Logo weiterlesen.de
Wein

Unsere eBooks werden auf kindle paperwhite, iBooks (iPad) und tolino vision 3 HD optimiert. Auf anderen Lesegeräten bzw. in anderen Lese-Softwares und -Apps kann es zu Verschiebungen in der Darstellung von Textelementen und Tabellen kommen, die leider nicht zu vermeiden sind. Wir bitten um Ihr Verständnis.

WEIN EINKAUFEN

Weinkenner kann jeder werden, vorausgesetzt, er macht so oft wie möglich seine Hausaufgaben: probieren, probieren, probieren. Am besten erst einmal für sich allein, um die eigenen Vorlieben kennenzulernen. Es lohnt sich, die verschiedenen Einkaufsquellen kritisch unter die Lupe zu nehmen. Schöne Etiketten sind nicht alles – auf den Inhalt der Flaschen kommt es an.

WANN WEIN SCHMECKT

Cola schmeckt immer gleich, Wein dagegen nie. Eine schmerzhafte Erfahrung für jeden, der Beständigkeit schätzt. Ob man einen Wein einfach so oder zum Essen genießt, ob man allein ist oder sich in lustiger Runde befindet, aus einem simplen Plastikbecher trinkt oder aus einem edlen Weinglas – der Wein wird immer wieder etwas anders schmecken.

Wenn man eine teure Flasche in einem Weinladen kauft, hat man beim Probieren eine andere Erwartungshaltung als bei einem preiswerten Wein aus dem Supermarkt. Der persönliche Genuss hängt von der Situation ab, in der der Wein getrunken wird. Deshalb nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, wenn ein bestimmter Wein beim ersten Probieren das Prädikat »schmeckt mir nicht« erhält. Es könnte am falschen Zeitpunkt, einer unpassenden Gelegenheit oder dem falschen Essen als Begleitung gelegen haben.

Quellentest

Welche Bezugsquelle man für seinen persönlichen Weineinkauf wählt, hängt nicht unbedingt vom Budget ab, das zur Verfügung steht. Oft hindert den Weineinsteiger eine gewisse Schwellenangst daran, den Schritt in die Fachhandlung zu wagen. Dabei bieten die meisten Einkaufsquellen – vom Discounter bis zur Weinboutique – Alltagsweine zu erschwinglichen Preisen an. Mit einem einfachen Test können Sie ausprobieren, ob Weine aus dem Discounter so gut schmecken wie die aus dem Fachhandel. Wählen Sie dazu einfach eine Weinsorte aus, die überall zu bekommen ist. Einmal angenommen, Ihnen schmeckt italienischer Chianti. Wie viel Geld würden Sie für eine Flasche ausgeben? Kaufen Sie je ein etwa gleich teures Muster beim Discounter, im Supermarkt, im Weindepot, in der Weinabteilung eines Kaufhauses und im Weinfachhandel. Dann probieren Sie die Chianti gleichzeitig nebeneinander. Welcher schmeckt Ihnen persönlich am besten?

WEINQUELLEN

Wein kann man fast überall kaufen: im Gartencenter, an der Tankstelle, im Drogeriemarkt und beim Discounter, im Verbrauchermarkt, Weindepot, Kaufhaus oder Supermarkt. Und natürlich im Weinfachhandel und noch schöner: direkt beim Winzer.

IMG

Aus einem großzügigen Weinsortiment aussuchen und testen – ein Schlaraffenland für Weinliebhaber.

PROFI-TIPP

Sucht man einen preisgünstigen Alltagswein, lohnt sich das Stöbern im Supermarkt: einfach aus dem Bauch heraus entscheiden. In der Preisklasse zwischen 4 und 6 Euro kann man nicht viel falsch machen.

Was ist was?

Klassische Supermärkte wie Edeka, Tengelmann und Rewe bieten das Wichtigste für den täglichen Bedarf in erreichbarer Nähe. Kaufhäuser sind in Innenstädten zu finden, vereinen viele Spezialgeschäfte unter einem Dach und wollen auch anspruchsvolle Kunden bedienen.

Verbrauchermärkte wie Familia, Toom, Coma oder Combi liegen außerhalb der Wohngebiete, sind auf Autokunden ausgerichtet, haben ein breites Angebot von Lebensmitteln, Getränken und Haushaltswaren auf großen Flächen und sind auf Vorratskäufe spezialisiert. Discounter wie Aldi, Lidl, Penny oder Plus führen vorwiegend Artikel, die einen schnellen Umsatz erwarten lassen, in einfacher Präsentation und zu billigen Preisen.

