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Vor und nach der Jägerprüfung - Teilausgabe Jagdpraxis

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GJagdpraxis

Gesellschaftsjagd auf Niederwild: Auslaufen einer Schützen-/Treiberkette zum Abstellen eines Waldtriebs.

Allgemeines

Der Jagdschein: Die Jagd in Deutschland unterliegt grundsätzlich gesetzlichen Regelungen seitens des Bundesjagdgesetzes und der jeweiligen Landesjagdgesetze sowie deren Ausführungsverordnun­gen. Darüber hinaus verpflichtet sich jeder Jäger, nach dem bestehenden Ehrenkodex der Weidgerechtigkeit zu handeln.

Wer in Deutschland die Jagd ausüben will, muss einen auf seinen Namen ausgestellten gültigen Jagdschein (Jahres-, Tages-, Jugendjagdschein) besitzen. Der Jagdschein gilt im gesamten Bundesgebiet, die erste Erteilung ist vom erfolgreichen Bestehen einer Jägerprüfung abhängig.

Für die Ausübung der Jagd mit Greifvögeln oder Falken (Beizjagd) ist ein gültiger Falknerjagdschein notwendig. Zu seiner ersten Erteilung ist eine gesonderte Falknerprüfung zusätzlich zur Jägerprüfung abzulegen.

Um die Jagd tatsächlich ausüben zu können, bedarf es eines eigenen Jagdrechts (Besitz einer Eigenjagd), eines Jagdpachtvertrages, eines Jagd­erlaubnisscheines oder einer Jagdeinladung.

Die Jagd im Wandel: Die Jagd als eines der ursprünglichen Tätigkeitsfelder des Menschen hatte in der Historie durchaus unterschiedliche Gründe. Sie diente unseren Urahnen in erster Linie zur Gewinnung von Nahrung. Nicht essbare Tierteile wie Felle, Knochen, Sehnen, Hörner und Geweihe fanden als Rohmaterial Verwendung bei der Herstellung von Kleidung, Werkzeug, alltäglichen Gebrauchsgegenständen, aber auch Schmuck, wie wir es heute noch von Naturvölkern in ähnlicher Weise kennen.

Später in der Geschichte wandelte sich die Jagd zu einer feudalen Freizeitbeschäftigung des Adels und des Klerus. Das erbeutete Wildbret galt aber auch da als kulinarische Delikatesse.

In der Neuzeit, vornehmlich ab dem 19. Jahrhundert, entwickelte sich die Jagd zunehmend zur Freizeitbeschäftigung oder zum Sport der wohlhabenden Bevölkerungsschicht. Die Trophäenjagd kam auf. In manchen Kreisen nimmt sie bis heute eine geradezu groteske Entwicklung (Trophäenzucht/Trophäenjagd mit entsprechen­dem weltweitem Marktanteil).

Im 20. Jahrhundert machte die Jagd eine zusätzliche Entwicklung im Wandel der Zeiten durch. Ökologische Begründungen stellten sich ein, wie die durch den Jäger notwendige Regulierung von Wildtierpopulationen zur Erhaltung des biologischen Gleichgewichts als Ersatz für das bis dahin in Europa ausgerottete Großraubwild. Die immer wieder regelmäßig auftretende Tollwut stellte für den Menschen keine unerhebliche Gefahr dar. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass es bald ein erklärtes Ziel war, die Jagd als ­Instrument der Seuchenbekämpfung zu sehen. Raubwild wurde in der Bestandsdichte entsprechend scharf verfolgt, der Fuchs als Hauptüberträger genoss keinerlei Schonzeit und wurde rigoros verfolgt. Selbst die Behörden verordneten regelmäßige Begasungsaktionen der Fuchsbaue (und brachten dadurch auch den Dachsbesatz fast zur Ausrottung) und Gifteiaktionen in jedem Frühjahr.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts fokussierte die Land- und Forstwirtschaft klare wirtschaftliche Gründe. Durch eine enorme Intensivierung wandelte sich die bis dahin eher kleinstrukturell geprägte Landwirtschaft in eine industrielle Agrar­steppe, die Forstwirtschaft hingegen setzte auf ­naturnahen Waldumbau als Zeichen gegen den Klimawandel. Beides führte insbesondere bei den Schalenwildarten zu drastischen Bestandsregulierungen, in manchen Regionen (Bergwaldsanierungsgebiete) glichen sie Ausrottungsfeldzügen unter dem Deckmantel der Wildschadensminimierung. Die Jagd spaltet seither die Gesellschaft in das Lager der wirtschaftlichen Hardliner und auf der anderen Seite in eine Jägerschaft, die für eine Jagd als Freizeitgestaltung mit starkem Erholungsfaktor von einer immer schnelleren und intensiveren Berufswelt steht.

