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Unter funkelnden Sternen

1. KAPITEL

„Kann ich Ihnen …?“ Caira verstummte entsetzt und blieb unvermittelt in der Auffahrt stehen, als sie den Mann erkannte, der aus dem Wagen stieg.

Nein, das war unmöglich!

Er konnte nicht hier sein!

Sie hatte sich am Pool gesonnt, als sie den silberfarbenen Wagen die schmale, gewundene Straße heraufkommen sah, die an dem Anwesen endete. Kaum war sie aufgestanden, um ein schwarzes T-Shirt über ihren Bikini zu ziehen, hatte sie ihn schon draußen stoppen gehört. Verärgert war sie dann nach vorn gelaufen, um dem Fahrer zu sagen, dass er offenbar falsch abgebogen war.

Schockiert betrachtete sie nun den Mann, der hinter dem Auto stand und sie aus zusammengekniffenen Augen betrachtete, die Sonnenbrille ins schwarze Haar geschoben. Er wirkte nicht besonders erfreut darüber, sie zu sehen, denn er presste grimmig die Lippen zusammen, als er die Sonnenbrille wieder aufsetzte.

„Caira“, begrüßte er sie, wobei er flüchtig nickte.

Regungslos stand sie da und brachte kein Wort heraus, weil ihr das Ganze seltsam unwirklich erschien.

„Na, hat es dir die Sprache verschlagen, Caira?“, neckte er sie mit der ihr vertrauten, leicht heiseren Stimme. „Oder erinnerst du dich gar nicht mehr an mich?“

Machte er Witze? Natürlich tat sie das!

Seit ihrer letzten Begegnung waren acht Jahre vergangen, aber welche Frau vergaß schon ihren ersten Freund? Sie hatte Raphael Antonio Miguel Montero nie vergessen. Wie sollte sie auch? Immerhin gehörte er, halb Amerikaner und halb Spanier, seit zwölf Jahren zur ersten Schauspielerriege Hollywoods und hatte außerdem erst vor Kurzem mit seinem Film Kunstwerk einen Oscar gewonnen.

Jetzt betrachtete er sie kühl. „Hast du mir wirklich nichts zu sagen, Caira?“

„Das habe ich dir alles bei unserer letzten Begegnung gesagt!“, erwiderte sie scharf, während sie sich fieberhaft den Kopf darüber zerbrach, was ihn in diese abgelegene Gegend in Südfrankreich verschlagen hatte. Das Landhaus lag völlig abgeschiedenen in den Hügeln oberhalb der Stadt Grasse.

Rafe verzog das Gesicht, während er zum Kofferraum ging. „Das habe ich längst vergessen. Es ist so lange her“, meinte er lässig, bevor er die Haube öffnete und sein Gepäck herauszunehmen begann.

Fassungslos beobachtete Caira, wie er die Koffer und Taschen in die Auffahrt stellte. Dies war der Mann, der ihr hoffnungslos den Kopf verdreht hatte, als sie zwanzig war.

Nun war er Mitte dreißig und noch attraktiver als damals. Er maß etwa einsfünfundachtzig, und sein schwarzes Haar und den dunklen Teint hatte er von seinem spanischen Vater geerbt. Seine strahlend blauen Augen bildeten einen faszinierenden Kontrast zu seinem südländischen Aussehen, das durch die gerade Nase, die sinnlichen, leicht geschwungenen Lippen und das markante Kinn mit dem Grübchen unterstrichen wurde. Das schwarze Poloshirt und die verwaschenen Jeans betonten seine breiten Schultern, die schmalen Hüften und die muskulösen Oberschenkel. Er war verdammt sexy!

Benommen schüttelte Caira den Kopf. Sie konnte sich einfach nicht erklären, warum er hier war. „Was machst du da eigentlich?“, erkundigte sie sich scharf.

Daraufhin richtete Rafe sich auf. „Ich ziehe hier ein. Nimmst du mir etwas ab, Caira?“ Er hängte sich die Laptoptasche um die Schulter und nahm die beiden kleinen Koffer, sodass nur noch eine Reisetasche übrig blieb.

„Ich soll …? Rafe, du kannst nicht einfach … Was soll das heißen, du ziehst hier ein?“, wiederholte sie ungläubig.

„Genau das, was ich gesagt habe.“ Ungerührt zuckte er die Schultern, als er auf sie zukam.

Instinktiv wich sie einen Schritt zurück. „Ich … Aber … Das geht nicht!“

„Warum nicht?“, fragte er ruhig.

