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Torn - Ich begehre dich!

Monica Murphy

Torn – Ich begehre dich!

Roman

Aus dem Amerikanischen von Gabriele Ramm

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Alle handelnden Personen in dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

Für alle meine Leserinnen,
die sofort nach Gages Geschichte verlangt haben.
Das ist für euch.

1. KAPITEL

Marina

„Verraten Sie mir Ihren Namen.“

Ein kleiner Schauer läuft mir über den Rücken, als ich die tiefe Stimme dicht an meinem Ohr vernehme. Ich stehe ganz still und versuche mein Möglichstes, auf diesen Befehlston gar nicht zu reagieren, denn schließlich sind wir von mindestens hundert Leuten umringt. Doch … ich würde nur allzu gern reagieren.

Sprich, ich würde mich dem Mann am liebsten in die Arme werfen. Dem Mann, der viel zu nahe hinter mir steht und wissen will, wie ich heiße, so als würde ich ihm irgendeinen Gefallen schulden. Irgendwie finde ich das heiß.

Irritierend, aber heiß.

„Verraten Sie mir erst Ihren“, murmele ich und drehe den Kopf in die andere Richtung, so als würde ich gar nicht mit ihm reden. Er steht hinter mir, groß und breit gebaut, eindrucksvoll in seinem makellosen schwarzen Anzug und dem strahlend weißen Hemd. Die silberfarbene Krawatte, die er trägt, ist zu einem perfekten Knoten gebunden.

Auch wenn ich ihn in diesem Moment nicht anschaue, hat sich sein Bild in mein Gedächtnis eingebrannt, seit ich ihn vor knapp einer Stunde zum ersten Mal gesehen habe. Er hat reichlich Aufmerksamkeit auf sich gezogen, als er ohne ein Wort in den Raum marschiert ist, als würde ihm alles gehören. Anschließend hat er – fast so wie ein mächtiger König, der seine Untertanen beobachtet – all die Anwesenden gemustert, ehe sein Blick auf mich fiel.

Er hat mich einige qualvolle Minuten lang angestarrt. Als er mich hungrig von Kopf bis Fuß musterte, hatte ich Schmetterlinge im Bauch. Eine beängstigende Sekunde lang fürchtete ich schon, er könnte direkt in meinen Kopf schauen. Innerlich bin ich nervös zusammengezuckt und habe mich verflucht, weil ich heute Abend hierhergekommen bin. Trotzdem habe ich keinerlei Reaktion gezeigt.

Noch immer weigere ich mich, auf ihn zu reagieren.

„Sie wissen nicht, wer ich bin?“, fragt er amüsiert, und ich bin nahe dran, ihn einfach stehen zu lassen. Meine Nervosität verflüchtigt sich. Er ist so selbstbewusst, so arrogant. Ich bin sicher, dass er glaubt, mich an der Angel zu haben.

Er weiß wohl nicht, mit wem er es zu tun hat.

Wir befinden uns bei einer örtlichen Wein- und Bierverkostung, und ich bin hier, um die Bäckerei meiner Familie zu vertreten. Die Bäckerei, die ich nach meinem College-Abschluss vor Kurzem übernommen habe und leite. Das Geschäft, von dem alle glauben, dass es bald pleite sein wird.

Warum sollen wir den Laden nicht Marina überlassen? Viel schlimmer kann es ohnehin nicht mehr werden. Das hörte ich meinen Vater zu meinem Onkel sagen. Die Erinnerung an seine Worte versetzt mir immer noch einen Stich.

Schließlich werfe ich doch einen Blick auf den Mann hinter mir und registriere sein dichtes braunes Haar, das mit feinen goldenen Strähnen durchzogen ist und ihm in die Stirn fällt. Seine grünen Augen funkeln, ein leichtes Lächeln umspielt seine vollen Lippen und verleiht ihm ein jungenhaftes Aussehen. Was natürlich reine Illusion ist, denn an diesem muskulösen Mann ist nichts Jungenhaftes.

„Vielleicht können Sie mich aufklären.“ Ich drehe mich ganz zu ihm um und lächele ihn unbekümmert an. Meine Nervosität kehrt jedoch mit einem Schlag zurück, als er noch einen Schritt auf mich zukommt und mir jetzt wirklich viel zu nahe ist. Sein Duft ist das Erste, was ich wahrnehme. Frisch und dezent, eine Mischung aus Seife und … einfach nur ihm. Keine Spur von Eau de Cologne.

Ziemlich ungewöhnlich. Die meisten Männer, die ich kenne, sprühen sich mit teuren Düften ein. Wahrscheinlich glauben sie, dass sie uns dumme Frauen auf diese Weise anlocken könnten. Stattdessen schlagen sie uns damit eher in die Flucht.

Mit Ausnahme dieses Mannes. Eine Einzigartigkeit, die ich sehr erfrischend finde.

