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Drake Brothers – True Love

Zu diesem Buch

Sophie Evans steht mit dem Rücken zur Wand. Um die lebensrettende OP ihrer Schwester bezahlen zu können, muss sie ihr höchstes Gut in die Waagschale werfen: ihre Jungfräulichkeit! In einem exklusiven Club wird Sophie an den Höchstbietenden Colton Drake verkauft.

Doch je mehr Zeit sie mit Colton verbringt, desto klarer wird, dass nichts so ist, wie es scheint. Der Mann mit der gequälten Seele stellt Sophie vor Herausforderungen, mit denen sie nicht gerechnet hat, und bringt sie an Grenzen, die sie nie zu erreichen geglaubt hätte …

Prolog

Heute Abend werde ich an den Höchstbietenden versteigert werden. Während ich hier in diesem ruhigen Raum stehe, suche ich nach der kleinen Stimme der Vernunft, die mir sagt, dass ich das Richtige tue. Sie ist nirgends zu hören. Treulose Schlampe.

Ich schaue in den Spiegel, blicke in meine dunkelblauen Augen und rufe mir ins Gedächtnis, dass ich sehenden Auges in diese Sache gehe und dass ich mich selbst dafür entschieden habe. Es war keine Entscheidung, die ich hatte treffen wollen, und ganz bestimmt nicht mein angestrebtes Lebensziel, sondern eine Entscheidung, die ich treffen musste, um jemanden zu retten, den ich liebe.

In einer Stunde werde ich jemandem gehören – einem Mann mit kranken Bedürfnissen und Fetischen, die ihn dazu treiben, sich eine Partnerin zu kaufen, anstatt sich mit einem ganz normalen Mädchen zu verabreden. Gott stehe mir bei.

1

Sophie

Man hat mir gesagt, dass ich mehr als zweihundertfünfzigtausend Dollar verlangen kann, vielleicht auch mehr in Anbetracht der Tatsache, dass ich noch Jungfrau bin. Das Geld wird für meine Zwillingsschwester und beste Freundin der Welt den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen. Es wird bedeuten, dass ich die Kosten einer experimentellen Behandlung ihres fortgeschrittenen Eierstockkrebses übernehmen kann. Wir sind beide erst einundzwanzig Jahre alt und haben noch kaum gelebt. Als sie mit neunzehn Krebs bekam und eine Hysterektomie vorgenommen wurde, versprach ich ihr, später mal ihre Babys auszutragen, ein Versprechen, das ich vorhatte zu halten. Und jetzt soll sie innerhalb weniger Monate sterben, wenn ich nichts unternehme, deshalb stehe ich in diesem schwach beleuchteten Ankleidezimmer, trage die dritte Schicht Wimperntusche auf und habe nur einen Slip an.

Ich war vollkommen zufällig darauf gestoßen. Vor ein paar Wochen hätte ich gar nicht geglaubt, dass es so etwas überhaupt gibt. Ich hatte im Internet nach lukrativen Möglichkeiten gesucht, Geld zu verdienen – irgendetwas, egal was –, um die dreihunderttausend Dollar aufzutreiben, die wir brauchen. Meine Eltern kommen finanziell gerade so über die Runden. Deshalb wusste ich, dass es an mir liegen würde. Meine Jobsuche stellte sich als blanker Hohn heraus. Mit meinen Qualifikationen würde ich nicht mehr verdienen, als wenn ich kellnern ging. Das war der Punkt, an dem meine Internetrecherche interessanter wurde und ich selbst kühner.

Ich erklärte mich zu einem Vorstellungsgespräch in einem örtlichen Stripclub bereit. Das Vorstellungsgespräch selbst war schon peinlich genug – ich sollte mich vor dem Clubbesitzer ausziehen und meine nicht vorhandenen Tanzkünste vorführen. Doch dann fragte er mich, wie viel Geld ich durch meine Tanzerei verdienen wollte, und ich antwortete: »Dreihunderttausend in den nächsten paar Monaten.« Da lachte er mir ins Gesicht und sagte, ich solle mich wieder anziehen. Uns beiden war klar, dass ich mit meinen Tanzfähigkeiten niemals auch nur annähernd so viel Geld machen würde. Und schon gar nicht in einer Kleinstadt in Nordkalifornien.

Als er sah, wie sich meine Augen mit Tränen füllten, und fragte, wozu ich das Geld brauchte, hatte ich ihm, einem vollkommen Fremden, die ganze traurige Geschichte erzählt. Als ich mich angezogen hatte, holte er mich in sein Büro und beschwor mich, dass das, was er gleich sagen würde, unter uns bleiben müsse. Sein Blick, der unruhig im Zimmer umherwanderte, sagte mir, dass es sich dabei wohl kaum um etwas Legales handelte. Das war mir gleichgültig. Ich war in meinem ganzen Leben noch nicht ein Mal über eine rote Ampel gefahren, aber ich würde alles tun – und sollte es noch so extrem sein –, um Becca zu retten. Ich sagte ihm absolute Verschwiegenheit zu. Er fragte mich, wie ernst es mir wäre, meine Schwester zu retten, und schickte warnend voraus, dass mir bestimmt nicht gefallen würde, was er gleich sagen würde. So hatte ich von der Auktion erfahren, die heute Abend stattfindet.

Bill, der Stripclub-Besitzer, setzte mich auf die Angebotsliste für den heutigen Abend. Gegen zehn Prozent des Erlöses hatte er alles Notwendige arrangiert. Ich war bei einem Arzt gewesen, der untersucht hatte, ob ich schwanger war oder eine Geschlechtskrankheit hatte; außerdem hatte er mir meine Jungfräulichkeit attestiert. Darüber hinaus hatte Bill in einem örtlichen Schönheitssalon einen Termin für eine Ganzkörperenthaarung mit Wachs und ein Styling vereinbart – einen Haarschnitt und karamellfarbene Strähnchen in meinem ansonsten kastanienbraunen Haar sowie Maniküre und Pediküre. All das würde ich von meinen Einnahmen bezahlen müssen. Wenn ich mich nicht verkaufte, würde ich ihm das alles zurückzahlen müssen. Doch Bill gab mir praktisch die Garantie, dass ich mich verkaufen würde. Er versicherte mir, dass Jungfrauen selten seien und dass jemand, der so natürlich und hübsch sei, zu einem Spitzenpreis wegginge. Ich hoffte nur, dass ich die Nerven bewahren konnte, um das Ganze durchzuziehen. Am liebsten hätte ich mich übergeben, dabei hatte ich den ganzen Tag nichts gegessen.

Ich drehe mich um, als es leise an die Tür klopft und Bill seinen Kopf hereinsteckt. Reflexartig kreuze ich die Arme vor meiner Brust, um sie zu bedecken. Nicht, dass meine Sittsamkeit irgendeinen Sinn ergäbe, und ein hysterisches Kichern steigt in meiner Kehle auf. Allzu bald werde ich einem Raum voller Männer ausgesetzt sein, und man wird von mir erwarten, dass ich mich einem von ihnen hingebe, doch ich konzentriere mich darauf, meine Unschuld zu bewahren, solange es mir noch möglich ist. Bill sieht mich mit hochgezogener Augenbraue an. »Bist du bereit?«

Ein letztes Mal blicke ich in den Spiegel und hole tief Luft, um mich zu beruhigen. Ich schaue auf meine Beine hinunter, die dank regelmäßigem Jogging – meiner einzigen Form des Stressabbaus – muskulös sind; ich schaue auf meinen Bauch, der ein wenig weicher ist, als ich es gern hätte, und auf meine Brüste, die wackeln, wenn ich mich bewege. Die Augen, die mir aus dem Spiegel entgegenblicken, sind härter als zuvor. Gut. Ich werde eine harte Fassade brauchen, um die nächsten sechs Monate zu überstehen.

Ich habe nicht gewusst, dass diese Seite der Welt überhaupt existiert, und jetzt tauche ich in sie ein. Ich tu das für Becca, rufe ich mir ins Gedächtnis. Unter Aufbietung all meiner inneren Stärke nehme ich meine gekreuzten Arme von meinen Brüsten und nicke Bill zu. »Ich bin bereit.«

Flüchtig lässt er seinen Blick über mich wandern. Ich bin froh, dass er nicht anzüglich ist. »Du siehst großartig aus. Sehr natürlich. Das sollte dir einen Vorteil verschaffen«, bemerkt er, während er mich aus der Sicherheit der Garderobe hinausführt.