„Weil …“

„Sei still und bring die Tasche hinein, Caira.“ Entschlossen ging er aufs Haus zu.

Nach all den turbulenten Jahren war dieses Anwesen zu ihrem Zufluchtsort geworden, ihrem privaten Refugium. Und Rafe hatte diese Idylle in dem Moment zerstört, als er aus dem Wagen stieg.

Caira riss sich zusammen und eilte ihm nach, doch es fiel ihr nicht leicht, mit ihm Schritt zu halten. „Was machst du hier, Rafe?“

„Dieselbe Frage könnte ich dir stellen“, konterte er, ohne sie eines Blickes zu würdigen. „Wo sind Margo und Jeff?“

„Sie sind nicht hier“, erwiderte sie.

Und genau das bedauerte sie. Vielleicht hätten ihre Schwester und deren Mann ihr erklären können, was Rafe Montero in ihrem Feriendomizil machte!

„Nein?“ Er zog die Augenbrauen hoch. „Unternehmen sie einen Ausflug, oder sind sie nur einkaufen gefahren?“

„Weder noch.“ Verzweifelt schüttelte sie den Kopf. „Kannst du mir jetzt bitte sagen, was hier los ist, Rafe?“ Abrupt blieb sie stehen, die Hände frustriert zu Fäusten geballt.

Nachdem er das Gepäck abgestellt hatte, schob Rafe wieder seine Sonnenbrille hoch, um Caira aus zusammengekniffenen Augen zu betrachten. Dass sie hier war, musste er erst einmal verarbeiten.

Seit acht Jahren hatte er sie nicht mehr gesehen.

Acht lange Jahre.

Es war ein Schock für ihn, ihr nach so langer Zeit wieder gegenüberzustehen.

Verdammt, er war immer noch ganz benommen!

Caira Vaughn war noch schöner als vor acht Jahren, auch wenn sie inzwischen abgenommen hatte. Sie war groß und trug ihr wundervolles rotes Haar nach wie vor lang. Ihr Gesicht war schmaler als damals, was ihre hohen Wangenknochen betonte, ihre Nase schmal und gerade. Die vollen, sinnlichen Lippen bildeten einen reizvollen Kontrast zu ihrem energischen Kinn. Mit den langen, wohlgeformten Beinen und weiblichen Rundungen hatte sie eine richtige Traumfigur.

Mit den funkelnden braunen Augen und den vor Zorn geröteten Wangen erinnerte sie in diesem Moment viel eher an die berühmte Schauspielerin als an jene blasse Frau, deren Foto während ihrer Scheidungsschlacht monatelang auf den Titelseiten der Boulevardpresse erschienen war.

Es geht mich nichts an, sagte Rafe sich grimmig. Und auch Caira interessierte ihn nicht mehr.

„Und, wo sind Margo und Jeff?“, hakte er nach. Er hätte gern ein Wörtchen mit den beiden geredet, weil keiner von ihnen ihn informiert hatte, dass Caira hier sein würde.

„Ich habe dir doch gesagt, dass sie nicht hier sind“, erwiderte Caira genervt.

Wieder kniff Rafe die Augen zusammen. „Nur heute oder gar nicht?“

Sie schüttelte den Kopf. „Gar nicht. Ihr Arzt hat Margo für die letzten vier Wochen ihrer Schwangerschaft Bettruhe verordnet.“

Margo und Jeff waren also gar nicht in Südfrankreich.

Nur Caira wohnte hier.

Und weder Margo noch Jeff hatten es für nötig gehalten, es ihm zu erzählen!

Was sollte er jetzt machen?

„Onkel Rafe! Onkel Rafe!“

Gerade noch rechtzeitig drehte Rafe sich um, um das kleine Mädchen mit dem blonden Haar aufzufangen, das in einem pinkfarbenen Badeanzug aus dem Haus gestürmt kam: Daisy, Margos und Jeffs sechsjährige Tochter.

Wenn Caira sie mitgebracht hatte, bedeutete es wahrscheinlich, dass sie keinen Lover dabeihatte. Wahrscheinlich …

„Mummy hat mir erzählt, dass du heute kommst!“, berichtete die Kleine strahlend, während er sie hochhob. Caira war schockiert. „Margo wusste, dass du kommst?“, fragte sie entgeistert. „Natürlich“, bestätigte Rafe, während er sie argwöhnisch ansah. Das Atmen fiel ihr plötzlich schwer, und sie konnte keinen klaren Gedanken fassen.

