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Totkehlchen

PROLOG

Aljosha fror und war sehr müde. Bereits seit knapp zwei Stunden kauerte er in einem Erdloch, das sein Vater in kurzer Zeit nahezu geräuschlos ausgehoben hatte. Dies war umso erstaunlicher, als der Boden in der schneebedeckten Taiga doch gefroren war und der Klappspaten, mit dem Dimitri Sobukov das Loch gegraben hatte, kein besonders stabiles Modell. Aljoshas Vater besaß wahre Bärenkräfte. Niemand, so glaubte jedenfalls Aljosha, könnte es mit Papa aufnehmen. Auch wenn er eigentlich nichts über ihn wusste, die Bewunderung für Papa war grenzenlos. Jetzt aber war ihm so kalt, dass er nicht länger warten wollte. Er wusste noch nicht einmal worauf.

„Papa“, flehte Aljosha, „bitte lass uns zur Hütte zurückgehen. Mir ist so kalt!“

Im nächsten Augenblick fühlte Aljosha die kräftige Hand seines Vaters auf seinem Mund. Mit der anderen Hand bedeutete er ihm zu schweigen. Das Rauschen des Windes in den Nadelbäumen war verstummt. Langsam, wie in Zeitlupe, trottete eine Elchkuh mit ihrem Kalb aus dem Waldstück. Dimitri Sobukov küsste Aljosha voller Freude mehrfach auf die Stirn und wies ihn an, mucksmäuschenstill zu sein.

„Du darfst dich jetzt nicht vom Fleck rühren, mein kleiner Alexej. Schau einfach zu, was Papa macht und merke es dir für die Zukunft“, flüsterte er.

Dimitri zielte mit seinem Jagdgewehr auf die Elchkuh und traf diese mitten ins Herz. Leblos sank sie zu Boden, während das Kalb starr vor Schreck in die Richtung des Schusses schaute. Für einen kurzen Moment kreuzte sich sein Blick mit dem Aljoshas. Panik erfasste das Kalb. Als ob es ahnte, dass der nächste Schuss ihm gelten würde. Aljosha stiegen Tränen in die Augen, als sein Vater abermals abdrückte. Die Kugel traf das Elchkalb am Hinterlauf. Es schrie laut auf, Dimitri jedoch brach in heftige Flüche aus. Sein eigener Sohn hatte ihn gestoßen, um das Tier zu schützen. Dimitris Blick war nun hasserfüllt. Er zog Aljosha an der Kapuze seines Parkas aus dem Erdloch und schleifte ihn bis zu der Stelle, an der das Elchkalb auf dem Boden kauerte und sich vor Schmerzen wand. Verzweifelt versuchte es, von der Stelle zu kommen, um seinen Peinigern zu entfliehen. Ohne Skrupel trat Dimitri Sobukov mit seinem schweren Stiefel auf den verletzten Hinterlauf und ließ das arme Tier aufheulen.

„Papa, bitte! Hör auf damit! Du tust ihm doch weh!“

Aljoshas Gedanken überschlugen sich. So hatte er seinen Vater noch nie erlebt. Natürlich war ihm klar, dass man ihn in Ruhe lassen musste, wenn er nach längerer Zeit mal wieder nach Hause kam. Aber das, was er jetzt vor sich sah, war die Fratze eines herzlosen und gefühlskalten Menschen, der ein hilfloses Tier quälte, ohne mit der Wimper zu zucken. Und sein eigener Sohn hatte es auch noch gewagt, ihn daran zu hindern, sein grausames Werk zu beenden.

„Papa, bitte tu das nicht. Es reicht doch. Du hast die Mutter getötet, warum muss das Kalb auch noch sterben?“

Dimitri sah seinen Sohn mit einer Mischung aus Gleichgültigkeit und Verachtung an. Diesen Blick sollte Aljosha sein Leben lang nicht mehr vergessen. Dann zog ihn sein Vater an den Haaren zu sich und drückte ihm das Jagdgewehr in die Hand. Aljosha zitterte und wehrte sich gegen die Umklammerung seines Vaters. Ein schneller Fausthieb in die Rippen raubte ihm in Sekundenbruchteilen die Luft. Er röchelte, während sein Vater sich hinter ihn stellte und das Gewehr in Aljoshas Händen positionierte, sodass der Lauf direkt auf das Kalb gerichtet war.

„Und jetzt bringst du es zu Ende, mein Sohn. Drück ab, kleiner Alexej!“

Aljosha schloss die Augen und setzte zu einem markerschütternden Schrei an, als er spürte, dass sein Zeigefinger den Abzug betätigte. Die Wälder begannen wieder zu rauschen, als sich der Schnee blutrot färbte.

DER
LETZTE
TAG

„Kommissar Modrich? Hallo? Wachen Sie auf, bitte! Sie kommen wieder. Ich kann sie hören. Bitte, ich habe solche Angst!“

Wer rief ihn da? Und wo war er überhaupt? Peer Modrich röchelte und versuchte sich zu bewegen. Vergeblich. Seine Beine versagten den Dienst. Schlimmer noch, er spürte sie nicht.