Die Jagd in der Gesellschaft: Die Ansichten der Gesellschaft zur Jagd sind gespalten und widersprüchlich. Teile der Bevölkerung stehen natürlichen Abläufen wie dem Tod immer distanzierter gegenüber. Sie wenden sich gegen das Töten von Tieren als Freizeitvergnügen. Die wirtschaftlich orientierten Kreise (Land-/Forstwirtschaft) fordern dagegen eine Intensivierung vor allem der Schalenwildbejagung. Zudem entspricht das Bild von der Jagd, wie es der Gesellschaft heute von ­diversen Medien präsentiert wird, vielfach nicht der Realität. So steht die Jagd im gesellschaftlichen Spagat zwischen »Schädlingsbekämpfung« und heiler Welt durch Selbstregulierung (momentan verklärte Begrüßungskampagne zur Wolfs­thematik).

Allerdings scheint die Tendenz in der Bevölkerung, der Jagd positiv gegenüberzustehen, zuzunehmen, wenn man sich die seit Jahren ständig wachsende Zahl der Jagdscheinabsolventen ansieht.

Insgesamt gesehen ist es daher immens wichtig, dass unser Tun als Jäger transparent und für die Gesellschaft nachvollziehbar dargestellt wird.

Ziele und Aufgaben der Jagd: Um die von der Gesellschaft gesteckten Ziele erreichen zu können, bedienen sich die mit der Jagd in Deutschland beauftragten Institutionen unterschiedlicher, zum Teil regional abgewandelter Jagdstrategien und Jagdmethoden, die wissenschaftlich fundiert sind oder noch in der Erprobung stehen. Diese Jagdstrategien bilden einen wildbiologisch gerechtfertigten Rahmen, der für den Zweck der ­Bejagung Zeitfenster vorgibt (Intervallbejagung, Schwerpunktbejagung), um mit möglichst angepasster Störungsbelastung eine größtmögliche Effizienz zu erreichen, oder ergebnisoffen als Freizeitgenuss (ohne Strategie) verstanden wird. Die Jagdmethode beschreibt eher den jagdhandwerklichen Weg, der zum Strategieziel führen soll (z. B. Ansitzjagd, Pirsch, Drückjagd, Kirrjagd). Die verschiedenen Jagdmethoden werden – je nach örtlichen und personellen Verhältnissen – im Rahmen beider Jagdstrategien angewendet.

Verschiedene Jagdarten: Die Jagd in Deutschland findet keineswegs nur mit Büchse und Flinte statt. Die älteste Methode zu jagen ist die Fangjagd. Sie geht bis in die menschlichen Anfänge zurück. Heute erstreckt sie sich fast ausschließlich auf die Kontrolle des nachtaktiven und daher mit der Waffe schwer zu beeinflussenden Raubwildes. Die Jagd mit der Falle ist dabei nicht so einfach, setzt sie doch genaue Kenntnisse der revierbezogenen Örtlichkeiten und der wildbiologischen Gewohnheiten der einzelnen Raubwildarten voraus.

Ebenfalls weit in die Zeitgeschichte zurück reicht die Beizjagd mit Greifvögeln und Falken, eine Jagdart mit uralter Tradition, die aus diesem Grund für Deutschland 2016 von der UNESCO in die weltweite »Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit« gemäß der UNESCO-Konvention zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde.

Eine der Ansitz- und Pirschjagd mit der ­Büchse ähnliche Variante ist die Bogenjagd. Sie ist jedoch in den deutschsprachigen Ländern derzeit verboten und wird aus den unterschiedlichsten Gründen von vielen Jagdverbänden abgelehnt. Dabei ist sie weit älter als die Jagd mit Feuerwaffen. Sie ist weltweit im Vormarsch und erfordert weit mehr handwerkliches Können als die Fangjagd oder die Jagd mit Büchse und Flinte.

Eingeschränkt wird die Jagd durch eine Vielzahl an jagd-, waffen-, naturschutzrechtlicher und sonstiger Bestimmungen, aber eben auch durch die Erwartungshaltung und Befindlichkeit der Bevölkerung.

Unterschiedliche Jagdstrategie

Freizeitjagd

Schwerpunktjagd

Intervalljagd

Sie erntet zufällig und orientiert sich primär an Zeit und Interessen des Jägers.

Ihre Effizienz ist eher bescheiden, der Jagddruck mitunter sehr hoch.

