Wie bitte? Wovon redest du?“

„Oh. Die Männer, die dich begaffen, als hätten sie noch nie eine Frau gesehen?“

„Welche Männer?“

„Alle?“

Samantha lachte laut auf. „Matt, du siehst Gespenster. Wenn überhaupt, starren wahrscheinlich alle dich an. Und was meinst du damit, dass ich dich wieder in Schwierigkeiten bringe?“

„Erinnerst du dich daran, dass ich einmal ein Veilchen hatte?“

„Ja. Aber das hatte nichts mit mir zu tun.“

„Machst du Witze? Natürlich hat es das.“

„Das ist doch bei einem Fußballspiel passiert. Einige Fans haben Radau gemacht. Du hast außerdem eine aufgeplatzte Lippe und eine Prellung am Kinn gehabt. Ich glaube, Logan wurde auch verletzt. Nur Rick war klug genug gewesen, sich herauszuhalten.“

Von wegen. Rick hatte nur Glück gehabt, dass er die Rauferei ohne Blessuren überstanden hatte. Matt erinnerte sich, dass er sie damals angelogen hatte. Kenny und seine Kumpel hatten einige ziemlich hässliche Dinge über Samantha geäußert. Also hatten Logan, Rick und er sich um das Problem gekümmert und dann die Fußballgeschichte erfunden. Diese Typen hatten sie nie mehr geärgert.

Er bemerkte, dass Samantha nicht mehr an seiner Seite war. Sie war mitten auf dem Weg stehen geblieben und schien sauer zu sein.

„Erzähl mir, was passiert ist.“

„Es war nichts.“

„Matt, sag es. Mir ist jetzt klar, dass es sich nicht um ein Fußballspiel gehandelt hat.“

„Sieh mal, wir wollten nicht, dass du es erfährst. Kenny und seine Kumpane haben Dinge erzählt, die mir nicht gefallen haben. Zugegebenermaßen ging der erste Faustschlag auf mein Konto. Aber das war Logans Schuld.“

Samantha trottete in Richtung Ausgang. „Was hat Logan getan?“

Matt blieb an ihrer Seite. „Er hat mir geraten, dass ich mich heraushalten soll, damit meine hübsche Visage nichts abbekommt. Natürlich musste ich zuerst zuschlagen. Das Veilchen habe ich mir geholt, als ich mich zu Logan umgedreht habe, um ihm den Stinkefinger zu zeigen, und Kenny zurückgeschlagen hat.“ Als sie nach einem Moment in Lachen ausbrach, fragte er: „Was ist so komisch?“

„Ich habe mich nie darum geschert, was diese Idioten von sich gegeben haben. Kenny und sein Kumpel Mark haben nicht einmal einen grammatisch korrekten Satz zustande gebracht. Allerdings hätte ich verletzt sein können, wenn sie richtig hässliche Dinge gesagt hätten. Ich war damals ziemlich naiv. Also danke, dass du meine Ehre verteidigt hast.“

Matt lächelte. Ihre Haare glänzten in den letzten Sonnenstrahlen des Tages, die ihr Gesicht in goldenes Licht tauchten. Er konnte nicht widerstehen und strich ihr einige Strähnen aus der Stirn. „Jederzeit gern, Sammy.“ Er deutete mit dem Kopf auf den Ausgang. Sie waren nur sechseinhalb Kilometer gelaufen. Also hatten sie noch Zeit. „Wie sieht es mit dem Abendessen aus?“

„Später. Vielleicht.“

„Nun komm schon. Wir können uns in der nächsten Straße in einem Lokal eine Kleinigkeit mitnehmen und im Taxi auf der Fahrt zu deinem Büro essen. Anschließend fahre ich mit dem Taxi zurück ins Apartment.“

„Im Taxi essen? Nein danke.“

„Okay, dann essen wir in deinem Büro.“ Er folgte ihr durch das geschäftige Treiben bis zum Straßenrand. Sie hob die Hand, um ein Taxi anzuhalten. „Du lässt mir keine Wahl“, meinte Matt. „Ich muss Clark anrufen, um sicherzustellen, dass du nicht vom Fleisch fällst.“

Samantha drehte sich ihm zu. „Du, Logan und Rick waren das Beste, was mir passieren konnte, als ich noch ein Teenager war. Was ihr für mich getan habt, war wundervoll. Und du hast recht: Damals habe ich ab und zu einen kleinen Schubs gebraucht. Okay, oft.“ Sie grinste.

„Jetzt bin ich eine erwachsene Frau“, fuhr sie fort. „Es ist nicht nötig, dass du, Clark oder sonst jemand mir sagt, wann ich essen oder was ich tun soll. Ja, manchmal lasse ich eine Mahlzeit ausfallen. Aber ich bin gesund und kann selbst auf mich aufpassen. Verstanden?“ Sie drehte sich erneut um und hob eine Hand. Ein Taxi hielt an.

„Tut mir leid. Ich wollte nicht respektlos sein.“

„Das weiß ich, du Idiot.“ Samantha ging zum Taxi.

„Es war eine alte Gewohnheit und passiert nicht wieder“, erwiderte Matt.

„Danke, ich muss jetzt wirklich arbeiten. Ich nehme mir irgendwo auf dem Weg etwas …“

„Ja, aber …“

„Habe ich dir nicht gerade gesagt, dass ich eine erwachsene Frau bin?“ Samantha öffnete die Beifahrertür. „Morgen. Wir essen morgen zu Abend.“ Sie packte den Stoff seines T-Shirts, zog seinen Kopf ein paar Zentimeter herunter und küsste ihn auf den Mund.

Es war kein langer oder leidenschaftlicher Kuss. Aber er war wie vom Blitz getroffen – und sie in Anbetracht ihres Gesichtsausdrucks offenbar auch. Sie räusperte sich und stieg hastig ins Taxi ein.

„Danke für deine Fürsorge“, sagte sie, bevor sie die Tür zuschlug.