Als wir über den Flur gehen, begreife ich, was er damit meint. Dort sehe ich ein paar weitere Frauen zwischen Anfang zwanzig und Ende dreißig, und jede von ihnen im Stripperinnen-Look – aufgebauschtes Haar und dicke Schichten Make-up, rot bemalte Lippen, Netzstrümpfe und himmelhohe Absätze. Alle von ihnen tragen G-Strings. Man hatte mir gesagt, dass das einzig erlaubte Kleidungsstück ein Slip sei, deshalb hatte ich mich für meinen sittsamsten entschieden – eine hellblaue Unterhose mit Spitze am Saum. Sie ist süß, weiblich und bequem. Mir wäre nie eingefallen, sexier wirken zu wollen. Das bereue ich nun zutiefst. Was, wenn mich keiner haben will? Dann wäre all das umsonst gewesen, und obendrein schuldete ich Bill dann auch noch die Kosten für das Styling. Der Betonboden unter meinen nackten Füßen lässt mich am ganzen Körper frösteln, meine Nippel stellen sich auf und werden hart. Wieder umklammere ich mit verschränkten Armen meine Brüste.

Ich mag zwar mehr anhaben als die anderen Frauen, aber irgendwie fühle ich mich trotzdem nackter. Vollkommen bloßgelegt, damit mich die ganze Welt sieht. Dabei sehe ich aus, wie ich immer aussehe, und nicht wie eine erotischere Version meiner selbst, die ich für die Männer darstelle, die auf der anderen Seite dieser Tür auf mich warten. Plötzlich will ich nicht, dass sie dieses wahre Ich sehen. Lieber wäre ich auch mit Make-up zugekleistert und würde eine lange blonde Perücke tragen und Klunker an den Brustwarzen. Ich könnte so sein, wie sie mich haben wollen. Stattdessen bin ich einfach nur Sophie, und das scheint viel gefährlicher für mich zu sein. Ich kann nicht zulassen, dass mein neuer Besitzer bis in meinen Kopf vordringt. Er kauft zwar die Rechte an meinem Körper, aber mein wahres Ich wird er ganz bestimmt nicht bekommen. Das darf ich nie vergessen.

Als wir vor einer Stahltür stehen bleiben, steigt Panik in mir auf, und meine Kehle zieht sich zusammen, sodass ein Würgereiz beinahe Galle meinen Hals hinaufgeschickt hätte. Ich hole tief Luft durch die Nase und klappe den Mund auf, um Bill zu sagen, dass ich es mir anders überlegt hatte, doch plötzlich schießt seine Hand nach vorn und dreht am Türknauf.

Die Tür geht auf und wir betreten einen großen, schwach beleuchteten Raum. Einzige Lichtquelle ist eine nackte Glühbirne, die direkt über einer plattformartigen Bühne mitten im Raum hängt. Männer sitzen in Klubsesseln, die der kleinen runden Bühne zugewandt sind, ihre Gesichter sind vollkommen ins Dunkel getaucht. Es gelingt mir nicht, ein einziges Gesicht zu erkennen, aber ich weiß ja, dass es genau darum geht. Das Wesentliche der heutigen Veranstaltung liegt darin, dass sie anonym bleiben wollen. Und mit den Geldsummen, die heute Abend ausgegeben werden, erkaufen sie sich dieses Recht.

Bill gibt mir einen kleinen Schubs und flüstert mir etwas Aufmunterndes zu, aber mir rauscht das Blut in den Ohren, sodass ich die Botschaft nicht verstehe.

Meine Füße bewegen sich durch den Raum, mit den Armen umklammere ich noch immer meine Brüste. Ein leichter Geruch nach Zigarettenrauch steigt mir in die Nase, während ich rasch auf die Plattform zugehe. Ich halte den Blick gesenkt und lasse mich von der Lichtschneise der einzelnen Glühbirne an der Decke leiten. Meine Knie zittern, als ich die letzten Stufen hinaufgehe.

Schließlich betrete ich die erhöhte Plattform und trete vor die kleine Gruppe der Männer. Die Augen noch immer gesenkt, trifft mich die Erkenntnis, dass ich nie den Mut gehabt hätte, mich vor einem ganzen Publikum auszuziehen. Ich schaffe es ja kaum, hier zu stehen, ohne dass meine Knie gegeneinander stoßen, und selbst der Reflex, meine Lungen mit Luft zu füllen und danach wieder auszuatmen, scheint nicht mehr zu funktionieren. Doch dann spüre ich meine Entschlossenheit wie einen Stachel. Ich bin hier, um Becca zu retten.

Ein Mann, der an der Seite des Raumes im Schatten steht, räuspert sich. »Hier kommt das neunte und letzte Mädchen des heutigen Abends. Und Sie können mir glauben, meine Herren, wenn ich Ihnen sage, dass wir das Beste bis zum Schluss aufgehoben haben. Sie ist so rein und unberührt, wie sie nur sein könnte. Sie kommt als Jungfrau zu uns, sie ist willig und mit der Sechs-Monate-Regelung voll und ganz einverstanden. Nun, wer macht das erste Gebot?«

Eine Sekunde lang ist es still, und ich warte darauf, dass etwas passiert.

»Nimm die Hände von den Titten, Engelchen«, sagt ein Mann im Publikum.

Ich hebe den Blick in die Richtung, aus der die Stimme gekommen ist, doch meine Hände bleiben, wo sie sind. Ein Hauch von Trotz, von dem ich gar nicht wusste, dass ich ihn habe, bäumt sich in mir auf. Noch gehöre ich niemandem. Noch ist kein einziges Angebot gemacht worden. Ich bin immer noch Herrin meines Schicksals.

Ich verlagere mein Gewicht und nehme ein prickelndes Gefühl wahr, das mir sagt, dass mein Fuß gerade einschläft, und ich umklammere meine Brüste noch fester, als würde es um Leben und Tod gehen. Das Herz hämmert mir in der Brust, und unter meinen Achseln bilden sich trotz der Kälte im Raum kleine Schweißtropfen. Ich kann das. Ich muss das tun.

»Zweihundert.« Die Stimme des Mannes, der mir befohlen hatte, die Hände wegzunehmen, macht das erste Angebot. Ich hoffe, dass er zweihunderttausend Dollar meint und nicht zweihundert. Mir war gar nicht eingefallen, ein Mindestgebot festzulegen, bevor das Ganze losging. Für zweihundert Dollar würde ich nicht mit einem schrägen alten Typen schlafen. Doch dann erinnere ich mich daran, dass Bill etwas von einem sechsstelligen Minimum gesagt hat, und entspanne mich ein winziges bisschen.

»Zweihundertfünfzig«, sagt eine andere Stimme. Sie klingt jünger und hat einen leichten spanischen Akzent.

»Dreihundert«, krächzt eine dritte Stimme.

Schon bald liegt das Angebot bei fünfhundertfünfundsiebzig, und mir ist schwindelig von diesem ganzen Hin und Her. Ich muss von dieser Bühne runter, bevor ich umkippe oder mich übergebe oder etwas ähnlich Entsetzliches tue, etwa mit einem dieser kranken Kerle nach Hause zu gehen.

Reiß dich zusammen, Soph.

»Sechshunderttausend«, erwidert mein Titten liebender Bewunderer. Ich will nicht zu dem Mann gehen, dem ich mich jetzt schon widersetzt habe, indem ich ihm meine Brust nicht zeige. Bei meinem Glück wird sein erster Tagesordnungspunkt darin bestehen, mich für meinen Ungehorsam zu bestrafen.

»Wir sind heute gierig. Er hat schon eine und will jetzt noch eine zweite«, sagt der Ansager glucksend.

Der Mann, der gerade meinen Preis nach oben treibt, hat heute Abend offenbar schon ein Mädchen ersteigert und will jetzt auch noch mich. Vielleicht bin ich ja altmodisch, aber ich war immer davon ausgegangen, dass ich die einzige Sklavin in diesem Arrangement darstellen würde. Ich dachte, ich würde mich hier einer typischen Eins-zu-eins-Erfahrung verschreiben. Natürlich hatte ich ohnehin nie vorgehabt, über eine solche Versteigerung meine Jungfräulichkeit zu verlieren, aber im Rahmen einer Orgie – oder was auch immer ihm vorschwebt – entjungfert zu werden, übersteigt meine Vorstellungskraft. Der Gedanke, dass er uns wie Vieh kaufen und dazu zwingen könnte, miteinander und mit ihm Dinge zu tun, widerstrebt mir. Diese ganze Angelegenheit wird ja immer abstruser.