Sie hat zum Ziel, auf begrenzter Fläche und in einem begrenzten Zeitrahmen die Wilddichte durch Abschuss möglichst gering zu halten.

Im Wald soll Schwerpunktjagd eine schnelle und sichere Verjüngung des Waldes ermöglichen.

Im Feld soll sie Schalenwild bis zur Ernte der Feldfrüchte abhalten.

Sie hat zum Ziel, durch längere jagdliche Ruheperioden das Wild wieder vertrauter werden zu lassen. Je größer die Fläche ist, auf der Intervalljagd betrieben wird, und je länger sie durchgeführt wird und je länger die Ruheperioden ausgedehnt werden, umso effizienter ist sie.

Am schnellsten reagieren Rot- und Schwarzwild auf die Intervalljagd.

Übersicht Jagdarten

Wetter und Jagd

Alle im Rahmen der Einzeljagd ausgeübten Jagd­arten hängen ganz wesentlich von folgenden Faktoren ab. Die Aktivität des Wildes ist notwendig, denn im Rahmen der Einzeljagd erwarten wir das ziehende und austretende Wild. Ferner bestimmen die unterschiedlichen Wetterlagen die Aktivitätsphasen des Wildes zum Teil erheblich.

Gerade der Wind spielt für den Jäger bei fast allen Jagdarten – zumindest bei den sich mit dem Windfang orientierenden Wildarten – eine entscheidende Rolle für den Jagderfolg. Ein unsteter oder gar heftiger Wind kann das Wild in seinem Sicherheitsempfinden und der Ortung von Feinden so weit verunsichern, dass es ebenfalls seine gewohnten Aktivitäten wie Wechseln und Auf­suchen von Äsungsflächen ändert.

Bei einem länger anhaltenden Schlechtwettertief muss alles Wild trotzdem äsen und seinen Tagesrhythmus einhalten. Es meidet jedoch große Freiflächen fernab seiner Einstände und bewegt sich gern so lange in Einstandsnähe oder innerhalb desselben. Das muss der Jäger wissen und kann in so einem Fall auf vorher präparierten Plätzen im Bestand erfolgreich sein.

Günstige Wetterkonstellationen für die Einzeljagd sind die Stunden unmittelbar nach einem Gewitter, nachlassender Starkregen oder das Aufklaren nach einer längeren Schlechtwetterphase. Im Sommer ist das Wild auch gerne bei einem leichten, warmen Landregen tagsüber auf den Läufen, denn die Einstände sind nun tropfnass. Die Aktivität des Wildes wird meist auch noch dadurch begünstigt, dass bei diesem Wetter wenig Menschen im Revier unterwegs sind und stören könnten. Im Winter sind sonnige, windstille und nicht zu kalte Frosttage ideal. Oft bewegt sich das Wild dann gerade auch um die Mittagszeit, um die schon wärmenden Sonnenstrahlen aufzunehmen.

Anhaltend große Hitze und Trockenheit sowie drückende Gewitterluft hingegen lähmen jede Wildbewegung. Das Wild liegt in kühlen Nordhanglagen und zieht erst spät auf die Äsung. ­Ungünstig sind auch Wetterwechsel von einer Hochwetterlage zu einem Tiefdruckgebiet. Fällt frischer Neuschnee oder gar der erste Schnee im Jahr, stellt das Wild nicht selten die Aktivität fast gänzlich ein. Rot- und Schwarzwild überliegt nicht selten ein paar Tage im Einstand und ist dann nirgends im Revier zu fährten. Rehwild und Fuchs hingegen scheinen zu besonderer Aktivität angeregt zu sein. Klirrender Frost und beißender Ostwind verringern ebenfalls jegliche Aktivität beim Wild, das gerade dann auf Energiespar­modus setzt.

Morgenrot kündet baldigen Regen an.

Auch ausfransende Kondensstreifen bringen ­Wetterwechsel.

Typische Inversionslage mit Nebel in den Tälern

Einzelne Haufenwolken sind Schönwetterwolken.

Abendgewitter sind meist kurzlebig.

1 | Was wird unter Jagd verstanden?

Der Begriff Jagd ist in § 1 Bundesjagdgesetz ­definiert als die ausschließliche Befugnis, dem Wild nachzustellen, es zu erbeuten und sich ­anzueignen.

2 | Welche Voraussetzungen muss der Jäger erfüllen, um die Jagd ausüben zu dürfen?

