Logo weiterlesen.de
Vor und nach der Jägerprüfung - Teilausgabe Jagdhunde

Hinweis zur Optimierung

Unsere eBooks werden auf kindle paperwhite, iBooks (iPad) und tolino vision 3 HD optimiert. Auf anderen Lesegeräten bzw. in anderen Lese-Softwares und -Apps kann es zu Verschiebungen in der Darstellung von Textelementen und Tabellen kommen, die leider nicht zu vermeiden sind. Wir bitten um Ihr Verständnis.

FJagdhunde

Jagdhunderassen und deren Arbeitsgebiete

Allgemeines

Historie: Der Hund ist das älteste Haustier; seine Domestikation liegt mehr als 31.000 Jahre zurück. Seine Wildform ist der Wolf, der durch seine hohe Lernfähigkeit und sein ausgeprägtes Sozialverhalten beste Voraussetzungen mitbrachte, um sich als Haustier in die »Rudelgemeinschaft« mit dem Menschen einzufügen. Die ersten »Hauswölfe« waren sicher noch keine Jagdgefährten der Menschen, sondern dienten vermutlich als Schlachttiere zur Nahrung, bald wohl auch als Wächter der Lager und Wohnstätten. Als mit Schaf und Ziege weitere Haustiere vorhanden waren, dürfte der Weg über die Verteidigung dieser Herden gegen wilde Raubtiere bis zum Helfer beim Aufspüren von Wild und zur weiteren Verwendung als »Jagdgehilfe« begonnen haben.

Diese vorgeschichtliche Verwendung des Hun­des liegt weitgehend im Dunkeln; in den schriftlichen und bildlichen Zeugnissen früher Hochkulturen erscheint jedenfalls der Jagdhund bereits in vielgestaltiger Form. Bevor die Jagd hauptsächlich mit Feuerwaffen ausgeübt wurde, also bis ins 18. Jahrhundert, bedeutete »jagen« ausdrücklich das Verfolgen von Wild mithilfe von Hunden. Wehrhaftes Wild (Keiler, Bär) konnte nur mit der blanken Waffe abgefangen werden, wenn starke, doggenartige »Packer« es überwältigt hatten. Flüchtiges Wild (Rotwild, Reh, Hase) wurde von Hundemeuten »zu Stande gehetzt« oder in Fangnetze getrieben. Im Wald geschah das durch Bracken, die mit der Nase auf Spur und Fährte des Wildes jagten, im offenen Gelände durch Windhunde, die das Wild auf Sicht im schnellen Lauf verfolgten. Kleine Stöberhunde dienten zum Aufstöbern von Niederwild in dichter Deckung, um es in Netze zu treiben oder um es mit dem Beizvogel (Falke oder Habicht) zu erbeuten. Auch niedrige, kurzläufige Hunde, Vorläufer unserer Erdhunde zur Bauarbeit auf Raubwild, wurden verwendet.

Übersicht Jagdhunderassen

Haarart

Rassengruppe

Kurzhaar:

Langhaar:

Rauhaar:

Kurze, knappe Behaarung am ganzen Körper und im Gesicht, Haar entweder glatt und fein (Glatthaar) oder bürstenartig grob (Stockhaar), kurze, aber dichte Unterwolle.

Körper lang behaart, Rute mit »Fahne«, an Läufen »Hosen«, Haar seidig glatt, gewellt oder gekräuselt, Gesicht stets kurz und glatt behaart. Zu feines und übermäßig langes Haar unerwünscht.

Körperbehaarung sehr unter­schiedlich, knapp »stichel­haarig« bis zottig, Gesicht immer mit »Bart« und buschigen Augenbrauen. Unterwolle dicht und fest. Zu weiches und wolliges Haar unerwünscht.

Bracken Dachsbracken

Deutsche Bracke Westfäl. Dachsbracke Brandlbracke Tiroler Bracke Alpenländ. Dachsbracke Beagle u.a.

Steirische Rauhaarbracke (Peintinger Bracke)Alpenländische Dachsbracke

Schweißhunde

Hannoverscher Schweißhund Bayerischer Gebirgsschweißhund

Stöberhunde

Deutscher Wachtelhund English Cocker Spaniel English Springer Spaniel

Welsh Springer Spaniel

deutsche Vorstehhunde

Deutsch-Kurzhaar Weimaraner (K)

Deutsch-Langhaar Großer Münsterländer Kleiner Münsterländer Weimaraner (L)

Deutsch-Stichelhaar Griffon Deutsch-Drahthaar Pudelpointer

englische Vorstehhunde

Englischer Pointer

Englischer Setter Irischer (Roter) Setter Gordon-Setter (Schottischer Setter)

französische Vorstehhunde

(Braque – versch. Rassen)