Ich blicke auf, zur Mitte des Raumes. Dort sitzt ein Mann, der bisher geschwiegen hat. Er legt sein Fußgelenk auf das Knie des anderen Beins und lehnt sich weiter in seinem Sessel zurück, sodass sein Gesicht vollkommen im Schatten verschwindet. Sein lässiges, distanziertes Verhalten bringt eine Saite in mir zum Schwingen. Ein Raum voll Männer hat auf meine Jungfräulichkeit geboten, aber irgendwie missfällt mir der Gedanke, dass dieser eine Mann kein Interesse daran zeigt. Stimmt etwas nicht mit mir? Es ist dumm von mir und zeigt nur meine Unsicherheit, aber irgendwie schießen mir bei der Tatsache, dass ich fast nackt in einem Raum voll Fremder stehe, bizarre Gedanken durch den Kopf.

Niemand hat bisher den Mann links von mir überboten – den, der mich Engelchen genannt hat und meine Brüste sehen wollte –, und mein Magen verkrampft sich. Er hat fünfhundertfünfundsiebzigtausend Dollar geboten – mehr als genug, um die medizinische Behandlung meiner Schwester zu bezahlen, selbst dann noch, wenn ich Bill seine zehn Prozent und das Geld, das er im Beauty-Salon für mich ausgegeben hat, erstatte. Eigentlich sollte ich glücklich und erleichtert sein. Das war es doch, was ich wollte, oder? Doch die Vorstellung, tatsächlich mit ihm und dem anderen Mädchen, das er heute Abend ersteigert hat, zu gehen, hinterlässt ein nagendes Gefühl in meiner Brust.

»Wenn es keine anderen Gebote mehr gibt …«, meldet sich der Ansager zu Wort.

Meine Luftröhre droht sich zu schließen. So kann ich nicht enden …

»Siebenhundert«, sagt der Mann direkt vor mir. Seine Stimme ist weich und klangvoll zugleich. Irgendwie tief und hypnotisch. Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und beuge mich vor, um sein Gesicht zu sehen. Der Fuß, den er über das andere Bein geschlagen hat, wippt auf und ab, das einzige Anzeichen, dass er beim Bieten den Kampf aufgenommen hat. Mein Herz macht einen Sprung und verdoppelt die Geschwindigkeit seiner Schläge, während ich nervös darauf warte, was passiert.

Da ich nichts anderes im Raum ausmachen kann, konzentriere ich mich auf seinen Schuh. Er ist groß, aus glänzendem schwarzem Leder und sieht wie ein teurer Anzugschuh aus. Aber ich nehme an, dass man ohnehin irrsinnig reich sein muss, um einen anderen Menschen zu den Preisen zu ersteigern, die die Männer hier so bieten. Wieder zuckt sein Fuß, und mein Blick huscht nach oben, zu der Stelle, an der sich sein Gesicht befinden muss.

Der andere Mann murrt vor sich hin, und ich schnappe das Wort überteuert auf. Dann bellt er ein weiteres Gebot. »Sieben-fünfundzwanzig.«

Mist. Ich will nicht der Dritte im Bunde mit diesem Psychopathen sein, und ich habe keine Ahnung, ob es besser ist, mit Mr Schimmernder-Anzugschuh zu gehen, aber ich starre geradeaus und bitte ihn innerlich darum, sein Gebot zu erhöhen. Nur eine Dosis purer Willensstärke hält mich noch auf den Beinen.

»Eine Million Dollar«, sagt er nach einer gefühlten Ewigkeit.

Mein Kopf dreht sich, und ich habe das Gefühl, im nächsten Moment in Ohnmacht zu fallen. Für mich? Das bin ich als Sex-Sklavin auf keinen Fall wert. Wenn er erst mal merkt, wie unerfahren ich bin – nicht nur in Bezug auf Sex, sondern auch auf alles andere –, wird er seinen Kauf bereuen und vielleicht versuchen, mich zurückzugeben. Und doch halte ich den Atem an und hoffe, dass ihn niemand überbietet. Etwas in meinem Inneren – nennen wir es weibliche Intuition oder Bauchgefühl – sagt mir, dass ich dazu bestimmt bin, unter all den Männern, die heute hier sind, mit ihm nach Hause zu gehen, doch der Gedanke, mich tatsächlich sechs Monate lang einem dieser Monster hinzugeben, jagt mir eine Höllenangst ein.

Mein einziger Anhaltspunkt ist dieser saubere, gepflegte schwarze Lederschuh … immerhin hat der Typ eine gute Ausstrahlung. Vielleicht wird er mich wenigstens gut behandeln. Panik droht mich zu überwältigen. Atme, Soph.

»Sie gehört Ihnen. So viel ist keine Muschi wert«, stößt der andere hervor und rutscht auf seinem Sessel herum.

Meine Lungen füllen sich mit Sauerstoff, als ich einen längst überfälligen Atemzug nehme, der sich in meiner Brusthöhle ausbreitet.

»Das letzte zur Auktion stehende Objekt wurde somit verkauft. Meine Herren, danke, dass Sie heute Abend hier waren. Wenn Sie freundlicherweise nach hinten in den Lounge-Bereich kommen würden, um die Zahlungsmodalitäten zu erledigen und Ihre Einkäufe abzuholen. Dort gibt es auch etwas zu trinken und Unterhaltung, falls Sie in der Stimmung sind.«

Die Stimme des Ansagers schwirrt mir im Kopf herum.

Ich bin verkauft worden.

Männer erheben sich aus ihren Sesseln, und ich höre Schritte, als sie den Raum verlassen. In der Ferne fällt eine Tür ins Schloss, und mein neuer Herr und ich sind allein in dem stillen Raum.

Ich möchte die demütigende Bühne verlassen, auf der ich mich zur Schau stellen musste. Ich will mich anziehen. Aber ich bleibe wie angewurzelt stehen, weil mir zum ersten Mal klar wird, dass ich nicht mehr mein eigener Herr bin.

»Komm her«, befiehlt er.

Ich schlucke und steige von der Plattform herunter, meine Beine sind schwer, weil ich so lange auf einer Stelle gestanden habe. Langsam durchquere ich den Raum, als würde ich mich einem gefährlichen Tier nähern. Vielleicht tu ich das ja. Was für ein Mann kauft eine Frau?

»Ich tu dir nichts«, sagt er aufmunternd, und ich mache einen weiteren vorsichtigen Schritt auf ihn zu, bis ich direkt vor seinem Sessel stehe. »Licht«, sagt er zu niemand Bestimmtem, und die Deckenlampen flackern alle auf einmal auf. Ich blinzle ein paar Mal in die plötzliche Helligkeit, doch ich halte den Blick gesenkt, um meine Augen an das grelle Licht zu gewöhnen.

Desorientiert blicke ich weiterhin nach unten, betrachte seine Schuhe, die jetzt beide nebeneinander auf dem Boden stehen. »Sieh mich an«, sagt er.

Ich hebe das Kinn und betrachte den Mann, der vor mir sitzt. Schwarzer Anzug. Strahlend weißes Hemd. Schmale schwarze Krawatte, die locker um seinen Kragen hängt.

Ich atme ein, zwinge einen weiteren Atemzug in meine Lungen und sehe endlich dem Mann in die Augen, der gerade eine Million Dollar ausgegeben hat, um mich zu kaufen. Himmelblaue Augen, umrahmt von dichten schwarzen Wimpern, sehen mich an, rauben mir den Atem. Er ist überwältigend. Groß, durchtrainiert und attraktiv. Verwirrung überkommt mich. Was macht ein Mann wie er hier? Er könnte in jede beliebige Bar in Amerika spazieren und ganz leicht ein Mädchen abschleppen. Mein Magen zieht sich zusammen, als es mir dämmert. Das kann nur heißen, dass seine Vorlieben so bizarr sind, dass er absoluten Gehorsam einfordert. Er wird Dinge verlangen, die kein normales Mädchen tun würde. Oh Gott, gleich kippe ich um. Ich kann nicht zulassen, dass mich dieses attraktive Monster zu sich lockt.

»Atme einfach«, sagt er, um mich zu beruhigen.

Ich gehorche wie eine brave kleine Sklavin, öffne den Mund und atme gierig ein.