1. Besitz eines gültigen Jagdscheins (der die ­bestandene Jägerprüfung voraussetzt) und

2. ein gültiger Jagdpachtvertrag oder

3. ein Unterpacht-Vertrag oder

4. ein entgeltlicher oder unentgeltlicher Jagd­erlaubnisschein oder

5. eine Jagdeinladung (Gesellschaftsjagd oder Einzeljagd unter Führung).

3 | Welche Dokumente muss der Jäger bei der Jagdausübung mitführen?

Personalausweis, Waffenbesitzkarte und Jagdschein, ggf. Jagderlaubnisschein oder Dienstausweis als bestätigter Jagdaufseher oder als Forst­bediensteter.

4 | Was versteht man unter Intervalljagd?

Die Jagd wird innerhalb der gesetzlich vorge­gebenen Jagdzeit auf möglichst großer Fläche nur in zeitlich begrenzten Intervallen intensiv ausgeübt. Dazwischen liegen ausgedehnte Zeiten der Jagdruhe. Damit soll der Jagddruck auf das Wild gesenkt und seine Vertrautheit gefördert werden.

5 | Was bezweckt die Schwerpunktjagd?

Ziel ist es, auf lokal begrenzter Fläche und für ­einen befristeten Zeitraum möglichst intensiv Jagddruck auszuüben. Zum einen soll möglichst viel Wild erlegt, zum anderen durch den gleich bleibend hohen Jagddruck nachrückendes Wild lang anhaltend vergrämt werden.

6 | Wo wird Schwerpunktjagd ausgeübt?

Auf forstlichen oder landwirtschaftlichen Problemflächen, auf denen für begrenzte Dauer möglichst wenig Schalenwild leben soll. Sobald die Jungbäume über Äserhöhe oder die Feldfrüchte abgeerntet sind, endet die Schwerpunktbejagung.

7 | Welche Wildarten reagieren auf Jagdruhe besonders schnell?

Arten, die hoch sozialisiert sind und in Rudeln/Rotten leben wie Rot-, Dam-, Gams- und Schwarzwild.

Wenn die Nächte länger und kälter werden, nutzt das Rehwild gerne die Sonne.

8 | Was kündigt starkes Morgenrot an?

Ein Tiefdruckgebiet mit baldigem Regen, oft schon in den nächsten Stunden.

9 | Womit ist zu rechnen, wenn sich im ­Sommer Haufenwolken hoch aufblähen und verdichten?

Mit einem Gewitter.

10 | Was bedeutet es, wenn die Wiesen im Sommer in der Früh ohne Tau sind?

Möglicherweise ist ein Gewitter im Anzug, ­zumindest wird es bald regnen.

11 | Welche Gewitter bringen meist anhaltendes Schlechtwetter?

Kaltfrontgewitter, die am Morgen aufziehen.

12 | Welche Wetterlagen sind im Gebirge jagdlich besonders günstig?

Herbstliche Inversionslagen (Temperaturumkehrschichten), bei denen Kälte und Nebel in den Tälern liegen, während oben bei angenehmen Temperaturen dauerhaft die Sonne scheint.

13 | Welche Vormittage sind bei der Schalenwildbejagung besonders attraktiv?

Sonnige Vormittage nach langen, kalten Nächten im Herbst und Frühwinter.

14 | Welche Regel gilt für den Wind im ­Gebirge?

Bei Nacht und in Schattenlage streicht er talwärts, bei Sonne bergauf. Die generelle Windrichtung kann sich also innerhalb eines Ansitzes oder Pirschganges ändern. Das ist aber nur eine grobe Regel. Hangneigung und Waldstruktur sorgen für viele Überraschungen.

15 | Welches Wetter begünstigt eine lebhafte Hirschbrunft?

Die Hirschbrunft ist am lebhaftesten (lautesten) bei kaltem, windarmem Wetter. Kühles Regenwetter ist immer noch besser als warmes Wetter. Bei warmem Frühherbstwetter schreien die ­Hirsche wenig.

16 | Welches Wetter begünstigt angeblich das Treiben der Rehböcke?

Angeblich schwülheiße Hundstage. Allerdings geht das Brunftgeschehen ­immer von der Geiß aus, deren Paarungsbereitschaft (Östrus) nicht vom Tageswetter abhängt, sondern vom Setzzeitpunkt. Die höchste Brunft­aktivität bei den Rehböcken findet an windstillen und mäßig warmen Sommertagen statt.

17 | Welchen Einfluss hat schlechtes Wetter speziell auf Niederwildtreibjagden?

Das Wild liegt fester als sonst. Regen bzw. Regenschutzkleidung beeinflusst die Schießleistung ­negativ. Starker Wind macht das Federwild pfeilschnell und mindert die Trefferquote.