Einige Drogeriemärkte wie dm und Rossmann bieten neben Kosmetika und Waschmitteln zunehmend auch Weine an, und manche Tankstellen sind sogar eine gute Adresse für Wein. Im Weinfachhandel dagegen gibt es nur Weine, manchmal ergänzt durch Gläser, Korkenzieher und Weinliteratur. In diese Kategorie gehören auch die Weindepots, eine Art Fachhandel mit Probiermöglichkeit.

WEIN IM SUPERMARKT

Das Angebot für Spontankäufer. Große Supermarktketten benötigen ein einheitliches Sortiment, das vom Zentraleinkauf vorgegeben ist. Kleinere Nachbarschafts-Supermärkte führen eher eine individuelle, oft regionale Auswahl, die sich an den Vorlieben ihrer Stammkunden orientiert. Immerhin wird jede dritte Weinflasche im Supermarkt gekauft.

Basisangebot

Weine, die landesweit angeboten werden, müssen in ausreichender Menge verfügbar sein. Also kommen sie vor allem von großen Weinunternehmen und Großimporteuren, die tankweise Weine einkaufen und auf Flaschen füllen. Der gleiche Wein soll über längere Zeiträume (sprich: Jahre) verfügbar sein und immer ähnlich schmecken. Es handelt sich meist um Industrieweine oder Weine aus Regionen mit beständigem Klima, zum Beispiel Südfrankreich, Australien, Chile oder Kalifornien.

Da es im Supermarkt in der Regel keine Beratung gibt, enthalten die Rückenetiketten einige Informationen zum Wein – wie er schmeckt, wozu er am besten passt, mit welcher Temperatur er geeigneterweise serviert werden sollte.

PROFI-TIPP

Wo das Weinangebot lieblos präsentiert wird, sind die Flaschen oft zu alt und der Wein schmeckt nicht mehr.

Vor- und Nachteile

Supermarktweine sind für den sofortigen Genuss gedacht. Sie sind oft besser als ihr Ruf, selten extrem schlecht und meist technisch in Ordnung. Der Geschmack orientiert sich am Durchschnittskäufer, nicht am ambitionierten Weinkenner. Häufig findet man Aktionsangebote besonders beliebter Weine – vor allem Markenweine.

DROGERIEMÄRKTE & CO.

Das Angebot für Experimentierfreudige. Da Weinflaschen beliebte Mitnahmeartikel sind, werden sie in Sonderaktionen oft auch in Drogeriemärkten, Gartencentern, natürlich in Tankstellen und sogar Möbelgeschäften verkauft.

Basisangebot

In der Regel werden Massenweine angeboten, allerdings gibt es Ausnahmen. Eine Drogeriemarktkette (mit dem Zentaur als Firmenlogo) hat schon lange erkannt, dass sich ein gutes Sortiment lohnt, und bietet ein ambitioniertes Angebot aus den klassischen Weinländern Europas. Die Weine sind am Regal recht aussagekräftig beschrieben, etwas teurer als beim Discounter, dafür deutlich besser. Achten Sie besonders auf Sonderangebote. Bei Nachahmern ist die Auswahl eher dürftig – schlichte bis schlechte Allerweltsweine. Dagegen bietet eine italienische Tankstellenkette schon seit Jahrzehnten bessere Weine und Spumanti direkt von Winzern und Genossenschaften aus Italien in ihren Shops an. In Gartencentern findet man nicht nur Weinreben zum Anpflanzen, sondern oft auch Weine, manchmal sogar von renommierten Weingütern.

Vor- und Nachteile

Außer bei speziellen Drogeriemärkten und Tankstellen sind die Weine sehr preiswert und selten gut. Aber: Einige Quellen (sogar Gartencenter) überraschen mit ausgefallenen Sortimenten. Vorteil der Tankstellen ist, dass sie meist gekühlten Sekt oder Weißwein für den spontanen Genuss bereithalten.

PROFI-TIPP

Für die 5 Euro, die ein schlechter Discounter-Cru-Bourgeois aus Bordeaux kostet, bekommen Sie in einem Fachgeschäft einen guten Rotwein inklusive Beratung: So finden Sie eher zu Ihren eigenen Vorlieben und ersparen sich Enttäuschungen.