Matt legte die Hände auf das heruntergekurbelte Fenster und sah sie einige Sekunden lang an. „Jetzt hast du es getan. Ich finde einen Weg, die schöne erwachsene Frau besser kennenzulernen. Verlass dich darauf.“ Dann trat er zurück, starrte dem Taxi hinterher, bis es verschwunden war, und schüttelte den Kopf. „Ich fasse es nicht.“

Samantha saß vor ihrem Computer und sah vor ihrem geistigen Auge Matts überraschtes Gesicht, nachdem sie ihn geküsst hatte. Sie hatte ihn geküsst. Es war kein glühender oder filmreifer Kuss gewesen. Doch sie hatte Matt geküsst! Was, zur Hölle, hatte sie sich dabei gedacht?

Zudem hatte sie ihm erklärt, dass sie eine erwachsene Frau war, die man ernst nehmen musste. Eine Frau, mit der zu rechnen war. Nun, den letzten Teil hatte sie stillschweigend unterstellt. Jetzt hatte sie allerdings Position bezogen und sich behauptet.

Das bedeutete, dass sie anfangen musste, sich wie eine erwachsene Frau zu benehmen. Nicht nur im Umgang mit Matt. Sie musste es zum Beispiel auch Clark klarmachen. Ihr fielen die Worte ein, die Matt am Schluss zu ihr gesagt hatte. Wie könnte er die erwachsene Version von ihr besser kennenlernen, wenn sie nicht diese Person wäre?

Die Tür ging auf. Clark kam herein. Eigentlich war er schon nach Hause gegangen. Aber er wohnte in der Nähe. Weil sie noch so spät abends arbeitete, warf er ihr erwartungsgemäß einen finsteren Blick zu.

„Warum hast du deine Sportklamotten an?“ Er ging zu seinem Schreibtisch.

„Ich war joggen und bin erst vor Kurzem zurückgekommen.“

„Hattest du nicht versprochen, dass du heute Abend nicht so lange arbeitest, um ein paar Stunden Schlaf zu bekommen?“

„Nun ja“, meinte Samantha. „Das habe ich – und das tue ich auch. Warum nur will mir jeder vorschreiben, was ich zu tun habe? Mir geht es gut. Großartig. Ich bin fit wie ein Turnschuh. Ich habe gesagt, dass ich früher schlafen gehe und …“

„Es ist zwanzig Minuten vor zwölf Uhr“, bemerkte Clark.

So spät? Heiliger Strohsack. „Nachts?“

„Ja.“

Laut seufzend, schlug Samantha die Hände vors Gesicht. „Warum bist du so spät hier?“

„Ich habe meine Deadpool Comics für Jay vergessen.“

Männer und ihr Spielzeug. Doch sie musste ganz ruhig sein. Sie hatte komplette Comicreihen und Sammelbände zu Hause. Graphic Novels und Wackelfiguren. Lego-Sets von Star Wars und Star Trek. Seufzend sah sie erneut auf. Clark sah sie immer noch düster an. „Mach nicht so ein Gesicht.“

„Ich erinnere dich nur an die Dinge, um die du mich gebeten hast.“

„Als ich ein Teenager war. Vielleicht ist es an der Zeit, damit aufzuhören und Verantwortung für mein Leben zu übernehmen.“

„Wirklich?“

„Ja.“

Clark dachte darüber nach. „Probieren wir es eine Woche lang. Dann sehen wir weiter.“

„Okay“, sagte Samantha schließlich. So schwer könnte das doch nicht sein.

3. KAPITEL

Samantha strich ein letztes Mal ihr Kleid glatt, bevor sie das Row 34 betrat. Matt hatte es tatsächlich geschafft, in dem angesagten Nobelrestaurant kurzfristig einen Tisch zu reservieren. Der Name Wilkinson hatte in Boston Macht und Einfluss.

Sie wollte ihre vorbereiteten Reden üben, bevor Matt erschien. Deshalb war sie früher gekommen. Doch als sie zum Tisch geführt wurde, erwartete er sie bereits. Er stand auf und lächelte sie an.

Verdammt. In ihrer Clutch befanden sich zwei Stapel Karteikarten mit zwei verschiedenen Versionen der geplanten Rede. Version A war einfach. Sie enthielt die nett formulierte, aber bestimmte Botschaft, dass es schön war, ihn zu treffen. Da ihre Arbeit Vorrang hatte, bliebe es jedoch bei diesem einen Abendessen. Vor seiner Abreise könnten sie sich ja noch zu einem Drink treffen. Version B war dagegen alles andere als einfach.

Samantha konnte seinem Lächeln nicht widerstehen. Wie immer in seiner Gegenwart bekam sie vor Aufregung und Verlangen Herzklopfen. Als Teenager war er ihr Traummann gewesen. Doch jetzt fand sie ihn noch reizvoller. Er trug ein Leinenhemd, ausgeblichene Jeans sowie ein Sportjackett und sah zum Anbeißen aus. Er hatte einfach Stil. Sie war froh, das elegante Wickelkleid angezogen zu haben.

„Du siehst schön aus. Das ist ein tolles Kleid.“

„Danke.“ Sie setzte sich. „Ich habe es für eine Präsentation auf einer IT-Sicherheitskonferenz gekauft.“

„Ich wette, du hast alle vom Hocker gehauen“, sagte Matt.

„Es war cool, weil ich es mit den Fachinformatikern zu tun hatte. Mit den Managern war es schwieriger. Sie haben kein Wort verstanden. Interessanterweise kaufen sie fast alle die Software. Obwohl sie nicht wissen, wie sie genau funktioniert.“

„Männer sind solche Idioten.“

Samantha lachte. Sein trockener Humor hatte sie schon immer begeistert.

„Ich höre dich so gern lachen. Ich glaube, das Lachen ist so einzigartig und unverwechselbar wie ein Fingerabdruck.“ Er trank einen Schluck Wasser. „Obwohl dein Lachen reifer geworden ist“, sagte er leise. „Wie ein guter Wein.“

„Hm. Laut Clark neige ich eher zur Weinerlichkeit.“

Er schüttelte den Kopf. „Weinerlich warst du nie. Du hast es geliebt, Probleme zu lösen.“

Warum kann ich dann mein Problem mit Matt nicht lösen? Wenn Samantha ihn ansah, fiel es ihr doppelt schwer, Plan A durchzuziehen. Der Plan, mit dem sie der großen Versuchung und den Gefühlsturbulenzen aus dem Weg ginge. Sie schlug die Speisekarte auf. „Oh, sieh mal. Sie haben das Speisenangebot erweitert, seitdem ich das letzte Mal hier war.“

„Ich habe noch nie hier gegessen. Ich habe das Restaurant unter anderem anhand der Empfehlungen auf Yelp und Tripadvisor ausgesucht. Demnach gibt es großartige Austern, selbst gebrautes Bier und sehr leckere Hummersandwiches.“

„Genau so lautete meine Bestellung.“ Samantha bemerkte erst, dass sie sich nach vorn gelehnt hatte, als Matt seine Hand auf ihre legte. Er hatte wirklich schöne Hände. Seine braunen Augen wirkten fast schwarz, als er sie ansah. Sie neigte immer stärker Plan B zu. Demnach hätten sie gerade genug Sex, dass sie ihn sich aus dem Kopf schlagen könnte.