Sein Lächeln wird breiter, und dabei entblößt er vollkommen ebenmäßige und weiße Zähne. „Gage Emerson.“ Er streckt mir seine Hand entgegen. „Und Sie sind …?“

Er ist nicht gerade subtil. Und er ist so, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Wobei ich daran eigentlich auch keinen Zweifel gehegt habe. Er entspricht genau meiner Vorstellung des Mannes, der kürzlich ungefähr das halbe Napa Valley aufgekauft hat – und zwar mit dem Ziel, es umzumodeln und dann an Gott weiß wen zu verkaufen, um möglichst viel Profit herauszuschlagen.

Ohne Rücksicht darauf, dass er für immer die Landschaft verändern wird, in der ich aufgewachsen bin. Und dadurch zwangsläufig auch meine Familie zugrunde richten wird.

„Marina Knight“, erwidere ich. Mist, ich klinge atemlos, und das ärgert mich maßlos. Ich bin heute Abend nicht seinetwegen hier. Ich bin aus anderen Gründen gekommen. Ich habe vor, Werbung für unsere Familienbäckerei zu machen und mich unter die örtlichen Geschäftsleute zu mischen, von denen viele zu meinem näheren Bekanntenkreis zählen. Mein Leben im Napa Valley ist alles, was ich habe.

Und dieser umwerfend aussehende Kerl hier direkt vor mir versucht es mir wegzunehmen.

Noch immer lächelt er, und in mir macht sich allmählich Ärger breit – aber leider auch Begehren, was mich noch wütender werden lässt. Ich hole tief Luft und bemühe mich verzweifelt, diese unerwünschten Emotionen zu verdrängen. Ich wusste, dass er gut aussieht, charmant und redegewandt ist. Immerhin habe ich meine Hausaufgaben gemacht: Erst neulich habe ich ihn eine geschlagene Stunde lang gegoogelt und mich auf die Suche nach irgendeiner Form von Schwachstelle gemacht – da er mit Sicherheit die Schwächen meiner Familie kennt. Doch wie es scheint, hat er keine. So als wäre er eine Art unverwundbarer Superheld.

Allerdings war ich nicht darauf gefasst, dass ich derart auf ihn reagieren würde. In seiner Nähe überläuft meine Haut ein Kribbeln an all den richtigen Stellen. Und als er meine Hand ergreift, um sie zu schütteln, bekomme ich doch tatsächlich weiche Knie.

„Es freut mich, Sie kennenzulernen, Marina Knight.“ Seine sonore Stimme kommt aus den Tiefen seiner Brust, und ehe er meine Finger wieder loslässt, streicht er einmal ganz kurz mit dem Daumen über meinen Handrücken.

Er ist nur ein Mann, mahne ich mich im Stillen. Traumhaft und sexy, mit dieser weltgewandten, übermäßig maskulinen und verführerisch entschiedenen Art, zu der ich mich normalerweise gar nicht hingezogen fühle, aber … Hmm.

Eine Frau darf ja wohl ihre Meinung ändern, oder?

„Ich freue mich ebenfalls“, sage ich automatisch und klinge fast wie meine Mutter. Ich zucke zusammen und wende mich verlegen ab. Ich bin dreiundzwanzig Jahre alt und bewege mich mein Leben lang schon in den gehobenen sozialen Kreisen von Napa Valley. Meine Familie gehört zu den angesehensten in der Umgebung. Da sollte man meinen, dass ich weiß, wie man sich in Gegenwart von charmanten, rücksichtslosen Männern verhält.

Aber ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll – jedenfalls nicht in Gegenwart dieses Mannes. Gage Emerson wirkt einschüchternd. Und ist gleichzeitig überwältigend. Faszinierend.

Ich sollte die Flucht ergreifen. Mich einfach umdrehen und abhauen. Was habe ich mir nur dabei gedacht, als ich darauf gehofft habe, mit ihm reden zu können? Er ist hinter dem beträchtlichen Grundbesitz meiner Familie im Valley her. Und auch ich will etwas von ihm.

Der Veranstaltungsort ist klein und befindet sich auf einem der vielen Weingüter hier in der Gegend. Ich hatte herausbekommen, dass Gage anwesend sein würde; daher entschied ich mich, ebenfalls hinzugehen. Mit dem Besitzer des Weingutes habe ich bereits gesprochen und ihm meine Visitenkarte gegeben, in der Hoffnung, dass er über das Angebot nachdenkt, das ich ihm vorhin direkt zu Beginn gemacht habe.

Das köstliche Brot, das meine Tante jeden Morgen frisch backt, würde perfekt zu seinen Weinen passen. Schon seit einer Weile versuche ich es mit dieser Taktik und kontaktiere die örtlichen Unternehmen, mit denen die Bäckerei ins Geschäft kommen könnte. Bisher leider ohne Erfolg. So langsam fürchte ich, dass mir das Wort „Versagerin“ auf der Stirn geschrieben steht und dass ich die Einzige bin, die es nicht sieht.

„Möchten Sie gern etwas trinken?“, fragt Gage. Als ich ihn wieder anschaue, neigt er den Kopf zur Seite. „Ich bin auf dem Weg zur Bar. Wollen Sie nicht mitkommen?“

Ich nicke und folge ihm schweigend durch die Menge, während ich die Leute, die ich kenne – und das sind die meisten im Raum –, im Vorübergehen mit einem kurzen Hallo begrüße. Ich habe mein gesamtes Leben hier verbracht. Die Städte im Napa Valley mögen relativ groß sein, doch die Gemeinde ist klein, und jeder scheint jeden zu kennen.