Nach den stressigen Wochen, ja, Monaten, die wegen ihrer Scheidung hinter ihr lagen, hatte sie unbedingt eine Auszeit gebraucht und sich nach einem Ort gesehnt, an dem sie nicht ständig erkannt und fotografiert werden würde. Als ihre Schwester ihr vorschlug, in dem Landhaus in Südfrankreich auszuspannen, weil sie und Jeff den Mai nicht wie sonst dort verbringen konnten, hatte sie ihr Angebot dankbar angenommen. Und da ihre kleine Nichte ohnehin Ferien hatte, hatte Caira die Kleine gern mitgenommen.

Bis jetzt war alles wunderbar gelaufen, denn hier wurde sie nicht von Journalisten behelligt. Mit Sonnenbrille, Basecap und Zopf war sie in Daisys Begleitung inkognito mit dem Eurostar nach Frankreich gereist.

Nach der langen, anstrengenden Reise war sie angenehm überrascht gewesen. Der weitläufige Bungalow im Landhausstil verfügte über alle erdenklichen Annehmlichkeiten, so auch über einen Swimmingpool auf einer tieferen Ebene des terrassenförmig angelegten Gartens. Alles, was sie für den täglichen Bedarf brauchten, konnten sie in den kleinen Läden im nächsten Ort kaufen.

Mit ihrer temperamentvollen kleinen Nichte verstand Caira sich bestens. Auf der Fahrt hatte das Mädchen unentwegt geredet und war gleich nach ihrer Ankunft am Vortag in den Pool gesprungen, um sich abzukühlen.

Nach all den Jahren, in denen ihr Leben auf lange Sicht völlig verplant gewesen war, genoss Caira es in vollen Zügen, in den Tag hineinzuleben und sich an einfachen Dingen zu erfreuen.

Während der Vorbereitungen für die Reise hatte ihre Schwester Rafe Montero allerdings kein einziges Mal erwähnt. Sie hatte nicht einmal gewusst, dass Margo und Jeff noch mit ihm befreundet waren. Verwirrt schüttelte Caira den Kopf. „Margo hat kein Wort darüber verloren, dass du kommst.“ „Mir hat sie auch nicht erzählt, dass du hier bist, falls es dich tröstet“, erwiderte Rafe scharf. „Das tut es nicht“, versicherte sie ihm. „Sicher, es ging ihr in letzter Zeit nicht so gut, aber …“

„Lass uns später darüber reden“, unterbrach er sie mit einem vielsagenden Blick auf Daisy, bevor er sie wieder ansah, doch Caira setzte sich darüber hinweg.

„Ich finde, wir sollten es jetzt klären, Rafe …“

„Caira, bitte!“, ermahnte er sie schroff.

Wütend fragte sie sich, ob er schon immer so herablassend und ignorant gewesen war. Ja, wahrscheinlich, überlegte sie ironisch. Ich war damals nur zu naiv und verliebt, um es zu merken.

Aber das war sie jetzt nicht mehr, und deshalb würde sie es sich auch nicht gefallen lassen.

„Ich habe keine Ahnung, was du mit Margo und Jeff abgesprochen hast“, sagte sie scharf. Allerdings würde sie es herausfinden, wenn sie das nächste Mal mit ihrer Schwester telefonierte! „Aber da sie offenbar noch in England sind, kannst du auf keinen Fall hierbleiben.“

Rafe runzelte die Stirn. „Und wohin soll ich deiner Meinung nach gehen?“

Am liebsten hätte sie ihm gesagt, er solle sich zum Teufel scheren. Als sie das eisige Funkeln in seinen Augen sah, überlegte sie es sich jedoch anders. „In ein Hotel natürlich.“

„In Cannes findet gerade das Filmfestival statt. Glaubst du allen Ernstes, ich würde irgendwo ein Zimmer bekommen?“, neckte er sie.

„Ich … das Filmfestival?“, wiederholte Caira langsam.

„Deswegen bin ich in Frankreich“, erklärte er. „Mein Film wurde in mehreren Kategorien für die Goldene Palme nominiert.“ Lässig zuckte er die Schultern. „Als Regisseur muss ich mich dort blicken lassen.“

Natürlich, das Filmfestival, überlegte sie. Da Rafe schon bei der Oscarverleihung abgeräumt hatte, lag es nahe, dass sein Film auch für die Goldene Palme nominiert war.

„Cannes liegt ein gutes Stück entfernt“, beharrte sie.

„Und?“

„Also muss es unterwegs noch freie Zimmer geben. Es wäre sowieso viel praktischer, als wenn du immer von hier aus in die Stadt fahren musst“, wandte Caira ein.