Xander, der Kellner, stellte Brot und Butter auf ihren Tisch und sagte ihnen, was heute auf der Tageskarte stand. Letzten Endes bestellten sie beide dasselbe. Allerdings berührte Matt jetzt nicht mehr ihre Hand, was ihr absolut nicht gefiel. Wenn sie seinen Besuch überleben wollte, müsste sie sich an Plan A halten. Wenigstens hätte sie dann immer noch ihre sexuellen Fantasien und den Vibrator.

Sie holte Luft und zitierte aus dem Gedächtnis die Worte auf der ersten Karteikarte. „Es ist wirklich nett, wieder einmal mit dir zu quatschen …“

„Was ich vergessen habe … Oh, entschuldige.“ Matt nickte ihr zu. „Rede weiter.“

„Das ist okay. Was wolltest du sagen?“

„Wir bauen ein neues, sehr großes Hotel in London mit über tausend Zimmern. Genau gegenüber findet die Londoner Comic-Messe statt. Im nächsten Jahr kann ich noch nichts machen. Aber im übernächsten Jahr kann ich dir ein Zimmer besorgen. Inklusive einer Limousine, die dich vom Flughafen abholt. Alles, was du willst.“

„Du machst Witze.“

„Nein, Ich habe an dich gedacht, als wir das Projekt geplant haben. Warst du schon einmal dort?“

„Auf der Comic-Messe?“ Samantha nickte. „Vor zwei Jahren. Beruflich. Es war fantastisch. Leider hatte ich nicht die Gelegenheit, viel von der Stadt zu sehen.“

„Dann sollten wir das festmachen.“

„Mir London anzusehen hört sich cool an.“ Obwohl sie sich nichts anmerken ließ, stieg innerlich Panik in ihr auf. Hatte Matt sie gerade gebeten, zusammen mit ihm London zu besuchen? In zwei Jahren? Wenn sie jetzt und in Boston Sex haben könnten?

Sofort verbot sie sich den Gedanken. Mit ihm ins Bett zu gehen war keine gute Idee. Sie war verrückt nach ihm und seit einer Ewigkeit in ihn verliebt. Inzwischen hatte er sich zu einem weltgewandten Traummann entwickelt, den sie nie vergessen könnte. Das war nicht fair. Kein anderer Mann nach ihm könnte ihm das Wasser reichen.

Also wiederholte Samantha: „Es ist wirklich nett, wieder einmal mit dir …“ In diesem Moment brachte der Braumeister mit viel Tamtam das bestellte Bier. Sofort danach servierte Xander die Austern, Hummersandwiches und als Geste des Hauses eine kleine Auswahl anderer Gerichte zum Kosten. Der Thunfisch-Tatar schmeckte fantastisch. Genau wie der knusprige Fisch-Taco.

„Ich weiß nicht, wie ich das alles essen soll“, sagte sie.

„Niemand nimmt es dir übel, wenn du nicht alles kostest“, meinte Matt.

„Ist das ein Scherz? Ich will alles probieren – und jede frische Auster essen, die auf dem Tisch steht. Also nimm dich in Acht.“

„Glaubst du ernsthaft, du könntest dir auch nur eine meiner Austern schnappen?“

Er forderte sie heraus – genau wie in alten Zeiten. Damals wäre sie sofort darauf eingegangen. Aber jetzt war sie erwachsen. „Es ist wirklich nett …“ Samantha musste sich zwingen, fröhlich zu klingen. Ihr wurde das Herz schwer. „Es ist wirklich nett, wieder einmal mit dir …“

Sein Handy klingelte. Matt warf ihr einen entschuldigenden Blick zu, nahm das Gespräch jedoch entgegen. Während er telefonierte, las sie heimlich noch einmal die Plan-A-Karteikarten, die sie auf dem Schoß hielt. Als sie die erste Plan-B-Karte zückte, wurde sie dadurch abgelenkt, wie bestimmt und Respekt einflößend Matt klang.

Sie hatte ihn noch nie bei geschäftlichen Verhandlungen erlebt und war beeindruckt. Nach einem Moment der Stille sagte er jemandem mit Namen Andrew in persönlicherem Ton, dass er morgen früh um fünf Uhr im Büro sein würde, um eine Telefonkonferenz zu leiten. Dann beendete er stirnrunzelnd das Gespräch.

„Wenn du gehen musst, können wir uns das Essen bestimmt einpacken lassen“, überlegte Samantha.

„Nicht nötig. Ich bin seltsame Arbeitszeiten gewohnt. Diesmal ist es Tokio. Der Vertrag ist unter Dach und Fach. Doch jetzt will Takagi die Wettbewerbsvereinbarung ändern.“

„Hört sich wichtig an.“

„Es nervt. Ich hatte seit Jahren keinen richtigen Urlaub mehr. Nicht mehr, seitdem ich verheiratet war. Und dieser letzte gemeinsame Urlaub hat dann das Aus unserer Ehe besiegelt. Danach hat Vanessa die Scheidung eingereicht.“

„Das ist … Es tut mir sehr leid, dass es nicht funktioniert hat.“

„Wir haben aus den falschen Gründen geheiratet“, erklärte Matt. „Niemand ist schuld. Die Trennung war einvernehmlich. Ab und zu begegnen wir uns. Meistens in New York, aber auch in Boston.“

„Ist das nicht unangenehm?“, fragte Samantha.