Vermutlich wird es für Gerede sorgen, dass ich gerade bei dem berechnenden, sich ins Valley drängenden Immobilienhai Gage Emerson stehe, aber das ist mir egal. Letztendlich werde ich bekommen, was ich will.

Er hoffentlich nicht.

Er legt die Hand auf meinen Rücken und führt mich in Richtung Bar. Seine Berührung geht mir durch und durch. Ich habe weiche Knie, als wir uns in die Schlange vor dem Tresen einreihen, um unsere Getränke zu bestellen.

„Und was führt Sie heute Abend hierher, Marina Knight?“, erkundigt er sich im Plauderton. Er klingt nicht so, als wolle er mit mir flirten, doch ganz sicher bin ich mir nicht. Wenigstens berührt er mich nicht mehr. Ich bezweifle, dass ich einen ganzen Satz herausbringen würde, wenn seine Hand noch auf meinem Rücken läge. Mein Gehirn scheint sich abzuschalten, sobald er in der Nähe ist.

„Meine Familie“, antworte ich knapp, weil ich nicht zu viele Informationen preisgeben will. Wenn er trotz meines Namens wirklich keine Ahnung hat, wer ich bin, dann werde ich ihm sicherlich nicht noch weiter auf die Sprünge helfen.

Er hebt eine seiner dunklen Brauen. „Ihre Familie?“

„Uns gehören einige Unternehmen im Napa Valley“, gebe ich bewusst vage zurück und mache einen Schritt nach vorn, als sich die Schlange bewegt.

Er bleibt neben mir und lässt seinen Blick über mein Gesicht gleiten, als wolle er herausfinden, ob wir uns eigentlich kennen müssten. „Familienunternehmen? Sind wir uns schon mal begegnet?“

Bedächtig schüttele ich den Kopf. „Hm, ich kann mich nicht erinnern.“ Ich würde ihn gern glauben machen, dass man ihn leicht vergessen kann.

Was natürlich überhaupt nicht stimmt. Oh, nein. Wir haben uns erst vor ein paar Minuten getroffen, doch ich fürchte, er hat sich für immer in mein Gedächtnis eingebrannt.

„Oh.“ Er klingt verwundert. Und sieht auch so aus. Na ja, er sieht wunderbar aus.

Sein blütenweißes Image ist beinahe legendär. Zumindest in der Öffentlichkeit gilt er als jemand, der nur für die Arbeit und nicht fürs Vergnügen lebt. Klar, bei größeren Veranstaltungen hängt stets irgendeine Schönheit an seinem Arm. Und natürlich werden ihm diverse Beziehungen nachgesagt – immer mit Frauen, die genauso erfolgreich und erfolgsverwöhnt sind wie er.

Warum sollte er sich also mit meiner Wenigkeit abgeben? Mit der Bäckerei-Inhaberin, die aus einer großen Familie stammt, die langsam, aber sicher mit jeder weiteren Übernahme ihr Vermögen verliert?

Mist, ich muss diese negativen Gedanken aus meinem Kopf verbannen und mich stattdessen auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Zum Beispiel darauf, wie ich ihn davon überzeugen kann, dass die nächste Akquisition, die auf seiner Agenda steht, tabu ist. Das Angebot, das er schon bald unterbreiten wird. Den Deal, dem meine Familie – vor allem mein Vater – nicht mehr lange widerstehen können wird.

Ich muss Gage davon abhalten, diesen Kauf zu tätigen. Sobald er unsere Geschäfte in St. Helena aufkauft, hat sich die Sache mit meiner Karriere erledigt. Schon immer habe ich mir gewünscht, eins der Familiengeschäfte zu leiten, vorzugsweise die Bäckerei. Das hatte man auch von mir erwartet. Die Bäckerei gehört, seit ich denken kann, zu meinem Leben. Wenn nun weiterhin alles Stück für Stück verkauft wird, bleibt nichts mehr übrig. So viel hat meine Familie im Laufe der Jahre erreicht … und jetzt, plötzlich, steht sie womöglich mit nichts mehr da … Bei der Vorstellung wird mir ganz schlecht.

Ich bin Teil des Molina-Clans, einer der ältesten Familien hier im Napa Valley, doch ich fühle mich total machtlos. Was wir uns erarbeitet haben, rinnt uns wie Sand durch die Finger, und ich habe keine Möglichkeit, das aufzuhalten. Aber vielleicht kann ich Gage ja noch eine Weile hinhalten …

Doch wie soll ich das anstellen? Was kann ich tun, um ihn davon abzubringen, mein Leben für immer zu verändern?

Du bist eine kluge, starke Frau. Dir wird schon etwas einfallen.

Ich schwöre, manchmal habe ich wirklich das Gefühl, dass die Stimme in meinem Kopf nicht meine eigene ist.