Ärgerlich presste Rafe kurz die Lippen zusammen. „Nett von dir, dass du für mich planst, Caira“, bemerkte er sarkastisch, „aber ich bin schon seit Stunden unterwegs und habe keine Lust, weiter darüber zu diskutieren. Erst mal möchte ich mich im Pool abkühlen. Was meinst du, Daisy-Maus, wollen wir beide schwimmen gehen?“ Liebevoll lächelte er die Kleine an, die sofort begeistert zustimmte. „Scheint so, als wärst du überstimmt, Caira“, fügte er lässig hinzu, als er Daisy absetzte, die gleich seine Hand nahm, um ihn in Richtung Swimmingpool zu ziehen.

„Aber …“

„Keine Chance, Caira“, meinte er leise. Dann ließ er Daisys Hand los, um sich das Poloshirt über den Kopf zu ziehen.

Beim Anblick seines gebräunten, durchtrainierten Oberkörpers wurde ihr Mund ganz trocken, und ihr Herz begann wie wild zu pochen. Vor acht Jahren hatte sie jeden Zentimeter seines fantastischen Körpers gekannt – seine breiten Schultern, die muskulöse Brust, den flachen Bauch und …

Und noch immer war er perfekt. Rafe hatte nicht ein Gramm Fett zu viel. Herausfordernd funkelte er sie an, während ein spöttisches Lächeln seine Lippen umspielte. Offenbar wusste er ganz genau, wie sein Anblick auf sie wirkte.

Dieser Mistkerl! Das hatte er mit Absicht gemacht. „Rafe!“, stieß Caira entsetzt hervor, sobald er aufreizend langsam den Reißverschluss seiner Jeans zu öffnen begann. Betont unschuldig zog er die Augenbrauen hoch. „Stimmt etwas nicht, Caira?“

Und ob etwas nicht stimmte!

Damals waren sie nicht gerade freundschaftlich auseinandergegangen. Und seitdem hatten sie sich nie wieder gesehen oder gesprochen.

Und nun stockte ihr allein bei seinem Anblick der Atem, und ihr wurde ganz heiß. Wie gebannt betrachtete Caira auf den geöffneten Reißverschluss seiner Jeans, unter dem er einen schwarzen Slip trug, und befeuchtete sich dann nervös die Lippen.

„Daisy, holst du bitte eine Flasche Wasser aus dem Haus und bringst sie an den Pool?“ Sie rang sich ein Lächeln ab, was ihr schwerfiel, weil sie das Gefühl hatte, dass ihre Züge erstarrt waren.

„Gehen wir dann gleich ins Wasser, Onkel Rafe?“, fragte die Kleine.

„Versprochen, Daisy-Maus“, erwiderte Rafe heiser.

Da war es wieder. Das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmte.

Und plötzlich wusste Caira, was es war.

Onkel Rafe.

Daisy-Maus.

Sie fragte sich, wie lange und vor allem wie gut Rafe und ihre Nichte sich kannten, dass die Kleine „Onkel“ zu ihm sagte. Und nur die Familienmitglieder und sehr enge Freunde nannten sie Daisy-Maus.

Da sie in den letzten acht Jahren vorwiegend in den USA gelebt hatte, war Caira nur selten zu Hause in England gewesen. Trotzdem hätte sie irgendwie mitbekommen müssen, dass ihre Schwester und Jeff immer noch so eng mit Rafe befreundet waren.

Rafe sah förmlich, wie Caira sich den Kopf zermarterte. Sie war sauer auf Margo und Jeff, weil die beiden sie in diese Situation gebracht hatten. Was die beiden dazu bewogen hatte, konnte er nur vermuten. Sie hatten nie einen Hehl daraus gemacht, wie sehr sie ihre Trennung damals bedauerten.

Ihre Trennung. Was für ein unzulängliches Wort für ein derart einschneidendes Ereignis!

Bei ihrer letzten Begegnung hatte Caira ihn kaum zu Wort kommen lassen und mit ihm Schluss gemacht. Drei Tage später hatte sie ihre Verlobung mit Lionel Bond bekannt gegeben.

Und nun war sie von Lionel geschieden.

Aber Margo und Jeff kämpften gegen Windmühlen, wenn sie glaubten, Caira und ihn auf diese Art wieder einander näher bringen zu können. Da Caira ihn jedoch so schnell wie möglich loswerden wollte, würde er erst recht bleiben!