„Bisher nicht. Wie auch immer – die Auszeit hier fühlt sich wie Urlaub an. Obwohl ich wünschte, dass wir mehr Zeit füreinander hätten.“ Er hob die Hand. „Das heißt natürlich nicht, dass ich dich in irgendeiner Weise unter Druck setzen will, dir mehr Zeit für mich zu nehmen. Es sei denn, meine traurige Geschichte drängt dich irgendwie dazu …“

Sie lachte. Es fiel ihr so schwer, nicht Ja zu sagen. Stattdessen wich sie aus und versuchte mit dem Ersten, was ihr in den Sinn kam, abzulenken. „Ich kann nicht glauben, dass du so früh morgens eine Telefonkonferenz leiten musst. Du bist der Sohn vom Chef. Kommt dir das nicht ein wenig zugute?“

Matt zuckte unmerklich zusammen. Sofort wollte sie die Worte zurücknehmen. „He, das war nur Spaß. Du bist nicht durch Vetternwirtschaft dort, wo du bist. Ich weiß, wie hart du im Studium gearbeitet hast. Du warst sogar Mitherausgeber der Harvard Law Review.“

„Das weißt du?“

„Wir lesen doch alle den Newsletter, der an die ehemaligen MIT-Studenten geht.“ Sie trank ihr Glas aus, um Mut zu fassen. Sie musste es ihm sagen. Er würde es verstehen. Die Leidenschaften abzukühlen war das Beste für sie beide.

Matt nahm einen großen Schluck seines zweiten Bieres. Er hätte wissen sollen, dass Takagi Schwierigkeiten machen würde. Der junge Mann war der Sohn des Chefs und versuchte, sich einen Namen zu machen – was er nachvollziehen konnte.

„Du bist immer noch verärgert, nicht wahr?“ Samantha betrachtete ihn. „Ich schwöre, dass ich es nicht so habe.“

„Das weiß ich. Dennoch ist es seltsam. Meine Exfrau war erstaunt, dass ich tatsächlich arbeite, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Dabei muss ich meine Kompetenz stärker unter Beweis stellen als die anderen Mitarbeiter.“

„Arbeitet deine Schwester eigentlich auch im Unternehmen?“

„Nein. Sie verbringt ihre Zeit mit Shoppingtouren. Meistens gemeinsam mit meiner Mom. Deshalb glaubte Vanessa wohl, dass es in der Familie liegt, vom Treuhandfonds zu leben. Ich hätte schon nach dem ersten Jahr wissen müssen, dass die Ehe schiefgeht. Sie hatte sich ein falsches Bild von mir gemacht – und ich mir von ihr.“

„Ich möchte nicht das Thema wechseln“, meinte Sammy. „Aber hieß nicht der Boss auf der Weihnachtsfeier in ‚Stirb langsam‘ Takagi?“

Matt lachte laut. „Du bist so eine Verrückte.“ Sie stimmte in sein Lachen ein. Ihre Augen glitzerten amüsiert. Er wollte das Abendessen beenden und sie notfalls mit Drohungen dazu bringen, mit ihm ins Apartment zurückzukehren.

Doch dann kam Xander an ihren Tisch. Er blieb neben Samantha stehen und hob eine Karteikarte vom Boden auf. Solche Karten hatte sie immer als Gedächtnisstütze benutzt, wenn sie auf dem MIT ein Vieraugengespräch geführt hatte.

„Ich glaube, die gehört Ihnen“, meinte der Kellner.

Samantha lief knallrot an und riss Xander die Karte aus der Hand. Dabei fielen bestimmt zwei Stapel Karteikarten auf den Boden. Offenbar entsetzt, ließ sie den Kellner wissen, dass sie seine Hilfe nicht brauchte. Sie kniete sich auf den Boden und fuhr Matt an, dass er sitzen bleiben sollte.

Doch es war zu spät. Er hatte genug gesehen, um zu wissen, dass es bei den Stichworten um ihn – und Sex – ging. Wahrscheinlich handelte es sich um Gründe, warum es keine gute Idee wäre, miteinander zu schlafen.

Er reichte ihr die eine Karte, die er aufgehoben hatte, und war ihr beim Aufstehen behilflich. Während er darauf wartete, dass sie sich setzte und beruhigte, überlegte er sich den nächsten Schritt. „Kann ich meine Meinung dazu äußern?“

Wie peinlich! Sie stand abrupt auf. „Ich muss gehen.“

„Sammy“, sagte Matt. Sie blieb stehen. „Bitte setz dich. Ich verspreche, dich nicht aufzuziehen. Wir sollten wirklich reden. Schließlich sind wir beide erwachsen.“

Sie funkelte ihn an. Aber dann entspannte sie sich. „In Ordnung.“ Sie setzte sich wieder. „Also? Rede.“

„Sieh mal“, fing er ernst an. „Wir arbeiten beide sehr viel. Du im Moment mehr als ich. Allerdings könnte das nach der Telefonkonferenz morgen früh schnell anders aussehen. Eines weiß ich jedoch mit Sicherheit: Wenn ich wirklich einmal Urlaub machen und entspannen kann, arbeite ich danach besser und effektiver. Und wenn ich diese freien Tage mit dir verbringen könnte, wäre es eine ganz besondere Zeit.“

Nach einem Moment fuhr Matt in leiserem Ton fort: „Ich weißt, dass du dir nicht einfach freinehmen kannst. Wie wäre es, wenn wir die Abende miteinander verbringen? Erst einmal für die nächsten vier Tage könnte ich das auf jeden Fall zusagen.“

Samantha senkte den Blick. Er wünschte, er könnte ihre Gedanken lesen. Doch er drängte sie nicht. Es war ihre Entscheidung. Sich zu entspannen könnte viele verschiedene Dinge bedeuten. Eine ganze Reihe davon endete mit einem Orgasmus.

Schließlich seufzte sie tief. „Okay.“

„Das habe ich nicht kommen sehen.“

„Ich auch nicht. Aber jetzt, da ich es gesagt habe, halte ich mich daran. So weit es mir möglich ist.“

„Natürlich. Das ist nur fair.“

„Ja. Außerdem müssen wir beide essen, richtig? Also machen gemeinsam verbrachte Abende Sinn.“

Matt unterdrückte ein vielsagendes Lächeln. „Richtig. Essen.“ Als wenn das alles wäre, was ihr vorschwebte.

„Halt den Mund, du Verrückter“, erwiderte Samantha.