„Warten Sie, ich helfe Ihnen!“

Peer kannte die Stimme. Oder doch nicht? Was war nur los mit ihm? Abermals versuchte er, seine Position zu verändern. Er bekam eine Hand zu greifen und zog sich an ihr hoch. Im nächsten Moment hätte er am liebsten laut geschrien. Es war seine Hand, die durch die plötzliche, ruckartige Bewegung höllisch schmerzte und sich anfühlte, als sei ein Bulldozer über sie hinweggerollt. Dennoch keimte in ihm so etwas wie Hoffnung auf. Doch dann merkte er, wie der Hand des anderen die Kraft auszugehen schien. Statt sich an ihr hochzuziehen, zog Peer die Hand – und dessen Besitzer – zu sich zu Boden. Jemand begann zu weinen. Ein Kind. Modrich schauderte. Um ihn herum war es stockfinster, der pochende Schmerz in seiner Hand, die Taubheit in seinen Beinen und das Weinen des Kindes neben ihm machten Peer endgültig klar, dass er sich in einer ziemlich prekären Lage befand. Das Schlimmste allerdings war, dass er sich nicht im Entferntesten erinnern konnte, wie er in diese Situation geraten war.

„Der Junge muss verschwinden, so oder so. Was machen wir mit dem Bullen?“

Es war ein Flüstern, das Peer wahrnahm, dennoch deutlich genug, um zu verstehen, dass man etwas mit ihm und dem Kind, das immer noch neben ihm kauerte, vorhatte. Hastig tastete er seine Jacke ab und suchte etwas, womit er das Kind und sich vor dem drohenden Unheil beschützen konnte. Fehlanzeige. Keine Dienstwaffe, keine Handschellen, auch sein Handy hatte man ihm offenbar abgenommen. Unvermittelt legte sich das Kind auf Peer und flüsterte ihm flehend ins Ohr:

„Halten Sie mich fest, bitte. So fest wie Sie können. Ich gehe mit denen nicht mit. Die bringen mich sicher irgendwohin, wo ich nicht sein möchte. Wo niemand sein möchte. Bitte, Herr Modrich! Helfen Sie mir!“

Das Zittern des Kindes übertrug sich auf Peer, der spürte, dass er nichts würde ausrichten können, wenn die Personen, die in wenigen Sekunden bei ihnen sein würden, tatsächlich versuchten, ihm das Kind zu entreißen.

„Der Bulle ist für uns keine Gefahr mehr und sowieso schon halb tot. Wir lassen ihn einfach hier liegen. Den Rest erledigen die Ratten. Hol jetzt den Jungen, ich warte draußen auf dich! Und solltest du es später wieder nicht hinbekommen, erledige ich ihn.“

1

Langsam ruckelte der Touristenbus über die nur notdürftig asphaltierten, schmalen Wege des Nationalparks. Sechs Jahre hatten die Vulkanausbrüche, die Lanzarote zu einer faszinierenden Touristenattraktion haben werden lassen, im 18. Jahrhundert gedauert. Timanfaya, der über fünfzig Quadratkilometer große Nationalpark der Kanareninsel, gehörte seit jeher zum Pflichtprogramm eines jeden Besuchers. Gregor Frobisch blickte aus dem Fenster des Busses und rieb sich die Augen. Es war unangenehm heiß und trocken, fast hatte man den Eindruck, als sei es Hochsommer und nicht Herbst. Es war aber nicht nur das Klima, das für seine blutunterlaufenen Augen verantwortlich war.

Vor nicht einmal vier Monaten hatte ihn Max Huber, sein Kollege vom Polizeirevier Neuss, angerufen, während er an einem Fortbildungsseminar für polizeiliche Führungskräfte in Koblenz teilnahm.

„Gregor, hast du von dem Flugzeugabsturz gehört?“

Frobisch stockte augenblicklich der Atem. Seine Frau Jill war mit ihrem gemeinsamen Sohn Lucas übers Wochenende nach Rom geflogen und sollte an diesem Tag planmäßig zurückkehren. Er hatte noch am Vorabend mit den beiden telefoniert.

„Mit welcher Fluggesellschaft sind Jill und Lucas geflogen?“, fragte Max Huber vorsichtig.

„Air Italy, glaube ich …“

„Scheiße“, kam es knapp zurück, „Wie schnell kannst du dich von deinem Seminar loseisen?“

Frobisch nahm Hubers Worte wie hinter Glas wahr. Sie prallten von einer unsichtbaren Scheibe ab und drangen nicht komplett bis zu ihm vor. Trotzdem hatte er begriffen. Schweigend erhob er sich und verließ, das Handy immer noch am Ohr, den Raum. Der Seminarleiter hob protestierend den Arm und rief Frobisch „Moment mal, was soll das werden?“ hinterher. Frobisch knallte die Tür hinter sich zu, verließ das Gebäude durch die Drehtür am Haupteingang und steuerte schnurstracks auf das erstbeste freie Taxi zu.