Bretone (und andere Epagneuls)

(Griffon, Barbet)

ungarische Vorstehhunde

Ungarisch-Kurzhaar

Ungarisch-Drahthaar

Erdhunde: Teckel (Dachshunde, Dackel)

Kurzhaarteckel

Langhaarteckel

Rauhaarteckel

Terrier

Erdhunde: Terrier

Deutscher Jagdterrier Foxterrier

Parson Russel Terrier

Deutscher Jagdterrier Foxterrier (Irish Terrier, Welsh Terrier)

Parson Russel Terrier

Apportierhunde (Retriever)

Labrador-Retriever

Golden-Retriever

Weidmännische Ausdrücke am Hund

Behang (Behänge)

Schlappohren

Decke

Fell

Fahne

Haarbehang der Rute

Fang

Schnauze

Fänge

Eckzähne

Färben

Austreten von Schweiß aus der Schnalle der hitzigen Hündin

Feuchtglied

männliches Glied

Gebäude

Körper

Gebiss

Zähne

Gesäuge

Milchdrüsen

Geschröt

Hoden

Klauen

Krallen

Läufe

Beine

Lefzen

Lippen

Rute

Schwanz

Schnalle

weiblicher Geschlechtsteil

Weidloch

After

Losung

Kot

Aus dem Arbeitsbereich des Jagdhundes

Appell

Gehorsam

apportieren

bringen

blenden

vorstehen ohne Wild

blinken

vorhandenes Wild nicht anzeigen

Buschieren

suchen im Busch

faseln

unsicheres Herumsuchen

firm oder ferm

fertig abgerichtet

Geläut

anhaltender Spurlaut eines oder mehrerer Jagdhunde (Bracken)

Hals oder Laut geben

bellen

Hasenreinheit

Nichtbeachtung von Hasen

Hatz, Hetze

Wild verfolgen

markieren

anzeigen von Wild

nachprellen

aufstehendem Wild ohne Befehl nachhetzen

Nase

Geruchssinn

nässen

Wasser lassen

revieren

Gelände absuchen

Schärfe

Angriffslust

Stechen

Wild hochmachen

schusshitzig

unruhig im Schuss

schussscheu

Ängstlichkeit bei Schuss

Wesensfestigkeit

Zuverlässigkeit, Nervenruhe

Sonstiges:

abgesäugt

Ende der Saugperiode

belegen, decken

begatten

hängen

nach Kopulation verbunden bleiben

Hitze

Läufigkeit der Hündin

Hündin

weiblicher Hund

Rüde

männlicher Hund

Welpen

nestjunge Hunde

wölfen

gebären

Wurf

Geschwister (Wurf-G.)

Das Bild änderte sich, als die Vervollkommnung der Feuerwaffen die Jagdtechnik völlig veränderte. Der Jäger war nun wehrhaftem Wild auch ohne Hilfe der Hunde überlegen, und er vermochte scheues und schnelles Wild auch über größere Entfernung zu erlegen. Die früher dazu nötigen Hunde wurden entbehrlich (Packer, Hatzhunde, Meutehunde, Windhunde). »Vor dem Schuss« wurden Hunde nur noch zum Aufsuchen und Aufstöbern von Niederwild benötigt; dazu kam nun aber die Arbeit »nach dem Schuss« zur Nachsuche von angeschossenem und verendetem Wild.

Eine weitere Änderung brachte die gesellschaftliche Entwicklung. Mit dem Ende der Feudalherrschaft verschwanden auch die großen, kostspieligen Hundehaltungen der Fürstenhöfe. Die neue »bürgerliche« Jagd, endgültig etabliert nach der Revolution 1848, bevorzugte den vielseitig verwendbaren Jagdgebrauchshund für den einzeln jagenden Jäger. Von dieser Entwicklung ist der Einsatz von Jagdhunden, ungeachtet der großen Stöberjagden, bis heute geprägt.

Körperbezeichnungen beim Hund

1 | Von wem stammt der Hund ab?

Man kann davon ausgehen, dass der europäische Hund vom Wolf abstammt. Für diese Ansicht spricht, dass das Genmaterial von Wolf und Hund zu 99 % übereinstimmt.

2 | Wie entstanden die heute bei uns geführten Rassen?

Der Hund als Jagdgehilfe des Menschen erscheint erstmals um 10.000 v. Chr. Man jagte ­zuerst mit zwei unterschiedlichen Gruppen von Hunden: Der auf Sicht hetzende, schnelle ­Windhund, wie ihn die Steppenvölker entwickelten, und die mit der Nase jagende Bracke schlechthin. Die weitere Entwicklung führte lange später zum Typus des Stöberhundes, der wiederum hinüberleitet zu den Vorstehhunden.