Für die Skype – Telefonkonferenz im Tagungsraum hatte Matt nicht extra einen Anzug angezogen. So früh morgens war sonst noch niemand in der Konzernzentrale. Doch wenn ab Viertel vor sieben Uhr die Mitarbeiter einträfen, würde er missbilligende Blicke ernten. Bei Wilkinson Holdings wurden konservative Werte hochgehalten. Daran war nichts verkehrt. Aber dem Unternehmen täte ein wenig frischer Wind gut.

WH war solide und sehr erfolgreich. Neben internationalem Grund- und Immobilienbesitz gehörten Anlagenbau, pharmazeutische Produkte, Kleinflugzeuge und natürlich die Hotelkette zu dem Fundament des Unternehmens.

Matt hatte nach dem Abschluss des Jurastudiums in allen Abteilungen gearbeitet. Darüber hinaus hatte er schon seit dem Besuch der Highschool während der Sommerferien Praktika absolviert. Er kannte das Unternehmen in- und auswendig und empfand die Verantwortung manchmal auch als Bürde.

Das kam wahrscheinlich daher, dass er zu wenig geschlafen hatte. Er hatte ohnehin in den letzten Jahren zu viel gearbeitet und zu wenig Urlaub gemacht. Gestern Abend hätte er alles gegeben, um Samanthas Karteikarten lesen zu können. Jedenfalls war die eine Karte, auf die er einen Blick erhascht hatte, aufschlussreich genug gewesen.

Matt griff nach seinem Jackett und ging zum Aufzug, um zu verschwinden, bevor ihn jemand sehen würde. Als er bemerkte, dass die Fahrstuhlkabine auf dem Weg nach oben war, lief er schnell zum Lift für die Führungskräfte am anderen Ende des Flurs. Doch dann rief schon jemand seinen Namen. Sein Vater.

Er setzte ein möglichst unbeteiligtes Gesicht auf und drehte sich um. Charles Wilkinson stand vor seinem Büro. Er runzelte die Stirn, als er sah, dass sein Sohn Jeans trug. „Was machst du hier? Ich hatte keine Ahnung, dass du schon in der Stadt bist.“

„Richtig. Offiziell bin ich nicht hier. Ich habe mich kaum von der Asienreise erholt. Takagis Sohn hat versucht, sich aus der Wettbewerbsklausel zu stehlen. Darum habe ich mich gekümmert. Telefonkonferenz.“

„Verstehe. Wird er zum Problem?“

„Das bezweifle ich. Er will nur beweisen, wie tough er ist. Das ist leeres Imponiergehabe. Der Vertrag ist nicht anzufechten.“

„Gut“, sagte sein Vater. „So kurz vor der Vorstandssitzung brauchen wir nun wirklich kein Drama. Komm auf eine Tasse Kaffee in mein Büro, bevor du verschwindest.“

„In Ordnung.“ Matt folgte ihm in das große, konservativ eingerichtete Büro mit Blick auf den Charles River. Ein Porträt seines Ururgroßvaters hing auf dem Ehrenplatz über der Ledercouch. Er nahm die Tasse Kaffee entgegen. „Du bist in Sorge wegen der Vorstandssitzung. Glaubst du, dass die Abstimmung so knapp ausfällt?“

„Bannister und Lee sind immer noch unentschieden. Sie haben beide ihre eigenen Vorstellungen davon, wie die Niederlassung in London geführt werden sollte. Truit stimmt niemals für dich. Wenn wir nicht einen der anderen beiden auf unsere Seite bringen …“

Er seufzte. „Man sollte denken, dass ich meine Eignung inzwischen bewiesen habe.“

„Das hast du mehrfach. Du weißt, dass es nichts mit deinen Verdiensten zu tun hat. Dabei geht es weit mehr um mich als um dich. Dennoch dürfen wir kein Risiko eingehen. Es braucht nur einen Fehler …“

„Richtig. Ein Fehler kann verziehen werden. Aber zwei?“

„Truit vergisst nichts“, meinte sein Vater. „Er hatte dich davor gewarnt, ein so neues Unternehmen wie Featherstone zu erwerben.“

Matt nickte. „Ja ja. Und ich habe es trotzdem gekauft.“ Er war damals frisch von der Harvard University gekommen und ein bisschen nassforsch gewesen. „Verdammt, das war so lange her. Ich bin bereit für London, Dad. Wirklich.“

„Ich glaube dir. Allerdings wird der Vorstand für denjenigen stimmen, der ihnen ihrer Meinung nach das meiste Geld einbringt. Also sieh zu, dass du Takagis Sohn unter Kontrolle hast.“

Er stand auf. „Ich muss gehen, Vater. Wir reden vor der Benefizgala miteinander.“

„Kommst du in Begleitung?“

„Ich glaube nicht.“ Matt verabschiedete sich. Wie schade, dass Samantha keine Partys mag, dachte er, als er die Konzernzentrale verließ. Bei einer Gala mit über fünfhundert Gästen aufzutauchen wäre für sie wohl eine Horrorvision. Dennoch wünschte er sich sehr, dass sie ihn begleitete.

Als Matt auf der Straße stand, rief er die Leute an, die seine Überraschung für Samantha heute Abend in Szene setzten. Er vergewisserte sich, dass alles nach Plan liefe. Dann wurde ihm klar, dass er den ganzen Tag über nichts zu tun hatte, als auf Samantha zu warten.

Sicherlich könnte er einige Verträge überprüfen. Aber dazu war er zu nervös. Er musste den Gedanken an den einen großen Fehler verbannen, den er früh in seiner Karriere begangen hatte. Sein riskantes Vorgehen hatte das Unternehmen nicht viel Geld gekostet. Dennoch verübelten es ihm einige Vorstandsmitglieder noch immer – und das machte ihn stinksauer.

Er wusste genau, was er jetzt brauchte. Mit einem Taxi fuhr er zu der hässlichen Lagerhalle. Da es noch nicht einmal acht Uhr morgens war, begegnete er darin nur wenigen Leuten. Es roch fürchterlich nach Schweiß. Die Tür zum Büro seines ehemaligen Boxtrainers stand offen.

„Ich glaub, mich laust der Affe“, sagte Carrick Moynihan. „Matti, Junge. Du siehst gut aus. Was machst du hier?“

„Ich halte Ausschau nach einem Sparringskampf, Carrick.“

„Wann hast du das letzte Mal im Ring gestanden?“

„Es ist eine Weile her.“

Sein Extrainer ging um den Schreibtisch herum und versetzte ihm einen leichten Faustschlag in den Bauch.