»Na also«, sagt er beruhigend; auch er entspannt sich kaum merklich. »Wie soll ich dich nennen?«

Eine interessante Art, diese Frage zu formulieren. Er hat mich nicht nach meinem Namen gefragt. Vielleicht geht er davon aus, dass ich ihm einen falschen nenne. Und das hätte ich wahrscheinlich auch getan, wenn ich klar hätte denken können. Stattdessen flüstere ich: »Sophie.« Kaum dass er mir über die Lippen gekommen ist, bereue ich auch schon, ihm meinen echten Namen genannt zu haben. Aber mir ist auch klar, dass ich sechs Monate mit ihm zusammenleben werde, und ich glaube kaum, dass ich die ganze Zeit eine falsche Identität würde durchhalten können. Ich habe bereits meiner Familie und meinen Freunden eine Lüge über meinen Aufenthaltsort aufgetischt. Welchen Sinn sollte es also ergeben, mir das alles noch schwerer zu machen.

Er legt den Kopf schräg, um mich zu mustern. »Du kannst mich Drake nennen«, sagt er schließlich. Ich frage mich, ob das wohl sein richtiger Name ist.

Als ich schon glaube, er würde mich die ganze Nacht so da stehen lassen, erhebt er sich von seinem Platz. Ihn in voller Größe vor mir zu sehen schüchtert mich nur noch mehr ein. Ich bin durchschnittlich groß, und er ist mindestens dreißig Zentimeter größer als ich, also über eins neunzig. Ich taumle einen Schritt nach hinten.

»Komm mit.« Er wendet sich dem Ausgang zu, und ich folge ihm wie ein gehorsames Hündchen.

Als wir zu der Stahltür gelangen, durch die ich erst vor einer halben Stunde eingetreten bin, fühlt es sich an, als wäre ich ein ganz anderer Mensch. Drake dreht sich zu mir um, bevor er die Tür öffnet. »Möchtest du mein Jackett?«

Ich blicke an mir hinunter – auf meinen blassblauen Slip, der sich jetzt kindisch anfühlt, und auf meine Hände, die sich keine Sekunde von meinen Brüsten entfernt haben. Ich nicke schwach.

Als er sich aus dem Jackett schält, sehe ich, dass er sogar noch muskulöser ist, als ich zunächst gedacht habe. Sein gut geschnittenes Anzughemd spannt sich über seinen breiten Schultern und seiner markanten Brust. Dies versetzt mir einen Stich der Angst in die Magengrube. Ja, er ist attraktiv, aber er ist auch stark. Das heißt, dass ich null Chancen habe, mich gegen ihn zu verteidigen, wenn es hart auf hart kommt.

Er ignoriert meine visuelle Inspektion seines Körpers und legt mir die Jacke um die Schultern, dann schließt er die Aufschläge über meiner Brust und macht den obersten Knopf zu. Ich dachte, er würde vielleicht verlangen, mich ganz zu sehen – mich vollends zu inspizieren, doch er scheint nur daran interessiert zu sein, dass wir beide schnell hier rauskommen. Was ganz in meinem Sinne ist.

Sobald meine Brüste vom Jackett bedeckt sind, nehme ich die Arme herunter, wobei meine steifen Gelenke aufschreien, weil sie so lange in derselben Stellung verharren mussten. Meine Arme hängen nutzlos an meinen Seiten herunter, und ich folge ihm in den Flur. So froh ich auch über sein Jackett bin, darf ich seine ersten Freundlichkeiten doch nicht überbewerten. Er will nur nicht, dass die Blicke anderer Männer auf das fallen, was er sich gerade gekauft hat.

Unterwegs kommen wir an anderen Männern vorbei, und ich halte den Blick auf Drakes Schuhe gesenkt, während ich ihm durch den Flur folge, und ein falsches Gefühl der Sicherheit überkommt mich.

2

Sophie

Er bleibt vor dem Garderobenraum stehen, in dem ich mich vorhin ausgezogen habe. »Sind deine Kleider da drin?«

Ich nicke und murmle etwas Unverständliches.

»Zieh dich an«, befiehlt er leise.

Ich ziehe den Kopf ein und betrete die kleine Umkleidekabine. Drinnen kann ich den Blick nicht von dem Spiegel nehmen, vor dem ich erst vor kurzer Zeit Wimperntusche aufgetragen habe. Ich kann bereits sehen, dass das Mädchen, das mich jetzt daraus anblickt, ein anderes ist. Die schwarze Anzugjacke verschluckt mich und verkündet auf ihre Weise, dass ich jetzt nicht mehr mir selbst, sondern einem anderen gehöre.

Ich schüttle sie ab, doch nicht ohne kurz das schöne Gefühl des federleichten Wollstoffs zwischen meinen Fingern zu genießen und den frischen Hauch von Rasierwasser einzuatmen, den der Stoff verströmt. Das Jackett hat etwas Männliches, Verheißungsvolles an sich, und unwillkürlich denke ich über die tiefere Bedeutung dessen nach, was es heißt, dass er mich darin eingehüllt hat. Als würde ein Hund sein Territorium mit seiner Duftmarke abstecken.

Ich schüttle diesen Gedanken ab, falte das Jackett ordentlich zusammen und ziehe mich an – eine Jeans, ein langärmliges Baumwolloberteil und Ballerinas. Ich fühle mich ein wenig besser, als ich die alten Sachen wieder anhabe. Ich stopfe mein Schminktäschchen in meine Handtasche, hänge sie mir um die Schulter und drehe mich wieder zum Spiegel. Ich werfe einen letzten Blick hinein, mache mich bereit, dem Mann, der draußen auf mich wartet, wieder gegenüberzutreten, und verabschiede mich stumm von dem Mädchen, das vor mir steht.

An der Tür halte ich inne, die Hand auf den Türknauf gelegt. Jetzt oder nie entscheidet sich mein Schicksal. Ich kann entweder Bill suchen gehen, ihn anflehen, dass er mich aus dem Vertrag aussteigen lässt, und die Konsequenzen dafür tragen, oder ich verlasse jetzt dieses Zimmer und akzeptiere, was ich zu tun habe. In beiden Fällen wird sich mein Leben verändern.

Ich straffe mich, atme noch einmal tief ein und stoße die Tür auf.

Drake steht im Flur und wartet mit gelangweilter Miene auf mich.

Ich spüre, wie sein Blick rasch über mein neues Outfit streift, und fühle mich neben diesem reichen, mächtigen Mann mit dem teuren Anzug und den glänzenden Schuhen plötzlich underdressed. Er nimmt mir das Jackett ab und macht sich wortlos auf den Weg zum Ausgang. Von mir wird erwartet, dass ich ihm folge, weshalb ich genau das tue.

Auf dem Parkplatz hinter dem Gebäude schaue ich mir die wenigen Autos an, die dort noch stehen, und versuche mir die Nummern zu merken – nur für den Fall, dass er sich als Psychopath herausstellt. Wenigstens habe ich dann eine handfeste Information, mit der ich zur Polizei gehen kann, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass er nicht wirklich Drake heißt.

Das Motorrad, neben dem er stehen bleibt, hätte ich nicht erwartet, und eine kleine Welle der Angst überkommt mich …

Drake legt sein Jackett in das Fach unter dem Sitz und holt einen Ersatzhelm für mich heraus. Mit dem Daumen streicht er die Sorgenfalten auf meiner Stirn glatt. »Keine Angst«, sagt er und setzt mir den Helm auf. Das Gewicht auf meinem Kopf fühlt sich fremd an. Dies ist meine erste Fahrt auf einem Motorrad. Offenbar gibt es heute Abend viele erste Male.

Nachdem er sich ebenfalls einen Helm aufgesetzt hat, klettert er auf die Maschine und streckt die Hand aus, um mir zu helfen. Die Wärme seiner riesigen Handfläche auf meiner erschreckt mich. Ich schlucke, als die Nerven drohen, mit mir durchzugehen, dann schwinge ich ein Bein über den Sitz, um hinter ihm aufzusteigen. Durch die Neigung des Sitzes rutsche ich nach vorne, sodass meine Brust an seinen Rücken gepresst wird. Nichts hat mehr Platz zwischen uns, wir haben direkten Kontakt. Die Intimität ist beunruhigend.

Ich frage mich kurz, ob er es darauf angelegt hat – ob er lieber mit dem Motorrad gekommen ist als mit dem Auto, um mir von Anfang an zu zeigen, dass ich keinerlei Einfluss auf die Dinge habe, und um mich an engen Körperkontakt zu gewöhnen. Denn bestimmt hat ein Mann, der eine Million Dollar ausgeben kann, ein Auto – wenn nicht gar mehrere. Etwas an seinem ruhigen, ernsten Wesen sagt mir, dass alles, was er tut, wohlüberlegt ist, und in Gedanken sammle ich all diese Dinge, um das Puzzle zusammenzusetzen, das der Mann, dem ich nur gehöre, darstellt.