„Maritim Hotel, und bitte beeilen Sie sich!“

Max Huber versuchte alles, um Frobisch beizustehen.

„Gregor, es gibt noch keinerlei gesicherte Erkenntnisse über die Zahl der Opfer. Du darfst die Hoffnung nicht aufgeben. Vielleicht hat der Pilot ja eine Notlandung hingekriegt und es gibt Überlebende!“

Der Taxifahrer hatte das Radio eingeschaltet. Die Nachrichten begannen: „Tragischer Flugzeugabsturz über den Alpen fordert fast zweihundert Tote.“ Gregor Frobisch hielt den Atem an und legte zitternd auf.

„Hallo? Hallooo? Die anderen Gäste sind schon ausgestiegen und wollen gern den Park erkunden. Möchten Sie nicht mitkommen?“

Die Reiseleiterin sah Frobisch besorgt an. Er saß im hinteren Teil des Busses wie ein Häufchen Elend, den Kopf gegen die Scheibe gelehnt, und wurde von einem heftigen Weinkrampf geschüttelt. Alles kam wieder hoch: Der Moment, als er die ersten Bilder von der Absturzstelle gesehen hatte. Ein einziges Trümmerfeld. Es hatte Tage gedauert, bis man seine Frau und seinen Sohn identifiziert hatte. Und obwohl ihm alle Kollegen davon abrieten, bestand Frobisch darauf, sie noch einmal zu sehen. Oder besser gesagt das, was von ihnen übrig geblieben war. Die Leere im Haus, die Stille, die ihm jedes Mal, wenn er den Flur betrat und ein „Hallo Schatz“ oder „Papaaaa“ erwartet hätte, buchstäblich den Atem raubte und ihn um den Verstand zu bringen drohte. Frobisch war sehr schnell klar geworden, dass er dringend einen Tapetenwechsel benötigte. Es musste nicht weit sein. Die Hauptsache war, wegzukommen von dem Ort, an dem er die letzten Jahre mit seiner Familie verbracht hatte. Als er die Stellenausschreibung für den Posten des Polizeichefs in Dortmund sah, musste er nicht lange nachdenken und bewarb sich noch am gleichen Tag. Der Ruhrpott mit seinem bisweilen zwar etwas ruppigen, aber immer ehrlichen und direkten Charme würde ihn auf andere Gedanken bringen. Da war er sich ganz sicher. Außerdem hatte er von Peer Modrich und seiner Kollegin gehört. Gudrun Faltermeyer hieß sie, wenn er sich nicht täuschte. Wenn es stimmte, was alle sagten, waren die beiden wohl ziemliche Originale und dennoch absolut integre Persönlichkeiten mit einem untrüglichen kriminalistischen Spürsinn. Die Zusammenarbeit mit den beiden würde sicherlich Spaß machen.

„Ich komme“, schniefte Frobisch und trottete der Reiseleiterin hinterher. Der Sauerstoff tat ihm gut, Hitze hin oder her. Morgen ging sein Flieger zurück nach Deutschland. Übermorgen würde sein erster Arbeitstag in Dortmund sein. Frobischs Neuanfang war überfällig.

2

Keine Frage, das Warten hatte sich gelohnt. Das Sparen auch. Elisabeth lag neben ihrem Mann im Bett und fasste zärtlich seine Hand. Jens Kleibrink wusste jetzt, dass er alles richtig gemacht hatte. iSimangaliso war vielleicht nicht der berühmteste Nationalpark Südafrikas, aber vermutlich der schönste. Der Tipp seines Arbeitskollegen Volker erwies sich als goldrichtig. Elisabeth schaute selig lächelnd Richtung Fenster. Ihre Unterkunft war, legte man westeuropäische Standards zugrunde, eher spartanisch. Eine bessere Lehmhütte, lediglich mit dem Nötigsten ausgestattet. Kein Fernseher, kein WLAN, dafür aber eine zuverlässige Klimaanlage, die bei den vorherrschenden Temperaturen unverzichtbar war.

Elisabeth seufzte und begann, Jens’ Arm zu streicheln. Er kannte diese Art des Streichelns und frohlockte. Auf einmal begann der Boden zu beben. Erst leicht, kaum wahrnehmbar, dann immer stärker. Elisabeth klammerte sich wie ein ängstliches Kind an ihren Mann. Jens spürte, wie sich sein Hals zuschnürte, versuchte aber, die aufsteigende Panik vor seiner Frau zu verbergen. Das durfte jetzt nicht sein. Sie hatten sich diesen Urlaub verdammt noch mal verdient. Und nun bebte die Erde. Das konnte doch alles nicht wahr sein. Jens sprang aus dem Bett und zog Elisabeth hinter sich her.