Doch Matt war darauf nicht vorbereitet gewesen. „Was, zum Teufel?“

„Für einen Sparringskampf bist du nicht in Form. Warum trainierst du nicht an einem Sandsack? Ich gebe dir ein Paar Boxhandschuhe.“

„Ich trainiere an einem Sandsack, Carrick. Deswegen bin ich nicht hier. Du hast dir früher nie solche Sorgen um mich gemacht.“

„Du warst jünger. Die Wunden sind besser verheilt.“

„Ich will das ja nicht regelmäßig machen. Es ist nicht wie damals auf dem College. Ich muss einfach ein bisschen negative Energie und Anspannung loswerden. Hast du einen Sparringspartner für mich oder nicht?“

Der Mann, den Carrick für ihn aussuchte, war etwa in seinem Alter und wirkte fit. Hoffentlich wären sie ebenbürtige Gegner. Als Matt in den Ring stieg, wurde ihm klar, dass es einer seiner dümmsten Ideen seit langer Zeit war.

Er hätte zuerst ins Apartment zurückkehren und sich umziehen müssen. Er hatte sein Hemd ausgezogen und trug noch ein weißes T-Shirt und die Jeans. Das war nicht ideal, aber machbar. Mit seinen Schuhen hatte er jedoch zu wenig Halt.

Außerdem garantierte der Kopfschutz nicht, dass im Gesicht keine Spuren zurückblieben. Mit einem Veilchen oder einem geschwollenen Kinn erschreckte er die Vorstandsmitglieder. Dann könnte er den Job in London vergessen.

Also schüttelte er seinem Gegner die Hand und sagte: „Tust du mir einen Gefallen? Polier mir nicht die Visage.“ Der Mann lachte und wiederholte die Bitte laut vor allen Anwesenden. Doch er stimmte zu.

Als Matt zwei rechte Gerade landete, fühlte es sich verdammt gut an. Weniger erbaulich war es, als sein Gegner seine Zurückhaltung aufgab und ihm einen rechten Haken in die Rippen versetzte.

Abends stand Samantha vor der Apartmenttür und zögerte einen Moment lang. Da sie nicht zum Essen ausgingen, war sie leger gekleidet. Sie trug ihre schwarze Lieblingsjeans, ein rosafarbenes T-Shirt und darüber einen leichten Kamelhaarmantel.

Ihre schwarze große Stofftasche beunruhigte sie jedoch. Darin befand sich ein Übernachtungs-Set: T-Shirt, Slips, Socken, Toilettenartikel, Kondome, eine Bürste und ein wenig Schminke. Das schrie geradezu nach einem One-Night-Stand. Matt würde nach dem ersten Blick auf sie wissen, dass sie sich für Plan B entschieden hatte.

Samantha hatte diese Entscheidung getroffen, damit sie sich danach wieder auf ihre Arbeit konzentrieren konnte. Matt ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Doch es konnte so vieles schiefgehen. Am schlimmsten wäre es gewesen, Matts Freundschaft zu verlieren. Schließlich klingelte sie.

Er öffnete ihr die Tür.

„Du hast einen Schlüssel.“

Sein Lächeln raubte ihr den Atem. „Ich platze nicht bei meinen Gästen herein. Ich bin nicht von Wölfen aufgezogen worden.“

„Nein. Vielleicht von Robotern. Oder wahrscheinlich von Cyborgs. Komm rein.“

Als Samantha den Flur betrat, kam Matt plötzlich auf sie zu. Sein Gesicht war ihrem ganz nah – ohne nachzudenken, drehte sie den Kopf so, dass seine Lippen ihre berührten. Sie spürte, dass er kurz zusammenzuckte. Offenbar hatte er sie auf die Wange küssen wollen.

Doch er reagierte schnell. Noch bevor sie sich zurücklehnen konnte, küsste er sie lange auf den Mund. Aber ein Zungenkuss war es nicht – was gemischte Gefühle in ihr auslöste. Doch dann wurde sie von Leuten abgelenkt, die weiter hinten im Flur standen. War es einer der Köche inklusive einer Servicekraft, den er aus der Broschüre ausgewählt und herbestellt hatte?

Er ließ sie los und grinste. „Hallo. Da bist du ja endlich.“

„Ja“, sagte Samantha. „Es duftet nach Honig und Erdbeeren. Wird das Dessert zuerst serviert?“

Matt zögerte. „Nein. Ich nehme dir den Mantel ab. Deine restlichen Kleider kannst du im zweiten Zimmer ausziehen. Der Bademantel liegt schon auf dem Bett.“

„Wie bitte?“

„Mantel? Tasche?“

Samantha sah an ihm vorbei auf den Mann und die Frau, die weiß gekleidet waren. Im Wohnzimmer standen zwei Massageliegen nebeneinander. Im Hintergrund lief leise Kuschelrock. „Massagen?“

Matt nickte. „Eine Partnermassage. Wir hatten doch ausgemacht, dass wir heute eine der in der Broschüre aufgeführten Empfehlungen ausprobieren.“

„Ich dachte, du bestellst einen Koch ins Haus.“

„Wenn du danach hungrig bist, finden wir etwas zu essen.“

Samantha blinzelte und zwickte ihn in den Arm.

„Aua. Wofür war das?“

„Ich wollte nur überprüfen, ob ich halluziniere.“

„Dann musst du dich zwicken, du Verrückte“, meinte Matt. „Jetzt komm schon. Neunzig Minuten lang wahres Wohlbehagen tun uns bestimmt gut.“

„So lange?“

„Was? Dir gefällt es nicht …“

„Doch, sehr“, versicherte Samantha. „Das tut es. Ich lasse mich nur so selten massieren, weil ich zu viel zu tun habe.“

Matt machte eine weit ausholende Geste. „Alles ist vorbereitet.“

„Du bist nicht nackt.“

„Ich wollte dich nicht erschrecken, wenn ich dir die Tür öffne.“

„Zu spät“, scherzte Sammy.