Er betätigt den Kickstarter, und ich schlinge rasch die Arme um seine Taille. Ich spüre ein Rumpeln in seiner Brust und bin mir ziemlich sicher, dass er innerlich über meine Reaktion gelacht hat.

Wir nehmen Geschwindigkeit auf, als wir auf die Auffahrt zum Highway fahren, und die eisige Nachtluft, die mir über das Gesicht streicht, kühlt die Hitze zwischen unseren Körpern. Ich presse die Augen zu und versuche, dem panischen Gefühl zu entrinnen, das in meiner Brust aufsteigt, aber damit erreiche ich nur, dass mir übel wird vom Fahren, deshalb reiße ich die Augen wieder auf. Er gibt Gas, und ich klammere mich verzweifelt an ihm fest, indem ich meine Finger vor seinem Bauch verschränke.

Als ich gerade anfange zu beten, dass die Fahrt nicht so lange dauern möge, drosselt er das Tempo. Ich hebe meinen Blick und erkenne, dass wir auf einer behelfsmäßigen Straße fahren, die mitten durch ein dunkles Feld führt. All meine Sinne sind in Alarmbereitschaft, weil ich mich frage, was wir hier, mitten im Niemandsland, zu suchen haben.

Niemals hätte ich damit gerechnet, dass wir irgendwohin fliegen würden, deshalb steigt brennende Säure in meiner Kehle auf, als wir neben einem kleinen Privatjet anhalten, der auf einer verlassenen Startbahn parkt.

Bei dem Gedanken, alles, was ich kenne, hinter mir zu lassen, schießt Panik durch meine Adern. Selbst meine Postleitzahl, die mir eigentlich immer gleichgültig gewesen ist, wird mir genommen und fühlt sich plötzlich wie etwas an, das zu meiner Identität gehört.

Ich habe nicht einmal eine Reisetasche dabei, als ich ihm die schmalen Stufen hinauf folge, die in den Bauch des Flugzeugs führen. Es handelt sich um einen kleinen Privatjet mit formschöner, eleganter Einrichtung. In der Mitte sind vier lederne Kapitänssessel gruppiert, und Drake lässt sich in einen, der am Fenster steht, gleiten. Unsicher, wohin ich mich setzen soll, entscheide ich mich für den Sitz gegenüber. Das Leder fühlt sich weich und einladend unter meinen Fingern an, deshalb entspanne ich mich ein wenig und betrachte meine Umgebung. Die Nacht ist rasch hereingebrochen, und draußen ist es fast vollkommen dunkel. Das Innere des Jets wird von kleinen LED-Leuchten erhellt, die den Weg über den Teppich säumen und einen sanften Lichtschein verbreiten.

Drake nimmt eine Glaskaraffe von einem Tisch und schenkt ein paar Zentimeter einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit in ein Kristallglas; dann nimmt er einen langen Schluck davon. Er leckt sich über seine volle Unterlippe und schließt die Augen, den Kopf an den exklusiven Ledersitz gelehnt.

Es gibt keine Lautsprecherdurchsagen, keine Sicherheitsbelehrung und keine Vorwarnung. Plötzlich heulen die Triebwerke auf und wir rasen über die Startbahn. Ich fummle an der Schnalle meines Sicherheitsgurtes herum, und als wir gerade abheben, lasse ich sie einrasten. Ich spüre, wie Drake mich neugierig mustert, doch ich wage es nicht, den Blick zu heben.

Als ich schließlich doch aufblicke, merke ich, dass Drake ein Glas von dem Getränk für mich eingeschenkt hat und es mir hinhält. »Das könnte helfen.«

Ich trinke so gut wie nie – und schon gar keinen unverdünnten Alkohol –, aber ich weiß, dass er recht hat. Ich habe keine Ahnung, was er mit mir vorhat, und das wird wahrscheinlich meine einzige Gelegenheit sein, die Schmerzen zu dämpfen, wenn ich später meine Jungfräulichkeit verlieren werde.

Er scheint so ruhig und beherrscht zu sein, dass ich mich frage, was hinter der Fassade dieses gelassenen Auftretens und des teuren Anzugs schlummert. Ein wohliger Schauder überläuft mich, als ich einen langen Schluck von dem Getränk nehme und es genieße, wie der Schnaps meine Kehle hinunterbrennt.

Colton

Der heutige Abend war ein absolutes Debakel. Eine Million Dollar waren mehr, als ich hatte ausgeben wollen, aber was noch schlimmer ist: Ich wollte eigentlich keine Jungfrau. Ich hätte lieber eines der älteren, erfahreneren Mädchen gehabt, die so etwas schon mal gemacht haben. Nicht eine, die ich an die Hand nehmen und Schritt für Schritt anleiten muss. Irgendetwas sagt mir, dass ich in Sophie mehr Zeit und Arbeit stecken werde, als ich vorgehabt habe.

Ich stoße einen tiefen Seufzer aus und nehme einen langen Schluck Bourbon, der mir warm die Kehle hinunterläuft. Das dumpfe Dröhnen der Triebwerke verursacht mir Kopfschmerzen, deshalb schenkte ich noch mal nach.

Ich schaue zu dem Mädchen hinüber, das sein Glas ausgetrunken hat. Die Art, wie sie sich auf dem Ledersessel zusammengerollt hat – die Knie an die Brust gezogen und die Arme fest darumgeschlungen –, sagt alles darüber, wie unwohl sie sich fühlt. Sie hat die Augen geschlossen, als würde sie ihre gesamte innere Stärke zusammennehmen für das, was ihr bevorsteht. Ich weiß jetzt schon, dass das nicht gut gehen wird. Verdammt.

Ich habe das Arschloch, das sie haben wollte, nur überboten, weil er sich das Mädchen geschnappt hatte, das ich hatte haben wollen. Sie war mir vom Alter her näher – achtundzwanzig – und sie hatte sich schon dreimal in diese Art von Beziehung begeben. Sie war erprobt und getestet und hätte eine gute, unkomplizierte Gefährtin abgegeben. Aber der Schwachkopf hat sie mit nach Hause genommen, und als ich angefangen habe, auf Sophie zu bieten, habe ich es ihm in gleicher Münze heimgezahlt, indem ich ihn überbot. Außerdem sah er aus wie ein Drecksack, deshalb wollte ich nicht, dass er sie bekäme. Der kleine Junge in mir wollte sein Spielzeug haben und mit nach Hause nehmen. Natürlich muss ich jetzt mit dem verängstigten, schüchternen Mädchen klarkommen, das mir gegenübersitzt, weshalb der Plan wohl nicht ganz so gut durchdacht war.

Und dann auch noch eine Jungfrau … würde sie überhaupt in der Lage sein, mit mir klarzukommen? Ich hatte eigentlich kein Projekt gewollt – jemanden, den ich babysitten und mit Samthandschuhen anfassen muss. Aber verdammt, ich bin derjenige, der hier das Sagen hat. Es gibt eigentlich keinen Grund, die Sache langsam anzugehen. Ich kann das Tempo selbst bestimmen. Und das werde ich auch.

Während ich sie weiterhin mustere, stellt sich mein Schwanz interessiert auf. Sie ist zierlich, aber mit allen Kurven und Rundungen, mit denen ein Frauenkörper ausgestattet sein sollte. Weiche, formbare Titten und einen Arsch, der zum Grapschen einlädt. Oder zum Versohlen. Ihre Haut ist cremeweiß, mit Ausnahme ihrer runden Wangen, die rosig schimmern. Langes dunkles Haar fällt locker auf ihre Schultern. Mein Blick wandert nach oben, und mir wird bewusst, dass sie ihre blauen Augen aufgeschlagen hat. Erwartungsvoll blickt sie mich an, und wahrscheinlich fragt sie sich, was als Nächstes passieren wird. Verdammt gute Frage.

Ich habe keine Ahnung, weshalb ich zu ihr gesagt habe, sie solle mich Drake nennen. Nun ja, eigentlich schon. Man braucht kein Psychologe zu sein, um sich auszumalen, dass, wenn meine Angestellten mich Mr Drake nennen und sie Colton zu mir sagt, sich das zu vertraulich anfühlen würde. Zu intim. Und darum geht es in dieser Beziehung nicht, denn sie ist schlicht und ergreifend geschäftlicher Natur. Das Geschäft besteht darin, dass mein Schwanz die längst überfällige Aufmerksamkeit und eine dauerhafte Partnerin bekommt, ohne die Scherereien, den Singlemarkt abklappern zu müssen. Schalt dein verdammtes Gehirn ein, Colt, wenn du dieses Spiel spielst.