DISCOUNTER

Das Angebot für Schnäppchenjäger. Fast jede zweite in Deutschland gekaufte Flasche stammt von einem Discounter. Hier gibt es nur Weine, die sich rasch und in großen Mengen verkaufen lassen. Der Einkauf beim Discounter ähnelt einem Glücksspiel: Mit gleicher optischer Aufmachung werden im Laufe der Zeit höchst unterschiedliche Weine verschiedener Anbieter verkauft.

Basisangebot

Das ständige Sortiment von Aldi, Lidl, Norma, Penny und Plus umfasst selten mehr als ein Dutzend unterschiedlicher Weine – wie Merlot oder Chardonnay – aus populären Anbaugebieten sowie Sekt, Prosecco und Champagner. Dazu gibt es wöchentlich wechselnde Lockangebote sogenannter »hochwertiger Weine« zu Fachgeschäftspreisen.

Vor- und Nachteile

Im Discounter gibt es ein paar trinkbare, preiswerte Weine für den Alltag, daneben aber auch fehlerhafte bis fast untrinkbare. Sonderangebote stammen oft aus namhaften Weinbaugebieten Frankreichs (Bordeaux, Châteauneuf-du-Pape), sind billiger als vergleichbare Angebote – aber leider selten ihr Geld wert. Schnäppchen kommen oft aus weniger bekannten Weinbauregionen wie Apulien (Italien), Minervois und Gascogne (Frankreich).

KAUFHÄUSER

Das Sortiment für Fortgeschrittenere. Die großen Kaufhäuser wie Karstadt und Kaufhof bieten in weitläufigen Weinabteilungen ein breites Spektrum an Weintypen aus unterschiedlichen Regionen an, dazu Sekt und Champagner, Spirituosen und Mixzutaten.

Basisangebot

Nach dem Motto »für jeden etwas« reicht das Angebot von einfachen Tropfen bis zu exklusiven Topweinen. Wirtschaftlichkeit und Image müssen vereinbart werden, deshalb gibt es neben preiswerten Allerweltsweinen auch Raritäten. Vor allem kurz vor Weihnachten findet man spezielle Angebote für Weinkenner, die sich rechtzeitig vor dem Fest eindecken wollen oder nach einem Geschenk suchen.

Vor- und Nachteile

In den Weinabteilungen kann man meist ungestört stöbern. Neben der Preisauszeichnung werden Weine oft ausführlich beschrieben, manchmal können Weine verkostet werden, und es gibt Fachpersonal, das man um Rat fragen kann. Ideales Terroir fürs Fachgeschäftstraining! Die Weine sind meist ordentlich gelagert (liegend, ohne grelle Beleuchtung). Aktionswochen und Sonderangebote sind seriös und bieten gute Qualität zu reduzierten Preisen. Aktionsweine werden oft unter Marktpreis angeboten, Sortimentsweine können teurer sein als im Fachgeschäft. Rabatte gibt es oft beim Kauf ganzer Kisten, bei höherpreisigen inklusive Holzkiste.

DIE TRICKS DER REGALEINRÄUMER

In großen Märkten und in Kaufhäusern sind Spezialisten damit beschäftigt, Ladendesign und Warenpräsentation so zu optimieren, dass die Kunden zum Kaufen angeregt werden. Auch die Weinflaschen sind daher nach bestimmten Prinzipien in den Regalen angeordnet – und dies natürlich nicht nur, um Ihnen den Überblick zu erleichtern, sondern auch, um Ihren Blick auf spezielle Weine zu lenken.

Von oben nach unten

Weine aus bestimmten Regionen werden in Gruppen zusammengefasst und innerhalb dieser Gruppen nach psychologischen Gesichtspunkten geordnet. In Augenhöhe, in der »Sichtzone«, stehen diejenigen Flaschen, die dem Unternehmen den größten Gewinn bringen oder die am schnellsten umgesetzt werden. In der Regel sind sie gerade ein bisschen teurer als das, was der Durchschnittskäufer eigentlich ausgeben wollte. Sind die Flaschen mit weiterem Abstand großzügig in die Regale eingeräumt, signalisiert das: besonders wertvoll, mitnehmen!

Preiswertere Weine finden Sie eine Etage tiefer, fachmännisch »Bückzone« genannt, sie erfordern also eine Verbeugung. Ganz unten stehen die billigsten, meist auch größten Flaschen mit 1 oder 1,5 l Inhalt, die nur des Alkoholgehalts wegen gekauft werden.

Die teuersten Flaschen stehen ganz oben, in der sogenannten »Reckzone«. Der Blick nach oben steht für Ehrfurcht, die Flaschen sind für kleinere Leute fast unerreichbar.