3 | Was gehört zu den Anlagen eines Hundes?

Zu den wichtigen angeborenen Anlagen eines Jagdhundes, je nach Rasse, zählen: Nase, Spur- bzw. Fährtenwille, Wildschärfe, Stöbern, Vor­stehen, Spur- bzw. Fährtenlaut.

4 | Bei welchen Jagdhundegruppen sind Fährten- bzw. Spurlaut besonders wichtig?

Bei Bracken, Schweiß- und Stöberhunden.

5 | Was versteht man unter einem Voll­gebrauchshund?

Ein Jagdhund, der bis auf das Brackieren und die Bauarbeit alle bei der Jagd im Wald, Feld und am Wasser anfallenden Arbeiten beherrscht.

6 | Was ist ein »Erdhund«?

Zu den Erd- oder Bauhunden zählen die Teckel (Dackel) sowie Fox-, Jagd- und Parson Russell Terrier. Ihr Hauptwild ist der Fuchs.

7 | Was versteht man unter Stockmaß?

Die Schulterhöhe, gemessen in natürlicher ­Haltung vom Boden bis zum Widerrist, wobei der Hund auf einer ebenen Fläche steht.

Zahnformel (Dauergebiss) des Hundes:

8 | Wie viele Zähne hat das Dauergebiss des Hundes?

42 Zähne.

9 | Was für ein Gebiss soll der Jagdhund haben?

Scheren- oder Zangengebiss.

Gebissfehler und Normalgebiss des Hundes

10 | Welche Gebissformen sind fehlerhaft?

Vorbeißer, Rückbeißer.

11 | In welchem Alter ist der Zahnwechsel abgeschlossen?

Zwischen 9 und 12 Monaten.

12 | Was ist beim Hund eine Fahne?

Die langen Haare an der Rute langhaariger Hunde.

13 | Was sind beim Jagdhund die »Fransen«?

Die langen Haare an den Behängen lang­haariger Hunde.

14 | Was versteht man unter der Kruppe?

Die Kruppe wird von Becken und Kreuzbein ­gebildet. Sie soll beim Hund lang und breit sein und im Allgemeinen gut bemuskelt.

15 | Wie werden beim Hund die Ohren genannt?

Beim Terrier spricht man von Ohren (sie stehen). Bei allen anderen Jagdhunden heißen die Ohren Behänge.

16 | Was ist eine Pfostenschau?

Hierbei beurteilen die Zuchtvereine, inwieweit ein Hund dem Standard seiner Rasse entspricht. Die einzelnen Hunde werden vorgestellt und ihre Form und ihr Haar bewertet. Dazu wurden die Hunde früher am Pfosten angebunden. Heute spricht man von einer Zuchtschau und die Hunde werden von ihren Führern auch in der Bewegung vorgestellt. Diese »Formbewertung« ist eine der Voraussetzungen zur späteren Zuchtzulassung.

17 | Was ist ein Problemhund?

Ein Hund, der durch Fehler in der Zucht oder bei der Ausbildung Verhaltensauffälligkeiten wie Bissigkeit, Scheue etc. aufweist.

Skelett des Hundes

Bracken

Bracken (auch Laufhunde oder »jagende Hunde« genannt) sind die ältesten Jagdhundeformen, von denen im Lauf der Zuchtgeschichte fast alle anderen Jagdhunde abgeleitet wurden. Sie werden sowohl einzeln als auch (früher vorwiegend) in der Meute zum ausdauernden, fährtenlauten Jagen von Wild verwendet.

Bracken sind spurlaute, spurwillige und ausdauernde Hunde. Der Schwerpunkt ihrer Verbreitung lag ursprünglich dort, wo das Wild eher dünn gesät oder die Reviere schwer zugänglich waren. Sie sollten es finden und laut jagend vor den oder die Schützen bringen. Ein Hund, der in der Lage ist, die Spur eines Hasen zu halten, hat alle Voraussetzungen für die Schweißarbeit. Das eigentliche Brackieren hat im jagdlichen Alltag an Bedeutung stark verloren. In den skandinavischen Ländern, in Teilen Frankreichs und in der Schweiz hat das Brackieren heute noch eine viel größere Bedeutung als bei uns. Von den früher zahlreichen bodenständigen Brackenformen hat sich bei uns nur noch die Deutsche Bracke (Westfälische, Sauerländer oder Olper Bracke) erhalten, andere sind längst verschwunden.

In der Schweiz finden wir den Schwyzer, Luzerner und Jura-Laufhund und von jeder dieser Rassen gibt es wiederum einen niederläufigen Schlag (Niederlaufhunde). Diese entstanden durch kantonale Jagdvorschriften, die das Jagen mit hochläufigen Hunden einschränken.