Sophie

Das Flugzeug setzt nach etwa dreißig Minuten oder so zur Landung an, und wieder klettern wir auf Drakes Motorrad, das, wie ich erfahren habe, im Laderaum des Flugzeugs transportiert worden war. Um uns herum ist es dunkel, was zu meiner leicht angetrunkenen, melancholischen Stimmung passt. Am liebsten würde ich mich in den nächtlichen Schatten verkriechen und so tun, als wäre nichts von all dem real.

Während ich mich ängstlich an ihm festklammere, steuert er uns souverän über den Highway, wobei der Scheinwerfer seines Motorrads uns den Weg weist. Ich achte auf die vorbeiziehenden Schilder. Demnach sind wir in der Gegend von Los Angeles – wo ich noch nie zuvor gewesen bin. Schon bald nimmt er die Abzweigung nach Malibu, und als wir daraufhin den Weg über Landstraßen nehmen, fängt mein Herz an zu hämmern. Wir nähern uns unserem Ziel, und ich habe keine Ahnung, was mich dort erwartet.

Wir halten vor einem Tor, das zu einer Auffahrt führt, und Drake tippt etwas auf einer Tastatur ein. Ich spähe an ihm vorbei, weil ich ganz erpicht darauf bin zu sehen, wo ich die nächsten sechs Monate zu Hause sein werde. Als Haus kann man es eigentlich nicht bezeichnen … es ist nichts Geringeres als eine Villa, und die gepflasterte Auffahrt führt zu einem weitläufigen Anwesen.

Kleine funkelnde Lämpchen beleuchten unseren Weg und spenden gerade genug Licht, dass mir bei dem, was ich sehe, der Kiefer herunterklappt. Das Gebäude ist mit Stuck versehen, der in einem warmen Honigton gehalten ist. Zwei riesige Säulen flankieren die schwere Eingangstür aus Mahagoni. Drake fährt geradewegs an der Haustür vorbei und parkt neben einer Garage mit sechs Toren, bevor er den Motor abstellt.

Jetzt geht es los.

Schmetterlinge flattern in meinem Bauch, als er mich auf das Haus zuführt. Wir gehen über einen gewundenen Steinpfad, der von Landschaftsbeleuchtung gesäumt zu einem Seiteneingang führt. Es ergibt wohl Sinn, nicht um das ganze Haus herum zu der imposanten Eingangstür zu laufen. Diese wird vermutlich nur von Gästen benutzt, und doch ist der Gedanke total seltsam, dass ich jetzt hier wohne, dass ich nicht nur eine Besucherin bin.

Ich frage mich, ob er sein Motorrad einfach so über Nacht draußen stehen lässt, doch dann wird mir klar, dass er wahrscheinlich Personal hat, das es in die Garage schiebt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er ein so großes Haus hat und keine Angestellten, die sich darum kümmern. Und ich bezweifle, dass er den ganzen Schnickschnack in den hundert Zimmern – oder wie viele es in diesem Koloss auch geben mag – selbst abstaubt.

Durch die Seitentür aus Glas betreten wir einen Raum, der wohl die schickste Dreckschleuse der Welt ist. Helle Holzschränke, die vom Boden bis zur Decke reichen, ein Drahtkorb voller Schirme, eine große, gepolsterte Bank mit ein paar kunstvoll drapierten Kissen und ein riesiger Teppich, der auf dem Marmorboden liegt.

Er wirft das Jackett und die Helme auf die Bank und geht weiter in Richtung Flur. Mein Blick wandert überallhin, während ich hinter ihm hergehe.

»Der Vordereingang«, sagte er und deutet auf das dunkle Foyer, das noch beeindruckender ist, als ich es mir vorgestellt hatte. Zwei geschwungene Treppen treffen sich hinten im Foyer, davor ein runder Tisch, auf dem eine riesige Vase mit Pfingstrosen steht. Sie duften unglaublich. Nach Sonnenschein und Glück. Das scheint dem Ganzen einen weiblichen Anstrich zu verpassen, doch ich verwerfe den Gedanken schnell wieder. Auch hier bin ich mir sicher, dass er den Strauß nicht selbst ausgesucht hat. Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass es in seiner Welt irgendetwas gibt, was er nicht unter Kontrolle hat.

»Das formelle Wohnzimmer.« Er deutet nach links und macht sich nicht die Mühe, Licht anzumachen oder das Zimmer zu betreten, auf das er zeigt. Mit seinen steifen, modernen Möbeln sieht es riesig und alles andere als einladend aus. Ich bemühe mich, jedes Detail aufzunehmen, während er weitergeht.

Ich begreife, dass er eine Besichtigungstour mit mir durchführt, aber sie ist hastig und unpersönlich. Man könnte meinen, dass jemand, der eine so prachtvolle Villa besitzt, mehr Stolz an den Tag legt, wenn er sie vorführt. Irgendetwas stimmt da nicht, aber ich kann den Finger nicht darauf legen.

Er zeigt mir noch ein paar weitere Zimmer – ein kaltes Esszimmer mit einem gigantischen Tisch, eine abgedunkelte Bibliothek, gefüllt mit Büchern, von denen ich das Gefühl habe, dass sie ihm egal sind und er kaum in ihnen liest. »Das ist eine schöne Bibliothek«, murmle ich. Am liebsten würde ich mit den Fingerspitzen über die staubigen Buchrücken streichen und auf Schatzsuche gehen.

So etwas wie dunkle Gefühle blitzen in seinen Augen auf, werden jedoch gleich wieder von einer Maske der Beherrschtheit verdrängt, als er die Führung fortsetzt.

»Wo verbringst du deine Zeit?«

Bei meiner Frage bleibt er abrupt stehen, dann dreht er sich zu mir um und sieht mich an. Er mustert mich einen Moment lang, als würde er überlegen, weshalb ich das wissen will. Auch wenn es verrückt klingt, aber es könnte schon ein wenig hilfreich sein, wenn ich ein paar Details über den Mann wüsste, bei dem ich jetzt lebe und dem ich zu Diensten sein soll. Diese Besichtigungstour und das Haus an sich haben jedenfalls in dieser Hinsicht nichts hergegeben. Mit einer Kopfbewegung deutet er auf einen Flur weiter hinten. »Hier entlang.«

Vielleicht hätte ich nicht so neugierig sein sollen, denn jetzt führt er mich weiter in den Bauch des Hauses, und all meine Ängste blubbern an die Oberfläche. Hat er irgend so ein verrücktes Sexzimmer wie Christian Grays rotes Zimmer des Schmerzes?

Er öffnet die Tür zu einem riesigen Büro mit einem Chef-Schreibtisch aus Mahagoni, einem Schreibtischstuhl aus schwarzem Leder, einem dunkelgrauen Sofa und einer winzigen Bar, die in die gegenüberliegende Wand eingelassen ist. Das Zimmer hat mit seinen schweren Holzmöbeln, dem dicken Teppich und dem schwachen Duft nach dem Rasierwasser, das ich schon vorhin an ihm gerochen habe, etwas Gemütliches an sich. Eine Doppelglastür führt auf eine Dachterrasse hinaus. »Hier raus.« Er gibt mir ein Zeichen, während er den Raum durchquert.

Er öffnet die Glastür und tritt auf die große Terrasse, die auf den Pazifik hinausgeht, und ich bin absolut überwältigt. Das leise Rauschen der Wellen im Hintergrund und die sanfte Brise, die mir das Haar aus dem Gesicht streicht, beruhigen mich auf der Stelle.

Ich verstehe, weshalb ihn die prachtvoll ausgestatteten Räume des Hauses nicht interessieren. Das hier draußen ist wie eine private Oase. Die einzigen Möbel hier sind zwei Lounge-Sessel aus Holz mit bequem aussehenden Kissen, dazwischen ein kleiner runder Tisch. Aber es ist perfekt. Mehr wäre zu viel.

Er lässt mich die friedvolle Umgebung in mich aufnehmen, und als er kurz darauf das Schweigen zwischen uns bricht, schrecke ich kurz zusammen. »Du wirst wahrscheinlich feststellen, dass ich zu viel arbeite.« Er deutet auf das Büro. »Und dass ich hier herauskomme, um abzuschalten.«

Ich nicke zur Bestätigung. Es ist nicht viel, aber damit hat er ein Stückchen von sich selbst preisgegeben, und ich speichere dieses Wissen ab. Er ist ein Workaholic und womöglich ein nachdenklicher Mann, der seine Zeit allein verbringt, seine einzige Gesellschaft das Geräusch des Meeres.