„Wasser?“, bemerkte Rafe und verzog das Gesicht. „Ich hätte mich lieber mit einem Glas Wein auf die Terrasse gesetzt und mit dir die Aussicht aufs Meer genossen.“

Wütend funkelte Caira ihn an. „Wir werden gar nichts zusammen genießen, Rafe“, entgegnete sie scharf. „Ich …“

„Ich sagte, lass uns später miteinander reden“, fiel er ihr energisch ins Wort. „Jetzt will ich erst mal mit Daisy schwimmen.“ Um seine Worte zu unterstreichen, zog er den Reißverschluss ganz hinunter, um sich dann die Jeans abzustreifen.

Entsetzt, ja, schockiert beobachtete Caira ihn dabei und atmete hörbar auf, als sie sah, dass er eine schwarze Badehose darunter trug.

Natürlich war ihm nicht entgangen, dass sie ihm gegenüber nicht so immun war, wie sie ihn glauben machen wollte. Allerdings hätte sie es vehement bestritten.

Nun straffte sie sich und atmete tief durch. „Wie oft soll ich es dir noch sagen, Rafe? Du bleibst nicht hier!“

„O doch“, konterte Rafe lässig. „Wir verbringen den Nachmittag mit Daisy am Pool, danach kochen wir alle zusammen, und wenn Daisy im Bett liegt, können wir beide …“

Was können wir, Rafe?“, fiel Caira ihm scharf ins Wort, während sie verzweifelt den Kopf schüttelte. Nachdem sie gerade geglaubt hatte, Rafe würde sich ganz ausziehen, hatte sie sich nun zum Glück wieder gefangen.

Früher hatte er immer nur knappe Slips getragen. Allerdings war die Badehose auch nicht viel besser, denn es handelte sich um eng anliegende Retroshorts, die nichts der Fantasie überließen.

Caira presste die Lippen zusammen, als sie aufsah und dabei seinem spöttischen Blick begegnete. „Damit das klar ist, Rafe: Wir beide werden gar nichts zusammen machen, weder heute Abend, wenn Daisy im Bett liegt, noch sonst irgendwann!“

„Soll das etwa heißen, dass du dich nicht über unser Wiedersehen freust, Caira?“, erkundigte Rafe sich rau.

Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass er auf sie zugekommen war und nun ganz dicht vor ihr stand. Sie spürte seine Körperwärme, und der Duft seines Aftershaves stieg ihr in die Nase und verwirrte ihre Sinne. Genauso hatte Rafe auch früher immer gerochen – unglaublich männlich …

Nein!

Dieser Mann hatte ihr vor acht Jahren das Herz gebrochen. Und nicht nur das – dieser Casanova hatte sie zutiefst gedemütigt!

Caira war fest entschlossen, sich von Rafes Anblick und seiner Nähe nicht irritieren zu lassen. Sie war fast auf Augenhöhe mit ihm, weil er nur ein Stückchen größer war als sie. Deswegen hatten sie damals vor allem im Bett so harmoniert …

Sofort riss sie sich zusammen. Dies war nicht der richtige Zeitpunkt, an ihre Gemeinsamkeiten zu denken. Sie musste sich ins Gedächtnis rufen, in welcher Hinsicht Rafe und sie überhaupt nicht zusammengepasst hatten.

Wieder presste sie die Lippen zusammen. „Ich habe keine Ahnung, wie du darauf kommst, dass ich … Was machst du da?“ Abrupt wandte sie den Kopf, als Rafe die Hand ausstreckte, um ihre Wange zu berühren.

Er kniff die Augen zusammen und ließ langsam die Hand sinken. Er fragte sich, wie ihre achtjährigen Ehe mit Lionel Bond gewesen sein musste, wenn Caira beim geringsten Körperkontakt derart zusammenzuckte.

Oder wollte sie nur von ihm nicht berührt werden?

Schon möglich, überlegte er grimmig. Als er das letzte Mal mit Caira sprach, hatte sie ihm unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass sie es mit ihm zwar schön gefunden hatte, sie nun allerdings andere Pläne hatte, in denen er keine Rolle spielte.

Vor acht Jahren war sie mit Lionel, einem Filmproduzenten, nach Hollywood gegangen und hatte die Filmmetropole im Sturm erobert. Trotzdem waren sie sich in all den Jahren nie begegnet, weil er, anders als sie, sehr zurückgezogen lebte und jede Art von Rummel mied.

Während er regungslos dastand und ihren Blick erwiderte, fiel Rafe auf, dass Caira sich auch sonst verändert hatte.