Wir sind an der Reihe, unsere Bestellung an der Bar aufzugeben. Gage nimmt ein Bier, während ich ein Glas Sekt bestelle, das natürlich von dem Weingut stammt, auf dem wir zu Besuch sind. Ich bemühe mich stets, die lokalen Firmen zu unterstützen. Schließlich erhoffe ich mir dasselbe ja auch für mein Unternehmen.

Mein Unternehmen, das kurz vor dem Konkurs steht.

Gage bezahlt für meinen Sekt, und ich lasse es zu. Anscheinend überlegt er noch immer, wer ich bin. Das erkenne ich an der gerunzelten Stirn und daran, wie er mich mit zusammengekniffenen Augen mustert, nachdem wir uns einige Schritte von der Bar entfernt haben. Gage hat der wartenden Menge den Rücken zugewandt und steht direkt vor mir, während ich an einer Wand lehne. Auf diese Weise hat er mich erfolgreich eingekesselt, obwohl es sich für mich gar nicht so anfühlt. Eigentlich gefällt es mir sogar, von Gage Emerson gefangen zu sein.

Auch wenn es nicht so sein sollte.

Gage

Ich kann sie nicht einordnen, aber ich könnte schwören, dass ich bereits von ihr gehört habe. Vielleicht bin ich ihr sogar mal begegnet. Allerdings kann ich mich nicht erinnern, wo. Eventuell bei Archers Hoteleröffnung? Ich weiß es nicht. Bei der Veranstaltung habe ich einen endlosen Strom von Menschen getroffen, obwohl sie allesamt nicht sonderlich freundlich waren. Die meisten Leute im Napa Valley behandeln mich noch immer wie einen Außenseiter.

Marina Knight … Es ist ihr Vorname, der mich stutzen lässt. Ich kenne nicht viele Marinas. Eigentlich gar keine außer ihr. Wer tut das schon? Aber diese hier … ist schön. Und nicht das, was ich erwartet habe. Obwohl, was zum Teufel hätte ich erwarten sollen? Ich kenne sie ja gar nicht.

Jedenfalls glaube ich das. Und verdammt, ich bin zu sehr von ihrem hübschen Gesicht abgelenkt. Ich fürchte, sie verdreht mir im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf.

Diese Ruhe und Eleganz, die sie ausstrahlt, sind absolut verführerisch. Honigblondes Haar, das ihr in weichen Wellen bis auf den Rücken fällt. Kühle, abschätzende blaue Augen, die mich durchdringend betrachten und amüsiert funkeln, als sie offenbar meint, mich durchschaut zu haben. Ihr Mund glänzt von dem tiefroten Lippenstift, und sie presst die Lippen aufeinander, ehe sie geheimnisvoll lächelt. Allein der Anblick dieser sanft geschwungenen Lippen bringt mein Blut in Wallung.

Kein gutes Zeichen.

Sie ist mittelgroß und reicht mir gerade bis zur Schulter. Ihr schlichtes schwarzes Kleid verdeckt viel, schmiegt sich aber wie eine zweite Haut an ihre herrlichen Kurven. Einerseits wirkt sie wie eine Eiskönigin, andererseits wie eine Sirene, die danach ruft, berührt zu werden … Eine verführerische Kombination, der ich immer weniger widerstehen kann, je länger ich mich in ihrer Gesellschaft aufhalte.

Dabei habe ich den Frauen erst vor Kurzem abgeschworen. Ich verbringe gern Zeit mit ihnen. Weiß sie wie jeder andere Mann zu schätzen. Aber zugleich stellen sie eine totale Ablenkung dar, die ich zurzeit nicht gebrauchen kann. Meist wollen sie nämlich sowieso mehr, als ich zu geben bereit bin. Meine Firma genießt im Moment höchste Priorität; sie ist das Einzige, worauf ich mich konzentrieren will. Da werde ich jetzt wohl kaum eine Beziehung eingehen, die womöglich ernst werden könnte, oder?

Nein, das ist echt das Letzte, was ich will. Vor allem, nachdem ich erleben musste, wie sich mein bester Freund Archer Bancroft hoffnungslos verliebt hat – zu allem Überfluss auch noch in meine kleine Schwester Ivy. Ich selbst bin allerdings noch nicht so weit, einen derartigen Weg einzuschlagen.

Mal ganz davon abgesehen, dass eine Menge Geld auf dem Spiel steht. Matt DeLuca, der beste Freund von Archer und mir und trotzdem ein Arschloch, hat sich diese Millionenwette ausgedacht und lacht sich in dieser Sekunde über mich kaputt. Ich kann es geradezu spüren; ich spüre es immer. Ich glaube, er steckt hier irgendwo und spioniert mir hinterher, während ich mit dieser Frau spreche, die ich nicht einmal kenne. Gleichzeitig folgt ihm seine neue Assistentin auf Schritt und Tritt und wirft ihm sehnsüchtige Blicke zu, von denen er nicht einmal etwas mitbekommt, dieser Idiot.

Sie ist heiß auf ihn, das arme Ding.

