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Woodwalkers (4)

 

Bücher von Katja Brandis im Arena Verlag:
Woodwalkers. Carags Verwandlung
Woodwalkers. Gefährliche Freundschaft
Woodwalkers. Hollys Geheimnis

 

 

 

 

 

Katja Brandis, Jahrgang 1970, hat Amerikanistik, Anglistik
und Germanistik studiert und als Journalistin gearbeitet. Schon
in der Schule liehen sich viele Mitschüler ihre Manuskripte
aus, wenn sie neuen Lesestoff brauchten. Inzwischen hat sie
zahlreiche Romane für Jugendliche veröffentlicht, zum Beispiel
Gepardensommer, Floaters – Im Sog des Meeres oder Ruf der
Tiefe. Bei der Recherche für Woodwalkers im Yellowstone-
Nationalpark lernte sie eine Menge Bisons persönlich kennen,
stolperte beinahe über einen schlafenden Elch und durfte
einen jungen Schwarzbären mit der Flasche füttern. Sie
lebt mit Mann, Sohn und drei Katzen, von denen eine ein
bisschen wie ein Puma aussieht, in der Nähe von München.
www.katja-brandis.de

Inhaltsverzeichnis

Panik

Achtung, Verwandlung!

Unerwarteter Besuch

Erste Überraschung

Zweite Überraschung

Überzeugungskraft

Ahnungslos

Nervenflattern

Der Geruch des Fliegens

La Chamba

Spinnenliebe

Geheimbesprechung

Tumult im Regenwald

Das Grauen hat einen Namen

Freund oder Feind?

Immer diese Reptilien

Wer übers Wasser laufen kann

Die Wette

Schuld und Strafe

Eine Entscheidung und ein Kampf

Carag live

Liebesalarm

Tovis Freundin

Ein fellsträubender Plan

Katzenaugen

Krise

In der Stille der Nacht

Held

Rache und Kaffee

Kamikaze

Jäger und Beute

Scherben

Vermisst

Bad Taste

Mini-Wörterbuch Spanisch

Danksagung

Mein Feind Andrew Milling wird immer stärker
und jetzt unterstützt ihn auch noch dieser hinterhältige
Tripel-Wandler. Nicht gut! Lieber denke ich daran, wie
schön es war, endlich meine Puma-Familie wiederzutreffen.
Aber wird sich mein Vater jemals damit abfinden, dass ich
die Menschen mag? Ich erinnere mich noch gut daran,
wie wir – er und ich – ihnen früher mal
richtig Ärger gemacht haben …

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Panik

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Meine Eltern hatten mich immer gewarnt, dass in der Wildnis nur der überlebt, der stark, schnell und wachsam ist. Aber damals war ich noch viel jünger als jetzt und oft genug nicht sehr vorsichtig. Als ich eine Maus durch den sonnigen Kiefernwald verfolgte, raste das Blut heiß durch meine Adern und ich sah nichts mehr außer diesem kleinen braunen Vieh, das direkt vor mir zwischen abgefallenen trockenen Ästen, Gras und Kiefernzapfen davonhuschte. Prankenschlag, Sprung, gleich hatte ich es, mein erstes selbst gefangenes Frühstück!

Carag, pass auf! Keine Bewegung!

Mein Vater brüllte es so laut in meinen Kopf, dass ich verdutzt stehen blieb.

Ich wollte mich umwenden, ihm einen fragenden Blick zuwerfen, aber zum Glück tat ich es nicht.

Es gab noch jemanden, der es auf die Maus abgesehen hatte. Jetzt erst, während mein Jagdfieber verebbte, bemerkte ich das Rasseln und sah den braun-gelblich gemusterten Körper der Klapperschlange keine Pfotenlänge von mir entfernt. Hätte Xamber mich nicht gewarnt, wäre ich voll in sie hineingelaufen.

Es war ein Männchen und es hielt den Kopf gereizt erhoben, während die Hornringe an seiner Schwanzspitze drohend vibrierten. Sein Reptiliengeruch stieg mir in die Nase, so nah war er, so furchtbar nah. Würde ich jetzt sterben? Würde das sehr wehtun?

Beweg dich nicht!, wiederholte mein Vater und ich konnte seine Angst um mich in seinen Gedanken spüren. Dann zieht sie vielleicht ab.

Doch die Klapperschlange hatte anderes im Sinn. Sie hatte anscheinend entschieden, dass ich ihr feindlich gesinnt war, obwohl ich in Wirklichkeit nur eins wollte – weg hier! Halb gelähmt vor Entsetzen sah ich, wie sich ihr muskulöser Körper zusammenzog, wie sie sich bereit machte, zuzustoßen.

Auch mein Vater hatte das wohl gesehen. Schnell, zurück!, schnauzte er mich an, und dann stieß er sich vom Boden ab. Eben noch war sein geschmeidiger zimtfarbener Körper ein ganzes Stück von mir entfernt gewesen, doch nun kam er neben mir auf und holte im gleichen Moment mit einer Vorderpranke aus. Während ich zurücksprang, schleuderte sein Schlag die Klapperschlange von mir fort. Wütend wand sie sich, während ihr langer Körper einen Bogen in der Luft beschrieb. Mit einem Knistern landete sie in einem Wacholdergebüsch und wir zogen uns vorsichtig zurück.

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Danke, sagte ich zittrig zu meinem Vater und konnte kaum begreifen, dass wir beide noch lebten. Sie hat dich nicht gebissen, oder?

Nein, alles in Ordnung. Xamber beugte sich zu mir herunter, um mir über den Kopf zu schlecken, und einen Moment lang schmiegte ich mich an ihn und fühlte mich wunderbar geborgen bei ihm.

Du hast diese Schlange nicht bemerkt, weil du …, begann er streng. Ich ließ Ohren und Tasthaare hängen, weil jetzt bestimmt die Standpauke kam, die ich verdient hatte. Doch mein Vater sprach nicht weiter, stattdessen schrak er zusammen, wandte den Kopf und duckte sich. Na wunderbar. Diesmal haben wir beide nicht aufgepasst!

Erst begriff ich nicht, was er meinte, doch dann fingen meine Ohren ferne Hufschläge und den Klang von Stimmen auf. Ich spürte, wie mein Fell sich sträubte. Weil wir durch die Klapperschlange abgelenkt gewesen waren, hatten wir verpasst, dass Eindringlinge in der Nähe waren! Es gab einen Pfad, der durch unser Revier führte und auf dem hin und wieder Menschen auf Pferden vorbeikamen. Als ganz kleines Kätzchen hatte ich gedacht, jeder Reiter sei ein einziges Wesen, das eben vier Beine und zwei Arme hatte, wieso sollte es so etwas nicht geben? Aber so blöd war ich längst nicht mehr.

Ich glaube, es sind sechs oder sieben Leute – nichts wie weg!, flüsterte mein Vater mir zu und begann, sich geduckt und mit unendlicher Vorsicht durchs Unterholz vorzuarbeiten. Seine Pranken verursachten kein Geräusch auf dem trockenen, warmen Sandboden.