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Treppen der Lust

Für A., der mich zum Fliegen brachte

 

Eine schmutzige Fantasie ist ein ewiges Fest

William Shakespeare

Ella, Bella

„Sie haben sehr schöne Beine.“

Die Stimme hinter ihrem Rücken gehörte einem Mann. Was sie sagte, entsprach zwar der Wahrheit, aber wie konnte ihr Besitzer die Form ihrer Beine beurteilen? Sie trug doch dicke Winterstiefel.

Ella wartete gerade an einer Fußgängerampel, als sie die Stimme vernahm. Sie würde sich nicht umdrehen, schwor sie sich. Die Ampel sprang auf Grün, und Ella überquerte schnellen Schrittes die breite Straße. Noch nicht auf der Verkehrsinsel in der Mitte angekommen, war sie ihrem Schwur untreu geworden. Sie war im Begriff sich umzudrehen, aber da war er schon neben ihr. Beim Erreichen des gegenüberliegenden Bürgersteigs hatte er sie bereits in ein Gespräch verwickelt; eine Viertelstunde später saß sie mit ihm in einem Café.

Eigentlich mochte sie keine Männer mit haarlosem Schädel, schon gar nicht, wenn sie eine Etage tiefer mit einem gepflegten Bart aufwarteten. Aber dieses Exemplar gefiel ihr aus irgendeinem Grund. Vielleicht lag es an seinen Augen, die sie so durchdringend ansahen. Noch ehe er hinter sie getreten war, möglicherweise sogar noch bevor sie seine Stimme gehört hatte, meinte sie, seinen Blick gespürt zu haben. Zwar hatte er sich für das nicht besonders originelle Kompliment zu ihren Beinen entschuldigt, aber aus jeder Pore seines Körpers drang die Botschaft: Ich möchte mehr sehen und nicht nur das. Vermutlich hing das mit seinem Beruf zusammen.

Ellas Hand spielte mit der kleinen Visitenkarte in ihrer Manteltasche, die Peter ihr in dem Café zugesteckt hatte. Mindestens zehnmal hatte sie sie während der Fahrt hervorgekramt und sich vergewissert, ob sie die Adresse richtig gelesen hatte. Das war eher ihrer Unsicherheit geschuldet als ihrem Informationsbedürfnis. Letzteres war nur vorgetäuscht. Als sie den Klingelknopf drückte, schlug ihr das Herz bis zum Halse. Auf was hatte sie sich hier eingelassen, sie, die sonst immer die Kontrolle über alles haben wollte? „Hereinspaziert“, mit diesen Worten öffnete Peter ihr die Wohnungstür. Wenn er jetzt auch noch sagte „Herein in die gute Stube“, würde sie auf dem Absatz kehrt machen.

Peter sagte es, und Ella blieb.

Sie ließ es zu, dass er sie zur Begrüßung umarmte. Die vertrauliche Geste war ihr nicht unangenehm, zumal ihr zur gleichen Zeit der Hauch eines herben Duftwassers in die Nase stieg, unaufdringlich zwar, aber doch deutlich wahrnehmbar. Genauso wie sie es bei Männern schätzte. Als er ihr aus dem Mantel half, streifte seine Hand wie unbeabsichtigt ihr Gesäß. Auch das war ihr nicht unangenehm. Schon eher die Tatsache, dass sie für die winterlichen Temperaturen auffällig dünn gekleidet war. Ella dachte an die Visitenkarte, die in ihrem Mantel zurückgeblieben war. Dort stand: Porträts, Mode, Filme, Events – was immer das bedeutete. Aber weil Peter sie fotografieren wollte, war sie ja hier.