„Wir müssen hier raus!“, befahl er. „Wenn das wirklich ein Erdbeben ist, sind wir in dieser Hütte nicht sicher.“

Zögerlich folgte Elisabeth ihrem Mann, nahezu gelähmt vor Entsetzen. Alles Mögliche schoss ihr durch den Kopf, vor allem eins: Was würde mit Benny passieren, wenn ihnen nun etwas zustieße? Ihr Sohn verbrachte die Tage bei Elisabeths bester und ältester Freundin Camilla. Verwandte gab es nicht mehr. Nicht auszudenken, wenn … Plötzlich hielt sie inne. Jens stand im Türrahmen und stammelte: „Jetzt sieh dir das an. Das ist ja Wahnsinn!“

Elisabeth war einen guten Kopf kleiner als ihr Mann und lugte, immer noch ängstlich, unter seinem angewinkelten Arm in Richtung Straße. Im Licht der Laternen konnten sie den Grund für das vermeintliche Erdbeben sehen: Eine Herde Flusspferde polterte durch das Dorf. Ein gutes Dutzend musste das sein. Elisabeth und Jens standen wie angewurzelt und mit offenem Mund da. So ein Naturschauspiel bekam man definitiv nur hier, im iSimangaliso, geboten. Nirgendwo sonst auf der Welt gab es eine größere Flusspferdpopulation, nirgendwo sonst konnte man die riesigen Tiere durch die Straßen laufen sehen. Dabei sei es außerordentlich wichtig, so hatte es ihnen ein Wildhüter nach ihrer Ankunft erklärt, dass man die Tiere in Ruhe ließ. Hippos sehen zwar drollig aus, sind aber brandgefährlich und trotz ihrer Körperfülle sehr schnell. Stellte man sich ihnen in den Weg, riskierte man unweigerlich sein Leben.

Das ganze Spektakel dauerte keine Minute. Die Erde hörte wieder auf zu beben, Elisabeths und Jens’ Puls beruhigte sich aber nur ganz allmählich.

„Ich brauche jetzt erst mal etwas Starkes zu trinken“, meinte Jens.

„Ich brauche auch etwas Starkes“, erwiderte Elisabeth lächelnd, nahm seinen Arm und zog ihn zu sich.

3

Es stand wirklich schlecht um den kleinen Leo Faltermeyer. Nachdem sein gebeutelter Körper die ersten beiden Implantate wieder abgestoßen hatte, bereiteten die Ärzte den Jungen nun auf eine dritte Operation vor. In vier Tagen sollte es so weit sein. Und auch wenn das Neurochirurgen-Team am Uniklinikum in Aachen eins der besten in Europa war, gab es für Leo nur noch diese eine Chance. Sollte das neue Implantat, eine Spezialanfertigung aus den USA, wieder für Probleme sorgen, würde man eine weitere OP, wenn überhaupt, erst in ein paar Jahren angehen können. Guddi saß am Bett ihres Sohnes und las ihm aus Michel aus Lönneberga vor. Leo liebte dieses Buch über alles. Seit dem unseligen Abend in der Holzwickeder Lagerhalle, als ein Querschläger aus Kurt Heppners Waffe ihm das Rückenmark durchtrennt hatte, war das Lachen aus Leos Gesicht verschwunden. Dass nun selbst Astrid Lindgrens Kinderbuch nicht mehr für ein Lächeln sorgen konnt, machte Guddi unendlich traurig. Immer wenn sie alleine war und ihren Gedanken nachhing, umhüllten dunkle Nebelschwaden ihr Gemüt und ließen sie weder schlafen noch Appetit verspüren. Nur gut, dass sie noch nicht wieder im Dienst war.

Das letzte Mal, als sie Peer getroffen hatte, konnte sie ihren Schlafmangel noch halbwegs kaschieren. Die teuren Pflegeprodukte, die Hartmut ihr geschenkt hatte, hielten wirklich, was sie versprachen. Aber nun, nach Monaten der Schlaf- und Appetitlosigkeit, sah Guddi aus wie ein Zombie. Abgemagert, tiefe Augenringe und blass wie eine Wasserleiche. Ihren Badezimmerspiegel, der allmorgendlich Zeugnis über ihr optisches Elend ablegte, hatte Guddi vor zwei Wochen in den Keller verbannt. Sie hatte sich geschworen, den Spiegel erst wieder aufzuhängen, wenn die alte Guddi zurückgekehrt war. Aber was, wenn dies nie passieren würde? Was würde es mit ihr machen, wenn die OP schiefgehen sollte? Im Moment galt es, diesen furchtbaren Gedanken zu verdrängen und Leo das Gefühl zu geben, dass seine Mutter wirklich daran glaubte, dass alles gut werden würde. Die Ärzte mussten diesmal einfach recht behalten und durften keinen Fehler machen.