Wir gehen wieder nach drinnen, und Drake führt die Besichtigungstour zu Ende. Draußen gibt es einen Swimmingpool und einen Garten, beides erspähe ich nur durch das Fenster, ebenso den Fitnessraum in der unteren Etage.

Schließlich führt er mich in ein gemütliches Zimmer mit einem großen Fenster zum Ozean hin, einer Wohnlandschaft und einem großen Flachbildfernseher über dem Kamin.

»Das war’s«, sagt er düster.

All das für ihn allein? Da muss man sich ja einsam fühlen.

Schweigend steht er da und sieht mich – für meinen Geschmack viel zu lang – an. Mir wird klar, dass die Besichtigungstour vorbei ist, und ich senke den Blick zu Boden. Werden wir jetzt miteinander schlafen? Hier im Wohnzimmer? Ich hatte mir vorgestellt, dass wir es in seinem Schlafzimmer tun würden, aber immerhin besser als irgendein irres Sex-Verlies oder eine andere bizarre Alternative. Ich habe keine Ahnung, welche Interessen und Vorlieben er hat, aber das werde ich schon noch früh genug erfahren. Mein Herz klopft dumpf in meiner Brust.

»Sieh mich an«, befiehlt er wieder.

Irgendwie missfällt ihm meine Weigerung, ihm in die Augen zu blicken. Schämt er sich dafür, dass er mich gekauft hat? Es ist, als wollte er so tun, als wäre das alles normal. Ich spiele mit. Erst mal. Ich weiß nicht, wozu er fähig ist, deshalb will ich ihn nicht verärgern. Ich schaue ihm in die Augen. Was ich sehe, ist ein angespannter Mann – aus seinen dunklen Augen sprechen Schmerz und traumatische Erlebnisse – und jemand, der krampfhaft um Selbstbeherrschung bemüht ist, dem Knirschen seines Kiefers nach zu urteilen.

»Du brauchst in meiner Gegenwart nicht so scheu zu sein. Ich werde dir nichts tun, Herzblatt.«

Ich hole tief Luft, um mich innerlich zu stärken. Ich würde ihm gern glauben. Sein Ton klingt aufrichtig, genau wie der Kosename, und die Art und Weise, wie er mich mustert, fühlt sich nicht bedrohlich an, aber meine Sinne sind trotzdem in höchster Alarmbereitschaft. Ich muss auf der Hut sein, bis ich mich mit meiner Situation zurechtgefunden habe.

»Komm, setz dich.« Er durchquert das Zimmer und setzt sich in die Mitte der riesigen grauen Sofalandschaft.

Ich setze mich neben ihn, mein Atem geht unregelmäßig. Ich sollte mich bei ihm für das Geld bedanken, aber ich weiß nicht, was er mit mir vorhat. »Es tut mir leid. Ich bin einfach noch neu in diesem ganzen Sex-Sklavinnen-Ding«, sage ich.

Er fährt sich mit der Hand durch die Haare und sieht aus, als wäre er tief in Gedanken versunken. »Ja, ich auch.«

»Bin ich deine Erste?«

»Könnte man so sagen.« Er grinst mich an, und mein Magen schlägt einen Purzelbaum.

»Ich weiß nicht so recht, wie das funktioniert … oder was mich erwartet«, gestehe ich.

»Würde es dich beruhigen, wenn ich dir ein paar Dinge erkläre?«

Ich nicke und falte die Hände in meinem Schoß.

»Ich bin ein sehr beschäftigter Mann, Sophie. Ich leite zwei Firmen und habe wenig Zeit für Freizeitaktivitäten. Du bist hier, um meine körperlichen Gelüste zu stillen – dich um meine Bedürfnisse zu kümmern. Ich werde dafür deine finanziellen Bedürfnisse erfüllen. Die Hälfte des Geldes wird heute Nacht auf dein Konto überwiesen, und wenn du bei mir bleibst und dich an den Vertrag hältst, bekommst du am Ende der sechs Monate den Restbetrag. Mir ist sehr wichtig, dass du diskret bist. Ich weiß, dass du eine Geheimhaltungserklärung unterzeichnet hast, aber du musst mir dein Wort geben, dass du niemandem von unserem Arrangement erzählen wirst.« Er blickt mich an. »Nicht einmal deiner besten Freundin. Niemandem.«

Ich wäre nie auf die Idee gekommen, Becca die Wahrheit darüber zu sagen, was ich getan habe. »Ich werde es niemandem erzählen. Ich will auch nicht, dass es irgendjemand erfährt.« Mir war klar, dass ich das mit dem Geld irgendwie erklären musste, aber ich hatte mir vorgestellt, ich könnte meiner Familie einfach erzählen, dass es von einem anonymen Spender im Krankenhaus stammt. Die erste Rate – fünfhunderttausend Dollar minus dem Betrag, den ich Bill schulde – wird morgen auf meinem Konto sein. Das ist mehr als genug, um für Beccas Behandlung aufzukommen. Die flüchtige Idee, ihn fallen zu lassen, sobald das Geld da ist, schießt mir durch den Kopf. Doch weil mir klar wird, dass ich es niemals würde zurückzahlen können, weiß ich, dass ich den Vertrag erfüllen werde.

»Gut. Wir müssen uns für die Öffentlichkeit, Freunde und Verwandte eine Geschichte zurechtlegen, weshalb du hier bist. Solange du dich als vertrauenswürdig erweist, gibt es jedoch keinen Grund, dir nicht die Freiheiten eines normalen Lebens zu gewähren. Derweil kannst du das Haus benutzen wie dein eigenes – Pool, Garten und Fitnessraum stehen dir zur Verfügung.«

Wieder nicke ich. Ich frage mich, ob ich das Gelände verlassen darf, um joggen zu gehen, doch zunächst mal halte ich meine Lippen versiegelt. Ich will nicht schon am ersten Abend mein Glück herausfordern. Falls er der nachtragende Typ ist, hat er dann außerdem etwas gegen mich in der Hand und kann mich damit bestrafen, wenn er erst mal weiß, was mir wichtig ist. Ich blicke zu dem riesigen Fernsehbildschirm vor uns und frage mich, was er für den Rest des Abends vorhat.

»Was willst du?«, murmle ich, wobei ich meinen ganzen Mut zusammennehme. Besser, ich weiß, was auf mich zukommt, dann habe ich die Chance, mich mental darauf einzustellen.

Sein Blick wandert zu mir herüber, dann grinst er. »Ich will, was alle Männer wollen, wenn sie eine glatte Million für eine Jungfrau hinblättern.«

Oh Gott. Es passiert heute Abend. Ich hatte noch gar keine Zeit, mich darauf vorzubereiten. Und ich bin immer noch ganz empfindlich von der Wachsenthaarung. Vielleicht gibt er mir noch ein, zwei Tage Zeit, wenn ich ihm das sage.

»Ich will ein kaltes Bier trinken und mir die Sport-Highlights anschauen«, beendet er seine Ankündigung.

Alle Luft weicht mir auf einmal aus den Lungen. »Das ist alles?«

Er sieht mich weiterhin an, gespannt, wie ich darauf reagiere, und zieht eine seiner dunklen Augenbrauen nach oben. »Ehrlich gesagt hätte ich jetzt gern, dass mir jemand einen bläst, aber wenn ich das Misstrauen in deinen Augen sehe, weiß ich nicht so recht, ob es eine kluge Entscheidung wäre, deine Zähne in die Nähe meines Schwanzes zu lassen.«

»Ich würde nie …«

»Du würdest nie was? Mir einen blasen? Das ist Teil der Vereinbarung, Herzblatt, und wenn du mir jetzt sagst, dass du keinen Bock darauf hast, mir einen zu blasen, dann haben wir ein Problem.«

»Nein, ich meinte damit, dass ich dich nie beißen würde.« Ich bin schließlich kein gewalttätiger Mensch.

Er lächelt mich an, seine vollen Lippen öffnen sich und entblößen gerade weiße Zähne. Offenbar macht ihn diese Neuigkeit froh. Er sieht freundlich und entspannt aus, wenn er mich so anlächelt, und ich stelle mir vor, er wäre ein ganz normaler Typ – jemand, den ich in einer Bar kennengelernt, mit dem ich geflirtet hätte. Ich würde mich von ihm zu einem Drink einladen lassen und mir, während wir uns unterhalten, vorstellen, wie es wäre, diese weichen Lippen zu küssen. Ich blinzle ein paar Mal und merke, dass ich viel zu lange auf seinen Mund gestarrt habe, deshalb huscht mein Blick zurück zu seinen Augen.