Das Atelier lag auf der oberen Etage einer Maisonette-Wohnung und war über eine innenliegende Treppe aus Holz zu erreichen, die nach etwa zwei Dritteln von einem kleinen Absatz unterbrochen war. Von dort bog der Aufgang nach rechts ab und mündete am Ende in einen großen Raum ohne Türen. Dieser war erfreulich warm und entsprach in seiner Ausstattung dem, was Ella sich unter einem Fotostudio vorstellte. Große Leuchten, Strahler, Kabel und schirmähnliche Gebilde waren im Raum verteilt. Auf stelzenartigen Stativen warteten Kameras auf ihren Einsatz. Soweit Ella das beurteilen konnte, musste es sich um verschiedene Typen von Kameras handeln, die aber alle auf eine Leinwand an der Breitseite des Raums fokussiert waren. In einer Ecke waren ein großer Ventilator und ein Barhocker zu sehen. An der einen Längswand machte sich ein riesiger Flachbildschirm breit. Ihm gegenüber befanden sich eine Chaiselongue, überzogen mit einem brokatartigen Stoff, daneben ein passender Sessel mit Lehnen und ein Paravent mit japanischen Motiven. Auf dem Diwan lag etwas, das wie ein großer schwarzer Handschuh aussah, über dem erhöhten Kopfende hing ein dunkler Chiffonschal. Leichtes Unbehagen schlich sich in Ellas Magengrube. Peter bat sie, auf einem einfachen schwarzen Stuhl vor der Leinwand Platz zu nehmen.

Sie hatte zugestimmt, dass Peter einige Porträts von ihr machte. Eigentlich ließ Ella sich nur ausgesprochen ungern fotografieren. Sie mochte es nicht, für eine Aufnahme wie auf Knopfdruck zu lächeln. Die wenigen Bilder, die von ihr existierten, waren der Beweis. Das Lächeln, das man ihr manchmal abgerungen hatte, wirkte unwillig. Sie habe ein interessantes Gesicht, meinte Peter während ihres Gesprächs in dem Café. Sicher war das eine freundliche Umschreibung für „wenig attraktiv“. Ella selbst fand ihren Teint zu blass, die Sommersprossen zu aufdringlich. Ihre Zähne standen nicht alle in gerader Reihe und zwischen den beiden vorderen klaffte eine kleine Lücke. Aber ohnehin schien Peter weniger von ihrem Gesicht als von ihren Beinen gefesselt zu sein. Jedenfalls starrte er ziemlich ungeniert in diese Richtung, als sie sich hinsetzte. Trotz der Kälte, die draußen herrschte, trug Ella einen schwarzen Minirock, ein eng anliegendes, grünes Oberteil, dunkle Strümpfe und hochhackige Schuhe. Sie wusste, dass ihre Beine gut darin aussahen. Die Sitzfläche des Stuhls war relativ niedrig und zu schmal, als dass Ellas Oberschenkel komplett dort hätten aufliegen können. Im spitzen Winkel standen sie ab, und ihr Rocksaum schob sich automatisch weiter nach oben.

Peter strich durch ihre Mähne, scheitelte und kämmte sie mit seinen Fingern. Mal hielt er sie straff zu einem Pferdeschwanz gebündelt, dann türmte er sie zu einer provisorischen Hochfrisur auf. Schließlich entschied er sich, ihr Haar offen zu belassen und legte ihr eine Partie hinter das Ohr. Dabei drapierte er einen Haarstrang so, dass er in dicken rotblonden Wellen über ihre rechte Brust floss wie auf einem Kissen aus grünem Moos. Wieder streifte er wie zufällig ihren Körper, diesmal ihre Brust, und berührte dabei nicht nur den Stoff. Ellas Brustwarzen reagierten, und in den Tiefen ihres Schoßes wallte etwa für die Dauer eines Herzschlags ein bekanntes Gefühl auf, eine Mischung aus Druck und Gegendruck, das kribbelnd in ihren Körper ausströmte.

Er hob ihr Kinn an. Einen kurzen, vergeblichen Moment hoffte Ella, er würde sie küssen, doch anscheinend wollte er nur den Lichteinfall prüfen. Endlich war Peter mit ihrer Pose und der Beleuchtung zufrieden. Der Verschluss seiner Kamera klickte in rascher Folge. Probeschüsse, wie Peter sagte. Zum Glück hatte er sie nicht aufgefordert zu lächeln.