4

Peer Modrich war auf den Hund gekommen. Ein drei Jahre alter Tosa Inu hatte das Herz des Kommissars im Sturm erobert. Shao, wie Modrich ihn getauft hatte, war einer der wenigen Hunde, die einigermaßen unbeschadet die brutalen Hundekämpfe überstanden hatten, die über Monate hinweg in Dortmund und Umgebung stattgefunden und eine bedeutende Rolle in Modrichs letztem Fall gespielt hatten. Sein Fell sah zwar immer noch so aus wie das eines riesigen Teddybären, mit dem zu intensiv geschmust worden war, aber das würde sich geben, wie der Tierarzt beteuert hatte. Schlimmer waren die seelischen Wunden, die Shao durch die zahlreichen Kämpfe mit seinen Artgenossen davongetragen hatte. Das Aufeinandertreffen mit anderen Hunden geriet in den meisten Fällen immer noch außer Kontrolle. Und das, obwohl Modrich mit Shao seit geraumer Zeit regelmäßig eine Hundeschule besuchte, die auf den Umgang mit traumatisierten Hunden spezialisiert war. Jakob Schlüter, der Hundetrainer, galt als eine Art Hundeflüsterer, dem man sogar eine eigene TV-Show angeboten hatte. Aber auch Schlüter konnte nicht zaubern.

„Das, was ihr Hund erlebt hat“, erklärte er Peer nach der ersten Trainingsstunde, „hat so tiefe Narben auf seiner Seele hinterlassen, dass wir mindestens ein Jahr brauchen werden, um ihn zu einem souveränen Hund zu machen, frei von jeglichen Ängsten oder Aggressionen.“

Modrich nickte nachdenklich. Ob es wirklich eine so gute Idee war, sich einen Hund ins Leben zu holen? Noch dazu ein solches Kaliber? Shao wog sechzig Kilogramm und hatte eine Schulterhöhe von knapp achtzig Zentimetern. Die Frage, wer mit wem Gassi ging, war, wenn man Modrich und Shao beobachtete, bisweilen nur schwer zu beantworten.

„Und bedenken Sie bitte außerdem“, fuhr Schlüter fort, „der Tosa wurde für diese abscheulichen Hundekämpfe gezüchtet. Seine DNA ist quasi auf Krawall gebürstet. Wenn wir das nicht in den Griff bekommen, sehe ich für ihn keine friedliche Zukunft mit Ihnen.“

Der Hundeflüsterer hatte leider recht. Die Dame bei der zuständigen Behörde in Dortmund hatte es sofort mit der Angst zu tun bekommen, als sie Shao sah.

„Was um Himmels willen ist das?“, hatte sie gestammelt, „ein Hund oder ein Bär?“

Shao legte den Kopf in den Schoß der Dame und eroberte damit ihr Herz. Jedoch verlangten die Vorschriften einen zeitnahen Sachkundenachweis. Und als Peer den jährlichen Hundesteuerbetrag sah, wurde ihm klar, dass Shao nicht nur ein stressiges, sondern auch ein teures Vergnügen sein würde.

Modrich nahm den Dummy und schleuderte ihn mit aller Kraft in die Botanik. Shao schaute ihn fragend an und schüttelte sich. „Apportieren willst du also auch nicht“, bemerkte Peer, nahm Shaos riesigen Kopf in beide Hände und streichelte ihn liebevoll. Er schaute auf seine Armbanduhr und beschloss, den Heimweg anzutreten.

Modrich hatte sein Auto unweit des Hixterwaldes, seines bevorzugten Gassireviers, geparkt. Mittlerweile schaffte es Shao sogar, ohne Peers Zutun in den Kofferraum zu springen. Offenbar hatte man Shao, als er noch als Kampfhund ‚tätig‘ war, regelmäßig in viel zu enge Transportboxen gezwängt. Aus diesem Grund hatte er sich noch vor wenigen Tagen mit allen Kräften gesträubt, sich in den Kofferraum von Modrichs Dienst-Passat zu bewegen. Schließlich blieb Modrich keine andere Wahl. Er hob Shao kurzerhand hoch und wuchtete ihn in den Kofferraum. Wobei das mit dem Wuchten eine echte Gefahr für Peers Bandscheiben darstellte. Umso glücklicher war er, als der Tipp des Hundeflüsterers, Shao mit einem kurzen, aber kräftigen Leinenruck in den Kofferraum zu befördern, vor knapp einer Woche Früchte trug und Shao tatsächlich zum ersten Mal freiwillig und ohne Theater in den Kofferraum gehüpft war.

Die Fahrt zu seiner Wohnung in Dortmund-Aplerbeck dauerte keine zehn Minuten. Wenig, aber doch ausreichend Zeit, um sich Gedanken zu machen, wie er seinem neuen Chef gegenübertreten sollte. Das Ende Kurt Heppners als Polizeichef war sehr abrupt gekommen und hatte bei Peer, vor allem aber bei Guddi, tiefe Spuren hinterlassen. Während Guddi dem Polizeidienst vermutlich noch längere Zeit fernbleiben würde, hatte Peer sich immer und immer wieder gefragt, warum ihm nicht aufgefallen war, dass Kurt Heppner große persönliche Probleme hatte. Peer schaute in den Rückspiegel und sah in das Gesicht seines Hundes.