Wir befanden uns auf der Hochzeit eines Freundes, als wir drei – Matt, Archer und ich – beschlossen haben, dass wir niemals heiraten würden. Wir müssen betrunken gewesen sein, als wir das abgemacht haben, aber wir haben gegeneinander gewettet, dass wir uns von keiner Frau Fesseln anlegen lassen würden. Und der Letzte von uns, der noch frei rumläuft, gewinnt eine Million Dollar.

Völlig verrückt.

Wenn es nach mir geht, darf auf keinen Fall Matt gewinnen. Dieser selbstgefällige Bastard. Die Situation, in der wir uns jetzt alle befinden, amüsiert ihn geradezu köstlich. Er glaubt fest daran, dass er diese idiotische Wette locker gewinnt. Der einsame Wolf, für den er sich hält, hat sich ganz der Renovierung seines Weingutes verschrieben, das er erst kürzlich erworben hat. Frauen würden ihn nicht interessieren, hat er mir erst neulich erzählt. Allenfalls für eine heiße Nacht, doch unter keinen Umständen für etwas Dauerhaftes oder Ernsthaftes.

Und dabei saß seine attraktive Assistentin, wie zur Salzsäule erstarrt, keine zehn Schritte von uns entfernt. Ich könnte schwören, dass sie den Kopf so weit wie möglich in unsere Richtung geneigt hat, um etwas von unserer Unterhaltung mitzubekommen.

Was Frauen betrifft, bin ich jedoch total Matts Meinung. Soll Archer doch meinetwegen den Kopf hinhalten – aber damit ist er allein. Immerhin hat er ja selbst voller Begeisterung angefangen, Vater-Mutter-Kind mit meiner Schwester zu spielen. Eine Tatsache, die mir immer noch nicht in den Kopf will. Ivy ist genauso vernarrt in ihn. Was ziemlich merkwürdig ist, denn bis vor Kurzem haben sie sich eigentlich ständig gestritten. Ich dachte immer, sie hassen sich.

Jetzt … verdammt, jetzt wollen sie in wenigen Monaten heiraten. Ich soll Archers Trauzeuge sein. Allein der Gedanke daran, dass Archer – bildlich – eine Schlinge um den Hals geworfen wird, bringt mich dazu, an meinem Kragen zu zupfen, weil ich das Gefühl habe zu ersticken.

„Und was führt Sie heute Abend her, Gage Emerson?“ Marina wiederholt die Frage, die ich ihr eben gestellt habe, und lächelt mich weiterhin geheimnisvoll an. Diese Frau verströmt eine Sinnlichkeit, die ich unheimlich anziehend finde. Ich kann es nicht einmal erklären. Am liebsten würde ich mich vorbeugen und ihren Duft einatmen. Ihre weiche Wange berühren, ihre Hand ergreifen und meine Handfläche an ihre schmiegen. Was auch immer, auf jeden Fall irgendeine Verbindung zu ihr herstellen, nach der ich mich plötzlich so unglaublich sehne. Ihre Lippen treiben mich in den Wahnsinn; sie sind so verführerisch und verlockend rot.

Fuck, ich wette, sie schmecken auch fantastisch.

Reiß dich zusammen, du Idiot.

„Geschäfte“, antworte ich fest und nehme einen Schluck. Das Bier ist aus einer der örtlichen Brauereien, die in letzter Zeit sehr beliebt geworden sind. Deshalb bin ich hier und natürlich – wie immer –, um Geschäftskontakte zu knüpfen. Archer hat mir eine Einladung besorgt. Je mehr Grundstücke ich in dieser Gegend erwerbe, desto stärker ziehe ich in Betracht, mich hier niederzulassen.

Es gefällt mir hier. Die Landschaft ist schön, die Leute scheinen freundlich zu sein, solange du nicht ihr Territorium erobern willst, und es ist nicht weit bis nach San Francisco, wo ich eigentlich herkomme.

Während ich trinke, lasse ich Marina nicht aus den Augen. Mir entgeht daher nicht, wie sie hastig den Blick abwendet und eine zarte Röte ihr Dekolleté überzieht. Es scheint fast so, als wäre ihr in meiner Gegenwart unbehaglich zumute.

Und ich? Ich bin hin und weg. Auch wenn ich genau weiß, dass ich es nicht sein sollte. Ich bin von ihr fasziniert. Die Frauen, zu denen ich mich normalerweise hingezogen fühle, sind weltgewandt, selbstbewusst. Sie gleichen mir, was Alter, Status und Einkommensmöglichkeiten angeht. Ich stehe mehr auf „Gleich und Gleich gesellt sich gern“. Mir ist klar, dass ich wie ein verdammtes Arschloch klinge, aber ich kann nicht anders. Ich fühle mich eben zu intelligenten, selbstsicheren Frauen hingezogen.

Diese Frau hier ist jedoch jung, hübsch und offenbar schüchtern … Sie strahlt eine gewisse Unschuld und zugleich eine geheimnisvolle Sinnlichkeit aus, was in mir den Wunsch weckt, sie besser kennenzulernen. Dabei will ich im Augenblick eigentlich nichts mit Frauen zu tun haben.

„Und was sind das für Geschäfte, in die Sie verwickelt sind?“, will sie wissen, und ich könnte schwören, dass sie mich gerade mit einem aufreizenden Augenaufschlag angeschaut hat.