„Ich würde gerne mehr von dir fotografieren“, sagte Peter.

„Wie meinst du das?“

„Ich könnte mir zum Beispiel ein Ganzkörperporträt hier auf diesem Stuhl vorstellen.“

Bevor Ella protestieren konnte, hatte Peter bereits ein Stativ mit einer anderen Kamera in geeigneter Entfernung vor dem Stuhl postiert. Ohne ihr Einverständnis abzuwarten, kniete er vor ihr nieder und drückte ihre Beine ein wenig auseinander. Wie selbstverständlich begann er, ihr die Strumpfhose auszuziehen, und mit der gleichen Selbstverständlichkeit ließ sie es geschehen. Behutsam rollte Peter das seidige Kleidungsstück herunter, bis es auf ihren Schuhen angekommen war. Zusammen mit diesen streifte er es ab. Ein flüchtiger Schauer jagte über ihre nackten Beine.

Von ihren Fußknöcheln nahmen seine Hände den Weg ihre Unterschenkel hinauf, umrundeten ihre Knie und wanderten mit langsam kreisenden Bewegungen an der Innenseite ihrer Oberschenkel entlang. Die Empfindung in ihrem Unterleib flammte erneut auf, doch diesmal blieb sie länger und erreichte dort die feinen Verästelungen ihrer Nervenbahnen. Wie von selbst öffneten sich Ellas Schenkel unter Peters Berührung. Sein Finger ertastete den Beinausschnitt ihres Höschens, glitt unter den Spitzensaum. Der Finger war warm und wissend. Er maß ihre Spalte aus und traf punktgenau die empfindliche Stelle an deren Ende. Unwillkürlich stöhnte Ella auf.

„Du bist sehr feucht.“

Es hatte keinen Sinn, dies zu leugnen. Als Peter Anstalten machte, ihren Slip herunterzuziehen, hob sie entgegenkommend ihr Gesäß an. Noch trennte der Rockstoff ihre nackte Haut von der hölzernen Sitzfläche, doch sie fühlte sich offen für mehr. Peter machte sich indessen wieder an seiner Kamera zu schaffen. Erstaunlicherweise bedurfte es keiner Anweisung. Ella lehnte sich zurück, ein Arm über den Rücken des Stuhls gelegt. Ihr Kopf ruhte auf ihrer Hand, ihre Augen fixierten die Kamera. Als sie ein Bein über das andere schlug, gab sie den Blick auf ihre nackte Möse frei. Wieder hörte sie das Klicken des Kameraverschlusses, dann etwas, das sie als Zoomen identifizierte. Ella reckte ihre gespreizten Beine dem Geräusch entgegen.

„Genauso ist es richtig“, lobte Peter sie. „Zeig’s mir, Baby!“

Peter hatte anscheinend eine Vorliebe für die sprachlichen Klischees seiner Branche, doch er verstand sein Handwerk, das musste sie ihm lassen. Ella saß immer noch auf dem Stuhl. Peter war hinter sie getreten, beugte sich zu ihr hinab und umschlang sie mit seinen Armen. Seine rechte Hand mit der Kamera ruhte auf ihrem Schoß. Sie war jetzt im Wiedergabe-Modus. Mit dem Daumen betätigte Peter eine Taste, um zur nächsten Aufnahme zu blättern. Auf den Bildern blickte Ella keck in die Kamera, mit einem lasziven Lächeln um den Mund, das nichts versprach, aber vieles in Aussicht stellte. Der Fotograf hatte ihren Nerv getroffen, etwas in ihr zum Schwingen gebracht. Ellas Augen strahlten, ihre sonst so blassen Wangen waren gerötet. Ihr Haar glänzte wie Seide. Sie leuchtete. Selbst ihre Sommersprossen entwickelten eine eigentümliche Strahlkraft. Zum ersten Mal war sie mit den Sprenkeln auf ihrer Nase versöhnt, genau wie mit der winzigen Lücke zwischen ihren Vorderzähnen. Ihre Körperhaltung wirkte so entspannt wie ihr Lächeln, obwohl die üppigen Brüste das enge Top zu sprengen drohten. Wie kleine Dolche drängten sich die harten Spitzen von innen gegen den Stoff. Zwischen ihren geöffneten Schenkeln erahnte man die feuchte Stelle und das keimende Verlangen.