18 | Wie verhält sich das Schalenwild bei Schnee und anhaltend starkem Frost?

Mit steigender Schneedecke reduziert vor allem das wiederkäuende Schalenwild seine Bewegungsaktivitäten, um Energie zu sparen. Es ruht, fährt seinen Stoffwechsel herunter und wartet, bis sich der lockere Neuschnee gesetzt hat. Dann kostet das Ziehen und Flüchten weniger Energie.

Erlegtes Wild ist Lebensmittel, das man ohne unnötige Verschmutzung liefert.

Wildnutzung

Nachhaltigkeit: Die Wildnutzung durch die Jagd muss nachhaltig erfolgen. Sie darf für die bejagte Wildart nicht bestandsgefährdend sein. Das gilt auch dann, wenn Tiere einer bestimmten Art in ihrem Bestand lokal reduziert werden sollen. In diesem Falle gehen die Abgänge durch die Jagd über den Rahmen der kompensatorischen Sterblichkeit (Vielzahl der Sterblichkeitsfaktoren, z. B. Krankheit, Feinde, Jagd, Wetter, die sich gegenseitig ausgleichen) hinaus. Die Existenz der Art wird jedoch nicht bedroht, weil die verschärfte Bejagung nach der angestrebten Reduktion wieder zurückgefahren und angepasst wird.

Ausnahmen vom Grundsatz der Nachhaltigkeit gibt es dennoch lokal begrenzt, etwa dort, wo der Gesetzgeber die Hege einer Wildart nur in einem begrenzten Gebiet (Rotwildhegegemeinschaften in Bayern) zulässt und dieses vom Gesetzgeber verkleinert oder aufgelöst werden soll, oder wenn eine neu zugewanderte Wildart lokal unerwünscht ist.

Bestandsermittlung als Grundlage der Abschussplanung: Grundlage jeder Nutzung ist eine Abschätzung des vorhandenen Bestandes der jeweiligen Art. Früher wurde insbesondere das Schalenwild im Frühjahr gezählt und dann der Zuwachs errechnet. Dabei ging man von relativ gleich bleibenden Zuwachsraten aus und beim Nachwuchs wurde meist ein Geschlechterverhältnis von 1 : 1 unterstellt. Niederwild wurde hin­gegen weitgehend »nach Gefühl« bejagt. Man schoss, solange man noch genug sah, was beim Hasen lokal zu einer Übernutzung führte.

Die zahlenmäßige Erfassung der Schalenwildbestände ist zwar mit heutiger Technik (Wildkamera / Wärmebildkamera / Scheinwerfertaxation bei Rotwild) möglich, aber enorm arbeits-, zeit- und personalaufwendig. Daher wird heute beim Schalenwild weitgehend auf Bestandserfassungen verzichtet; die Abschusshöhe orientiert sich am Vegetationszustand und an der körperlichen Verfassung der jeweiligen Wildart (Wiederkäuer) sowie an der Schadenssituation in der Forst- und Landwirtschaft.

Während man früher davon ausging, dass die meisten Wildarten im Geschlechterverhältnis 1 : 1 geboren werden, weiß man heute, dass das Geschlechterverhältnis bei der Geburt von Jahr zu Jahr sehr großen Schwankungen unterliegen kann. Bei hoher Wilddichte, verschobener Altersstruktur oder Nahrungsknappheit werden meist deutlich mehr männliche als weibliche Jungtiere geboren. Durch diese Verschiebung des Zuwachses zur männlichen Seite bremst die Natur kurzfristig die Zuwachsraten. In der Regel sind weibliche Föten und weibliche Jungtiere schwächer als männliche. Sie werden daher in Krisen­situationen als Erste getilgt (Resorption, Abortus, frühe Jugendsterblichkeit).

Auch die Abgänge durch den Straßenverkehr, durch Krankheiten, Raubwild und Witterung sind nicht kalkulierbar. So gesehen können der Zustand des Lebensraumes und die körperliche Verfassung des Wildes als tendenzieller Zeiger für die Abschussplanung beim Schalenwild brauchbar sein. Der jagdpolitische Trend geht zu einem völligen Verzicht auf den Abschussplan beim Rehwild.

Beim Niederwild, das in den letzten Jahrzehnten fast überall stark rückläufig ist, wird ­zunehmend die Besatzerfassung vom Jäger freiwillig als Grundlage für eine Bejagung gemacht (Wildtierkataster). Bei manchen Arten verlangt der Gesetzgeber bereits Zähldaten, um eine lokale Bejagung zuzulassen (Baden-Württemberg). Verantwortungsbewusste Jäger ...

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