Sein Lächeln verblasst, und seine Hand wandert zu seinem Gürtel. Er öffnet mit einem leisen Klicken die silberne Schnalle und lässt den Gürtel herausgleiten. Als ich den dicken Ledergürtel in seiner Hand sehe, werde ich nervös. Ich kenne seine sexuellen Vorlieben nicht – wird er mich jetzt fesseln und auspeitschen? Doch er lässt den Gürtel zu Boden fallen und knöpft seine Hose auf. Dann öffnet er den Reißverschluss. Dabei hält er den Blick aus seinen tiefblauen Augen stets auf mich gerichtet.

Mir hämmert das Herz in der Brust. Heilige Scheiße. Das passiert jetzt tatsächlich. Ich muss einem vollkommen Fremden einen blasen.

»Auf die Knie.« Seine Stimme ist hart und voller Begehren.

Mir klopft das Herz bis zum Hals; ich gehorche seinem Befehl, lasse mich von der Couch auf den Boden sinken und knie zwischen seinen Füßen. Er hat die Schuhe ausgezogen und mir fällt auf, dass seine Füße lang und schmal sind und in schwarzen Seidensocken stecken.

Er schiebt sich die Anzughose über die Hüften nach unten und seine Hand verschwindet unter dem Stoff seiner schwarzen Boxershorts. Er sieht mich aus seinen gewitterblauen Augen an, während er die wachsende Wölbung streichelt, als wollte er ohne Worte fragen, ob das okay ist.

Habe ich eine andere Wahl? Ich kann nicht zulassen, dass er mich zurückgibt. Fast unmerklich nicke ich. Und Gott, ehrlich gesagt bin ich auch neugierig. Stimmt etwas nicht mit mir, weil ich wissen will, ob sein Schwanz genauso prachtvoll ist wie der Rest von ihm?

Er legt mir die Hand auf die Wange und zieht mich näher zu sich heran. Dann beugt er den Kopf zu mir herunter und lässt zu, dass sich unsere Lippen ganz kurz berühren. Die Geste ist unerwartet zärtlich. Bebend hole ich Luft, öffne die Lippen und benetze sie mit der Zunge; er drängt sich wieder an mich und schmeckt die Feuchtigkeit, die ich auf meiner Unterlippe hinterlassen habe. Seine Lippen sind weich und üppig, er zieht meine Unterlippe ein wenig in seinen Mund und saugt zärtlich daran, dann lässt er seine Zunge an meine gleiten.

Sein Kuss ist behutsam, so als würde er mich testen – als wollte er meine Reaktion abwarten. Ich rühre mich nicht, lasse ihn mich forschen und erwidere seinen Kuss, indem meine Zunge an seiner leckt.

Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass sein heißer Mund auf meinem keine Wirkung erzielen würde. Mir wird warm, und es erregt mich zu wissen, dass seine Hand in seinen Boxershorts steckt und er sich selbst streichelt, während seine Zunge die meine liebkost. Mein ganzer Körper sprüht vor Energie.

Gerade als ich für mehr bereit bin, unterbricht er den Kuss, der meine Lippen feucht und geschwollen hinterlässt. Mit der Hand, die an meiner Wange gelegen hat, schiebt er seine Boxershorts nach unten; er zieht seinen Penis aus dem Stoff und legt ihn an seinen Bauch. Ich riskiere einen Blick nach unten.

Du meine Güte – was für ein Riesending.

Es reicht bis zu seinem Nabel hinauf und ist so dick wie mein Arm. Keiner kann von mir erwarten, dass es in meinen Mund passt. Plötzlich erscheinen seine Ängste, ich könnte ihn beißen, in einem ganz anderen Licht. Ich würde mir den Kiefer ausrenken müssen, um dieses Ding in meinen Mund zu bekommen. Er rührt sich nicht, um das alles auf mich wirken zu lassen. Ich klappe den Mund auf, um zu protestieren, doch er lässt seine Hand in meinen Nacken wandern und zieht mich zu sich.

»Komm her, Sophie.« Er haucht meinen Namen, der von seinen Lippen fremd und verführerisch klingt. Das warme Gewicht seiner Handfläche in meinem Nacken jagt mir kleine Spiralen der Hitze über den Rücken. Er hält mich weiterhin dicht bei sich, rückt sich ein wenig zurecht und befreit als Nächstes seine Eier aus den Boxershorts, sodass er jetzt vollkommen entblößt ist. Sie sind groß, rund und glatt. Alles an ihm ist so extrem männlich und perfekt, dass es schwierig ist, nicht darauf zu reagieren.

Mein Körper pulsiert vor elektrischer Hitze, als mich Gefühle überwältigen, die ich mir nie hätte träumen lassen. Eine Mischung aus Interesse, Verlangen, Lust.

Er ist attraktiv, fit und intelligent. Zumindest körperlich hat er nichts an sich, was einem nicht gefallen könnte, aber er hat mich gekauft, verdammt noch mal. Eigentlich sollte mich das anwidern und nicht erregen und antörnen.

Erwartungsvoll sieht er mich an, und ich hebe den Penis von seinem Platz an den straffen Bauchmuskeln und senke den Kopf in seinen Schoß. Meine Zunge schießt heraus, um seine Spitze zu kosten. Er stößt ein leises zufriedenes Grunzen aus, verstärkt seinen Griff um meinen Nacken und zwingt mich näher zu sich heran.

Ich umschließe ihn mit meiner Hand und bearbeite seinen Schwanz mit der Zunge, um ihn mit meinem Speichel zu umhüllen, damit ich meine Hand leicht daran auf und ab gleiten lassen kann. Ich werde es nie und nimmer schaffen, ihn ganz in den Mund zu nehmen, deshalb muss ich auch meine Hände zum Einsatz bringen.

Ein gemurmelter Fluch treibt mich weiter. Mit der freien Hand greife ich nach unten, um sanft seine Hoden zu umfassen und zu massieren. Ein warmer Tropfen Flüssigkeit entweicht ihm, und ich fahre mit der Zunge über seine Spitze, nehme den Tropfen salziger Flüssigkeit auf und schlucke ihn hinunter. Drakes leises Grunzen treibt mich an.

Ich sauge weiter an der Spitze seines Penis, öffne den Kiefer in dem Versuch, so viel wie möglich von ihm in meinen Mund zu nehmen. Währenddessen benutze ich beide Hände, um die vernachlässigte Hälfte seiner üppigen Länge fest zu streicheln.

»Oh, fuck«, knurrt Drake. »Das ist es, genau das ist es.« Seine Stimme dröhnt tief in seiner Brust. Wärme und Feuchtigkeit durchfluten meinen Slip, und ich gebe mich vollkommen hin, sauge, lecke und liebkose, so gut ich es vermag.

Verwirrung erfasst mich. Eigentlich sollte ich das in keiner Weise genießen, doch ich fühle mich machtvoll und begehrenswert, wenn ich diesen tollen Mann dazu bringe, die Kontrolle zu verlieren.

Er krallt sich in meine Haare, dass meine Kopfhaut prickelt, und zieht meinen Mund von sich weg. Dann nimmt er seinen enormen Schwanz in die Hand und reibt ihn mit kurzen, ungleichmäßigen Bewegungen. Bei diesem Anblick zieht sich alles in mir zusammen.

»Mach den Mund auf«, stöhnt er. Ich gehorche und öffne ihn weit für ihn. »Lass mich deine Zunge sehen.« Ich strecke die Zunge heraus und er legt die Spitze seines Penis darauf, während seine Faust weiterpumpt. Er schließt die Augen und sein Kopf sinkt nach hinten an das Sofa. »Oh, verdammt, Herzblatt«, brummt er, während ein tiefes Grollen in seiner Brust vibriert. »Das fühlt sich so verdammt gut an.« Er blickt wieder auf mich hinunter und reibt sich weiter, sein Tempo ist unregelmäßig, seine Augen dunkel vor Lust. »Dein Mund sieht so hübsch an meinem Schwanz aus.«

Ich kämpfe gegen das Bedürfnis an, meinen Mund um ihn zu schließen und zu saugen, stattdessen knie ich weiterhin vor ihm, den Mund geöffnet, bereit, aufzunehmen, was er von sich gibt. Sekunden später spritzt er auf meine herausgestreckte Zunge.

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