„Ella“, hauchte ihr sein Pfefferminzatem in das eine Ohr, „Bella“ in das andere. Peter küsste ihr Haar, biss ihr leicht in das rechte Ohrläppchen. Woher wusste er, dass sie das mochte? Unruhig rutschte Ella auf dem Stuhl hin und her. Wie um sie zu zähmen, packte Peter mit der freien Hand ihren Nacken. Er hielt sie ganz fest, als sich seine Zunge über ihren Hals hinauf zu ihrem Gesicht schlängelte. Peter küsste ihre Nasenspitze, ihre halb geschlossenen Augenlider. Sie gierte nach einem richtigen Kuss, aber obwohl seine Zunge mehrfach über ihre Lippen strich, drang sie nicht in ihren Mund ein. Ella fasste blind hinter sich, dorthin, wo sie den Schritt seiner Hose vermutete, und traf auf harten Widerstand in Peters Jeans. Ihre Hand fand den Reißverschluss, aber Peter schob sie beiseite. Unvermittelt entfernte er sich und verschwand ohne ein Wort in einem Nebenraum des Studios. Dort hörte Ella ihn hantieren. Nachdem er nicht auf ihr Rufen reagierte, sammelte sie ihre Kleidungsstücke vom Boden auf, zog sich an und rannte die Treppe hinunter. Ella war enttäuscht und gekränkt.

Als die Wohnungstür hinter ihr ins Schloss fiel, kehrte das mulmige Gefühl in ihre Magengrube zurück. Vor allem aber war sie wütend. Peter hatte ihren Appetit mehr als angeregt, sie aber dann hungrig zurückgelassen. Nichts, aber auch gar nichts hatte er von sich preisgegeben, außer ein paar sprachlichen Floskeln. Dabei war er neulich in dem Café fast schon geschwätzig gewesen. Nicht einmal ein Kuss, geschweige denn ein Blick auf seinen Schwanz waren ihr vergönnt gewesen. Auf der Heimfahrt wuchs Ellas Unmut. Zuhause kamen die Gewissensbisse hinzu. Peter war nicht mehr als eine flüchtige Bekanntschaft. Dennoch hatte sie sich von ihm nicht nur befingern und abschlecken, sondern auch in eindeutiger Pose ablichten lassen. Sie wusste nicht, was mit den Fotos passieren würde. Mit ihrem überstürzten Abgang hatte sie sich die Möglichkeit genommen, Peter um Diskretion zu bitten.

Genau einen Tag lang war sie wütend und machte sich Vorwürfe wegen ihres Leichtsinns. Dann waren ihr Zorn verraucht, ihre Skrupel verflogen. Erotische Fantasien, die sich um ein Fotostudio rankten, verfolgten Ella bis an ihren Arbeitsplatz bei der Bank. Falls Peter ihre Fotos in sozialen Netzwerken oder einschlägigen Foren eingestellt hatte, war es nur eine Frage der Zeit, bis Kollegen oder Kunden sie erkannten. Jeder, der sie anlächelte, war ein potentieller Mitwisser. Wenn Ella onanierte, ging ihre Fantasie noch weiter auf Reisen. Praktiken, die sie eigentlich verabscheute, wurden ihr aufgezwungen, und obwohl sie innerlich dagegen rebellierte, war sie genötigt, alles mitzumachen.

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