„Geh und zieh dich aus. Komm zurück, wenn du fertig bist. Keine Sorge. Das sind Kathy und Duncan. Ich habe ihnen erklärt, dass wir Freunde sind und uns nicht voreinander entblößen wollen.“

Sie entspannte sich ein wenig und erinnerte sich an ihr Übernachtungs-Kit. Vielleicht sollte sie ihm sagen, dass sie sich voreinander entblößen sollten. Nein. Ihr behagte es nicht, sich vor anderen Leuten auszuziehen. Selbst wenn sie mit einem Mann ins Bett ging, legte sie lieber im Dunkeln die Kleider ab.

Matt räusperte sich. Samantha rannte fast in das Zimmer und atmete dann ein paarmal tief durch. Vielleicht war es der beste Plan aller Zeiten. Statt nach dem Abendessen Sex zu haben, gäbe es jetzt eine Art Probelauf. Sie hörte ihn stöhnen und seufzen, während sie sich seinen nackten Körper unter dem Laken vorstellte. Zur Hölle, wenn sie abgetörnt wäre, könnte sie ja immer noch gehen.

Sie zog sich aus und streifte blitzschnell den Bademantel über. Sie hatte sich Matt schon so oft in ihrem Leben nackt vorgestellt. Aber in ihren Tagträumen war auch sie sexy gewesen und nicht eine dünne, linkische Frau. Sie schloss die Augen, setzte ein tapferes Gesicht auf und ging schicksalsergeben hinaus.

4. KAPITEL

Matt atmete auf, als Samantha ins Wohnzimmer kam. Er hatte vorgesorgt, falls sie seine Einladung ablehnte. Die bereits bezahlten Massagetherapeuten packten auf sein Signal hin ihre Sachen zusammen und verschwanden. Zum Glück hatte Samantha sich ausgezogen. Obwohl sie unter dem Bademantel immer noch Unterwäsche hätte tragen können.

Das war ihm egal. Selbst dann wäre sie immer noch höllisch sexy gewesen. Allerdings erweckte sie den Eindruck, als wenn sie zum Schafott geführt würde. „Kathy und Duncan haben eine Flasche exzellenten Champagner mitgebracht. Möchtest du ein Glas?“

Sie war in weitem Abstand stehen geblieben, warf einen Blick auf die Massageliegen, die Auswahl an Körperölen und das Zubehör auf den tragbaren Tischen. Er hatte das Licht gedimmt. Die Wände waren jetzt hellblau. Im Kamin prasselte ein Feuer. Sanfte Musik und Duftkerzen sorgten zudem für eine angenehme Atmosphäre.

Matt ging auf sie zu. „Wenn es eine richtige Partnermassage statt einer Vorführung wäre, würden wir zuerst ausgiebig in der großen Wanne baden.“

„Stimmt“, schaltete sich Kathy ein. „Gewöhnlich fängt jede unserer Massagen mit einem Entspannungsbad an.“ Dann beschrieb sie die verschiedenen Arten einer Partnermassage.

Währenddessen ließ er Samantha nicht aus den Augen. Wurde sie nervös? Nein, sie bekam große Augen.

„Das klingt … Wie lange dauerte das?“

Matt grinste. „He, wenn du alles ausprobieren willst, bin ich dabei.“

„Etwa neunzig Minuten“, sagte Kathy.

Samantha sah ihn an. „Hast du in diesem Bereich schon viel ausprobiert?“

„Einiges. Ich möchte die Ganzkörpermassage. Was meinst du?“

Sie lächelte zaghaft. „In Ordnung. Warum nicht? Und jetzt hätte ich gern das Glas Champagner.“ Sie wandte sich an Kathy. „Ich nehme dasselbe wie er.“

„Gern. Möchten Sie von mir oder von Duncan massiert werden?“

Samantha senkte den Blick. „Von Ihnen bitte, das wäre großartig.“

Matt kam mit zwei Gläsern Champagner zu ihr und reichte ihr eines davon. „Du musst das nicht machen. Das weißt du.“

„Ich will es ausprobieren.“

„Na dann. Trinken wie auf neue Abenteuer.“ Sie leerten beide in einem Zug ihre Gläser. Samantha ließ den Blick über seinen Bademantel wandern und leckte sich die Lippen. Das war entweder die beste Idee, die er jemals gehabt hatte – oder die schlechteste.

Es war unumgänglich, dass sie Sex haben würden. Samantha wusste, dass Matt und sie nach dieser Partnermassage zusammen ins Bett gehen würden. Sie hätte nie gedacht, dass es jemals passierte. Aber heute Abend war es so weit. Das machte ihr Mut. Sie hoffte, dass die Massage sie entspannte.

Kathy hielt ein Laken hoch, hinter dem Samantha den Bademantel auszog und sich auf die Massageliege legte. Enttäuscht bemerkte sie, dass die Liege keine Gesichtsaussparung hatte. Doch dann schaute sie nach links und verstand weshalb.

Wenn Matt sich hingelegt hatte – gerade zog er den Bademantel aus –, würden sie sich in die Augen sehen. Natürlich. Bei diesem ganzen Szenario ging es um die Verbindung von zwei Menschen. Sie spürte Kathys warme Hand auf dem Rücken und konzentrierte sich auf den Rhythmus ihrer Atmung. Schnell wechselte sie in einen Zustand der Tiefenentspannung zwischen Wachsein und Schlafen.

Kathy verstand ihr Handwerk. Es duftete himmlisch. Samantha schaute tief in die Augen des Mannes, in den sie schon viele Jahre lang verknallt war. Ein Knistern lag in der Luft. Sie hatte das Gefühl, in eine andere Realität einzutauchen.

Immer stärker geriet sie in eine Art Schwebezustand. Sie nahm nicht mehr wahr, wie die Zeit verging. Matt öffnete jetzt leicht die Lippen. Seine Nasenflügel bebten. Beides törnte sie an. Als Kathy anfing, ihre Oberschenkel zu massieren, rang Samantha nach Atem. Plötzlich schien es viel heißer im Zimmer zu werden.

Das war das verrückteste Vorspiel aller Zeiten. Die Wände im Wohnzimmer wechselten von beruhigenden Blautönen in ein immer dunkleres Pink. Sie hatte vorher daran gedacht, die Stimmungssensoren auszuschalten, es dann aber vergessen. Jetzt konnte sie auch anhand des Farbspiels nachvollziehen, was eine Partnermassage bewirken konnte.