Übersicht Bracken inklusive der Laufhunde und Stövare

Alle Bracken sollen festes Stockhaar tragen, ausgenommen Steirische Bracke mit Stichelhaar.

Deutschland

Deutsche Bracke (DBr)

rot bis gelb mit schwarzem Sattel/Mantel, weiße Abzeichen, 40–53 cm

Westfälische Dachsbracke (WDBr)

rot bis gelb mit schwarzem Sattel/Mantel, weiße Abzeichen, 30–38 cm

Österreich

Alpenländische

semmel- bis dunkelhirschrot, schwarz mit rostrotem Brand,

Dachsbracke (ADBr)

gelegentlich weißer Stern, 34–42 cm

Brandlbracke (BrBr)

schwarz mit rotem Brand, rötlich braun, rot gestichelt, 46–58 cm

Tiroler Bracke (TBr)

rot, schwarzrot, rotgelb und dreifarbig, 42–50 cm

Steirische Rauhaarbracke (StBr)

fahlgelb bis hirschrot, 45–53 cm

England

Beagle (Bg)

rot-weiß-schwarz, dreifarbig und zweifarbig, 33–40 cm

Slowakei

Schwarzwildbracke (Kopov)

wie Brandlbracke, 40–50 cm

Schweiz

Laufhunde

alle 4 Schläge Rüden 49–59 cm, Hündinnen 47–57 cm

Berner Laufhund

weiß-schwarz mit lohroten Abzeichen

Jura-Laufhund

ähnlich Brandlbracke

Schwyzer Laufhund

rot-weiß

Luzerner Laufhund

wie Berner Laufhund, aber »blaue« Grundfarbe

Niederlaufhunde

vier Schläge wie oben, jedoch Rüden nur 35–43 cm und Hündinnen 33–40 cm

Schweden

Schiller-Stövare

schwarz, mit rotem Brand oder lohfarben, 53–57 cm

Hamilton-Stövare

dreifarbig, 51–61 cm

Småland-Stövare

schwarz mit Brand, 46–50 cm

Finsk Stövare

dreifarbig, mit schwarzem Mantel, 54–59 cm

Drever

schwarz-weiß, rehbraun-weiß oder dreifarbig, 30–38 cm

Weitere Verbreitung, vor allem in den Hochwildrevieren der Alpen und der Mittelgebirge, haben die österreichischen Gebirgsbracken (Alpenländische Dachsbracke, Brandlbracke, Tiroler Bracke, Steirische Rauhaarbracke) gefunden. Auch sie werden heute – im Gegensatz zu früher – vorwiegend als Schweißhunde und zum Stöbern, weniger zum Brackieren verwendet.

Ursprünglich aus der Slowakei stammt die Schwarzwildbracke, die in Deutschland unter dem Namen Kopov bekannt wurde. In Aus­sehen, Form und Farbe gleicht die Schwarz­wildbracke der bekannten Brandlbracke. Ihre jagdliche Verwendung findet die Schwarzwildbracke bei Bewegungsjagden auf Schalenwild (Schwerpunkt Schwarzwild) und in der Schweiß­arbeit.

In Süd- und Südosteuropa existieren noch eine ganze Reihe weiterer Brackenschläge. Alleine in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien sind fünf im deutschsprachigen Raum kaum bekannte Schläge häufig anzutreffen: die Istrianer Bracke (kurz- und rauhaarig), die kurzhaarige Save-Bracke, die rauhaarige Bosnische Bracke und die unserer Brandlbracke gleichende Montenegrinische Bracke. In Deutschland sind diese Bracken – derzeit – noch selten zu sehen.

Eigene Brackenschläge finden wir in Skandinavien. So die in Schweden beheimateten Stövare oder in Finnland die Finsk Stövare.

In den Ländern der klassischen Reitjagd, also in Großbritannien und Frankreich, entstanden ­eigene Brackenformen, die noch in alter Art zur Meutejagd, vorzugsweise auf Fuchs und Schalenwild, verwendet werden. Nur ausnahmsweise wird in diesen Ländern eine Bracke auf Schweiß geführt.

Deutsche Bracke

Die Deutsche Bracke (DBr) wird gelegentlich auch als Sauerländer Bracke, Westfälische ­Bracke oder nach ihrem Hauptzuchtgebiet als Olper Bracke bezeichnet. Früher wurde diese Bracke hauptsächlich als Hasenhund eingesetzt, wobei es bei der klassischen Brackenjagd mehr um das Erleben als um die Strecke geht. In den letzten Jahren wird sie immer häufiger bei großen Stöberjagden verwendet. Das Stockmaß beträgt zwischen 40 und 53 cm. Das Zuchtbuch führt der Deutsche Bracken-Club e.V.