In ihren schokobraunen Augen, die einen Mann dahinschmelzen lassen konnten, lag, anders als früher, ein argwöhnischer Ausdruck. Die Schatten darunter deuteten darauf hin, dass sie in letzter Zeit nicht gut geschlafen hatte. Die leichten Fältchen um ihre Mundwinkel ließen erahnen, wie unglücklich sie in ihrem tiefsten Inneren war und wie oft sie es mit einem aufgesetzten Lächeln überspielt hatte.

Nach der Trennung und während der darauffolgenden Scheidung von ihrem einflussreichen Mann hatte man zum ersten Mal hinter die Fassade blicken können. Bis vor zehn Monaten waren die beiden in der Öffentlichkeit das perfekte Paar gewesen und hatten den Eindruck vermittelt, dass sie eine glückliche Ehe führten.

„Lass uns alle in den Pool gehen und später darüber reden, ja?“, schlug Rafe leise vor.

Caira wich einen Schritt zurück. „Man kann dir einiges nachsagen, Rafe, aber ich hätte nie gedacht, dass du auch dumm bist …“ Sie verstummte und krauste die Stirn, als er zynisch lächelte. „Findest du das Ganze etwa lustig?“, fuhr sie ihn wütend an.

Ja, sie war genauso temperamentvoll wie damals. Es war eine ihrer Eigenschaften gewesen, die ihn so angezogen hatten. Auf der Leinwand hatte es förmlich zwischen ihnen geknistert.

„Nur dass du mich unbedingt loswerden willst.“ Rafe zuckte die Schultern. „Selbst wenn ich ein Hotelzimmer finden könnte, würde ich nicht gehen.“

„Und warum nicht?“

„Erstens, weil es hier viel ruhiger ist …“

„Stimmt, das war es zumindest – bis du hier aufgetaucht bist.“ Ihre braunen Augen funkelten vor Zorn. „Du wirst auf keinen Fall bleiben, Rafe.“

„Aha.“

„Was soll das heißen?“, hakte Caira argwöhnisch nach.

„Es ist so, und damit komme ich zum zweiten Punkt. Ich habe nicht die Absicht zu gehen, weder jetzt noch in Zukunft“,

erklärte er.

„Und der wäre?“

Nun musste er lachen. „Dass nicht ich hier der Gast bin, sondern du, Caira. Das hier ist mein Haus“, fügte er trocken hinzu, als sie ihn verständnislos ansah.

Caira war schockiert.

Rafe war der Freund, der Margo und Jeff jedes Jahr in seinem Landhaus in Südfrankreich wohnen ließ?

2. KAPITEL

Caira lag im Bikini auf einer Liege am Pool und versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, wie aufgewühlt sie war.

Es war einzig und allein seine Schuld! Aber Rafe schien sie gar nicht wahrzunehmen. Gleich nachdem er ihr eröffnet hatte, dass der Bungalow ihm gehörte, war er mit einem eleganten Kopfsprung ins Wasser getaucht, wo er nun mit Daisy spielte. So war ihr nichts anderes übrig geblieben, als den beiden auf die Terrasse zu folgen.

Sie hatte ihre Sonnenbrille aufgesetzt, um ihre Augen vor dem gleißenden Licht zu schützen und Rafe beobachten zu können, ohne dass er es merkte. Nun überlegte sie, was sie machen sollte.

Dieses Anwesen gehörte Rafe.

Und obwohl Margo und Jeff hier schon seit acht Jahren immer einige Wochen im Frühjahr verbrachten, hatte diese es bisher nicht erwähnt, warum auch immer.

Bisher hatte Caira sich beharrlich geweigert, mit irgendjemandem über den Grund für das Ende ihrer Beziehung mit Rafe zu reden. Sie hatte Margo sogar verboten, von ihm zu sprechen. Also hätte diese ihr schlecht erzählen können, dass sie und Jeff noch mit ihm befreundet waren.

Da sie nun auf keinen Fall in dem Haus bleiben konnte, blieben ihr nur zwei Möglichkeiten.

Sie konnte entweder nach England zurückkehren, wo die Presse sofort über sie herfallen würde. Zwar waren die Paparazzi dort nicht so schlimm wie in den USA, doch sobald sie ihr Apartment in London verließ, das sie vor zwei Jahren gekauft hatte, verfolgten sie sie auf Schritt und Tritt. Oder sie suchte eine andere Unterkunft für Daisy und sich, um in dieser wunderschönen Gegend bleiben zu können.

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