„Du hast es gut, Shao“, begann er, „musst dir jetzt keine Sorgen mehr machen.“ Shao bellte einmal kurz. „Hieß das ‚Ich weiß, Herrchen’?“ Modrich holte tief Luft und setzte seinen Dialog mit dem Tosa fort: „Weißt du, Shao, wenn wir Menschen nur halb so sorgfältig auf unsere Artgenossen achten würden wie auf unsere Haustiere, wäre diese Welt eine bessere!“

Shao machte Platz.

„Okay, ich verstehe, jetzt wird es dir zu philosophisch, was?“ Peer trommelte rhythmisch auf das Lenkrad, während im Radio Rosanna lief.

„Ich liebe diesen Song“, murmelte er, „aber wem erzähl ich das eigentlich alles? Modrich, es wird Zeit, wieder zurück in die Spur zu finden. Und am besten fängst du gleich damit an, wenn du deinem neuen Chef gegenübertrittst.“

5

Alexej Sobukov war abgemagert bis auf die Knochen. Bei einer doch eher stattlichen Körpergröße von knapp 1,90 Metern wog er nur noch fünfundsechzig Kilo. Seit fast drei Monaten verspürte er einfach keinen Appetit mehr und aß nur noch das Allernötigste. Manchmal gingen Tage ins Land, an denen Sobukov sich ausschließlich von Wasser, Säften und Kraftbrühe ernährte. Zu seiner permanenten Appetitlosigkeit gesellte sich ein extrem unangenehmes Völlegefühl, das er selbst dann empfand, wenn er nichts zu sich genommen hatte. Alexej vermutete ein Magengeschwür – im besten Fall. Wenn er Pech hatte, konnte es auch Krebs sein. Aber was hieß schon Pech? Vielleicht war das alles ja auch die gerechte Strafe für das, was Alexej Sobukov seit Jahren war: Ein eiskalter Killer ohne Gewissen und Moral, den niemand mehr Aljosha nennen durfte. Der seinem Vater nicht nur in nichts nachstand, sondern ihn in puncto Skrupellosigkeit noch übertraf. Bei Weitem sogar.

Der Dortmunder Zoo war um diese Uhrzeit, kurz vor 21 Uhr, eine Oase der Ruhe. Keine umhertollenden und quengelnden Kinder, keine lauten Schreie aus dem Affenhaus waren zu vernehmen. Nur ganz vereinzelt hörte man ein herzhaftes und lang gezogenes Raubtiergähnen oder das Flügelschlagen eines riesigen Geiers aus dem Gehege im Eingangsbereich des Zoos.

Alexej stand im Schutze der Dämmerung und wartete auf sein nächstes Opfer.

Daniel Lehmeier war seit fast zwei Jahren Direktor des Dortmunder Zoos. Mit 39 Jahren war er eigentlich zu jung für den Job, wie seine Kritiker anfänglich gefeixt hatten. Lehmeier hatte es allerdings bald geschafft, diese Kritiker verstummen zu lassen und sein Vorhaben, alle Tiere im Zoo nahezu artgerecht zu halten, in die Tat umgesetzt. Dafür war er weite Wege gegangen, hatte so lange Gelder von privaten und öffentlichen Sponsoren eingesammelt, bis er sein Bild vom idealen Zoo so umsetzen konnte, wie er es sich schon seit Jahren erträumt hatte. Der Zoo war unter Lehmeiers Leitung nicht nur für die Tiere zu einem angenehmeren Ort geworden, sondern auch für die Besucher, die besonders an den Wochenenden und in den Ferien in großen Scharen nach Dortmund strömten, um sich das neue Raubtiergehege, das Affenhaus oder die Pinguininsel anzuschauen. Lehmeier war ein Macher, ein Menschenfänger par excellence. Ihm gehörte zweifellos die Zukunft. Eine große lokale Tageszeitung hatte ihn unlängst sogar als Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt ins Gespräch gebracht. Dass er noch kein Mitglied einer großen Partei war, schien dabei eher ein Vorteil zu sein.

Daniel Lehmeier schloss die Tür seines Büros hinter sich zu, blickte hinauf zum Sternenhimmel und streckte sich. Er atmete dreimal tief ein und wieder aus, beugte seinen Oberkörper und ließ dann seine Arme locker baumeln. Es war ein langer, aber guter Tag gewesen. Er hatte diesem Typen am Telefon die Leviten gelesen, hatte ihm deutlich gemacht, dass der Deal mit dem seltenen Nashorn endgültig geplatzt war.