„Samantha, möchten Sie sich jetzt umdrehen?“

Sie brauchte einen Moment, um zu realisieren, dass Kathy mit ihr redete. Nein, sie wollte sich nicht umdrehen. Sie wollte, dass zwischen Matt und ihr weiterhin die Funken sprühten. Dass er sie ins Schlafzimmer brächte, wo sie den ganzen Abend lang wundervoll scharfe Sachen miteinander machen könnten.

Er ahnte, was ihr im Kopf herumging. „Ich glaube, wir sind so weit.“

Samantha erschauerte.

„Wir decken Sie beide gleich wieder mit den Laken zu.“ Kathy und Duncan traten kommentarlos ein Stück zurück und drehten ihnen den Rücken zu.

Matt stand von der Liege auf und bedeckte seine Blöße mit dem Laken. Doch er konnte nicht verdecken, wie erregt er war. Samantha erhob sich ebenfalls und schlang das Laken um ihren Körper. Sie schien noch immer zu schweben.

Auf dem Weg ins Schlafzimmer berührten sie sich nicht. Doch sie waren auf derselben Wellenlänge. In dem Moment, in dem er die Tür hinter ihnen schloss, zog er sie in seine Arme.

Matt wollte Samantha schon küssen, seitdem sie ihm am ersten Tag die Apartmenttür geöffnet hatte. Endlich gehörte sie ihm. Während er sie heiß küsste, fuhr er mit den Händen unter das Laken und strich über ihren nackten Rücken.

Der intensive Blickkontakt während der Massage hatte ihn noch stärker auf Touren gebracht, als er sich vorgestellt hatte. Es war fast wie Sex mit den Augen gewesen. Jetzt erlebte er Samantha völlig neu. Noch nie hatte er ihren Körper so intensiv gespürt, sie so leidenschaftlich geküsst und geschmeckt.

Stöhnend zog Matt sie noch enger an sich. Er war schon viel zu lange hart – was er nicht verbergen konnte und wollte. Es sei denn … Er trat einen Schritt zurück. „Bist du sicher, dass du es willst?“

„Ja.“

Schnell zog er sie für einen weiteren Kuss an sich. Er knabberte zart an ihrer vollen Unterlippe, glitt mit der Zunge in den feuchten, warmen Mund und kam sich vor wie im Paradies. Das hatte er nicht für möglich gehalten. Er hielt Samantha in seinen Armen.

Matt musste sie nackt sehen und hautnah spüren. Um ihre Geheimnisse zu entdecken und ihren Körper zu erforschen. Er wollte, dass der Sex für sie beide zu einem unvergesslichen Erlebnis würde.

Als er diesmal zurücktrat, blieb sein Blick an der Wand am anderen Ende des Zimmers hängen. Der Ozean. Hier im Zimmer. Die Wellen wogten an allen vier Wänden. Plastisch wie im Kino. Und nur für sie allein. „Sieh mal.“ Er deutete mit dem Kopf auf eine Wand.

„Oh, es ist perfekt geworden.“

„Wie hast du das bewerkstelligt?“ Er hatte sie immer für einen Computer- und Technikfreak gehalten. Denn sie hatte wirklich eine skurrile Ader.

Samantha zog an seinen Nackenhaaren. „Willst du wirklich jetzt darüber reden?“

Matt musste lachen und ließ sein Laken fallen. Zum Glück hatte der Sparringskampf heute Morgen keine Blutergüsse hinterlassen. Sie hielt ihr Laken immer noch fest. Obwohl sie damit kaum noch etwas verbarg. Er stöhnte, als er eine ihrer Brüste sah, während sie auf sein aufgerichtetes Glied starrte. „Alles okay?“

Sie ließ den Blick langsam weiter nach oben wandern, bis sie ihm schließlich in die Augen schaute. „Du bist ein Prachtkerl. Ich hätte nie … Ich meine, ich habe dich damals in Shorts und mit nacktem Oberkörper gesehen. Aber das war …“

„Vor langer Zeit. In einem anderen Leben. In diesem Leben bist du wunderschön, und ich bin ein verdammter Glückspilz.“

Lächelnd ließ Samantha das Laken fallen. „Das ist nur fair.“ Sie schloss die Augen, als sie bemerkte, dass sie rot wurde.

Sie war wirklich schön. Matt strich über ihren Arm und nahm ihre Hand in seine. „Kommst du mit mir?“

„In Ordnung.“

Er führte sie zum Bett, nahm die Decken weg. Sie legte sich stocksteif auf die Matratze, bettete den Kopf auf ein Kissen und presste die Beine zusammen. „Die Massage hat dich offenbar total entspannt“, meinte er trocken.

Sie sah an sich herunter und brach in Gelächter aus. Dann fiel ihr Blick auf sein hartes Glied. Sie erschauerte und rang nach Atem. Das reichte ihm als Einladung.

Samantha verschlang Matt mit den Augen, als er sich neben sie legte. Es war wie ein unbeschreiblich erotischer Traum und erinnerte sie an ihre unzähligen heißen Fantasien, in denen er die Hauptrolle gespielt hatte.

An den Wänden um sie herum rauschten noch immer die Wellen des Ozeans an die Küste. An der Decke versank die Sonne langsam hinter dem Horizont und tauchte das Zimmer jetzt in ein orangerotes Farbenmeer. Der Duft der Massageöle wirkte aphrodisierend. Matt sah sie hungrig an und glitt seitlich an ihrem Körper hinab.

Er rieb die Nase an ihrem Venushügel. Samantha spürte seinen Atem und seine Zungenspitze zwischen ihren Schenkeln. In diesem Moment gab sie ihre Zurückhaltung auf und öffnete sich ihm. Das war ihre Chance, eine heiße Fantasie auszuleben. Es könnte das einzige Mal sein, dass sie Sex hatten. Sie wollte jede Sekunde genießen.

Als Matt sie leckte, rang sie erregt nach Atem. Ihr Herz raste. Dann glitt er wieder ein Stück nach oben und beugte sich über einen ihrer harten Nippel. „Oh, du lieber Himmel“, rief sie. „Was machst du …? Das ist …. Oh, wow.“

Amüsiert sog er an ihrem Nippel und brachte sie mit seiner Zunge fast um den Verstand.

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