„Immobilien.“ Ich trinke noch einen Schluck und sehe sie weiterhin an, während sie mir erneut ausweicht und stattdessen über meine Schulter hinweg zu den anderen Gästen im Raum schaut. Ich drehe mich kurz um, entdecke aber keinen Bekannten und wende mich wieder Marina zu. Natürlich bin ich hier der Außenseiter. Und die Leute beobachten mich, als würden sie nur darauf warten, dass mir auf einmal fünf Köpfe wachsen oder so. Ein wenig komme ich mir fehl am Platze vor.

Napa ist klein, und jedes fremde Gesicht wird sofort bemerkt. Zu Hause in San Francisco ist es verdammt leicht, in der Menge zu verschwinden, wenn man das möchte.

„Ich habe kürzlich einige Objekte hier in der Gegend erworben“, erkläre ich nun.

„Tatsächlich?“ Ihr Mund verzieht sich zu einem wissenden Lächeln, und ich überlege einmal mehr fieberhaft, wer zum Teufel sie ist.

Aber ich weiß es nicht. Und ich gebe mir wirklich Mühe, mich zu erinnern.

„Ja. Es gibt noch einige andere Objekte, an denen ich interessiert bin. Deswegen bin ich hergekommen. Ich hoffe, ein paar mehr Informationen sammeln zu können.“

Sie hebt eine ihrer elegant geschwungenen dunkelblonden Brauen, was ich aufmerksam beobachte. Heißt das, dass sie eine echte Blondine ist? Die sind ja nun wirklich selten. „Was für Informationen?“, hakt sie nach.

„Na ja, ich hatte gehofft, jemanden aus der Molina-Familie zu treffen.“ Ich habe es bereits bei einigen aus der Familie versucht, aber sie erwidern meine Anrufe einfach nicht. „Ich weiß, dass sie noch immer eine nicht unerhebliche Anzahl von Grundstücken und Geschäften in und um Napa besitzen. Und dass sie nach und nach einige Grundstücke verkauft haben, die anscheinend nicht in ihr Immobilien-Portfolio gepasst haben.“ Hastig schließe ich den Mund, aus Angst, schon zu viel verraten zu haben. Wie kommt es, dass diese Frau mich dazu bringt, mich … zu vergessen?

Marina schweigt einige spannungsgeladene Sekunden lang. Dann presst sie ihre höllisch sinnlichen Lippen zusammen, bevor sie tief ausatmet und mich mit zusammengekniffenen Augen betrachtet. „Mit anderen Worten: Sie sind ein Aasgeier.“

Ich neige den Kopf zur Seite und runzle die Stirn. „Wie haben Sie mich gerade genannt?“

„Sie haben mich ganz genau gehört. Ein Aasgeier.“ Ihre Worte triefen vor Verachtung. Sie zieht einen sexy Schmollmund, während sie mich mit eisigem Blick mustert. „Sie schlagen zu, wenn jemand verletzlich ist und dringend Geld benötigt. Und dann nehmen Sie demjenigen alles.“

Das habe ich nie gesagt, obwohl sie natürlich recht hat. Die Molinas sind verletzlich und wollen offensichtlich ihre Immobilien veräußern, da sie reich an Grundbesitz, aber arm an Bargeld sind. „Ich würde mich nicht als Aasg…“

„Sie brauchen mir nichts zu erklären“, unterbricht sie mich, hebt abwehrend die Hand und weicht zurück. Auch sonst scheint sie auf Distanz zu gehen. Das verführerische Lächeln, das funkelnde Interesse in ihren hübschen blauen Augen, all das ist verschwunden. Erloschen wie eine Flamme. „Ich kenne Typen wie Sie. War nett, Sie kennenzulernen.“

Typen wie mich? Wovon zum Teufel redet sie? „Warten Sie, Marina!“, rufe ich ihr hinterher, als sie davonmarschiert.

Doch sie macht sich nicht die Mühe, sich noch einmal zu mir umzudrehen. Und ehe ich mich versehe, hat Marina das Gebäude verlassen und ist verschwunden.

2. KAPITEL

Gage

„Du Idiot! Marina Knight ist eine Molina.“ Archer versetzt mir einen Schlag auf den Hinterkopf – so wie er es schon gemacht hat, als wir noch Teenager gewesen sind.

Mir entfährt ein empörtes „Autsch“, weil ich nicht rechtzeitig ausgewichen bin. Damals war ich meist schneller und konnte mich vor dem ziemlich harten Schlag wegducken.

Jetzt habe ich es aber wohl auch nicht besser verdient.

„Das ist mir leider erst zu spät klar geworden“, erwidere ich. „Und glaub mir, ich komme mir wirklich wie ein Idiot vor.“ Angespannt reibe ich mir den Nacken. Gestern Abend im Bett konnte ich endlich eins und eins zusammenzählen, und mir fiel ein, wer Marina Knight ist. Ihr Nachname hätte mich eigentlich viel früher darauf bringen müssen. Nach einer kurzen Google-Suche war ich schlauer – und kam mir noch idiotischer vor.

