Logo weiterlesen.de
Unter weiß-blauem Himmel

Unsere eBooks werden auf kindle paperwhite, iBooks (iPad) und tolino vision 3 HD optimiert. Auf anderen Lesegeräten bzw. in anderen Lese-Softwares und -Apps kann es zu Verschiebungen in der Darstellung von Textelementen und Tabellen kommen, die leider nicht zu vermeiden sind. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Backofenhinweis

Die Backzeiten können je nach Herd variieren. Die Temperaturangaben in unseren Rezepten beziehen sich auf das Backen im Elektroherd mit Ober- und Unterhitze und können bei Gasherden oder Backen mit Umluft abweichen. Details entnehmen Sie bitte der Gebrauchsanweisung.

IMG

Endlich gescheide Biergarten-Rezepte!

DER BIERGARTEN IST EINE BAYERISCHE INSTITUTION. DOCH DAS PARADIES HAT EINEN ENTSCHEIDENDEN MAKEL: WARUM DIESES BIERGARTEN-KOCHBUCH DRINGEND NOTWENDIG IST!

Wir saßen im Biergarten! Die Sonne schien durch das rot gefärbte Blätterdach, die Kastanien warfen ihr Schattenmuster in den Kies. Über den Bierbänken lag ein Geräuschteppich aus Stimmen, Lachen und Gemurmel, als spiele hier ein Biergartenorchester eine Symphonie der Behaglichkeit, in das ein unsichtbarer Dirigent ein verheißungsvolles Klirren und Klimpern gemischt hatte. Unsere Kinder tobten auf dem Spielplatz und kamen höchstens mal bei uns vorbei, um zu fragen, ob sie nicht doch Spezi statt Apfelschorle haben dürfen. Der Biergarten kommt dem Himmel auf Erden ziemlich nahe! Doch leider hat das irdische Paradies einen Haken. Hier trat plötzlich ein riesiger Hund ins Biergarten-Bild und deckte den Makel unerbittlich auf: Eine Dogge näherte sich unserem Biertisch und störte die Gemütlichkeit. Wir fürchteten uns ein wenig, schließlich war der Vierbeiner fast auf Augenhöhe mit uns. Das Urviech von einem Hund reckte den Schädel über die aufgereihten Speisen, orientierte sich kurz und schnupperte am Schnitzel einer Freundin. Schnell brachte sie dieses in Sicherheit anstatt sich selbst. Julias Mann sorgte sich um seine Schweinshaxe – doch das Herz des vierbeinigen Monsters schlug bereits deutlich schneller für etwas anderes: Der Hund wendete sich vom Schnitzel ab, schnappte sich die große Breze, die wir in die Mitte des Tisches gelegt hatten, damit alle mitessen können, und verschwand hast-du-nicht-gesehen zwischen den Bierbänken. Eine ältere Dame mit einer losen Hundeleine in der Hand hatte die Verfolgung aufgenommen und rief uns halb außer Atem zu: »Tut ma leid, aber wenn er a Brezen sieht, ist er nicht mehr zum Halten.«

Diese Geschichte erzählt zwar auch von der schlechten Erziehung Münchner Hunde, doch dahinter steckt mehr. Die Dogge führte uns exemplarisch vor, woran die große Biergartenherrlichkeit krankt: Wir Gäste stehen ja vor derselben Auswahl und entscheiden uns dann oft – wie der Hund! – für das bayerische Grundnahrungsmittel, die Breze, und nicht für: labbrige Pommes, fettiges Fleisch (kein Mensch weiß woher), letscherte Saucen, langweiligen Obazden, der nicht so heißen darf, und nichtssagenden Kartoffelsalat. Vor allem als Vegetarierin ist man im Biergarten oft aufgeschmissen und hat stets nur die Wahl zwischen Pommes und Obazden. Als Fleischfresser ist die Auswahl größer, aber die Qualität noch schlechter. Im Biergartenparadies fließt zwar Bier wie Milch und Honig, aber das Essen lässt zu wünschen übrig. Die Süddeutsche Zeitung schreibt sogar: »Es ist ein offenes Geheimnis, dass in den Biergärten und Wirtshäusern der Stadt zum Großteil Convenience auf den Tisch kommt. Die vom langen Warmhalten ausgetrockneten Schweinsbraten, die Kartoffelknödel aus der Tüte und Fleischpflanzerl vom Fließband sollte man Besuchern jedenfalls nicht als kulinarische Heimatkunde zumuten.« Natürlich ist das Essen nicht in allen Biergärten so schlecht, aber in vielen. Die gemeinen bayerischen Biergarten-Tifosi würden jetzt fragen: Braucht’s des wirklich? Nein, des braucht’s wirklich nicht. Zum Glück haben wir im Biergarten die weltweit einmalige Gelegenheit, unser Essen selbst mitzubringen. Daraus sollte sich doch etwas machen lassen – dachten wir uns. So entstand die Idee für dieses Kochbuch: die besten Biergarten-Rezepte zum Draußen-Genießen!

Eine gscheide (bayer. für sehr gut, richtig, vernünftig) Biergartenküche soll Tradition und Moderne vereinen. Beim Wort Biergarten fallen einem sofort Speisen wie Obazda, Wurstsalat oder Steckerlfisch ein. Viele traditionelle Gerichte spielen auch in unserem Kochbuch eine Rolle, mal klassisch, mal innovativ. Auch die Breze gehört zu Bayern und zum Biergarten wie die Pedale zum Radlfahren – eine Kindheit ohne dieses Hauptnahrungsmittel ist hier zwar möglich, aber sinnlos. Deswegen haben wir neue Rezepte rund um dieses verschlungene Gebäck kreiert wie etwa eine Brezen-Panzanella. Da wir vor allem auf saisonale und regionale Produkte setzen, interpretieren wir internationale Gerichte bayerisch wie etwa die Ceviche mit Hechtfilet und Radi. Natürlich passen auch viele österreichische, italienische oder französische Gerichte wunderbar zum Biergarten – was das angeht, sind wir kulinarische Kulturimperialisten! Im Biergarten gilt: Alles geht, nichts muss. Aber eine zweckmäßige Bedingung ergibt sich dann doch: Die Gerichte müssen praktisch zu transportieren sein! Bestenfalls mit dem Rad. Deswegen sind alle unsere Rezepte nicht nur für den Biergarten geeignet, sondern auch für Radausflüge am Rhein, ein Picknick am Elbstrand oder im Wienerwald, eine Wanderung in den Alpen, im Bayerischen Wald oder im Erzgebirge, eine Brotzeit im Görlitzer Park in Berlin, in einem Waldstück bei Zürich, auf einer Elsässer Autobahnraststätte, für einen Tag am Bodensee oder an der Nordsee – kurz gesagt: Es sind Rezepte zum Draußen-Genießen, egal wo! Dank der Dogge wird mit diesem Buch nicht nur der Biergarten zum Paradies unter Kastanien, zum Himmel auf Erden, sondern auch alle anderen Ausflugsziele.

IMG

IMG