„Die Papiere sind gefälscht, Mann. Das arme Tier sieht auf den Fotos aus, als habe man es monatelang gefoltert und nicht gefüttert!“

Lehmeier kannte in diesem Punkt kein Pardon. Das Wohl aller Tiere hatte bei ihm oberste Priorität. Und dieser Kerl war ihm gleich verdächtig vorgekommen. Einmal in Rage geredet, gab es für Lehmeier kein Halten mehr.

„Wissen Sie, ich erkenne mittlerweile meine Schweine am Gang. Ich weiß nicht, wie man das in Ihrem betulichen Alpendialekt sagt, deshalb hier noch eine Floskel, die selbst Sie verstehen sollten: Fahren Sie zur Hölle!“

Er lächelte zufrieden, während er einen flüchtigen Blick auf seine neue Armbanduhr warf, die er sich gegönnt hatte, nachdem ihm die Stadt Dortmund den Bürgerpreis für ‚besondere Verdienste‘ verliehen hatte. Eine Rolex Divemaster. Dafür müssten andere lange schuften. Ein Lächeln huschte über Lehmeiers Gesicht. Dann wurde sein Kopf von Sobukovs Säbel fein säuberlich und blitzschnell vom Rest des Körpers getrennt. Mit einem dumpfen Knall fiel Lehmeiers Kopf in die Buxbaumhecke, die neben seinem Büro zu ansehnlicher Größe herangewachsen war. Der kopflose Rest kippte vornüber zu Boden und beschrieb eine geradezu groteske Kurve.

Nun war es Alexej Sobukov, der zum Himmel hinaufsah und tief ein- und ausatmete. Er verspürte längst schon keine Befriedigung mehr beim Töten, vor allem wenn die Zielperson ein unbescholtener Bürger war. Aber er hatte keine Wahl. Während er einen letzten Blick auf die Leiche warf, säuberte er die Klinge seines Säbels, zündete sich dann eine Zigarette an und verließ den Tatort.

Keine fünf Stunden später saß Sobukov in der Lobby des Hotels Duke in Berlin und nippte an einem Wodka-Red-Bull, seinem Standard-Drink. Er half ihm dabei, mit nur drei bis vier Stunden Schlaf pro Tag auszukommen. Der Kellner hatte ihm freundlich zu verstehen gegeben, dass dies die letzte Runde sein würde. Gut, dass Alexej in Berlin war. Nicht New York war die Stadt, die niemals schlief, sondern Berlin. Und Alexej Sobukov kannte Berlin wie seine Westentasche. Immer wenn er Jobs in Deutschland zu erledigen hatte, zog es ihn nach getaner Arbeit in die Hauptstadt. Nirgendwo sonst in Deutschland konnte er so schnell abtauchen und unerkannt bleiben. Nur in Berlin schaffte er es, das schlechte Gewissen, das er immer häufiger nach einem Mord empfand, abzustreifen und im Nachtleben auf andere Gedanken zu kommen.

Wie so häufig zog es Alexej auch heute in den Rumtreiber, einen Club, der täglich bis in die späten Morgenstunden geöffnet hatte und eine Art Auffangbecken für alle war, die trotz eines deutlich erhöhten Alkoholpegels noch keine Lust verspürten, ins Bett zu gehen. Der Laden sowie der Großteil seiner Stammgäste waren ziemlich abgerockt. Conny, die Inhaberin, war Mitte vierzig. Sie begrüßte jeden ihrer Gäste mit Handschlag und kannte die Lebensgeschichte der meisten in- und auswendig. Als Alexej den Rumtreiber betrat, warf Conny ihm lächelnd eine Kusshand zu und unterhielt sich weiter intensiv mit einem jungen Mann in Pumps und schwarzem Lederminirock. Seine Perücke lag vor ihm auf dem Tresen, den Lippenstift und die Wimperntusche musste er sich kurz zuvor mit seinen Tränen verwischt haben. Er schluchzte herzzerreißend, während Conny ihn fest an sich drückte und ihn zu trösten versuchte.

Alexej setzte sich auf den letzten freien Barhocker und sah sich um. Die meisten Gäste kannte er gut. Die Luft im Rumtreiber war wie immer zum Schneiden. Hier gab es kein Rauchverbot. Aus den Boxen säuselte Marianne Rosenberg „Ich bin wie du“, als Alexej eine Hand auf seinem Oberschenkel spürte.

„Na, schöner Mann, so allein heute Abend?“

Der Typ, der vorhin noch schluchzend am Tresen saß, stand nun hinter ihm. Die Perücke schief auf seinem Kopf liegend, die Wimperntusche immer noch im Gesicht verteilt, blickte er Alexej fragend und gleichzeitig fordernd an.