Anscheinend brauche ich Urlaub. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal alles hinter mir gelassen und mich entspannt habe.

Vielleicht sollte ich mal hier im Hush, in Archers Hotel, einchecken. Wir sitzen gerade im zum Hotel gehörenden Restaurant, und ich berichte Archer, was gestern Abend vorgefallen ist. Er hatte mir ja die Einladung gegeben, da er selbst nicht hingehen konnte. Wahrscheinlich war er zu sehr damit beschäftigt, meiner Schwester schöne Augen zu machen. Genau kann ich mich an seine Ausrede nicht mehr erinnern.

„Ein bisschen spät, was? Ihre Mutter ist Maribella Molina.“

„Ich weiß“, unterbreche ich ihn, doch Archer lässt sich nicht aufhalten.

„Und Maribella hat dann Scott Knight geheiratet. Das wurde damals als der Zusammenschluss von zwei der einflussreichsten, wohlhabendsten Familien der Gegend angesehen. Die Molinas und die Knights sind sozusagen die Könige im Napa Valley.“ Archer hält inne.

Dass ich bei der Erwähnung ihres Nachnamens nicht stutzig geworden bin, zeigt, wie sehr Marina mich abgelenkt hat. Ich bin sonst immer bei der Sache. Klar weiß ich schöne Frauen zu schätzen. Aber wenn es ums Geschäft geht, lasse ich mich von ihnen nicht ablenken.

Wieso also jetzt? Wieso stellt Marina eine Ausnahme dar?

Ja, Scott Knight hat alles unter Kontrolle, aber sämtliche Geschäfte laufen noch unter dem Namen Molina. Trotzdem ärgert es mich maßlos, dass ich so blöde war.

Eine Kellnerin bleibt an unserem Tisch stehen und füllt unsere Wassergläser auf, ehe sie Archer anlächelt. Er beachtet sie jedoch kaum, sondern dankt ihr nur kurz, bevor sie wieder davoneilt.

Sämtliche Frauen lieben ihn, aber er hat bloß Augen für Ivy. Gott sei Dank. Ich müsste ihm einen kräftigen Tritt in den Hintern verpassen, wenn ich ihn beim Flirten mit irgendeiner anderen erwischen würde.

„Hör zu“, sage ich, „ich weiß, wer sie ist. Danke für die Erklärung.“ Alles Informationen, die ich bereits kannte. Obwohl ich sie jetzt zu meinem Vorteil nutzen kann. Aus irgendwelchen Gründen ist es mir bisher nicht gelungen, mit Scott Knight Kontakt aufzunehmen. All meine üblichen Taktiken haben nicht funktioniert. Da kann ich doch vielleicht Marina als eine Art Geheimwaffe einsetzen …

Das heißt, wenn sie je wieder mit mir redet.

„Ich fasse es noch immer nicht, dass du über die Molinas gesprochen hast … mit deren Tochter! Du bist echt ein Schwachkopf.“ Archer schüttelt den Kopf und lacht leise. „Da hätte ich gern Mäuschen gespielt …“

„Halt’s Maul.“ Selbst in meinen Ohren klinge ich beinahe weinerlich. Ich erinnere mich daran, wie böse Marina mich angefunkelt hat, als ich anfing, über ihre Familie zu reden. Verdammte Scheiße. Absoluter Abscheu sprach da aus ihrem Blick. Und dann hat sie mich einen Aasgeier genannt, ehe sie geflohen ist. Obwohl ich ihr hinterhergerufen habe, hat sie sich nicht umgedreht. Sie hat den Raum so schnell verlassen, als wäre der Teufel höchstpersönlich hinter ihr her gewesen.

Tja, man kann wohl sagen, dass ich es gründlich versaut habe.

„Sie steht ihrer Familie sehr nahe“, fährt Archer grinsend fort. Ganz offensichtlich genießt er es, mein Unbehagen mit zusätzlichen Anmerkungen noch zu steigern. „Ich bin sicher, dass sie gleich nach Hause zu Daddy gelaufen ist und ihm alles erzählt hat.“

„Na, vielen Dank auch. Ich fühle mich schon mies, da brauchst du die Sache nicht noch schlimmer zu machen“, brumme ich missmutig. „Und wenn sie das tatsächlich getan hat, dann stehen meine Chancen, diese Geschäfte in St. Helena zu bekommen, jetzt wohl gleich null.“

„Ja, du hast es vermasselt“, stimmt Archer mir zu. Ein wenig zu schnell für meinen Geschmack, aber was soll ich dagegen sagen? Ich glaube, dass er zu hundert Prozent recht hat.

Ich habe das Ganze echt so richtig schön vergeigt.

Während ich mich umschaue, stelle ich fest, dass es im Restaurant inzwischen ziemlich leer geworden ist. Wir haben spät zu Mittag gegessen, und ich sollte Archer jetzt vermutlich zurück an die Arbeit gehen lassen. Allerdings frustriert mich diese ganze Situation dermaßen, dass ich darüber reden muss.

„Ich verstehe das nicht. Ich weiß nicht, wieso ich das nicht hinbekomme. Es ist fast so, als würde Scott Knight sich weigern, sich mit mir zu treffen. Ich habe etliche Male versucht, einen Termin mit ihm zu vereinbaren, doch er ruft mich nie zurück.“ Er geht nicht einmal ans Telefon. Wenn es bisher schon schwierig war, wie soll es denn jetzt werden – nachdem seine Tochter meinen Namen und meinen Ruf in Stücke gerissen hat?

„Es wundert mich sehr, dass du nicht eins und eins zusammengezählt hast. Zumal du doch seit Wochen hinter Scott Knight her bist“, sagt Archer im Plauderton.

In meinem Kopf überschlagen sich die Gedanken. Ich hoffe, dass mir bald irgendetwas einfällt, womit ich meinen unglaublichen Fauxpas wiedergutmachen kann.

Normalerweise passiert mir so ein Fehler nicht. Ich bin effizient, gewissenhaft und vor allem vorsichtig. Archer ist derjenige, der Dinge versaut. Deshalb ergänzen wir uns so gut: Er treibt mich an, und ich halte ihn im Zaum.

„Du hast doch sonst immer alles unter Kontrolle“, meint Archer. „Was war gestern Abend los?“ Er mustert mich prüfend, das kann ich spüren. „Du bist scharf auf Marina Knight, was?“

„Fuck, nein“, gebe ich viel zu schnell und viel zu energisch zurück, während ich ihn böse anstarre. „Sie ist eine Eiskönigin.“

„Wenn, dann auf jeden Fall eine sehr attraktive.“ Archer senkt die Stimme. „Wehe, du erzählst deiner Schwester, dass ich das gesagt habe. Die reißt mir die Eier ab.“

„Als ob ich ihr das erzählen würde“, antworte ich. „Wahrscheinlich würde sie mir die Eier abreißen, wegen Beihilfe oder so. Marina hat mich abgelenkt. Ich habe sie bloß angesehen, und schon hatte ich das Gefühl, dass sich mein Gehirn abgeschaltet hat.“

„Ha.“ Archer schüttelt den Kopf. „Man sagt ihr nach, sie sei … desinteressiert. Und aus irgendeinem Grund werden alle Kerle, die auf dieses kühle Desinteresse stoßen, in Marinas Bann gezogen. Sie scheint etwas an sich zu haben, aber ich weiß nicht, was.“

Na großartig. Also war das gar nichts Besonderes zwischen uns beiden. Sie ist bloß so etwas wie diese Sirenen aus der griechischen Mythologie. „Ich hab’s versaut. Ich wünschte, ich könnte noch einmal von vorn anfangen. Doch dafür ist es wohl zu spät.“

„Du könntest ja zu ihr gehen und dich entschuldigen“, schlägt Archer vor.

„Zu ihr gehen? Wohin?“

„Sie betreibt die Bio-Bäckerei in St. Helena. Du hast doch bestimmt von Autumn Harvest gehört, oder nicht?“

Und ob ich davon gehört habe! Diese Bäckerei liegt genau in der Ladenreihe, die ich gern kaufen will. Die Molinas hatten sie vor einigen Jahren schon einmal zum Verkauf angeboten, als die Wirtschaftskrise allen zu schaffen machte. Sie haben sie jedoch wieder vom Markt genommen, ehe ich ihnen ein Angebot unterbreiten konnte. Wobei … Ich hätte das Geschäft damals sowieso nicht kaufen können. Mein Geld war in anderen Immobilien angelegt, und ich habe genau wie alle in Amerika unter der Finanzkrise gelitten. Zum Glück habe ich mich schnell erholt, und jetzt geht es mir besser als je zuvor. Ich habe echt saumäßiges Glück.

Aber, verdammt, ich will dieses Grundstück. Den Molinas gehören vier Immobilien auf der Main Street in St. Helena. Die eine Hälfte muss dringend renoviert werden, doch dafür fehlen ihnen die nötigen Mittel. Der Pachtvertrag für eins dieser Gebäude ist ausgelaufen, ein anderes steht leer. Diese Objekte herzurichten würde dazu führen, dass ich mehr Miete einnehmen kann. Und das würde sich für mich definitiv lohnen.

Allerdings kann ich die Ladenreihe nicht erwerben, wenn ich Scott Knight nicht dazu bringe, mit mir zu reden.

„Das ist wirklich eine Bio-Bäckerei?“, frage ich. Klingt für mich wie ein Widerspruch in sich. Bäckereien verbinde ich mit süßen Köstlichkeiten voller Zucker, aber nicht mit gesundem Essen.

„Na ja, so nennen sie sich, um die gesundheitsbewussten Kunden zu ködern. Und sie backen absolut köstliches Biobrot. Wobei es eher die Kuchen sind, die einen umhauen.“ Archer lehnt sich zurück und tätschelt seinen Bauch. „Ivy hat zu meinem Geburtstag einen von dort mitgebracht. Das war echt der verdammt beste Kuchen, den ich je gegessen habe.“

„Was für ein Kuchen? Und backt sie den selbst?“ Das kann ich mir kaum vorstellen.

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