„Conny hat mir gesagt, dass du keines von diesen Arschlöchern bist. Und wenn ich dich so ansehe, glaube ich, dass sie recht hat.“

Alexej blickte über die Schulter des Mannes hinweg zu Conny hinüber. Sie warf ihm noch eine Kusshand zu und zuckte mit den Schultern. Offenbar hatte sie keinen anderen Ausweg gesehen, das heulende Elend loszuwerden. Conny hatte schon immer geahnt, dass Aljosha, wie sie ihn als eine der ganz wenigen Personen nennen durfte, ein mysteriöses Geheimnis mit sich herumtrug und nicht der war, für den er sich in ihrem Club ausgab. Wenn sie allerdings gewusst hätte, dass der dünne Mann mit dem leichten osteuropäischen Akzent einer der berüchtigsten Auftragskiller der Welt war, läge ihre Hand sicher immer noch tröstend auf dem Kopf des wimmernden Transvestiten.

„Wenn Conny das sagt, wird es wohl stimmen“, entgegnete Alex und legte seine Hand auf die des jungen Mannes. „Was ist mit dir passiert, warum weinst du? Und wie heißt du?“

Der Mann wedelte hektisch mit beiden Händen, als würde er gleich in Ohnmacht fallen.

„Oh mein Gott, wie unhöflich von mir“, begann er. „Ich heiße Francesca, aber meine Freunde dürfen mich Frank nennen.“

Er lachte so laut, dass es alle Gäste im Rumtreiber mitbekamen und spontan mitlachten, Alexej eingeschlossen.

„Dann nenne ich dich lieber Francesca, wenn du nichts dagegen hast. Ich habe nämlich keine Freunde.“ Dabei sah Alexej seinen Gesprächspartner mit undurchdringlicher Miene an. Francesca lachte abermals laut auf. Diesmal aber erwiderte Alexej das Lachen nicht.

„Erzähl mir jetzt, warum du so traurig bist.“ Alexej deutete auf die länglichen Narben an Francescas Unterarm.

„Das war ich selber“, wisperte sie. „Zweimal habe ich versucht, mir die Pulsadern aufzuschneiden. Selbst dafür bin ich wohl zu blöd.“

Wieder rann schwarze Wimperntusche über ihre Wangen.

„Ich …“, begann Francesca zögerlich, „ich hatte bisher nur Pech mit Männern. Aber der erste in meinem Leben war gleichzeitig der schlimmste!“

Alexej zeigte keinerlei Regung. Er ahnte, was als Nächstes kommen würde.

„Mein Vater ist ein echtes Schwein. Er kommt nicht klar damit, dass ich anders bin, dass ich seiner spießigen Idealvorstellung eines Sohnes nicht entspreche.“

„Was hat er getan?“, fragte Sobukov mit seltsam heiserer Stimme.

„Getan? Er hat mir nichts getan. Jedenfalls nichts, das man sehen kann.“

Francesca gab Conny ein Zeichen. Wenige Sekunden später stand ein Glas Schwarzbier auf dem Tresen. Francesca nahm einen tiefen Schluck.

„Seitdem er von meiner ‚Veranlagung‘ weiß, hat er kein einziges Wort mehr mit mir geredet. Und das, obwohl wir noch lange unter einem Dach gewohnt haben und meine Mutter mit Engelszungen auf ihn eingeredet hat. Ich war plötzlich Luft für ihn. Im Grunde genommen waren ihm von dem Zeitpunkt an, als aus Frank Baldauf Francesca wurde, alle anderen Menschen wichtiger als ich. Seine Kollegen, unsere Nachbarn. Einfach alle. Er hat meine Verwandlung nie verstanden, und schon gar nicht toleriert!“

Alexej kniff die Augen zusammen.

„Und deshalb hast du dir irgendwann die Pulsadern aufgeschnitten? Warum hast du ihn nicht einfach getötet?“

Francesca ließ beinahe ihr Bierglas fallen und sah Alexej schockiert an. Sobukov erwiderte den Blick, um dann loszuprusten.

„Kleiner Scherz, my sweet transvestite. Ich erledige das für dich!“ Er nahm Francescas Arm und zog sie zu sich. „Und das, meine Liebe, ist jetzt mein voller Ernst!“

6

Jens Kleibrink hatte das Klingeln des Weckers nicht gehört. Seine Frau stand im Türrahmen und betrachtete ihn liebevoll, während er, die rechte Hand im Schritt und den Kopf ins Kissen gedrückt, genussvoll schnarchend im Bett lag. Elisabeth war voller Tatendrang.

Zu Hause war es immer Jens, der als Erster aufstand, sobald der Wecker um sechs Uhr klingelte. Er bereitete das Frühstück zu, während Elisabeth noch einen Moment im Bett verharrte und erst allmählich, nach intensivem Recken und Strecken, wach wurde und aufstand. Danach betrat Elisabeth leise das Kinderzimmer, um Benny zu wecken. Für den Elfjährigen war das frühe Aufstehen eine einzige Qual. Sie wussten nicht mehr, wie oft sie sich gefragt hatten, welchen Sinn und Zweck der Unterrichtsbeginn um 7:55 Uhr erfüllte. Sogar einige Lehrer hatten in Gesprächen durchblicken lassen, dass ihnen der frühe Vogel herzlich ...

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